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Von Kristian Stemmler

Wie verheerend sich der Einsatz von Laubbläsern in der Natur auswirkt, darauf wird mittlerweile immer wieder hingewiesen. Nicht nur, dass die Betreiber dieser Geräte Hunderte von Menschen gleichzeitig beschallen, sie blasen mit dem Laub auch noch die Lebenswelt von vielen Kleintieren einfach so weg. Dann ist der Einsatz der Geräte auch noch komplett unnötig, denn es hat sich längst herausgestellt, dass man mit den herkömmlichen Instrumenten, also etwa Rechen, nicht oder kaum langsamer das Laub entfernen kann.

Leider haben sich solche Erkenntnisse nicht bis zur Stadt Buchholz herumgesprochen. Wie ist es sonst zu erklären, dass alle paar Tage eine so genannte Gartenbaufirma in die Grünanlage zwischen Parkstraße und Schützenplatz einfällt und für tabula rasa sorgt?! Deren Mitarbeiter lassen da ihre Laubpuster aufjaulen, während ein Kollege mit einem Laubsauger auf vier Rädern, etwas größer als ein Sitzrasenmäher, durch die Anlage fährt und das Laub einsammelt.

Das macht das Gefährt so gründlich und rabiat, das praktisch nix liegen bleibt, mal abgesehen von Dingen, die nun wirklich eingesammelt werden sollten wie zerbrochene Flaschen. Die Anlage sieht hinterher aus wie geleckt, allerdings sind auf allen Wegen und Grasflächen Reifenspuren zu sehen. Auch nicht gerade schön! Viel schlimmer dürfte aber sein, dass mit dem Laub praktisch alle Insekten weggeputzt werden. Warum lässt man das Laub oder wenigstens einen Teil davon nicht einfach liegen??

Aber es ist hier wohl so wie so oft: Es wird ein Auftrag ausgeschrieben „Entfernung von Laub in der Grünanlage an der Parkstraße“ oder so ähnlich, es wird Geld dafür eingestellt, es wird eine Firma beauftragt – und wie die das dann macht und welche Folgen das hat… interessiert nicht.

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Tero

Zwergschnauzer Tero im Kühlergrill – eingeklemmt, aber fast unverletzt.

Die Pressestelle der Polizeiinspektion Harburg berichtet am heutigen Mittwoch von der folgenden Geschichte, bei der ein Zwergschnauzer auf wundersame Weise eine Fahrt im Kühlergrill überlebte:

„Am Dienstagmorgen fuhr eine 59Jährige mit ihrem Pkw von Bullenhausen in Richtung Hamburg. Während der Fahrt spürte sie plötzlich einen Schlag am Fahrzeug und dachte an einen Unfall. Die Frau drehte um, konnte an der vermeintlichen Unfallstelle aufgrund der Dunkelheit aber nichts erkennen. So fuhr sie weiter an ihren Arbeitsplatz in Hamburg.

Etwa zeitgleich meldete eine 40Jährige aus Bullenhausen ihren 13 Jahre alten Zwergschnauzer als vermisst. Dieser sei morgens wohl angefahren worden und stecke im Kühlergrill des Autos fest. Ein Kennzeichen konnte sich die Hundehalterin in der Aufregung nicht merken.

Als die 59-Jährige nach Arbeitsschluss zu ihrem Fahrzeug zurückkehrte, bemerkte sie ein leises Winseln aus dem Frontbereich. Das Erstaunen war groß, als sie den 13 Jahre alten Tero in ihrem Kühlergrill steckend feststellte. Dieser war über die missliche Lage nicht erfreut und versuchte die hinzugerufenen Helfer der Feuerwehr zu beißen. Die Hamburger Feuerwehr konnte den Hund letztendlich nahezu unverletzt aus dem Fahrzeug befreien. Wenig später wurde dann auch die Verbindung zu dem morgendlichen Unfall hergestellt und Tero konnte seiner überglücklichen Halterin übergeben werden.“ (bb)

Im Grunde ist es jedes Jahr dasselbe – aber auch wieder nicht. Denn es wird tatsächlich immer schlimmer, immer gestörter, immer kränker! Zum Weihnachtsfest demaskiert sich diese Gesellschaft wie sonst nie im Jahr. Wie krank ist es, jetzt schon in TV und Radio Tipps für das Weihnachtsmenü zu verbreiten?! Wir haben noch nicht einmal Advent, auch wenn das jetzt sicher die meisten nicht begreifen. Die Adventszeit beginnt am kommenden Wochenende, mit dem 1. Advent, keine Minute früher. Die Woche, in der wir uns befinden, gehört zum Ewigkeitssonntag, denn nach christlicher Überlieferung beginnt die Woche mit dem Sonntag – und Advent und Weihnachten sind nun mal christliche Feste.

Liebe Mitbürger, wenn Ihr es anders machen wollt, als diese Überlieferungen es hergeben, dann beruft Euch gefälligst nicht auf das Christentum und nennt die Chose anders. Zum Beispiel Sauf- und Fressfest. Oder Feier der klingelnden Kassen. Da bietet sich einiges an. Was jedes Jahr zu diese Zeit zelebriert wird, ist an Verlogenheit nicht mehr zu übertreffen. Und dann den Islam als Bedrohung für „unsere Kultur“ zu stigmatisieren. Unsere Kultur ist Saufen, Kaufen, Fressen, Feiern, das ist übrig geblieben. Die Redaktion

Von Kristian Stemmler

Ein Feiertag folgt momentan dem nächsten. Eben ist der Black Friday begangen worden, einer der höchsten Feiertage des Konsumjahres. Es folgt schon bald die Eventzeit, die fließend übergeht in die All-You-Can-Eat-Xmas-Party. Um unbeschwert einen drauf machen zu können, haken wir an diesem Sonntag noch kurz was ab, da steht nocht der so genannte Totensonntag irgendwie blöd im Weg herum. Aber hej, wir lassen uns das Singen, Saufen und Fressen nicht verbieten!

Ganz im Ernst: An diesem Sonnabend musste man auf den Straßen den Eindruck gewinnen, dass dieses Wochenende eher zunehmend wie eine Art Portal zum adventlichen Konsum- und Eventrausch begriffen wird. Von Besinnung und innerer Einkehr keine Spur, man schmeißt vielmehr überall den Turbo an. Wie wenig diese Gesellschaft noch von ihren überlieferten Traditionen und Ritualen versteht, zeigt expemplarisch der Umgang des Nordheide Wochenblattes mit dem Totensonntag.

Schon die Überschrift des Textes auf Seite 1 der Sonnabendausgabe, mit dem auf Beiträge zum Thema auf einer hinteren Seite hingewiesen wird, lässt tief blicken. „Erinnerung an die Verstorbenen“, heißt es da. Die letzte Seite der Ausgabe ist mit Rückblicken von Wochenblatt-Mitarbeitern auf Verstorbene aus dem persönlichen Umfeld gefüllt und darunter einem Beitrag über den Ambulanten Hospizdienst des Kirchenkreises Winsen. Es geht hier also nur um den Tod, auch wenn der Zweispalter auf der 1 immerhin erwähnt, dass der Totensonntag auch Ewigkeitssonntag genannt wird und der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist.

Das ist typisch für diese Gesellschaft, der jeder Sinn abhanden gekommen ist für Transzendenz, für eine Gesellschaft, die ihre eigenen Überlieferungen nicht mehr versteht (zugleich aber groteskerweise sich zum Teil vom Islam bedroht sieht). Denn das Totengedenken ist nur eine Seite dieses Tages, es geht um viel mehr. Es geht um das Ende der Zeit, die Überwindung des Todes, die Wiederkehr Jesu und das jüngste Gericht. Was immer man davon hält, ob man so etwas glauben kann, so ist die christliche Überlieferung. Die man im übrigen nicht wörtlich verstehen sollte.

Jüngstes Gericht lässt sich so verstehen, dass jeder Mensch sich für sein Handeln wird verantworten müssen, und das vor allem, was die unbedingte Forderung nach Gerechtigkeit angeht. „Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus im Matthäus-Evangelium. Und es gilt vor allem der Umkehrschluss, was wiederum bedeutet: Auch die Vielen müssen sich verantworten, die nur an sich und an den eigenen Profit denken und sich bereichern, genauso wie jene, die den Kopf einziehen und schweigen zu den zunehmenden Ungerechtigkeiten.

Aber jetzt bitte anschnallen, das Denken ausschalten und mit vollem Schub abheben in den Konsumwahnsinn! Rettungsausgänge sind nicht vorhanden!

Wie heruntergekommen muss man sein, um so etwas zu tun: Ausgerechnet den Weltladen „La Esperanza“ (Die Hoffnung) im St.-Paulus-Gemeindehaus in Buchholz, dessen Erlöse an Menschen in so genannten Entwicklungsländern gehen, haben Unbekannte beklaut. Laut einer Meldung der Polizeiinspektion Harburg stiegen sie in der Nacht zum Mittwoch in das Gemeindehaus ein und stahlen die Wechselgeldkasse. Die Täter hatten offenbar, so die Polizei, zu Öffnungszeiten das Gebäude betreten und unbemerkt die Verriegelung einer Nebeneingangstür geöffnet, um dort nachts hereinzukommen. Der Schaden beläuft sich auf mehrere hundert Euro.

Die Polizeiinspektion ruft Zeugen, denen in der Zeit zwischen 22.15 und 7 Uhr verdächtige Personen im Umfeld des Gemeindehauses aufgefallen sind, dazu auf, sich unter 04181-2850 bei der Polizei zu melden. (kst)

Von Kristian Stemmler

In der Sonnabendausgabe nutzt das Nordheide Wochenblatt mal wieder eine Gelegenheit, um auf der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (KWG) des Landkreises Harburg rumzuhacken. Und dabei natürlich, was der Hauptzweck der Übung ist, eine Lanze für die „freie Wirtschaft“ und so genannte Investoren zu brechen. Von den Protagonisten dieser „freien Wirtschaft“ lebt der Verlag des Wochenblattes schließlich, da muss man auch mal Einsatz zeigen.

Im Seite-1-Aufmacher der sonnabendlichen Ausgabe wird die Kreishandwerkerschaft nach vorn geschoben. Ob die zitierte Kritik an der KWG, diese beauftrage keine Handwerker des Kreises, stichhaltig ist, soll hier nicht näher thematisiert werden. Aufschlussreicher ist, dass Steffen Lücking sich verbreiten darf, der vom Wochenblatt mit dem eingangs erwähnten Begriff „Investor“ geadelt wird.

In fünf Jahren habe er 250 Wohneinheiten „überall im Landkreis“ realisiert, darf Lücking sich selbst loben. 80 schaffe er etwa im Jahr und dies könnten mehr sein, wenn die Kommunen ihn nicht „ausbremsen“ würden. Er halte nichts davon, „dass sich der Staat in den Wohnungsbau einmischt“.

