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Disharmonien bis zum Schluss – das Tor zum Anwesen von P. C. Otto.

 

Was soll ich länger weilen, dass man mich trieb hinaus? Lass irre Hunde heulen vor ihres Herren Haus. (aus der „Winterreise“ von Franz Schubert)

Von Kristian Stemmler

Es war große Oper. Es gab viele Aufs und Abs, überraschende Wendungen und ein ausgesprochen ausgedehntes Finale – jetzt aber scheint der letzte Aufzug für den „Don Quichotte vom Höllental“ bevorzustehen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg auch seine letzten drei Einsprüche abgeschmettert hat, soll das schwarz gebaute Haus von Tenor Prosper-Christian Otto im Sprötzer Wald am Brunsberg am kommenden Donnerstag geräumt und dann mit dem Abriss begonnen werden. Das berichtet die Harburger Rundschau. Um 8 Uhr wolle die Stadt mit Hilfskräften an der Straße Dependahl anrücken.

Angesichts seiner endgültigen Niederlage dreht Otto offenbar endgültig durch. In einem Brief an die Eltern der rund 800 Schüler der Musikschule, dessen Trägerverein er vorsitzt, wirft er mit haltlosen Vorwürfen gegen die Stadt um sich und droht mit einer Gebührenerhöhung, weil ein Büro der Musikschule, das sich bisher in seinem Haus befand, aufgelöst werden musste. Die Stadt reagierte jetzt mit einer geharnischten Pressemitteilung auf ihrer Homepage, die am Ende dieses Beitrags dokumentiert ist.

Angesichts von Ottos bisherigen Eskapaden ist kaum zu glauben, was die Harburger Rundschau berichtet. Otto soll sich angeblich mit seinem Schicksal abgefunden haben. Das Blatt zitiert ihn mit den Worten: „Wir packen jetzt unsere Sachen und suchen nach einem Ausweichquartier.“ Hat der Berufssänger Kreide gefressen? Bisher hat er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, ist sogar bis nach Karlsruhe gegangen, um den Abriss seines Hauses zu verhindern.

Ganz offenbar hat der Professor zumindest nichts dagegen, den letzten Akt vor einem mehr oder weniger großen Publikum zu spielen, warum sollte er sonst den Termin der Räumung bekannt geben. Die Buchholzer Verwaltung hätte das von sich aus nicht getan. Jetzt werden natürlich etliche Medienvertreter, vermutlich auch Fernsehen, vor Ort sein, sicher auch einige Schaulustige. Zu befürchten ist, dass Otto noch Boulevardmedien alarmiert, die die Hintergründe des Falls nicht kennen.

Die Stadt wird sich mit Sicherheit keine Blöße geben wollen und dürfte den Einsatz generalstabsmäßig vorbereitet haben. Neben den eigenen Mitarbeitern und Bauarbeitern werden vermutlich auch Einsatzkräfte der Polizei und andere Hilfskräfte vor Ort sein. Bürgermeister Wilfried Geiger hatte in der Ratssitzung am vergangenen Dienstag deutlich gemacht, dass man sogar Regelungen für den Fall getroffen hat, dass Otto und seine Frau untergebracht werden müssen (Notunterkunft Bremer Straße oder Zivildienstschule wurde hier von Ratsmitgliedern vorgeschlagen…).

Jegliches Mitleid mit Prosper-Christian Otto ist übrigens fehl am Platze. Der Tenor hat mit einer Mischung aus Halsstarrigkeit, Ignoranz, Maßlosigkeit und Unverschämtheit überall nur verbrannte Erde hinterlassen. Er hat die Verwaltung und den Rat kriminellen Verhaltens bezichtigt, sein gesamtes Umfeld in seinen Kampf hineingezogen, hat seinen Nachbarn im Wohngebiet Lohbergen mit seinem juristischen Feldzug geschadet (sie dürfen zum Beispiel ihr Haus nicht wiederaufbauen, falls es abbrennen sollte) und die Musikschule, deren Trägerverein er vorsitzt, in Geiselhaft genommen.

Auch jetzt noch kann Otto nicht damit aufhören, die Musikschule für seine Zwecke einzuspannen, wie oben erwähnt. In der Harburger Rundschau kündigte er bereits an, die Gebühren für die rund 800 Musikschüler müssten um acht Prozent steigen, wenn die Musikschule neue Räume anmieten müsste. Die Schule hatte bisher ein Büro in Ottos Haus, das sie aber jetzt räumen musste. Der neue Leiter, Thomas Hansen, zog in die beiden Räume im Dachgeschoss des Standesamtes, die der Musikschule auch bisher schon zur Verfügung standen.

Die Räume seien aber nicht ausreichend, wird Hansen zitiert, er sei auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Er bedauere es sehr, dass die Musikschule in den Konflikt zwischen Otto und der Stadt hineingezogen worden sei. Dazu lässt sich anmerken, dass dies allein die Schuld des Sängers ist, der nicht zum ersten Mal die Musikschule als Druckmittel gegen die Verwaltung missbraucht. Es ist höchste Zeit, dass der Verein dieses Verhalten ihres Vorsitzenden thematisiert.

Die Stadt wird wohl nicht in die Verlegenheit kommen, das Ehepaar Otto unterbringen zum müssen. Otto hat offenbar eine Unterkunft an der Hand, das sagte er jedenfalls der Harburger Rundschau. Sie liege außerhalb von Buchholz, aber noch in der Nordheide. Er spiele mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen (eine gute Idee!). Was sich in der Sache bis heute abgespielt habe, sei „ein Stück aus dem Tollhaus“. Da hat er recht!

Und hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

Dieses Schreiben bringt das Fass zum Überlaufen. „Das können wir nicht auf sich beruhen lassen.“ Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse ist stinksauer. Grund ist ein Brief Prosper C. Ottos, den der in seiner Funktion als Vorstand der Musikschule für die Stadt Buchholz den Eltern der rund 800 Schülerinnen und Schüler geschrieben hat. Vor dem Hintergrund des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Otto und Stadt um den Schwarzbau im Landschaftsschutzgebiet Lohbergen in Sprötze, „instrumentalisiert Otto die Schule für seine privaten Zwecke, stellt hanebüchene Behauptungen auf und verdreht den Sachverhalt“, empört sich Röhse, dessen Kinder die Musikschule ebenfalls besuchen.

