Mit ‘Reinhard Schrader’ getaggte Beiträge

Ausriss Wochenblatt Tag der BegegnungVon Kristian Stemmler

Offenbar haben wir schon Saure-Gurken-Zeit. Das Nordheide Wochenblatt hat jedenfalls nichts Besseres zu tun, als seine Kampagne gegen die Buchholzer Verwaltung im allgemeinen und gegen die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke im besonderen mit einem an den Haaren herbeigezogenen Aufmacher fortzusetzen. „Kein Interesse an Behinderten?“ titelt die Bild-Zeitung des Landkreises in ihrer Mittwochausgabe – doch der Beitrag ist von vorn bis hinten konstruiert.

Fakt ist, dass vor kurzem auf dem Parkplatz der Volksbank Lüneburger Heide stattfand, bei dem Bürger sich über den Alltag von Behinderten informieren konnten. Dazu gehörte auch eine Rollstuhlfahrt durch die Innenstadt, die den nicht-behinderten Teilnehmer vor Augen führen sollte, wie viele Klippen es für Behinderte dort gibt. Organisiert wurde das Ganze von Peter Weh, ehemaliges Mitglied des Kreis-Behindertenbeirates, der auch vorgesehen ist für den Inklusionsbeirat, der in Buchholz berufen werden soll.

Das Wochenblatt bemängelt nun vor allem, dass die Buchholzer Verwaltung bei dieser Veranstaltung „mit Abwesenheit geglänzt“ hätte. Besonders Stadtbaurätin Doris Grondke kriegt wieder ihr Fett weg. Dabei schreckt man auch nicht vor einer völlig blödsinnigen Verknüpfung des Themas mit dem ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) zurück. „Nicht nur um die Theorie kümmern, Frau Grondke!“ ist der absurde Kommentar des Kollegen Oliver Sander überschrieben.

Grondke bewerbe auf allen Kanälen die Stadtspaziergänge im Rahmen des ISEK, beim „Spaziergang mit dem Rollstuhl“ fehle sie dann aber. Sander wörtlich: „Zum zweiten Mal hat es Grondke verpasst, mit ihrer Anwesenheit bei ganz handfesten Projekten Interesse zu bekunden.“ Mit dem ersten Projekt ist eine Präsentation von Studenten zur Entwicklung der Rütgersfläche und des Lokschuppens gemeint.

Die ganze Geschichte hat einen entscheidenden Schönheitsfehler: Grondke war über den „Tag der Begegnung“ gar nicht informiert! „Ich habe keine Einladung bekommen und wusste nichts von der Veranstaltung“, sagte sie dem Buchholz Express. Auch Sozialdezernent Jan-Hendrik Röhse hatte übrigens im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales schon erklärt, dass er von der Veranstaltung nichts wusste, was das Wochenblatt immerhin erwähnt.

Dass die Zeitung die Geschichte dennoch aufrecht erhält, so groß aufmacht und tendenziös kommentiert, zeigt nur, dass man sich bei der Kampagne gegen Grondke durch Fakten nicht beeindrucken lässt. Jetzt wo der Neubau der Sporthalle Mühlenschule in Holm-Seppensen für die Berichterstattung nichts mehr hergibt, sucht man sich halt irgendwelche neuen Anlässe. Ganz offenbar passt Grondkes Kurs des Dialogs, der Bürgerbeteiligung und der neuen Konzepte dem Wochenblatt und vor allem seinem Chefredakteur Reinhard Schrader nicht.

Man kann Doris Grondke eines wirklich nicht vorwerfen: dass sie sich zu wenig um die Belange der Stadt kümmert, sich nicht engagiert oder nicht zum Austausch bereit ist. Auch dass sie oder die Verwaltung kein Interesse an Behinderten hätten, ist an den Haaren herbeigezogen. Entsprechende Konzepte zum Umbau der Buchholzer Innenstadt liegen längst vor, der Stadtrat hat dafür nur bei den Haushaltsberatungen kein Geld frei gegeben.

Es dürfte auch kein Zufall sein, dass FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky bei der vorliegenden Geschichte wieder eine Rolle spielt. Auch wenn er in dem Beitrag nur namentlich erwähnt und im Rollstuhl abgebildet ist – es ist schon seltsam, dass er irgendwie immer seine Hand im Spiel hat, wenn das Wochenblatt gegen Doris Grondke schießt.