Nicht gerade verwunderlich, bei einem „Investor“ im Wohnungsbau, ist doch jede Bautätigkeit in kommunaler Regie eine Konkurrenz und führt sie in der Konsequenz doch dazu, dass dieser weniger Gelegenheit zur Realisierung eigener Vorhaben hat. Das ist für einen wie Lücking, den die Sorge um das Wohl der Allgemeinheit Tag für Tag umtreibt, sicher ungemein schmerzhaft.

Aber ganz im Ernst: Herr Lücking, reicht die erzielte Rendite Ihnen noch nicht, haben Sie noch nicht genug Geld, kriegen Sie den Hals nicht voll? Reicht es Ihnen nicht, dass Kommunen wie die Stadt Buchholz Ihnen praktisch eine Lizenz zum Gelddrucken frei Haus liefern?! An der Schützenstraße von Buchholz, mitten im Zentrum, ziehen Sie bekanntlich derzeit einen, zumindest nach der Animation zu urteilen, unglaublich hässlichen und gesichtslosen Block mit 30 Eigentumswohnung hoch.

Wo ist da eigentlich noch das angeblich für unsere Wirtschaftsform konstituierende Element des kaufmännischen Risikos? Dass diese Wohnungen verkauft werden und bei Lücking und allen anderen Beteiligten die Kassen klingeln, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wundert sich noch jemand, dass die Reichen immer reicher werden und unten dasselbe in die andere Richtung passiert?

Wer meint, über Flüchtlinge herziehen zu müssen, lese den Beitrag unter dem folgenden Link Wort für Wort bis zum Ende durch:

https://www.jungewelt.de/artikel/343710.flüchtlingspolitik-libyen-ein-alptraum.html

Ist der Ausfall von zwei Buchstaben an der großen Leuchtschrift des Buchholzer Krankenhauses nur ein Zufall oder ein Wink mit dem Zaunpfahl? Kranke aus – das lässt sich sicher nicht im Sinne von „Es gibt keine Patienten mehr“ verstehen. Denn die gehen gerade in einer Zeit, in der die Menschen in der Arbeitswelt und auch in anderen Bereichen immer mehr unter Druck geraten, bestimmt nicht aus. Aber es lässt sich verstehen als händeringender Wunsch zumindest eines Teils des Personals dieses Krankenhauses und vor allem offenbar führender Verantwortlicher, mal sarkastisch so formuliert: Bitte schafft uns doch die Patienten vom Hals, damit wir endlich in Ruhe arbeiten können!

Um dieses Problem zu illustrieren, beginnt der buchholzblog demnächst eine kleine Serie von Beiträgen. Dabei geht es um nicht gerade harmlose Pannen in der Buchholzer Klinik, die Leser uns mitgeteilt haben, und skandalöses Verhalten eines Teils des Personals sowie des Ärztlichen Direktors, Dr. Christian Pott. Vorab bemerkt: An diesem Krankenhaus wird mit Sicherheit Spitzenmedizin angeboten und die Mehrzahl des Personals, davon kann man hoffentlich ausgehen, setzt sich mit aller Kraft für die Patienten ein. Aber eben nicht alle. Demnächst mehr dazu. Die Redaktion

Zu dem ganzen Geschwafel über Frieden am Wochenende in Paris und folglich auch auf allen medialen Kanälen hierzulande, nur soviel:

„Der inzwischen seit sieben Jahren andauernde Krieg in Syrien forderte bisher geschätzte 350.000 Todesopfer. Rund zwölf Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen, das sind 65 Prozent der Bevölkerung. In den Konflikt sind neben den USA und Russland mehr als 50 Länder verwickelt, unter ihnen Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Saudi-Arabien, Marokko, Australien, Kanada und Jordanien.“

Mehr zum Schaulaufen der Kriegstreiber hier:

https://www.jungewelt.de/artikel/343334.100-jahre-ende-des-1-weltkriegs-kriegstreiber-feiern-frieden.html

Der Konsum von Drogen gehört in dieser Gesellschaft zum Alltag, und das angesichts der sich ausbreitenden Orientierungslosigkeit im real existierenden Turbokapitalismus mit zunehmender Tendenz. Auch Kleinstädte und das flache Land bleiben davon natürlich nicht verschont. Die Polizeiinspektion Harburg berichtet an diesem Sonntag von zwei recht lustigen Anekdoten aus dem Reich der Kiffer und Kokser. Besonders die zweite Geschichte ist durchaus unterhaltsam. Hier die Meldungen im Wortlaut:

„Am Sonntagmorgen erschien ein Vater (37 Jahre alt), um seinen Sohn als vermisst zu melden. Während der Befragung stellte der erfahrene Polizeibeamte eine mögliche Drogenbeeinflussung des Vaters fest. Diese Verdachtsmomente wurden mittels eines freiwilligen Urintests bestätigt. Der Vater hatte zuvor Kokain konsumiert. Im Anschluss wurde dem Vater von einem Arzt Blut entnommen und es wurde ihm die Weiterfahrt untersagt.“

„Die Buchholzer Polizei kontrollierte am Samstagvormittag innerhalb von 40 Minuten (!) drei Fahrzeugführer, die unter dem Einfluss von Cannabis ihre Pkw im Straßenverkehr geführt hatten.

Zunächst wurde am Nordring ein VW Golf kontrolliert. Eine Überprüfung der Kennzeichen ergab, dass dieser seit August 2018 ohne Haftpflichtversicherung unterwegs war. Weiterhin gab der 34-jährige Fahrzeugführer aus Hamburg bereitwillig zu, dass er noch nie im Besitz einer Fahrerlaubnis war. Zu allem Überfluss ergab eine Überprüfung hinsichtlich der Fahrtauglichkeit, dass der Fahrer unter dem Einfluss von Cannabis stand.

Daraufhin erfolgte der Transport zur Dienststelle der Buchholzer Polizei. Dort trafen die Beamten und der Fahrzeugführer auf eine weitere Funkstreifenwagenbesatzung, die ebenfalls mit einem Fahrzeugführer zur Dienststelle gekommen war. Dieser wurde zuvor auf der Bundesstraße 3 am Ortsausgang von Sprötze mit seinem VW Polo kontrolliert.

Bei der Kontrolle vergaß der 54-jährige Fahrzeugführer aus Stelle zunächst, seinen Pkw gegen ein
Wegrollen zu sichern, so dass es nur der Muskelkraft eines Polizeibeamten zu verdanken war, dass der Pkw nicht gegen den Funkstreifenwagen rollte. Ein Grund für die Vergesslichkeit dürfte zumindest der durch einen Drogentest festgestellte Cannabiskonsum gewesen sein.

Noch während die beiden Fahrzeugführer auf ihre Blutentnahme durch den zwischenzeitlich gerufenen Arzt warteten, erschien eine dritte Buchholzer Funkstreifewagenbesatzung im Dienstgebäude. Zur Überraschung aller Anwesenden brachte auch diese einen 22-jährigen Buchholzer mit, bei dem nach einer Verkehrskontrolle in der Straße Caspers Hoff festgestellt wurde, dass dieser seinen Pkw BMW unter dem Einfluss von Cannabis geführt hatte. Nach der Durchführung der jeweiligen Blutprobenentnahmen und der Einleitung der entsprechenden Strafverfahren, konnten die Fahrzeugführer die Dienststelle wieder verlassen. Die Weiterfahrt wurde ihnen untersagt.“

Von Kristian Stemmler

Herzlichen Glückwunsch an das Hamburger Straßenmagazin Hinz & Kunzt zum 25. Geburtstag, der am Dienstag abend groß in der Markthalle gefeiert wurde! Der Autor dieser Zeilen hat den Start des Magazins als Redakteur des Hamburger Abendblattes publizistisch begleitet. Es war der damalige Hamburger Diakoniechef Stephan Reimers, der das Konzept des Londoner Magazins „The Big Issue“ nach Deutschland holte, Hinz & Kunzt aus der Taufe hob. Ein engagierter Mann, auch wenn er in der falschen Partei war.

Leider ist das Straßenmagazin heute noch wichtiger, sowohl als Hilfe für die obdachlosen Verkäufer als auch als Lobby für alle Obdachlosen, Wohnunglosen und andere marginalisierte Gruppen in der Hansestadt. Auf rund 2000 wird die Zahl der Menschen geschätzt, die in Hamburg auf der Straße leben. Wie alle Großstädte in Deutschland erfüllt auch Hamburg seine gesetzlich vorgeschriebene Pflicht nicht, jeden Hilfesuchenden angemessen unterzubringen. Das Winternotprogramm ist kein Ersatz, zumal osteuropäische Obdachlose – Gipfel des Zynismus!  – als „freiwillige Obdachlose“ da rausgeworfen werden.

Bereits vor etwa einer Woche ist eine Obdachlose aus Polen in Niendorf an den Folgen des kräftezehrenden und entwürdigenden Lebens auf der Straße in Hamburg nachts erfroren. Jetzt gab es erneut einen Kältetoten, wieder aus Polen, diesmal in Harburg. Wann erfüllen die Kommunen endlich ihre Pflichten den obdachlosen Menschen gegenüber? Man sollte das Steigenberger Hotel räumen und sie da einquartieren – das wäre angemessen!

Von Kristian Stemmler

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Sozialdemokratie gerade in diesem Moment ihr ganzes Elend und ihre Bedeutungslosigkeit beweist, in aktuellen Umfragen auf Werte um die 15 Prozent absinkt – bundesweit! Das nämlich genau 100 Jahre, nachdem sie die Revolution der Matrosen und Arbeiter verraten hat. Am 5. November 1918 wehte über dem Kieler Rathaus die rote Fahne, die Matrosen- und Soldatenräte hatten die Macht über die Hafenstadt übernommen, leider nur für kurze Zeit. In der Nacht zum 6. November folgte das große Hamburg, der Aufstand erfasste auch viele kleinere Städte und die Reichshauptstadt Berlin.

Bekanntlich brach der Aufstand relativ schnell zusammen, was nicht zuletzt der SPD zu verdanken war, die bereits mit der Bewilligung der Kriegskredite zum Beginn des Ersten Weltkriegs der Arbeiterklasse in den Rücken gefallen war. Eine im Auftrag des NDR erstellte Dokumentation, die in den vergangenen Tagen in mehren dritten Programmen zu sehen war, beleuchtet in wünschenwerter Deutlichkeit die Rolle des Sozialdemokraten Gustav Noske.

Berühmt-berüchtigt ist der Mann, weil er im Frühjahr 1919 in seiner Funktion als Reichswehrminister in Berlin revoltierende Arbeiter zusammenschießen ließ. Gegen „die Bolschewisten“ gab es kein Pardon. „Ohne Skrupel“, erklärte Noske damals, er akzeptiere „jeden Offizier, egal, welcher Gesinnung“, solange dieser in der Lage sei, „eine einsatzbereite Truppe aufzubauen und zu führen“. Das gilt bis heute, etwa für die Hamburger Sozis, die den G-20-Gipfel im Juli 2017 vom „Bluthund“ Hartmut Dudde als polizeilichem Gesamteinsatzleiter durchprügeln ließen.

