G 20 – Yes, we camp!

Veröffentlicht: 2017-05-18 in Politik

Aktion vor den Messehallen am Sonnabend – am 7. Juli wird hier blockiert.

Juhu! Die Millionäre von den Rollling Stones, die seit Jahrzehnten immer denselben Scheiß spielen, und geschätzte 80.000 Fans dürfen im September den Stadtpark vollmüllen und alles kaputttreten – aber 10.000 Gegner des G-20-Gipfels wollen der Bezirk Nord und die Polizei nicht im Stadtpark haben. Ihr „Antikapitalistisches Camp“ wurde mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Innensenator Andy Grote und sein Dienstherr, Brechmittel-Olaf, glauben offenbar immer noch, den Protest klein halten zu können. Armes Hamburg! Ich könnte kotzen, wenn ich sehe, was diese Leute aus der Stadt gemacht haben, ganz ohne Ipecacuanha!!

Von Kristian Stemmler

Gut zwei Monate bevor der G-20-Gipfel Hamburg heimsucht, steht die Stadt praktisch schon unter Kuratel. Bundeswehr und Polizei haben längst das Kommando übernommen. Innensenator Andy Grote (SPD) erklärt öffentlich, die Polizei habe die volle Entscheidungsgewalt darüber, wer wo demonstrieren dürfe und wo nicht. Und im Bezirk Mitte, dem Bezirk, in dem sich der ganze Zirkus Anfang Juli abspielen soll, räumt ein Oberstleutnant der Bundeswehr auf, der rechtzeitig auf den Posten des Bezirksamtsleiter gehievt worden ist, übrigens als Nachfolger von Grote.

Falko Droßmann heißt der ebenso geschmeidige wie schnittige junge Mann, der alles mitbringt, um das linke Gesindel und anderes Geschmeiß, das ihm und seinen Spießgesellen im Weg ist, Mores zu lehren. Er war bei der Polizei, hat dann zehn Jahre lang an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in der Hansestadt studiert und war zuletzt im Range eines Oberstleutnant, was schon ziemlich weit oben ist, Kommandeur bei der Luftwaffe der Bundeswehr. Raten Sie mal, wem und was der Kerl sich verpflichtet fühlt!

Schon in den vergangenen Monaten hat der Sozialdemokrat gezeigt, wie er das Wort interpretiert, mit dem der Name seiner Partei anfängt. Ganz im Stile seines nicht minder beinharten Vorgesetzten im Rathaus, Brechmittel-Olaf Scholz, bedeutet „sozial“ für ihn offensichtlich, sich und seinesgleichen den Anblick von Armut und Elend zu ersparen.

Mit großem Tamtam propagierte er sein Projekt, den Hauptbahnhof und das Umfeld von Obdachlosen, Alkis und anderem Pack zu säubern. Sogar einen Weckdienst hat sein Bezirk in den Geschäftsstraßen der City ins Leben gerufen. Mitarbeiter verscheuchen frühmorgens die Obdachlosen in den Eingängen der Läden und Büros – damit die Mitarbeiter nicht über so einen ungewaschenen Rumänen stolpern, wenn sie zur Arbeit erscheinen. Ordnung muss sein!

Jetzt hat der Herr Oberstleutnant sein Meisterstück abgeliefert. Ausgerechnet im Straßenmagazin Hinz & Kunzt empfahl er, offenbar ohne alle Skrupel, den Obdachlosen vor und während G20 aus der Innenstadt zu verschwinden. Wörtlich erklärt der saubere Offizier: „Geht für ein paar Wochen in eine andere Stadt oder meidet zumindest die Messe, die City – überhaupt das Kerngebiet.“ Da bleibt einem die Luft weg!

Droßmann zeigt dem Gesindel, wo es lang geht: „Es wird viele Kontrollen geben, und da wird keine Unterscheidung gemacht zwischen Obdachlosen und Nicht-Obdachlosen“, sagt er weiter in dem Interview. Es werde schnell Platzverweise geben, „denn die Sicherheit des Gipfels muss gewährleistet sein“. So könnten sich randalierende Betrunkene schnell im Gefangenensammellager wiederfinden. Drossmann hofft auf den „gesunden Menschenverstand“ der Obdachlosen.

Da fällt einem nichts mehr ein! Gesunder Menschenverstand! Den hätten Scholz und sein Umfeld beweisen können, indem sie gar nicht erst auf die Idee kommen, G20 an die Elbe zu holen. Aber Polizei und Bundeswehr möchten ja auch mal unter realistischen Bedingungen üben, das muss man ja verstehen. Wie groß ist der Schritt zum Faschismus eigentlich..??

Bild  —  Veröffentlicht: 2017-04-29 in Analysen, Überregionales, Hintergründe

Aus der Pressemeldung der Polizeiinspektion Harburg für den 21. bis 23. April 2017:

+++ Buchholz – Einbruch in Bäckerei

In der Nacht auf Sonntag kam es, gegen 01.00 Uhr, in der Hamburger
Straße in Buchholz zu einem Einbruch in eine Bäckerei. Hier
versuchten Täter zuerst die Tür aufzuhebeln. Als dies misslang,
schmissen sie die Verglasung mit einem Gullydeckel ein, stiegen in
das Geschäft und erbeuteten Diebesgut. Wer Hinweise zu der Taten
geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei in Buchholz unter
04181-285-0 zu melden.

+++ Buchholz – Nachbarschaftsstreit endet im Gewahrsam

In der Nacht zum Sonntag kam es im Dibberser Mühlenweg zu
Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Grund soll die Nutzung eines
Besucherparkplatzes gewesen sein. Als einer der Nachbarn beleidigend
wurde und dem anderen mehrfach gegen die Wohnungstür trat, wurde die
Polizei hinzugerufen. Diese traf vor Ort auf den stark
alkoholisierten und uneinsichtigen Aggressor. Bei der anschließenden
Ingewahrsamnahme versuchte dieser das Verbringen in den
Funkstreifenwagen zu verhindern, indem er sich mit den Füßen gegen
den Streifenwagen stemmte. Nur durch das Zupacken mehrerer Beamten
konnte der Aggressor letztendlich seiner Übernachtungsmöglichkeit in
der Wache in Buchholz zugeführt werden. Jetzt erwarten den Buchholzer
Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung und Widerstand gegen
Polizeibeamte.

+++ Drestedt – Anwohnerstreit mit anschließender Trunkenheitsfahrt

In Drestedt kam es am Samstagmorgen zu Streitigkeiten zwischen
Anwohnern in der Sraße Zum Bauernholz. Im Verlauf fuhr eine
Anwohnerin mit ihrem Pkw gereizt und aggressiv vom Grundstück in das
benachbarte Waldstück, wo ihre Fahrt durch die Polizei gestoppt
wurde. Bei der anschließenden Kontrolle stellten die Beamten nicht
nur starken Atemalkoholgeruch bei der 22-jährigen Fahrerin fest,
sondern sie war auch nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis. Ein
Atemalkoholtest ergab einen Wert von 1,85 Promille. Zudem wurden die
Beamten bei einer Durchsuchung des Pkw fündig und durften Haschisch
sicherstellen. In der Folge wurde die Fahrerin zur Wache nach
Buchholz verbracht und ihr eine Blutprobe entnommen. Jetzt erwarten
sie und ihren 25-jährigen Beifahrer mehrere Strafverfahren.

+++ Buchholz – Polizei holt stark betrunkenen Autofahrer aus
seiner Wohnung

In der Nacht zum Samstag meldet sich ein Zeuge telefonisch bei der
Polizei und teilt einen stark betrunkenen Autofahrer in der Stettiner
Straße in Buchholz mit, welcher soeben gerade seinen Pkw eingeparkt
habe, ausgestiegen und in einem Wohnhaus verschwunden sei. Da den
Beamten an der betroffenen Wohnung auf Klingeln und Rufen nicht
geöffnet wird, verständigen diese die Feuerwehr zur Türöffnung. Als
diese gerade ansetzen möchte, um die Tür zu öffnen, wird diese von
dem stark betrunkenen und schwankenden 55-jährigen Buchholzer
widerwillig geöffnet. In der Folge wird er zur Wache in Buchholz
verbracht, wo ihm eine Blutprobe entnommen wird. Hierbei zeigt der
Buchholzer den Beamten seinen Protest indem er sie mehrmals
beleidigt. Weiterhin wird ihm der Führerschein abgenommen sowie
mehrere Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. Jetzt muss der
Buchholzer seinen Pkw für einige Zeit stehen lassen.

Tostedt – Fahrkartenautomat aufgebrochen

In der Nacht zu Sonntag versuchten Unbekannte am Bahnhof in
Tostedt einen Fahrkartenautomat aufzubrechen. Hierbei nutzen sie
zuerst vermutlich Böller, um diesen aufzusprengen. Als dies misslang,
versuchten sie mittels eines Straßengully’s den Automaten
aufzuhebeln. Wer Hinweise zu der Taten geben kann, wird gebeten, sich
bei der Polizei in Buchholz unter 04181-285-0 zu melden.
Rosengarten – Diebe fahren Pkw vom Grundstück

Am frühen Samstagmorgen kam es gegen 05:00 Uhr Alvesener Schulweg
in Rosengarten zu einem Diebstahl eines Mitsubishi Outlander. Durch
Geräusche am Fahrzeug wurde der Fahrzeuginhaber auf die Tat
aufmerksam. Bei seiner Nachschau musste er dann beobachten, wie sein
Fahrzeug durch bisher unbekannte Täter vom Grundstück gefahren wurde.
Das für das Fahrzeug zugeteilte Kennzeichen lautet WL-MW 542.
Personen, die Hinweise zu der Tat oder zu verdächtigen Beobachtungen
im Tatzeitraum machen können, werden gebeten, sich bei der Polizei
Hittfeld unter 04105-6200 zu melden.

+++ Ramelsloh – Trunkenheitsfahrt auf der A7

Am Sonntag den 23.04.2017, gegen 01.00 Uhr befuhr ein 28-jähriger
Kroate mit seinem Pkw die BAB 7 in Richtung Hannover. Zwischen dem
Horster Dreieck und der AS Ramelsloh fiel er einer
Streifenwagenbesatzung durch seine unsichere Fahrweise auf. Während
der anschließenden Kontrolle wurde beim Fahrer Alkoholgeruch
festgestellt. Ein Alcotest ergab einen Wert von 1,17 Promille. Eine
Blutentnahme wurde angeordnet, der Führerschein wurde sichergestellt.
Ein entsprechendes Strafverfahren wurde eingeleitet.

