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Laut Impressum wohnt Denny Reitzenstein am Gordon Drive in Arizona.

Laut Impressum wohnt Denny Reitzenstein am Gordon Drive in Arizona – oder doch nicht?

Von Kristian Stemmler

Nazis haben doch keinen Humor. Vor kurzem hatte der querschläger dies noch vermutet, da der Buchholzer Nazi-Kader Denny Reitzenstein den Autor dieses Beitrags wegen Zeigens eines kleinen Hakenkreuzes auf einer nazi-kritischen Karikatur aus den 40ern angezeigt hatte. Doch Reitzenstein und seine Kumpane meinten es offenbar ernst. Sie wollten vorführen, dass „das System“ mit zweierlei Maßstäben misst. Das ist nun wirklich lächerlich!

In einem Beitrag auf der von Reitzenstein betriebenen Homepage seiner Aktionsgruppe (AG) Nordheide heißt es: „Würde ein Nationalist, Patriot oder ein normaler Bürger ein verbotenes Symbol verwenden, egal in welcher Form, müsste derjenige mit einer harten Strafverfolgung rechnen. Aber das System erlaubt den Gutmenschen das Verwenden von verfassungswidrigen Symbolen, da hierdurch das antideutsche Verhalten präsentiert wird.“

Mal abgesehen davon, dass das sprachlich etwas unbeholfen daher kommt, ist es inhaltlich kompletter Blödsinn. Wenn eine Nazi-Gruppierung Hakenkreuze zeigt, um den Nationalsozialismus zu verharmlosen oder zu verherrlichen, ist es ja wohl etwas ganz anderes, als wenn eine zeitgenössische Karikatur gezeigt wird, auf der ein Hitler mit einem Hakenkreuz am Ärmel von drei Soldaten, die die Alliierten Sowjetunion, USA und Großbritannien darstellen sollen, in den Staub getreten wird. So sah es, wie berichtet, auch die Staatsanwaltschaft Stade.

Im Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide wird noch bemängelt, dass ich einen Mobilisierungsaufruf im Internet gegen den „Tag der Patrioten“ am 12. September, an dem Hooligans und Nazis in Hamburg auflaufen wollen, zitiere. Warnend heißt es da: „Auch an dieser Stelle möchten wir Kristian Stemmler raten, dass er in Zukunft darauf zu achten hat, was er von sich gibt. Denn eines Tages wird er nicht straffrei davon kommen und für sein Handeln strafrechtlich belangt werden!“

Da bewegt sich jemand auf dünnem Eis, oder? Denn die Seite, auf der dieser Beitrag erscheint, glänzt seit Monaten immer wieder mit volksverhetzenden Artikeln, in denen vor allem gegen Flüchtlinge agitiert wird. Und Reitzenstein bekennt sich sogar zu seiner Homepage, hat er doch tatsächlich ein Impressum eingefügt, in dem er namentlich als Betreiber der Seite genannt ist. Allerdings ist er offenbar umgezogen…

Denn als Adresse gibt Reitzenstein nicht seine tatsächliche Adresse in Buchholz an, sondern eine in den USA, nämlich 619 E Gordon Drive in Mohave Valley, Arizona. Wenn er da jetzt wohnt, möchte ich ihn an dieser Stelle beglückwünschen. Wie im Internet zu besichtigen ist, ist der Gordon Drive eine ruhige Wohnstraße mit Palmen drumrum und einstöckigen weißen Häusern, vor denen Pickups parken. Nicht schlecht!

An der angegebenen Adresse wohnen allerdings laut Internet die Carsons, ein junges Paar. Vielleicht ist Reitzenstein da einfach noch nicht nachgetragen worden. Und sein Nazikumpel Jörn G. aus Lübeck offenbar auch nicht. Der wohnt da nämlich auch, wenn man dem Impressum der von Gronemann betriebenen Homepage maulwurfeninfo („frei, sozial, national“) glauben will.

Aber ganz im Ernst: Da hat wohl einer vom anderen abgeschrieben. Oder die Carsons sind nette Kumpels, die ihre Adresse für die deutschen Freunde bereit stellen. Wie dem auch sei, das Impressum auf der Seite der AG Nordheide muss man als Verhöhnung der Behörden verstehen. Denn der Server, auf dem die Seite läuft, befindet sich auch in den USA, und es dürfte nicht ganz einfach sein, die Seite zu schließen.

Allerdings wäre es ja durchaus machbar, gegen Denny Reitzenstein resp. gegen die Homepage wegen Volksverhetzung zu ermitteln. Die Staatsschutzabteilung der Polizeiinspektion Harburg hat die Seite auch durchaus im Auge, wie Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeiinspektion dem querschläger bestätigte. Wenn sich Anhaltspunkte für Volksverhetzung oder andere Delikte ergäben, werde auch ermittelt. Eine andere, eher strategische, Frage ist es natürlich, ob es aus Sicht der Behörde mehr Sinn macht, Reitzenstein schreiben zu lassen, um daraus Informationen zu ziehen, was die Nazis in der Region so treiben und denken (soweit man da von denken reden kann…).

