Mit ‘Uwe Schulze’ getaggte Beiträge

IMG_3281Buchholz (us/kst) – Mit einer Lichterprozession von der Pauluskirche zur Flüchtlingsunterkunft am Fischbüttenweg haben am Montagabend hunderte Buchholzer gleichzeitig für Presse- und Meinungsfreiheit und gegen Islamhass und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Unter den Demonstranten waren auch der neue Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und seine Familie sowie sein Stellvertreter Frank Piwecki (SPD), ebenfalls mit Familie.

Nach dem Anschlag von Paris hatten die Ortsgruppen von Greenpeace und Amnesty International sowie die Friedensgruppe Nordheide spontan zu der Veranstaltung eingeladen, um ein Zeichen zu setzen. Herbert Maliers von Greenpeace verurteilte den Terror in Paris und anderswo, grenzte sich aber klar von den Leuten ab, die jetzt versuchen Kapital aus der Terrorangst zu schlagen.

Nach einer Schweigeminute zog die Menschenmenge die Kirchenstraße entlang über die Canteleubrücke und den Langen Sal entlang bis zur Unterkunft am Fischbüttenweg. Unter den Teilnehmern waren auch noch Dibbersens Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (SPD), der grüne Fraktionschef im Rat, Joachim Zinnecker, der grüne Ratsherr Frerk Meyer, Peter Eckhoff und Andreas Ziesemer von der Buchholzer Liste und Ute Schui-Eberhardt vom Bündnis für Flüchtlinge.

Uwe Schulze, Kandidat bei der Bürgermeistd  2014, und Bärbel tauschten sich noch bei Kaffee und Tee mit Bewohnern der Unterkunft aus. „Wir haben dort interessante Gespräche über die Ängste und Sorgen der Flüchtlinge geführt. Wir waren sehr willkommen“, sagte Schulze, „diese Menschen brauchen nach wie vor unsere Unterstützung.“

Von Kristian Stemmler

Manchen scheint es nicht zu reichen, dass der Kapitalismus und der Konsumismus auf der ganzen Linie gesiegt haben, und alternative Ansätze sich weithin in der Defensive befinden. In ihrem wahnhaften Streben, auch noch den letzten Rest von Glauben an eine menschlichere Zukunft aus dieser Gesellschaft zu tilgen, schnüffeln sie allen hinterher, die diesen Glauben noch nicht ganz aufgegeben haben – die sie also für irgendwie links halten.

Diese Beschreibung dürfte recht gut auf die Verfasser einer 40-seitigen Kampfschrift aus dem Dunstkreis der Alternative für Deutschland zutreffen, die derzeit für Wirbel im Landkreis Harburg sorgt. „Stadt Buchholz i. d. N. paktiert mit Luxemburg-Liebknecht-Demo-Unterstützern“ steht darüber, thematisch geht es vor allem um die Antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh in Holm-Seppensen und als Verfasser zeichnen „Anonyme FDGO-Verteidiger Buchholz i. d. N.“. Wie man leicht erkennen kann, also ein recht skurriler, wenn nicht grotesker Vorgang!

Allerdings finden nicht alle das Pamphlet zum Lachen, denn auf den 40 Seiten werden jede Mengen von Personen namentlich genannt und teilweise heftig verleumdet. Der für und in Heideruh engagierte, in Berlin lehrende und in Buchholz wohnende Professor Oliver Rump, der die Geschichte der Begegnungsstätte erforscht, hat nach einem Bericht des Nordheide Wochenblattes jedenfalls Anzeige wegen Verleumdung und Bedrohung gegen die anonymen Verfasser erstattet.

Rump angeschlossen hat sich in dieser Woche der Buchholzer Betriebsrat Uwe Schulze, der bei der zurückliegenden Bürgermeisterwahl kandidiert hat. Auch er wird in der Kampfschrift diffamiert und hat darum bei der Buchholzer Polizei Anzeige wegen Verleumdung/übler Nachrede gestellt. Die Polizei wird auch wegen eines Verstoßes gegen das Niedersächsische Pressegesetz ermitteln, das für derartige Schriften ein Impressum vorschreibt.