So berichtete Bild

Dieser Mann hat ein Herz für die Menschen, ein echter Freund und Helfer: Polizeioberrat Frank Freienberg, stellvertretender Leiter der in Buchholz residierenden Polizeiinspektion Harburg. Als Experte für Wohnungseinbrüche weiß er um die schrecklichen Folgen, die solche Taten für die Opfer haben. Wenn man nach Haus kommt und der 2000 Euro teure Flatscreen-Fernseher steht nicht mehr an seinem Platz, der Schmuck ist weg und der Wandtresor aufgebrochen, dann kann das schwere Traumatisierungen zur Folge haben.

„Ein Einbruch stellt einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre der Menschen dar, für viele wiegen die psychischen Folgen der Tat ebenso schwer wie die materiellen“, sagte Freienberg 2016 dem Nordheide Wochenblatt. Aber es gibt ja Leute wie ihn, Helden in blau, die sich gegen das Gesindel stellen, das die Unverletzlichkeit der Wohnung einfach nicht anerkennen will. „Dieser Mann weiß, wie man Einbrecher fängt“, schrieb das Polizeimitteilungsblatt Bild im Juli 2016 über den Oberrat aus der Nordheide und fasste seine offenbar wesentlichen Vorzüge so zusammen: „Er ist 1,90 Meter groß, hat blau-graue Augen und eine durchtrainierte Figur wie ein Zehnkämpfer.“

Wie oben erwähnt: Dieser Mann will vor allem die Privatsphäre der Menschen schützen – allerdings nicht aller, sondern vermutlich nur der Menschen, bei denen was zu holen ist, also sagen wir mal: seinesgleichen und höher. Wenn der Herr Freienberg dagegen meint, jemand sei „asozial“ oder habe es nicht anders verdient, dann ist ihm dessen Privatsphäre sowas von scheißegal. Dann ist alles erlaubt, dann wird diffamiert und desinformiert, was das Zeug hält, dann trägt er auch gern dazu bei, einer Familie die Wohnung zu nehmen, in der ein Einbruch ohnehin nicht in Frage kommt.

Herr Freienberg, ganz ehrlich: Denken Sie eigentlich manchmal noch darüber nach, dass auch polizeiliches Handel psychische Folgen für Menschen haben kann, die schwer wiegen. Oder geht Ihnen und Ihren Kollegen die Menschlichkeit vielleicht immer mehr abhanden, weil Sie in Ihrer Wagenburg die Polizei nur noch als Opfer von Respektlosigkeit und Aggressivität sehen können??

 

Was ist das bloß für eine Welt, in der hart arbeitende Wirtschaftsbosse ihren Wohlstand nicht mehr in Ruhe genießen können, ohne dass ihnen ihr Landrover vor der Tür angezündet oder ihre Riesenvilla in Blankenese mit Farbbeuteln beworfen wird! Ist denn die Hamburger Polizei nicht mehr in der Lage, die Stützen dieser Gesellschaft vor den linken Radikalinskis zu schützen?! Was passiert denn als nächstes? Werden Unternehmer womöglich bald in unserem Land als Ausbeuter hingestellt oder auf der Straße nicht mehr gegrüßt? Wo soll das alles noch hinführen!

Als ich von der schlimmen Nachricht aus Hamburg erfuhr, dass den Reichen der Krieg erklärt wurde, habe ich mich erst einmal eine Stunde aufs Klo zurückgezogen, um in Ruhe weinen zu können. Die armen Opfer, dachte ich. Wie geht es ihren Frauen und Kindern, die jetzt nicht mehr im Landrover zum Einkaufen oder zur Schule fahren können? Wird die Versicherung ihnen den Schaden ersetzen oder werden sie bald schon am Hungertuch nagen? Fragen über Fragen.

Bevor ich mich auf dem Weg zum Jobcenter machte, um meinen Weiterbewilligungsantrag einzuwerfen, fiel mir dann aber doch noch ein, dass es ja die Reichen waren, die uns den Krieg erklärt haben – und da habe ich dann von dem Plan Abstand genommen, für die Opfer des Anschlags in Blankenese in der Kirche eine Kerze anzuzünden.

 

Bild  —  Veröffentlicht: 2017-04-08 in Hintergründe, Widerstand
Schlagwörter:

https://www.jungewelt.de/artikel/307756.amok-und-abbildung.html

Osterdeko

https://linksunten.indymedia.org/de/node/206906

Von Kristian Stemmler

Kürzlich am Stadtwald gleich hinterm Krankenhaus. Aus Richtung Südost ist lautes Rotorengeräusch zu hören, der Rettungshubschrauber vom ADAC rauscht heran, geht auf dem Landplatz herunter. Zwei Passantinen, die mit Hund gerade in den Wald aufbrechen wollen, verfolgen die Landung, schauen einander an und werfen die folgende Frage auf: „War das heute das zweite oder dritte Mal?“

Tatsächlich ist offenbar nicht nur für die Anwohner des Buchholzer Krankenhauses der Lärm eines anfliegenden Hubschraubers zu einer ungeliebten Gewohnheit geworden. Auch in benachbarten Teilen der Stadt ist kaum zu überhören, dass die Helis nicht gerade selten die Klinik anfliegen. Wir erinnern uns: Die Anlage des Hubschrauberlandesplatzes ist im Juni 2013 mit der Behauptung durch die kommunalen Gremien gebracht worden, dass er eher selten angeflogen würde. Wurden die Buchholzer von der Krankenhaus-Führung verarscht?

Vor dem Stadtplanungsausschuss erklärte der Geschäftsführer des Krankenhauses Buchholz, Norbert Böttcher, damals, der Landesplatz sei notwendig, um den Status des Krankenhauses zu sichern. Sein Haus habe technisch in den letzten Jahren aufgerüstet, stelle inzwischen die Notfallversorgung für den gesamten westlichen Landkreis und die stationäre Versorgung von mehr als 150.000 Menschen sicher. Auf Betreiben des Sozialministeriums habe man einen Masterplan für die Weiterentwicklung der Klinik vorgelegt, eine Bedingung für die Weiterentwicklung sei eine Landemöglichkeit für Rettungshubschrauber.

Zwar würden keine Verletzten oder Erkrankten mit dem Hubschrauber nach Buchholz geflogen, so Böttcher weiter, aber es komme vor, dass in Notfällen Patienten vom Krankenhaus mit dem Hubschrauber nach Hamburg gebracht werden müssten. Bisher habe es einen Landeplatz bei der Buchholzer Feuerwehr gegeben. Der müsste aber wegen einer Änderung der gesetzlichen Anforderungen für viel Geld technisch angepasst werden. Auch die Krankenhäuser in Winsen, Lüneburg, Rotenburg und Buxtehude hätten Hubschrauberlandeplätze.

Was die Lärmemissionen durch die Hubschrauberlandungen und -starts anging, versuchten Böttcher und anwesende Gutachter etwaige Bedenken zu zerstreuen. Böttcher sprach von drei Landungen und Starts im Jahr, der Gutachter vom Hamburger Planungsbüro Argus von maximal 15 Flügen im halben Jahr bis zum Jahr 2023. Bei der Planung sei berücksichtigt worden, dass ein Gebiet, in dem 55 Dezibel (A) am Tag überschritten wird, von Wohnbebauung freizuhalten ist. Landungen und Starts in der Nacht würden die absolute Ausnahme sein, mit einem Spitzenpegel von 75 bis 80 dB (A) sei aber auch diese Belastung hinnehmbar.

Tja, was soll man davon halten? Der subjektive Eindruck spricht dafür, dass Böttcher die Öffentlichkeit damals getäuscht hat, um seinen Landeplatz zu bekommen. Vielleicht wusste er es damals auch nicht besser, was bei einem solchen Cleverle aber unwahrscheinlich ist. Jedenfalls wäre dies ja vielleicht mal ein Thema für das Nordheide Wochenblatt oder den einen oder anderen Ratspolitiker.

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Der Übersee-Club an der Hamburger Binnenalster ist eine Institution mit großer hanseatischer Tradition. Auf deutsch: Wie an vielen anderen Orten in der Metropole der Gilettefressen treffen sich hier reiche Arschlöcher, um ihr Vermögen und ihre Macht zu festigen und zu mehren. Leute, die den Hals nicht vollkriegen können, halt!

Bei einer kleinen Mahlzeit, sagen wir mal: marinierte Schwarzwurzeln in Rhabarbervinaigrette oder Sauerkrautschaumsüppchen mit Fasan und Trauben, klopfen sich die Geldsäcke gegenseitig ab, versichern einander, wie ehrbar sie sind, und verabreden das eine oder andere Geschäftchen. Manus manum lavat, sagten die alten Lateiner, eine Hand wäscht die andere. Der inoffizielle, aber gar nicht so geheime Artikel 1 des Grundgesetzes im real existierenden Brachialkapitalismus.

Natürlich sagt man das nicht laut, sondern gibt sich als Wohltäter aus. Eiskalt abkassieren, und dann den Warmherzigen geben, keiner kann das besser als die Hamburger Pfeffersäcke. Der Übersee-Club trete „seit jeher für klare Werte und Ziele“ ein, wird in der Eigendarstellung behauptet – was ja auch stimmt, nur dass man die wahren Werten und Ziele nicht benennt, sondern von „sozialem und gesellschaftlichem Engagement“ faselt. Tatsächlich stellen Kapitalisten aus der obersten Etage des Systems und ihre Speichellecker aus Politik, Kultur und Wissenschaft hier Weichen. Ihrer eigenen Klasse zu Frommen selbstverständlich.

Das goldverzierte Protzgebäude des Übersee-Clubs, in dem nur die rund 2300 Mitglieder des Vereins (darunter etwa 200 Frauen) und gelegentliche Gäste Zutritt haben, liegt am Neuen Jungfernstieg, nur ein paar hundert Meter vom Hotel Vier Jahreszeiten entfernt. Da treibt sich dasselbe asoziale Gesindel rum. An dieser Straße, nur einen Steinwurf von der roten Zone entfernt, kann man wirklich eine Menge reiche Leute treffen. Am 20. März referiert im Übersee-Club übrigens der grün angestrichene Reaktionär Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen. Der freut sich bestimmt über Besuch. Aber nicht vergessen: Im Übersee-Club herrscht Krawattenzwang!

