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Von Kristian Stemmler

Das Hamburger Abendblatt, Zeitung für den verschnarchten Kleinbürger der Hansestadt, hat heute, wohl eher unabsichtlich, einen neuen Beleg dafür kund getan, wie wir alle überwacht werden. Im Aufmacher auf der ersten Seite, der wie ein Aprilscherz anmutet, heißt es ganz zum Schluss, der Bankenverband prüfe „anhand von Listen mit auffälligen Begriffen“, die geheim seien, Überweisungen auf verdächtige Wörter, die auf Geldwäsche, Betrug oder Terrorfinanzierung hinweisen könnten.

Mit den als Beispiel zitierten Begriffen gibt sich das Abendblatt der Lächerlichkeit preis und die Behörden, die befragt worden sind, gleich mit. Unter der Überschrift „Haspa warnt Kunden vor Scherzen bei Überweisungen“ werden Bankkunden gemahnt nichts witzig Gemeintes in den Verwendungszweck der Überweisungsträger hineinzuschreiben. Zum Beipiel: „War eine tolle Nacht“, „Danke für Deine Niere“ oder „Waffenfähiges Plutonium“.

Da müssen jedem Leser, der noch alle Nadeln an der Tanne hat, sofort die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben sein. Welcher Terrorist, bitteschön, ist so dämlich „waffenfähiges Plutonium“ auf eine Überweisung zu schreiben?? Es sollte bis zu den Ermittlungsbehörden vorgedrungen sein, dass Terroristen das Bankensystem in der Regel überhaupt nicht benutzen, sondern ganz andere Möglichkeiten des Geldtransfers haben. Das geht von Hand zu Hand und nicht von Konto zu Konto.

Komplett lächerlich macht sich die Staatsanwaltschaft München, die vom Abendblatt mit den Worten zitiert wird, es seien vor einiger Zeit immer wieder Geldwäscheanzeigen eingegangen „wegen bemerkenswerter Verwendungszwecke. Als Beispiel wird angegeben: „Koks Nutten Marihuana und was man sonst so für eine gute Party braucht“. Mit Verlaub: Dieser Verwendungszweck verweist nicht auf Terroristen, sondern friedliche und lebenslustige Leute.

Im übrigen: Die Hamburger Sparkasse soll erst mal den eigenen Laden aufräumen. Was der Autor derzeit mit der Filiale in Buchholz erlebt, geht auf keine Kuhhaut. Dafür baut man sich was „Großes“ zwischen Galerie und Empore. Hauptsache Protz, der Kleinkunde zählt nicht mehr!

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SenInnDS Bericht zur Ausbildungssituation (Polizeiakademie) (1)

Auch im Landkreis Harburg wird man nicht müde, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn es um so genannte Drogen geht. Folgende Meldung hat die Polizeiinspektion Harburg veröffentlicht:

„Marihuana, Haschisch und Kokain stellten Beamte des Kriminalermittlungsdienstes aus Winsen jetzt bei Durchsuchungen sicher. Vorausgegangen waren monatelange umfangreiche Ermittlungen gegen einen 22Jährigen aus dem Landkreis Harburg, welcher auch in Hamburg eine Wohnung hat. Der Täter verkaufte seine Drogen nicht nur im Landkreis Harburg, sondern auch in Hamburg und im Heidekreis. Bei einem Treffen schlugen Beamte des mobilen Einsatzkommandos dann zu und nahmen den 22 Jährigen und einen 29 Jährigen Abnehmer fest. Die anschließenden Wohnungsdurchsuchungen in Hamburg und Winsen förderten neben den fast zwei Kilogramm Drogen auch noch mutmaßliches Dealgeld in hoher vierstelliger Summe zu Tage. Desweiteren stellten die  Beamten einen Mercedes sicher, welche offenbar aus den Einnahmen der Drogengeschäfte bezahlt wurde. Der Täter sitzt jetzt in  Untersuchungshaft.“

Da wird also ein SEK eingesetzt wegen eines bisschen Gras und Koks. Traurig, aber wahr! In diesem Land sterben jedes Jahre rund 100.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums, etwa die Hälfte an den Folgen des Tabakkonsums. Von daher müsste das SEK eigentlich mal einen Aldi-Markt stürmen…

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 
Apostelgeschichte 17,27

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

 

Was bleibt noch vom alten Buchholz..?

Von Kristian Stemmler

Die Buchholzer Flügel hat offenbar dem nächsten Investor die Lizenz zum Gelddrucken erteilt. Wie das Nordheide Wochenblatt in seiner Wochenendausgabe berichtet, wird in die Brachfläche an der Schützenstraße vis-a-vis City-Center-Parkplatz ein postmodernes Scheusal von Bauwerk hingeklotzt, das wieder einmal nur an Reiche und Geschäftsleute vermietet wird. „Investor“ ist in diesem Fall der ubiquitäre Steffen Lücking, finanziert von der VBN Immobilien, einer Tochter der Volksbank Lüneburger Heide. Diese schimpft sich zwar eingetragene Genossenschaft – was das in diesem Fall heißt, bleibt dahingestellt…

Wer noch einen letzten Rest von Geschmack bewahrt hat, dem wird beim Anblick der Animation im „Buchholzer Flügel“ getauften Komplex im Wochenblatt speiübel. Noch mehr kotzen muss der neutrale Beobachter, wenn er oder sie liest, dass sich Lücking mit einer Art Stiftung ein gutes Gewissen erkauft. Der komplette Gewinn so wird der Mann zitiert, fließe in eine in Gründung befindliche Stiftung namens Casiopeia, die ein „Stiftungshaus“ errichteten soll, mit der „Aufgabe, Familien mit Hospizkindern und -jugendlichen, speziell den hinterbliebenen Geschwisterkindern, über den Verlust hinweg in ein neues Leben zu helfen“.

So weit, so schlecht. Ein Wort noch zur Hospizbewegung: Ist es richtig und gut, den Tod immer mehr auszulagern..? Wortmeldungen dazu ausdrücklich erwünscht!

Die Polizeiinspektion Harburg meldet (Zwischenüberschrift Blog):

Tor des Monats

Buchholz – Einen Mercedes 350 CDI im Wert von 22.000 Euro entwendeten Unbekannte am Dienstag nachmittag. Zunächst brachen die Täter einen Spind im Schwimmbad im Holzweg auf. Daraus wurde neben einem Handy und Bargeld auch der Schlüssel für den PKW entnommen. Dieser wurde dann vom Parkplatz gestohlen. Zeugen, die das Fahrzeug mit dem Kennzeichen WL-DR 444 nach 15:45 Uhr noch gesehen haben, melden sich bitte bei der Polizei Buchholz unter 04181/ 2850.

Brandgefährlich

Wörme/Holm-Seppensen – Nachdem am Montag gegen 07:00 Uhr im Van der Smissenweg in Holm-Seppensen Waldboden in Brand gesetzt wurde, geschah gleiches am Mittwochmorgen gegen 01:45 Uhr in Wörme, Am Büsenbach. Zeugen bemerkten die Feuer jeweils rechtzeitig, so dass ein Ausbreiten der Flammen durch die hinzugerufene Feuerwehr verhindert werden konnte. Die Brandorte liegen nahe beieinander. Die Polizei geht daher von einem Zusammenhang aus. Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, melden sich bitte bei der Polizei Buchholz unter der Nummer 04181/ 2850.

Rein, aber nicht sauber

Seevetal – Ein 68 Jähriger fuhr am Dienstagmittag in das Schaufenster einer Reinigung in der Straße Am Gerätehaus. Warum der Mercedes-Fahrer diesen Unfall verursachte ist unklar. Personen befanden sich zum Glück nicht in der Nähe. Es blieb daher bei einem vierstelligen Sachschaden an Fahrzeug und Gebäude.

 

Gesehen an der Neuen Straße.


 

Dieses Interview mit Julia Staron, Quartiersmanagerin auf St, Pauli erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt:

St. Pauli gehört zu den Touristenmeilen der Welt, Inbegriff von Matrosenromantik und Rotlicht. aber wie in anderen Städten zerstört der Tourismus seine eigene Grundlage: Atmosphäre und Traditionen. Sie haben mit Mitstreitern eine Initiative gestartet, das Leben im Kiez auf die Liste der Unesco für immaterielles Kulturerbe zu setzen. Ist auf St. Pauli denn noch was zu retten?