„Da ich vor habe, mich für ein politisches Amt aufstellen zu lassen, wird mir diese Dokumentation im Wege stehen, gerade weil sie Unwahrheiten über mich aufzeigt“, sagte Schulze dem buchholz express. „Ich sehe durch die Hetzschrift meine Persönlichkeitsrechte verletzt und empfinde das Ganze als einen Eingriff in einen höchstpersönlichen Lebensbereich.“

Oliver Rump sagte dem Wochenblatt, er sei nicht gewillt, den Angriff auf seine Integrität als Privatperson und Professor hinzunehmen. „In der Broschüre wird unter dem Deckmantel einer wissenschaftlichen Arbeit mit Unterstellungen und Verleumdungen gearbeitet“, wird er zitiert. Rump wird in der AfD-Schrift unter anderem als „dunkelroter Professor“ beschrieben, der möglicherweise sogar als faktischer „intellektueller Kopf“ der Buchholzer Linksextremisten-Szene zu sehen sei.

Schon diese Formulierung belegt die Paranoia der „anonymen FDGO-Verteidiger“. Man kann ihnen einen gewissen Fleiß sicher nicht absprechen, die Hetzschrift ist gespickt mit Namen von Personen, Organisationen und Bands, sie zieht offenbar alles heran, was vor allem über das Internet recherchiert werden konnte. Nur sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden, in der Regel falsch und überzogen. Heideruh ist zweifellos links und auch ein Treffpunkt vor allem für Linke, aber die AfD ist hundertmal mehr eine Bedrohung für die FDGO!

Auch die Einleitung der Broschüre spricht für sich, nicht nur weil sie äußerst geschraubt daher kommt und dem Ganzen offenbar eine Art akademischen Anstrich geben soll. Es lohnt sich, den ganzen, einen langen Absatz umfassenden Satz zu lesen – also, auf geht’s:

„Als aufmerksamer dem äquidistanten Antitotalitarismus der alten Bundesrepublik verpflichteter interessierter Bobachter des politischen Zeitgeschehens frage ich mich inzwischen ständig, wie es sein kann, dass einem zunehmend öffentlich raumgreifenden und immer dreister und aggressiver auftretenden Linksextremismus, der im Namen seiner kommunistischen oder anarchistischen Ziele eindeutig auf die faktische Außerkraftsetzung der im GG niedergelegten freiheitlich-demokratischen Grundordnung hinarbeitet und bereits jetzt andersdenkende Menschen sowie Angehörige der staatlichen Sicherheitsorgane zu Zielen von Hass, Einschüchterung und körperlicher Gewalt macht, ein zunehmender passiver, nötiges Handeln unterlassender Staat gegenübersteht, der gegen linksextremistische Bestrebungen und Straftaten nicht mehr wirklich ernsthaft vorgeht und der im Vergleich mit dem Zeitalter der wirklich wehrhaften Demokratie der alten Bundesrepublik mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst ist.“

Wie kann man soviel Blödsinn und soviel braune Scheiße in einem einzigen Satz unterbringen! Wer so etwas schreibt, gehört amtsärztlich untersucht oder am besten gleich mit einer Depotspritze Haldol versorgt. Zweifellos kommt es immer wieder auch zu Gewalt gegen Sachen oder Personen von linker Seite, zum Beispiel bei Demos – aber darin allen Ernstes eine Gefahr für diesen Staat zu sehen, da muss man schon weit im Delirium sein.

Wenn irgendetwas diesen Staat und diese FDGO gefährdet, werte selbsternannte Verteidiger derselben, dann ist es vor allem die fortschreitende soziale Erosion. Dann ist es die galoppierende Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, die Verblödung der Massen durch RTL 2 und Shoppingsonntage, die zunehmende Macht von Industrie und Banken, die Aushöhlung der Demokratie. In den paar Leuten, die es noch nicht aufgegeben haben, sich links zu engagieren, eine Gefahr zu sehen – lächerlich!

In Heideruh habe ich eine Menge junge und ältere Leute getroffen, die sich Gedanken machen über unsere Gesellschaft. Die sich nicht damit abfinden wollen, dass Hundertausende und Millionen in diesem Land in Abhängigkeit gehalten und unterdrückt werden, die oft verzweifeln an der antrainierten Gleichgültigkeit der Massen und die jeder auf seine und ihre Art versuchen, sich nicht abstumpfen und verblöden zu lassen.

