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Posts Tagged ‘Vatertag’

Winsen/Buchholz (kst/ots) – Volksfeste gingen auch in früheren Zeiten nicht immer ganz friedlich vonstatten. Da gab es hier und da mal eine Schlägerei und es wurde natürlich auch gern über den Durst getrunken. Aber was sich heutzutage bei Volksfesten an hemmungslosen Saufereien und brutalster Gewalt, an Vandalismus und Randale, an Raubüberfällen und Diebstählen ereignet, das ist mehr als erschreckend.

Die Polizei muss hier ausbaden, was gesellschaftlich falsch läuft – den besinnungslosen Hedonismus dieser Gesellschaft, die Anything-goes-Ideologie eines entfesselten Kapitalismus, der die Selbstverwirklichung an die erste und Rücksicht auf andere an die letzte Stelle setzt!

Die Polizeiinspektion Harburg hat jetzt eine Bilanz des Stadtfestes in Winsen/Luhe vorgelegt, die einen gruseln lässt. Mehr als 50 Einsätze absolvierten Beamte des Polizeikommissariats Winsen an den fünf Festtagen. Die traurigen Höhepunkte:

  • An Christi Himmelfahrt wurde ein 17-Jährer mit 3,2 Promille (!) nach Streitigkeiten auf dem Schloßplatz quer durch Winsen verfolgt und anschließend Opfer einer gefährlichen Körperverletzung, bei der er mehrfach geschlagen und am Boden liegend mehrfach getreten wurde. Das Opfer erlitt der dabei Wirbelbrüche und wurde stationär im Winsener Krankehaus aufgenommen.
  • In neun Fällen wurden Stadtfestbesucher bestohlen, während sie tanzten oder den Musikdarbietungen zusahen, zumeist fehlten die Smartphones und Geldbörsen. Nachdem die Polizei zwei Täter gestellt hat, hörten die Diebstähle prompt auf.
  • Ein 18 Jahre alter Winsener wurde von einem 17Jährigen vom Stadtfestgelände ins Dunkle gelockt. Dort schlug der Täter mehrfach auf sein Opfer ein, drohte ihm, ihn abzustechen, wenn er nicht seine Taschen ausleere. Der Täter entkam mit dem iPhone des Opfers und Zigaretten.
  • Die Polizei musste mehrfach Streitigkeiten schlichten, zwei Randalierer landeten in der Gewahrsamszelle der Polizei.
  • Auf dem Schloßplatz wurde ein 16 Jahre altes Mädchen aufgegriffen, das sich aufgrund seiner starken Alkoholisierung mehrfach übergeben musste. Es wurde den Eltern zugeführt.
  • Ebenfalls in die Obhut seiner Eltern wurde ein 16Jähriger übergeben, nachdem dieser mit 1,78 Promille ins Stolpern geraten und in einen Zaun gestürzt war.

Schwerpunkt der Negativereignisse am Himmelfahrtstag war neben der Innenstadt Winsen der Bereich Grevelau, wo folgende Einsätze zu verzeichnen waren:

  • Eine Gruppe auf Vatertagstour war gerade dabei, einen defekten Kühlschrank in der Natur zu entsorgen, als sie von einer Polizeistreife
    angetroffen wurde. Leider war der Hauptverursacher aufgrund seines Alkoholisierungsgrades nicht mehr in der Lage, die Teile selbst einzusammeln, und stürzte mehrfach.
  • Einem „Vatertagstourer“ wurde in das Gesicht getreten.
  • Einer Polizeibeamtin wurde Blut in das Auge gespuckt.
  • Ein Vatertagstourer meinte gegen einen Funkstreifenwagen urinieren zu müssen.
  • In allen Fällen leitete die Polizei Strafverfahren ein. Die bespuckte Polizeibeamtin begab sich in das Winsener Krankenhaus, ließ sich dort u. a. eine Blutprobe entnehmen, um die Infektion mit einer ansteckenden Krankheit ausschließen zu können. Aus gleichem Grund wurde auch dem Täter eine Blutprobe entnommen.
  • Ein 21 Jahre alter Steller sprang einem vorbeifahrenden Pkw auf die Motorhaube. Als der Pkw abgebremst wurde, rutschte der Mann von der Motorhaube und der Pkw rollte über sein Bein. Der Mann erlitt leichte Verletzungen und kam mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus.
  • In mehreren Fällen wurde durch das Einschreiten der Bundespolizei wie auch der Winsener Polizei ein Betreten der Bahngleise (Hauptfahrstrecke Hamburg-Hannover) durch alkoholisierte Jugendliche verhindert.

Das Fazit des Einsatzleiters Michael Zidorn: „Das Einsatzgeschehen ist für uns leider nichts Besonderes bzw. entspricht dem der Vorjahre. Erneut hat sich gezeigt, dass eine Vielzahl von stark alkoholisierten Jugendlichen am Ende ihrer Vatertagstour das Stadtfest aufsuchen und dort für unschöne Bilder und Polizeieinsätze sorgen.“ Deswegen auch spricht sich der langjährige Leiter des Einsatz- und Streifendienstes in Winsen/Luhe für eine terminliche Trennung von Stadtfest und Christi Himmelfahrt aus.

