Mit ‘Wochenblatt-Verlag’ getaggte Beiträge

So berichtet das Nordheide Wochenblatt über Abibälle.

So berichtet das Nordheide Wochenblatt über Abibälle.

Von Kristian Stemmler

Der querschläger – vormals buchholz express – kritisiert immer wieder und aus gutem Grund das Nordheide Wochenblatt, Quasi-Monopolist in Buchholz und im Landkreis. Um so mehr sollte darum hier auch einmal darauf hingewiesen werden, wenn das Wochenblatt aus Sicht dieses Blogs ein positives Feedback verdient hat. Die Rede ist von einem Beitrag in der Ausgabe vom 18. Juli.

Unter der Überschrift „Kaviar und Krawall“ berichtet das Wochenblatt darüber, dass Abibälle zunehmend aus dem Ruder laufen. Gegenstand des Beitrags ist einmal die Kritik des Schulleiters des Albert-Einstein-Gymnasiums, Hans-Ludwig Hennig, am von Schülern und Eltern organisierten Abiball im Harburger Luxushotel Lindner. Zum zweiten geht es um Vorfälle beim Abiball des Hittfelder Gymnasiums im Harburger Restaurant „Leuchtturm“.

Dort haben sich etliche der Halbstarken, nachdem ab halb elf alle Getränke frei waren, laut Wochenblatt erheblich daneben benommen. Es seien Weinflaschen entwendet worden, von wildem Urinieren ist die Rede. Selbst die angeheuerten Security-Kräfte hätten die besoffenen Jung-Erwachsenen nicht unter Kontrolle bringen können, daher habe die Polizei einschreiten müssen. Es habe sogar eine Festnahme gegeben.

Es wäre ganz nett gewesen, wenn die Kollegen erwähnt hätten, dass ihr Text sich auf einen Beitrag im querschläger bezieht. Bereits am 19. Juni hatte dieser Blog nämlich über Hennigs Kritik berichtet, die im Wochenblatt in indirekter Rede wiedergegeben wird., ohne dass der querschläger erwähnt wird. Das liegt vermutlich daran, dass sowohl der querschläger/buchholz express wie auch der Autor dieser Zeilen offenbar an der Bendestorfer Straße auf der schwarzen Liste stehen.

Aber sei’s drum, es bleibt anerkennenswert, dass das Wochenblatt das Thema überhaupt angefasst und es noch in einem Pro und Kontra vertieft hat. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die Kritik am Luxustrend der Abibälle von Mitja Schrader vorgetragen wird, nicht nur Redakteur des Wochenblattes, sondern auch Mitglied der Verlegerfamilie. Er ist schon öfter mit kritischen Beiträgen aufgefallen.

Natürlich kann er mit seiner Kritik auch nicht zu sehr an den Fundamenten rütteln, aber für Wochenblatt-Verhältnisse geht sie doch schon recht weit und trifft aus Sicht des querschlägers durchaus wesentliche Punkte. Vor allem da wo es um den „richtigen Stall“ geht, es also nicht schwer fällt, sich die elitären oder sich elitär vorkommenden Kreise der Region vor Augen zu führen. Hier Schraders Kommentar, nur leicht gekürzt, im Wortlaut:

Sicher, ein Abiball ist ein festlicher Anlass und sollte in einem angemessenen Rahmen begangen werden. Luxusveranstaltungen, bei denen weniger gut betuchte Familien per Los entscheiden müssen, wer Sohn oder Tochter begleiten darf, weil es sonst einfach zu teuer wird, sind für mich allerdings weder festlich noch feierlich, sondern schlicht und einfach unsinniges Protzen. Noch dazu mit fremdem Geld – nämlich dem der Eltern.
Was ist die Botschaft dahinter? Um mit uns zu feiern reicht es nicht, das Du Dein Abi hast. Nein, Du musst auch aus dem richtigen „Stall“ kommen. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ also. Lernt man das heute in der Schule? Oder geht es eher darum, dass auch für Abifeiern das neoliberale Mantra gilt: Nur was richtig kostet, ist auch richtig was wert. Das Abi an sich also keinen Wert mehr darstellt, sondern der Abiturient seine Wichtigkeit durch eine teure und exklusive Feier herausstellen muss. Wie auch immer; mit Reife hat eine Prunk- und Protzsause wenig zu tun. Aber heute heißt es ja auch Abitur und nicht mehr Reifeprüfung.