Die AfD-Hetzschrift wirft munter mit Namen und Vermutungen um sich und versucht so den Eindruck zu erwecken, hier sei so etwas wie eine linke Verschwörung am Werk. Antifa, DKP, VVN-BdA, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Die LINKE etc. pp., da könnte der Leser schnell denken: Meine Güte, da muss es ja zugehen wie in einem (linken) Bienenstock! Dass es sich bei vielen dieser Organisationen, zumindest auf lokaler Ebene, um höchstens eine Handvoll Aktive handelt und es teilweise auch noch personelle Überschneidungen gibt, wird nicht erwähnt.

Besonders lächerlich wird es, wenn die Hetzschrift von einer „sich dynamisch entwicklenden linksextremen Buchholzer Jugend-Band-Szene“ fabuliert, nur weil einige Mitglieder hier aktiver Bands offenbar der Antifa nahe stehen, und das hiesige JUZ als Hort dieser Szene diffamiert wird. Mehr als grotesk ist in diesem Zusammenhang der Abdruck des Fotos eines Konfirmandenjahrgangs der Martin-Luther-Gemeinde Holm-Seppensen. Drei oder vier aus diesem Jahrgang seien Mitglied einer „Antifa-Band“ und die Frau von Prof. Rump sei in der Gemeinde doch mal im Kirchenvorstand gewesen… Paranoider geht’s nimmer!

Es führt zu weit, sich mit weiteren Details der Hetzschrift zu befassen, obwohl es sicher teilweise recht lustig ist. Herzlich gelacht habe ich jedenfalls über den aktuellen Anhang, in dem auch meine Person aufgeführt ist. Dabei habe ich einiges Neues über mich erfahren…

So ist in einer Zwischenüberschrift die Rede vom „Triumvirat Uwe Schulze/Kristian Stemmler/Olaf Blohm – eine besondere politische Männerfreundschaft“. Nun kenne ich sowohl Uwe als auch Olaf, den Stadtjugendpfleger von Buchholz, ganz gut und politisch sind wir in vielen (sicher nicht allen) Fragen vielleicht auch politisch nicht so weit voneinander entfernt. Aber daraus gleich ein Triumvirat und eine politische Männerfreundschaft zu machen, das ist denn doch ein wenig dicke.

Was die Angaben zu meiner Person angeht, sind die ansonsten erstaunlich sachlich, allerdings mit einigen Ausnahmen. Mir zum Beispiel zu unterstellen, ich würde gegen das Wochenblatt „giften“, nachdem ich mich mehrfach erfolglos dort beworben hatte, ist absurd. Richtig ist, dass ich mich beim Quasi-Landkreis-Monopolisten vor einigen Jahren um eine Tätigkeit als Redakteur beworben habe und davor schon einmal – aber meine Kritik an der Zeitung hat herzlich wenig damit zu tun, dass die Bewerbungen erfolglos blieben.

Aber ein Rechter kann sich natürlich nicht vorstellen, dass man etwas aus Idealismus macht oder weil einem die politischen Ziele und das Engagement für eine bessere Welt so gut wie über alles gehen. Darum ist den Rechten linkes Denken auch so fremd.

Völlig neu ist mir übrigens auch, dass ich versuchen würde, mich nach meinem Ausschluss aus der Partei DIE LINKE als der „bessere, radikalere Extremist“ darzustellen, „um mich so in der örtlichen Linksextremistenszene zu rehabilitieren“. Selten so einen Nonsens vernommen!

Für die Verfasser der Hetzschrift ist offenbar schwer zu glauben, dass jemand einfach seinen politischen Vorstellungen treu geblieben ist und nicht daran denkt sich anzupassen. Von irgendwelchen Rehabilitationsbemühungen kann übrigens auch nicht die Rede sein, es gibt von beiden Seiten keine Kontakte und keine Kontaktbemühungen. Da gibt es nicht hineinzudeuten!