Kommando Jaja Diabi, Hamburg, 8. März 2017

G 20, wir kommen! Zieht Euch warm an!

Veröffentlicht: 2017-03-08 in Politik

Ein Verkehrsteilnehmer meldete heute (3.3.2017), gegen 3:00 Uhr einen brennenden Schaltkasten an einer Mautstation auf der Fahrbahn in Richtung Hamburg, etwa in Höhe der Ortschaft Nenndorf. Polizisten, die den Einsatzort erreichten, löschten den brennenden Schaltkasten mit einem Feuerlöscher ab. Aufgrund der Spurenlage ist davon auszugehen, dass jemand zunächst den Schaltkasten aufhebelte und im Anschluss Feuer darin legte. Die Motivation ist unklar. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 1000 EUR.

Liebe Polizei, über die „Motivation“ könnt Ihr hier mehr lesen:

https://linksunten.indymedia.org/de/node/205505

Erst kürzlich berichteten die Mainstreammedien wegen neuer gesetzlicher Regelungen landauf landab darüber, dass Polizisten und andere Vollzugsbeamte immer öfter in ihrem Dienst angegangen und respektlos behandelt werden. Da ist auch sicher etwas dran, nur ist das nicht, wie viele meinen, eine Folge zu liberalen Umgang, also quasi eine Spätfolge der 68er, sondern ein Kollateralschaden des Kapitalismus. Wenn den Leuten auf allen Kanälen gesagt wird, sie sollen einen drauf machen, sich verwirklichen etc. pp., dann tun sie das halt auch. Zugleich nimmt die soziale Erosion unaufhörlich zu und draußen laufen immer mehr Zeitbomben auf zwei Beinen herum. Die Polizei muss es ausbaden.

Auf der anderen Seite nehmen angesichts der Lage Wagenburgmentalität und ein unseliger Korpsgeist bei der Polizei zu. Man ist extrem dünnhäutig. Wenn ein Zivilfahnder in St. Georg dreimal auf einen Afrikaner ballert, dürfen keine Fragen gestellt werden – und Kritik erst recht nicht. Gegen den Linkspolitiker Martin Dolzer wurde eine unsägliche Kampagne losgetreten, weil er es gewagt hat, in der Sache zu recherchieren und den Eindruck eines Augenzeugen, es habe wie eine „rassistisch motivierte Hinrichtung“ ausgehen, an die taz weitergegeben hat. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Martin Meyer zeigte gar Dolzer wegen übler Nachrede an.

Herr Meyer, damit werden Sie vermutlich nicht weit kommen, denn Ehrdelikte werden kaum noch verfolgt – zumindest im Bereich der Staatsanwaltschaft Stade nicht…

Übrigens: Die Polizei ist sehr empfindlich, wenn sie kritisiert wird, teilt aber selbst gern auch. So darf die in Buchholz ansässige Polizeiinspektion Harburg offensichtlich völlig ungestraft Bürger diffamieren. Üble Nachrede von Staats wegen ist halt was anderes…

Black Lives Matter jetzt auch in Hamburg. In St. Georg hat am Mittwoch vor einer Woche ein Zivilfahnder drei Schüsse auf einen Ghanaer abgegeben und ihn mindestens einmal, im Bein, getroffen. Hamburgs Polizeipressesprecher Timo Zill war schneller als der Wind am Tatort und diktierte den wie immer bereit stehenden Polizeireportern der Stadt, was diese hören wollten: Der Ghanaer sei sehr aggressiv gewesen und habe den Beamten mit einem Messer attackiert – wie Schwarze das eben so machen -, der Polizist habe in einer „offensichtlichen Notwehrsituation“ geschossen. Bewunderswert, wie so ein Pressesprecher die Tatumstände schon ein gutes Stündchen nach der Tat so exakt bilanzieren kann. Merke: Wenn ein Polizist schießt, ist es immer Notwehr!

Der Zivilfahnder soll noch geschossen haben, als der Afrikaner schon in die Knie gegangen war und er ihm das Messer aus der Hand gekickt hatte. Man kennt das ja aus den USA. Bei den Schwarzen, die in St. Georg unterwegs sind, ist der Beamte angeblich nicht besonders beliebt, weil er diese gern schikaniert. Er wäre nicht der einzige Rassist in Uniform. Das Messer, mit dem der Beamte angegriffen worden ist, wurde in lokalen Medien gezeigt: Es handelt sich um ein recht kurzes Klappmesser, das absolut harmlos wirkt. Ok, das konnte der Polizist in der Hektik nicht unbedingt erkennen.

Noch knapp fünf Monate bis G20 und Hamburgs Polizei und ihre Claqueure in Politik und Medien haben ihre Reihen dicht geschlossen. Das erfordert eine kraftvolle Antwort, Leute!

Von Kristian Stemmler

Deutschland ist wieder wer und übernimmt „mehr Verantwortung“ in der Welt, wie es uns der Rostocker Pfaffe frühzeitig gepredigt hat. Das Land wird inzwischen nicht mehr nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch in Mali und sonstwo. Angesichts dieser „Herausforderungen“ ist natürlich die deutsche NS-Vergangenheit nur im Weg. Darum kommt ein Nazi wie der Herr Höcke auch gerade recht – der Mann spricht aus, was viele denken: Lasst uns doch endlich mal in Ruhe mit diesem ganzen Scheiß, ich kann es nicht mehr hören!

Natürlich lässt es sich die offizielle Politik trotzdem nicht nehmen, ihre Erinnerungsrituale weiter durchzuziehen, wobei die von Mal zu Mal grotesker und schizophrener ausfallen. Buchholz ist da keine Ausnahme. Diesmal hat man sich offenbar komplett vergriffen. Der 27. Januar, Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, den seit seiner Einführung 1996 jedes Jahr von einer anderen Organisation oder einem anderen Verein der Nordheidestadt organisiert, wird dieses Mal von der Arge Sport umgesetzt. Und das ausgerechnet in der Otto-Koch-Kampfbahn von Buchholz 08 – benannt nach einem Mann, der im dringenden Verdacht steht, ein glühender Nazi gewesen zu sein!

Der querschläger, damals noch unter dem Namen buchholzblog, hat bereits 2012 über den Vorgang berichtet. Damals hatte ein älterer Zuhörer einer Veranstaltung in der Kirche St. Johannis beklagt, dass das Stadion von Buchholz 08 immer noch nach Otto Koch benannt ist (vorher hieß es bis 1947 übrigens Otto-Telschow-Kampfbahn nach dem berüchtigten NS-Gauleiter von Buchholz). Der Zuhörer berichtete, dass Otto Koch sein Sportlehrer gewesen sei. Als 1933 sein Vater von den Nazis verhaftet wurde, habe Koch praktisch durch ihn durch gesehen und ihn letztlich von der Schule gedrängt.

Schon nach Erscheinen des Berichts im Blog war die Reaktion gleich null. Wenn es um die NS-Vergangenheit geht, ergeht man sich zwar gern ganz allgemein in Abscheu und Entsetzen – wenn es aber um konkrete Fälle in Buchholz und dem Landkreis Harburg geht, herrscht ein Kartell des Schweigens und Vertuschens. In Buchholz und Umgebung hat es ja bekanntlich auch nie Juden gegeben, die von den Nazis verfolgt worden sind. Und dass ein Kommunist plötzlich verschwand, heißt ja gar nichts. Der ist bestimmt ausgewandert…

Besonders ekelhaft ist das Verhalten des Buchholzer Ortsverbandes der SPD. Der Autor hat in seiner Zeit als Ratsherr ein Mahnmal beantragt, auf dem namentlich zweier führender Sozialdemokraten aus Buchholz gedacht werden sollte, die von den Nazis verfolgt wurden. Statt diesen Antrag engagiert zu unterstützen, hat man sich dazu hergegeben, dieses Mahnmal so zu verwässern, dass man es ebenso gut hätte lassen können. Hervorgetan hat sich da besonders der Sozi und stellvertretende Bürgermeister Frank Piwecki.

Und das Allerbeste: Diese Leute haben sich auch noch dafür feiern lassen! Aber was soll man von einer Partei schon erwarten, die mit der Agenda 2010 das größte Verarmungsprogramm der deutschen Geschichte ins Werk gesetzt hat und eine deutsche Kriegspolitik mitträgt, die Zerstörung, Elend und Flucht in der Welt produziert. Wie man in der Linkspartei auf die Idee kommen kann, mit solchen Leuten zu koalieren, ist mir absolut schleierhaft.

https://www.nadir.org/nadir/initiativ/agp/free/genova/pics3de.htm

https://www.jungewelt.de/2017/01-12/015.php

https://linksunten.indymedia.org/de/node/199175

http://www.shz.de/regionales/hamburg/g20-gipfel-hamburg-plant-sammelstelle-fuer-gefangene-id15775351.html

There’s a country that’s tired of war

There’s a country that’s scared inside

But the bank is open and you can draw

For guns to fight in the backyard

Joe Jackson, Evil Empire

https://www.g20hamburg.org/de/content/g20-finanzministertreffen-baden-baden-17%E2%80%9318-m%C3%A4rz-2017

https://linksunten.indymedia.org/de/node/200192

Der querschläger beginnt mit dem heutigen Tag einen Countdown für den G-20-Gipfel am 7. und 8. Juli 2017 in Hamburg. Jeden Tag soll es Beiträge von ganz unterschiedlicher Art geben. Es beginnt mit einem Lied.

 

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Dudde, zieh dich warm an!

Was ist bloß mit diesem Land los: Jetzt verfahren sich schon die Züge! Metronom bog nach Bremen ab, wollte aber eigentlich nach Uelzen. Klappt denn hier eigentlich noch irgendetwas..??

Der querschläger hat sich entschieden, diesen am vergangenen Wochenende vor den Ereignissen in Berlin entstandenen Text, heute zu veröffentlichen. Er ist ein klares Kontra zu dem mit hohlen Pathos von Politikern aller Couleur jetzt vorgetragenen Behauptung, „unsere Lebensweise“ werde angegriffen, „christliche Werte“ seien in Gefahr.