In dem besagten Schreiben wirft Otto Bürgermeister Wilfried Geiger unter anderem vor, die Musikschule, die ein Büro in Ottos Haus betrieben hat, in den Konflikt mit hineingezogen zu haben. Er behauptet überdies, Geiger wolle Gerichtsentscheidungen nicht abwarten. Vielmehr müsse damit gerechnet werden, „dass der Bürgermeister das Musikschulbüro auch dann zerstören lässt, wenn die Rechtslage dies verbietet“. Deshalb müsse sich die Einrichtung neue Räume suchen. Weil das koste, hat Otto dem Schreiben gleich den neuen (erhöhten) Gebührentarif beigelegt. Er fordert die Eltern deshalb auf, sich an Geiger zu wenden, „der durch sein kompromissloses Verhalten die Notwendigkeit dieser Gebührenerhöhung erzwungen hat“.

Ottos Behauptungen sind rufschädigend und verletzen Persönlichkeitsrechte“, sagt Röhse. Die Abrissverfügung gegen Ottos Schwarzbau sei seit dem Beschluss des Lüneburger Oberverwaltungsgerichtes (OVG) vom März vergangenen Jahres rechtskräftig. Das sei sowohl dem Privatmann Otto wie auch dem Musikschulvorstand Otto bekannt. Die jüngsten Beschwerden Ottos beim OVG in dieser und in seiner privaten Sache seien überdies vom Gericht alle abschlägig beschieden worden. Das Gericht habe den Abriss des Schwarzbaus also nicht untersagt, sondern explizit erlaubt.

Es kann also gar keine Rede davon sein, dass der Bürgermeister ein Büro ohne Rechtsgrundlage zerstören lässt“, stellt Röhse klar. Hinzu kommt, dass der Bürgermeister in dieser Sache die einstimmige Auffassung des Rates vertritt. Darüber hinaus stellt die Stadt der Musikschule seit Jahrzehnten Büroraum im städtischen Standesamt zur Verfügung, den diese auch nutzt. So trägt das Schreiben der Musikschule bezeichnenderweise im Briefkopf als Absender eben diese Büroadresse in der Kirchenstraße. Unabhängig davon fördert die Stadt die Musikschule der Stadt Buchholz jährlich mit rund 80 000 Euro und stellt Schulen kostenlos für den Musikunterricht zur Verfügung.

Ob Ottos Strategie aufgeht, darf indes bezweifelt werden. „Da instrumentalisiert jemand die Schule für seine privaten Zwecke“, sagt einer der Adressaten des Briefes am Bürgertelefon. Das Fazit des Vaters: „Dieses Schreiben ist ein Frechheit.“ Die Stadt erwägt jetzt rechtliche Schritte gegen den Verfasser des Briefes.

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Von Kristian Stemmler

In die Diskussion um die sonntäglichen Öffnungen von Einzelhandels- und Lebensmittelgeschäften in Buchholz, die von einer Anfrage des SPD-Ratsherrn Piwecki angestoßen wurde, hat sich jetzt auch die Edeka Handelsgesellschaft Nord eingeschaltet. Auf Nachfrage des buchholzblog erklärte Marion Grundmann, Assistentin der Geschäftsführung Unternehmenskommunikation, dass die Ladenöffnungszeiten „grundsätzlich in die Zuständigkeit und damit auch in die Verantwortlichkeit unserer selbstständigen Edeka-Kaufleute fallen“.

Zu der Frage, ob es nicht dem Image der Edeka-Gruppe abträglich ist, wenn Edeka-Geschäfte (Schreiber in Sprötze und Lorenz in Holm-Seppensen) sonntags offensichtlich ohne rechtliche Grundlage ihre Läden öffnen, wollte Grundmann keine Stellung beziehen. Wie berichtet, hatte die Verwaltung in der Antwort auf Piweckis Anfrage erklärt, dass Läden, die Waren des täglichen Bedarfs verkaufen, sonntags geöffnet sein dürfen, aber nur wenn die Verkaufsfläche kleiner ist als 800 Quadratmeter und die Öffnung die Gottesdienstzeiten nicht berührt. Beides ist in den betreffenden Geschäften nicht der Fall.

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Hat die Sprötzer Landwirtsfamilie Eickhoff die Lust verloren, einen zweiten Hühnermaststall zu bauen? Diesen Schluss man jedenfalls ziehen, wenn man eine Auskunft des Landkreises Harburg vom Dienstag betrachtet. Auf Anfrage des buchholzblog teilte Kreis-Pressesprecher Bernhard Frosdorfer mit, dass nach wie vor ein Teil der für die Genehmigung erforderlichen Unterlagen fehlt, nämlich das Aerosol-/Keimgutachten. Die Problematik der Keimbelastung im Umwelt von Massentieranlagen ist in letzter Zeit in den Fokus der Kritik gerückt.

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Jezt reicht`s! Ich habe heute die folgende Pressemiteilung an die Medien versandt und eine Anfrage an die Stadt gerichtet, die ich hier ebenfalls dokumentiere. Hier zuerst der Wortlaut der Pressemitteilung:

Der Vertreter der Partei DIE LINKE im Buchholzer Stadtrat, Kristian Stemmler, hat die Stadt aufgefordert, den Berufssänger Prof. Prosper-Christian Otto anzuzeigen. Otto hat nach einem Bericht des Nordheide Wochenblattes die zwangsweise Durchsetzung einer Abrissverfügung, betreffend Außenanlagen auf seinem Grundstück, mit dem Satz kommentiert: „Hier werden Methoden wie bei den Nazis angewendet.“ Das könnte nach Stemmlers Ansicht den Tatbestand der Beleidigung erfüllen.

