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Posts Tagged ‘Weiße Wölfe Terrorcrew’

Von Kristian Stemmler

Es hat etwas gedauert, aber immerhin. Am heutigen Mittwoch hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Neonazi-Vereinigung „Weisse Wölfe Terrorcrew“ (WWT) verboten. Am frühen Mittwochmorgen hätten Ermittler in zehn Bundesländern Wohnungen durchsucht und 16 führenden Mitgliedern der WWT Verbotsverfügungen des Innenministeriums zugestellt, berichten Medien. Bei den Razzien seien neben Vereinsinsignien, Kleidung und Datenträgern auch Wurfsterne, eine Armbrust und Kleinkaliberwaffen gefunden worden.

„Dieser Verein ist eine Vereinigung von Neonazis, die offen und aggressiv Hetze betreiben gegen unseren Staat, gegen unsere Gesellschaft, gegen politisch Andersdenkende, gegen Migranten, auch gegen Polizisten“, sagte der Innenminister. Ihre Ursprünge hat die Gruppierung besonders in Hamburg, wo sie seit 2008 aktiv ist. Darum war das Verbotsverfahren auch maßgeblich von der Hamburger Innenbehörde, also dort vor allem dem Verfassungsschutz und dem Staatsschutz der Polizei, vorbereitet worden.

Auch Buchholz wurde im Zusammenhang mit dem Verbot von WWT, die als „Weisse Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ gegründet wurde, wieder genannt. So berichtete die Springer-Zeitung „Die Welt“, dass der Rädelsführer der Vereinigung, Sebastian R., zwar in Hamburg-Horn wohne, wo er auch am Mittwochmorgen Besuch der Ermittler bekam.

Sebastian R. solle aber „wie mehrere andere Hamburger Neonazis mittlerweile einen Wohnsitz in Buchholz“ haben. Bei Sebastian R. handelt es sich offenbar um Sebastian Rudow, genannt Basti, der zu den Gründungsmitglieder der WWT gehören soll. Im Januar 2010 musste er eine Haftstrafe von 14 Monaten antreten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung.

Bereits im Juli 2013 war Buchholz bundesweit wegen der Weisse Wölfe Terrorcrew in den Schlagzeilen. Damals wurde im Rahmen einer von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe veranlassten Razzia gegen Neonazis in Norddeutschland, der Schweiz und den Niederlanden auch Denny Reitzenstein, Vorturner der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, in seiner Buchholzer Wohnung aufgesucht. Die Ermittlungen gegen Reitzenstein wie auch andere Verdächtige wurden allerdings später eingestellt.

Große Aufmerksamkeit erregte die WWT im Dezember 2011, als sie in Harburg eine Spontandemo organisierte. 35 Neonazis mit Fackeln und weißen Masken, die sich selbst als „Die Unsterblichen“ bezeichneten, zogen durch Eißendorf. Im Anschluss kam es in Hamburg und Niedersachsen zu Hausdurchsuchungen in 17 Wohnungen.

„In Buchholz traf es Tim Müller und Denny Reitzenstein, in Tostedt und Wistedt Phillip Tolksdorf, Fabian Rath, Ricardo Pazola und Andre Bostelmann“, hieß es dazu später in einem Inforeader der Antifa. Die Gruppe zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns aber nun durch die Aktion des Systems nicht einschüchtern und werden unseren Kampf weiterführen“, bloggte sie. Mehr dazu unter diesem Link: https://buchholzblog.wordpress.com/2013/07/18/buchholz-und-die-weisen-wolfe-das-netzwerk-des-denny-reitzenstein/

Auch die Homepage „Blick nach rechts“ (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/terrorcrew-verboten) berichtet aktuell über das Verbot von WWT und dabei auch über Buchholz und Denny Reitzenstein. So heißt es da über die Razzia vom Juli 2013:

„Im Sommer 2013 hatten Polizisten die Wohnungen von einem Mitglied der WWT und einem Neonazi, der ehemals der Gruppe angehörte, in Norddeutschland durchsucht. Hintergrund war ein Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Der Schweizer Neonazi Sebastien N., Hauptverdächtiger in dem Verfahren, unterhält beste Verbindungen zu den WWT-Kameraden im Norden.