Von Kristian Stemmler

Jauchzet! Frohlocket! Fröhlich soll die Kasse klingeln! Der Einzelhandel jubelt. Neue Umsatzrekorde im Weihnachtsgeschäft. Die Leute kaufen wie blöd. Gib mir Flachbildschirme, gib mir Spielekonsolen, gib mir Smartphones! In Shopping Malls und Einkaufsstraßen steigt der Stresspegel. Wolken von Aggression wabern durch die lichtergeschmückten Innenstädte. Gehupe und Geschrei auf allen Zufahrtsstraßen. Bis aufs Blut wird um jeden freien Parkplatz und die Pole Position an der Kasse gekämpft. Und auf dem Weihnachtsmarkt gibt man sich nach dem Shoppen erschöpft die Kante. Glühwein bis der Arzt kommt!

Was aber hat dieses ganze Treiben wirklich mit Advent und Weihnachten zu tun? Nicht das Geringste. Man glaubt es kaum, aber wenn man der christlichen Überlieferung folgen will, ist der Advent wie das Pendant im Frühjahr, die Wochen vor Ostern, eigentlich eine Fastenzeit. Eine Zeit, die der Besinnung auf das Fest und dessen Inhalten vorbehalten sein soll, eine Zeit des Verzichts und der inneren Einkehr. Zu Bachs Zeiten als Thomaskantor in Leipzig wusste man das übrigens noch, da gab es nur am ersten Advent eine festliche Kantate, an den anderen Adventssonntagen nicht.

Wer nichts mit Religion am Hut hat, dem kann das völlig egal sein. Aber in diesem Land beschwören im Zeichen der Flüchtlingsdiskussion schließlich immer mehr „die christlichen Werte“. AfD, Pegida, CSU und CDU faseln in schöner Eintracht von „Leitkultur“, in die sich die Flüchtlinge zu integrieren hätten. Was ist denn das aber bitte für eine Leitkultur, was sollen das für Werte sein? Das Recht, in Elektronikmärkten zwischen 200 Flachbildfernsehern zu wählen? Das „1-Click-Bestellen“ im Internet? Der Laptop für 1200 Tacken auf dem Gabentisch?

Nicht nur die Einzelhandelsumsätze, auch die bürgerliche Heuchelei, Doppelmoral und Verlogenheit erreichen im Advent 2016 neue Rekordwerte. Weihnachten ist verkommen zu einer Materialschlacht ohne Gleichen, einem einzigen Gesaufe und Gefresse, um die handfeste Sprache Luthers zu benutzen. Was aber tun die großen Kirchen, die Sturm läuten und von allen Kanzeln gegen den Zinnober predigen müssten, der ihr zweitwichtigstes Hochfestes nach Ostern vollständig überlagert? Sie erheben hier und da zaghaft den Zeigefinger nach dem Motto „Treibt es aber nicht zu doll!“, nehmen den Konsumkirmes aber ansonsten nicht nur hin, sondern dienen sich vielerorts noch als Gleitmittel an.

Gemeinden in den Innenstädten öffnen ihre Kirchen, damit die geschlauchten Konsumenten verschnaufen können, bevor sie sich wieder ins Getümmel werfen. Kirchenchöre laden an verkaufsoffenen Adventssonntagen zum „Flashmob“ ins Einkaufszentrum, wo man mit dem Volk „O du fröhliche!“ singt. Und am Heiligabend freut sich die Geistlichkeit, dass mal wieder die Bude voll ist. Und da sitzen auch AfD- und Pegida-Dumpfbacken in den Kirchenbänken, diese aufrechten Verteidiger des „christlichen Ablandes“, klammern sich noch beim einfachsten Weihnachtslied an die Liederzettel und stammeln Vaterunser und Glaubensbekenntnis. Man hat alles vergessen, man hat keine Ahnung von christlichen Traditionen und Inhalten, aber man ist halt Christ. Hosianna!

Noch verlogener, grotesker und verdrehter geht es kaum, sollte man meinen – aber da ist noch eine Drehung möglich. Es sind tatsächlich genau diese Leute, die die „christlichen Werte“ auf der einen Seite bis zum Erbrechen beschwören, die nicht nur zugleich alle Traditionen und Bräuche ihrer eigenen Religion mit Füßen treten – sie glauben auch noch, wie Umfragen zeigen, allen Ernstes, das Land würde vom Islam unterwandert! Paranoia hoch drei.

Die Politik wird sie in diesem Wahn sicher weiter bestärken. Denn sie braucht „den Flüchtling“, „den Muslimen“ als Bedrohung „unserer Werte“. Und vor allem zur Vollverschleierung der Kräfte, die uns alle tatsächlich bedrohen. Wenn irgendetwas dieses Land fest im Griff hat, wenn irgendetwas die Bindung an Bleibendes, überlieferte Bräuche und Traditionen, seien sie christlicher oder anderer Herkunft, platt macht – dann ist das der Konsum, der Kommerz, die turbokapitalistische „Ordnung“, die alles durch den Fleischwolf dreht, und nur verwertet, was sich für die Zurichtung der Menschen zu Konsumjunkies verwenden lässt. Denn nur das verspricht Profit. Frohes Fest!

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Übrigens: Der Rat für Gedenktage hat diese Woche zur „Woche der Verlogenheit“ erklärt. Die bürgerliche Gesellschaft macht auf besinnliche Adventszeit – tatsächlich geht es um nichts weniger als christliche Werte. Advent und Weihnachten sind nur noch eine einzige Materialschlacht, für die Mehrheit die stressigste Zeit des Jahres, ein einziges Gesaufe und Geschlemme! Weiß noch jemand, dass der Advent in christlicher Überlieferung eine Fastenzeit ist?

Aber dann lass uns doch einfach was spenden, als Ablass für unsere Sünden. Dann ist das Gewissen wieder so rein wie der Schnee, der zu Weihnachten nicht fällt…

Von Kristian Stemmler

Als George Orwell in seinem Buch „1984“ die Möglichkeiten menschlicher Manipulation durch Sprache in Begriffe goss, kannte er Frank-Walter Steinmeier noch nicht. Sonst hätte er vielleicht noch etwas mehr übertrieben. Unser künftiger Bundespräsident ist ein Meister des doublethink, des duckspeack und vor allem des delstop. Diese als Verbrechenstop übersetzte Methode dient dazu, so genannte „Gedankenverbrechen“ zu vermeiden, indem man den Gedankenstrom automatisch umlenkt, wenn er regierungskritische, ungute Themen berührt (mehr dazu bei Wikipedia unter dem Stichwort „Neusprech“).

Dass ein Mann mit solchen Talenten einer der beliebtesten Politiker in Deutschland ist, versteht sich von selbst, einer seiner Vorgänger, der Neusprech mindestens ebenso gut beherrschte, war ja auch sehr beliebt, der Fischer, Joschka. Der Herr Steinmeier jedenfalls beehrt jetzt meine Heimatstadt mit seinem Besuch, taucht mit 56 Amtskollegen anderer Länder zum Ministerratstreffen der OSZE an der Elbe auf. OSZE steht bekanntlich für: Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa.

Auch das ist Neusprech und ein Riesenlacher, denn wohin uns diese Organisation und ihr Vorgänger die KSZE gebracht haben, sehen wir ja. Der Nahe Osten steht in Flammen, die NATO ist an die russische Grenze herangerückt, die Bundeswehr agiert in Litauen und die Kriegsgefahr ist in den vergangenen Jahrzehnten noch nie so groß gewesen wie heute. Kein Wunder also, dass eine monströse Maschinerie angeworfen werden muss, um Steinmeier und die 56 Räuber zu beschützen. Denn nicht alle fallen auf seine von den Mainstreammedien vervielfachten Lügen herein.

Einer seiner Jünger, der Transatlantiker Niels Annen von der SPD, hat das gestern bereits zu spüren bekommen. Gegen die Fassade des Wohnhauses in Eimsbüttel, in dem der feine Herr wohnt, flogen Beutel mit roter Farbe. Wer die Aufrüstungs- und Kriegspolitik der Bundesregierung so fleißig unterstützt und mit gestaltet, muss damit rechnen, auch mal markiert zu werden.

Aber das ist nur eine Aktion von hoffentlich vielen. Das Problem für Hamburg und alle Hamburger ist doch dieses: Der kleine König Olaf Scholz und sein ihm in Nibelungentreue ergebener Senat stellen die stolze Hansestadt zur Verfügung, um Polizei, Bundeswehr und anderen Behörden die Möglichkeiten der Aufstandsbekämpfung austesten zu lassen. Der Einsatz zum OSZE-Treffen ist ja nur eine Generalprobe für den G-20-Gipfel im Juli, und jener Einsatz eine Generalprobe für das, was an Aufständen noch kommen mag…

Warum hat Hamburgs Polizei denn als erste in Deutschland einen Panzer namens „Survivor“, warum probiert es als erstes jetzt eine neue Software aus? Warum wird ein Mann zum Leiter der beider Gipfeleinsätze gemacht, Hartmut Dudde, der dafür berüchtigt ist, bei Demonstrationen auf Härte und Eskalation statt Deeskalation zu setzen, der nach einer eigentlich schon beendeten NPD-Demo anordnet, dem Lautsprecherwagen der Nazis einen Weg durch die Gegendemo zu bahnen, obwohl ein anderer Weg frei gewesen ist – was zu den offenbar einkalkulierten Auseinandersetzungen führt?

Dass man sich für die Messehallen direkt neben Karo- und Schanzenviertel als Austragungsort beider Gipfel entschieden hat, ist nicht irgendwie halb versehentlich passiert, das ist eine bewusste Provokation. Hier soll etwas durchgefochten werden, hier wollen „starke Männer“, „harte Hunde“ der linken Szene zeigen, wo der Hammer hängt, hier soll ein Exempel statuiert werden: Ihr habt keine Chance gegen uns!

