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Posts Tagged ‘Volker Rathje’

Von Kristian Stemmler

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Jahrelang tat sich nichts auf dem Gelände der ehemaligen Zivildienstschule südlich des Krankenhauses, jetzt gibt es handfeste Planungen für das Gebiet. In der vergangenen Woche wurden die Pläne dem Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung vorgestellt. Die Vertreter des Stadtrates nahmen sie wohlwollend zur Kenntnis – im Gegensatz zu etwa einem Dutzend Anwohnern, die in den Ausschuss gekommen waren. Sie befürchten vor allem mehr Autoverkehr und mehr Lärm.

Die vom Hamburger Planungsbüro Elbberg vorgelegte Rahmenplanung, die in eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans münden soll, umfasst ein Gebiet von insgesamt 6,6 Hektar. Auf diesem Gelände soll der Neubau der Kita „Am Zauberwald“ mit 70 Plätzen, ein neues Senioren- und Pflegeheim mit 120 Plätzen für das sanierungsbedürftige Gebäude an der Steinbeker Straße und sechs Stadtvillen mit 50 Wohneinheiten errichtet werden. Ferner soll für das Krankenhaus ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet werden. Der Wald- und Parkcharakter des Gebiets soll weitgehend erhalten bleiben, neue Wege sollen es zum Stadtwald öffnen.

Der Geschäftsführer des Krankenhauses Buchholz, Norbert Böttcher, begründete vor dem Ausschuss die Notwendigkeit eines Landeplatzes für Hubschrauber. Das Krankenhaus habe technisch in den letzten Jahren aufgerüstet, stelle inzwischen die Notfallversorgung für den gesamten westlichen Landkreis und die stationäre Versorgung von mehr als 150.000 Menschen sicher. Auf Betreiben des Sozialministeriums habe man einen Masterplan für die Weiterentwicklung der Klinik vorgelegt, eine Bedingung für die Weiterentwicklung sei eine Landemöglichkeit für Rettungshubschrauber.

Zwar würden keine Verletzten oder Erkrankten mit dem Hubschrauber nach Buchholz geflogen, aber es komme vor, dass in Notfällen Patienten vom Krankenhaus mit dem Hubschrauber nach Hamburg gebracht werden müssten. Bisher habe es einen Landeplatz bei der Buchholzer Feuerwehr gegeben. Der müsste aber wegen einer Änderung der gesetzlichen Anforderungen für viel Geld technisch angepasst werden. Auch die Krankenhäuser in Winsen, Lüneburg, Rotenburg und Buxtehude hätten Hubschrauberlandeplätze.

Vier Varianten seien geprüft worden, so Böttcher, man habe sich für eine Fläche direkt am Krankenhaus in direkter Nähe zur Internistischen Abteilung und zum OP-Zentrum entschieden. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss erklärte der Geschäftsführer dass ein Landeplatz auf dem Dach des Anbaus am Bettenhaus West nicht in Frage komme. Das Dach müsse für einen Landeplatz erheblich verstärkt werde, aus statischen Gründen sei eine riesige Betonwanne erforderlich. Die Kosten lägen bei mehr als einer Million Euro.

Was die Lärmemissionen durch die Hubschrauberlandungen und -starts angeht, versuchten Böttcher und die Gutachter etwaige Bedenken zu zerstreuen. Böttcher sprach von drei Landungen und Starts im Jahr, der Gutachter vom Hamburger Planungsbüro Argus von maximal 15 Flügen im halben Jahr bis zum Jahr 2023. Bei der Planung sei berücksichtigt worden, dass ein Gebiet, in dem 55 Dezibel (A) am Tag überschritten wird, von Wohnbebauung freizuhalten ist. Landungen und Starts in der Nacht würden die absolute Ausnahme sein, mit einem Spitzenpegel von 75 bis 80 dB (A) sei aber auch diese Belastung hinnehmbar.