Von Kristian Stemmler

Ein übles Beispiel politischer Propaganda hat das Nordheide Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 18. April abgeliefert. Im Aufmacher auf der Eins und mehreren langen Beiträgen auf der Seite 9 wird abendfüllend gegen den Mindestlohn gehetzt, also die einzige große Reform für die Arbeitnehmer, zu der sich die große Koalition bisher überhaupt hat durchringen können. Hier zeigt sich überdeutlich: Das Wochenblatt ist nichts anderes als ein Kampfgeschütz neoliberaler Deregulierer und Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft!

Von der ersten bis zur letzten Zeile sind die genannten Beiträge nur darauf ausgerichtet, den Mindestlohn schlecht zu machen und die betreffenden Gesetze und Verordnungen als „Bürokratiemonster“ zu diffamieren. Damit folgt das Blatt genau der strategischen Vorgehensweise der Arbeitgeber und des Wirtschaftsflügels der CDU. Die Dokumentationspflichten werden als Hebel benutzt, um den Mindestlohn zu diffamieren und im Nachhinein noch aufzuweichen.

Auf Seite 9 bekommen drei betroffene Arbeitgeber, ein Schausteller, der Chef eines Obstbetriebes und die Chefin eines Taxiunternehmens, reichlich Platz, um über den Mindestlohn zu jammern. Statements von Arbeitnehmern oder gar Gewerkschaften sucht man vergeblich. Der kürzlich zum Redaktionsleiter aufgestiegene Kollege Oliver Sander folgt in seinem Kommentar genau der Linie der Arbeitgeber und neoliberaler Ideologen. Großzügig gesteht er noch zu, dass man von seinem Lohn leben können muss – die Umsetzung des Mindestlohn sei aber das Problem.

Die Darstellung und Argumentation im Wochenblatt ist falsch und grotesk. Wie bitteschön, soll ein Lohn berechnet und kontrolliert werden, wenn die Arbeitszeit nicht dokumentiert wird?! Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB, erklärt in der jungen welt, eine Aufzeichnung der Arbeitszeit sei „unerlässlich“. „Dort wo es keine Aufzeichnung gibt, ist die Kontrolle, ob der Mindestlohn eingehalten wird, schlicht unmöglich“, sagt der Gewerkschafter.

Das Problem liegt in Wahrheit ganz woanders. Körzell sagt in dem Interview, dass Beschäftigte dem DGB immer wieder berichten, wie Arbeitgeber den Mindestlohn zu umgehen versuchen. Da soll zum Beispiel in Naturalien gezahlt werden oder es werden bei Minijobbern falsche Verträge ausgestellt, in denen eine zum Mindestlohn passende Stundenzahl steht, nämlich 52,9 Stunden. In Wirklichkeit arbeiten die Beschäftigen aber 60 bis 70 Stunden in der Woche.

Jeder der zum Beispiel schon mal in der Gastronomie oder im Einzelhandel gearbeitet hat, weiß doch, wie viele schwarze Schafe es allein dort schon gibt. Und wie trickreich viele dabei sind, Gesetze und Tarifbestimmungen zu unterlaufen. Das Schießen gegen die Dokumentationspflicht ist auch deshalb komplett verlogen, weil das Notieren der Arbeitszeit tatsächlich kaum Mehraufwand generiert.