Hier stellt sich die Frage nach der Perspektive. St. Pauli ist in seiner etwa 400jährigen Geschichte als Ort zwischen den Grenzen einem ständigen Wandel unterworfen. Seeleute gibt es schon lange nicht mehr. Das Rotlicht hat in den 80er Jahren seinen massivsten Einschnitt erfahren. Auf diese Veränderung erfolgte eine der buntesten und innovativsten Entwicklung im Bereich der Klubkultur. Bei unserer Initiative kann es also gar nicht um die Bewahrung einer folkloristisch anmutenden Tradition gehen, sondern um eine Kulturforschung, um den Kern dessen, was man gemeinhin mit St. Pauli verbindet. Um ein Erforschen von Mythen, Klischees und dem tatsächlichen Gefühl, das die Menschen hier bei allen Gegensätzlichkeiten verbindet.

Was ist das für eine Liste, von der nur wenige bisher gehört haben? Darauf stehen Handwerkstechniken oder Brauchtum, zum Beispiel der rheinische Karneval und das Sternensingen.

Die Liste kennt kaum jemand, weil sie auch für die dort gewürdigten Kulturen und kulturellen Ausdrucksformen faktisch keine wirklichen Folgen hat. Viele Menschen verbinden mit dem Weltkulturerbe eben das materielle, was dann auch Rechtsfolgen wie eine Stärkung des Denkmalschutzes mit sich bringt und zudem durch die Liste der Weltkulturstätten dann auch eine touristische Stärkung nach sich zieht. Das gilt für das immaterielle Erbe nicht. Hier geht es mehr um eine Würdigung einer Besonderheit, eine innere Stärkung und Bewusstseinsmachung.

Reeperbahn, wenn ich Dich heute so anseh‘ Kulisse für’n Film, der nicht mehr läuft“, sang Udo Lindenberg schon 1989. Seitdem ist es ja erst richtig schlimm geworden, oder?

Ich weiß ja nicht. Das wird immer so in den Raum gestellt. Die Straßen sind voller als Anfang der 80er. Touristischer Ort war St. Pauli schon immer – seit vielen hundert Jahren. Es gibt aber viele St. Paulis. Es gibt das der 20er/30er Jahre, der 50er, das St. Pauli der Beatles, des Rotlichts, der Kaschemmen und Kneipen, der Theater, der Shows, den Lebensraum St. Pauli in Nord und Süd, das St. Pauli der Seeleute, der gestrauchelten Träume, der Clubkultur, der Subkultur, der Hafenstraße, des Fußballs … ach und noch so viel mehr. Darf es in dieser Vielfalt überhaupt so etwas wie eine Deutungshoheit geben?

Aber die Reeperbahn quillt doch über vor Touristen?

Ja, ein paar Dinge fühlen sich heute anders an und einige Bilder passen irgendwie nicht mehr. Es gibt eine Art Tourismus, der die Leichtigkeit wie auch Austauschbarkeit eines Strand- und Party-Urlaubs in urbane Räume trägt. Städte verkommen zu merkwürdigen Kulissen. Die tatsächliche Freiheit St. Paulis wird genutzt wie ein Kostüm bei einem Junggesellenabschied. Zudem gibt es immer mehr touristische Angebote, die gar nicht mehr aus dem Viertel kommen, sondern wo St. Pauli eben eher von Eventagenturen aufgrund seines Images und seiner Kulissen-Wirksamkeit missbraucht wird.

Auch die Investoren tun dem Kiez nicht immer gut. Südlich der Reeperbahn fühlt man sich zwischen sterilen Bürotürmen wie in einem Alptraum, oder?

Also, ich wohne im Brauquartier in einer Wohnung der Bergedorf-Bille Genossenschaft. Wunderbar bezahlbar. Man kann über die Architektur streiten – ich finde die roten Häuser ganz ok. Der Platz ist allerdings eine stadtplanerische Pleite. Die Fallwinde, die bei den tanzenden Türmen sogar noch schlimmer sind, machen ein Leben im Außenbereich und Erdgeschoss fast unmöglich. Die Nachbarschaftlichkeit hat hier aber zum Glück andere Wege gefunden.

Was bleibt von der Seele des Quartiers, haben Sie gefragt – ein starker Satz. Hat St. Pauli seine Seele nicht längst verkauft?

Niemals.

Wie sieht das weitere Verfahren aus, wie schätzen Sie Ihre Erfolgsaussichten ein?

Das ist schon ein hartes Brett; denn wir wagen uns ja durchaus an die Deutung des Kulturbegriffes der Unesco heran. Das Immaterielle Weltkulturerbe ist halt recht folkloristisch geprägt und urbane Kulturen haben es per se schon schwerer. Unser Unterfangen ist gewagt – aber nicht unmöglich. Interview: Kristian Stemmler

Seit der letzten massiven Kritik hat sich das Stadtcafé Buchholz der Kette Bäckerei Weiß aus Todtglüsingen zwar etwas gebessert, aber leider liegt Manches immer noch im Argen. Zuletzt wechselte das Personal doch ein wenig abrupt, so dass es man ständig mit neuen Nasen zu tun hatte. Bei der Auswahl des Personals scheint Jochen Weiß nicht immer ein glückliches Händchen zu haben – er wählt nicht immer die hellsten Kerzen auf dem Kuchen aus – um mal einen Begriff aus seinem Bereich zu wählen. So wurde dem Blog zugetragen, dass ein Stammkunde, der gerade einen Kaffee bestellt und bekommen hatte, vom Verkäufer darauf hingewiesen wurde, wo die Geschirrabgabe sich befindet…

Herr, lass Hirn vom Himmel regnen und nicht immer nur Mann! (ws)

 

 

Dass Lkw aller Art, oft in hohem Tempo, durch Buchholz fahren, lässt sich offenbar kaum vermeiden. So ist jedenfalls aktuell schwer vorstellbar, wie etwa die Discounter im Zentrum wie Penny und Famila anders beliefert werden sollten als mit großen Lastern. Dasselbe gilt für die Versorgung der Baustellen mit Baumaterial. Warum aber Zugmaschinen mit Schiffscontainern, wie vom Blog mehrfach beobachtet, über Schützenstraße und Bremer Straße rasen müssen, ist nicht zu erklären und nicht zu akzeptieren.

Offensichtlich handelt es sich dabei um reinen Durchgangsverkehr, das heißt die Fahrer kürzen ab oder umgehen eine mautpflichtige Strecke. Dass das erlaubt ist, ist nicht nachvollziehbar. Diese Ungetüme stellen eine immense Gefahr für alle Buchholzer Verkehrsteilnehmer dar, insbesondere für Alte und Kinder. Das gilt nicht nur für Buchholz – in ganz Deutschland werden immer wieder Menschen von Lkw überrollt, wie zuletzt etwa eine junge Mutter an der Osterstraße im Hamburger Bezirk Eimsbüttel.

Der Blog fordert darum: Lkw raus aus Buchholz – soweit dies irgend machbar ist!

Und dann fangen wir doch gleich mit dem Lkw an, der inklusive Container und Anhänger mit zweitem Container (siehe Foto) auf dem Schützenplatz abgestellt ist. Vermutlich verbotenerweiese. (ws)

 

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannistag

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Von Kristian Stemmler

Just in time. Pünktlich auf die Minute enterte Truck Stop die Jesteburger Naturbühne zwischen Freibad und neuem Schützenhaus. Just in time war auch das Wetter. Eben hatte es noch aus dunklen Wolken geregnet – als die Cowboys von der Waterkant nach ihren Instrumenten griffen, blieb den Wolken die Spucke weg. Es hörte auf zu regnen und die Wolkendecke riss auf, ziemlich genau über der kleinen Bühne, auf der die sechs Musiker ohne Umstände loslegten. Das Publikum war ebenso pünktlich zur Stelle, ging schon bei den ersten Songs voll mit.

Trotz der dunklen Wolken und des auffrischenden Windes war der Auftritt der erfolgreichsten deutschen Countryband am Freitagabend im idyllischen Jesteburg wieder ein Erlebnis der besonderen Art, glich oft eher einem Happening als einem Konzert. Kinder spielten vor der Bühne, es wurde getanzt und geklatscht, es gab frisch gezapftes Bier, Weißwein und Caipirinha, Würstchen vom Grill, niemand musste darben. Aber vor allem gab es richtig was auf die Ohren.

Die sechs Musiker ließen nichts anbrennen und spielten einen Klassiker nach dem anderen, aber auch Neueres, weniger Bekanntes. „Ich möcht so gern Dave Dudley hören“ aus der Anfangzeit in den 70ern durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie „Männer sind so“, „Take it easy altes Haus“ oder die Erkennungsmelodie vom Großstadtrevier, die nun wirklich jeder mitsummen oder -singen kann. „Wenn der Schutzmann ums Eck kommt…“

Zum Schutz vor dem Regen waren gekonnt Zeltplanen so gespannt worden, dass sie quasi ein durchgehendes Dach bildeten und sich die Zuhörer darunter sicher auf alle Arten von Sitzgelegenheiten niederlassen konnten, vom Liegestuhl bis zum Klapphocker. Sehr erfreulich: Viele körperlich oder geistig beeinträchtigte Menschen waren im Publikum genossen die Musik und die Atmosphäre, und zwar ganz selbstverständlich.