Damit dürfen sie nicht durchkommen. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann… Im Hamburger Karolinenviertel ist in der Nacht die Adventszeit mit dem Entzünden eines kleinen Feuerchens begrüßt worden. Man könnte auch sagen, es wurde das erste Türchen geöffnet, nämlich das zur Messe, was ja auch ein schöner kirchlicher Begriff ist. Die Aufregung in Hamburg wächst und wächst, denn kaum hat der Nikolaus Euch die Stiefel gefüllt, liebe Kinder, kommt der Onkel Steinmeier mit seinen 56 Räubern in die Stadt, um über die Aufteilung der Beute aus vergangenen und künftigen Raubzügen zu beraten. Vor, zum und nach dem Christfest will die Bande der ganzen Welt eine schöne Bescherung hinterlassen, mit ganz viel Krieg, Ausbeutung und Chaos.

Woanders brennen Städte und Menschen, in Hamburg nur der Baum. So what?!

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Aussschnitt aus dem Bild „Das Jüngste Gericht“ von Hieronymus Bosch

Von Kristian Stemmler

Fast die Hälfte der deutschen Bevölkerung geht laut einer neuen Umfrage davon aus, dass unsere Kultur vom Islam unterwandert wird. Diese Paranoia ist echt zum Schreien komisch – vor allem, weil es da gar nichts mehr zu unterwandern gibt! Welche Kultur soll das denn sein?? Die christliche? Dreimal laut gelacht!

Ja, das zweitwichtigste Hochfest des Christentums steht bevor. Aber da geht es doch schon los. Wer von den ganzen Herrschaften, die „unsere christliche Kultur“ gegen den Ansturm der islamistischen Horden verteidigen wollen, kann mit diesem und ähnlichen Begriffen noch was anfangen?! Wer außer ein paar notorischen Gottesdienstbesuchern kann noch ein Vaterunser und das Glaubensbekenntnis fehlerfrei aufsagen, von den zehn Geboten ganz zu schweigen?!

Das ganze Gewese ist doch absurd bis zum Gehtnichtmehr! Die CSU faselt von „Leitkultur“ und schreibt auf ihr Grundsatzprogramm schlicht „Die Ordnung“. Wo lebt Ihr eigentlich, Leute?! Was soll denn das für eine Leitkultur sein: das Grundrecht, jeden verkaufsoffenen Sonntag, den der Herr werden lässt, in den nächstgelegenen Elektronikmarkt zu laufen und unter 200 Flachbildfernsehern wählen zu können? Oder das Recht, sich nach dem Shoppen auf dem Weihnachtsmarkt die Kante zu geben, bis der Arzt kommt?

Überhaupt Weihnachtsmarkt. Klar, dass die schon in dieser Woche anfangen müssen, denn man hat ja lange genug gewartet und sich das Geseiere über Totengedenken etc. pp. anhören müssen. Ich bin davon überzeugt, dass die meisten davon ausgehen, dass die Adventszeit in dieser Woche begonnen hat, sicher auch die meisten AfD-Mitglieder, die ja bekanntlich besonders energische Vorkämpfer des Christentums sind.

Leider ist das aber ein Irrtum. Die Woche beginnt nach christlichem Verständnis mit dem Sonntag, so dass die laufende Woche zum Totensonntag gehört, der auch Ewigkeitssonntag genannt wird. Die Adventszeit beginnt mit dem ersten Advent und der ist am kommenden Sonntag. Wer will, kann den Advent auch am Sonnabend um 18 Uhr einläuten, denn kirchlicher Überlieferung zufolge, beginnt der Sonntag schon dann.

Übrigens endet genau dann auch das alte Kirchenjahr und das neue beginnt. Und noch was: Der Advent ist vom Ursprung her eine Fastenzeit, in der man sich besinnen und auf das Fest Jesu Geburt vorbereiten sollte. Ja, da staunt der Leser! Dieser verdammte, alles verschlingende Konsumismus hat diese Zeit in ihr Gegenteil verkehrt: in die stressigste Zeit des Jahres mit unmäßiger Fresserei und Sauferei. Süßer die Kassen nie klingeln!

Könnte man vielleicht mal drüber nachdenken. Noch ist Zeit, denn wir haben ja noch die Woche des Ewigkeitssonntag. Ein Thema dieses Sonntags ist das Ende der Zeit, das Jüngste Gericht. Klingt ungewohnt für unsere heutigen Ohren. Etwas frei übersetzt, geht es da um den Umstand, dass wir alle uns eines Tages für das verantworten müssen, was wir auf Erden getan oder unterlassen haben. Interessiert heute eigentlich keinen mehr, da es aus der Mode gekommen ist, an eine höhere Gerechtigkeit zu glauben.

Ich möchte am Ende dieses Beitrags dennoch einmal ganz altmodisch eine Warnung an alle richten, die glauben, sie kämen so davon. Eure ganze Bosheit, Eure Lügerei und Heuchelei, Eure Winkelzüge im Verborgenen werden ans Tageslicht kommen. In der barocken Sprache der damaligen Zeit heißt es in einer Bach-Kantate:

Die Redlichkeit

Ist eine von den Gottesgaben.

Dass sie bei unsrer Zeit
So wenig Menschen haben,
Das macht, sie bitten Gott nicht drum.
Denn von Natur geht unsers Herzens Dichten
Mit lauter Bösem um;
Soll’s seinen Weg auf etwas Gutes richten,
So muss es Gott durch seinen Geist regieren
Und auf der Bahn der Tugend führen.
Verlangst du Gott zum Freunde,
So mache dir den Nächsten nicht zum Feinde
Durch Falschheit, Trug und List!
Ein Christ
Soll sich der Taubenart bestreben
Und ohne Falsch und Tücke leben.
Mach aus dir selbst ein solches Bild,
Wie du den Nächsten haben willt!

Dass die Absicht von Angela Merkel, einer bekennenden Protestantin, erneut ins Kanzleramt einzuziehen, ausgerechnet am Ewigkeitssonntag bekannt gemacht wurde – sollte uns das zu denken geben..?

In unserer an Idiotien so reichen Zeit haben natürlich auch alle Tage irgendeine von irgendjemandem erdachte Bedeutung oder Zuordnung, die mal mehr, mal weniger schwachsinnig ist. Der heutige „Welt-Hallo-Tag“ gehört sicher zur ersten Kategorie. Im Internet ist folgendes darüber zu lesen:
„Dass Konflikte durch Kommunikation und nicht durch Gewalt gelöst werden sollen, wird mit dem Welt-Hallo-Tag am 21. November 2016 verdeutlicht. Der Aktionstag wird auch World Hello Day genannt und wurde 1973 von Brian und Michael McCormack ins Leben gerufen als Reaktion auf den Jom-Kippur-Krieg. Um diesen Tag richtig zu feiern, gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, mindestens zehn Menschen zu grüßen und vom Welt-Hallo-Tag zu berichten, um den Aktionstag noch bekannter zu machen.“
Es ist natürlich eine prima Idee, gegen Gewalt, Krieg und Imperialismus vorzugehen, indem man zehn Menschen an einem Tag im Jahr Hallo sagt. Dennoch möchte ich schon mal alle vorwarnen, die meinen, mich auf der Straße heute ungefragt ansprechen zu müssen, dass sie dabei riskieren, gepflegt aufs Maul zu bekommen. Verwandte und gute Bekannte natürlich ausgenommen!

Veröffentlicht: 2016-11-20 in Überregionales

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„Wachet auf,“ ruft uns die Stimme
Der Wächter sehr hoch auf der Zinne,
„Wach auf du Stadt Jerusalem!
Mitternacht heißt diese Stunde!“
Sie rufen uns mit hellem Munde:
„Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
Wohlauf, der Bräut’gam kommt,
Steht auf, die Lampen nehmt!
Halleluja!
Macht euch bereit zu der Hochzeit;
Ihr müsset ihm entgegengehn!“

Zion hört die Wächter singen,
Das Herz tut ihr vor Freude springen,
Sie wachet und steht eilend auf.
Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
Von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig;
Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
Nun komm, du werte Kron,
Herr Jesu, Gottes Sohn!
Hosianna!
Wir folgen all zum Freudensaal
Und halten mit das Abendmahl.

Gloria sei dir gesungen
Mit Menschen- und mit Engelzungen,
Mit Harfen und mit Zimbeln schön.
Von zwölf Perlen sind die Tore,
An deiner Stadt; wir stehn im Chore
Der Engel hoch um deinen Thron.
Kein Aug hat je gespürt,
Kein Ohr hat mehr gehört
Solche Freude.
Des jauchzen wir und singen dir
das Halleluja für und für.

Ja, prima, das ist doch genau das richtige Signal der Eliten an die „Abgehängten“, von denen nach Trumps Triumph soviel geredet wird und die man der AfD wieder abspenstig machen wolle: Man macht einen der Architekten der Agenda 2010 zum Bundespräsidenten! Wunderbar! Wie kann man besser vormachen, dass die Herrschaften im Berliner Regierungsviertel in einer Parallelwelt leben und den Schuss einfach nicht hören! Das Bundespräsidentenamt verkommt zur Belohnung für abgehalfterte Politiker, die Schmutzarbeit fürs System zur Zufriedenheit der Mächtigen erledigt haben. Gauck wurde dafür belohnt, dass er mit der Führung der Stasi-Behörde zur Diskreditierung der DDR nach der Wende entscheidend beigetragen hat, und Steinmeier soll offenbar jetzt dafür belohnt werden, dass er zur Demontage des Sozialstaats an vorderster Front beigetragen und als Koordinator der Geheimdienste größte Sauereien gedeckt hat…

Wer wettet mit mir? In spätestens zehn Jahren, eher früher, haben wir einen deutschen Trump!

Von Kristian Stemmler

Dass eine gepflegte Paranoia zur Hardware von AfD-Anhängern, Pegida-Jüngern und anderen Nazis gehört, sollte kein Geheimnis mehr sein. Diese Herrschaften glauben zum Beispiel, die islamische Weltherrschaft stehe vor der Tür oder die Wahlen würden regelmäßig zu ihren Ungunsten gefälscht. Eine besonders durchgeknallte Ausgabe der Nazis sind die „Reichsbürger“, die zuletzt in die Schlagzeilen gerieten, nachdem im fränkischen Georgensgmünd einer von ihnen einen SEK-Beamten erschoss. Die Polizei hatte dem Mann seine zahlreichen Waffen abnehmen wollen.