„Mit dem ungeheuerlichen Nazi-Vergleich hat Otto den Bogen endgültig überspannt“, erklärte der linke Ratsherr, „diese Äußerung ist ein Schlag in das Gesicht aller noch lebenden Opfer des NS-Regimes! Das Aufbohren einer Gartenpforte und die Beschädigung von Pflanzen mit den Untaten der Nazis zu vergleichen, ist absurd und unverschämt. Das darf die Stadt Otto nicht durchgehen lassen!“

Stemmler weist darauf hin, dass die Äußerung nicht der erste verbale Ausraster des Tenors ist. Bei einer Pressekonferenz soll er bereits einmal, bezogen auf die Abrissverfügungen der Stadt, folgendes geäußert haben: „Was steckt dahinter? Rechtsradikales Gedankengut in der Verwaltung?“ Auch der Vorwurf, die verantwortlichen Politiker würden kriminell handeln, ist aus seinem Munde schon einmal gefallen.

Mit einer Anfrage an die Stadt will Stemmler die Frage klären, ob die Verwaltung wegen des NS-Vergleichs gegen Otto vorgehen will.

Und hier der Wortlaut der Anfrage:

Laut einem Bericht des Nordheide Wochenblattes vom 29. September 2012 hat der Berufssänger Prof. Prosper-Christian Otto während der Durchsetzung einer von Recht und Gesetz gedeckten Maßnahme einen Vergleich des Verhaltens von Beamten der Stadt zu Methoden während der NS-Zeit gezogen. Die Zeitung zitiert Otto mit dem Satz: „Hier werden Methoden wie bei den Nazis angewendet.“ Zudem soll er laut Wochenblatt geäußert haben: „Der Laie würde das Vorgehen der Stadt Buchholz hochkriminell nennen.“ Dies vorausgeschickt frage ich:

  1. Wie bewertet die Stadt die Äußerungen von Prof. Otto?
  2. Hält die Stadt es angesichts der Massivität der Kritik nicht für angebracht, den Äußerungen noch deutlicher entgegenzutreten, etwa durch eine Presseerklärung des Bürgermeisters?
  3. Ist es angesichts des Vergleichs mit der NS-Zeit nicht angezeigt, die Äußerungen von Prof. Otto auf ihre Strafbarkeit (z. B. Beleidigung) zu prüfen und ggf. Anzeige zu erstatten?
  4. Wie wird die Stadt im Fall Otto generell weiter vorgehen?
  5. Welche Termine und Fristen sind in diesem Zusammenhang einzuhalten?

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Von Kristian Stemmler

Der zweite Hühnermaststall im Buchholzer Ortsteil Sprötze ist am Mittwochabend ein Stück näher gerückt. Im Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität und Bauen (StaMoBau) wurde der Antrag von Buchholzer Liste, der Piratenpartei und der Partei DIE LINKE, für das betreffende Gebiet einen Bebauungsplan aufzustellen, der sanfte Landwirtschaft vorsieht und damit einen Ausbau der Massentierhaltung ausschließt, abgelehnt. Die beiden Sozialdemokraten und Joachim Zinnecker (Grüne) enthielten sich, die fünf Ratsmitglieder von CDU, FDP und UWG stimmten gegen den Antrag, nur Jan Bock (parteilos, für die Grünen im Stadtrat) stimmte für den Antrag.

Die Debatte über den Antrag nahm streckenweise kabarettistische Züge an, was vor allem Heike Meyer (CDU) zu verdanken war. Sie verstieg sich zu der Äußerung, die Hühner im Maststall der Familie Eickhoff fühlten sich ja offenbar wohl, da sie ständig zunehmen würden. Ein groteskes Argument vor dem Hintergrund, dass die Hühner bei der Mast mit Antibiotika vollgestopft werden, um zuzunehmen, und dass die Haltungsbedingungen extrem tierquälerisch sind (im Blog mehrfach dokumentiert). Kaum weniger blödsinnig waren Meyers Vorbringungen, die Leute wollten halt viel und billiges Fleisch und wenn das nicht hier produziert werden, dann passiere das halt in Osteuropa oder Südostasien unter viel schlimmeren Haltungsbedingungen.

Auch der Umstand, dass in Sprötze offenbar die große Mehrheit zu den Eickhoffs hält und Kritik dort nur hinter vorgehaltener Hand zu hören ist, wurde ausgenutzt. So verwies Hannes Henk (UWG) darauf, dass Sprötze den Landwirt unterstützt, und Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) argumentierte, anders als in Heidenau sei in Sprötze kein Protest gegen den Bau des Maststalls zu vernehmen. Arno Reglitzky (FDP) stieß ins gleiche Horn, bezeichnete Eickhoff als „ehrenbaren Unternehmer und Bauern“, auf dessen Rücken der Streit nicht ausgetragen werden dürfe. Er halte es für den falschen Weg, eine gesellschaftspolitische Frage auf dem Wege der Bauleitplanung zu entscheiden.

Peter Eckhoff von der Buchholzer Liste hatte zuvor den Antrag begründet. Die Antragsteller lehnten die Hühnermast aus Gründen des Tierschutzes und wegen der Umweltbelastungen ab, die Aufstellung eines Bebauungsplanes sei eine Möglichkeit für die Kommune hier einzugreifen. „Wir sollten es auf eine Gerichtsentscheidung ankommen lassen“, meinte Eckhoff. Joachim Zinnecker hielt dem entgegen, er halte es für zielführender, das Projekt auf die genau Erfüllung der gesetzlichen Auflagen zu überprüfen. „Ich fürchte, wenn wir eine reine Verhinderungsplanung machen, werden wir vor Gericht den Kürzeren ziehen“, sagte er.

Als derjenige, der den Antrag formuliert hat, möchte ich zu dieser Debatte noch ein Wort sagen. Es mag ja sein, dass ein B-Plan vor Gericht nicht durchkommen würde – da will ich dem erfahrenen Praktiker nicht widersprechen. Aber dann frage ich mich ernsthaft, was die hochtrabenden Formulierungen im Baugesetzbuch wert sind. Ich zitiert da noch einmal den Absatz 5 des Paragraphen 1, in dem es über den Sinn und Zweck der Bauleitplanung heißt:

„Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten. Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln, auch in Verantwortung für den allgemeinen Klimaschutz, sowie die städtebauliche Gestalt und das Orts- und Landschaftsbild zu erhalten und zu entwickeln.“

Nichts anderes will der für Sprötze beantragte Bebauungsplan!