Was der Pressetext behauptete, davon konnte man sich an diesem Abend überzeugen. „Auch wenn es nicht immer einfach war, hat die Band stets gewusst, wo sie hingehört: auf die Bühne und zu ihren Fans, die ihr immer treu geblieben sind.“ 45 Jahre gibt es Truck Stop jetzt schon, das ist nun wirklich ein Grund zu feiern. Im Frühjahr ist ein Jubiläumsalbum bei ihrem Label Telamo herausgekommen unter dem Titel „Das große Jubiläum“ mit allen bekannten und etwas unbekannteren Hits.

Genau am 10. März 1973 begann die legendäre Geschichte der Band: Damals sang sie noch auf englisch, spielte Country, Rock ’n‘ Roll und Blues, veröffentlichte vier Alben. Trotz diverser Fernsehauftritte, etwa im Musikladen, verkauften sich die Alben der Gruppe zunehmend schlechter, woraufhin ein Stilwechsel beschlossen wurde. Die Mitglieder der Gruppe verständigten sich auf den Schwerpunkt Country in deutscher Sprache.

Maßgebend für diesen mutigen Schritt war der legendäre Maschener Produzent Joe Menke, der als erstes mit der Band in seinem, später ja von Truck Stop besungenen, Tonstudio, ein Demo aufnahm, das mehreren Plattenfirmen präsentiert wurde. Telefunken bot der Gruppe schließlich 1973 einen Plattenvertrag an. Der Grundstein für den kometenhaften Aufstieg von Truck Stop. Eine Tochter des 2001 verstorbene Menke ist übrigens Franziska Menke, die unter dem Namen Frl. Menke zu den Stars der Neuen Deutschen Welle gehörte.

Das musikalische „Sixpack“ besteht heute aus Andreas Cisek (Leadgesang, Gitarre) Wolfgang „Teddy“ Ibing (Schlagzeug), Chris Kaufmann (Lead Gitarre), Tim Reese (Fiddle, Gitarre, Banjo, Mandoline), Uwe Lost (Bass, Gesang, Akkordeon) und Knut Bewersdorff (Gesang, Pedal Steel, Dobro, Gitarre). In dieser Formation geht Truck Stop ab November 2018 auf große Jubiläumstour und präsentiert ihre besten Songs in 20 Städten Deutschlands. Gehen Sie hin, erleben Sie den wilden, wilden Westen live!

Von Kristian Stemmler

Warum sind in Deutschland immer noch Straßen und Plätze nach einem Mann benannt, der mitverantwortlich ist für Millionen von Toten? Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg hatte bereits als Chef der Obersten Heeresleitung in den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges Hunderttausende auf dem Gewissen. Mit seinem Kumpan Erich von Ludendorff saß er trocken im belgischen Spa und traf eine strategische Fehlentscheidung nach der nächsten, sorgte dafür, dass der Krieg um einiges verlängert wurde, obwohl er längst verloren war.

Das Kriegsende überstand der aus einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht stammende Mann dennoch unbeschadet. Seine reaktionären Freunde sorgten mit der so genannten Dolchstoßlegende dafür, dass die Schuld für den verlorenen Krieg den in Kiel, Hamburg und anderswo revoltierenden Arbeiter und Soldaten in die Schuhe geschoben wurde – sie brauchten Hindenburg noch. 1925 hievten die rechten Parteien ihn auf den Posten des Reichspräsidenten. Traurig genug: Er ist bis heute das einzige deutsche Staatsoberhaupt, das direkt vom Volk gewählt wurde.

Der Rest der Geschichte ist bekannt. Hindenburg war es, der Adolf Hitler den roten Teppich ausrollte. Am 30. Januar 1933 ernannte der „große Feldmarschall“ den „kleinen Gefreiten“ zum Reichskanzler. Damit ist Hindenburg mitverantwortlich für Millionen von Toten, woran jedes nach 1945 bemühte Argument – er sei unpolitisch gewesen, habe nicht wissen können, was kommt etc. pp. – nicht das Geringste ändert. Dieser Mann hatte, als er am im August 1934 ins Grab stieg, die Weichen für das größte Schlachten der Weltgeschichte gestellt.

Wie kann man eine solche nach 1945 mit der Benennung von Straßen, Plätzen und Kasernen ehren?! Diese Frage stellt sich bis heute, beantwortet sich aber von selbst, wenn man bedenkt, wie viele Nazis in der Bundesrepublik wieder ans Ruder gekommen sind und die Nachkriegszeit geprägt haben. Es ist eine Schande für dieses Land, dass es länger als 70 Jahre gedauert hat, bis es zumindest hier und da zu einem Umdenken in dieser Sache gekommen ist. Zum Beispiel im beschaulichen Tostedt.

Dort hat laut Nordheide Wochenblatt vom 20. Juni der Rat einstimmig beschlossen, die bisher Hindenburgplatz genannte Grünanlage an der B 75/Schützenstraße in Töster Platz umzubenennen. Dem vorausgegangen waren, wie die Zeitung schreibt, monatelange Diskussionen, nachdem im Mai die Gruppe FDP/Burkhard Allwardt die Umbenennung der Anlage in Europa-Park beantragt. Allwardt und der Tostedter FDP-Chef, so das Wochenblatt, seien der Ansicht, es sei an der Zeit, „sich von einem alten Kriegshelden, Militärdiktator und Präsidenten, der Hitler zur Macht verholfen hat, als Aushängeschild der Gemeinde zu trennen“.

Eine späte Einsicht, aber in der heutigen Zeit Gold wert! Leider ist Buchholz da weit hinter Tostedt zurück. Es sei erinnert an den einstimmen Beschluss des Ortsrates von Holm-Seppensen, mit dem im Juli 2015 der Antrag des Autors dieses Beitrag auf Umbenennung des Hindenburgwegs abgeschmettert wurde. Dazu sei hier aus dem Artikel des damals noch querschläger genannten Blogs wiedergegeben:

„Einstimmig lehnte der Ortsrat Holm-Seppensen auf dieser Sitzung den Antrag des parteilosen Mitglieds im Buchholzer Stadtrat, Kristian Stemmler, ab, den Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Damit bekannten sich nicht nur die zwei Vertreter der UWG und die drei von der CDU, sondern auch die jeweils drei grünen und sozialdemokratischen Vertreter im Ortsrat zu dem Kriegsverbrecher Paul von Hindenburg, dem Wegbereiter Adolf Hitlers. Traurig, traurig!

Seinen Antrag hatte Stemmler im Stadtrat gestellt, der Antrag wurde aber an den Ortsrat weitergegeben, weil Umbenennungen von Straßen in den Ortsteilen in die Kompetenz der jeweiligen Ortsräte fallen. Hindenburgs Name sollte laut Antrag durch den von Ernst Neuhaus ersetzt werden, einem der wenigen Opfer des NS-Regimes, die namentlich bekannt sind. Neuhaus war Kommunist, seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„Mit der Umbenennung des Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg würde der Stadtrat von Buchholz 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der faschistischen Diktatur und in einer Zeit, in der rechtspopulistische und faschistische Tendenzen in diesem Land wieder erstarken, ein klares Zeichen setzen“, heißt es wörtlich in Stemmlers Antrag. Zur Sitzung des Ortsrats am 1. Juli konnte der Ratsherr wegen eines anderen Termins nicht erscheinen.

„Dass der Ortsrat Holm-Seppensen für dieses Thema zu kleinkariert ist, wundert mich nicht“, sagte Stemmler dem querschläger, „wobei ich nicht glaube, dass es im Stadtrat viel besser gelaufen wäre.“ Es sei die klassische Heuchelei und Doppelmoral in bürgerlichen Kreisen, sich für Flüchtlinge zu engagieren und Nazis verbal abzulehnen – aber im entscheidenden Moment den Schwanz einzuziehen und eine Politik zu forcieren und zu befürworten, die all diese Probleme erst verursacht.

Nach der Ablehnung seines Antrags im Ortsrat hat Stemmler jetzt einen neuen Antrag gestellt, der eine Straße im Kernbereich der Stadt betrifft und damit vom Rat behandelt werden muss. Er hat beantragt, die Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße umzubenennen. „Natürlich kommt der Antrag nicht durch“, sagte der Ratsherr, „aber man muss doch ab und zu demonstrieren, wie wenig dieser Rat tatsächlich gewillt ist, beim Thema Antifaschismus Farbe zu bekennen.“

Hier der Antrag im Wortlaut:

Der Rat der Stadt möge beschließen:

Die Adolfstraße wird in Ernst-Neuhaus-Straße umbenannt.