Als in Kiel im November 1918 die Matrosen meuterten, reiste Noske, damals noch kein Minister, aber ein hoher sozialdemokratischer Funktionär, aus Berlin an, wie die Doku zeigt, und wurde von weiten Teilen der Bevölkerung wie ein Erlöser gefeiert. In der irrigen Annahme, er sei gekommen, um die Revolution voranzutreiben und den Unterdrückten zu ihrem Recht zu verhelfen. Geanu das hatte er offenbar nie vor, denn Noske tat alles, um die Aktivitäten der Räte zu hintertreiben.

Sehr aufschlussreich, wie in Spielszenen in der NDR-Produktion dargestellt wird, wie Noske einen Deal mit dem Stadtkommandanten von Kiel macht, er werde für „Ruhe und Ordnung“ sorgen, wenn jener im Gegenzug eine Amnestie für die Meuterer garantiere. Das funktionierte nicht, weil die Matrosen und Arbeiter fürs erste, siehe oben, die Macht in Kiel übernahmen und der Stadtkommandant abgesetzt wurde.

Die Sozis brauchten noch ein wenig mehr Zeit, noch etliche Winkelzüge und vor allem militärische Gewalt, um die Revolution zu erledigen und eine Republik zu installieren. Die wiederum war bekanntlich von Anfang an als schiefe Ebene angelegt, auf der das Land in die Nazi-Diktatur hineinrutschte. In einem von der Dokumentation gezeigten Gespräch zwischen Noske und der Frau des Stadtkommandanten, das vielleicht nicht so stattgefunden hat, aber haben könnte, fällt der entscheidende Satz: Sie solle sich nicht sorgen, redet Noske da beruhigend auf die von „Umstürzlern“ sich ängstigenden Frau ein: Die SPD sei keine Partei, die ihr und ihresgleichen die Villa wegnehme.

Und so ist es bis heute geblieben: „Wir lassen der Klein-Oma gern ihr Häuschen“, singt die Sozi-Bande. Das Eigentum ist die heilige Kuh dieser Gesellschaft und damit natürlich auch der Sozialdemokratie, die in der Vergangenheit für jede Sauerei zu haben war, von Hartz IV bis zu verschärften Abschiebungen. Wer auch nur von Ferne über irgendeine Form von Verstaatlichung nachdenkt, ist für diese Herrschaften ein Bolschewist, vor dem gewarnt werden muss. So gehört die SPD mit den Grünen und leider auch weiten Teilen der Linkspartei zu den systemerhaltenden Kräften – und das in einer Zeit, in der die Schizophrenien dieser „Ordnung“ für keinen mehr zu übersehen sind.

Eigentlich, denn viele übersehen sie dennoch oder wollen sie einfach übersehen. Symptomatisch, dass ausgerechnet ein Flotillenadmiral in der NDR-Doku die Vorgänge von 1918 in Kiel kommentieren darf, die Meuterei an sich natürlich verurteilt, aber die Motive für rechtschaffen erklärt – um dann noch das hohe Lied von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie zu singen.

Symptomatisch auch, dass Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht zwar die Revolution lobt und durchaus zutreffend beschreibt, aber im selben Atemzug erklärt, heute seien wir weit davon entfernt, Verhältnisse zu haben, die eine Gegenwehr mit Gewalt erforderten. So lange sie in Talkshows hofiert wird, sicher nicht… Und symptomatisch, dass ein SPD-Politiker, der Schleswig-Holsteiner Björn Engholm, als weiterer Kommentator die Untaten von Noske relativieren darf. Dass diese Partei auch nach 100 Jahren nicht den Mumm hat, sich von den Verbrechen und Verbrechern in ihrer Geschichte klar zu distanzieren, das sagt alles über ihren Zustand und ihre Rolle im System.

Als Steigbügelhalter haben die Sozias ausgedient, da werden sie von den Grünen ersetzt, die einfach unverbrauchter und frischer sind und deren Personal besser aussieht. Die sind hip, die Grünen, und wissen halt, wie man flott was wittert oder auf Youtube hochlädt und dass „Insta“ keine Tütensuppe ist. Und ihr Spitzenmann neben Annalena Baerbock, der „Küsten-Kennedy“ Robert Habeck, kommt aus der Matrosenstadt Kiel. Nur meutern – da können sich die Herrschenden sicher sein -, meutern wird er nicht.

http://www.faz.net/agenturmeldungen/dpa/kreise-innenministerium-bereitet-maassen-entlassung-vor-15873985.html

Von Kristian Stemmler

Es ist jedes Jahr wieder ein Trauerspiel: Die großen Kirchen stellen sich, wenn überhaupt, nur halbherzig vor ihre Traditionen und Werte. Man will niemanden verschrecken, und die Menschen sollen ja da „abgeholt“ werden, wo sie stehen. Auf deutsch: Man redet ihnen fleißig nach dem Munde. Immer wieder gut zu erkennen zum Jahresende, wenn Ende Oktober der Reformationstag gegen Halloween antritt, wenig später die „stillen Tage“ im beginnenden Adventstrubel untergehen und der Advent zu einer Fresserei, Sauferei und einem Konsumrummel ohne Gleichen entgleist.

Statt das aber endlich mal mit deutlichen Worten zu benennen und, ja, von den Kanzeln zu verdammen, macht man oft genug sogar mit. Kirchenchöre singen in Shopping Malls, an Heiligabend stellt man die Kirchen als stimmungsvolle Locations zur Verfügung. Aber zurück zu Halloween, mit Blick auf Buchholz: Im Nordheide Wochenblatt hat der neue Pastor der Paulus-Gemeinde, Arne Hildebrand, nichts Besseres zu seinem Einstand zu tun, als einen Kotau vor dem Konsum- und Eventrummel zu vollziehen.

Im Interview sagt er sinngemäß, dass der Reformationstag natürlich was ganz Großartiges ist, und dass er jetzt Feiertag in vielen Bundesländern ist, sowieso – aber das Halloween ja auch nicht so schlimm sei. Wenn die Kirchen und ihr Personal nicht endlich begreifen, dass Ihr gesamter Traditionsbestand, zuallererst auch das Kirchenjahr, frontal vom Kommerz angegriffen werden, dann ist bald nichts mehr davon übrig. Was bleibt, ist Wüste.

Preisfrage: Was gibt es für Kinder und Jugendliche, die an der Tür „Süßes oder Saures?“ fragen – Saures natürlich, also gleich auf die Fresse!

Nach Informationen des Blogs sind die Hintergründe des schweren Zugunglücks im Buchholzer Bahnhof am 17. Oktober nach wie vor nicht restlos ungeklärt. Offenbar kam es vor dem Unglück zu einem Wortwechsel zwischen einer Gruppe junger Leute, die sich auf dem Schotterparkplatz auf der Nordseite des Bahnhofs getroffen hatte, und dem 33 Jahre alten späteren Unglücksopfer.

Wie berichtet, fühlte sich der 33-Jährige provoziert und lief trotz Dunkelheit über die Gleise auf die Gruppe zu, wobei er auch noch den benachbarten Bahnsteig überqueren musste, gefolgt von seiner 19 Jahre alten Begleiterin. Vor dem ungenutzten und zugewachsenen Bahnsteig 7 wurden beide von dem heranrasenden Intercity Koblenz – Altona erwischt, offensichtlich aber nicht frontal, was beide bei der Geschwindigkeit und dem Gewicht des Zuges nicht überlebt hätten. Trotz einer schnellen Notbremsung des Zugführers, der die Personen erst relativ kurz vor dem Bahnhof gesehen haben kann, hatte der Zug nach Informationen des Blogs noch eine Geschwindigkeit von etwa 60 Stundenkilometern.

Die Bundespolizei, die in Deutschland für Bahnareale zuständig ist, übernahm kurz nach dem Unglück die Ermittlungen, geführt werden sie von der Bundespolizeiinspektion Bremen. Die Ermittler versuchen den Ablauf des Streits und des Unglücks zu rekonstruieren. Mehrere Zeugen haben sich zur Verfügung gestellt, die das Geschehen etwa von der Wohlau-Brücke beobachtet haben. Die Gruppe, die sich auf dem Parkplatz aufhielt und wohl zuvor Getränke im Penny-Markt Kabenhof eingekauft hatte, hat sich – Stand Dienstag – bisher nicht gemeldet.

Die beiden Unglücksopfer haben offensichtlich unglaubliches Glück gehabt, dass sie das Unglück überhaupt überlebt haben. Der 33-Jährige hat aber nach Informationen des Blogs ein Bein verloren. Für die Zugführer der Bahn und privater Bahngesellschaften sind solche Unfälle und Suizide leider traurige Normalität. Etwa jeder Zweite hat Derartiges bereits erlitten, nicht wenige geben ihren Beruf später auf. (bb)

Von Kristian Stemmler

Unglaublicher Leichtsinn hat am Mittwochabend zu einem schweren Zugunglück im Buchholzer Bahnhof und einen Großeinsatz der Feuerwehr Buchholz, der Polizei Buchholz und weiterer Einsatzkräfte gesorgt. Ein 33-Jähriger und seine 19 Jahre alte Begleiterin wurden kurz nach 19 Uhr beim Überqueren der Gleise auf Gleis 7 vom IC 2307 Koblenz – Hamburg-Altona auf der Fahrt von Bremen nach Hamburg erfasst und schwer verletzt. Offenbar war dem Unfall ein Streit vorausgegangen. Zwar leitete der 59 Jahre alte Triebfahrzeugführer noch eine Schnellbremsung ein und gab Signalpfiffe ab, den Zug konnte er jedoch erst 200 Meter hinter dem Bahnsteig zum Halten bringen.

Die für das Bahngelände zuständige Bundespolizeiinspektion Bremen teilte am Donnerstag vormittag mit, nach ersten Ermittlungen der Inspektion und der Polizeiinspektion Harburg sei „nicht auszuschließen“, dass zuvor beide Personen, als sie sich auf Bahnsteig 3 befanden, von einer Gruppe auf der Nordseite von Gleis 7 provoziert worden waren. Das ist mit der bei behördlichen Pressemitteilungen gebotenen Vorsicht formuliert. Der Autor dieses Beitrags hat etwa um 19 Uhr vor dem Penny-Markt im Kabenhof laute Streitereien und ein hektisches Hin- und Herlaufen junger Erwachsener beobachten können, was die Vermutung dem Anschein nach bestätigt.

In der Pressemitteilung wird der weitere Verlauf so geschildert: „Daraufhin soll zunächst der 33-Jährige über die Durchfahrtgleise auf die Gruppe zugelaufen sein, gefolgt von seiner 19-jährigen Begleiterin. Beiden gelang es nicht mehr, den Bahnsteig 7 zu erreichen.“ Bei Bahnsteig 7 handelt es sich offensichtlich um den stillgelegten Bahnsteig auf Seiten des Schotterparkplatzes.

