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Posts Tagged ‘Ulrike Herrmann’

Griechenland Flagge NEUAthen (qu) – So eine Dreistigkeit hat man in Europa selten erlebt: Der griechische Premier Alexis Tsipras will sein eigenes Volk fragen, wie es politisch mit Griechenland weitergehen soll. Bei der EU ist die Empörung groß. Wozu hat man jahrzehntelang daran gearbeitet, die Macht der Konzerne und Banken zu zementieren und die wesentlichen Entscheidungen dem wankelmütigen Volk zu entziehen, wenn das jetzt über den Haufen geworfen werden soll!

Aber ganz im Ernst: Was die Politiker in Brüssel und Berlin im Moment an Affentheater aufführen und was die Lohnschreiber der deutschen Mainstreammedien davon kolportieren, geht auf keine Kuhhaut mehr. Gottseidank gibt es auch noch Kollegen, die nicht im Stile deutscher Herrenmenschen über das Thema berichten, so Ulrike Herrmann von der taz. Sie schreibt:

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Linie längst vorgegeben. Am Freitag erklärte sie, dass das europäische Angebot „außergewöhnlich großzügig“ sei. Sprich: Mehr ist nicht zu erwarten.

Man sollte sich vom Selbstlob der Kanzlerin nicht täuschen lassen. Das europäische Angebot ist nicht großzügig, sondern verlangt von den Griechen, dass sie noch mehr sparen – obwohl ihre Wirtschaft schon schrumpft. Auf diese Kürzungen kann sich Tsipras nicht einlassen, wenn er sein Land nicht ruinieren will.

Die vergangenen Monate haben deutlich gemacht, dass die Eurogruppe nicht bereit ist, sich zu bewegen. Die Troika unterbreitet immer noch die gleichen Vorschläge, mit denen auch schon Tsipras‘ Vorgänger Antonis Samaras konfrontiert wurde. Es handelt sich um ein einseitiges Spardiktat; die Meinungen der Griechen interessieren nicht.

Die Botschaft ist knallhart: Wenn die Griechen im Euro bleiben wollen, müssen sie sich permanent und dauerhaft diesen externen Auflagen aus Brüssel beugen. Sie müssen akzeptieren, dass sie faktisch keine Demokratie mehr sind – sondern von außen regiert werden.

Das Referendum ist daher weit mehr als nur eine Entscheidung über die aktuellen Sparauflagen. Die Griechen stimmen darüber ab, ob sie bereit sind, für den Euro ihre Demokratie zu opfern.

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