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Um eine unkontrollierte städtebauliche Entwicklung im Buchholzer Ortsteil Sprötze zu verhindern, haben die Fraktion der Buchholzer Liste im Buchholzer Stadtrat, der Vertreter der Piratenpartei, Arne Ludwig, und der Vertreter der Partei DIE LINKE, Kristian Stemmler, gemeinsam beantragt, einen Bebauungsplan für den Außenbereich im Gewerbegebiet III aufzustellen. Wie berichtet, plant die Landwirtsfamilie Eickhoff, dort einen zweiten Hühnermaststall zu bauen und die Plätze im ersten Maststall zu erhöhen, so dass sie insgesamt 80.000 Hühner dort mästen könnten. Der Antrag hat folgenden Wortlaut:

Der Rat der Stadt Buchholz i.d.N. möge beschließen:

Die Verwaltung wird aufgefordert, unverzüglich alle rechtlich notwendigen Schritte einzuleiten, die notwendig sind, um für den Bereich eines noch näher zu beschreibenden Plangebietes im Außenbereich des Gewerbegebiet III Trelder Berg einen Bebauungsplan aufzustellen.

Der Geltungsbereich umfasst insbesondere das Flurstück, für welches der Bau einer Mastanlage für Hühner beantragt wurde (Gemarkung Sprötze, Flur 2, Flurstück 71/1, 21244 Buchholz i. d. N., Kirchhofstraße 1).

Als städtebauliches Ziel des Bebauungsplanes wird für das betreffende Gebiet eine nachhaltige, „sanfte“ Form der Landwirtschaft ökologischer oder bio-dynamischer Ausrichtung formuliert, die schädliche Einflüsse auf die Umwelt und die Allgemeinheit minimiert und die natürlichen Lebensgrundlagen schont.

Zur Sicherung der Planung ist per Satzung eine Veränderungssperre für das betreffende Gebiet anzuordnen.

Begründung: Laut Baugesetzbuch ist es Aufgabe der Gemeinden, eine Bauleitplanung zu erstellen, wenn insbesondere Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse sowie Belange des Umweltschutzes betroffen sind, so Auswirkungen auf den Boden und das Wasser. Bauleitpläne sind demnach „aufzustellen, sobald und soweit es für die städtebauliche Entwicklung und Ordnung erforderlich ist“.

In § 1, Abs. 5, heißt es wörtlich: „Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten. Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln, auch in Verantwortung für den allgemeinen Klimaschutz, sowie die städtebauliche Gestalt und das Orts- und Landschaftsbild zu erhalten und zu entwickeln.“

Vor diesem Hintergrund sind die Ziele des aufzustellenden B-Plans darauf gerichtet, die städtebauliche Entwicklung des Plangebiets in Richtung einer die Umwelt schonenden, nachhaltigen und „sanften“ Landwirtschaft ökologischer oder bio-dynamischer Ausrichtung zu führen.

Die Aufstellung des B-Planes beschränkt die umweltschädlichen Auswirkungen durch Hühnermast im Plangebiet auf den bereits bestehenden Maststall. Sie verhindert eine weitere Beeinträchtigung zukünftiger Suchräume für Baugebietserweiterungen. Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf die Stadt Meppen und andere Kommunen im Emsland, die mittels Bauleitplanung die Ausbreitung agrarindustrieller Anlagen verhindert haben oder derzeit noch verhindern.

Buchholzer Liste für Umwelt, Soziales und Nachhaltigkeit, DIE LINKE, Piratenpartei

Karsten Müller, Kristian Stemmler, Arne Ludwig

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Es geht also doch. Die Buchholzer Verwaltung mit Bürgermeister Wilfried Geiger an der Spitze hat bisher so getan, als gebe es keine Handhabe gegen den Bau eines zweiten Hühnermaststalls in Sprötze. Wie die Aller-Zeitung berichtet, hat der Landkreis Gifhorn jetzt den Bauantrag für eine Hühnerfarm bei Dalldorf abgelehnt. Das habe die Erste Kreisrätin Ingrid Alsleben der Zeitung bestätigt. Der ablehnende Bescheid sei der egga-Landei als Investor am 9. März zugestellt worden. Die Dalldorfer Bürgerinitiative und die Gemeinde seien schriftlich informiert worden.

Ab Mitte April habe der Investor vier Wochen Zeit, sein Veto gegen den abgelehnten Bauantrag für die Hühnerfarm einzulegen, so wird Alsleben zitiert. Nach Verstreichen der Frist sei dieser Antrag vom Tisch. Der Investor könne aber jederzeit „einen anderen Bauantrag stellen“, so die Erste Kreisrätin.

Der ablehnende Bescheid basiert Alsleben zufolge auf sieben Säulen:

  • So seien bei den Ammoniak-Emissionen die Grenzwerte deutlich überschritten.
  • Hinsichtlich des Lärm-Gutachtens bestünden erhebliche Belastungen für das Wochenendhaus- Gebiet.
  • Es gebe keine ausreichende Erschließung – bei Gefahr sei die Anlage schwer erreichbar.
  • Die Gemeinde habe ihr Einvernehmen aus städtebaulichen Gründen versagt.
  • Hinsichtlich des Brandschutzes gebe es – in Bezug auf Mensch und Tier – erhebliche Mängel.
  • Das Thema Naturschutz sei eine weitere Säule. So grenze das Land der Hühnerfarm an ein FFH- Gebiet mit hochsensiblem Lebensraum.
  • Auch gehe es um den Arbeitsschutz und die Bedingungen für die Arbeitskräfte – ein Einwand, der eng mit dem mangelnden Brandschutz zusammenhänge.

Für das Verfahren in Sachen Hühnermast in Sprötze dürften folgende Punkte in dieser Begründung interessant sein: die Ammoniak-Emissionen und der mangelnde Brandschutz sowie das Versagen des Einvernehmens aus städtebaulichen Gründen. Die grundsätzliche Frage: Will Buchholz wirklich, dass Sprötze mit Massentierhaltung zugeballert wird?

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Liebe Tierfreunde,

mein Name ist Kristian Stemmler. Ich bin Mitglied im Stadtrat von Buchholz für die Partei DIE LINKE und Mitglied des Runden Tisches Natur-, Umwelt- und Tierschutz Buchholz, der diese Demo organisiert hat.