Die Bundesanwaltschaft war hellhörig geworden, als innerhalb der Gruppe offenbar ein Anschlag auf eine nicht näher benannte israelische Botschaft diskutiert wurde. Im Oktober 2014 stellten die Behörden das Verfahren ein, da der Terrorverdacht nicht erhärtet werden konnte. (bnr.de berichtete) Einer der damaligen Verdächtigen, der zur WWT gehörte, war der heutige Inhaber des Neonazi-Online-Shops „Streetwear Tostedt“, Denny Reitzenstein aus Buchholz in der Nordheide (Landkreis Harburg).“

Auch wenn Reitzenstein wohl der WWT nicht mehr angehört, ließ er es sich natürlich nicht nehmen, auf dem Twitter-Account seiner AG Nordheide sein Mitgefühl zu bekunden. Dort hießt es heute vormittag: „System lässt wieder die Muskeln spielen! WWT (Weisse Wölfe Terrorcrew) wurde heute verboten. Solidarität mit den betroffenen Kameraden“.

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Screenshot AG NordheideVon Kristian Stemmler

Kommt es in den nächsten Wochen zu Anschlägen auf Einrichtungen für Asylbewerber im Landkreis? Diese Befürchtung ist angesichts neuer Aktivitäten von Neonazis aus Buchholz und der Region nicht aus der Luft gegegriffen. Nach einer längeren Pause hat sich jetzt die rechtsextremistische „Aktions-gemeinschaft (AG) Nordheide“ des Neonazis Denny Reitzenstein zurückgemeldet. Auf ihrer Homepage hat sie zum Jahreswechsel ein Video und Beiträge eingestellt, die Behörden und Bürger alarmieren sollten.

Unter der Überschrift „Willkommen neues Kampfjahr 2014“ zeigt das 2:36 Minuten lange Video, das auch auf YouTube eingestellt worden ist, eine „nationale Aktion in der Silvesternacht in Buchholz in der Nordheide“. Zu sehen sind drei junge Männer – mit Halstüchern vermummt, zwei halten Fackeln in den Händen -, die einmal vor dem Gedenkstein auf dem Marktplatz und dann vor dem Eingang des Rathauses ein Spruchband hoch halten – also an hoch symbolischen Orten, an denen schon gegen die Nazis demonstriert wurde.

Auf dem Spruchband steht: „Überfremdung stoppen! Wir sind kein Sammelbecken fremder Völker!“ Darunter ist die Zeichnung eines Containerdorfes zu sehen, wie es etwa aktuell am Fischbüttenweg errichtet wurde, um Asylbewerber aufzunehmen. Das Video ist mit martialischer Instrumentalmusik untermalt. Unter dem Video steht der Text: „Das Kampfjahr 2013 geht nun zu Ende und damit nimmt ein sehr interessantes Jahr sein Ende! Das Kampfjahr 2014 kann kommen und wir werden dann auch wieder mit einigen Aktionen dabei sein.“

Hinter der Aktion und den Beiträgen auf der Homepage der AG Nordheide dürfte der Buchholzer Neonazi und Ex-Soldat Denny Reitzenstein und/oder sein Umfeld stecken. Zuletzt war Reitzenstein durch eine Razzia der Bundesanwaltschaft im Juli, bei der unter anderem seine Wohnung durchsucht wurde (Näheres zu Reitzenstein und seinem Umfeld unter https://buchholzblog.wordpress.com/2013/07/18/buchholz-und-die-weisen-wolfe-das-netzwerk-des-denny-reitzenstein/), und seine Verurteilung zu einer Geldstrafe wegen Teilnahme an einem Umzug der „Unsterblichen“ in Eißendorf unter Druck geraten.