Erfreulich an dem ganzen Vorgang ist eigentlich nur, dass der AfD-Kreisverband sich gehörig demaskiert hat und sich auch das Nordheide Wochenblatt genötigt sah, Heideruh klar in Schutz zu nehmen. Wobei ich befürchte, dass dies dem Erfolg der AfD auch im Kreis auf lange Sicht keinen Abbruch tun wird. Die Gründung eines Buchholzer Ortsvereins wurde ja bereits angedroht.

Von Kristian Stemmler

Dass in diesem Land die sozialen Gegensätze größer werden, lässt sich wohl kaum übersehen. Für das Nordheide Wochenblatt ist das kein Grund, sich mit Kritik an der gesellschaftlichen Ungleichheit auseinander zu setzen. Man hält zu seinen Anzeigenkunden, zu den Geschäftsleuten, der Wirtschaft, den Besitzenden – und macht im Gegenzug Kritiker der bestehenden Verhältnisse nieder.

Der Beitrag über das Weiße und das Schwarze Dinner im Rathauspark in der Ausgabe vom Mittwoch ist da ein typisches Beispiel. Den Organisatoren des Weißen Dinners, denen das Wochenblatt näher steht, lobhudelt die Kollegin Katja Bendig im PR-Sprech, der in dieser Redaktion verbreitet ist. „Bei schönstem Sommerwetter“ habe man sich getroffen, „unter großen Bäumen gegessen und geplaudert“ und „zum stimmungsvollen Abschluss zündeten alle Gäste Wunderkerzen an und sangen gemeinsam“. Da geht einem doch das Herz auf, nicht wahr!

Die Organisatoren des Schwarzen Dinners werden dagegen mit Häme überzogen. „Ein versprengtes Grüppchen“ nennt die Kollegin die Teilnehmer, sie hätten vor allem „Spaß an Pöbelrufen“ gehabt und: „Ihre Hinterlassenschaften: ein Haufen leerer Bierdosen und ein Einkaufswagen samt Gartenstuhl“. So was nennt man Gossenjournalismus!

Organisator Uwe Schulze, Ex-Bürgermeisterkandidat, hat bereits eine Gegendarstellung ans Wochenblatt gerichtet. Darin weist er darauf hin, dass der Platz des Schwarzen Dinners sauber gewesen sei, als er die Veranstaltung kurz nach acht aufgelöst habe. Es ist davon auszugehen, dass die Kollegin um die Uhrzeit gar nicht mehr vor Ort war, sondern sich auf die Angaben des Organisators des Weißen Dinners, mit dem sie vermutlich hinterher telefoniert hat, verlassen hat.

Was die „Pöbelrufe“ angeht: Wie der buchholz express bereits berichtete, hat einer der Teilnehmer des Schwarzen Dinners in der Tat einige Male etwas zu den Teilnehmern des Weißen Dinners hinübergerufen. Dass die das weder akustisch noch inhaltlich verstehen konnten, davon kann man ausgehen. Aber es war eine Form des Protestes und hat zum Ausdruck gebracht, dass man die Teilnehmer des Weißen Dinners nicht ungestört schlemmen lassen wollte.

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Von Kristian Stemmler

Die türkische Familie staunt nicht schlecht. Aus Richtung Rathaus kommen sie in den Rathauspark und sehen als erstes eine Menge ganz in weiß gekleidete Menschen beim Essen und Trinken und als zweites, weiter hinten am Spielplatz, eine Gruppe ganz in schwarz gekleidete Leute mit Bierflaschen oder einem Pappteller Kartoffelsalat in der Hand. „Die spinnen, die Deutschen!“, dürften die türkischen Passanten in diesem Moment gedacht haben.

In Buchholz kam es am Sonnabendabend wieder zu einem deutschlandweit einmaligen Duell: Weißes Dinner gegen Schwarzes Dinner. Zum zweiten Mal hatten der Diplom-Controller Stephan Jockel und seine Frau Claudia ein Weißes Dinner organisiert, eine aus Frankreich eingeschleppte Unsitte, bei der sich Menschen ganz in Weiß an einem vereinbarten Ort zum Picknick treffen. Und ebenso zum zweiten Mal hatte Uwe Schulze, Betriebsrat, Blogger (gegengift.eu) und Ex-Bürgermeisterkandidat, zum Schwarzen Dinner eingeladen, als Gegenveranstaltung und Protest.