Wir sind vorhin in Sprötze an einem von außen ganz unspektakulär wirkenden Gebäude vorbeigefahren – am Hühnermaststall der Familie Eickhoff. Wie wir gesehen haben, ist das ein langgestreckter fensterloser Bau mit einem Erdwall drumherum, ohne jede Beschilderung, ohne jeden Hinweis darauf, was dort geschieht. Aber was in den Mauern dieses Gebäudes passiert, ist in Wahrheit mehr als spektakulär – es ist furchtbar, verantwortungslos, fast möchte ich sagen verbrecherisch!

In diesem Maststall wie in vielen anderen in der Region wird tausendfaches Tierleid produziert. Hier vegetieren lebendige Geschöpfe vor sich hin, die nur noch als Ware behandelt werden. Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit den Bedingungen der so genannten Kurz- oder Turbomast befasst, kann gar nicht anders, als diese Bedingungen als Tierquälerei zu bezeichnen. Ich will hier nur einige Fakten über die Hühnermast benennen:

  • Masthühner werden meist in fensterlosen, klimatisierten Hallen in Gruppen von 10.000 und mehr Tieren gehalten. In einem relativ kurzen Zeitraum von vier bis sechs Wochen erreichen sie ihr Schlachtgewicht von 1,4 bis 1,6 kg. Durch die Überzüchtung der Tiere sind Gewichtszunahmen von 55 bis 60 Gramm pro Tag die Regel. Für ein Kind, das 30 Kilogramm wiegt, würde das eine tägliche Gewichtszunahme von zwei Kilogramm bedeuten. Kein Wunder also, dass die Hühner buchstäblich unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen!

  • Bis zu 26 Tiere müssen sich in der Regel einen Quadratmeter teilen. Das entspricht weniger als zwei Drittel eines DIN-A4-Blattes pro Huhn.

  • Die Masthühner erhalten ausschließlich industriell aufbereitetes Kraftfutter mit hohem Energie- und Proteingehalt. Dadurch wird die Zeit für die Nahrungsaufnahme stark verkürzt, und das arteigene Bedürfnis, nach Nahrungsteilen zu suchen und diese zu bearbeiten, wird frustriert. Eine typische Ersatzhandlung ist das verstärkte Federpicken.

  • An den Futtertrögen wird jedem Masthuhn zwei bis drei Zentimeter Platz zugestanden. Ungestörtes, gleichzeitiges Fressen ist somit unmöglich. Als Folge klettern die Tiere am Trog übereinander und verletzen sich gegenseitig – Todesfälle sind nicht selten.

  • Platzmangel und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten führen zu Dauerstress für die Tiere. Gelegenheit zum Ruhen haben die Tiere dabei fast gar nicht, wie Untersuchungen belegen.

  • Die Hallen werden während der Mast nicht gereinigt – auf deutsch: Die Hühner stehen in ihrer eigenen Scheiße! Oder vornehmer ausgedrückt: Es kommt zu hohen Ammoniakbelastungen. Bis zu einem Drittel aller Tiere erleiden durch das Liegen auf durchfeuchteter Einstreu Verätzungen.

  • Schon bei Besatzdichten von mehr als zehn Tieren pro Quadratmeter steigt – bedingt durch die Konkurrenz um die Futterstellen und das Fehlen von Sitzstangen und anderen Ausweich- und Rückzugsmöglichkeiten – die Anzahl aggressiver Auseinandersetzungen. Um die Aggressionen halbwegs im Griff zu behalten, werden die Masthühner in Dämmerlicht gehalten.

  • Obwohl Masthühner in der Regel noch nicht einmal sechs Wochen alt werden, leiden die Tiere zum Schlachttermin regelmäßig an zahlreichen schmerzhaften Krankheiten. Besonders häufig sind: Abgleiten der Achillessehne vom Sprunggelenk, Wirbelsäulenverkrümmungen durch Verengungen des Rückenmarks, abnormales Knorpelwachstum, Knochenmarkentzündungen, Verätzungen, Muskelkrankheiten, Herz-Kreislauf-Versagen, Fettleber-Nieren-Syndrom.

  • Diese Krankheiten tragen dazu bei, dass schon nach 30 bis 35 Tagen sechs bis sieben Prozent der Tiere gestorben sind. Eine erschreckende Quote, die sich bei einer längeren Mast noch deutlich erhöhen würde. Ursachen sind einerseits die Zucht auf extrem schnelles Körperwachstum und die so genannte Qualzucht – also die Ausbildung großer Muskelpartien an Brust und Schenkel, andererseits auch die mangelnde Bewegung, und fehlende Erkundungs- und Beschäftigungsanreize. Diese Bedingungen müssen in der EU jedes Jahr über fünf Milliarden Tiere über sich ergehen lassen – so hoch sind die Schlachtzahlen!

Wenn Ihnen jetzt angesichts dieser Fakten der Appetit vergangen ist, dann hätte ich mein Ziel erreicht. Wobei ich davon ausgehe, dass die meisten Teilnehmer dieser Demonstration sich ohnehin schon bewusst ernähren.

Das sind die Fakten und wenn ich mir das Alles vor Augen führe, dann habe ich wenig Verständnis für die Entschuldigungen und Ausreden, die ich immer wieder höre. Die Eickhoffs seien ja so nett und die Familie sei fest im Ort verankert und integriert, heißt es da, oder: dass sie ja nicht anders könnten, weil der wirtschaftliche Druck in der Landwirtschaft so hoch ist.

Da kann ich nur sagen: Jeder Landwirt ist für die Tiere, die er hält, verantwortlich und die Eickhoffs sind lange genug im Geschäft, um zu wissen, was mit den Tieren passiert und wie sich die Haltungsbedingungen auswirken. Aber was heißt hier Landwirt! Es tut mir leid: Aber jemand, der in die Massentierhaltung einsteigt, der sich vertraglich an einen Konzern wie Rothkötter bindet, der ist für mich kein Landwirt mehr – das ist keine Landwirtschaft, die hier betrieben wird, das ist Agrarindustrie!

Ich halte diesen Punkt für enorm wichtig: Wir haben es hier mit einem Industriesystem zu tun! Ich kann nur jedem empfehlen, mal nach Wietze bei Celle zu fahren und sich Europas größten Schlachthof für Hühner anzusehen, den der Rothkötter-Konzern gegen erheblichen Widerstand dort hochgezogen hat – wobei ich mit ansehen meine, von außen ansehen. Da kommt nämlich keiner rein. Wenn man davorsteht, hat man das Gefühl man ist in Stuttgart-Stammheim – ein massiver Metallzaun, NATO-Draht, Kameras, Security-Leute.

