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Posts Tagged ‘Simon Zeise’

Von Kristian Stemmler

Oft frage ich mich, ob die Fähigkeit, viel Geld zu machen, Intelligenz voraussetzt oder ob zu viel Intelligenz dabei nicht eher hinderlich ist. Ob es da nicht viel mehr auf Skrupellosigkeit und Scheuklappenmentalität ankommt. Aktuell dachte ich über diese Frage wieder nach, als ich vom Weltwirtschaftsforum in Davos las, zu dem sich von Donnerstag bis zum heutigen Sonnabend rund 2500 Vertreter des Establishments trafen.

Offenbar gilt für die Herren und Damen Kapitalisten, dass sie tatsächlich die Zusammenhänge gar nicht begreifen oder begreifen wollen, frei nach der Devise: Denn sie wissen nicht, was sie tun. Kollege Simon Zeise hat das in der Tageszeitung junge welt gut auf den Punkt gebracht. Er verweist auf den am Donnerstag in London von den Veranstaltern des Forums vorgestellten Welt-Risiko-Bericht, für den 750 Manager und Wirtschaftswissenschaftler befragt wurden.

Die Studie spricht für das vergangene Jahr von „gestiegenen Risiken in allen Bereichen“, was recht scharfsinnig ist. Noch nie in der elfjährigen Geschichte der Erhebung habe es eine „so breit gefächerte Risikolandschaft“ gegeben. „Durch Ereignisse wie die Flüchtlingskrise und Terroranschläge in Europa ist die globale politische Instabilität so hoch wie seit dem Kalten Krieg nicht mehr“, heißt es da.

Süffisant merkt Zeise dazu an: „Dabei scheinen die in den Schweizer Bergen vereinigten Kapitalisten aller Länder Ursache und Wirkung verwechselt zu haben. Deren globaler Siegeszug hat die Welt nach 1990 in ein Trümmerfeld verwandelt.“ Das ist ebenso bündig wie zutreffend.

Der Kollege benennt auch Ross und Reiter: „Die Strategie neokonservativer Hardliner in Washington ist aufgegangen, denn im Nahen und Mittleren Osten tobt ein Flächenbrand, Russland wird isoliert, China geopolitisch umzingelt. Auch Krieg auf dem europäischen Kontinent wird seit dem NATO-Angriff auf Jugoslawien und dem Aggressionskurs in der Ukraine nach der neoliberalen Wende billigend in Kauf genommen.“

Und weiter: „Wer sorgt also für globale Instabilität? Flüchtlinge, die Opfer imperialistischer Kriege und Ausbeutung, sollen Rechenschaft darüber ablegen, dass sie sich erdreisten wollen zu überleben? Ihnen soll es gelingen die Herrschaft der Bourgeoisie zu sprengen? Kommen die Bolschewiken übers Mittelmeer? Vielleicht sind es aber auch die Damen und Herren, die in der Schweiz konferieren.

Aus ihrer Strategie machen sie kein Geheimnis. Diejenigen, die nichts anderes als ihre eigene Haut zu verkaufen haben, sind ihnen keinen Pfifferling wert. Innenpolitisch werden Investitionen in Infrastruktur und Löhnen, von denen Familien leben können, eine Absage erteilt. Es ist ja kein Geld da, wegen der kommenden Ausgaben für die Flüchtlinge.

Damit das System weiter funktionieren kann, wird die Spekulation bedient. Die steigenden Mieten werden dazu führen, dass man in den Innenstädten Berlins, Münchens und Frankfurts bald keine Hartz-IV-Empfänger mehr zu Gesicht bekommt. Und auch das Finanzmarktvolumen hat wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

So hält das Kapital den Laden am Laufen. Die deutsche Kanzlerin lehnt sich zurück und faltet ihre Hände zur Raute. Das Exportmodell floriert, die heimischen Banken lassen sich vom Süden Europas ausbezahlen, und die Bevölkerung wird schleichend an mehr Militär gewöhnt. Kämpfen muss man nur im Windschatten Frankreichs – »wir« eilen »zu Hilfe« in Syrien und Mali.“

Und Zeises Fazit: „Es ist eine Risikoversammlung, die in den Schweizer Bergen tagt. Sie bedroht die Menschheit und vor ihren Taten fliehen Millionen.“ Das bringt es endlich mal auf den Punkt!

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Griechenland Flagge NEUVon Kristian Stemmler

Als kritischer Beobachter fühlt man sich an Zeiten der NS-Propaganda erinnert, wenn man die Meldungen der Mainstreammedien zum Thema Griechenland verfolgt. Nur dass die „Propagandaoffiziere“ heute subtiler arbeiten. Da ist wie selbstverständlich vom „dritten Hilfspaket“ oder vom „Rettungspaket“ für Griechenland die Rede – wo es doch nur darum geht, den Banken und anderen Gläubigern des Landes die Milliarden in den Rachen zu werfen. Und wo die von Berlin diktierte EU-Politik Griechenland in den Abgrund zieht und keineswegs rettet.

Kollege Simon Zeise weist in einem klugen Kommentar in der Tageszeitung junge welt darauf hin, dass es sich eigentlich um ein „Geldwäscheprogramm“ handelt, denn allein 54 der 86 Milliarden Euro des Pakets würden verwendet, um Altschulden bei den „Institutionen“ und privaten Gläubigern zu bedienen. Zugleich sei es ein „Verelendungsprogramm“, denn die griechische Regierung habe sich verpflichtet, ohne neue Kreditaufnahme einen Haushaltsüberschuss zusammenzukürzen.

Zeise schreibt: „Die Armut im Land wird weiter zunehmen. Rentner bauen Gemüse zur Selbstversorgung an, Flüchtlinge leben ohne Schutz, jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos, die Mehrheit der Griechen ohne Perspektive.“ Die griechische Tragödie habe eines gelehrt: „Mit Tsipras kann man jetzt alles machen.“ Sein Fehler sei gewesen – da hat Zeise mehr als recht! -, den Austritt aus dem Euro nicht ernsthaft ins Spiel gebracht zu haben.

Es ist aber in Griechenland dasselbe wie in Deutschland: Wenn man den entfesselten Kapitalismus nicht radikal in Frage stellt und ernsthaft mit ihm brechen will, hat man keine Chance. Das gilt auf allen Ebenen. Kollege Reinhard Jellen hat kürzlich zum Thema Kapitalismus etwas Aufschlussreiches und Treffendes geschrieben, auch in der jungen welt, und dabei einen wunderbaren Seitenhieb auf den ja in Griechenland-Fragen federführenden Politiker Wolfgang Schäuble untergebracht.

Jellen schreibt: „Die Menschen sind kapitalistisch gesehen genau solange interessant, wie sie für den Markt interessant sind. Das wird zwar selten so direkt formuliert, ist aber bis in die Physiognomie unserer Industriekapitäne, Bankenvorstände und Politiker präsent. Man kann beispielsweise aus der verhärmten Bürokratenfresse unseres Finanzministers vieles herauslesen, aber bestimmt nicht, dass es ihm in erster Linie um die Menschen zu tun wäre – es denn, er kann an ihnen seinen Herrenmensch-Sadismus austoben.“

Ganz wunderbar!

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