Schulze war hocherfreut über den wachsenden Zuspruch. Während beim Weißen Dinner erheblich weniger Teilnehmer zu verzeichnen sind, nämlich nur noch etwa 60 statt der 100 im Vorjahr, hat sich die Teilnehmerzahl des Schwarzen Dinners verdreifacht, von vier auf 15, darunter erfreulicherweise junge Aktivisten. „Wenn wir so weitermachen haben wir das Weiße Dinner in zwei Jahren überholt“, scherzt Schulze.

Aber auch wenn sein Protest nach einer kabarettistischen Spontiaktion aussieht, es ist ihm ernst damit. „Wir empfinden dieses Weiße Dinner als ein dekadentes Event, als rücksichtsloses Verhalten gegenüber sozialen Minderheiten“, sagt er. Gerade der Rathauspark sei ein Ort für die Allgemeinheit, in dem sich auch Hartz-IV-Empfänger und Obdachlose aufhalten dürfen. Da sei es völlig deplatziert, wenn sich Besserverdienende breit machen und Luxus zelebrieren.

Natürlich weisen die Veranstalter und Teilnehmer von Weißen Dinnern gern darauf hin, dass die Veranstaltungen für alle offen sind und die Teilnehmer keineswegs alle steinreich seien. Das hat auch keiner behauptet. Aber es ist offensichtlich, dass die Teilnehmer vom Habitus und Auftreten her alle der Mittel- und Oberschicht zuzuordnen sind, im Endeffekt bleibt man unter sich. Und das Weiß wirkt nun mal edel und ausgrenzend.

Auf welcher Seite es an diesem Abend ausgelassener und ungezwungener zugeht, ist jedenfalls klar. Während die Menschen in Weiß gesittet an ihren Tischen sitzen, Sekt schlürfen und Konversation machen, tobt beim Schwarzen Dinner das Leben. Die Teilnehmer haben sich auf Decken oder auf dem Rasen niedergelassen, trinken Astra oder Apfelschorle, lassen sich Billigwürstchen vom Lidl und Kartoffelsalat schmecken, es wird gescherzt und gelacht.

Für besondere Stimmung sorgt das enfant terrible der Gruppe. Der temperamentvolle Karim, der ein T-Shirt mit der heute besonders beziehungsreichen Aufschrift „Good night white pride“ trägt, legt sich gern mit den „Weißen“ an. „Smash capitalism!“, grölt er in deren Richtung oder „Aufruhr, Widerstand! Es gibt kein ruhiges Hinterland!“ Als die Teilnehmer des Weißen Dinners mit weißen Taschentüchern winken, winkt er mit einem schwarzen Tuch zurück und freut sich: „Die winken mir ja zu!“

Das dürfte aber unwahrscheinlich sein, denn die weiß gekleideten Herrschaften meiden ganz offensichtlich alle Außenkontakte. Das kann man durchaus als symptomatisch verstehen, denn auch gesamtgesellschaftlich wird das Bürgertum ja angesichts zunehmender sozialer Erosion immer autistischer, schottet sich vor allem nach unten ab. Bloß nicht zuviel Kontakt zu den Habenichtsen, nachher ist das noch ansteckend und man landet bald selbst beim Jobcenter!

Genau diese gesellschaftlichen Hintergründe sind es auf die Uwe Schulze mit dem Schwarzen Dinner hinweisen will. „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt er. An diesem Abend ist ihm das gelungen. Kurz nach acht Uhr beendet er das Schwarze Dinner, die Weißen können also noch ein bisschen ungestört weiter dinieren. „Aber im nächsten Jahr sind wir wieder da“, verspricht Schulze.

 

„Eine Seuche unserer durchgeknallten Eventgesellschaft hat jetzt auch den Landkreis Harburg erreicht: das Weiße Dinner oder Dîner en blanc.“ – So begann vor etwa einem Jahr einen Beitrag, in dem auf eine neue Veranstaltung im Rathauspark hingewiesen wurde. Der Unternehmensberater Stephan Jockel organisierte das erste Weiße Dinner in Buchholz, eine aus Frankreich eingeschleppte Veranstaltung, bei der sich Menschen ganz in Weiß zum Picknick treffen.