Dem Schlachthof in Wietze verdanken wir, dass jetzt in einem großen Umkreis ein Maststall nach dem anderen hochgezogen worden ist und noch werden soll. Aktuell zum Beispiel auch in Fintel. Die Rede ist von insgesamt rund 400 Ställen, die Wietze benötigt, um die Schlachtstraßen auszulasten. Dort sollen im Endausbau etwa 2,5 Millionen Hühner in der Woche geschlachtet werden. Ich wiederhole: 2,5 Millionen Hühner pro Woche!!

Angesichts dieser Tatsachen finde ich es erschütternd, wie wenig die Kommunalpolitiker offenbar gegen die Mastställe ausrichten können. Ich versuche derzeit als Mitglied im Stadtrat von Buchholz, die Aufstellung eines Bebauungsplans für das fragliche Gelände in Sprötze zu erreichen, aber erfahrene Kollegen haben mir mitgeteilt, dass ein solcher B-Plan vor Gericht keinen Bestand hätte, weil er nur der Verhinderung des Vorhabens dienen würde.

Das ist für mich schwer nachvollziehbar: Hier soll mal eben die Zahl der gehaltenen Tiere von 36.800 auf 80.000 erhöht werden, und die zuständige Verwaltung muss das offenbar durchwinken. Über jede Regenrinne wird in den Gremien mehr diskutiert. Ich hoffe, dass es nächste Woche im Stadtplanungsausschuss und am 26. im Verwaltungsausschuss zumindest noch mal zu ernsthaften Nachfragen meiner Kollegen von SPD, Grünen und Buchholzer Liste kommt.

Die politische Schiene ist das Eine. Das Umdenken muss aber auf allen Ebenen stattfinden und dafür müssen wir den öffentlichen Druck erhöhen. Die Menschen müssen in ihrer Eigenschaft als Konsumenten zu bewussterem Einkaufen gebracht werden – dass sie nicht mehr automatisch im Supermarkt nach der unverschämt billigen eingeschweißten Hühnerbrust greifen.

Und in ihre Eigenschaft als Bürger und Wähler müssen die Menschen auf die Politik Druck machen. Jede Partei, die Massentierhaltung auch nur ansatzweise vertritt, muss unwählbar werden. Das gilt in besonderem Maße für eine Partei, die das Wort christlich in ihrem Namen führt, aber für die Tiere offenbar keine Geschöpfe Gottes sind, sondern nur noch ein Wirtschaftfaktor. Vor allem der hemmungslosen Parteinahme der CDU und FDP für die Agrarlobby müssen wir den Kampf ansagen!

Ich danken Euch und Ihnen!

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Von Kristian Stemmler

Der Widerstand gegen den geplanten zweiten Hühnermaststall in Sprötze kommt ins Rollen. Das kann man wörtlich nehmen: Am Sonnabend kamen knapp 100 Tierfreunde zusammen, um mit einer Fahrraddemo gegen das von der Familie Eickhoff beantragte Bauvorhaben zu protestieren. Auch wenn die Sprötzer der Demo leider bis auf wenige Ausnahmen fern blieben, ist das ein beeindruckendes Signal!

Bei der Abschlusskundgebung vor dem Buchholzer Rathaus trafen neben Tier- und Umweltschützern auch Kommunalpoltiker von SPD, Grünen, Buchholzer Liste, Piraten und DIE LINKE aufeinander. Dabei wurde klar: Der Zug ist noch nicht abgefahren – auch wenn die Verwaltung das Vorhaben offenbar durchwinken will und Bürgermeister Wilfried Geiger in der Presse schlankerhand bekundet hat, er sehe keine negativen Auswirkungen, gibt es noch Möglichkeiten für den Rat, dem Projekt Steine in den Weg zu legen.

Die Demo war ebenso locker und bunt wie friedlich. Das NDR Fernsehen drehte reichlich Material für einen Bericht in der Sendung „Hallo Niedersachsen“ (Sonnabend 19.30 Uhr, N 3), Kollege Oliver Sander vom Wochenblatt fotografierte und notierte, und die vielen Polizisten, die zum Schutz des Eickhoffschen Anlagen und zur Verkehrslenkung aufgeboten worden waren, erlebten einen entspannten Einsatz ohne Zwischenfälle. Nur das Kamerateam musste einmal zurückgepfiffen werden, weil es mit seinem VW Bus – aus dem geöffneten Dach filmend – am Korso vorbeipreschte und dabei in den Gegenverkehr fuhr.

Am bewegendsten war für die Teilnehmer sicherlich die Schweigeminute am Stall, die den hinter den Mauern des fensterlosen Baus zusammengepferchten Geschöpfen galt. Das Fernsehen drehte hier fleißig und hielt den Zug etwas auf, weil O-Töne eingefangen werden mussten. Das störte aber bei strahlenden Sonnenschein keinen. Aufgenommen wurden die Demonstranten übrigens auch von einem Security-Mann auf der anderen Seite des Zauns, der mit seinem Vollbart und einer Sonnenbrille doch recht martialisch aussah. Vermutlich kein Veganer.

Über die Buchholzer Straße ging es dann, mit Versammlungsleiter Wolfgang Gerull, einem erfahrenen Rattouren-Leiter, an der Spitze, in Richtung Nordheide-Metropole. Der Zug nahm eine Hälfte der Fahrbahn ein, der Gegenverkehr wurde vorn von der Polizei gebremst und passierte den Verband in langsamen Tempo. Hinten sorgten weitere Fahrzeuge der Polizei dafür, das Ende des Zuges zu markieren und die im Stau steckenden Autofahrer von Überholmanövern abzuhalten. Die Polizei hatte ferner Motorräder im Einsatz, um die Straßeneinmündungen, die der Demonstrationszug passierte, zu sperren. In Buchholz standen an den größeren Kreuzungen auch schon Beamten parat, um den Verkehr kurzfristig zu stoppen.