Das neue Alten- und Pflegeheim soll unterhalb des Bettenhauses West als langgestrecker Baukörper mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss gebaut werden. Wenn die Bewohner des bisherigen Heimes an der Steinbeker Straße umgezogen sind, soll das alte Gebäude saniert werden. Das Krankenhaus hat Interesse daran, dass dort kliniknahe Nutzungen einziehen. So gibt es bereits Anfragen von Arztpraxen, die gern ihren Sitz an das Krankenhaus verlegen sollen. Auch könnten in dem Gebäude ambulante geriatrische Leistungen erbracht werden.

Neben dem neuen Heim ist der Neubau der Kita „Am Zauberwald“ geplant. Das Gebäude der vom Krankenhaus im Auftrag der Stadt betriebenen Kita wurde 1972 für etwa 30 Kinder gebaut, heute beherbergt es 70 Kinder. Das Haus ist zu klein, das Heizungssystem ist ineffizient, in zwei Gruppenräumen kommt es zu Schimmelbefall, es zieht durch die Fenster. Für das Krankenhaus ist die Kita wichtig, weil die Mitarbeiter dort ihre Kinder unterbringen können. So gibt es die Möglichkeit, die Kinder ab Beginn der Frühschicht um sechs Uhr betreuen zu lassen.

Die Erschließung des Geländes soll über die Hermann-Stöhr-Straße von Norden her erfolgen. Volker Rathje vom Hamburger Planungsbüro Elbberg sprach von 600 bis 650 Fahrten am Tag, die aus der Neunutzung des Geländes zu erwarten seien, das sei ein Plus von sechs bis sieben Prozent zum derzeitigen Verkehrsaufkommen auf der Steinbeker Straße. Rathje bezeichnete dieses Mehr an Verkehr als „befriedigend“ und „gut abwickelbar“, was von Anwohnerinnen auf den Zuhörerplätzen mit vernehmbarem Murren quittiert wurde.

Eine Besonderheit des Geländes, so erklärte Rathje dem Ausschuss, sei die Topographie. Es fällt von etwa 78 Meter über Normalnull an der Steinbecker Straße über 70 Meter über Normalnull an der Zufahrt zur Zivildienstschule nach Westen bis auf etwa 60 Meter über Normalnull ab. Durch das „Auffädeln“ der Wohnbebauung entlang der Höhenlinien soll neben den privaten Gartenflächen eine öffentlich zugängliche Grünfläche zwischen den Hausgruppen entstehen. Diese Fläche soll als waldartig bepflanzte Parkanlage realisiert werden.

Die Eingriffe in den bestehenden Wald sollten minimiert werden, betonte Rathje. Für den Hubschrauberlandeplatz müsse aber eine Fläche von rund 8000 Quadratmetern gerodet werden, auch für das Heim und die Kita seien Eingriffe in den Waldbestand unvermeidbar. Insgesamt wird von einer zu rodenden Waldfläche von 1,4 Hektar ausgegangen, für diese Rodung wird es eine Ersatzaufforstung geben.

Die Ausschussmitglieder nahmen den Vortrag der Planer wohlwollend zur Kenntnis und lobten die gute Vorarbeit. Alle Fraktionen wiesen aber darauf hin, dass sie noch Zeit bräuchten, um sich eingehender mit dem Vorhaben zu befassen. Darum wurde der Beschlussvorschlag für den Verwaltungsausschuss leicht abgeändert. Um ein Signal für die weiteren Planungen zu geben, nahm der Ausschuss die Rahmenplanung „positiv zur Kenntnis“.

Was die Bedenken und den zu erwartenden Protest der Anwohner vom Hopfenberg angeht, so ist es sicher verständlich, wenn man angesichts eines solchen Bauvorhabens Fragen hat. Aber sowohl der Umfang des Kfz-Verkehrs durch die Neunutzung als auch der Lärm durch die (seltenen) Hubschrauberflüge erscheinen doch nicht so gravierend. Und wenn man in einer Stadt wohnt, muss man halt mit gewissen Belästigungen rechnen.

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