Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Zugunglücke’

Von Kristian Stemmler

Unglaublicher Leichtsinn hat am Mittwochabend zu einem schweren Zugunglück im Buchholzer Bahnhof und einen Großeinsatz der Feuerwehr Buchholz, der Polizei Buchholz und weiterer Einsatzkräfte gesorgt. Ein 33-Jähriger und seine 19 Jahre alte Begleiterin wurden kurz nach 19 Uhr beim Überqueren der Gleise auf Gleis 7 vom IC 2307 Koblenz – Hamburg-Altona auf der Fahrt von Bremen nach Hamburg erfasst und schwer verletzt. Offenbar war dem Unfall ein Streit vorausgegangen. Zwar leitete der 59 Jahre alte Triebfahrzeugführer noch eine Schnellbremsung ein und gab Signalpfiffe ab, den Zug konnte er jedoch erst 200 Meter hinter dem Bahnsteig zum Halten bringen.

Die für das Bahngelände zuständige Bundespolizeiinspektion Bremen teilte am Donnerstag vormittag mit, nach ersten Ermittlungen der Inspektion und der Polizeiinspektion Harburg sei „nicht auszuschließen“, dass zuvor beide Personen, als sie sich auf Bahnsteig 3 befanden, von einer Gruppe auf der Nordseite von Gleis 7 provoziert worden waren. Das ist mit der bei behördlichen Pressemitteilungen gebotenen Vorsicht formuliert. Der Autor dieses Beitrags hat etwa um 19 Uhr vor dem Penny-Markt im Kabenhof laute Streitereien und ein hektisches Hin- und Herlaufen junger Erwachsener beobachten können, was die Vermutung dem Anschein nach bestätigt.

In der Pressemitteilung wird der weitere Verlauf so geschildert: „Daraufhin soll zunächst der 33-Jährige über die Durchfahrtgleise auf die Gruppe zugelaufen sein, gefolgt von seiner 19-jährigen Begleiterin. Beiden gelang es nicht mehr, den Bahnsteig 7 zu erreichen.“ Bei Bahnsteig 7 handelt es sich offensichtlich um den stillgelegten Bahnsteig auf Seiten des Schotterparkplatzes.

Mehrere Augenzeugen hätten einen Schock erlitten und hätten betreut werden müssen. Sie könnten erst in den nächsten Tagen vernommen werden. Die Bundespolizeiinspektion Bremen weist darauf hin, dass durchfahrende Züge den Bahnhof Buchholz mit bis zu 140 Stundenkilometer Geschwindigkeit passieren – die Reaktionszeit zum Verlassen der Gleise beim Erkennen eines nahenden Zuges liege bei rund zwei Sekunden! Gleis 7 sei für 110 Stundenkilometer freigegeben.

Der buchholzblog war kurz nach Auslösen des Alarms vor Ort. Um 19.12 Uhr ging bei der Buchholzer Feuerwehr die Einsatzmeldung „Person unter Zug“ ein. Mit mehreren Fahrzeugen rückte die Feuerwehr zum Bahnhof aus. Der Zufall wollte es, dass eine Schulung von Gruppenführern in der Wache an der Bendestorfer Straße stattfand, so dass diese sofort ausrücken konnten.

Rettungswagen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) rasten vom Buchholzer Krankenhaus heran. Drei Notärzte waren nach Informationen des buchholzblogs im Einsatz, einer wurde aus Hamburg hinzugezogen. Von der Werksfeuerwehr der Deutschen Bahn im Rangierbahnhof Maschen waren zwei Fahrzeuge angerückt. Die Buchholzer Polizei sperrte den Einsatzort weiträumig ab, auch die Bundespolizei war vor Ort. Laut Bundespolizei waren 40 Angehörige der Feuerwehr Buchholz, Seelsorger, Sanitäter, ein Notfallmanager der Bahn und mehrere Polizeistreifen

Auf der Lindenstraße vor dem Kabenhof, auf der Nordseite des Bahnhofs, bot sich ein Bild wie bei einem Katastropheneinsatz. Über mehrere hundert Meter blockierten Einsatzfahrzeuge mit zuckenden Blaulichtern die Straße. Auf den Bänken gegenüber vom Penny-Markt saßen geschockte Zeugen des schweren Unfalls, die von Sanitätern und Feuerwehrleuten betreut wurden. Eine Frau, die offenbar einen schweren Schock erlitten hatte, redete ohne Unterbrechung. An der Zugstrecke tauchten Lampenmasten der Feuerwehr die Szenerie in taghelles Licht. Ärzte und Sanitäter behandelten direkt neben dem Zug an der Böschung die offenbar schwerer verletzte Person. Die zweite Person konnte in einen Rettungswagen gebracht und dort behandelt werden.

Die Bundespolizei warnt weiterhin vor dem lebensgefährlichen Betreten von Bahnanlagen. So ist am 22. September ein 16-jähriger in Lunestedt bei Bremerhaven von einem Güterzug überrollt worden, als er vom Bahnsteig aus über die Gleise lief. Am Montag verstarb eine 16-jährige Schülerin in Stade an einem Bahnübergang, den sie trotz geschlossener Schranken überquerte. Gleisüberschreitungen werden täglich gemeldet werden und führen zu Blaulichteinsätzen.

Wenn Züge Schnellbremsungen einleiten müssen, wird, so die Pressemitteilung, strafrechtlich wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt. Das Überqueren von Bahnübergängen bei sich schließenden Schranken wird bei Fahrzeugführern mit 700 Euro Bußgeldern und dreimonatigen Fahrverboten geahndet. Und auch Fußgänger werden mit 350 Euro an Bahnübergängen belangt.

Die Bahnstrecke Hamburg-Bremen wurde mach dem Zugunfall in beiden Richtungen umgehend gesperrt, um 20.44 Uhr fuhr der erste Metronom Richtung Bremen wieder in den Bahnhof ein. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden schwer verletzten Personen bereits auf dem Weg in Kliniken in Hamburg. Das Kriseninterventionsteam war angekündigt, um Zeugen weiter zu betreuen. Die Polizei nahm die Ermittlungen auf.

Im Zug, der hell erleuchtet im Bahnhof stand, saßen die Fahrgäste. Einige schien der Unfall nicht besonders mitgenommen zu haben, sie tranken im Bordbistro ungerührt ihr Bier weiter. Andere bestanden darauf, während des laufenden Einsatzes, da war der Verletzte allerdings schon abtransportiert worden, aus dem Zug auszusteigen. Mit der Begründung, sie hätten auch Rechte und dürften nicht in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden…

Von den rund 430 Passagieren im Zug sei niemand verletzt worden, teilte die Bundespolizeiinspektion Bremen mit. Nach Ablösung des Triebfahrzeugführers habe der Zug um 21:48 Uhr die Fahrt fortsetzen können. Es hätten sich 34 Züge verspätet, 13 weitere Züge seien ausgefallen.

Read Full Post »