Auf diese Ereignisse wird auf der Homepage der AG Nordheide explizit Bezug genommen. Dort heißt es: „Die letzten Monate waren zahlreich von Ereignissen geprägt, darum wurde auch erst einmal nichts auf dieser Infoseite veröffentlicht. Denn das System hat versucht alles in Bewegung zu setzen, um uns Mundtod zu bekommen. Seit Juli gab es immer wieder Repressionen gegen AG – Mitglieder in Form von Hausdurchsuchungen. Uns wurden etliche Sachen angehängt, um uns in der Öffentlichkeit als Verbrecher, bis hin zu Terroristen darzustellen. Diese Tatsachen sind aber allesamt aus der Nase gezogen, denn sonst wäre es nicht nur bei einer Hausdurchsuchung geblieben.“

Zur Razzia wegen des Verdachts der Gründung einer terroristischen Vereinigung nach „Werwolf“-Muster“ schreiben die Neonazis: „Dieser Verdacht entpuppte sich immer mehr zu einer reinen Lachnummer, denn es gab keine einzige Verhaftung und es wurden bis heute ,was auch schon in den Medien berichtet wurde, keine klaren Beweise gefunden. Dieser Verdacht wurde nur durch eine einzige Aussage beim Verfassungsschutz ins Leben gerufen und sonst gab es keinerlei Hinweise, dass es so eine Gründung gab.“

Auch zu der Verhandlung gegen Reitzenstein wird Stellung genommen: „Dann kam der Unsterblichen Prozess, wo der Gründer der AG angeklagt war. Diese Verhandlung wurde sehr stark von den Medien begleitet, womit er in seinem Privatleben einiges durch machen musste. … Nach 4 Verhandlungstagen, die von Skandalen bestückt waren, wurde der Kamerad, wie erwartet, in allen Punkten für Schuldig gesprochen. Die ausgesprochene Begründung war ein reiner Witz, denn die Aussagen von Zeugen wurde nach deren Stellenwert in der Öffentlichkeit beurteilt, so waren die Aussagen der Systemknechte glaubwürdig und die Aussagen der beteiligten Aktivisten unglaubwürdig.“

In einem weiteren aktuellen Beitrag befassen sich die Buchholzer Neonazis mit einer Anfrage vom August der Fraktion Bündnis90/Die Grünen und von mir selbst im Stadtrat, die nähere Informationen über die Umtriebe von Neonazis in Buchholz und die Aktivitäten der Stadt gegen diese Umtriebe erbringen sollte. Reitzenstein & Co. schreiben: „Sehr geehrte Gutmenschen von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und sehr geehrter Herr Stemmler, Sie sind vielleicht geschockt das es in der Nordheide Stadt national und Heimat bewusste Personen leben.“

Und weiter: „Ja auch in der schönen Nordheide Stadt Buchholz gibt es Nationalisten und diese wird es auch immer geben.“ Dann wird diverser Blödsinn über angebliche Forderungen der Grünen abgesondert, „um zu zeigen, wie krank eigentlich die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Wirklichkeit ist“. Auch der buchholzblog wird explizit erwähnt: „Herr Stemmler wir verfolgen ihren Blog seit einigen Monaten und müssen feststellen, das ihr Interesse gegen die nationale Bewegung zu hetzen sehr groß ist. Denn Sie berichten ja sehr ausführlich über alles, was angeblich von seitens der Bewegung passiert ist.“

Es kann nicht überraschen, dass sodann die Vorfälle angeführt werden, die im Jahr 2012 zu meinem Ausschluss aus der Partei „Die Linke“ geführt haben und die in aller Ausführlichkeit sowohl hier im blog als auch in der lokalen Presse erörtert worden sind (und über die man sich im Internet natürlich noch informieren kann). Die Faschos schreiben: „Trotz dieser schweren Tat sind sie immer noch im Stadtrat tätig und uns wollen Sie als Verbrecher darstellen. Das Motto wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen, sollten Sie sich mal zu Herzen nehmen.“

Dazu stelle ich fest: Ich habe Neonazis nicht pauschal als Verbrecher bezeichnet, sondern sehe viele von ihnen eher als fehlgeleitet. Ihre Gesinnung halte ich allerdings für verbrecherisch und gefährlich. Was ich getan habe, steht auf einem anderen Blatt. Ich habe mich dafür selbst angezeigt und vor der Öffentlichkeit verantwortet. Ist Euch das nicht deutsch genug..?