Begründung: Auch wenn die Adolfstraße nicht nach Adolf Hitler, sondern nach dem früheren Gemeindevorsteher Adolf Behrens benannt ist, und dies – zumindest an einem der Schilder – in einer Legende vermerkt ist, bleibt eine gewisse Verwechslungsgefahr. Nach Kenntnis des Antragstellers freuen sich Neonazis aus Buchholz klammheimlich, dass eine wichtige Straße im Buchholzer Zentrum Adolfstraße heißt. Vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtsextremer und rechtspopulistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft sollten solche Kristallisationspunkte in der Öffentlichkeit nach Möglichkeit beseitigt werden.

Ernst Neuhaus war Kommunist und gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

Die Umbenennung der Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße wäre ein deutliches Signal gegen rechtsextremische und rechtspopulistische Kreise und eine Verbeugung vor den Opfern des NS-Regimes. Die Straße bietet sich für die Umbenennung auch deshalb an, weil sie eine Nachbarstraße zur Steinstraße ist, wo, siehe oben, die Wohnung von Neuhaus lag.“

Dass diese Antrag im Buchholzer Stadtrat nicht durchkam, versteht sich von selbst…

 

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Der Bauzaun an  der Baustelle zwischen Wilhelm-Baastrup-Platz und Schützenstraße wurde wieder aufgestellt (Stand: 12.15 Uhr)

Seit gut einer Woche haben, wie der Blog berichtete, auf der Brachfläche an der Schützenstraße vis-s-vis vom City Center Bauarbeiten begonnen. Am gestrigen Donnerstag grub ein Bagger mit einem großen Bohraufsatz tiefe Löcher, in die offensichtlich die Stahlträger gerammt werden sollen, die bereits auf dem Areal bereit liegen. Auch eine Dampframme steht auf dem Gelände sowie ein Radlader. Die Absperrung der Baustelle war bereits an den ersten Tagen mangelhaft, dann wurde nachgebessert. Am Donnerstag ist der Bauzaun zur Kehre des Wilhelm-Baastrup-Platzes auf fast ganzer Länge umgekippt – vermutlich bei dem Unwetter am Mittag. Obwohl auf der Baustelle nachmittags wieder gearbeitet wurde, dachte keiner der Verantwortlichen daran, den Bauzaun wieder aufzurichten. Auch heute morgen um etwa 8.30 Uhr lag er noch unverändert auf dem Boden. Jedes Kind kann ungehindert die Baustelle betreten!

Der Stadtverwaltung von Buchholz liegt eine mündliche Meldung über den Missstand vor. Es bleibt abzuwarten, wann der Bauzaun wieder steht. Juristisch gesehen sind die kleinen, bekannten Schilder an den Zäunen rund um das Gelände „Betreten der Baustelle verboten…“ wertlos. In diesem Zustand haften die Verantwortlichen für den Zustand der Baustelle. (ws)

Heute morgen, kurz vor sieben: gähnende Leere auf dem Wochenmarkt!

Kein Spaß für die Nachbarn: Mit Riesenbohrer wurde am Freitag die Gründung des geplanten Baus an der Schützenstraße eingeleitet.

Die Polizeiinspektion Harburg meldet:

Bereits am 29. Mai wurde der Polizei eine lange Metallstange am
Fahrbahnrand der Hittfelder Straße gemeldet. Die Beamten fanden eine
etwas sechs Meter lange Abschleppstange, wie sie möglicherweise in
der Landwirtschaft oder im Schaustellergewerbe genutzt wird, vor.
Glücklicherweise hatte die verlorene Stange keinen Schaden bei
anderen Verkehrsteilnehmern angerichtet.

 

 


 

Ich hör die Botschaft wohl –

allein, Euch fehlt ’ne Schraube!

(Foto von der Nazi-Demo am 3.4.16 in Buchholz – am heutigen Sonnabend verbreitete die AfD ihre faschistischen Botschaften mitten auf dem Marktplatz…)

 

Sagt der Mitarbeiter im Jobcenter zum Klienten: „Wieso beantragen Sie denn einen Zuschuss zu Ihrem Zahnersatz? – Sie haben doch sowieso nichts zum Beißen.“

https://www.gesetze-im-internet.de/fertigpackv_1981/FertigPackV_1981.pdf

Von Kristian Stemmler

Es reicht ihnen nicht, dass sie wohlhabend oder zumindest finanziell abgesichert sind – nein, man bedient sich auch noch nach Lust und Laune in den kommunalen Etats. Das Wochenblatt hat, vermutlich ohne es zu merken, wieder einmal klar gemacht, wie der Hase in diesem Kaff namens Buchholz und dem dazugehörigen Landkreis läuft. Die herrschenden Kreise lassen sich auf Staatskosten nette Einrichtungen für sich selbst und ihre Brut zimmern – und der Rest kann sehen, wo er bleibt.

Für Personal in den Hallen- und Freibädern ist keine Geld da, wie der Quasi-Monopolist in der hiesigen Medienlandschaft kürzlich berichtete Da kann zum Beispiel das beliebte Waldbad Sieversen wegen Personalmangels vorerst nicht öffnen. Woanders sieht es auch nicht viel besser aus. In Tostedt wird das Freibad saniert, das dauert natürlich. Und in Buchholz steht zwar ein durchaus vorzeigbares Freibad, aber man macht es einfach nicht auf, da kann die Sonne draußen noch so knallen – Termin ist 26. Mai, der Chef verkündet gnädig, wenn es vorher wirklich heiß ist, wolle man mal gucken…

Soweit die Situation bei den Bädern, Vergnügungsstätten für alle, besonders für Leute mit eher wenig Kohle, weil der Eintritt günstig ist. Für die Kommunen aber oft ein Zuschussgeschäft, da verdient man nix mit und steckt sein Geld halt lieber in Glasfaser… Oder man bezuschusst Sportvereine, in denen sich haufenweise Leute tummeln, die vor Geld nur so stinken. In Buchholz zum Beispiel die Vereine Blau-Weiß und Buchholzer FC.

Vor kurzem war die Grundsteinlegung für die neue Sporthalle von Blau-Weiß. Jawoll! Ist da nicht erst vor nicht allzu langer Zeit eine Halle namens Nordheidehalle und dann noch ein Kletterturm gebaut worden..? Egal, wir wollen noch eine Halle, sagt der Herr Reglitzky, der Arno, und der Stadtrat liefert. 330.000 Euro Zuschuss gibt es von der Stadt laut Wochenblatt. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen!

Wir haben es hier mit einem Verein zu tun, in dem Ober- und Mittelschichtler aller Gehaltsstufen und ihre Gören ihren Hobbys nachgehen, Leute, die sich locker zwei bis drei Fernreisen im Jahr leisten können oder auch mehr. Und denen werden über 300.000 Euro nachgeschmissen! Ich glaub, mein Hamster bohnert. Bezahlt Eure Scheißhalle gefälligst selbst, Ihr asoziales Pack!

 

 

Aufheben

 

http://www.unten-gegen-oben.de/

 

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Von Kristian Stemmler

Sicher. Es gibt immer noch schöne Stellen in Hamburg. Aber alles in allem fällt mir zu Hamburg heute nur noch Eines sein – mit Verlaub: Hamburg, du kotzt mich an! Was haben sie aus dir gemacht!

Eigentlich ist die Stadt überhaupt nur noch da erträglich, wo das große Geld mangels Renditeaussichten nicht seine unappetitliche Pranke draufgelegt hat. Also in den Vierteln, die sich gar nicht oder nur leicht entwickelt haben. Also Stadtteile, deren Bewohner eher „einkommensschwach“ sind, wie man das heute nennt: Barmbek-Süd, Jenfeld, Eißendorf, Wilhelmsburg oder Billstedt.

Schön sind die nicht unbedingt, aber dafür authentisch. Wer in diesen Vierteln in den Lidl geht, der sieht Leute deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind – auf ihre Kosten lebt der große Rest. Und der lebt gut. In Eimsbüttel und Eppendorf, an der Sternschanze und in Volksdorf.

Die Quartiere, in denen das reiche Pack sich ausgebreitet hat, kann man sowieso vergessen, die sind verloren, also Harvestehude, Blankenese, Ohlstedt und Rissen. Der Protz der Villen, das Durchgestylte der Gärten, das bornierte Gehabe der Einwohner ist obszön und abstoßend.

Diese Viertel sind nur noch für komplette Planierung geeignet. Umgraben und Kartoffelfelder drauf anlegen, die natürlich von den ehemaligen Bewohnern bestellt werden müssen. Dann hat man da wenigstens eine Monokultur, die fruchtbar ist.