Denn dass aus den entsprechenden Kreisen doch mal einer auf die Idee kommen könnte, den Worten strafbare Taten folgen zu lassen, ist nicht ausgeschlossen. Die Zahl der Objekte, die für die Nazis in Frage kommen, steigt ja nun mal an. Zuletzt erwähnte die Homepage von Reitzenstein die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Buchholzer Straße An Boerns Soll. Dort in der Nähe sei ein „Nationalist“ Mitte Juni nachts von mehreren Personen der Antifa, die dort „patrouilliert“ hätten, verprügelt worden.

Jan Krüger von der Polizeiinspektion erklärte gegenüber dem querschläger, dass keine entsprechende Anzeige eingegangen sei. Es fragt sich also, ob der Vorfall sich tatsächlich ereignet hat, und wenn ja, warum der Geschädigte dann keine Anzeige erstattet hat. Reitzenstein und seine Kumpanen erklären am Ende des entsprechenden Beitrags jedenfalls, dass man die Sache nicht auf sich beruhen lassen werde. Es lohnt sich also weiterhin, wachsam zu bleiben!

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Tag der Befreiung 2Von Kristian Stemmler

Haben Nazis doch Humor? Wie der querschläger jetzt erfuhr, hat der Buchholzer Nazi-Kader Denny Reitzenstein den Autor dieses Beitrags schon im Mai bei der Polizei angezeigt. Das Skurrile daran: Angezeigt wurde ein Delikt, das hauptsächlich bei neofaschistischen Personen und Gruppierungen vorkommt – das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, geregelt im Paragraphen 86a des Strafgesetzbuches (StGB). Gemeint sind da etwa das Hakenkreuz, aber auch Parolen wie „Heil Hitler!“.

Tatsächlich war in der Illustration zu einem Beitrag dieses Blogs, der zu dem Zeitpunkt noch „buchholz express“ hieß, ein Hakenkreuz zu erkennen, und zwar (eher klein) auf der oben abgebildeten Karikatur. Der Beitrag erschien am „Tag der Befreiung“, dem 8. Mai 2015, an dem sich diese Befreiung zum 70. Mal jährte, und beinhaltete einen deutlichen Dank an die alliierten Befreier. Sowohl der Text als auch die Karikatur, wie sich leicht erkennen lässt, hatten/haben eine klare antifaschistische Botschaft.

„Handlungen der staatsbürgerlichen Aufklärung“ sind aber vom Paragraph 86a StGB ebenso wenig erfasst wie Handlungen „der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen“ und „der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte“. Dass Reitzensteins Anzeige, die er übrigens im Internet, also bei der Online-Wache der niedersächsischen Polizei, abgab, keine Aussicht auf Erfolg hatte, war also klar. Die Staatsanwaltschaft in Stade stellte die Sache daher auch ohne viel Federlesens ein.

Was das Ganze sollte, erschließt sich vermutlich nur Reitzenstein selbst. Aber die Sache wäre eigentlich auch keine Erwähnung wert, wenn er und seine Spießgesellen nicht an anderen Stellen so aktiv wären. Der Ex-Soldat gilt als einer der führenden Nazi-Kader der Region, soll den Twitter-Account und die Homepage der AG Nordheide betreuen. Sowohl auf dem Twitter-Account wie auf der Homepage erscheinen regelmäßig volksverhetzende Beiträge, vor allem zum Thema Flüchtlinge.

Aktuell hat die Homepage der AG zu einem „Tag der deutschen Patrioten“ am 12. September in Hamburg mobilisiert. Diese Demonstration wurde bereits am 12. Mai von mehreren Einzelpersonen angemeldet. Es wird damit gerechnet, dass an diesem Tag ein Mob aus Neonazis, rechten Hooligans und Rassisten durch die Hamburger Innenstadt marschieren wird. Die Antifa mobilisiert aktuell im Internet unter http://goodbyedeutschland.blogsport.eu/ gegen den Aufmarsch.

Im Aufruf heißt es: Gerade weil sich der offene Rassismus in Deutschland zunehmend neustrukturiert und deutsche Normalbürger_innen organisierte Neonazis in Aktionismus und Mobilisierungsfähigkeit zu überholen scheinen, überrascht uns diese Anmeldung nicht. Es überrascht auch nicht, dass bekannte Neonazis wie Thorsten de Vries, der als Organisator der Demonstration fungiert, die Gunst der Stunde nutzen wollen…

Der rassistische deutsche Alltag, nimmt hier eine Form an, welche die Erfolge eines „Kampfes um die Köpfe“ mit einem „Kampf um Straße“ verbindet. Dies zeigt sich an den unverhohlenen Angriffen „ordentlicher“ Bürger_innen gegen vermeintlich „Nicht-Deutsche“ und am vorauseilenden staatlichem Arrangement mit angeblichen „Ängsten“ – beides ist nichts anderes als Rassismus. Deshalb heißt es für uns am 12. September, sich dem deutschen Mob mit allen Mitteln und auf allen Ebenen entgegenzustellen und ihn, egal ob er sich „patriotisch“ oder „nationalistisch“ nennt, anzugreifen.

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