Schließlich sollte noch darauf hingewiesen werden, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte. Wie immer wieder zu hören ist, steht es mit den Arbeitsbedingungen im Wochenblatt-Verlag selbst nicht zum besten. Und dann hat der Verlag, was natürlich tunlich verschwiegen wird, einen guten Grund, den Mindestlohn runterzuschreiben. Die Verleger haben es ja durch ihre Wühlarbeit noch geschafft, die Zeitungsausträger zum großen Teil vom Mindestlohn auszunehmen. Aber eben nur für eine Übergangsfrist.

Tut mir leid, aber das ist wirklich ein schlimmes Beispiel von Propaganda gegen die Interessen von Hunderttausenden Arbeitnehmern – und zwar denen am unteren Ende der Lohnskala.

Von Kristian Stemmler

Der Mindestlohn gehört zu den wenigen Erfolgen, die die SPD in Berlin bisher für die Arbeitnehmer erreichen konnte. Wobei das Wort Erfolg in diesem Zusammenhang relativ ist. Zu viele Ausnahmen untergraben die eigentliche Absicht, zu viele Möglichkeiten haben Arbeitgeber, die Zahlung des Mindestlohns zu umgehen. Das Nordheide Wochenblatt – Zentralorgan der Wirtschaft des Landkreises – kann das natürlich nicht davon abzuhalten, kräftig nachzutreten. Und das durch die Hintertür.

In der Ausgabe vom Sonnabend darf sich der Vorsitzende des TSV Buchholz 08, Lothar Hillmann, auf Seite 1 und in einem groß aufgemachten Beitrag auf Seite 5 abendfüllend über das Thema ausmären. Dabei beschwert er sich nicht über den Mindestlohn an sich, sondern beklagt, das Mindestlohngesetz sei „ein bürokratisches Monster“ und führe zu mehr Papierkrieg, unter anderem wegen neuer Aufzeichnungspflichten. Ehrenamtliche würden durch die Bürokratie zunehmend abgeschreckt.

Mag sein, dass die Vereine durch das neue Gesetz mehr Papierkram haben. Aber da wiegen die Interessen von Arbeitnehmern, anständig bezahlt zu werden, ja wohl ein Vielfaches mehr. Bei dem langen Interview zum Thema geht es Hillmann daher wohl, ebenso wie dem Wochenblatt, eher darum, den Mindestlohn insgesamt zu beschießen. Dass der Vereinsvorsitzende eher der FDP nahe steht als der SPD, ist anzunehmen, und die politische Ausrichtung des Wochenblatt-Verlages in diesen Fragen, ist ebenfalls bekannt.

Darum ist es in dem Anzeigenblatt auch kein Thema, wie fantasievoll die Unternehmer derzeit dabei sind, den Mindestlohn zu umgehen, etwa in der Systemgastronomie. Und natürlich wird auch nicht erwähnt, dass Zeitungsverlage bei diesen Tricksereien ganz vorn mit dabei sind, da der Mindestlohn seit Jahresanfang auch für Zusteller gilt – allerdings nur für jene Zusteller, die eine „gemischte Zustellung“ von Zeitungen, Briefen und Anzeigenblättern erledigen. Wer ausschließlich Tageszeitungen oder Anzeigenblätter austrägt, bekommt nur 6,37 Euro statt 8,50 Euro.

Die Zeitungsverlage haben von Anfang an aus allen Rohren auf den Mindestlohn geschossen und wollten alle rund 300.000 Zusteller in Deutschland davon ausgenommen haben. Da dies nicht geklappt hat, wird jetzt halt getrickst, etwa indem man den Zustellern neue Verträge anbietet. Mit sekundengenauen Abrechnungsmodellen versucht man, die Zusteller auszubooten. Dabei werden Zustellzeiten vorgegeben, die oft völlig unrealistisch sind.