Aber es gibt auch noch Quartiere, die noch nicht ganz verloren sind, aber schon die Hitliste des Ekels anführen. Quartiere, die bei politisch denkenden und fühlenden Menschen nichts als Brechreiz auslösen sollten, genau die, auf die Standortpolitiker vom Schlage König Olafs am stolzesten sind. All die schon gentrifizierten oder noch im Prozess der Gentrifizierung befindlichen Viertel: Ottensen, Sternschanze, Eimsbüttel in Teilen, Altona in Teilen, St. Georg.

Eimsbüttel galt als Hochburg der Kommunisten, das „rote Eimsbüttel“. Was ist daraus geworden? Chichi-Läden an jeder zweite Ecke mit irgendwelchem Krempel, den kein Mensch braucht, Tierarztpraxen nur für Katzen, „Brasilian Waxing“ und Läden für Babboe-Lastenräder, Gefährte für vierstellige Beträge. Mit denen kutschiert die Familie des Hipsters seinen Nachwuchs herum.

Aber nicht nur auf den Straßen Eimsbüttels laufen Typen herum, die ich als „die neuen Herrenmenschen“ bezeichnen würde. Ihnen gehört die Welt, sie sind die Sieger. Das Schicksal der Marginalisierten geht ihnen im Großen und Ganzen am Arsch vorbei. Vor sich selbst und anderen gibt man sich aber durchaus liberal und sozial. Die leergetrunkene Flasche Beck’s stellt man selbstverständlich neben den Mülleimer, um den Flaschensammlern die Arbeit zu erleichtern.

Im Schanzenviertel laufen fast dieselben Leute rum, wobei die Durchmischung dort noch größer ist, also auch ne Menge „Normalos“ und andere unterwegs sind. Aber die Ladenzeilen sind schon so gut wie durchgentrifiziert. Man sieht den üblichen Krempel (siehe oben), die Läden haben lustige Namen, und alternative Kneipen und türkische Gemüseläden werden nur noch für den exotischen Flair benötigt.

Ganz schlimm ist St. Georg. Hier hat zwar noch so etwas wie eine (linke) Stadtteilarbeit überlebt, aber das Angebot und das Publikum sind unterirdisch, etwa an der Langen Reihe. Am Ende dieser einst so bunten Straße stehen heute statt „1000 Töpfe“ Schickimicki-Bars wie das „Neumann’s“ und „Peter Pane“, ein Burgergrill fürs gehobene Publikum. Schräg gegenüber ist ein neuer Edeka-Markt, dem man gesehen haben muss! Einen so luxuriösen Supermarkt habe ich persönlich noch nicht erlebt.

Soweit, so schlecht! Dass einkommensstarke Bevölkerungskreise ärmere Schichten aus innerstädtischen und innenstadtnahen Lagen verdrängen und Letztere immer weiter an die Peripherie abgedrängt werden, an den Rand (im doppelten Sinn), das ist nichts Neues. Ein viel untersuchter, viel beschriebener, viel kritisierter Prozess. Aber alle Studien, alle Kritik haben überhaupt nichts geändert, dieser zerstörerische Prozess hat sich in Großstädten eher noch beschleunigt – das muss man sich immer wieder bewusst machen!

Die niedlichen Chichi-Läden in Eimsbüttel und anderswo sind nur eine kitschige Fassade, die brutale Spaltungsprozesse verdeckt. Was diese soziale Spaltung, die sich immer mehr vertieft, wirklich bedeutet, kann man in Vierteln wie Billstedt, Wilhelmsburg und Jenfeld fast physisch erfahren. Die Gesichter der Leute im Lidl in diesen Vierteln, sie sind gezeichnet von den Anstrengungen des Alltags, von Mühe und Depression.

Aber so depressiv die Atmosphäre in diesen Discountern auch sein mag – ich fühl mich da hundertmal wohler als in den Einkaufsstraßen von Volksdorf und Eppendorf. Die Verlogenheit und Borniertheit in diesen Vierteln der Wohlhabenden ist unerträglich und ekelhaft. Hier führen die Profiteure der turbokapitalistischen Beschleunigungsprozesse ihre Markenjacken spazieren – leider oft viel zu ungestört.

Von Kristian Stemmler, Hamburg

Ein Mann mit schwarzer Hautfarbe spricht vor rund 250 AfD-Mitgliedern, „besorgten Bürgern“, Protagonisten der Hooliganszene und Neonazis – dieses skurrile Ereignis ließ sich am Montagabend vor dem Hamburger Dammtorbahnhof verfolgen. Bei der neunten „Merkel muss weg“-Demonstration hielt Serge Menga, Deutscher kongolesischer Abstammung, die zentrale Rede. Unter Pfiffen und „Nazis raus!“-Rufen von rund 1200 Gegendemonstranten und dem Schutz von einigen hundert Polizisten präsentierte er sich als „guter Deutscher“, der sein Land vor „kriminellen Zuwanderern“ bewahren wolle.

Bei Rechten ist der in Essen lebende Menga, der sich schon mal selbst als „Quotenneger“ bezeichnet, durchaus  beliebt, seit er Anfang 2016 mit einer dreiminütigen Videobotschaft auf die sexuellen Übergriffen in Köln in der vorangegangenen Silvesternacht reagierte. Das Video wurde millionenfach aufgerufen. Menga erklärte darin, keinerlei Verständnis für das Verhalten von Migranten zu haben, die in Deutschland aufgenommen worden seien und sich jetzt so verhielten. Wörtlich rief er aus: „Packt einfach eure Klamotten und geht wieder nach Hause. Dorthin, wo gebombt und misshandelt wird.“

Seitdem wird der ehemalige Lkw-Fahrer und DJ in rechten Portalen wie Politically Incorrect oder Epoch Times, aber auch als Redner bei AfD- und Pegida-Veranstaltungen gefeiert. Dank seiner Abstammung kann er als Kronzeuge für das Scheitern der Flüchtlingspolitik herhalten – nach der Devise: Wenn ein Afriakner so etwas sagt, muss ja was dran sein! Diesem Muster folgte auch seine Rede am Montag in Hamburg, die das rechte Publikum allerdings erkennbar überforderte, weil viele Sätze nicht eindeutig zu bejubeln waren.

Um zu zeigen, dass er eine Menge mitgemacht hat, berichtete der Redner etwa, er sei auch schon „Dachpappe genannt“, „von Neonazis angespuckt“ und „von Polizisten verprügelt“ worden. „Ich kenne Deutschland besser als die meisten Deutschen“, fügte er hinzu, in dem Kontext eine zumindest zweideutige Aussage. Zuvor hatte Menga, der mit seiner Familie im Alter von elf Jahren ins Land kam, sich als „Deutschland liebender Migrant und Ex-Flüchtling“ vorgestellt. Seine Frau heiße „Müller, deutschester aller Namen“, mit der habe er „zwei wunderbare Kinder“.

Leicht verunsichert reagierte das Publikum auch auf den Satz „Wir müssen lernen zu differenzieren“. Seine Kritik richte sich nicht an Muslime oder Flüchtlinge insgesamt, Probleme habe er mit den Migranten, „die für Unruhe sorgen“. Diese Missstände werde er weiter attackieren, denn er habe bei der Einbürgerung gelobt, „Schaden von diesem Land abzuwenden“. Ungehemmten Beifall erntete der „Ex-Flüchtling“ für die Bemerkung, er sei froh, „dass es die AfD gibt, weil sie dafür sorgt, dass in diesem Land wieder einigermaßen eine Balance herrscht“.

Bunt und fröhlich war die Gegendemo des „Hamburger Bündnis gegen rechts“, die von der Mönckebergstraße durch die City zog und vor den Polizeiabsperrungen am Dammtorbahnhof Aufstellung nahm. Es kam zu vereinzelten Rangeleien mit der Polizei. Die Durchsage zum Ende der rechten Demo kurz vor 20 Uhr, die „Merkel muss weg“-Kundgebung solle nur noch alle zwei Wochen stattfinden, wurde mit Jubel aufgenommen.

Leute, wie blöd und traditionsvergessen seid Ihr eigentlich?!! Überall werden die Eier und Hasen möglichst schleunigst entfernt – denn Ostern ist ja vorbei. Das zeigt aufs Neue, dass die große Masse nicht mehr die geringste Ahnung von christlichen Überlieferungen hat, sondern allein den kategorischen Imperativen des Kommerzes gehorcht.

Mit dem Ostersonntag hat die österliche Freudenzeit aber gerade mal begonnen, Ihr Konsumtrottel! Die geht bis Pfingsten. Also kann man die Ostereier auch so lange hängen lassen. Völlig unlogisch ist es dagegen, dass diese schon vor dem Karfreitag aufgehängt werden. Wenn das christlich und nicht neuheidnisch gemeint ist, bedeutet das im Klartext ja: Wir freuen uns auf die Kreuzigung!

