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Posts Tagged ‘Ute Schui-Eberhart’

Von Kristian Stemmler

Einer der prominentesten Buchholzer Bürger ist tot. Wie mehrere Medien berichten, ist der renommierte Wirtschaftswissenschaftler, Kämpfer gegen den Neoliberalismus und ehemalige Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Prof. Dr. Herbert Schui am Sonntag im Alter von 76 Jahren gestorben. Nach Informationen des querschläger war Schui, der vor kurzem noch auf die Kandidatenliste der Linkspartei in Buchholz für die Kommunalwahl am 11. September gewählt worden war, schwer krank. Er hinterlässt seine Frau, die Buchholzer Ehrenbürgerin Ute Schui-Eberhart, und ein Kind.

Im Namen des Vorstands der Linkspartei erklärten deren Vorsitzende Katja Kipping und Bernd Riexinger:

„Wir sind traurig über den Tod unseres Weggefährten Herbert Schui. Er war ein außergewöhnlicher Mensch, ein kritischer Kopf und brillanter Wissenschaftler. Als Professor der Volkswirtschaft zeigte er, dass Alternativen zum Neoliberalismus und dem Abbau des Sozialstaates wirtschaftlich möglich und sozial dringend notwendig sind. Er wollte die Wirtschaft demokratisieren und wusste, dass nur so unsere Gesellschaft ziviler und menschlicher wird. Er machte deutlich, wie nahe sich die Gründungsväter des Neoliberalismus und die Programme der extremen Rechten waren und wurde nicht müde, gegen beide zu streiten. Er tat es frohen Mutes, der ansteckend war. Gerade heute, wo die Rechte in Europa und in Deutschland zugewinnt, wird er uns fehlen.“

Und weiter: „Sein Humor, seine Ehrlichkeit und sein klarer Geist haben Generationen von Studierenden geprägt und bereichert. Viele von uns haben jahrzehntelang mit ihm für eine gerechtere Gesellschaft gekämpft. Er half die Linke zu gründen und zu stärken. Wir sind in Gedanken bei den Menschen, die Herbert Schui lieben und achten. Ihnen gilt unser Mitgefühl.“

Die Vorsitzenden der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch erklärten zum Tode von Herbert Schui:

„Die Nachricht vom Tod unseres ehemaligen Fraktionskollegen Herbert Schui trifft uns sehr. Die Zusammenarbeit mit Herbert Schui, der von 2005 bis 2010 unserer Fraktion angehörte, war für uns zutiefst gewinnbringend. Sein umfassendes und fundiertes Wissen, seine Erfahrung aus seiner langjährigen Tätigkeit als Universitätsprofessor und seine präzisen Analysen waren eine immense Bereicherung für die Diskussionen in der Fraktion. Herbert Schui war ein profilierter und pointierter Kritiker des Kapitalismus, der die große und seltene Gabe besaß, auch sehr komplexe Sachverhalte verständlich darlegen zu können. Unnachahmlich war sein bissiger aber nie verletzender Humor.

Wir trauern um einen kenntnisreichen und weltläufigen wirklichen Intellektuellen, dessen wirtschaftswissenschaftliche Expertise uns fehlen wird. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie und seinen Freunden.“

Das Neue Deutschland schrieb in einem Nachruf:

Schui, der in Köln aufwuchs und in der Eifel die Schule abschloss, hatte sich zunächst für die volkswirtschaftliche Laufbahn entschlossen – er studierte in der Domstadt, forschte später in Konstanz über Geldtheorie und Geldpolitik, Studienaufenhalte in Frankreich und den USA folgten. 1972 promovierte er mit einer Arbeit über „Geld- und Kreditpolitik in einer planifizierten Wirtschaft“, die das französische Beispiel in den Fokus stellte. Ab Mitte der 1970er Jahre war Schui dann an verschiedenen Hochschulen als Professor tätig.

Schon früh verstand er sich dabei als dezidiert politischer Wissenschaftler. Zusammen mit Jörg Huffschmid gründete er 1975 die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, die bis heute an ihrem Credo festhält, sich „der Entwicklung wirtschaftspolitischer Vorschläge und Perspektiven“ zu widmen, „die sich an der Sicherung sinnvoller Arbeitsplätze, der Verbesserung des Lebensstandards und dem Ausbau des Systems der sozialen Sicherheit für die Arbeitnehmer sowie wirksamer Umweltsicherung in der Bundesrepublik orientieren“. Als Gewerkschaftsmitglied und oder im globalisierungskritischen Netzwerk Attac engagierte sich Schui auch in sozialen Bewegungen. Seine parteipolitische Heimat war zunächst die SPD, aus der er allerdings 2004 austrat.