Mehrere Augenzeugen hätten einen Schock erlitten und hätten betreut werden müssen. Sie könnten erst in den nächsten Tagen vernommen werden. Die Bundespolizeiinspektion Bremen weist darauf hin, dass durchfahrende Züge den Bahnhof Buchholz mit bis zu 140 Stundenkilometer Geschwindigkeit passieren – die Reaktionszeit zum Verlassen der Gleise beim Erkennen eines nahenden Zuges liege bei rund zwei Sekunden! Gleis 7 sei für 110 Stundenkilometer freigegeben.

Der buchholzblog war kurz nach Auslösen des Alarms vor Ort. Um 19.12 Uhr ging bei der Buchholzer Feuerwehr die Einsatzmeldung „Person unter Zug“ ein. Mit mehreren Fahrzeugen rückte die Feuerwehr zum Bahnhof aus. Der Zufall wollte es, dass eine Schulung von Gruppenführern in der Wache an der Bendestorfer Straße stattfand, so dass diese sofort ausrücken konnten.

Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) rasten vom Buchholzer Krankenhaus heran. Drei Notärzte waren nach Informationen des buchholzblogs im Einsatz, einer wurde aus Hamburg hinzugezogen. Von der Werksfeuerwehr der Deutschen Bahn im Rangierbahnhof Maschen waren zwei Fahrzeuge angerückt. Die Buchholzer Polizei sperrte den Einsatzort weiträumig ab, auch die Bundespolizei war vor Ort. Laut Bundespolizei waren 40 Angehörige der Feuerwehr Buchholz, Seelsorger, Sanitäter, ein Notfallmanager der Bahn und mehrere Polizeistreifen

Auf der Lindenstraße vor dem Kabenhof, auf der Nordseite des Bahnhofs, bot sich ein Bild wie bei einem Katastropheneinsatz. Über mehrere hundert Meter blockierten Einsatzfahrzeuge mit zuckenden Blaulichtern die Straße. Auf den Bänken gegenüber vom Penny-Markt saßen geschockte Zeugen des schweren Unfalls, die von Sanitätern und Feuerwehrleuten betreut wurden. Eine Frau, die offenbar einen schweren Schock erlitten hatte, redete ohne Unterbrechung. An der Zugstrecke tauchten Lampenmasten der Feuerwehr die Szenerie in taghelles Licht. Ärzte und Sanitäter behandelten direkt neben dem Zug an der Böschung die offenbar schwerer verletzte Person. Die zweite Person konnte in einen Rettungswagen gebracht und dort behandelt werden.

Die Bundespolizei warnt weiterhin vor dem lebensgefährlichen Betreten von Bahnanlagen. So ist am 22. September ein 16-jähriger in Lunestedt bei Bremerhaven von einem Güterzug überrollt worden, als er vom Bahnsteig aus über die Gleise lief. Am Montag verstarb eine 16-jährige Schülerin in Stade an einem Bahnübergang, den sie trotz geschlossener Schranken überquerte. Gleisüberschreitungen werden täglich gemeldet werden und führen zu Blaulichteinsätzen.

Wenn Züge Schnellbremsungen einleiten müssen, wird, so die Pressemitteilung, strafrechtlich wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Das Überqueren von Bahnübergängen bei sich schließenden Schranken wird bei Fahrzeugführern mit 700 Euro Bußgeldern und dreimonatigen Fahrverboten geahndet. Und auch Fußgänger werden mit 350 Euro an Bahnübergängen belangt.

Die Bahnstrecke Hamburg-Bremen wurde mach dem Zugunfall in beiden Richtungen umgehend gesperrt, um 20.44 Uhr fuhr der erste Metronom Richtung Bremen wieder in den Bahnhof ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden schwer verletzten Personen bereits auf dem Weg in Kliniken in Hamburg. Das Kriseninterventionsteam war angekündigt, um Zeugen weiter zu betreuen. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Im Zug, der hell erleuchtet im Bahnhof stand, saßen die Fahrgäste. Einige schien der Unfall nicht besonders mitgenommen zu haben, sie tranken im Bordbistro ungerührt ihr Bier weiter. Andere bestanden darauf, während des laufenden Einsatzes, da war der Verletzte allerdings schon abtransportiert worden, aus dem Zug auszusteigen. Mit der Begründung, sie hätten auch Rechte und dürften nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden…

Von den rund 430 Passagieren im Zug sei niemand verletzt worden, teilte die Bundespolizeiinspektion Bremen mit. Nach Ablösung des Triebfahrzeugführers habe der Zug um 21:48 Uhr die Fahrt fortsetzen können. Es hätten sich 34 Züge verspätet, 13 weitere Züge seien ausgefallen.

Von Kristian Stemmler

Buchholz gehört zu den nicht gerade wenigen Kommunen hierzulande, die von der Bahn terrorisiert werden, vor allem durch anhaltenden Lärm oft jenseits der Schmerzgrenze. Im Gegensatz zu allen anderen Lärm-Emmissionären muss sich das vom Staat dem Markt in den Rachen geworfene Unternehmen – man spricht vornehm von Privatisierung – dabei an keinerlei Regeln oder gar geschriebene Gesetze halten. Ellenlange Güterzüge, die zu jeder Tages- und Nachtzeit durch Stadt und Land donnern, egal wie alt die Achsen und die Radreifen sind – alles kein Problem!

Das Nordheide Wochenblatt hat verdienstvollerweise in seiner Ausgabe vom Sonnabend einen Vorgang öffentlich gemacht, der aufs Neue zeigt, wie dreist und skrupellos die Bahn vorgeht. Die Interessen der Allgemeinheit sind für die Herrschaften im Vorstand des Konzerns offenbar nicht von Belang, wenn es darum geht, Profitinteressen zu verfolgen. Das Schlimme daran: Das Alles geschieht offensichtlich mit Deckung resp. sogar Förderung der Politik, zumindest der in Berlin. Die Bahn erweist sich hier als Staat im Staate, als eine im Grunde mafiöse Organisation auf Augenhöhe mit dem DFB, Volkswagen und der Deutschen Bank.

Der Beitrag im Wochenblatt lässt sich so zusammenfassen: Die Bahn hat zwei Jahre lang geheim ein zusätzliches Gleis von Ashausen nach Celle geplant, weil mehr Güterzüge von Hamburg auf drei Strecken Richtung Süden fahren sollen, und wollte das Ganze ohne Bürgerbeteiligung durchziehen. Der Sprecher des Projektbeirats Alpha-E, der Bürgermeister der Samtgemeinde Tostedt, Peter Dörsam, kritisierte das Vorgehen der Bahn in der Zeitung massiv.

Das ist allerdings nur ein erster Schritt und nicht mehr. Die Kommunen müssen endlich das Recht in die eigene Hand nehmen. Soll heißen: Warum lässt man es sich gefallen, dass die Bahn auf ihrem Gelände machen kann, was sie will? Auch das Land der Bahn, etwa in Buchholz, gehört zur Stadt und ist dem hiesigen Recht unterworfen. Man könnte zum Beispiel, wie man das mit Autos schließlich auch macht, mal Geschwindigkeitsbeschränkungen für Güterzüge verhängen – oder Fahrverbote…

Wie wäre es denn, wenn die Stadt Buchholz, etwa mit Hilfe von Feuerwehr oder THW, dafür sorgt, dass Sauerstoff in den Teich im Rathauspark kommt ? Der scheint nämlich wegen der aus dem Lot geratenen meteorologischen Verhältnisse gekippt zu sein.

Zum Wohle von Investoren und Anlegern wird rangeklotzt – für den Rest geht das Licht aus.

Von Kristian Stemmler

Die Stadt Buchholz rühmt sich gern als Boomtown vor den Toren des großen Nachbarn Hamburgs, als Familienstadt, als Kulturstadt et cetera et cetera. Doch man schafft es nicht, vor dem Buchholzer Bahnhof für Beleuchtung zu sorgen. Nach Informationen des Blogs sind die Straßenlaternen des Rondeels vor dem alten Bahnhofsgebäude auf der Südseite der Bahnschienen seit dem Dienstag vergangener Woche, 18. September, vom Netz. Rundherum sind die Straßenlaternen an, das Parkhaus auf der Südseite und das im Kabenhof sind prachtvoll illuminiert. Pikant: Am Kabenhof ist eine große Werbung der städtischen Tochter Stadtwerke mit dem Slogan „Gut versorgt“ angebracht – also genau des Unternehmens, das es offenbar nicht schafft, die Laternen am Bahnhof wieder ans Netz zu hängen.

Der Ausfall hat massive Auswirkungen. Morgens müssen Hunderte von Bahnkunden im Dunkeln zu den Bahnsteigen. Wenn es demnächst anfängt zu frieren, wird es kriminell. Abends stehen Frauen fast allein an der dunklen Bushaltestelle, wie aus Kreisen der Taxifahrer zu erfahren war. Der Spott der arbeitenden Bevölkerung, die am Bahnhof arbeitet oder ein- und aussteigt, ist groß. Dass die Fälle von Behördenversagen in unserer Zeit offenbar exponentiell zunehmen, überrascht nicht. Dies aber ist ein besonders krasser Fall von kommunalem Versagen!

Als Ursache für den Blackout wird Folgendes vermutet: In der Woche des Ausfalls war mit einem mobilen Kran ein Transformatorenkasten am östlichen Ende des Rondeels gesetzt worden. Ganz offenbar eine weitere Vorbereitung auf das Canteleu-Quartier, das mit großem Tamtam angekündigt worden ist. Tatsächlich ist dieses neue Viertel wohl nur eine Lizenz zum Gelddrucken und eine Art Altersabsicherung für den Investor, die Firma Terra.

 

 

https://www.jungewelt.de/artikel/340169.schlechte-zahlen-zum-weltkindertag-jugend-ohne-perspektive.html

Von Kristian Stemmler

In der Kinder- und Jugendhilfe eskaliert derzeit unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit eine Entwicklung, die als Skandal zu bezeichnen stark untertrieben ist. Die für kritische Berichterstattung bekannte Tageszeitung junge Welt aus Berlin meldete es am 6. September mit eher nüchternen Worten: Die Zahl der in geschlossenen Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen hat sich binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt – die Zahl stieg von 6.016 im Jahr 2006 auf 15.534 im Jahr 2016,. Das hatte die Passauer Neue Presse am Mittwoch unter Berufung auf eine Antwort des Bundesfamilienministeriums auf eine Anfrage der Fraktion von Die Linke berichtet.