Das klappte alles vorzüglich! Darum ein ausdrücklicher Dank an dieser Stelle an die Polizeiinspektion Harburg für die gute Zusammenarbeit (das muss man auch als Linker ja mal sagen dürfen).

Wohlbehalten kamen alle gegen halb zwölf vor dem Buchholzer Rathaus an. Dort gab es zahlreiche Redebeiträge. Der Autor dieses Beitrags hielt eine Rede, die noch im blog eingestellt wird. Eckard Wendt von der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung, ein ausgewiesener Experte, warnte davor, die Eickhoffs als Tierquäler zu bezeichnen: „Sie nehmen Tierquälerei billigend in Kauf“, sagte er. Ein Tierquäler sei jemand, der Freude an den Qualen der Tiere habe. Wendt appellierte an die Verbraucher, weniger Fleisch zu essen (wobei ihm von den Veganern und Vegetariern entgegenschallte: „Kein Fleisch!“). Statt siebenmal in der Woche Fleisch zu essen, könne man das auf ein-, zweimal reduzieren – und dann Fleisch von Tieren essen, „die nicht die Hölle auf Erden erlebt haben“.

Sabine Eisermann vom Runden Tisch Natur-, Umwelt- und Tierschutz Buchholz, der die Demo organisiert hatte, stellte die Arbeit des Runden Tisches vor und machte klar: „Auch Tiere haben Rechte!“ Dem schloss sich Felicitas Gerull vom Runden Tisch an. Jeder solle doch mal in sich gehen und darüber nachdenken, was das Elend der Tier bei ihm oder ihr an Gefühlen auslöse. Auch Tierschützer Lucas Reents setze sich in seinem emotionalen Beitrag entschieden für die Rechte der Tiere ein.

Elisabeth Bischoff, für die Grünen im Kreistag und außerdem aktiv für den BUND, hob die negativen Auswirkungen hervor, die die Verwendung von Futter auf der Grundlage von Rohstoffen aus Südamerika dort vor Ort hat. Sie wolle die Familie Eickhoff nicht verdammen, es müsse darum gehen, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen und auf Landes- und Bundesebene die Regelungen für die Massentierhaltung zu verändern. Arne Ludwig, im Stadtrat für die Piraten, verwies auf den massiven Einsatz von Antibiotika in der Hühnermast und die dadurch entstehende Gefahr durch resistente Keime. Er betonte, der Stadtrat von Buchholz müsse alles Mögliche tun, um das Vorhaben in Sprötze zu verhindern, und kündigte an, es werde eventuell ein Gutachter beauftragt, die Auswirkungen der Erhöhung der Mastplätze zu untersuchen.

Martin Dieckmann von der Buchholzer Liste, ein Kenner der juristischen Materie, machte den anwesenden Tierfreunden Hoffnung. So machtlos, wie das gesagt worden sei, seien die Kommunalpolitiker in der Sache nicht: „Niemand kann im Moment sagen, dass das Vorhaben rechtmäßig ist!“ Das nach dem Bundesemissionsschutzgesetz vorgeschriebene Verfahren sei langwierig, man sei da erst ganz am Anfang. Auch sei nicht nachvollziehbar, dass die Stadt Buchholz schon jetzt ihr Einvernehmen erklären wolle, da anscheinend noch nicht einmal alle Antragsanlagen beim Landkreis vorlägen. Dieckmann fasste zusammen: „Wir können noch einiges tun.“

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Von Kristian Stemmler

Von außen sieht das Ganze unspektakulär aus: ein langgezogener fensterloser Bau mit Silos an der Seite, eine Kamera am Giebel, ein Erdwall mit einem Zaun drumherum, kein Schild, kein Hinweis darauf, was hier passiert. Aber was hinter den Mauern des fensterlosen Gebäudes außerhalb von Sprötze geschieht, ist in Wahrheit ebenso spektakulär wie dramatisch: Hier betreibt die Landwirtsfamilie Eickhoff konventionelle Hühnermast – ein Verfahren, das mit tausendfachem Tierleid und größtem Elend lebender Geschöpfe verbunden ist. Wer sich mit den Haltungsbedingungen in derartigen Mastställen näher befasst, kann gar nicht anders, als sie zu verurteilen und zu bekämpfen, wenn er denn Tiere als Mitgeschöpfe versteht. Mit Landwirtschaft im eigentlichen Sinne hat das nichts mehr zu tun – das ist Agrarindustrie!

Am Sonnabend gehen Menschen auf die Straße, die sich mit dem Elend der Hühner in Sprötze und anderswo, nicht abfinden wollen. Um 10 Uhr startet am Sprötzer Bahnhof eine Fahrraddemo, die zum Maststall der Familie Eickhoff außerhalb der Ortschaft führt – dort wird mit einer Schweigeminute der in dem Stall eingepferchten Tiere gedacht. Dann geht es nach Buchholz, wo gegen 11.30 Uhr im Rathauspark die Abschlusskundgebung beginnt. Die Demo hat schon vorab ein großes Medienecho ausgelöst. So hat sich das NDR Fernsehen für Sonnabend angekündigt, um für die Sendung „Hallo Niedersachsen“ am selben Abend einen Beitrag zu drehen.

Die Demo richtet sich gegen das Vorhaben der Eickhoffs, die Zahl der Plätze im ersten Maststall von 36.800 auf 38.400 zu erhöhen und einen zweiten Maststall mit 41.600 Plätzen zu bauen, so dass hier insgesamt 80.000 Hühner gemästet werden dürfen. Das Vorhaben ist eine Folge des Baus von Europas größtem Schlachthof für Hühner in Wietze bei Celle. Dort hat der Rothkötter-Konzern gegen entschiedenen Widerstand ein riesiges Areal bebaut, das mit hohem Zaun und NATO-Draht gesicher ist, das von zahlreichen Kameras und Security-Leuten bewacht wird. Wenn man davor steht, hat man das Gefühl in Stuttgart-Stammheim zu sein!