Jaja, Herr Seehofer, dieses Land ist vom Christentum geprägt. Sicher doch.

 

 

Von Kristian Stemmler

„Ei love Ostern“ bekennt Aldi, verheißt seinen Kunden ein „Fest für Leckerschmecker“. Mc Donald’s speist die Massen beim „großen Oster-Countdown“ mit kostenlosen Softdrinks und Cheeseburger für’n Euro. Klubs und Discos laden am Karsamstag zu „Happy Easter Partys“ mit Vodka Bull und Black Russian. Und wem das nicht reicht, der bucht im Internet last minute Osterwellness im Chiemgau, drei Nächte für 395 Euro pro Person. Ostern heute – vier freie Tage zum Schlemmen und Chillen.

Carfreitag sollte der Karfreitag heißen, denn halb Deutschland setzt sich an diesem Tag ins Auto, um Verwandte zu besuchen, zum Event, Restaurant oder in den Kurzurlaub zu düsen. Klar, das ist nichts Neues und Kritik daran schmiert schnell in kulturpessimistische Jammerei ab. Dennoch lohnt es sich, den Umgang mit dem Osterfest näher zu betrachten, hilft es doch, die Hohlheit herrschender Ideologien offen zu legen. Am Beispiel Seehofer.

Bekanntlich mochte der neue Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auch in der Fastenzeit auf fette Schlagzeilen nicht verzichten und reanimierte vor zwei Wochen im Interview mit Bild den Satz: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland.“ Natürlich ein Versuch, AfD, Pegida & Co. das Wasser abzugraben (der doch nur Wasser auf ihre Mühlen ist). Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Satz ist nicht sinnvoll. Spannend ist allein das, was Seehofer unmittelbar danach sagte: „Deutschland ist durch das Christentum geprägt.“ Ein Nonsenssatz.

Das Land vom Christentum geprägt? Dreimal laut gelacht! Vielleicht noch in überlieferten Strukturen, kalendarischen Rhythmen. Aber das sind nur noch leere Hüllen. Beispiel Gottesdienste. Beim Freitagsgebet in Hamburg-St. Georg beten Gläubige auf der von der Polizei gesperrten Fahrbahn vor der Moschee, weil es drinnen knüppelvoll ist. In christlichen Gottesdiensten verlieren sich eine Handvoll Rentner, Kirchenvorsteher und zum Kirchbesuch verdonnerte Konfirmanden.

Voll sind die Kirchen nur Weihnachten und zu den so genannten Kasualien, also Taufe, Hochzeit, Trauerfeier – wegen des netten Ambientes. Ganz gut gehen auch Special-Interest-Gottesdienste, bei denen man seinen Goldhamster segnen lassen kann oder in die Anfangsgründe von Lachyoga eingeführt wird. Kirchen sind nur noch geistliche Fitnessstudios für gestresste Mittelschichtler.

Und wie sieht es mit dem Glauben aus? Nach Umfragen glaubt nur etwa ein Drittel der Deutschen, dass Jesus nach dem Tod am Kreuz auferstanden ist, selbst unter Christen nur die Hälfte – und die Auferstehung ist immerhin der Kern des christlichen Glaubensgebäudes. Auch mit dem Wissen ist es nicht mehr so dolle in Seehofers „christlich geprägten“ Deutschland. Es wäre bestimmt interessant, auf einer Pegida-Demo die „Retter des christlichen Abendlandes“ mal das Apostolische Glaubensbekenntnis aufsagen zu lassen.

Die christlichen Hochfeste sind längst zum Anlass für Konsumorgien verkommen, zu einem einzigen Gefresse und Gesaufe, um die drastische Sprache Martin Luthers zu bemühen. Wenn irgendetwas dieses Land prägt, dann ist es ein durchgeknallter Konsumismus, eine besinnungslose Eventhopperei. Ostereier liegen Ende Januar in den Discountern, weil sie gekauft werden.

Bindungen an Bräuche, Traditionen, Rituale, seien sie nun christlicher oder anderer Herkunft, sind bis auf kümmerliche Reste längst hinweg gespült worden. Alles wird durch den großen Fleischwolf Kapitalismus gedreht, der alles ausscheidet, was nicht zu gebrauchen ist. Von Ostern lässt er nur das Helle, Fröhliche, Nette übrig, niedliche Hasen, bunte Eier. Was mit Tod und Leid, Besinnung und Verzicht zu tun hat, kommt in den Müll. Geschäftsschädigend.

Sorry, Herr Heimatminister Seehofer: Das Christentum gehört nicht zu Deutschland.

Dass die Friedenskirche Buchholz eine üble Sekte ist, der es nur um Menschenfischerei und soziale Kontrolle geht, dürfte den Lesern des Blogs hinlänglich bekannt sein. Bekannt ist auch, dass diese Herrschaften, die sich in einem ehemaligen Autohaus an der Soltauer Straße ausgebreitet haben, vor keiner PR-Maßnahme zurückschrecken, um Leute zu sich zu lotsen – etwa „Lego-Tage“, die man auf Flyern als nettes Angebot an Kinder verkauft, um erst irgendwo ganz klein anzumerken, dass hier eine Kirche einlädt. Jetzt hat man allerdings den Vogel abgeschossen!

Zwei Tage vor Karfreitag ist in der Mittwoch-Ausgabe des Nordheide-Wochenblattes auf der Seite mit den Todesanzeigen eine Todesanzeige für Jesus Christus abgedruckt. Urheber: die Friedenskirche Buchholz. Text: „Am frühen Nachmittag verstarb Jesus Christus geb. Jesus von Nazareth“. Oben drüber steht ein Bibelvers aus dem Johannes-Evangelium, unten ist vermerkt, dass es „weitere Infos“ auf der Homepage der Friedenskirche gibt. Dort wiederum ist die fragliche Anzeige auch abgebildet und leitet über zu Einladungen zu Gottesdiensten am Karfreitag und an den Osterfeiertagen.

Das fragt sich: Wie krank ist das denn?! Na klar, man wollte erreichen, dass die Leser beim Blick auf die Seite stutzen und an der Anzeige hängen bleiben – aber diese Art der PR, offensichtlich von amerikanischen Methoden abgeguckt, ist eine Verhöhnung der christliche Botschaft und wird dem Ernst des Themas Tod und Auferstehung in keiner Weise gerecht. Sie beweist erneut, dass dieser Sekte alle Mittel recht sind, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Selbst beim Wochenblatt hat man offenbar eine Ahnung gehabt, dass diese Form der Werbung nicht passend ist. Darum wurde das Inserat auf den Fuß der Seite weggedrückt und mit einer eigenen Marke „Helfer in schweren Stunden“ von den anderen Todesanzeigen getrennt. Aber warum nimmt man so eine Anzeige überhaupt an?

Die Antwort dürfte einfach sein: Eine auf Gewinnstreben ausgerichteter Verlag kann einem guten Anzeigenkunden, einer Freikirche, die den christlichen Glauben zum Schmiermittel der kapitalistischen Leistungsgesellschaft degradiert, natürlich einen kleinen Gefallen nicht abschlagen.

Kristian Stemmler

https://de.indymedia.org/node/18956

https://de.indymedia.org/node/18878

https://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article213696807/Tuerkische-und-Kurdische-Verbaende-verurteilen-ABrandanschlag.html

Für einen Platz an den Fleischtöpfen der  Macht werfen die alles  über Bord: Die SPD ist die verrottetste Partei im Lande!!

Der medienlotse verfügt wenig Neigung, sich in die von bürgerlichen Pappnasen bestimmte Kommunalpolitik in Buchholz einzumischen. Ausnahmsweise hier aber mal kurze Anmerkungen zum Großprojekt „Canteleu Quartier“ am Bahnhof:

  • Es ist jämmerlich, dass dieses Projekt ohne großen Widerspruch durchgewinkt wird. Keinem fällt auf, wie unglaublich fantasielos die Architektur dieses Quartiers daherkommt. Aber wie sollte es auch?! Wir sind total abgestumpft durch die überall dominierende neoliberale Brachialarchitektur.
  • Wie kann es zudem angehen, dass die Stadt einer auf Profit ausgerichteten Firma, hier der terra real estate, erlaubt, sich mit der Bebauung eines riesigen Areals eine goldene Nase zu verdienen. Wann fangen die Kommunen endlich an, solche Großprojekte selbst zu übernehmen und die Gewinne dem Nutzen der Allgemeinheit zuzuführen, statt „Investoren“ die Lizenz zum Gelddrucken zu erteilen?!

