Archiv für die Kategorie ‘Politik’

Verordnung des Tages

Veröffentlicht: 2018-05-24 in Politik

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Veröffentlicht: 2018-05-23 in Politik

Song der Woche

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Song der Woche

Veröffentlicht: 2018-05-15 in Politik

Heraus zum 1. Mai!

Veröffentlicht: 2018-05-01 in Politik

 

http://www.unten-gegen-oben.de/

Von Kristian Stemmler, Hamburg

Ein Mann mit schwarzer Hautfarbe spricht vor rund 250 AfD-Mitgliedern, „besorgten Bürgern“, Protagonisten der Hooliganszene und Neonazis – dieses skurrile Ereignis ließ sich am Montagabend vor dem Hamburger Dammtorbahnhof verfolgen. Bei der neunten „Merkel muss weg“-Demonstration hielt Serge Menga, Deutscher kongolesischer Abstammung, die zentrale Rede. Unter Pfiffen und „Nazis raus!“-Rufen von rund 1200 Gegendemonstranten und dem Schutz von einigen hundert Polizisten präsentierte er sich als „guter Deutscher“, der sein Land vor „kriminellen Zuwanderern“ bewahren wolle.

Bei Rechten ist der in Essen lebende Menga, der sich schon mal selbst als „Quotenneger“ bezeichnet, durchaus  beliebt, seit er Anfang 2016 mit einer dreiminütigen Videobotschaft auf die sexuellen Übergriffen in Köln in der vorangegangenen Silvesternacht reagierte. Das Video wurde millionenfach aufgerufen. Menga erklärte darin, keinerlei Verständnis für das Verhalten von Migranten zu haben, die in Deutschland aufgenommen worden seien und sich jetzt so verhielten. Wörtlich rief er aus: „Packt einfach eure Klamotten und geht wieder nach Hause. Dorthin, wo gebombt und misshandelt wird.“

Seitdem wird der ehemalige Lkw-Fahrer und DJ in rechten Portalen wie Politically Incorrect oder Epoch Times, aber auch als Redner bei AfD- und Pegida-Veranstaltungen gefeiert. Dank seiner Abstammung kann er als Kronzeuge für das Scheitern der Flüchtlingspolitik herhalten – nach der Devise: Wenn ein Afriakner so etwas sagt, muss ja was dran sein! Diesem Muster folgte auch seine Rede am Montag in Hamburg, die das rechte Publikum allerdings erkennbar überforderte, weil viele Sätze nicht eindeutig zu bejubeln waren.

Um zu zeigen, dass er eine Menge mitgemacht hat, berichtete der Redner etwa, er sei auch schon „Dachpappe genannt“, „von Neonazis angespuckt“ und „von Polizisten verprügelt“ worden. „Ich kenne Deutschland besser als die meisten Deutschen“, fügte er hinzu, in dem Kontext eine zumindest zweideutige Aussage. Zuvor hatte Menga, der mit seiner Familie im Alter von elf Jahren ins Land kam, sich als „Deutschland liebender Migrant und Ex-Flüchtling“ vorgestellt. Seine Frau heiße „Müller, deutschester aller Namen“, mit der habe er „zwei wunderbare Kinder“.

Leicht verunsichert reagierte das Publikum auch auf den Satz „Wir müssen lernen zu differenzieren“. Seine Kritik richte sich nicht an Muslime oder Flüchtlinge insgesamt, Probleme habe er mit den Migranten, „die für Unruhe sorgen“. Diese Missstände werde er weiter attackieren, denn er habe bei der Einbürgerung gelobt, „Schaden von diesem Land abzuwenden“. Ungehemmten Beifall erntete der „Ex-Flüchtling“ für die Bemerkung, er sei froh, „dass es die AfD gibt, weil sie dafür sorgt, dass in diesem Land wieder einigermaßen eine Balance herrscht“.

Bunt und fröhlich war die Gegendemo des „Hamburger Bündnis gegen rechts“, die von der Mönckebergstraße durch die City zog und vor den Polizeiabsperrungen am Dammtorbahnhof Aufstellung nahm. Es kam zu vereinzelten Rangeleien mit der Polizei. Die Durchsage zum Ende der rechten Demo kurz vor 20 Uhr, die „Merkel muss weg“-Kundgebung solle nur noch alle zwei Wochen stattfinden, wurde mit Jubel aufgenommen.

Dass die Friedenskirche Buchholz eine üble Sekte ist, der es nur um Menschenfischerei und soziale Kontrolle geht, dürfte den Lesern des Blogs hinlänglich bekannt sein. Bekannt ist auch, dass diese Herrschaften, die sich in einem ehemaligen Autohaus an der Soltauer Straße ausgebreitet haben, vor keiner PR-Maßnahme zurückschrecken, um Leute zu sich zu lotsen – etwa „Lego-Tage“, die man auf Flyern als nettes Angebot an Kinder verkauft, um erst irgendwo ganz klein anzumerken, dass hier eine Kirche einlädt. Jetzt hat man allerdings den Vogel abgeschossen!

Zwei Tage vor Karfreitag ist in der Mittwoch-Ausgabe des Nordheide-Wochenblattes auf der Seite mit den Todesanzeigen eine Todesanzeige für Jesus Christus abgedruckt. Urheber: die Friedenskirche Buchholz. Text: „Am frühen Nachmittag verstarb Jesus Christus geb. Jesus von Nazareth“. Oben drüber steht ein Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium, unten ist vermerkt, dass es „weitere Infos“ auf der Homepage der Friedenskirche gibt. Dort wiederum ist die fragliche Anzeige auch abgebildet und leitet über zu Einladungen zu Gottesdiensten am Karfreitag und an den Osterfeiertagen.

Das fragt sich: Wie krank ist das denn?! Na klar, man wollte erreichen, dass die Leser beim Blick auf die Seite stutzen und an der Anzeige hängen bleiben – aber diese Art der PR, offensichtlich von amerikanischen Methoden abgeguckt, ist eine Verhöhnung der christliche Botschaft und wird dem Ernst des Themas Tod und Auferstehung in keiner Weise gerecht. Sie beweist erneut, dass dieser Sekte alle Mittel recht sind, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Selbst beim Wochenblatt hat man offenbar eine Ahnung gehabt, dass diese Form der Werbung nicht passend ist. Darum wurde das Inserat auf den Fuß der Seite weggedrückt und mit einer eigenen Marke „Helfer in schweren Stunden“ von den anderen Todesanzeigen getrennt. Aber warum nimmt man so eine Anzeige überhaupt an?

Die Antwort dürfte einfach sein: Eine auf Gewinnstreben ausgerichteter Verlag kann einem guten Anzeigenkunden, einer Freikirche, die den christlichen Glauben zum Schmiermittel der kapitalistischen Leistungsgesellschaft degradiert, natürlich einen kleinen Gefallen nicht abschlagen.

Kristian Stemmler