Wer eine Ahnung davon hat, was für ein Knochenjob das Zustellen von Zeitungen sein kann, dem muss angesichts solcher Tricksereien speiübel werden. Aber dergleichen interessiert im Wochenblatt-Verlag natürlich nicht, denn dort sind Zusteller ja vor allem ein Kostenfaktor. Man gibt sich an der Bendestorfer Straße immer wieder gern als Kämpfer für den kleinen Mann aus – aber wenn es um die eigenen Interessen geht, ist der Familie Schrader das eigene Hemd allemal näher.

Logo BildVon Kristian Stemmler

Wie der buchholz express aus gut unterrichteten Quellen erfuhr, will die Bild-Gruppe der Axel Springer AG den Wochenblatt-Verlag kaufen. „Die Wochenblätter des Hauses Schrader passen bestens zu unserem Image und unseren Inhalten“, sagte Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung. Wie der buchholz express weiter erfuhr, soll das Nordheide Wochenblatt in Nordheide-BILD umbenannt werden. Diekmann äußerte Respekt und Bewunderung für die Leistung der Wochenblätter. „Die machen uns noch was vor. Wie da Leute ohne Rücksicht auf ihre Persönlichkeitsrechte vorgeführt und niedergemacht werden – dagegen sind wir Waisenknaben!“, so der erfahrene Zeitungsmann. Auch die Machtfülle des Wochenblatt-Verlages nötigt Diekmann Respekt ab: „Die bestimmen ja, wer in Buchholz Bürgermeister wird und wer nicht. Das schaffen wir in Hamburg nicht, da brauchen wir immer noch das Hamburger Abendblatt.“

Layouttechnisch will die Bild-Gruppe nach der Übernahme die Wochenblätter noch etwas aufpeppen. „Das ist schon nicht schlecht, aber noch zu sehr Kraut und Rüben“, sagte Diekmann dem buchholz express. „Das Rot muss noch knalliger kommen und die Überschriften sind viel zu klein.“ Auch müssten die Mitarbeiter geschult werden, noch boulevardesker rüberzukommen. „Mal abgesehen von zwei, drei Ausnahmen sind die noch viel zu objektiv“, so der Chefredakteur.

Für den jetzigen Chefredakteur, Reinhard Schrader, hat Diekmann dagegen nur Lob übrig: „Wie der draufhaut und das oft ohne jede Rücksicht auf die Fakten – alle Achtung!“ Dass Schrader in diesem Jahr in Rente gehe, sei ein herber Verlust. Man werde wohl jemanden mit Bild-Erfahrung für den Job des Chefredakteurs auswählen, um die Blätter weiter auf Kurs zu bringen.

Aber erst mal gelte es im Sommer den Bürgermeister von Buchholz zu machen. „Ich habe mit den Schraders geredet“, sagte Diekmann, „Dieser Grüne da ist ja ganz pfiffig, aber ein Grüner in so einer wichtigen Position – ich weiß nicht. Und der Jurist von der CDU soll doch etwa zu liberale Tendenzen haben. Ich denke, wir werden uns für den Makler Ronald Bohn entscheiden.“

Auf diese Weise könne man Buchholz zu einer Art Versuchsgebiet machen – eine Kleinstadt, die von Investoren, Einzelhandel, Wirtschaft und einem Verlag regiert werde. Diekmann: „So etwas gibt es in ganz Deutschland noch nicht.“

DSC_7897Von Kristian Stemmler

Mit jedem Erscheinungstag des Nordheide Wochenblattes und seiner Ableger wird deutlicher, wie wichtig eine echte Alternative zum Quasi-Monopolisten in der Medienlandschaft des Landkreises Harburg ist. In der Ausgabe vom Sonnabend hetzt der Chefredakteur des Blattes, Reinhard Schrader, auf übelste Weise gegen die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke. Thema ist wieder, wie schon in etlichen zurückliegenden Ausgaben, die neue Sporthalle an der Mühlenschule Holm-Seppensen.