Als Journalist, der für das Hamburger Abendblatt jahrelang über Themen der Jugendhilfe berichtet und sich leidenschaftlich für gerade die ausgestoßenen Kinder und Jugendlichen eingesetzt hat, bin ich entsetzt über diese Nachricht. Wie können sich Menschen, die sich Pädagogen nennen und das entsprechende Fach studiert haben wollen, allen Ernstes erneut dafür hergeben, Kinder und Jugendliche, die sich nicht anpassen wollen, einfach wegzusperren. Genau das passiert hier, ohne dass ich die Schwierigkeiten, die die Jugendhilfe mit abweichendem Verhalten mancher Klienten hat, verharmlosen will.

Immer wieder habe ich vor Jahren als Lokalredakteur des Abendblattes über die Probleme geschrieben, die in Hamburg mit den so genannten Crash-Kids entstanden. Minderjährige, die schwer zu stoppen waren, die im Alter von 13, 14, 15 Jahren Autos kurz schlossen, um Spritztouren zu unternehmen. Zu einiger Bekanntheit brachte es hier der Junge Dennis. Die Lösung für das Problem war aber sicher nicht die geschlossene Unterbringung. Man versuchte mit Aufenthalten in einem finnischen Betreuungscamp in Finnland namens Kuttula und mehrwöchigen Trainings auf Segelschiffen die Jugendlichen wieder auf Kurs zu bringen, durchaus erfolgreich. Von rechts wurden diese Lösungsansätze damals natürlich übelst diffamiert als „Abenteuerurlaub auf Kosten der Steuerzahler“ und dergleichen.

Wie kann es sein, dass trotz aller Diskussionen, die in den 70ern und auch noch 80ern zu dem Thema geführt wurden, sich jetzt die Zahl der Kinder und Jugendlichen in geschlossenen Heimen mal eben so verdoppelt hat?! Der eigentliche Skandal ist die vordergründige Ursache für diese Entwicklung. In der zitierten Meldung in der jungen Welt heißt es dazu: „Der kinder- und jugendpolitischer Sprecher der Fraktion, Norbert Müller, kritisierte die Entwicklung. Die stark gestiegenen Zahlen seien Folge des Sparzwangs in der Kinder- und Jugendhilfe, sagte er der Zeitung. Weil das Geld für frühzeitige Unterstützung fehle, stehe am Ende oft Wegfangen und Einsperren.“

Wer sich als Sozialpädagoge für Derartiges hergibt, versündigt sich an seinen Klienten!

 

Warum ist direkt neben der Waldschule ein Schießstand des Buchholzer Schützenvereins, an dem Warnschilder angebracht sind, auf denen u. a. „Lebensgefahr“ steht?

Der Sitz der Polizeiinspektion Harburg in Buchholz

 

Von Kristian Stemmler

Am Sonnabend haben in Hannover nach Veranstalterangaben rund 15.000 Menschen gegen das geplante Niedersächsische Polizei- und Ordnungsgesetz (NPOG) demonstriert. Sie warnten davor, dass dieses Gesetz mit seinen ausufernden Befugnissen für die Polizei ein weiterer Schritt in Richtung Polizeistaat ist. In allen deutschen Bundesländern außer dem von einem Ministerpräsidenten aus der Linkspartei regierten Thüringen sind ähnliche Polizeigesetze in Planung, in der Diskussion oder schon umgesetzt wie in Bayern.

Doch das Thema ist nicht so einfach abzutun, wie es manche Linke glauben, wenn sie voller Inbrunst das Kürzel ACAB an Wände sprühen oder auf einem T-Shirt tragen – also: All cops are bastards. Genau das ist, wenn es wirklich ernst gemeint ist, eben grundfalsch, weil es im Polizistenberuf genauso wie in anderen Berufen Leute gibt, die es gut, und andere, die es nicht so gut machen.

Wobei das Problem bei der Polizei schon diffiziler ist – weil die außerordentlichen Befugnisse von Polizeibeamten nicht selten zu gravierendem Machtmissbrauch führen und der oft noch vorherrschende Korpsgeist resp. eine Wagenburgmentalität zum Verschweigen dieser Missbräuche. Hier sind die Polizisten gefordert, denen klar sein muss, dass sie das so an der Polizeischule nicht gelernt haben, und das derartige Übergriffe auch auf sie zurückfallen.

Dennoch gehört in einem zerfallenden Gemeinwesen, und im real existierenden Kapitalismus ist ein solches zu beobachten, eine funktionierende Polizei zu den Bastionen, die im Kampf gegen ein Abgleiten in Chaos und Anarchie wichtig, wenn nicht unverzichtbar sind. Umso mehr muss es erstaunen, wenn es der Staat selbst ist, der auf der einen Seite Befugnisse und Aufgaben der Polizei immer mehr erweitert – sie aber auf der anderen Seite nicht in den Stand versetzt, diese Aufgaben auch erfüllen zu können resp. nur die Aufgaben, für die manche Politiker sie offenbar vorgesehen haben.

Mit dem Begriff „funktionierende Polizei“ ist hier selbstverständlich eine Polizei gemeint, die auf dem Boden von Recht und Gesetzt operiert und deren Befugnisse auf das Notwendige beschränkt sind. Eine Polizei, deren Kernaufgabe es sein muss, ein solidarisches Gemeinwesen zu schützen, nicht zur Ausgrenzung von Minderheiten beizutragen, sondern zu deren Schutz, kurz: eine Polizei, die für die Schwächsten da ist und zugleich für die Einhaltung gesunder Regeln sorgt.

Wie kann es vor diesem Hintergrund sein, dass zum Beispiel, wie das Nordheide Wochenblatt in seiner Mittwochausgabe berichtet, die Polizeidirektion Lüneburg den Beamten ihrer untergebenen Polizeiinspektionen, darunter auch die für Buchholz und den Landkreis Harburg zuständige Polizeiinspektion Harburg, quasi untersagt, Überstunden jenseits einer gewissen Grenze zu machen. Es ist mehr als peinlich, wenn die Direktion gegenüber der Zeitung auf irgendwelche älteren Erlasse des Innenministeriums verweist – während die Beamten vor Ort klar machen, dass sie so nicht für Sicherheit und Ordnung garantieren können.

Dass es überhaupt dazu gekommen ist, dass die Länderpolizeien – in Hamburg ist es mindestens ebenso schlimm wie im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg – einen Berg von Überstunden angehäuft haben, das ist der eigentliche Skandal. Die Polizei wird hier von der Politik offenbar immer mehr in eine Rolle hineingedrängt, die für alle Seiten nur negative Folgen hat, in die des Ausfallbürgen für gesellschaftliche Zerfallsprozesse, des Lückenbüßers und Rammbocks gegen Bürger, die ihre Rechte verteidigen. Dafür darf sie sich nicht hergeben!

Es liegen haufenweise Vorschläge auf dem Tisch, wie dem Problem beizukommen ist. So können die Aufgaben der Polizei um ein Vielfaches reduziert werden. Allein die unsinnige Strafverfolgung von Drogendelikten bindet Kräfte in einem abenteuerlichen Ausmaß. Hier kann nur die kontrollierte Abgabe von Cannabis und schrittweise auch von „harten Drogen“, wie sie von Polizeipräsidenten schon in den 80ern unterstützt wurde, eine Lösung sein. Eine andere Frage ist, ob die Polizei jeden Unfall mit Blechschaden aufnehmen muss, das lässt sich sicher anders regeln. Schließlich, drittes Beispiel, ist es nicht einzusehen, dass die Polizei auf Kosten des Steuerzahlers die Spiele der ersten Fußball-Bundesliga mit Riesenaufgeboten und ebensolchen Kosten absichert, während die Spieler,Trainer und andere Profiteure des Profifußballs im Geld schwimmen. Grotesker geht es nicht!

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Aus gegebenem Anlass wiederholt der Blog einen Text vom Oktober 2015, der offenbar kaum an Aktualität verloren hat. Denn die USA werden sicher binnen kurzem den immer wieder absurden Vorwurf wiederholen, das „Assad-Regime“ setze Chemiewaffen ein.

Hier der Beitrag:

In der Tageszeitung junge welt fand die Redaktion einen Hinweis auf einen sehr aufschlussreichen und unterhaltsamen satirischen Beitrag zum Thema Syrien. Hier der Text:

Der Frankfurter Künstler Hartmut Barth-Engelbart veröffentlichte am Montag auf seiner Internetseite die deutsche Übersetzung von »Sprachvorschlägen« des US-Außenministeriums. Der »Syrien-Spickzettel« für NATO-Propagandisten stammt von Gary Leupp. Die Satire war zuerst im US-Portal counterpunch.org veröffentlicht worden:

  • Erwähnen Sie immer wieder die Fassbomben. Lassen Sie dabei aber weg, wie deren Gebrauch von der israelischen Luftwaffe 1948 eingeführt wurde und wie sie 1968 in der Operation Inferno von den USA benutzt wurden. Wiederholen Sie ständig »Fassbomben, Fassbomben« und behaupten Sie mit ernstem Blick, dass das syrische Regime sie »gegen die eigene Bevölkerung« einsetzt. Gegen die eigene Bevölkerung. Gegen die eigene Bevölkerung. Gegen die eigene Bevölkerung.
  • Erwähnen Sie immer wieder »200.000« als offizielle Zahl der Opfer in Syrien. Erwähnen Sie allerdings nicht, dass ungefähr die Hälfte der Opfer reguläre syrische Soldaten waren. Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen zu diesen Zahlen ein, um keine Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass die syrische Regierung einfach so nach Lust und Laune Zehntausende Zivilisten ermordet. (…)
  • Erwähnen Sie immer wieder den »arabischen Frühling« und wie 2011 friedliche syrische Demonstranten unterdrückt wurden. Aber bleiben Sie nicht zu lange bei diesem Thema. Immerhin war das US-Außenministerium tatsächlich schockiert von den hässlichen Folgen in Ägypten, wo die »Demokratisierung« die Muslimbruderschaft an die Macht brachte, bis das US-unterstützte Militär seine Widersacher in einem Blutbad ersäufen konnte. Und denken Sie bitte daran, nicht zu erwähnen, wie in Bahrain friedliche Demonstrationen der schiitischen Mehrheit gegen die repressive sunnitische Monarchie von saudiarabischen Invasionskräften mit schweigender Billigung der USA niedergeschlagen wurden. (…)
  • Erwähnen Sie immer wieder die »Freie Syrische Armee« und die »moderate Opposition«, um den Eindruck zu vermitteln, die gäbe es wirklich. Erwähnen Sie allerdingsnicht, dass die FSA ein schlechter Witz ist, dass ihre Anführer in der Türkei leben, dass ihre wenigen verbliebenen Einheiten von CIA-Offizieren angeführt werden, dass die unlängst an die Front geschickte Gruppe von 54 Leuten umgehend von der Al-Nusra-Front gefangen genommen wurde und dass weitere 70 aus der Türkei geschickte Kämpfer umgehend ihre Waffen Al-Nusra übergaben (…).
  • Drücken Sie auch weiterhin Empörung, wenn nicht sogar Wut darüber aus, dass Russland sich in Syrien »einmischt«. Verziehen Sie Ihr Gesicht und schauen Sie, als ob das kaum nachvollziehbar wäre. Erwähnen Sie aber nicht, dass Syrien viel näher an Russland als an den USA liegt und dass Russland viel gefährdeter ist durch Terrorismus, als es die USA sind (…).
  • Erinnern Sie Ihre Zuschauer nicht daran, dass die syrische Regierung international anerkannt und etabliert ist, einen Sitz in der UNO hat, mit den meisten Ländern freundliche Beziehungen unterhält und in einem Kampf auf Leben und Tod ist gegen Leute, die Menschen versklaven, kreuzigen, enthaupten, lebendig begraben und verbrennen und die Syriens moderne säkulare Regierung durch eine mittelalterliche, religiöse und völlig intolerante ersetzen wollen.
  • Behaupten Sie auch weiterhin starrsinnig, das Assad Regime sei irgendwie verantwortlich für die Terrorismuswelle. (…) Erwähnen Sie nicht, dass Al-Qaida-Sprösslinge weltweit überall entstanden sind und gedeihen, seit die USA 2003 in einem Krieg, der komplett auf Lügen basierte, in den Irak eingefallen sind und ihn zerstört haben. (…)
  • Halten Sie die Sache bitte einfach. Hämmern Sie den Zuschauern einfach in die Hirne, dass Assad das Hauptproblem ist und der allerschlimmste Akteur in der syrischen Situation. Erzählen Sie ihnen, dass Putin, während er versucht, das Zarenimperium wiederzubeleben, Assad als einen loyalen Verbündeten unterstützt und sein Militär nutzt, um dessen Herrschaft zu verlängern (…).