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Der 30 Jahre alte Neonazi Denny R. aus Buchholz ist vom Amtsgericht Harburg wegen seiner Teilnahme an einem Umzug der so genannten „Unsterblichen“ im Dezember 2011 in Eißendorf zu 500 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Nach Auffassung des Gerichts hat R. gegen das Vermummungsverbot und das Uniformierungsverbot verstoßen. Das berichtet die Harburger Rundschau, Bezirksausgabe des Hamburger Abendblattes.

Ex-Soldat Denny R. gilt als eine Führungsfigur der rechten Szene in der Region. Im Juli war er bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil im Zuge einer länderübergreifenden Razzia gegen Neonazis, denen die Bildung einer terroristischen Vereinigung nach „Werwolf“-Muster vorgeworfen wurde, auch seine Wohnung in Buchholz durchsucht worden war. R. soll zu der in Hamburg und Umland verankerten Kameradschaft „Weiße Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“(WWT/HNK) gehören oder gehört haben (siehe dazu auch den blog-Beitrag https://buchholzblog.wordpress.com/2013/07/18/buchholz-und-die-weisen-wolfe-das-netzwerk-des-denny-reitzenstein/).

Beim Auftritt der Neonazis am Abend des 17. Dezember 2011 in Eißendorf handelte es sich um eine Inszenierung wie es sie auch in anderen Städten gegeben hat. Die mindestens 20 Teilnehmer waren unter der Bezeichnung „Die Unsterblichen“ mit weißen Masken, in der Szene „Totenmasken“ genannt, und Fackeln aufgetreten. Mit dem Aufzug sollte angeblich gegen das Urteil zum so genannten „20-Cent-Mord“ am Harburger Bahnhof demonstriert werden. Wer die Demo organisiert hat, ist bis heute unklar.

Denny R. wurde verurteilt, weil er nach Auffassung des Gerichts zumindest zeitweise bei dem Umzug eine Maske getragen und damit gegen das Vermummungsverbot verstoßen hatte und weil mit der einheitlichen schwarzen Kleidung gegen das Uniformierungsverbot verstoßen wurde. Der schwarz gekleidete Block von im Gleichschritt marschierenden Demonstranten habe an das klassische Bild von Aufmärschen erinnert, wie sie aus der Geschichte bekannt seien. Das Gericht sah darin, wie die Harburger Rundschau berichtet, eine gewollte Assoziation zu den Aufmärschen der SA.

Der Buchholzer hatte vor Gericht bestritten, er habe während des Aufmarsches eine Maske getragen. Er habe Filmaufnahmen gemacht, da wäre eine Maske eher hinderlich gewesen. Das nahm ihm das Gericht nicht ab. Die Geldstrafe hätte auch höher ausfallen können, das Gericht berücksichtige aber, dass R. von Hartz IV lebt. Er sei, so die Harburger Rundschau, im Garten- und Landschaftsbau tätig gewesen, habe aber seinen Arbeitsplatz verloren, als seine Teilnahme an dem Aufzug in Eißendorf bekannt wurde. Der Neonazi bekundete, er wolle Berufung gegen das Urteil einlegen. (kst)

 

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Buchholz ist derzeit bundesweit in den Medien. Allerdings nicht gerade mit einem erfreulichen Thema. Landauf, landab wurde über die Razzia gegen sechs Neonazis berichtet, die das Terrornetzwerk „Kommado Werwolf“ darstellen sollen und von denen einer, der Obergefreite der Reserve Denny Reitzenstein, wie der blog bereits berichtete, in Buchholz lebt. Vor einer Woche bekam er Besuch von Fahndern, die im Auftrag der Karlsruher Bundesanwaltschaft unterwegs waren.