Andererseits: Die Herren und Damen Kommunalpolitiker sind natürlich mit den ganz großen Zukunftprojekten mehr als ausgelastet und können sich um solche Kleinigkeiten nicht kümmern, zum Beispiel mit 3D-Zebrastreifen…

Nach der Bundestagswahl wurde die Frage, ob die bürgerlichen Medien zum Aufstieg der AfD beigetragen haben, heiß diskutiert. Dabei ist es doch völlig unzweifelhaft, dass das braune Gesindel nur dank der zahlreichen Auftritte in TV-Talks wie „Brei mit Illner“ oder wie heißt sowie der überbordenden Berichterstattung bei jedem kleinen Tabubruch von rechts so präsent geworden ist. Bekanntermaßen auch in Buchholz und im Landkreis Harburg – wo das Nordheide Wochenblatt fleißig mithilft, die rechten Hetzer hoffähig zu machen.

Jüngstes Beispiel: Ein reaktionärer Polizeireporter des Wochenblattes namens Thomas Lipinski nimmt das Nazipack in einer Polizeimeldung in Schutz, die in der Ausgabe von Mittwoch erschienen ist. Konkret geht es dabei um Uta Ogilvie, die für die Anmeldung der „Merkel muss weg!“-Demo am Montag am Hamburger Jungfernstieg verantwortlich war. Es handelt sich da um den Versuch, nach Vorbild von Pegida ein wöchentliche „Montagsdemo“ in der Hansestadt zu etablieren.

In der Meldung im Wochenblatt geht es um eine Farbattacke auf das Haus der Ogilvies in Maschen. Lipinski verharmlost in dem Beitrag die Protofaschistin doch allen Ernstes als „Polit-Aktivistin“ und erwähnt mit keinem Wort, wes Geistes Kind die Dame ist und wer sich so alles auf der Demo am Montag herumgetrieben hat, von einschlägig bekannten Neonazis bis zum durchgeknallten Ex-Spiegel-Mann Matthias Mattusek, der von der epidemischen rechten Massenpsychose befallen ist.

Dann zitiert er auch noch einen nicht namentlich genannten Polizisten, der gesagt habe: „Der Anschlag trägt deutlich die Handschrift der linken Gruppen, die bereits beim G-20-Gipfel in Hamburg gezeigt haben, welches Gefahrenpotential in ihnen steckt.“ Wenn das Zitat so stimmt, zeigt es nur, wie sehr ein Teil der Polizei auch in der Region offenbar schon bereit ist, Nazis in Schutz zu nehmen und nur gegen links auszuteilen. Und es lenkt davon ab, dass es bei G 20 vor allem die Polizei war, die gezeigt hat, welches Gewaltpotenzial in ihr steckt – durch maßloses Drauflosprügeln und sinnloses Auflösen von Demos.

Was das Wochenblatt versäumt hat, holt der medienlotse hier nach: die Hintergründe der von Uta Ogilvie angemeldeten Demo zu benennen. Wir veröffentlichen hier in voller Länge einen Beitrag des antifaschistischen Exif-Recherchekollektivs:

Am Montag den 5. Februar 2018 meldete Uta Ogilvie eine Demonstration unter dem Motto „Merkel muss weg“ auf dem Hamburger Jungfernstieg an. Gefolgt sind dem Aufruf Neonazis, rechte Schlägerjungs der 80er Jahre und Menschen in Pelz und Perlenkette. Die Gruppe umfasste fast 60 Rechte aus Hamburg. Bis dato sind alle Aufmarschversuche einen Pegida-Ableger in Hamburg zu etablieren fehlgeschlagen, auch wegen der starken Gegenproteste. Trotz einer vergleichsweise geringen Zahl an Teilnehmenden, zeigte sich am letzten Montag in Hamburg eine äußerst heterogene Zusammensetzung auf der Straße.

Die Anmelderin Uta Ogilvie äußert sich in sozialen Medien mit Sätzen wie: „Ich will mein Land zurück“, teilt Beiträge von der rechten Zeitung «Junge Freiheit» oder​ Akif Pirinçci​​​​​​​. Am 20. September 2017 verfasste sie für das Neu-Rechte Medium «Tichys Einblick» einen Artikel, in dem sie Donald Trumps Klimapolitik befürwortet und sich das politische Ende der „Grünen“ in Deutschland erhofft. Passenderweise ist sie bei dem Hamburger Energie-Dienstleister «EnVersum» angestellt, bei dem ihr Mann Erich Ogilvie die Geschäftsführung inne hat. Auch dieser mobilisierte für die Demonstration am Montag. Er sympathisiert mit der AfD, folgt in sozialen Netzwerken dem Faschisten Heinz-Christian Strache und AfD Politiker Jörg Meuthen, ebenso wie der unter Neu-Rechten beliebten Seite „Lügenpresse“.

In passender Gesellschaft befanden sich die Demonstrierenden mit dem Neonazi Danny Belucis, Mitglied der Kameradschaft «Sektion Nordland», sowie dem NPD Anhänger Sven Mazurek. Beide nehmen regelmäßig an neonazistischen Demonstrationen teil, wie beispielsweise dem «Tag der deutschen Zukunft» oder den «Merkel muss weg» Veranstaltungen, die seit März 2016 in Berlin stattfinden.

Einer der Hauptakteure vom vergangenen Montag, Thomas „Togger“ Gardlo ist die Schnittstelle zwischen dem eher bürgerlich geprägten Teil und den Neonazis, die am Montag auf der Straße waren. Als Türsteher bei verschiedenen Veranstaltungen, häufig im gehobeneren Umfeld, knüpfte er zahlreiche Kontakte in bürgerliche Kreise. Zudem trainiert Gardlo Mitglieder der «Identitären Bewegung» (IB) und Burschenschaftler für den sogenannten Straßenkampf. Bei Veranstaltungen wie dem IB-Stammtisch übernimmt Gardlo auch Schutzaufgaben.

Bereits in der Vergangenheit gelangte Gardlo in die Schlagzeilen, als 2002 aufgedeckt wurde, dass er und sein Bruder, zwei bekannte Neonazis, Personenschützer von Ronald Schill waren. Beide engagierten sich im Umfeld der „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS) und später bei der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ (FAP). Auch sind die Brüder mit Wehrsport und paramilitärischen Übungen in Deutschland und dem Ausland in Verbindung zu bringen. Zudem ist Gardlo wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorbestraft. Bei einem Boxkampf 2007 wurde er bei einer öffentlichen Massenschlägerei außerhalb des Rings auffällig. Als Sicherheitsangestellte beleidigten er und seine Kollegen den Boxpromoter Ahmet Ö. rassistisch und provozierten ihn. Aktuell wirbt die Seite „Date4sports.com“ mit der „Türsteher-Legende Togger“ für Outdoor-Bootcamps.

Gardlo, der sich gerne als „Retter“ und „Beschützer“ inszeniert, rief im Rahmen des «G20» in Hamburg am 7. Juli 2017 dazu auf sich in Winterhude vor der Bar «Harms & Schacht» zu versammeln, um den Stadtdteil vor vermeintlichen Randalierern zu schützen. Im Zuge dessen wurden Fotos von vermeintlichen Linken mit der Aussage: „Finden und am Gänsemarkt fesseln und steinigen“ verbreitet. Anwesend war unter anderem auch Eric Eder – IBler, Burschenschaftler und Schützling Gardlos.

Ebenfalls in Winterhude, als auch am Montag bei der Demonstration am Jungfernstieg, war der Hamburger Faschist Claus Döring. Dieser pflegt guten Kontakt zu Burschenschaftlern der «Hamburger Burschenschaft Germania» und zahlreichen Neonazis bundesweit. Ebenso ist er gut bekannt mit Stefan Lüdtke, dem Hamburger Regionalleiter der IB. Der frühere Landesschriftführer der rechten Partei «Die Freiheit», gehörte kurze Zeit zum faschistischen Flügel der AfD, bis er als „Hooligan“ in die Schlagzeilen gelangte. Er nahm an dem Aufmarsch der «Hooligans gegen Salafisten» 2014 in Köln teil und feierte danach in sozialen Medien die Übergriffe des rechten Mobs.

Am besagten Montag schloss sich ebenso eine handvoll Neonazis an, die bereits in den 80er Jahren, beispielsweise bei der rechten HSV Fangruppe «Hamburger Löwen» aktiv waren und bis heute mit Thomas Gardlo bekannt sind. Vergangenen Jahres nahmen die rechten Schläger am sogenannten «Gangs united» Treffen auf der Hamburger Reeperbahn teil, um jahrzehntealte Gangstreitigkeiten zu begraben, in alten Heldengeschichten zu schwelgen und neue Bande zu knüpfen. Damals wie heute basiert ihr Agieren auf chauvinistischen Denkmustern und einem martialischen Männlichkeitsbild – das zentrale ideologische Bindeglied des Zusammenschlusses.

