Buchholzer Neonazis beklagen Angriff der Antifa +++ Störung einer Info-Veranstaltung in Tostedt geplant?

Veröffentlicht: 2015-01-18 in Hintergründe, Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

In den vergangenen Monaten war es relativ ruhig geworden um die Buchholzer Neonazis, die in der „Aktionsgruppe Nordheide“ (AG Nordheide) organisiert sind – zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung. Jetzt scheinen sie wieder aktiver zu werden, vielleicht auch ausgelöst durch die Diskussionen um Pegida und die Anschläge von Paris. Auf der Homepage der Gruppe erschien nach etwa einem halben Jahr Pause wieder ein Beitrag, über einen angeblichen Überfall von Mitgliedern der Antifa auf „Nationalisten“.

Am Abend des 10. Januar, also Sonnabend vor einer Woche, hätten sich „2 Nationalisten“ mit weiteren Bekannten in einer Buchholzer Bar getroffen. Vor der Bar hätten sich, so behauptet der Beitrag, Anhänger der Antifa getroffen und versucht, die Nazis „durch Gestiken zu provozieren“. Einige Zeit später habe eine vermummte Person einen Feldstein gegen eine Scheibe des Raumes geschleudert, in dem die Nazis saßen. Der Barbesitzer habe die Polizei gerufen, die erfolglos nach dem Täter gesucht habe.

Soweit der Bericht auf der Seite der AG Nordheide. Eine Bestätigung der Polizeiinspektion Harburg war am Sonntag nicht zu erhalten, die Angaben sind also mit Vorsicht zu genießen. Plausibel klingt zumindest die Einlassung, man habe sich gleich persönlich auf die Jagd gemacht, und die Aufforderung auf der Homepage, Hinweise zum Geschehen an die AG zu melden, damit man diesen „antideutschen Verbrechern“ das Handwerk legen könne. Das entspricht dem Anspruch der Nazis, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Natürlich versucht die Aktionsgruppe auch weiterhin, aus dem Flüchtlingsthema Kapital zu schlagen. Auf dem nach wie vor aktiven Twitter-Account der AG, der angeblich hauptsächlich vom Buchholzer Nazikader Denny Reitzenstein betrieben wird, wurde am gestrigen Sonnabend unter der Überschrift „Die Überfremdung des Landkreises Harburg geht weiter! 3. Containerdorf in Tostedt geplant!“ auf die geplante Unterbringung weiterer Flüchtlinge in Tostedt hingewiesen.

In dem Tweet wird ein Einladungsschreiben für eine Anwohner-Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Christus Centrum Tostedt (CCT) abgebildet. Das lässt befürchten, dass die Neonazis diese Veranstaltung stören wollen. Bereits vor knapp einem Jahr, Anfang Februar 2014, waren rund 35 Nazis im Rathaus in Tostedt erschienen, als dort über die Aufstellung der ersten beiden Containerdörfer in der Stadt informiert werden sollte. Die Polizei, die damals mit etwa 30 Beamten vor Ort war, konnte die Störer aus dem Rathaus weisen.

Dass es in Tostedt nicht so viele Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen gibt, ist einzusehen. Ob Landkreis und Gemeinde aber gut beraten waren, eine Informationsveranstaltung zum sensiblen Thema Flüchtlinge ausgerechnet in das Christus Centrum Tostedt zu legen, muss bezweifelt werden. Beim CCT handelt es sich um eine evangelikale, also fundamentalistische Gemeinde, zu deren Profil in der Regel die Abwertung des Islams und der Muslime gehört.

In diesem Blog ist in einem ausführlichen Beitrag nachzulesen, wes Geistes Kind man im CCT ist. So predigte im September 2013 im Festgottesdienst zum 60jährigen Bestehen der Gemeinde der berüchtigte „Missionar“ Reinhard Bonnke, der in afrikanischen Ländern wie Nigeria in den letzten Jahren immer wieder die Religionskonflikte angeheizt hat. Auch wenn Landkreis und Gemeinde wohl nur einen geeigneten Saal brauchten – gerade im Moment sollte man da vielleicht sensibler sein.

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