Was allein schon eine Sauerei ist: Schrader zitiert eine Formulierung und zwar bereits in großen Lettern in der Überschrift, die sie offenbar im Zusammenhang mit dem Wochenblatt gebraucht hat und die ihm zugetragen worden ist: „unsägliche Berichterstattung“. Mal abgesehen davon, dass Grondke recht hat, ist es einfach unsauberer Journalismus nach dem Muster von „Bild“ und anderen Schmierblättern, so eine Äußerung, die jedem mal rausrutschen kann, öffentlich zu zitieren.

In dem vierspaltigen Artikel walzt Schrader sein Ceterum Censeo aus: Im übrigen bin ich der Meinung, dass Doris Grondke Geld und Zeit verschwendet und völlig unfähig ist. Mit allen möglichen Beispielen versucht er zu belegen, warum die Halle viel zu teuer geworden ist und warum die Bauzeit zu lang ist. Dass er da Äpfel mit Birnen vergleicht, ficht ihn nicht an.

Auch kommt der Chefredakteur natürlich wieder mit einer Lügengeschichte daher, die auch durch häufiges Zitieren nicht wahrer wird: nämlich dass eine fertige Planung für eine Sporthalle in Holm-Seppensen in der Schublade gelegen hätte, die Grondke mit ihrem hochbaulichen Gutachterverfahren vom Tisch gewischt habe. Das ist Blödsinn! Noch einmal: So eine fertige Planung hat es nicht gegeben!!

Es ist relativ leicht erkennbar, warum Schrader und sein Schmierblatt dermaßen auf Grondke herumtrampeln. Sie hat neue Verfahren und Strategien aus Hamburg mitgebracht, die vielen in Buchholz, darunter sicher auch Leuten, mit denen Schrader gut kann, nicht gefallen. Offenbar geht es hier auch um Profite und Pfründe. Wenn man die Stadtbaurätin dermaßen unter Feuer nimmt, ist das eigentlich die einzig plausible Erklärung.

Dafür spricht auch, dass bei anderen Projekten, bei denen die Kosten mindestens ebenso ansteigen, das Wochenblatt komplett still hält. Ich erwähne hier nur mal die Zukunftswerkstatt, die sich als ein Fass ohne Boden herausstellte. Immer wieder musste der Landkreis Hunderttausende nachschießen, obwohl das Projekt ja auch von zahlreichen Sponsoren getragen wird. Dass das Wochenblatt hier nichts sagt, liegt auf der Hand, gehört man doch zu den Unterstützern des Projektes und wird dieses Projekt doch von der heimischen Wirtschaft getragen.

An dieser Stelle möchte ich Doris Grondke bitten, sich von diesem Dauerbeschuss nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ihr Vorhaben, eine Art Stadtplanungs- und Baukultur in Buchholz zu implantieren, ist aller Ehren wert und dringend notwendig. Lassen Sie sich nicht von ein paar Pfeffersäcken und Schreiberlingen aus dem Konzept bringen. Buchholz braucht Sie!

buchholz expressVon Kristian Stemmler

Raider heißt schon lange Twix – und der buchholzblog ab heute buchholz express! Diese Umbenennung ist ein weiterer Schritt in der Entwicklung des Projektes, vom Blog hin zur Internetzeitung. Ein wichtiger Schritt bei dem Versuch, eine ernsthafte Alternative zum Wochenblatt, dem Quasi-Monopolisten und einflussreichsten Medium im Landkreis Harburg, zu etablieren. In den vergangenen Wochen wurde mir immer klarer, dass es in Buchholz und im Kreis viele gibt, die auf diese Alternative warten und hoffen.

Bekanntlich ist der Begriff Blog die Abkürzung von Weblog, womit ursprünglich ein Tagebuch (Logbuch) im Web, gemeint war. Daher haben die meisten Blogs eine eher persönliche Prägung. Auch der buchholzblog hat anfangs diese persönliche Prägung gehabt, war aber immer auch schon journalistisch ausgerichtet. Dank meiner langjährigen Erfahrung als Lokalredakteur des Hamburger Abendblattes konnte ich diese Ausrichtung zuletzt weiter verstärken und plane weitere Maßnahmen zur Etablierung einer Internetzeitung. Da passt die Bezeichnung Blog aber nicht mehr.