Am gestrigen Mittwoch gab es einen ähnlichen Einsatz im Landkreis Harburg, und zwar in Neu Wulmstorf, wo die Polizei das Waffenlager eines 67 Jahre alten „Reichsbürgers“ aushob. Nach den Erfahrungen von Georgensgmünd und anderer Einsatzorte hatte die Polizei einiges an Kräften aufgefahren. Neben Polizeibeamten der Polizeiinspektion Harburg waren auch das Sondereinsatzkommando (SEK) Niedersachsen und das Mobile Einsatzkommando (MEK) Hamburg an dem Einsatz beteiligt, insgesamt rund 50 Beamten.

Der 67-Jährige und seine Lebensgefährtin wurden bereits vor der Erstürmung außerhalb des Hauses in Gewahrsam genommen, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt. Im Haus trafen die Polizisten einen Untermieter an. Auch dieser wurde kurzfristig festgehalten und durchsucht, um jegliche Gefahr für die einschreitenden Beamten zu minimieren. Bei der Durchsuchung wurden mehrere Gewehre, Pistolen und Revolver gefunden und beschlagnahmt. Diese werden nun kriminaltechnisch überprüft und dann der Vernichtung zugeführt.

Die Inspektion zitiert den Einsatzleiter mit den Worten: „Illegaler Waffenbesitz ist kein Kavaliersdelikt, da muss der Staat konsequent durchgreifen. Die aktuelle Situation im Zusammenhang mit sogenannten Reichsbürgern war ausschlaggebend, mit größtmöglicher Vorsicht vorzugehen. Ich bin froh, dass meine Beamten und alle beteiligten Personen unverletzt geblieben sind.“

Wie in Georgensgmünd war dem 67-Jährigen die waffenrechtliche Erlaubnis entzogen worden, nachdem ihn die Behörden als unzuverlässig eingestuft hatten, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilte. Auf Aufforderungen, seine Waffen abzugeben, hatte der Mann nicht reagiert, der Landkreis Harburg habe Anzeige erstattet. Aus schriftlichen Äußerungen hätte sich die „Vermutung“ ergeben, dass der 67-Jährige sich als „Reichsbürger“ sieht und behördliche Maßnahmen nicht akzeptieren würde.

Ein Waffenarsenal haben offenbar nicht wenige „Reichsbürger“ angelegt, da sie bekanntlich felsenfest die Überzeugung vertreten, das deutsche Reich existiere noch und der Staat habe ihnen nicht zu sagen. Wieso die Behörden angeblich erst jetzt darauf kommen, dass der Mann „Reichsbürger“ ist und lieber keine Waffen haben sollte, das darf allerdings gefragt werden. Denn offenbar ist er bereits im Juli des Jahres in Neu-Wulmstorf in Erscheinung getreten, wie der querschläger damals berichtete (https://buchholzblog.wordpress.com/2016/07/17/sie-haben-mir-gar-nichts-zu-sagen-reichsbuerger-legen-sich-in-neu-wulmstorf-mit-der-polizei-an/).

Und zwar hatten zwei Polizistinnen, ihn und seine Lebensgefährtin (72) angehalten, weil die Frau auf dem Beifahrersitz nicht angeschnallt war. Beide hatten ihre Personalien nicht angeben wollen, der 67-Jährige hatte nicht damit hinterm Berg gehalten, dass er sich als „Reichsbürger“ sieht und daher die Autorität der Beamtinnen nicht anerkenne. Dass Landkreis und Polizei nicht schon damals auf die Idee kamen, dass ein solcher Mann lieber keine Waffen haben sollte, ist schwer nachzuvollziehen.

Die „Reichsbürgerbewegung“ lässt sich als eine Art Sekte beschreiben, zu der deutschlandweit nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums mehrere hundert Personen, vielleicht über 1000, zu rechnen sind, die sich selbst als „Reichsbürger“ bezeichnen. Ihre kruden Theorien gipfeln in der These, dass das Deutsche Reich völkerrechtlich fortbestehe, da die Weimarer Reichsverfassung weder von den Nazis noch von den alliierten Siegermächten nach dem Zweiten Weltkrieg jemals abgeschafft worden sei. Die Bundesrepublik sei daher de jure nicht existent.

Der Unsinn kam in den 80ern auf, als ein verrückter Eisenbahner namens Wolfgang Gerhard Günter Ebel aus West-Berlin als erste bekannte Reichsbürgergruppe die „Kommissarische Regierung des Deutsches Reiches“ (KRR) gründete. Mittlerweile gibt es von diesen Regierungen gleich mehrere. Ihre Haupttätigkeit besteht darin, gestützt auf ihre abwegige juristische Argumentation allerlei „offizielle“ Papiere gegen Entgelt auszugeben, wie etwa „Reichsführerscheine“,„Reichsbaugenehmigungen“ oder „Reichsgewerbescheine“, vor allem aber „Reichspersonal-“ oder „-Personenausweise“ (zum Teil auch als „Reichspässe“ bezeichnet).

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Bild  —  Veröffentlicht: 2016-11-01 in Überregionales, Hintergründe

So überraschend wie die Aussage, dass Trump ein Clown ist: Die Wallonie ist offenbar eingeknickt vor dem Kapital, CETA kann offenbar kommen. War wirklich etwas anderes zu erwarten in dieser von den Konzernen diktierten EU?! Aber letztlich schlägt das auf die Herrschenden irgendwann zurück, wenn sie immer wieder den Willen der Mehrheit mit Füßen treten. Allerdings müssten selbsternannte Linke endlich aufhören, sich den Mächtigen als Gleitmittel anzudienen, wie der willfährige Herr Bartsch, der Gabriel zum Kanzler machen will und meint, an der Agenda 2010 sei ja nicht alles schlimm gewesen.

Gewiss doch, der Führer hat immerhin auch Autobahnen gebaut und die Arbeitslosigkeit beseitigt…

PS: Vielleicht hat die Wallonie doch mehr rausgeholt, als unsere Mainstreammedien zugeben wollen. Jedenfalls ist das bei Campact so zu lesen. Hier ein Ausschnitt:

Jetzt scheint es eine Einigung zu geben: Wallonien gibt den Weg für CETA vorerst frei. Ja, erstmal waren wir sehr enttäuscht. Doch dann lasen wir die Details – und uns ging es schon besser. Walloniens Regionalregierungschef Paul Magnette hat wirklich für die breite Bewegung der Bürger/innen Europas gegen das Abkommen gekämpft – und für uns alle viel erreicht. Gleich zwei große Hindernisse stellt er CETA in den Weg:

  • Belgien wird vor dem Europäischen Gerichtshof überprüfen lassen, ob die geplanten Schiedsgerichte legal sind. Es gibt gute Chancen, dass die Richter CETA stoppen. Letzte Woche erst hatten 101 Jurist/innen aus ganz Europa in einem offenen Brief dargelegt, dass die Schiedsgerichte nicht durch EU-Recht gedeckt sind.[1]
  • Sollten die Sonderklagerechte für Konzerne in der jetzigen Form weiter in CETA enthalten sein, wenn die belgischen Parlamente CETA innerhalb der nächsten Jahre ratifizieren, werden belgische Regionen erneut ihr Veto einlegen.[2] Das bedeutet: CETA kann so nicht bleiben.

Das Geschehen der letzten Tage zeigt: CETA ist noch lange nicht durch. Der Krimi geht weiter. Wir haben noch viele Möglichkeiten, CETA zu stoppen – und das wollen wir. In Deutschland ist die beste Gelegenheit der Bundesrat. Dort sind die Grünen bald in 11 von 16 Landesregierungen vertreten – und könnten das Abkommen aufhalte

Hier ein Link zu den Details:

CETA, Wallonien und die Sache mit Europa: Wir klären 10 Mythen auf

Ganz Gallien ist besetzt – nein, nicht ganz Gallien… So oder ähnlich könnte man auch einen Beitrag über die aktuellen Entwicklungen in Sachen CETA und Wallonie beginnen. Denn die belgische Region leistet erfolgreich Widerstand gegen den Abschluss des Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada. Das Kapital schäumt und seine Lohnschreiber gleich mit.

So lassen die Mainstreammedien mal kurz von ihren Lieblingsbösewichtern wie Assad und Putin ab und stürzen sich auf Paul Magnette, den Chef der wallonischen Regionalregierung, Spiegel online hat ein unvorteilhaftes Porträt des Mannes auf seine Seite gestellt und drüber geschrieben: „In Geiselhaft der Wallonen“. Genausogut hätten sie auch drüber schreiben können: „Kinderschänder gesucht“.

Der querschläger meint: Das sind Methoden, wie der „Stürmer“ sie auch nicht besser ausgeführt hätte! Primitiv und ekelhaft!

Sie müssen leider draußen bleiben - Underdogs finden sich im Stadtrat von Buchholz und anderen kommunalen Gremien nicht wieder.

Sie müssen leider draußen bleiben – Underdogs finden sich im Stadtrat von Buchholz und anderen kommunalen Gremien nicht wirklich wieder.

Die Zeit des amtierenden Rates der Stadt Buchholz in der Nordheide geht Ende des Monats zu Ende. Ein neuer Rat mit vielen neuen Gesichtern wird demnächst die Arbeit aufnehmen. Zu den ausscheidenden Ratsmitgliedern gehört Kristian Stemmler, der zuerst für die Linkspartei, später zeitweise für „Die Partei“, und zuletzt wieder als Parteiloser amtierte. Im Gespräch mit dem querschläger zieht Stemmler Bilanz.

querschläger: Herr Stemmler, Ihre Zeit im Stadtrat von Buchholz läuft ab. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Kristian Stemmler: Gemischt, wobei das Negative überwiegt. Vor allem am Anfang konnte ich mit einigen Anträgen, zum Beispiel zur Umsetzung des grauenvollen Kriegsfindlings auf dem Buchholzer Marktplatz oder zur Umbenennung der Adolfstraße, für ein wenig Unruhe sorgen. Ich musste allerdings schnell feststellen, dass der Rat fast durchweg von arrivierten Mittelschichtlern besetzt ist, die ihr Ding machen und dabei nicht gestört werden wollen. Politik wird da weitgehend nur simuliert. Im Großen und Ganzen geht es den Kommunalpolitikern wie auf allen anderen Ebenen der Politik nur darum, dass sie und ihre Klientel den Platz am Futtertrog nicht verlieren. Der Landkreis Harburg ist vor allem ein Rückzugsraum für Leute, die in Hamburg Kohle machen, und deren Personal, und denen will man es gemütlich machen.