Die neue Attraktion in Buchholz: das Lez Urfa an der Bremer Straße

Schon am ersten Tag ging die Schlange der Hungrigen bis auf die Straße – die Eröffnung des Lez Urfa am heutigen Mittwoch, der neuen Attraktion in Buchholz, war ein voller Erfolg. In den gemütlichen Räumlichkeiten des neuen Cafés und Restaurants mit Holzkohlegrill drängelten sich die Gäste. Auch hinter dem Tresen war es ziemlich voll: Sieben junge Männer wirbelten und zeigten, was sie können. Bei der Zubereitung des Hammersonderangebots für den Eröffnungstag zum Beispiel: Shawarma (Döner arabischer Art) mit Hähnchenfleisch für einen Euro.

Auch wenn die Lage nicht absolut zentral ist, hier findet man immer hin, wenn man gut essen und nette Leute treffen will: Bremer Straße 2b. Die Gastgeber betreiben auch den im Hof liegenden Tayba Markt, der im Dezember eröffnete und ein Riesenangebot zu superniedrigen Preisen bereit hält, und den Sisha Laden daneben. Sie garantieren, dass im Restaurant nur hundert Prozent Fleisch aus eigener Produktion ohne alle Zusatzstoffe verarbeitet wird.

Für den morgigen Donnerstag bietet das Lez Urfa Falafel für einen Euro, am Freitag Manakish, die arabische Version der Pizza. Weitere Infos bei facebook (Lez Urfa Buchholz) und bei Instagram unter instagram.com/lez_urfa_buchholz/

Gemeinsame Pressemitteilung

des Netzwerks We’ll Come United

und des Tribunals „NSU-Komplex auflösen“

Berlin / Hamburg, Fr. 31.8.2018

Sachsen darf nicht weiter vom Rassismus regiert werden

Das antirassistische Netzwerk „We’ll Come United“ und das Tribunal „NSU-Komplex auflösen“ rufen zur Teilnahme an antifaschistischen Demonstrationen in ganz Deutschland und in Chemnitz auf. Außerdem fordern die Netzwerke eine unabhängige Untersuchungskommission zum Rassismus in der sächsischen Polizei, die Unterstützung zivilgesellschaftlicher Akteure, die sofortige Entwaffnung aller Neonazis und freie Wohnortwahl für Geflüchtete.

Chemnitz schockiert, aber ist keine Überraschung. Die Wurzeln der gegenwärtigen rechten Gewalt liegen im Rassismus und sind älter als 2015. Mit der Sarrazin-Debatte fing es im Jahr erneut 2010 an. Die islamfeindlichen Thesen des SPD-Politikers und die 2010 einsetzende Debatte verschoben das vorher Unsagbare. Offener Rassismus wurde hoffähig. Die rechte Gewalt in Chemnitz kommt nicht von außen, vielmehr wird das Feld für militante Nazi-Strukturen und Terrorgruppen wie dem NSU, der Gruppe Freital und dem III. Weg durch institutionellen Rassismus bereitet. In Sachsen regiert seit Jahren der Rassismus.

Ayşe Demir, Vorstandssprecherin des Türkischen Bund Berlin Brandenburg (TBB), machte heute deutlich, dass die Zivilgesellschaft nun endlich alle Kräfte mobilisieren und gemeinsam und konsequent gegen den immer stärker werdenden Rechtsruck wirken muss. „Es kann nicht sein, dass die täglichen Angriffe auf Muslime, Geflüchtete, Migrant*innen oder als fremd markierte Menschen als Alltag akzeptiert werden. Zivilgesellschaft und Politik müssen das Problem endlich beim Namen nennen. Bund und Länder müssen rechtlich und praktisch gegen Rassismus vorgehen.“

Newroz Duman vom Netzwerk We’ll Come United: „Das Pogrom in Chemnitz ist ein Angriff auf die postmigrantische Gesellschaft, denn sie steht dem autoritären Umbau der Demokratie im Weg. Deswegen wird das massenhafte Sterben im Mittelmeer erzeugt, deswegen wurde nur gegen die Angehörigen der Opfer der NSU-Mordserie ermittelt und nie gegen die Täter. Es sind auch nicht die sog. kleinen Leute, die durch Chemnitz Straßen wüten, sondern es sind jene, die selbst auf die kleinen Leute treten. Es sind jene, die sich ein System wünschen, in dem niemand leben will. Ihre Vorstellung von Gemeinschaft ist ein Albtraum. Die Rechten auf der Straße sind keine Opfer des Systems, sondern sie sind Täter.“

Auch Ferda Ataman, Vorsitzende der Neuen Deutschen Organisationen (NDO) fordert: „Die Politik muss in Sachsen und überall in Deutschland die plurale Zivilgesellschaft stärken, anstatt sie zu kriminalisieren. Die vielen engagierten Menschen, die sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus, gegen Rassismus und in der Geflüchtetenhilfe einsetzen, dürfen nicht alleine gelassen werden. Sie sind viele, brauchen aber Unterstützung gegen die völkischen Randalierer.“

„Statt die Angehörigen des Mordopfers Daniel H. ins Zentrum der Anteilnahme zu stellen, instrumentalisiert auch die sächsische CDU den Mord, um seinen künftigen Koalitionsvertrag mit der AfD mit Hilfe der Gewalt der Straße vorzubereiten. Wir sind in unseren Gedanken bei den Angehörigen der Familie, die sich explizit gegen rechte Vereinnahmung verwehrt. Die zur Schau getragene Empörung der Rechten über seinen Tod ist geheuchelt, denn Töten ist das Geschäft der Rassisten. Die gebrüllten Parolen der letzten Tage, wie „Schlagt den Roten die Schädeldecke ein“ und „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer“ machen dies unmissverständlich deutlich“, so Massimo Perinelli vom Tribunal „NSU-Komplex auflösen“

Unsere Forderungen

Wir fordern von der Politik eine dauerhafte und größtmögliche Stärkung engagierter Initiativen gegen Hass und Rassismus sowie eine öffentliche Wertschätzung für das Bündnis Chemnitz Nazifrei und anderen Gruppen, die sich der menschenverachtenden Gewalt in den Weg stellen.

Wir fordern die sofortige und vollständige Entwaffnung aller Neonazis sowie die Vollstreckung aller 460 Haftbefehle gegen untergetauchte rechte Straftäter.

Wir fordern außerdem eine unabhängige Untersuchungskommission zum Vorgehen der sächsischen Polizei. Denn die sächsische Polizei und ihre vorgesetzte Behörde hat die rechte Gewalt nicht unterschätzt, sondern ist selber ein Teil davon. Sie hat das Pogrom und die Menschenjagd in Chemnitz laufen lassen, sie hat Bewaffnung, Vermummung und offene Gewalt zugelassen, sie schaut zu bei Straftaten wie Volksverhetzung und NS-Verherrlichung. Sie erkennt sich selber in der autoritären Haltung der Law&Order-Schläger wieder. Angst hat die Polizei nur vor Linken und deren Forderung nach demokratischer Kontrolle der Exekutive.

Das spezifische Sachsenproblem lautet: es gibt zu wenig Migrant*innen im Freistaat, die sich nicht nur selber schützen, sondern auch dem offenen Rassismus die Stirn bieten und die Gesellschaft plural und offen gestalten können. Trotzdem fordern wir, dass Flüchtlinge nicht gegen ihren Willen in dieses oder ein anderes Bundesland verteilt werden dürfen, sondern dass sie selber die Orte wählen, an denen sie leben wollen.

Gemeinsam mit den Neuen Deutschen Organisationen fordern wir, dass es Integrationsmaßnahmen für ‚Wutbürger‘ geben muss, damit diese den Weg in die postmigrantische Gesellschaft finden.

antiracist-parade.org

http://www.nsu-tribunal.de

Die Bahn ist bekanntlich das innovativste Unternehmen der Republik. Kein Wunder also, dass sich die spannendste Baustelle des Landkreises Harburg auf dem Gelände des Buchholzer Bahnhofs befindet. Es handelt sich um einen der vier Fahrstühle der Wohlaubrücke, die zu den Bahnsteigen führt resp. Nord- und Südstadt verbindet. Sie erinnert stark an die Baustelle aus dem Buch „Der Blaumilchkanal“ des israelischen Satirikers Ephraim Kishon. Kürzlich waren hinter dem Bretterverschlag, der den Fahrstuhl oben umgibt, tatsächlich so etwas wie Geräusche handwerklicher Tätigkeiten zu verzeichnen. Ansonsten hängen im Bahnhofsbereich Plakate, auf denen die Bahn verkündet, der Fahrstuhl sei im November repariert. Halleluja!