Weiter beteiligten sich am Montag drei Männer, die bisher im Zusammenhang mit der AfD aufgefallen sind. Ein Mann beispielsweise ist als die „rechte Hand“ des (Ex) AfD Mitglieds Ludwig Flocken bekannt. Er nahm an einer „Hooligan“ Demonstration in Magdeburg 2016 teil, zu der er unter anderem mit dem norddeutschen Neonazi-Kader Thomas Wulff anreiste. Ein weiterer anwesender AfD Anhänger tauchte mit dem Kreise um Flocken im Rahmen einer rassistischen Mobiliserung unter dem Namen «Bünt» gegen die Eröffnung einer Unterkunft für Geflüchtete auf.

Bundesweit versammelt sich die neue, völkische Protestbewegung seit Anfang 2016 regelmäßig unter der Parole „Merkel muss weg“ in Berlin. Was NPD & AfD in Metropolregionen zuvor weniger gelang, schaffen offensichtlich neue Strukturen aus unorganisierten Einzelpersonen. In Berlin kann mit der zentralen Klammer „Merkel muss weg“ spektrenübergreifend eine heterogene Masse von hunderten, teils tausenden Menschen mobilisiert werden. Immer wieder reisen auch zahlreiche Neonazis aus Norddeutschland zu diesen Demonstrationen organisiert an.

Dass in der Großstadt Hamburg jede Woche eine rechte Demonstration stattfindet, würde vielen Rechten bundesweit gefallen. So mobilisieren die entsprechenden Hetzseiten «PI-News», «Philosophia Perennis» und «Pegida» bundesweit zu der nächsten Veranstaltung nach Hamburg.

Für diesen Montag ist mit einem größeren Zulauf, sowie mit einer weiteren Vernetzung des rechten Spektrums zu rechnen.

Die Polizeiinspektion Harburg gibt bekannt:

Am Sonntag den 28.01., gegen 01:13 Uhr, wird der Leitstelle der Polizei zeitgleich die Auslösung der Alarmanlagen bei Famila und Media-Markt im Nordring gemeldet. Mehrere sofort entsandte
Funkstreifenwagen können nur noch die komplett zerstörten Eingangstüren und einen rückwärts im Media-Markt Rolltor eingeparkten Audi feststellen. Die Einbrecher können vor Ort nicht mehr angetroffen werden. Nach ersten Ermittlungen ist davon auszugehen, dass die Täter sich gezielt zu den Laptops begeben haben und mehrere entwendet haben. Der Audi war wenige Tage zuvor bei einem Wohnhauseinbruch im Bereich Scheeßel entwendet worden. Personen, die Hinweise zu verdächtigen Personen oder Fahrzeugen geben können, werden gebeten, sich bei der Polizei in Buchholz unter 04181-2850 zu melden.

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie krank diese Gesellschaft ist: Bei Aldi gibt es bereits Ostereier und Osterhasen – im Januar!

 

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Von Kristian Stemmler

Sicher. Es gibt immer noch schöne Stellen in Hamburg. Aber alles in allem fällt mir zu Hamburg heute nur noch Eines sein – mit Verlaub: Hamburg, du kotzt mich an! Was haben sie aus dir gemacht!

Eigentlich ist die Stadt überhaupt nur noch da erträglich, wo das große Geld mangels Renditeaussichten nicht seine unappetitliche Pranke draufgelegt hat. Also in den Vierteln, die sich gar nicht oder nur leicht entwickelt haben. Also Stadtteile, deren Bewohner eher „einkommensschwach“ sind, wie man das heute nennt: Barmbek-Süd, Jenfeld, Eißendorf, Wilhelmsburg oder Billstedt.

Schön sind die nicht unbedingt, aber dafür authentisch. Wer in diesen Vierteln in den Lidl geht, der sieht Leute deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind – auf ihre Kosten lebt der große Rest. Und der lebt gut. In Eimsbüttel und Eppendorf, an der Sternschanze und in Volksdorf.

Die Quartiere, in denen das reiche Pack sich ausgebreitet hat, kann man sowieso vergessen, die sind verloren, also Harvestehude, Blankenese, Ohlstedt und Rissen. Der Protz der Villen, das Durchgestylte der Gärten, das bornierte Gehabe der Einwohner ist obszön und abstoßend.

Diese Viertel sind nur noch für komplette Planierung geeignet. Umgraben und Kartoffelfelder drauf anlegen, die natürlich von den ehemaligen Bewohnern bestellt werden müssen. Dann hat man da wenigstens eine Monokultur, die fruchtbar ist.

Aber es gibt auch noch Quartiere, die noch nicht ganz verloren sind, aber schon die Hitliste des Ekels anführen. Quartiere, die bei politisch denkenden und fühlenden Menschen nichts als Brechreiz auslösen sollten, genau die, auf die Standortpolitiker vom Schlage König Olafs am stolzesten sind. All die schon gentrifizierten oder noch im Prozess der Gentrifizierung befindlichen Viertel: Ottensen, Sternschanze, Eimsbüttel in Teilen, Altona in Teilen, St. Georg.

Eimsbüttel galt als Hochburg der Kommunisten, das „rote Eimsbüttel“. Was ist daraus geworden? Chichi-Läden an jeder zweite Ecke mit irgendwelchem Krempel, den kein Mensch braucht, Tierarztpraxen nur für Katzen, „Brasilian Waxing“ und Läden für Babboe-Lastenräder, Gefährte für vierstellige Beträge. Mit denen kutschiert die Familie des Hipsters seinen Nachwuchs herum.

Aber nicht nur auf den Straßen Eimsbüttels laufen Typen herum, die ich als „die neuen Herrenmenschen“ bezeichnen würde. Ihnen gehört die Welt, sie sind die Sieger. Das Schicksal der Marginalisierten geht ihnen im Großen und Ganzen am Arsch vorbei. Vor sich selbst und anderen gibt man sich aber durchaus liberal und sozial. Die leergetrunkene Flasche Beck’s stellt man selbstverständlich neben den Mülleimer, um den Flaschensammlern die Arbeit zu erleichtern.

Im Schanzenviertel laufen fast dieselben Leute rum, wobei die Durchmischung dort noch größer ist, also auch ne Menge „Normalos“ und andere unterwegs sind. Aber die Ladenzeilen sind schon so gut wie durchgentrifiziert. Man sieht den üblichen Krempel (siehe oben), die Läden haben lustige Namen, und alternative Kneipen und türkische Gemüseläden werden nur noch für den exotischen Flair benötigt.

Ganz schlimm ist St. Georg. Hier hat zwar noch so etwas wie eine (linke) Stadtteilarbeit überlebt, aber das Angebot und das Publikum sind unterirdisch, etwa an der Langen Reihe. Am Ende dieser einst so bunten Straße stehen heute statt „1000 Töpfe“ Schickimicki-Bars wie das „Neumann’s“ und „Peter Pane“, ein Burgergrill fürs gehobene Publikum. Schräg gegenüber ist ein neuer Edeka-Markt, dem man gesehen haben muss! Einen so luxuriösen Supermarkt habe ich persönlich noch nicht erlebt.

Soweit, so schlecht! Dass einkommensstarke Bevölkerungskreise ärmere Schichten aus innerstädtischen und innenstadtnahen Lagen verdrängen und Letztere immer weiter an die Peripherie abgedrängt werden, an den Rand (im doppelten Sinn), das ist nichts Neues. Ein viel untersuchter, viel beschriebener, viel kritisierter Prozess. Aber alle Studien, alle Kritik haben überhaupt nichts geändert, dieser zerstörerische Prozess hat sich in Großstädten eher noch beschleunigt – das muss man sich immer wieder bewusst machen!

Die niedlichen Chichi-Läden in Eimsbüttel und anderswo sind nur eine kitschige Fassade, die brutale Spaltungsprozesse verdeckt. Was diese soziale Spaltung, die sich immer mehr vertieft, wirklich bedeutet, kann man in Vierteln wie Billstedt, Wilhelmsburg und Jenfeld fast physisch erfahren. Die Gesichter der Leute im Lidl in diesen Vierteln, sie sind gezeichnet von den Anstrengungen des Alltags, von Mühe und Depression.

Aber so depressiv die Atmosphäre in diesen Discountern auch sein mag – ich fühl mich da hundertmal wohler als in den Einkaufsstraßen von Volksdorf und Eppendorf. Die Verlogenheit und Borniertheit in diesen Vierteln der Wohlhabenden ist unerträglich und ekelhaft. Hier führen die Profiteure der turbokapitalistischen Beschleunigungsprozesse ihre Markenjacken spazieren – leider oft viel zu ungestört.