Jetzt bringt auch Spiegel TV einen Beitrag über die Razzia und die Hintergründe. Auch wenn ich es etwas skurril finde, wenn Reporter bei Neonazis an der Tür klingeln, frei nach dem Motto „Wir wollen mal nach dem Rechten sehen“, ist der Beitrag ganz informativ. Am lustigsten ist die Szene, in der der Schweizer Nazi Sebastien Nussbaumer, dessen Haftzelle bei der Razzia durchsucht wurde, auf Schwyzerdütsch Meinungsfreiheit einfordert.

Hier der Link zum Beitrag:

http://www.spiegel.tv/#/filme/terrornetzwerk-werwolf/

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Von Kristian Stemmler

„Tostedt ist bunt, und auch braun ist eine Farbe.“ Mit diesem Ausspruch, gemünzt auf das Auftreten der Nazis in der Region, sorgte im Juli 2010 der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Uwe Lehne, für Empörung. Seit Jahren versuchen die Polizei und andere Behörden die Aktivitäten und die Gefährlichkeit der Nazis herunterzuspielen. Seit gestern sollte das vorbei sein – dass die Razzia der Bundesanwaltschaft gegen eine mutmaßlich sich bildende rechte Terrorgruppe nach „Werwolf“-Muster auch in Buchholz stattfand, zeigt klar und eindeutig: In Buchholz, Tostedt, Hanstedt und anderen Heideorten sind hochgefährliche Nazi-Kader aktiv!

Bei dem in Buchholz von der Polizei überprüften Nazi handelt es sich um den Ex-Soldaten Denny Reitzenstein (29), eine Führungsfigur der rechten Szene in der Region. Er soll zu der in Hamburg und Umland verankerten Kameradschaft „Weiße Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ (WWT/HNK) gehören oder gehört haben. In einem sehr erhellenden Inforeader unter dem Titel „Den weißen Wölfen Terror machen!“ hat die Antifa viele detaillierte Informationen über diese Kameradschaft und ihr Umfeld zusammengetragen (https://linksunten.indymedia.org/de/node/77633 ). In dem Reader spielt Buchholz eine auffallend gewichtige Rolle – neben Reitzenstein werden noch weitere Kader namentlich genannt, die hier gemeldet sind und zu seinem Netzwerk gehören.

Im Jahr 2008 sei die „Weiße Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ zum erstenmal in Erscheinung getreten, heißt es in dem Reader. „Anfänglich als Fangruppierung der Rechtsrockband Weiße Wölfe und Sauftruppe wahrgenommen, zeichnet sich bis heute eine ernstzunehmende Entwicklung ihrer politischen Aktivitäten ab“, heißt es weiter. Das Aktionszentrum der WWT/HNK umfasse inzwischen die Verbreitung von Neonazi-Propaganda in Form von Texten und selbst gedrehten Videos im Internet und die gemeinschaftliche Teilnahme an Kundgebungen. Und auch die Einschüchterung und gezielte Angriffe auf Menschen, die nicht ihrer Ideologie entsprechen, gehörten zum Programm.

Große Aufmerksamkeit erregte die WWT/HNK im Dezember 2011, als sie in Harburg eine Spontandemo organisierte. 35 Neonazis mit Fackeln und weißen Masken, die sich selbst als „Die Unsterblichen“ bezeichneten, zogen durch Eißendorf. Im Anschluss kam es in Hamburg und Niedersachsen zu Hausdurchsuchungen in 17 Wohnungen. „In Buchholz traf es Tim Müller und Denny Reitzenstein, in Tostedt und Wistedt Phillip Tolksdorf, Fabian Rath, Ricardo Pazola und Andre Bostelmann“, heißt es in dem Inforeader. Die Gruppe zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns aber nun durch die Aktion des Systems nicht einschüchtern und werden unseren Kampf weiterführen“, bloggte sie.