Unter den damaligen und überwiegend gewerkschaftlichen Gründern der „Initiative für Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ war Schui „der Professor“. Später ging aus der süddeutsch geprägten Initiative und einer weiteren, eher im Norden der Republik angesiedelten Neugründung die Wahlalternative hervor – die dann mit der PDS zur neuen Linkspartei fusionierte. Schui wurde dort 2007 Mitglied, da saß er schon im Bundestag, dem er bis 2010 als wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion angehörte.

Wer mit ihm zu tun hatte, kannte einen außerordentlich sachkundigen und freundlichen Ökonomen, der ganz frei von den üblichen Politikerattitüden war. Bis zum Schluss war Herbert Schui publizistisch aktiv. Der Neoliberalismus war ihm „Feind planvoller gesellschaftlicher Gestaltung“, er sah schon frühzeitig den Zusammenhang zwischen radikalisierter Marktpolitik und dem Aufstieg der Rechten, er plädierte wo er nur konnte für einen Staat, der sich Sozialpolitik und praktizierte Demokratie auch leisten kann. Die Spitze der Linkspartei reagierte mit Bestürzung auf den Tod Schuis, der als „ein außergewöhnlicher Mensch, ein kritischer Kopf und brillanter Wissenschaftler“ in Erinnerung bleiben wird.

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DSC_1767Von Kristian Stemmler

In Buchholz kommt die Aufnahme von Flüchtlingen, die in wachsender Zahl in den Landkreis Harburg kommen, gut voran. Auf einem städtischen Grundstück am Fischbüttenweg/Am Langen Sal sind jetzt Container aufgestellt worden, in denen noch in diesem Jahr 40 bis 60 Asylbewerber untergebracht werden sollen. Vor einigen Wochen waren bereits an der Bremer Straße Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt worden. Auch die ehemalige Zivildienstschule am Krankenhaus wird als provisorische Unterkunft genutzt, dort sind rund 40 Asylbewerber untergekommen.

Anders als in anderen Kommunen, wie aktuell etwa in Appel, gibt es in Buchholz zum Glück keine nennenswerten Proteste gegen die Aufnahme der Flüchtlinge. Daran hat die eindeutige Haltung des Landkreises und der Verwaltung der Stadt sicherlich einen großen Anteil, und auch das Nordheide Wochenblatt bemüht sich dankenswerterweise sehr um ein gutes Klima, etwa mit langen Beiträgen über die Schicksale der Menschen, die nach Buchholz gekommen sind (das muss auch mal gesagt werden…).

Auf Initiative von Ute Schui-Eberhart, Jahrzehnte in der Flüchtlingshilfe engagiert, und anderen hat sich jetzt sogar ein „Bündnis für Flüchtlinge“ in Buchholz konstituiert, das die Neuankömmlinge nach Kräften unterstützen will. Zum ersten Treffen in der Rathauskantine kamen rund 70 Buchholzer. Dabei wurden Arbeitsgruppen gebildet, die sich unter anderem um Sprachförderung, Begleitung zu Behörden und Ärzten und Öffentlichkeitsarbeit kümmern wollen. Das nächste Treffen des Bündnisses soll am 12. Dezember statt finden.

Ebenso vorbildlich ist die Idee einer Arbeitsgruppe gegen Fremdenfeindlichkeit von Jugendzentrum und Stadtjugendpflege, die ein T-Shirt als Willkommensgruß entwarf. Auf dem T-Shirt steht unter dem Logo von Buchholz „Herzlich Willkommen!“ in 44 Sprachen. „Wir wollen mit dem T-Shirt eine Willkommenskultur etablieren“, sagte Stadtjugendpfleger Olaf Blohm dem Wochenblatt, „und mit Blick auf die Ereignisse in Berlin-Hellersdorf zeigen, dass wir Menschen in Not willkommen heißen.“ Den textilen Gruß kann man für fünf Euro im JUZ und in der Apotheke des City Centers erwerben oder unter 04181-214311 und olaf.blohm@buchholz.de bestellen.

Bleibt zu hoffen, dass die Aufnahme der Flüchtlinge in Buchholz weiterhin so gut läuft und der Stadt fremdenfeindliche Ausfälle erspart bleiben.

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