Für den Namen „buchholz express“ habe ich mich nach längerer Überlegung entschieden und gehe davon aus, dass es ihn in der Nordheide noch nicht gibt bzw. zumindest kein Titelschutz besteht (wenn das in dem Fall überhaupt nötig ist). Im Internet habe ich da nichts gefunden. „Express“ ist auf der einen Seite ein eingeführter Name für Zeitungen und verspricht schnelle und komprimierte Information (und Unterhaltung). Auf der anderen Seite, und das war mir wichtig, hat der Name „buchholz express“ einen Bezug zu der Entstehung der Stadt, die ja durch die Eisenbahn groß geworden ist.

Mit der neuen Bezeichnung (vorläufig noch unter der alten Adresse bei wordpress) geht der Anspruch einher, eine gut gemachte, ernst zu nehmende und seriöse Alternative zu den Blättern des Wochenblatt Verlages darzustellen, die bekanntlich häufig auf dem Niveau der „Bild“-Zeitung rangieren. In den letzten Wochen wurde mir in diesem Zusammenhang mehrfach vorgehalten, dass zu diesem Anspruch die Polemik in meinen Beiträgen, vor allem gegen Wohlhabende, nicht passen würde. Zuletzt hat ein Beitrag über die vielen Steuersünder in der Nordheide Unmut erregt.

Dazu möchte ich anmerken, dass die Polemik in dem genannten Beitrag noch gebremst war, und dass Schärfe und Satire zu diesem Projekt gehören sollen. Sicher hat es seit dem Start des Blogs im Dezember 2011 immer wieder scharfe Attacken auch gegen Personen gegeben. Manches würde ich heute nicht mehr so veröffentlichen. So war der Beitrag über den Laden viel fein [feel fine] sicher mindestens grenzwertig, wobei ich zu der inhaltlichen Stoßrichtung nach wie vor stehe.

Der Vorzug dieses Projektes ist, dass ich unabhängig von Anzeigenkunden und Interessengruppen operieren kann. Mit dem buchholzblog habe ich bis heute zehn (!) Euro verdient (Spenden). Sicher ist es ein Ziel, Banner zu verkaufen und damit auch die wirtschaftliche Grundlage des Projektes zu stärken – aber ich werde mich dennoch sicher nicht in die Abhängigkeit von Anzeigenkunden begeben. Deshalb kann ich die Buchholz Galerie kritisieren oder über die Agonie des City Center schreiben, wenn es nötig ist.

Alleiniger Maßstab sind für mich die Regeln des journalistischen Handwerkes. Das gilt auch politisch. Natürlich hat der buchholzblog/buchholz express eine klare Tendenz – aber ich lasse mich vor niemandes Karren spannen. Sollte zum Beispiel Joachim Zinnecker, dessen Kandidatur am 25. Mai ich im Rat unterstütze, tatsächlich zum Bürgermeister von Buchholz gewählt werden, würde ich seine Arbeit genauso kritisch begleiten wie die des heutigen Bürgermeisters (wobei ich schon glaube, dass er weniger Anlass dazu geben würde…).

Soviel zur Agenda des Projekts. Ich würde mich über Kommentare zu diesem Vorhaben, auch gern kritische, und vor allem natürlich über Unterstützung für das Projekt freuen. Zum Schluss möchte ich noch betonen, dass es mir von Anfang an darum gegangen ist, einen engagierten und gut gemachten Lokaljournalismus zu betreiben.

Nach über 15 Jahren als Lokalredakteur in der Zentralredaktion des Hamburger Abendblattes hat man mich dort wegen meiner politischen Einstellung marginalisiert und rausgemobbt. Ich war nicht dazu bereit, meine Analysen und Beobachtungen der gesellschaftlichen Wirklichkeit den Direktiven der Chefredaktion unterzuordnen – und habe dafür erhebliche Konsequenzen auf mich nehmen müssen. Auch darum kann ich versprechen, dass der buchholz express sich garantiert nicht in irgendwelche Abhängigkeiten begeben wird.