„Eine nutzlose Demonstration der Dekadenz“, schrieb der buchholz express, damals noch buchholzblog, aus diesem Anlass und lud zusammen mit dem späteren Bürgermeisterkandidaten Uwe Schulz zu einer Gegenveranstaltung: dem Schwarzen Dinner, bei dem man schwarz gekleidet ist und nur Billigfood von Aldi & Co. zu sich nimmt.

Am 19. Juli findet nun das zweite Weiße Dinner im Rathauspark statt – und damit auch das zweite Schwarze Dinner (Beginn in beiden Fällen 17.30 Uhr). Aus diesem Anlass wiederholen wir hier einen Bericht, der vor einem Jahr auf der Homepage von Uwe Schulze, gegengift.eu, erschienen ist:

 

Das dekadente Protz-Event, zu dem der Unternehmensberater Stephan Jockel und seine Frau Claudia aufgerufen haben, stößt nicht nur uns sauer auf. Der Rathauspark, in dem dieses Event stattgefunden hat, wird oft von Menschen in Buchholz genutzt, die viele als Migranten, Asylanten, Sozialhilfeempfänger, Hartz IV-Empfänger oder Penner bezeichnen. Das man diesen sozialen Minderheiten, wenn es denn noch Minderheiten sind, gegenüber seinen Reichtum so heftig präsentiert und sie damit weiter an den Rand einer Gesellschaft drückt, ist für uns der Anlass gewesen diese kleine aber wirkungsvolle Aktion durchzuführen.

Was aber verbinden wir eigentlich mit der Farbe Weiß? Physikalisch ist Weiß die Summe aller Farben. Weiß hat keinen negativen Zusammenhang, so ist sie die vollkommenste Farbe. Weiß symbolisiert: Licht, Glaube, das Ideale, das Gute, der Anfang, das Neue, Sauberkeit, Unschuld, Bescheidenheit, Wahrheit, die Klugheit, die Wissenschaft, die Genauigkeit. Alles was hygienisch sein soll, ist weiß, Weiß verbinden wir Menschen mit purer Reinheit.

Die Bedeutung der Farbe Weiß in Kultur und Religion Am Anfang war das Nichts, aus ihm gebar sich alles, sagen die heiligen Bücher der Asiaten. »Gott sprach: Es werde Licht« sagt die Bibel. Weiß ist das Gegenteil von Schwarz, dem Nichts, dem Chaos, das auf ordnende Gestaltung wartet, durch das Licht der Erleuchtung.

Was haben wir das gestern im Rathauspark erlebt, die Geburt einer neuen Sekte? In unregelmäßigen Abständen wedelte sich die Weiß-Dinner-Gesellschaft mit ihren weißen Servietten gegenseitig zu, dass man an der Stelle an eine Sekte denkt, ist also nicht verwunderlich. Den gnadenlosen Schnitt zwischen Arm und Reich, Gut und Böse, Sein und Nichtsein?

Wir stellen fest, Buchholz entwickelt sich mehr und mehr zu einer Stadt, die minderbemittelten Menschen keine Heimat mehr sein will, die es zulässt, dass immer mehr Luxuswohnungen, Residenzen, gebaut werden statt sich mehr um den sozialen Wohnungsbau zu kümmern. Dazu kommen die Konsumtempel, die uns überlegen lassen warum man nur für die reiche Klientel sorgt, aberdas Aldi-, Lidl-, Penny-Pack mitsamt den dazugehörigen Geschäften versucht aus dem Stadtbild zu entfernen.

Eines sollte doch allen klar sein, die Klassengesellschaft wird wieder bevorzugt, und den Teilnehmerinnen und Teilnehmer des gestrigen Weißen Dinners, sollte klar sein dass Sie den Klassenerhalt mit ihrem protzigen Verhalten in ein solides Fundament gebettet haben. Wir werden jedenfalls weiterhin öffentlich zeigen, dass wir Buchholzer Bürger so etwas nicht brauchen. Ein soziales Miteinander ist es, was wir einfordern.

