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Zum Schreien! Die Sponsoren standen beim Stadtlauf wieder im Mittelpunkt.

Zum Schreien! Die Sponsoren standen beim Stadtlauf wieder im Mittelpunkt.

Von Kristian Stemmler

Für die meisten Läufer ist der Buchholzer Stadtlauf sicher ein besonderes Ereignis, vor allem wenn sie vorn mit dabei sind oder zumindest ihren inneren Schweinehund überwunden haben. Für den Zuschauer kann der Stadtlauf durchaus auch ein Ereignis sein. Man trinkt ein oder zwei Bier, isst ein Steak im Brötchen oder so und guckt, welche Pappnasen sonst noch so in die Innenstadt gekommen sind. Das ist manchmal durchaus lehrreich.

Wenn man nicht so sehr auf die Läufer achtet, merkt man schnell, was eigentlich die Hauptsache an diesem Tag ist. Schon wer die vierseitige Beilage zum 17. Stadtlauf im Nordheide Wochenblatt durchgeblättert hat, sollte nicht es nicht übersehen haben: Im Mittelpunkt stehen weniger die Läufer, Geher und Skater, sondern eher die zahlreichen Sponsoren der Veranstaltung, wobei da fein unterschieden wird zwischen Hauptsponsoren, Sponsoren, „großzügigen Unterstützern“ und Firmen, die nur „Spenden mit Sachunterstützung“ beigetragen haben.

Natürlich war die Innenstadt zugepflastert mit Werbeflächen der Sponsoren, dann lief ein nicht geringer Teil der Teilnehmer kostenlos Reklame wie die Teams der Sparkassen oder der „Galerie Apotheke“. Vor allem aber wurden die Sponsoren alle Nase lang von den Moderatoren am Mikro genannt, eine Tätigkeit, die vor allem dem Blau-Weiß-Vorsitzenden Arno Reglitzky in Fleisch und Blut übergegangen ist. Diesmal hatte übrigens eine Firma einen Ehrenplatz beim PR-Gelaber: die Firma terra der Brüder Andreas und Michael Tietz.

Ihr Unternehmen überführt auf der ganzen Welt Fahrzeuge, zum Beispiel Spezialkräne. Das macht es aber schon seit Jahren. Neu ist, dass terra im Buchholzer Immbobiliengeschäft mitmischt. Man hat vor einiger Zeit eine Firma namens „terra Real Estate“ gegründet, die von der Stadt die Bahnhofsinsel südlich der Bahngleise anhand bekommen hat. Dort will man ein 160-Betten-Hotel, „bezahlbare Mietwohnungen“ (also nicht so teuer wie am Uhlengrund…), Geschäfte, Cafés, Büros und Praxen errichten. So die Absichtserklärungen.

Das mag ja alles schön und gut sei, aber wenn ich die derzeitige Kumpanei sehe, bekomme ich Bauchschmerzen. Warum muss eine Firma, die so etwas vor hat, plötzlich bei Blau-Weiß Buchholz und 08 als großer Sponsor einsteigen? Ist es angebracht, wenn Arno Reglitzky, der ja bekanntlich auch die FDP-Fraktion im Stadtrat führt, die Firma terra und die Brüder Tietz bei diesem Stadtlauf derart hochjubelt? Und was verrät es über die Nähe von Investoren und Politik, wenn Michael Tietz, der beim Jedermann-Lauf mitlief, im Ziel Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und seinen Vorgänger Wilfried Geiger lachend abklatscht..?

Arno Reglitzky ist übrigens derjenige, der bei der letzten Sitzung des Stadtrates im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan Hamburger Straße-Ost die Äußerung tätigte, man müsse froh sein, wenn überhaupt noch jemand Geld in die Hand nähme. Als ob das Errichten von Wohnungen nicht einer Lizenz zum Gelddrucken gleich käme. Wer Investoren dermaßen unkritisch sieht, hat in der Kommunalpolitik eigentlich nichts zu suchen.

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Alles ganz harmlos: So berichtet das Wochenblatt

Alles ganz harmlos: So berichtet das Wochenblatt

Von ***

Wenn es darum geht, eine Angelegenheit zu einem Skandal hochzuschreiben oder einen amtierenden Bürgermeister mit einer Kampagne zu überziehen, war und ist das Nordheide Wochenblatt eigentlich immer ganz vorn dabei – aber es geht auch umgekehrt! In der Ausgabe vom 13. Mai berichtet das Wochenblatt unter der Überschrift „Ein wenig wertvoller Weg“ über einen Vorgang, der zumindest eine ganze Reihe von Fragen aufwirft.