Also: Bitte einsteigen, die Türen schließen, der Zug fährt ab – Vorsicht an der Bahnsteigkante!

Ausriss StripperreportageVon Kristian Stemmler

In unserer durchsexualisierten Medienwelt ist man ja einiges gewohnt. Mit ein paar Klicks kann jeder Internetnutzer heutzutage pornographische Bilder und Videos aufrufen, in der Werbung und in der Filmbranche ist Sex ein bewährter Faktor zur Steigerung der Aufmerksamkeit. Aber ist das eine Entschuldigung dafür, wenn eine frei zugängliche Zeitung, die an alle Haushalte geht, sexistische Texte und Bilder transportiert?

Das Nordheide Wochenblatt fühlte sich bemüßigt, in seiner Ausgabe zum vierten Advent eine große Reportage über einen Auftritt dreier Stripper bei der „Ladies Night“ in Brackel, organisiert von den Sportvereinen MTV Brackel und MTV Marxen, zu drucken. Dieser Beitrag ist in Aufmachung, Bebilderung und Inhalt als durch und durch sexistisch zu bezeichnen – und das auf unterstem Niveau!

Schon der Anriss für die Reportage der jungen Kollegin Katja Bendig auf der ersten Seite mit einem Stripper in Weihnachtsmannmontur, ist unterirdisch, aber noch harmlos gegen die Aufmachung der Reportage auf Seite 5. „Ich hol den Knüppel raus“, heißt die Schlagzeile, darunter ist ein großes Foto zu sehen von „Stripper John“, der nur mit Unterhose bekleidet auf dem Schoß einer Frau sitzt. Mit beiden Händen hält er einen Vibrator zwischen seinen Beinen.

Das Wochenblatt gibt sich gern als Familienblatt, es bringt gern Human-Touch-Geschichten über krebskranke Kinder oder bedürftige Senioren (letzteres auf derselben Seite wie die Stripper-Reportage). Das Wochenblatt kommt als Anzeigenblatt fast in jeden Haushalt im Landkreis, es liegt auf vielen Küchentischen. Kinder und Jugendliche haben freien Zugang, es wird von 14-, 15-Jährigen ausgetragen. Es hat nichts mit Prüderie zu tun, wenn man vor diesem Hintergrund diesen Beitrag nur geschmacklos und daneben findet!

Dass in diesem Fall über strippende Männer geschrieben wird, macht die Sache keinen Deut besser, das ist nicht weniger sexistisch als ähnliche Beiträge über Frauen. Nur regen sich viele offenbar weniger auf. Der Beitrag der Kollegin fängt mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Muskeln und viel nackte Haut…“ an. Man stelle sich vor, ein Beitrag im Wochenblatt über Stripperinnen würde beginnen mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Titten und viel nackte Haut…“ – der Aufschrei wäre wohl kaum zu überhören.

Im Text der Kollegin ist keine Spur von Kritik an der Veranstaltung zu erkennen. Auftragsgemäß fand sie alles offenbar unheimlich witzig. „John hält sich dezent ein Tuch vor sein bestes Stück“, schreibt sie und endet mit der Feststellung: „Er tritt nachher als Weihnachtsmann auf. Die Frage, ob er seine Rute zeigen wird, spare ich mir.“ Irrsinnig komisch!

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wochenblatt sich mit sexistischen Ausfällen auf „Bild“-Niveau begibt. Vielleicht sollte der eine oder andere Anzeigenkunde mal im Verlag vorsprechen, dass dies kein geeignetes Umfeld für seine Anzeigen ist. Die Anzeigenkunden sind ja so ziemlich die einzigen, auf die man in diesem Verlag hört…