Das passt gut zu den Informationen, die dem Blog zu Ohren gekommen sind. Dass die Bahn von Anfang an die falschen Fahrstühle eingebaut hat. Im Winter funktionieren sie nicht richtig. Das macht einem richtig Mut für Stuttgart 21… (kst)

Das Jobcenter des Landkreises Harburg soll wegen seines vorbildlichen Engagements mit einer neugeschaffenen Auszeichnung des Landes Niedersachsen ausgezeichnet werden, dem Exzellenzorden für Kreativität und Hilfsbereitschaft. „Generationen von Hilfeempfängern sind durch die Mitarbeiter des Jobcenters aufgeheitert und animiert worden“, sagte Landrat Rainer Rempe (CDU), der die Auszeichnung im September entgegennehmen will. „Den Mitarbeitern gelingt es immer wieder, besonders fantasievolle Begründungen für die Ablehnung von Hilfeleistungen zu kreieren, die auch noch den letzten Sauertopf zum Lachen reizen.“ Besonders die Filiale Buchholz zeichne sich hier immer wieder aus. Rempe: „Kommen Sie gern selbst mal in die einladend gestalteten Räumlichkeiten dieses Jobcenters. Sie werden dort immer gut gelaunte Klienten finden, die sich vor Lachen biegen, wenn einer der Mitarbeiter wieder einmal in seiner unnachahmlichen Art einen Witz erzählt hat.“ (Das Kollektiv)

Von Kristian Stemmler

Die Verantwortlichen der Stadt Buchholz klopfen sich bei jeder Gelegenheit selbst gönnerhaft auf die Schulter, wie aufgeklärt sie mit der Nazivergangenheit der Stadt umgehen – tatsächlich kann davon nicht die Rede sein! Auf dem Alten Friedhof südlich der Parkstraße lässt die Stadt die Gräber der 17 Zwangsarbeiter verkommen, die dort zur letzten Ruhe gebettet wurden. Eine Schande für Buchholz!

Schon die Lage der Gräber ist symptomatisch für den Umgang der Buchholzer mit den Verbrechen des NS-Regimes. Die Gräber wurden in die hinterste Ecke des Friedhofs gepackt, ohne jede Erläuterung, wessen sterbliche Überreste hier liegen, wie die Menschen in Buchholz behandelt wurden, wie sie ums Leben kamen. Nach Informationen von der Homepage des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge sind hier bestattet: ein Belgier, ein Jugoslawe, ein Grieche, fünf Polen, drei Tschechen und sechs Kriegsgefangene aus der Sowjetunion. Lapidar heißt es auf der Homepage des Volksbundes: „Sie starben in den Jahren 1942 – 1945.“

Es gehört nicht viel Mühe dazu, sich zu vergegenwärtigen, was zumindest einem Teil dieser Menschen widerfahren ist. Wenn zum Beispiel Sterbedaten auf den völlig verwitterten Grabsteinen auf den selben Tag zum Kriegsende hin verzeichnet sind, dann liegt es nahe, dass die Betreffenden umgebracht worden sind. Davon ist nach Informationen des Blogs nirgendwo bisher zu lesen gewesen.

Ein Skandal ist auch, dass unmittelbar gegenüber der Gräber der Zwangsarbeiter sich ein Gräberfeld befindet, mit – so die Homepage des Volksbundes – „48 deutschen Soldaten verschiedenster Truppengattungen von Heer, Luftwaffe, Marine und Waffen-SS, davon 9 Unbekannte“. Sie seien in Buchholzer Lazaretten 1944 und 1945 gestorben, „auch nach Kriegsende an ihren Verwundungen oder wurden nach den Kampfhandlungen tot aufgefunden und hier bestattet“.

Wie unfassbar geschichtsvergessen und instinktlos ist es, Soldaten, die vielleicht keine individuelle Schuld auf sich luden, aber als Angehörige der genannten Truppenteile in die Verbrechen der Nazis involviert waren, direkt neben Opfern dieser Tyrannei zu bestatten. Besonders skandalös ist es, dass dann auch noch Angehörige der verbrecherischen Waffen-SS dabei sind. Auch wenn dies nach dem Krieg so arrangiert worden ist – die Stadt hätte es längst korrigieren müssen!

Ein weiterer Skandal ist der Umgang der Stadt mit dem Gedenkstein für NS-Opfer auf dem Marktplatz. Von der vor Jahren dem Autor dieser Zeilen versprochenen Beschilderung mit erläuternden Worten zu dem Stein und seinen Intentionen ist weit und breit nichts zu sehen. Auch hier scheint sich Buchholz in den Wind zu drehen, der Deutschland derzeit weit nach rechts treibt. Man hat hier offenbar schon immer eine feine Nase dafür gehabt, wo der Zug hinfährt.

Am Dienstag um 15 Uhr lädt eine Gruppe internationaler Freiwilliger gemeinsam mit der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh zum Gedenken an die Opfer des Faschismus zum Mahnmal auf dem Buchholzer Marktplatz. Eine gute Gelegenheit, Flagge gegen Rechts zu zeigen!

Der neue äthiopische Premierminister Abiy Ahmed (Quelle: Der Spiegel)

 

Wordsurfer ruft dazu auf, eine Initiative zu gründen „Lkw raus aus den Städten und Dörfern“. Dazu dieser Beitrag aus der Tageszeitung junge Welt vom heutigen Donnerstag, 9.8.18:

Es geschieht in Deutschland in jeder zweiten Woche: Ein Radfahrer wird von einem Lastwagen erfasst, weil der Fahrer ihn oder sie beim Abbiegen übersehen hat. Anfang Mai war es im Hamburger Bezirk Eimsbüttel eine 33 Jahre alte Mutter zweier kleiner Kinder, der die Unaufmerksamkeit eines Lkw-Fahrers und die Unfähigkeit von Behörden und Industrie, Lösungen zu finden, zum Verhängnis wurde. Auf dem Weg zur Arbeit wollte sie eine Straße überqueren, als das tonnenschwere Fahrzeug sie erfasste. Der Notarzt konnte ihr nicht mehr helfen.

Auf deutschen Straßen, so hat die Unfallforschung der Versicherer (UDV) in einem mehrjährigen Forschungsprojekt herausgefunden, kommt es jedes Jahr zu der unvorstellbaren Zahl von rund 3.200 Unfällen, bei denen Lastwagen Radfahrer erfassen, wie der Spiegel am 9. Mai dieses Jahres kurz nach dem Unfall in Hamburg berichtete. Pro Jahr, so zitiert das Nachrichtenmagazin die Studie, gebe es bei diesen Unfällen rund 660 Verletzte und 70 Tote, also etwa sechs tote Radfahrer im Monat. Ein Drittel von ihnen komme bei Abbiegeunfällen ums Leben.

Dabei wären die meisten dieser Unfälle vermeidbar. Allein mehr als 40 Prozent aller Unfälle, an denen Lkw und Radfahrer beteiligt sind, könne bereits ein elektronischer Abbiegeassistent verhindern, hat die UDV bei ihrem Forschungsprojekt herausgefunden. Diese Technik überwacht den sogenannten »toten Winkel«, der die eigentliche Ursache für die vielen Unfälle beim Abbiegen von Lastern ist. Ein System, das bislang nur Daimler anbietet und für rund 2.500 Euro zu haben ist, überwacht per Radar einen 3,75 Meter breiten und bis 18,85 Meter langen Seitenstreifen neben dem Lkw, eben diesen toten Winkel, den der Fahrer mit den normalen Rückspiegeln nicht einsehen kann. 2017 war bereits jeder vierte Mercedes-Benz-Lkw in Deutschland mit diesem Abbiegeassistenten ausgerüstet.

Ein günstigeres System hat Edeka Südbayern in seiner Lkw-Flotte einbauen lassen. Es wurde vom technischen Leiter des Einzelhandelsunternehmens selbst entwickelt. Dabei wird der tote Winkel von einer Kamera an der Zugmaschine und zwei zusätzlichen Sensoren überwacht. Der Fahrer kann auf einem Monitor im Führerhaus den toten Winkel komplett einsehen, wenn sich in diesem Bereich eine Bewegung ereignet, wird der Fahrer außerdem durch Signaltöne gewarnt. Kosten der Vorrichtung: rund 500 Euro.

Auch an anderen technischen Lösungen des Problems wird gearbeitet. Dabei liege eine Maßnahme auf der Hand, wie etwa der Eimsbüttler Bezirksabgeordnete der Linkspartei Peter Gutzeit im Gespräch mit junge Welt hervorhob (siehe Ausgabe vom 28.5.2018): Die großen Lkw müssten raus aus den Städten und Ortschaften. Wo eine ständige Versorgung etwa der Discounter mit Lebensmitteln oder von Baustellen mit Baumaterial erforderlich ist, muss – so die Idee von Gutzeit – eine Infrastruktur aufgebaut werden, die die schweren Laster draußen hält. Dazu könnten etwa auf Parkplätzen an der Peripherie Baustoffe und Waren von großen Lkw auf kleinere umgeladen werden. Ein solches System zu entwickeln kostet sicher Zeit. Aber bei 70 Toten im Jahr darf das kein Argument sein.

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Von Kristian Stemmler

Das Hamburger Abendblatt, Zeitung für den verschnarchten Kleinbürger der Hansestadt, hat heute, wohl eher unabsichtlich, einen neuen Beleg dafür kund getan, wie wir alle überwacht werden. Im Aufmacher auf der ersten Seite, der wie ein Aprilscherz anmutet, heißt es ganz zum Schluss, der Bankenverband prüfe „anhand von Listen mit auffälligen Begriffen“, die geheim seien, Überweisungen auf verdächtige Wörter, die auf Geldwäsche, Betrug oder Terrorfinanzierung hinweisen könnten.

Mit den als Beispiel zitierten Begriffen gibt sich das Abendblatt der Lächerlichkeit preis und die Behörden, die befragt worden sind, gleich mit. Unter der Überschrift „Haspa warnt Kunden vor Scherzen bei Überweisungen“ werden Bankkunden gemahnt nichts witzig Gemeintes in den Verwendungszweck der Überweisungsträger hineinzuschreiben. Zum Beipiel: „War eine tolle Nacht“, „Danke für Deine Niere“ oder „Waffenfähiges Plutonium“.

Da müssen jedem Leser, der noch alle Nadeln an der Tanne hat, sofort die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben sein. Welcher Terrorist, bitteschön, ist so dämlich „waffenfähiges Plutonium“ auf eine Überweisung zu schreiben?? Es sollte bis zu den Ermittlungsbehörden vorgedrungen sein, dass Terroristen das Bankensystem in der Regel überhaupt nicht benutzen, sondern ganz andere Möglichkeiten des Geldtransfers haben. Das geht von Hand zu Hand und nicht von Konto zu Konto.

Komplett lächerlich macht sich die Staatsanwaltschaft München, die vom Abendblatt mit den Worten zitiert wird, es seien vor einiger Zeit immer wieder Geldwäscheanzeigen eingegangen „wegen bemerkenswerter Verwendungszwecke. Als Beispiel wird angegeben: „Koks Nutten Marihuana und was man sonst so für eine gute Party braucht“. Mit Verlaub: Dieser Verwendungszweck verweist nicht auf Terroristen, sondern friedliche und lebenslustige Leute.

Im übrigen: Die Hamburger Sparkasse soll erst mal den eigenen Laden aufräumen. Was der Autor derzeit mit der Filiale in Buchholz erlebt, geht auf keine Kuhhaut. Dafür baut man sich was „Großes“ zwischen Galerie und Empore. Hauptsache Protz, der Kleinkunde zählt nicht mehr!