Noch etwas zu unserer Aktion: Unsere kleine Protest- und Kunstaktion hat einige der in weiß gekleideten Menschen dazu bewegt, unseren mit reichlich Speisen der Aldi- und Lidl-Klasse bedeckten Tisch aufzusuchen. Es kamen nachdenkliche sowie auch kritische Dialoge von schwarzer und weißer Seite auf den Tisch, aber es war insgesamt alle in allem ein konstruktiver Austausch, und vor allem friedlich. Wir befürchteten erst, dass man uns nicht wahrnehmen will, aber da lagen wir völlig falsch.

Trotz der geringen Anzahl an Teilnehmern am Schwarzen Dinner, haben wir ein deutliches Zeichen hinterlassen: Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Buchholz immer weiter auseinander, und darauf muss man aufmerksam machen.

Erstaunt waren wir das zwei Ratsherren der Stadt Buchholz ebenfalls an dem umstrittenen Weißen Dinner teilnahmen, und von beiden hätten wir es nicht erwartet. Einziger Trost dabei, beide waren an unserem Tisch und zeigten somit wenigstens etwas Solidarität in dem sie den Dialog mit uns suchten. Richtig genial fanden wir allerdings die Jugendlichen, die uns geradezu umschwärmten und uns für unseren Einsatz für die sozialen Minderheiten in Buchholz dankten. Wir führten mit ihnen wirklich tolle Gespräche bei Wasser und Brot, und es lässt uns hoffen, dass wir auch bei der jungen Generation mit unserer Aktion eine Lunte entzündet haben, eine Lunte die zu mehr Miteinander führt und mit hilft die Schere wieder zusammenzudrücken.

Erstaunlich war, dass wir vom Schwarzen Dinner als Infomationsstand des Weißen Dinners fungierten, denn zu den weißen Herrschaften traute sich niemand zu gehen, um an Informationen zu kommen.

 

 

Porträt RöhseVon Kristian Stemmler

Um 20.48 Uhr brandet Beifall auf in der Kantine des Buchholzer Rathauses. Das vorläufige Endergebnis der Bürgermeisterwahl erscheint auf der Leinwand. Mit 49,0 Prozent hat der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, Kandidat von CDU und FDP, die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt. Sein Vorgänger Wilfried Geiger dankt allen fünf Kandidaten, die sich zur Wahl stellten, und verkündet: „Es gibt also eine Stichwahl am 15. Juni.“

Die Überraschung des Abends war die Deutlichkeit des Abstands von Röhse zu seinem Mitbewerber Joachim Zinnecker, Kandidat von SPD, Grünen und Buchholzer Liste. Mit 27,4 Prozent lag er mehr als 20 Prozent hinter dem Konservativen. Zinnecker war die Enttäuschung deutlich anzumerken, eine Erklärung hatte er gestern abend noch nicht. Ob es doch der Ostring war? „Ich weiß es nicht.“

Für diese Erklärung spricht der Unterschied des Ergebnisses der Bürgermeisterwahl zu den beiden gleichzeitig stattfindenden Wahlen. Denn bei der Europawahl lag das rot-grüne Lager in Buchholz vorn, und bei der Landratswahl holte SPD-Kandidat Thomas Grambow mit 48,4 Prozent in der Nordheidestadt mehr Stimmen als auf Kreisebene (47,8 Prozent). Es ist also davon auszugehen, dass bei der Bürgermeisterwahl lokale Themen den Ausschlag für den konservativen Kandidaten gegeben haben.

Davon ging auch Röhse gestern aus. „Die Verkehrspolitik und der Ostring waren ja ganz klar das Hauptthema des Wahlkampf“, sagte er dem buchholz express. Überrascht war der Wahlsieger vom Abschneiden der drei parteilosen Kandidaten, die Achtungserfolge erzielen konnten. Makler Ronald Bohn kam immerhin auf 11,2 Prozent, Optiker Norbert Keese ohne nennenswerten Wahlkampf noch auf 7,1 Prozent und Betriebsrat Uwe Schulze auf 5,3 Prozent.