Redaktionsleiter Oliver Sander, der den Beitrag geschrieben hat, stellt alles aber als völlig harmlos dar und sieht das Problem im unverständlichen Behördensprech. Sein Fazit in Kladde gesprochen: Die Lokalpolitiker sind zu blöd, Drucksachen zu lesen! Damit bemüht sich Sander ganz offensichtlich, die Sache nach Kräften herunterzuspielen. In Wirklichkeit ist eine gewisse Brisanz des Ganzen bei genauem Hinsehen nicht zu übersehen.

Und so stellt das Wochenblatt den Vorgang dar: Ein Investor habe am Uhlengrund, eine der teuersten Straßen der Stadt, ein rund 4900 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. Auf diesem Grundstück stünden derzeit noch zwei Wohnhäuser, das Areal solle aber in kleinere Grundstücke parzelliert werden. Für das Areal gelte der 2003 aufgestellte Bebauungsplan „Wilhelm-Raabe-Weg“. Der lege eine 438 Quadratmeter große Teilfläche als Fußweg fest.

Weil diese Fläche dem Käufer de facto für seine Nutzung entzogen werde, so die Zeitung weiter, habe er Anspruch auf eine Entschädigung. Die liege, so habe es der Buchholzer Stadtrat im Jahr 1987 entschieden, bei 70 Prozent des Bodenrichtwertes, der im Uhlengrund 170 Euro pro Quadratmeter betrage. Die Stadt müsse dem Investor daher für die 438 Quadratmeter 52.122 Euro zahlen.

„Wir müssen einen aus heutiger Sicht wenig wertvollen Weg kaufen. Was man sich bei der Festsetzung gedacht hat, kann ich nicht sagen“, wird Bürgermeister Röhse im Wochenblatt zitiert. Für das Geld habe er angesichts eines engen Haushalts viele andere Verwendungen. Der Investor, mit dem Sander offenbar gesprochen hat, den er aber nicht nennt, wird vom Wochenblatt als barmherziger Samariter präsentiert: Er sei bereit, die als Fußweg festgelegte Fläche zu behalten, könne sie ohnehin gut als Zufahrt gebrauchen.

Wie der buchholz express aus unterrichteten Kreisen erfuhr, stimmt an der Darstellung des Wochenblattes das eine oder andere nicht. So ist die Stadt offenbar keineswegs verpflichtet, den Fußweg zu kaufen. Es bestehe lediglich ein Vorkaufsrecht, heißt es, mehr nicht. Auch stelle sich die Frage, warum der Investor nicht schon im Verkaufsgespräch mit der Stadt darauf hingewiesen hat, dass er die Fläche als Zufahrt gebrauchen kann und auf das Geld der Stadt verzichtet. Schließlich verschweige Sander, dass der Verkauf über das Notariat Stöver an der Poststraße abgewickelt wurde

Das ist deshalb heikel, weil die Beurkundung des Kaufvertrags über die 438 Quadratmeter am Uhlengrund von dem in dieser Kanzlei tätigen Rechtsanwalt Jan Stöver als amtlich bestelltem Vertreter des Notars Jan-Hendrik Röhse vorgenommen worden sein soll. Röhse ist aber bekanntlich Bürgermeister von Buchholz und Jan Stöver ist für die CDU Mitglied im Stadtrat. Dass hier der Verdacht aufkommen kann, es werde gemauschelt, liegt nahe. Möglicherweise muss die Kommunalaufsicht klären, ob ein solches Vorgehen statthaft ist.

Offenbar hat Röhse nach der Berichterstattung im Wochenblatt selbst erkannt, dass der Schuss nach hinten losgehen kann. Auf der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses hat er, wie der buchholz express erfuhr, die entsprechende Drucksache von sich aus zurückgezogen, mit dem Hinweis, die Angelegenheit müsse noch einmal geprüft werden. Man kann wohl davon ausgehen, dass der vom Wochenblatt vorgegebene Weg beschritten wird, dass sich Stadt und Investor zusammensetzen, der Investor die Fläche behält und der B-Plan geändert wird.

Den Vorgang jetzt gleich zum „Uhlengrundgate“ zu erklären, wäre wohl übertrieben – ein Geschmäckle hat er auf jeden Fall.

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