Das klingt polemisch und auch ein wenig resignativ.

Haben Sie etwas anderes von mir erwartet?! Nein, im Ernst: Diese Feststellungen sind weder das eine noch das andere. Ich versuche einfach die Dinge realistisch zu sehen, schonungslos zu analysieren. Wenn man das tut, ist man gleich ein Quertreiber, ein Nestbeschmutzer.

Aber Sie haben doch mit Kollegen im Rat durchaus gut zusammenarbeitet.

Ohne Frage. Es geht mir ja auch nicht darum, Ratskollegen persönlich herabzusetzen. Es geht mir um Inhalte. Am Anfang war ich als Gast in der SPD-Fraktion dabei, später in der Fraktion der Grünen. In beiden Fraktionen bin ich durchaus herzlich aufgenommen worden. Aber politisch ging es, rückblickend gesehen, vor allem darum, mich einzubinden. Soweit ich mich erinnern kann, haben Sozis und Grüne so gut wie keinen meiner Anträge wirklich unterstützt, von dem Mahnmal für NS-Opfer mal abgesehen. Aber das ist vom Konzept her dann stark verwässert worden und andere haben sich das Verdienst ans Revers geheftet.

Sie sagen, es geht Ihnen nicht darum, jemanden herabzusetzen. In ihren Beiträgen im buchholzblog, der mittlerweile querschläger heißt, machen Sie Leute aber gern mal an.

Das mag sein. Aber das sind in der Regel Leute, die sich ins Rampenlicht begeben haben, die selbst die Öffentlichkeit suchen, die politisch oder anders aktiv sind. Die aber müssen sich auch Polemik und Kritik gefallen lassen. Das gilt auch für Geschäftsleute, die auf dem Rücken anderer Kohle machen. Wenn es darum geht, für Schwächere die Stimme zu erheben, werde ich sicher nicht schweigen.

Klingt nach Mutter Teresa.

Von mir aus. Ich habe mich schon in meiner Zeit als Lokalredakteur des Hamburger Abendblatts für Leute eingesetzt, die in diesem System unter die Räder kommen: Junkies, Obdachlose, Arbeitslose zum Beispiel. Dieses System generiert himmelschreiende Ungerechtigkeiten – da kann man als Linker nicht abseits stehen.

Und darum kritisieren Sie auch immer wieder die Mittelschicht?

Genau. Ich entstamme ihr ja selbst, kenne also die Heuchelei und Doppelmoral, den Materialismus und die Profilneurosen in diesen Kreisen aus nächster Nähe. Die Mittelschichtler sind das eigentliche Problem in diesem System, weil sie es nach unten absichern und abfedern. Wenn sie ihren Job behalten dürfen, ihre Doppelhaushälfte, einmal im Jahr eine Fernreise, dann sind sie zufrieden und tragen alle Sauereien des Systems mit. Man wählt dann vielleicht noch Grün oder SPD und hält sich für links und engagiert. Zum Totlachen!

Was meinen Sie mit Heuchelei und Doppelmoral?

Da kann ich Ihnen haufenweise Beispiele liefern. Ich nenne mal eine Auseinandersetzung, die ich aktuell führe. Was da gelogen und verleumdet wird, das geht auf keine Kuhhaut. Wenn manche Leute meinen, sie wären im Recht, sind alle Mittel erlaubt. Da wird keine Rücksicht auf Privatsphäre oder auf persönliche Probleme genommen – übrigens auch nicht von involvierten Behörden. Man schmeißt mit irgendwelchen Paragraphen um sich und meint, sich um die Folgen für die Menschen dann nicht kümmern zu müssen.

Aber damit stehen sie ja nicht allein?

Natürlich nicht. Darum regt es mich ja so auf. Wenn es nur um mich ginge – ich kann mich wehren, ich kann auch als juristischer Laie Rechtslagen ganz gut einschätzen, wenn ich mich ein wenig eingelesen habe. Aber andere, etwa die alleinstehende Mutter mit Hauptschulabschluss, die nicht weiß, wo ihr der Kopf steht, die sind den Ämtern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Die wissen doch gar nicht, wo sie hin oder was sie tun sollen, wenn sie ein Schreiben vom Amt bekommen oder vom Gericht.

Das war früher doch auch schon so.

Tendenziell ja, aber nicht in dieser Quantität und Schärfe. Wir haben doch heut eine Art Sanktionsregime aus Justiz, Jugendamt und Jobcenter – um hier mal eine Alliteration zu bemühen. Es geht darum, die Marginalisierten in Schach und auf Trab zu halten. Wer sich fügt, kriegt ein paar Brosamen vom Tisch, die anderen dürfen die ganze Härte des Gesetzes schmecken. Gucken Sie sich doch allein an, wie die Repression durch die Jobcenter immer weiter ausgebaut wird. Das ist doch mit dem Grundgesetz längst nicht mehr vereinbar, vor allem nicht mit Artikel 1.

Auf die Praxis der Jobcenter hat die Kommunalpolitik ja aber kaum Zugriff.

Das ist richtig. Aber die Vertreter der Parteien, die all dies erfunden haben und weiter forcieren, also Grüne und SPD, CDU und FDP, die sitzen im Stadtrat von Buchholz. Und wenn man einer Partei angehört, dann verantwortet man auch das mit, was sie im Land oder im Bund getan hat oder noch tut. Also als Grüner kann ich nicht einfach sagen, die Hartz-IV-Gesetzgebung, damit habe ich nichts zu tun, oder als Sozi, was Nahles da in Berlin macht, will ich nicht wissen. Und das sollte sich übrigens auch die Linkspartei auf die Fahnen schreiben – mit einer SPD und einer Grünenpartei, die nicht bereit sind, die Agenda 2010 zu revidieren, kann es keine Koalitionen geben!

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Buchholz (qu) – In Buchholz haben bereits in der Nacht zum Dienstag Unbekannte von der Schützenstraße aus Farbbeutel gegen das Gebäude der Polizei Buchholz geworfen, in dem auch die Polizeiinspektion Harburg, die für den gesamten Landkreis zuständig ist, ihren Sitz hat. Das teilte die Pressestelle der Polizeiinspektion heute mit. Teile der Fassade und der Parkplatz vor dem Gebäude seien von der Farbe in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei derartigen Farbbeutelwürfen fällt der Verdacht automatisch auf Linke. Aber diesmal sollte der Staatsschutz vielleicht lieber nach rechts schauen. Die örtlichen Nazis dürften immer noch etwas sauer sein über einen Polizeieinsatz vor dem Oktoberfestzelt bei Möbel Kraft vor einer Woche. In der Nacht zum Sonntag hatte es gegen ein Uhr dort eine Schlägerei gegeben, so dass erst durch den Einsatz mehrerer Streifenwagen resp. von deren Besatzungen die Ruhe wieder hergestellt werden konnte.

Die Polizeiinspektion Harburg vermeldete, dass offenbar „Provokationen zwischen mehreren Gästen“ der Auslöser gewesen sei. In der Folge habe ein 40 Jahre alter Buchholzer mit der Faust auf einen 29 Jahre alten Jesteburger und einen 18 Jahre alten Buchholzer eingeschlagen. Beide Personen seien im Gesicht verletzt worden. Gegen den 40jährigen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Was die Polizeiinspektion verschweigt, ist der Umstand, dass hier offenbar wieder einmal Buchholzer Nazis und Vertreter der Antifa aneinander geraten waren. Das ist auf der Website des Nazikaders Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide zu erfahren. Dort wird behauptet, dass 15 bis 20 Linke auf dem Oktoberfest feiernde Nazis provoziert und angegriffen hätten. Diese hätten sich nur gewehrt und die Antifa „in die Flucht geschlagen“.

Wie bei den Nazis üblich, sehen sie sich als Opfer der Linken und der Ordnungsmacht. Die Buchholzer Polizei, so der Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide, habe sich „nicht lumpen lassen“ und sei mit mehreren Streifenwagen erschienen. Wörtlich heißt es: „Wie öfters zu vor wurden aus den Opfer, da sie als Patrioten bekannt sind, Tätern gemacht und die wahrhaftigen Täter wurden zu Opfern gemacht. So liest sich auch die Pressemitteilung der Polizei, die sie am Sonntag über ihren Presseportal veröffentlicht haben.“

Natürlich versäumen es die Faschos auch nicht, die bei ihnen übliche Kraftmeierei verbal zu pflegen. In dem Beitrag rühmt sich Denny Reitzenstein, der der Autor des Textes sein dürfte, dass sich wohl einige Angreifer bei ihrem vereitelten Angriff verletzt hätten und jetzt einen Gips tragen müssten. Und weiter: „Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass die Buchholzer Antifa sich nur in großen Gruppen einen Angriff traut und das dieser Angriff von entschlossenen Bürger auch erfolgreich abgewehrt werden kann.“

Es ist nicht ganz abwegig, den Farbbeutelwurf auf den Sitz der Polizeiinspektion Harburg in Buchholz den Nazis zuzuschreiben. Sie könnten damit ihren Unmut über den Einsatz bei Möbel Kraft Ausdruck gegeben und zugleich dafür gesorgt haben, dass die Linken verdächtigt werden. Jedenfalls gibt es für den Staatsschutz der Inspektion, der sich mit politischen Delikten befasst, genug Grund, sich mit Reitzenstein & Co. zu befassen. Auch weil dieser den Staatsschutz aktuell frontal angeht.

Auf seinem Blog hat sich Reitzenstein triumphal darüber ausgelassen, dass eine in rechten Kreisen offenbar unbeliebte Staatsschützerin die Polizeiinspektion verlässt und zwar mit einem Porträtfoto der Polizistin. Ich nehme einmal an, dass auch eine Polizeibeamtin ein Recht am eigenen Bild hat – jedenfalls wurden an der Roten Flora in Hamburg vor kurzem Bilder von verdeckten Bildern ruckizucki von der Polizei übermalt, genau mit dieser Begründung.

Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum es sich Denny Reitzenstein erlauben kann, nicht nur die Polizei so dreist zu attackieren, sondern auch seine Hetze so ungestört zu verbreiten. Hält da jemand seine Hand über ihn?