Für die kommenden drei Wochen bis zur Stichwahl will Röhse noch mal Gas geben, auch wenn er kürzlich schon gestöhnt hatte über die Mühen des Wahlkampfes. „Natürlich mache ich weiter Wahlkampf, nehme dafür auch noch mal Urlaub“, sagte er. Aber auch auf der Gegenseite will man sich trotz des großen Abstandes nicht entmutigen lassen.

Die Anhänger Zinneckers machten ihm gestern Mut. Jetzt müsse es darum gehen, die Unentschlossenen zu mobilisieren und die Wähler der anderen Kandidaten auf seine Seite zu ziehen. Seine Frau Sabine energisch: „Wir müssen das mit dem Bypass stärker nach vorn bringen.“ Der Bypass ist die verkürzte Umgehung im Osten, die den Ostring überflüssig machen soll.

Ob Zinnecker in den verbleibenden drei Wochen noch einen Stimmungsumschwung herbeiführen kann, muss man aber wohl eher als unwahrscheinlich einordnen. Der Abstand ist einfach sehr groß und zumindest die Stimmen von Bohn werden eher Röhse zugute kommen, die von Keese vermutlich auch mehrheitlich. Wenn nicht noch Entscheidendes passiert, wird Jan-Hendrik Röhse der nächste Bürgermeister von Buchholz sein.

 

Von Kristian Stemmler

Bei bestem Sommerwetter haben in Buchholz die Wahlen begonnen. Die Bürger der Stadt dürfen heute gleich dreimal abstimmen: Sie wählen nicht nur das Europaparlament, sondern auch den neuen Landrat für den Landkreis Harburg und den neuen Bürgermeister der Stadt. Daher dürfte die Wahlbeteiligung in Buchholz relativ hoch sein.

Für das Bürgermeisteramt kandidieren fünf Politiker. CDU und FDP unterstützen den Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, SPD, Grüne und Buchholzer Liste den grünen Fraktionschef im Stadtrat, Joachim Zinnecker. Darüberhinaus kandidieren der Makler Ronald Bohn, der Betriebsrat Uwe Schulze und der Optiker Norbert Keese. Als Favoriten der Wahl gelten Röhse und Zinnecker.

Mit Ergebnissen der Wahl wird ab 20.30 Uhr gerechnet, sie werden in der Rathauskantine und zugleich im Internet auf der Seite der Stadt, buchholz.de, verkündet. Die spannende Frage wird sein, ob es Röhse oder Zinnecker gelingen kann, beim ersten Anlauf die notwendige absolute Mehrheit zu holen. Röhse zeigte sich im Wochenblatt optimistisch, dass er das schaffen kann.

Fachkundige Beobachter gehen aber eher davon aus, dass sowohl Röhse als auch Zinnecker die absolute Mehrheit verfehlen, da auch die drei parteilosen Kandidaten ihre Anhänger haben und diese Stimmen den Favoriten fehlen werden. Es wird also damit gerechnet, dass es zu einer Stichwahl zwischen Röhse und Zinnecker am 15. Juni kommen wird und erst dann der Nachfolger von Wilfried Geiger, der nicht mehr antritt, feststeht.

Wahlberechtigt für die Bürgermeisterwahl sind die Staatsangehörigen aller Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, soweit sie am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben und seit dem 25. Februar in Buchholz wohnen. Die Amtszeit des neuen Bürgermeisters oder Bürgermeisterin beginnt am 1. November 2014 und dauert bis zum 31. Oktober 2021.

Auf ihrer Seite ruft die Stadt die Bürger auf, zur Wahl zu gehen. Wörtlich heißt es dort: „Wählen bedeutet, die Richtung der Politik zu bestimmen. Und nirgendwo sind die Chancen der Einwirkung auf die Politik so groß wie auf kommunaler Ebene. Wer wählt, wirkt am politischen Entscheidungsprozess mit, übt direkt und indirekt Einfluss aus, vertritt seine bürgerlichen Interessen und entscheidet ganz konkret, welche Persönlichkeit die Stadtverwaltung führen wird. Mit Abgabe unserer Stimme können wir somit Einfluss auf die zukünftige Politik in unserer Stadt nehmen.“