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Posts Tagged ‘St. Paulus Buchholz’

So berichtete das Wochenblatt.

So berichtete das Wochenblatt.

Von Kristian Stemmler

Weihnachten ist bekanntlich das höchste Fest der Konsumgesellschaft. Darüber ist ja nun schon viel geschrieben und gesagt worden, wobei meist ein resignativer Unterton nicht zu überhören ist – so ist es nun mal, da kann man halt nichts machen. Allerdings sollte man doch wenigstens von den christlichen Kirchen erwarten, dass sie die Kommerzialisierung ihres zweitwichtigsten Hochfestes nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. Davon kann aber nicht wirklich die Rede sein.

Statt die Gelegenheit des Heiligabends zu nutzen und den vielen Weihnachtschristen, die an diesem Tag in die Gotteshäuser strömen, die Leviten zu lesen, liefert man den Zuckerguss auf der Torte. Kerzen und Krippenspiel, andächtige Worte von der Kanzel, die Weihnachtsgeschichte, das war’s. Bloß nichts Kritisches, man will den Leuten ja nicht das Fest versauen. Sonst kommen sie nächstes Jahr nicht wieder, also nächstes Jahr an Heiligabend wohlgemerkt.

In Buchholz ging man in diesem Jahr gar noch einen Schritt weiter. Nicht nur, dass man es unterließ, öffentlich zu kritisieren, dass das zweitwichtigste Hochfest der Christenheit zu einem einzigen Konsumzirkus verkommen ist – man gab sich als Schmiermittel für den Konsum her. Es kann nicht überraschen, dass es eine Freikirche war, die dies angeleiert hat: die Friedenskirche Buchholz. Die evangelikalen Kirchen sind besonders unkritisch und systemerhaltend, ein Hort der Heuchler.

Das Nordheide Wochenblatt berichtete unter der Überschrift „Flashmob in der Buchholz Galerie“, in dem Einkaufszentrum hätten sich rund 100 Sänger von Chören der Gemeinden St. Paulus, St. Johannis und der Friedenskirche versammelt und Weihnachtslieder gesungen. Die Idee habe Andreas Büttner von der Friedenskirche Buchholz gehabt, die Kantoren von Paulus und Johannis hätten gern mitgemacht. Büttner leitet in der evangelikalen Gemeinde an der Soltauer Straße ein Chorprojekt.

Also noch mal im Klartext: Statt sich vor die Galerie zu stellen und gegen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes zu demonstrieren, begeben sich Chorleiter christlicher Gemeinden mit ihren Sängern in den größten Einkaufstempel der Stadt und verleihen dem Konsumrummel höhere Weihen. Für nächstes Jahr empfehle ich folgende Lieder: „Fröhlich soll die Kasse klingeln“ oder „O du fröhliche Einkaufszeit“.

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Von Kristian Stemmler

Es ist Sommer und damit wird offenkundig, dass Buchholz nicht gerade überreich gesegnet ist mit Plätzen, die zum Verweilen einladen. Der Marktplatz ist durch den Dauerlärm von den umliegenden Baustellen stark in Mitleidenschaft gezogen und im Rathauspark beispielsweise ist es auch nicht immer so beschaulich. Da ist es doppelt bedauerlich, dass ein wunderbarer, zentral gelegener, ganztägig von der Sonne beschienener Platz fast komplett ausfällt – ich sage es hier erneut: Der Platz vor Kirche und Paulus-Haus ist total verschenkt worden!

In den Nischen der Kirchenwand und in einer Ecke des Platzes sind zwar Bänke installiert worden, aber die haben hier eher Feigenblatt-Charakter. Auch ist der Platz sicher städtebaulich ein Gewinn, weil die Kirche jetzt schön freisteht und eine offene Passage zur Kirchenstraße entstanden ist. Aber alles in allem ist es doch ein Jammer: in der Mitte ein Beet mit langweiligen Standardgrünpflanzen, davor Fahrradbügel, auf der anderen Seite Parkplätze und am Ende des Platzes der hässlichste Carport der Stadt. Fantasieloser geht es nicht!

Wie wunderbar wäre es doch, wenn auf diesem Platz Leben wäre, wenn dort Tische und Stühle ständen, wenn man dort seinen Milchkaffee in der Sonne trinken könnte, Zeitung lesen, sich unterhalten. Die Gemeinde könnte ihr Angebot präsentieren, die benachbarte Stadtbücherei vielleicht ihre Zeitungen auslegen und und und. Ideen gäbe es sicher genug, und das „Caspari“ wäre für ein Joint Venture mit der Gemeinde in Sachen Gastronomie sicher zu haben. Vorstellbar wärre sicher auch eine Gastronomie mit sozialem, diakonischem Anspruch, die zum Beispiel Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt. Die Stiftung Alsterdorf und andere diakonische Einrichtungen in Hamburg haben da vorbildliche Projekte am Laufen. Aber all das würde eine Kirchengemeinde St. Paulus voraussetzen, die über den Tellerrand hinausschaut.

Augenfälliger kann die Kirche als Institution im Zentrum der größten Stadt des Kirchenkreises nicht demonstrieren, dass sie an einer Öffnung nicht wirklich interessiert ist oder zumindest nicht die Kraft dazu hat. Man beschäftigt sich mit Struktur- und Personalfragen, denkt sich hier und da ein neues Angebot aus, veranstaltet Special-Interest-Gottesdienste, will sich aber nicht wirklich einlassen. Im Ergebnis sieht man in der Kirche und im Gemeindehaus immer dieselben Leute aus derselben Schicht, eine Durchmischung findet nicht statt und ist wohl auch nicht wirklich erwünscht.

Das ist traurig und lässt vom protestantischen Geist wenig spüren. Es ist überdies auch bedauerlich, wie unzugänglich die Gemeinde offenbar für jede Form von Kritik ist. Ich habe meine oben geäußerten Bedenken schon zur Einweihung des Paulus-Hauses in diesem blog veröffentlicht und gehe fest davon aus, dass das die Geistlichkeit oder den einen oder anderen Vertreter des Kirchenvorstandes auf dem einen oder anderen Weg erreicht hat. Kommentare oder Entgegnungen darauf hat es an keiner Stelle gegeben.

Aber noch ist es ja nicht zu spät – auch nicht für neue Aktivitäten auf dem Kirchplatz. Ich helfe gern dabei mit, den Carport abzureißen…

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