Der „Tag der deutschen Zukunft“, die große Nazi-Demo im Hamburger Osten am 2. Juni 2012 sei für die WWT/HNK ein wichtiger Schritt gewesen, um sich in der Hamburger Nazi-Szene zu etablieren. „So konnten sie Kontakte knüpfen und ihre Bedeutung für die Organisationsstruktur der rechten Szene ausbauen“, schreibt die Antifa. Von da an habe die NPD auch bei anderen Veranstaltungen auf die Struktur der Kameradschaft zurückgegriffen.

„Auch wenn einige Personen als sehr jung erscheinen, sind sie schon länger in der neonazistischen Szene unterwegs und durch ihr gewalttätiges Verhalten aufgefallen“, heißt es in dem Reader weiter. Dann werden Kader der Gruppe vorgestellt, von denen auffallend viele in der Nordheide aktiv sind. Über Reitzenstein heißt es, er sei bis September 2012 für den Blog der WWT/HNK verantwortlich gewesen. In diesem Monat habe er seinen Abschied von der WWT/HNK im Internet erklärt. Aktuell betreue er den Twitter-Account der „Aktionsgemeinschaft Nordheide“ sowie mehrere You-Tube-Accounts der Nazis und flute den Blog der AG Nordheide mit Propagandamüll, oute und bedrohe regelmäßig Angehörige der Antifa.

Bei Reitzenstein in Buchholz gemeldet ist laut Reader Maximilian Früchel. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung, weil er im September 2012 einen jungen Mann beraubt und gejagt hat. In Buchholz und Hamburg-Horn sei ein weiterer Nazi-Kader wohnhaft, Sebastian Rudow, genannt „Basti“. Er gehöre zu den Gründungsmitglieder der WWT/HNK. Im Januar 2010 musste er eine Gefängnisstrafe von 14 Monaten antreten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung. Seit seiner Entlassung sei eine Radikalisierung seiner politischen Ausrichtung und seiner Äußerungen festzustellen. Er soll eine führende Rolle in der Kameradschaft einnehmen.

Als gefährlich müssen offenbar auch Stefan Lüskow, wohnhaft in Drestedt, und Tim Müller aus Buchholz eingeschätzt werden. Lüskow ist Teil der Nachwuchsgruppe der WWT/HNK. Er habe in Buchholz bereits mehrfach versuchte, AntifaschistInnen anzugreifen, heißt es im Reader. Müller halte enge Kontakte zur NPD und habe an diversen Kundgebungen und Infoständen teilgenommen. Auch er sei an Angriffen auf AntifaschistInnen in Buchholz und Umgebung beteiligt. Der Reader nennt noch weitere Personen aus der Region namentlich und spricht von einem Netzwerk um Reitzenstein. Genannt werden noch zwei Personen aus Buchholz und drei Personen aus Hanstedt, von denen zumindest einer in Buchholz arbeitet (vielleicht bedient er Sie ja mal an der Supermarktkasse…).

Spätestens seit der Razzia vom Mittwoch ist klar, dass Buchholz und die Nordheide ein wichtiger Schwerpunkt neonazistischer Aktivitäten sind. Wenn die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe den Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung formuliert, lassen sich die Aktivitäten dieser Leute wohl kaum mehr verharmlosen. Wohin derartige Verharmlosungen führen, zeigt die Diskussion um die NSU in aller Deutlichkeit. Angesichts der aktuellen Razzia liest sich der Inforeader der Antifa geradezu prophetisch: „Viele Nazis sind bundesweit und international vernetzt, die meisten sind gewalttätig und einige bereit zu morden. Das bestehende Netzwerk kann jedem Nazi potenziell als Untergrundstruktur dienen.“ 

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