Dass man an die Website des umtriebigen Nazis, der unter anderem den von Stefan Silar aus Tostedt übernommenen Versand Streetwear Tostedt weiterführt, nicht ohne weiteres herankommt, ist klar. Der läuft auf Servern von logr.org, einem bei Nazis beliebten Anbieter. Aber der Herr Reitzenstein hat ja keine Probleme damit, sich im Impressum namentlich auszuweisen – allerdings mit einer Adresse in Arizona (wie der querschläger bereits berichtete).

Nun hat aber die Staatsanwaltschaft Stade in einem Schreiben an das parteilose Ratsmitglied Kristian Stemmler bereits vor einiger Zeit durchblicken lassen, ihr sei bewusst, dass es sich um jenen Denny Reitzenstein handelt, der in Buchholz residiert. Folgen hat das keine: Er darf offenbar schreiben und tun, was er will.

Gentrifizierung am Hauptbahnhof: das KIDS musste aus dem Bieberhaus raus

Gentrifizierung am Hauptbahnhof: das KIDS musste aus dem Bieberhaus raus

In den Luxusrestaurants am Elbrand, in den Walddörfern und anderswo in der Stadt löffeln sie ihr Zitronengrassüppchen und schlürfen ihren Cabernet oder was man in diesen Kreisen sonst so trinkt. Hamburg wird nicht umsonst die Stadt der Pfeffersäcke genannt. Reiche Pisser, die ihre dicken Schlitten spazieren fahren, gibt es hier zuhauf. Die Kehrseite des Reichtums ist zunehmendes Elend, Obdachlose, die unter der Kennedybrücke, an der Helgoländer Allee oder am Nobistor zelten, Junkies vorm Drob Inn am Hauptbahnhof, lange Schlangen vor den Tafeln. Interessiert das jemanden?

Die reichen Pisser bestimmt nicht, they don’t give a damn! So lange der Rubel rollt, sind sie gut drauf. Aus Geld machen sie mehr Geld, zum Beispiel mit einer Anlage bei der alstria office REIT-AG. Das ist eine ehrenwerte Firma mit Sitz in Hamburg, die Kohle mit Immobilien macht. Auf ihrer Homepage preist sie sich als „eine der größten börsennotierten Immobilien-Gesellschaften in Deutschland“ mit einem Immobilienbestand von 121 Gebäuden, die eine Fläche von 1,7 Millionen Quadratmeter umfassen und einen Portfoliowert von rund 3,3 Milliarden Euro repräsentieren.

Hier noch ein Originalton von der Homepage: „Für unsere Aktionäre ermöglicht unsere Strategie die Erwirtschaftung eines stabilen und kalkulierbaren Cashflows bei einem niedrigen Risikoprofil.“ Das ist doch schön!

Zuletzt ist die Firma leider negativ in die Schlagzeilen geraten. Als Spätfolge quasi eines Immobiliendeals, den der Kapitalistenknecht Wolfgang Peiner von der CDU 2006 als Hamburger Finanzsenator eingefädelt hat. Er warf der neugegründeten alstria 39 städtische Gebäude zum Schnäppchenpreis von 815,5 Millionen Euro hinterher, was deren Grundstock war. Unter den Gebäuden war auch das Bieberhaus, in dem früher die Ausländerbehörde saß. Heute residiert dort unter anderem das Ohnsorg-Theater.

Bis letzte Woche gab es in dem riesigen Gebäude direkt neben dem Hauptbahnhof auch noch eine soziale Einrichtung: Deutschlands größte Anlaufstelle für Straßenkinder, das KIDS. Aber damit ist jetzt Schluss, denn der Teil des Bieberhauses, in dem die Einrichtung saß, soll wie die anderen Gebäudeteile auch schon modernisiert werden. Dort sollen Büros entstehen. Wie zu hören ist, möchte ein Notar hier einziehen. Na, das ist ja wohl klar, dass man da keine zerlumpten Straßenkinder sehen möchte. Da sind womöglich Stricher dabei, und da könnten zum Notar ja auch Kunden kommen, die auch Kunden dieser Stricher sind… Das geht doch nicht!

Ein angemessenes Ersatzquartier ist trotz wochenlanger Suche nicht gefunden worden. Das muss in Bahnhofsnähe sein, und da hat die Stadt nichts anzubieten – weil sie halt ihre Gebäude in dieser Gegend verkauft hat, unter anderem an die alstria. Bei der Sozialbehörde stellt man sich hin und zuckt mit den Schultern: Das waren ja nicht wir, das war die CDU. Das KIDS soll fürs erste in Container umziehen.

Die Besucher des KIDS fanden das Ganze nicht witzig und haben nach der Schlüsselübergabe am Freitag die geräumten Räume kurzfristig besetzt. Von der Sozialbehörde tauchte (natürlich) niemand auf, dafür stellte die alstria Strafantrag, die Polizei marschierte auf, es drohte eine Räumung. Nur durch Vermittlung einer Bürgerschaftsabgeordneten der Linkspartei und einer Vertreterin des Projekts Momo konnte die verhindert werden.

Der querschläger meint: Was sind das bloß für Schweine, diese Herrschaften von der alstria, die Ärmsten der Armen nicht nur vor die Tür zu setzen, sondern auch noch Polizeibeamte in voller Montur gegen Straßenkinder aufmarschieren zu lassen! Was ist das für eine Scheißstadt, in der so etwas möglich ist?! Und die Leute von der alstria sitzen weiter warm und trocken in einer ruhigen Straße der gentrifizierten Neustadt (Bäckerbreitergang 75) und gehen ihren dubiosen Geschäften nach, um reiche Pisser noch reicher zu machen.

Für Kurzentschlossene: Der Landesverband der AfD Hamburg lädt zu einer Feier heute um 14 Uhr auf dem Grundstück der Familie Jordan, Ernst-August-Stieg 1, ein. Familie Jordan ist erst vor kurzem durch eine Outing-Aktion ihrem Wohnviertel in Wilhelmsburg vorgestellt worden. Nicole Jordan sitzt im Landesvorstand und ist als Schatzmeisterin sowie in verschiedenen Fachausschüssen aktiv. Außerdem ist sie regelmäßig auf Parteitagen, Demonstrationen und Veranstaltungen der Alternative für Deutschlandüberregional vertreten und trat bei der AfD-Kundgebung am Hauptbahnhof vor einem Jahr als Versammlungsleiterin auf.

Ihre Tochter Xenia Jordan ist im Landesvorstand der Jungen Alternative Hamburg vertreten. Das Haus der Familie dient neben der privaten Wohnanschrift auch als Landesgeschäftsstelle der AfD Hamburg. Für die Feier am 3. Oktober steht bereits ein Bierzelt in der Einfahrt, ebenso wurde ein Feuerwerk angemeldet, wie auf dem Portal linksunten.indymedia.de zu lesen ist. Es könne von vielen Teilnehmer*innen ausgegangen werden, die neben Zugehörigkeit zur AfD und Jungen Alternative, auch bis ins Burschenschaftler-Milieu und der Identitären Bewegung reichen könnten.

Wörtlich heißt es: „Kommt am 3. Oktober zahlreich und entschlossen in den Ernst-August-Stieg und zeigt Familie Jordan und ihren Parteifreund*innen, was ihr von rassistischer und rückschrittlicher Politik haltet. Einheitsfeierlichkeiten und rechte Veranstaltungen stören.“ (Mit dem Linienbus 13 kommt man jeweils von der S-Bahn Wilhelmsburg oder Veddel in die Nähe des Ernst-August-Stieg. Aus beiden Richtungen bis Vogelhüttendeich fahren.)

Was für "Neues Deutschland" Erich Honecker war, ist für das Nordheide Wochenblatt Jan Bauer.

Was für „Neues Deutschland“ Erich Honecker war, ist für das Nordheide Wochenblatt Jan Bauer.

Von Kristian Stemmler

Buchholz hat einen neuen Unvermeidlichen: Jan Bauer. Bisher war es Arno Reglitzky, der zu allen möglichen Anlässen und mit allen möglichen Hüten auftauchte und so gut wie in jeder Ausgabe des Nordheide Wochenblattes zu bewundern war. Sei es als Vorsitzender von Blau-Weiß Buchholz, für den ADAC, als FDP-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt, als Kreistagsabgeordneter oder was auch sonst noch immer. Da Reglitzky nicht mehr der Jüngste ist, braucht er natürlich einen Nachfolger, und das scheint Jan Bauer zu sein.

Der junge Mann mit dem Dauerlächeln bringt es auf mindestens so viele Ämter und Posten wie „Kreisel-Arno“ und im Wochenblatt ist er längst häufiger zu sehen. Neulich durfte er sich etwa als Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf der ersten Seite über die Empfehlungen des Bundes zum Anlegen von Notfallrationen auslassen – eine kostenlose Wahlwerbung für den Mann, der für die CDU bei den Kommunalwahlen kandidierte. Natürlich wurde er spielend sowohl in den Stadtrat wie in den Kreistag gewählt, denn man kennt ihn.

Mit fast 1000 Stimmen, die für ihn persönlich abgegeben wurden, schoss Bauer in Buchholz den Vogel ab und wird jetzt vermutlich noch öfter im Wochenblatt sein. In der Mittwochausgabe schaffte er es gleich zweimal, vorn als Vertreter des Stadtmarketings von Buchholz und hinten in einer Anzeige der Stadtwerke mit einer Art Jugendbild. Das ist übrigens sein eigentlicher Job, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken.

Dass er Vorsitzender des Fördervereins der Zukunftswerkstatt ist, sei hier nur nebenbei erwähnt. Laut Medienberichten sitzt Bauer auch noch in einem Prüfungsausschuss der Handelskammer, und in einem der hiesigen Sportvereine treibt er sich vermutlich auch noch herum. Beobachter der Szene fragen sich bereits, wie er das alles zeitlich bewältigt, einige vertreten die These, Jan Bauer habe sich längst klonen lassen, um sein Pensum zu schaffen. Wie dem auch sei, lässt sich vorerst schwerlich etwas gegen seine Aktivitäten sagen – außer vielleicht, dass hier mal wieder so en passant der Eindruck vermittelt wird, das Wohl der Gemeinschaft und das der Partei CDU seien gewissermaßen identisch.

PS: Um einen etwas flachen Witz zu lancieren – man könnte sagen, Jan Bauer steht ständig unter Strom…