Wenn man sich die Liste der Ereignisse ansieht, kann man ihm nur zustimmen.

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Von Kristian Stemmler

In unser feierwütigen Zeit wird jede Gelegenheit wahrgenommen, um einen drauf zu machen. Da kommt der morgige Donnerstag, Christi Himmelfahrt oder auch Vatertag, gerade recht. Bekanntlich wird dieser Tag vor allem von Jugendlichen, aber auch jungen Erwachsenen vor allem dazu genutzt, sich die Birne zuzuknallen. Mit Bollerwagen zieht man durch die Gegend, haut sich ein Bier nach dem anderen rein, grölt rum und belästigt gern auch mal andere Leute.

Für die Polizei ist der Tag darum ein Hauptkampftag. Die Polizeiinspektion Harburg drückt das in einer Pressemitteilung so aus: „Erfahrungsgemäß nehmen auch zahlreiche Jugendliche den Feiertag zum Anlass, sich zu treffen und Spaß zu haben. Üblicherweise werden dabei alle Arten alkoholischer Getränke mitgeführt und verzehrt. Aufgrund dessen muss die Polizei mit zunehmender Tageszeit leider vermehrt einschreiten, um alkoholbedingte Streitigkeiten zu schlichten oder sich um hilfsbedürftige Personen zu kümmern.“

Gerade die Jugendlichen seien sich oft über die Gefahren eines exzessiven Alkoholkonsums nicht im Klaren. Im schlimmsten Falle führe das zu einer Alkoholvergiftung und einem Klinikaufenthalt. Auch wenn es vermutlich wenig nützt, appelliert die Polizei: „Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Gefahren eines exzessiven Alkoholkonsums! Besprechen Sie mit Ihrem Kind Möglichkeiten, Konsumangebote abzulehnen! Kaufen Sie Minderjährigen keinen Alkohol! Seien Sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und trinken Sie Alkohol nur in Maßen!“

So lange es in unserer Gesellschaft als erstrebenswert gilt, einen loszumachen, von Event zu Event zu hüpfen, sich zu amüsieren und „sich selbst zu verwirklichen“, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen – so lange können solche Appelle wenig bewirken, so lange kann die Polizei nur das Schlimmste verhüten. Und die Jugendlichen machen im Grunde nur das nach, was ihnen viele Erwachsene vorleben.

Dass der Vatertag für viele ein Persilschein ist, sich kräftig daneben zu benehmen, kann man auch jedes Jahr am Brunsberg feststellen. Der sieht nämlich am Ende dieses Tages immer aus wie eine Müllkippe. Der Brunsberg ist seit Jahren ein bevorzugtes Ziel an Himmelfahrt, und die meisten Besucher hinterlassen ihren Müll einfach in der Natur – und das obwohl der Brunsberg in einem streng geschützten Naturschutzgebiet liegt.

Auch der Landkreis sieht sich darum genötigt vor dem Vatertag einen Appell zu veröffentlichen. „Genießen Sie die schöne Natur am Brunsberg, aber entsorgen Sie Ihre Abfälle nicht einfach in der Landschaft“, wird Kreisrat Björn Hoppenstedt zitiert. Der Landkreis und die Stadt Buchholz werden zum Vatertag extra Mülltonnen am Brunsberg aufstellen. Der noch amtierende Bürgermeister der Stadt, Wilfried Geiger, appelliert: „Und Ihr Leergut nehmen Sie bitte wieder mit nach Hause, das hat in der freien Natur wirklich nichts zu suchen.“ Die Beseitigung der Vatertagsreste kostet den Steuerzahler Jahr für Jahr ein paar Tausend Euro.

Der Liedermacher Wenzel hat in einem wunderbaren Text den ganzen Wahnsinn des Vatertags eingefangen:

Wer nicht mehr kann, der zählt schon fast als Leiche,

S´ist Herrentag! Die Glatzen zeigen Seele.
Es klatschen Patrioten in die grünen Teiche
Gefüllt mit Volkslied, Schlamm und Schlick die Kehle.

Dann schäumt das Bier aus dicken, wunden Pfoten.
Die Zoten dröhnen, jeder Schuß ein Treffer.
Steh ihnen bei, mein Gott, den Schwarzen, Gelben, Roten,
Und laß sie bleiben, wo er wächst, der Pfeffer.

Dann klingen Glocken und die Straßen wanken.
Jetzt aber Schluß mit den bescheidenen Dekaden.
Wir sind zu Hause! Grölen betrunken die Gedanken.
Geschecktes Kampfhundsvolk verbeißt sich in den Waden.

Auf Pferdewagen häufen sich die Leiber.
Die Gäule, irr von Flieder, sieht man sich verneinen.
Tief in der Nacht noch stehen frierend Weiber
Vor Krankenhäusern, wo sie sittsam weinen.

Als wäre Krieg. Die Männer an den Fronten.
So hart die Witwentrauer! Wie ein Pimmel hart.
Vertan die Küsse, die sie heut nicht küssen konnten.
S´ist Herrentag, der Tag der Himmelfahrt.

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