Initiiert wurde die Fahrrad-Demo vom Autor dieses Beitrags, der Runde Tisch Natur-, Umwelt- und Tierschutz Buchholz hat den Ball aufgenommen und die Organisation übernommen. Auf der politischen Schiene läuft parallel der Versuch, das Vorhaben mit der Aufstellung eines Bebauungsplans zu beeinflussen, den ich in meiner Funktion als Ratsherr der LINKEN in Buchholz mitiniiert habe. Laut Baugesetzbuch ist es eine originäre Aufgabe der Kommunen, mittels der Bauleitplanung städtebauliche Ziele zu verfolgen – und zu diesen Zielen gehören eindeutig der Schutz der Umwelt, von Boden und Wasser, ebenso wie der Schutz der Gesundheit der Allgemeinheit.

Bei zwei Mastställen mit 80.000 Tieren ist von erheblichen Auswirkungen auf die Umwelt auszugehen, die zu untersuchen wären, zum Beispiel ein hoher Wasserbedarf. Es ist schwer nachvollziehbar, dass der Bürgermeister von Buchholz in den „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ erklärt hat, er gehe von keinerlei derartigen Auswirkungen aus. Ebensowenig nachvollziehbar ist, wie schnell die Buchholzer Verwaltung das Vorhaben offenbar durchwinken will – schon jetzt wurde Einvernehmen signalisiert, so schnell kann eine Umweltverträglichkeitsprüfung eigentlich nicht stattgefunden haben.

Was Hühnermast für die betroffenen Tiere bedeutet, fasse ich hier kurz zusammen (Quelle: http://www.gefluegelmast.de):

  • Masthühner werden meist in fensterlosen, klimatisierten Hallen in Gruppen von 10.000 und mehr Tieren gehalten. Üblich ist die sogenannte Kurzmast (Intensivmast, »Turbomast«), bei der die Tiere ihr Schlachtgewicht von 1,4 bis 1,6 kg bereits im Alter von 30 bis 35 Tagen erreichen. Durch die Überzüchtung der Tiere sind Gewichtszunahmen von 55 bis 60 Gramm pro Tag die Regel. Für ein Kind, das 30 Kilogramm wiegt, würde das eine tägliche Gewichtszunahme von zwei Kilogramm bedeuten. Kein Wunder also, dass die Hühner oft unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.

  • Den Hühnern wird kaum Platz zugestanden: Bis zu 26 Tiere müssen sich in der Regel einen Quadratmeter teilen. Das entspricht weniger als 2/3 eines DIN-A4-Blattes pro Huhn.

  • Zu den Grundbedürfnissen von Hühnern zählen Erkunden, Suchen, Scharren sowie vielfältige Pickaktivitäten wie Ziehen, Reißen, Hacken und Bearbeiten veränderbarer Nahrungsbestandteile mit dem Schnabel. Da außer etwas Einstreu (z. B. Sägemehl oder Hobelspäne) und den Futter- sowie Tränkeinrichtungen die Massentierhaltungs-Hallen meistens kahl sind, können die Tiere diese Triebe nicht ausleben.

  • Die Masthühner erhalten ausschließlich industriell aufbereitetes Kraftfutter mit hohem Energie- und Proteingehalt. Dadurch wird die Zeit für die Nahrungsaufnahme stark verkürzt, und das arteigene Bedürfnis, nach Nahrungsteilen zu suchen und diese zu bearbeiten, wird frustriert. Eine typische Ersatzhandlung ist das verstärkte Federpicken.

  • An den Futtertrögen wird jedem Masthuhn ein bis drei Zentimeter Platz zugestanden. Ungestörtes, gleichzeitiges Fressen ist somit unmöglich. Als Folge klettern die Tiere am Trog übereinander und verletzen sich gegenseitig – Todesfälle sind nicht selten (siehe Bilder weiter unten).

  • Platzmangel und fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten führen zu Dauerstress für die Tiere. Gelegenheit zum Ruhen haben die Tiere dabei fast gar nicht, wie Untersuchungen belegen: Nur vier Prozent der Ruheperioden dauern länger als drei Minuten; die Mehrheit der Ruheperioden ist sogar kürzer als 60 Sekunden.

  • Je höher die Bestandsdichte, desto weniger pflegen sich die Masthühner. Stattdessen kommt es durch ein Leben in den eigenen Exkrementen (gereinigt werden die Hallen während der Mast nicht) zu hohen Ammoniakbelastungen. Bei den typischen Besatzdichten erleiden so bis zu einem Drittel aller Tiere durch das Liegen auf durchfeuchteter Einstreu Verätzungen.

  • Schon bei Besatzdichten von mehr als 10 Tieren pro Quadratmeter steigt in Verbindung mit der Konkurrenz um die Futterstellen und dem Fehlen von Sitzstangen und anderen Ausweich-und Rückzugsmöglichkeiten die Anzahl aggressiver Auseinandersetzungen. Weil die unterlegenen Tiere in der herrschenden räumlichen Enge ihre Demutshaltungen nur unvollständig zeigen und keine Deckung suchen können, werden Angriffe häufig über das normale Maß hinaus fortgesetzt. Um die Aggressionen halbwegs im Griff zu behalten, werden die Masthühner in Dämmerlicht gehalten.

  • Obwohl Masthühner in der Regel noch nicht einmal sechs Wochen alt werden, leiden die Tiere zum Schlachttermin regelmäßig an zahlreichen schmerzhaften Krankheiten. Besonders häufig sind: Abgleiten der Achillessehne vom Sprunggelenk, Wirbelsäulenverkrümmungen durch Verengungen des Rückenmarks, abnormales Knorpelwachstum, Knochenmarkentzündungen, Brustblasen (Verätzungen), Muskelkrankheiten, Herz-Kreislauf-Versagen, Fettleber-Nieren-Syndrom.

  • Die Krankheiten tragen dazu bei, dass schon nach 30 bis 35 Tagen 6-7% der Tiere gestorben sind. Eine erschreckende Quote, die sich bei einer längeren Mast noch deutlich erhöhen würde. Ursachen sind einerseits die Zucht auf extrem schnelles Körperwachstum und die Ausbildung großer Muskelpartien an Brust und Schenkeln (»Qualzucht«), andererseits auch die mangelnde Bewegung, hervorgerufen durch die hohen Besatzdichten und fehlende Erkundungs- und Beschäftigungsanreize. Diese Bedingungen müssen in der EU jedes Jahr über 5 Milliarden Tiere über sich ergehen lassen – so hoch sind die Schlachtzahlen.

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