SenInnDS Bericht zur Ausbildungssituation (Polizeiakademie) (1)

Auch im Landkreis Harburg wird man nicht müde, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, wenn es um so genannte Drogen geht. Folgende Meldung hat die Polizeiinspektion Harburg veröffentlicht:

„Marihuana, Haschisch und Kokain stellten Beamte des Kriminalermittlungsdienstes aus Winsen jetzt bei Durchsuchungen sicher. Vorausgegangen waren monatelange umfangreiche Ermittlungen gegen einen 22Jährigen aus dem Landkreis Harburg, welcher auch in Hamburg eine Wohnung hat. Der Täter verkaufte seine Drogen nicht nur im Landkreis Harburg, sondern auch in Hamburg und im Heidekreis. Bei einem Treffen schlugen Beamte des mobilen Einsatzkommandos dann zu und nahmen den 22 Jährigen und einen 29 Jährigen Abnehmer fest. Die anschließenden Wohnungsdurchsuchungen in Hamburg und Winsen förderten neben den fast zwei Kilogramm Drogen auch noch mutmaßliches Dealgeld in hoher vierstelliger Summe zu Tage. Desweiteren stellten die  Beamten einen Mercedes sicher, welche offenbar aus den Einnahmen der Drogengeschäfte bezahlt wurde. Der Täter sitzt jetzt in  Untersuchungshaft.“

Da wird also ein SEK eingesetzt wegen eines bisschen Gras und Koks. Traurig, aber wahr! In diesem Land sterben jedes Jahre rund 100.000 Menschen an den Folgen ihres Alkoholkonsums, etwa die Hälfte an den Folgen des Tabakkonsums. Von daher müsste das SEK eigentlich mal einen Aldi-Markt stürmen…

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 
Apostelgeschichte 17,27

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit werden gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

 

Was bleibt noch vom alten Buchholz..?

Von Kristian Stemmler

Buchholz verleiht Flügel, aber nur den Investoren… „Buchholzer Flügel“ heißt das Projekt, mit dem die Stadt wieder einmal einem Bauherrn die Lizenz zum Gelddrucken erteilt hat. Wie das Nordheide Wochenblatt in seiner Wochenendausgabe berichtet, wird in die Brachfläche an der Schützenstraße vis-a-vis City-Center-Parkplatz ein postmodernes Scheusal von Bauwerk hingeklotzt, das nur an Reiche und Geschäftsleute vermietet wird. „Investor“ ist in diesem Fall der ubiquitäre Steffen Lücking, finanziert von der VBN Immobilien, einer Tochter der Volksbank Lüneburger Heide. Diese schimpft sich zwar eingetragene Genossenschaft – was das in diesem Fall heißt, bleibt dahingestellt…

Wer noch einen letzten Rest von Geschmack bewahrt hat, dem wird beim Anblick der Animation im „Buchholzer Flügel“ getauften Komplex im Wochenblatt speiübel. Noch mehr kotzen muss der neutrale Beobachter, wenn er oder sie liest, dass sich Lücking mit einer Art Stiftung ein gutes Gewissen erkauft. Der komplette Gewinn so wird der Mann zitiert, fließe in eine in Gründung befindliche Stiftung namens Casiopeia, die ein „Stiftungshaus“ errichteten soll, mit der „Aufgabe, Familien mit Hospizkindern und -jugendlichen, speziell den hinterbliebenen Geschwisterkindern, über den Verlust hinweg in ein neues Leben zu helfen“.

So weit, so schlecht. Ein Wort noch zur Hospizbewegung: Ist es richtig und gut, den Tod immer mehr auszulagern..? Wortmeldungen dazu ausdrücklich erwünscht!

Die Polizeiinspektion Harburg meldet (Zwischenüberschrift Blog):

Tor des Monats

Buchholz – Einen Mercedes 350 CDI im Wert von 22.000 Euro entwendeten Unbekannte am Dienstag nachmittag. Zunächst brachen die Täter einen Spind im Schwimmbad im Holzweg auf. Daraus wurde neben einem Handy und Bargeld auch der Schlüssel für den PKW entnommen. Dieser wurde dann vom Parkplatz gestohlen. Zeugen, die das Fahrzeug mit dem Kennzeichen WL-DR 444 nach 15:45 Uhr noch gesehen haben, melden sich bitte bei der Polizei Buchholz unter 04181/ 2850.

Brandgefährlich

Wörme/Holm-Seppensen – Nachdem am Montag gegen 07:00 Uhr im Van der Smissenweg in Holm-Seppensen Waldboden in Brand gesetzt wurde, geschah gleiches am Mittwochmorgen gegen 01:45 Uhr in Wörme, Am Büsenbach. Zeugen bemerkten die Feuer jeweils rechtzeitig, so dass ein Ausbreiten der Flammen durch die hinzugerufene Feuerwehr verhindert werden konnte. Die Brandorte liegen nahe beieinander. Die Polizei geht daher von einem Zusammenhang aus. Zeugen, die verdächtige Beobachtungen gemacht haben, melden sich bitte bei der Polizei Buchholz unter der Nummer 04181/ 2850.

Rein, aber nicht sauber

Seevetal – Ein 68 Jähriger fuhr am Dienstagmittag in das Schaufenster einer Reinigung in der Straße Am Gerätehaus. Warum der Mercedes-Fahrer diesen Unfall verursachte ist unklar. Personen befanden sich zum Glück nicht in der Nähe. Es blieb daher bei einem vierstelligen Sachschaden an Fahrzeug und Gebäude.

 

Gesehen an der Neuen Straße.


 

Dieses Interview mit Julia Staron, Quartiersmanagerin auf St, Pauli erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt:

St. Pauli gehört zu den Touristenmeilen der Welt, Inbegriff von Matrosenromantik und Rotlicht. aber wie in anderen Städten zerstört der Tourismus seine eigene Grundlage: Atmosphäre und Traditionen. Sie haben mit Mitstreitern eine Initiative gestartet, das Leben im Kiez auf die Liste der Unesco für immaterielles Kulturerbe zu setzen. Ist auf St. Pauli denn noch was zu retten?

Hier stellt sich die Frage nach der Perspektive. St. Pauli ist in seiner etwa 400jährigen Geschichte als Ort zwischen den Grenzen einem ständigen Wandel unterworfen. Seeleute gibt es schon lange nicht mehr. Das Rotlicht hat in den 80er Jahren seinen massivsten Einschnitt erfahren. Auf diese Veränderung erfolgte eine der buntesten und innovativsten Entwicklung im Bereich der Klubkultur. Bei unserer Initiative kann es also gar nicht um die Bewahrung einer folkloristisch anmutenden Tradition gehen, sondern um eine Kulturforschung, um den Kern dessen, was man gemeinhin mit St. Pauli verbindet. Um ein Erforschen von Mythen, Klischees und dem tatsächlichen Gefühl, das die Menschen hier bei allen Gegensätzlichkeiten verbindet.

Was ist das für eine Liste, von der nur wenige bisher gehört haben? Darauf stehen Handwerkstechniken oder Brauchtum, zum Beispiel der rheinische Karneval und das Sternensingen.

Die Liste kennt kaum jemand, weil sie auch für die dort gewürdigten Kulturen und kulturellen Ausdrucksformen faktisch keine wirklichen Folgen hat. Viele Menschen verbinden mit dem Weltkulturerbe eben das materielle, was dann auch Rechtsfolgen wie eine Stärkung des Denkmalschutzes mit sich bringt und zudem durch die Liste der Weltkulturstätten dann auch eine touristische Stärkung nach sich zieht. Das gilt für das immaterielle Erbe nicht. Hier geht es mehr um eine Würdigung einer Besonderheit, eine innere Stärkung und Bewusstseinsmachung.

Reeperbahn, wenn ich Dich heute so anseh‘ Kulisse für’n Film, der nicht mehr läuft“, sang Udo Lindenberg schon 1989. Seitdem ist es ja erst richtig schlimm geworden, oder?

Ich weiß ja nicht. Das wird immer so in den Raum gestellt. Die Straßen sind voller als Anfang der 80er. Touristischer Ort war St. Pauli schon immer – seit vielen hundert Jahren. Es gibt aber viele St. Paulis. Es gibt das der 20er/30er Jahre, der 50er, das St. Pauli der Beatles, des Rotlichts, der Kaschemmen und Kneipen, der Theater, der Shows, den Lebensraum St. Pauli in Nord und Süd, das St. Pauli der Seeleute, der gestrauchelten Träume, der Clubkultur, der Subkultur, der Hafenstraße, des Fußballs … ach und noch so viel mehr. Darf es in dieser Vielfalt überhaupt so etwas wie eine Deutungshoheit geben?

Aber die Reeperbahn quillt doch über vor Touristen?

Ja, ein paar Dinge fühlen sich heute anders an und einige Bilder passen irgendwie nicht mehr. Es gibt eine Art Tourismus, der die Leichtigkeit wie auch Austauschbarkeit eines Strand- und Party-Urlaubs in urbane Räume trägt. Städte verkommen zu merkwürdigen Kulissen. Die tatsächliche Freiheit St. Paulis wird genutzt wie ein Kostüm bei einem Junggesellenabschied. Zudem gibt es immer mehr touristische Angebote, die gar nicht mehr aus dem Viertel kommen, sondern wo St. Pauli eben eher von Eventagenturen aufgrund seines Images und seiner Kulissen-Wirksamkeit missbraucht wird.

Auch die Investoren tun dem Kiez nicht immer gut. Südlich der Reeperbahn fühlt man sich zwischen sterilen Bürotürmen wie in einem Alptraum, oder?

Also, ich wohne im Brauquartier in einer Wohnung der Bergedorf-Bille Genossenschaft. Wunderbar bezahlbar. Man kann über die Architektur streiten – ich finde die roten Häuser ganz ok. Der Platz ist allerdings eine stadtplanerische Pleite. Die Fallwinde, die bei den tanzenden Türmen sogar noch schlimmer sind, machen ein Leben im Außenbereich und Erdgeschoss fast unmöglich. Die Nachbarschaftlichkeit hat hier aber zum Glück andere Wege gefunden.

Was bleibt von der Seele des Quartiers, haben Sie gefragt – ein starker Satz. Hat St. Pauli seine Seele nicht längst verkauft?

Niemals.

Wie sieht das weitere Verfahren aus, wie schätzen Sie Ihre Erfolgsaussichten ein?

Das ist schon ein hartes Brett; denn wir wagen uns ja durchaus an die Deutung des Kulturbegriffes der Unesco heran. Das Immaterielle Weltkulturerbe ist halt recht folkloristisch geprägt und urbane Kulturen haben es per se schon schwerer. Unser Unterfangen ist gewagt – aber nicht unmöglich. Interview: Kristian Stemmler