Kurz vor der zweiten Bürgerwerkstatt zum ISEK in der Empore am Sonnabend lässt sich konstatieren: Es gibt in Buchholz leider nach wie vor konservative Kräfte, denen die neue Gesprächskultur, die Grondke in Buchholz zu implantieren versucht, nicht passt. Um so mehr müssen die Leute in Politik, Wirtschaft und Bürgertum, die an einem konstruktiven Dialog zum Wohle der Stadt interessiert sind, zusammen halten. Von Bedeutung wird sein, wie es dem designierten Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse gelingen wird, die fortschrittlichen Kräfte zu bündeln und die widerstrebenden einzubinden.

 

 

DSC_7897Von Kristian Stemmler

Reinhard Schrader scheint kurz vor seiner Pensionierung noch eine Art präsenile Unbelehrbarkeit entwickeln zu wollen – oder war er schon immer so? Der Chefredakteur des Nordheide Wochenblattes prügelt in der Ausgabe vom 16. April schon wieder auf der Buchholzer Stadtbaudezernentin Doris Grondke herum. Er hat es offenbar nicht verwunden, dass sie seine Argumentation zum Neubau der Sporthalle an der Holm-Seppenser Mühlenschule im Stadtrat ad absurdum geführt hat, und nimmt jetzt das ISEK her, um sie zu treffen.

Wie bekannt, arbeitet die Buchholzer Verwaltung seit einigen Monaten erfolgreich an einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK), wie es andere Kommunen schon länger haben. Dabei soll grundsätzlich geklärt werden, wohin Buchholz sich eigentlich überhaupt entwickeln soll. Eine für die Stadt nicht ganz unwichtige Frage, deren Beantwortung natürlich auch etwas kostet. Aber für Schrader ist das alles nur rausgeschmissenes Geld. Ihm passt schon die ganze Richtung nicht.

„ISEK ist Teil einer Mega-Jobmaschine im öffentlichen Dienst und bei dessen Dienstleistern: bei Planungsbüros, Gutachtern, Mediatoren usw. Zu Lasten der Steuerzahler werden für derartige Programme immer neue Konzepte produziert, am Ende nicht selten für den Papierkorb.“ Schrader offenbart hier wieder einmal seine FDP-nahe, neoliberale Grundeinstellung, zu der auch eine tiefsitzende Verwaltungsfeindlichkeit (um nicht -hass zu sagen) gehört:

Der Staat hat die Infrastruktur für die Wirtschaft in Stand zu halten und zu entwickeln, damit der Rubel rollt, basta! Da macht sich Schrader ganz zum Sprachrohr des Klientels seiner Zeitung, der Werbe- und Anzeigenkunden, also der Wirtschaft. Nur so ist ja auch seine Dauerkampagne gegen Grondke zu erklären, die mit ihrer Politik offenbar die Erwartungen der Buchholzer Geschäftsleute nicht ausreichend erfüllt.

Für einen Journalisten ist eine solche Haltung schon peinlich genug. Noch peinlicher wird es aber, wenn man sich diesen Beitrag genauer anschaut. Denn wieder einmal mischt Schrader Tatsachen, Halbwahrheiten, Unwahrheitungen und Übertreibungen noch nicht einmal besonders geschickt zusammen, um Grondke ans Bein zu pinkeln. Es genügen eigentlich einige Klicks im Internet und ein wenig Nachdenken, um den Beitrag zu entlarven.

Schrader vergleicht das ISEK, das in Buchholz im Werden ist, mit dem ISEK, das die Nachbarkommune schon erstellt hat. In Buchholz lägen die Kosten bei mindestens 150.000 Euro, Tostedt habe sein ISEK zum Nulltarif hinbekommen. Diese Aussage ist eine recht gemeine Täuschung! Auf einer Seite der Tostedter Verwaltung lesen wir nämlich zum Tostedter ISEK:

„Das Konzept ist im Rahmen eines Postgraduiertenstipendiums der Irene und Friedrich-Vorwerk-Stiftung, Tostedt, zur Förderung des akadamischen Nachwuchses im ingenieurwissenschaftlichen Studiengang Stadtplanung an der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) entstanden.“

Auf Deutsch: Die Vorwerk-Stiftung hat, wie so Manches andere in Tostedt, auch dieses ISEK bezahlt. Wenn man so einen Sponsor hat, kann man natürlich leicht zum Nulltarif arbeiten!

Dann bemängelt Schrader auch noch, dass Buchholz sich zwei Jahre Zeit lässt für sein ISEK, Tostedt habe dasselbe in einem halben Jahr geschafft. Auch hier täuscht der Herr Chefredakteur, was das Zeug hält. In Tostedt ging es um ein ISEK für „die Durchführung von Ausbaumaßnahmen im Tostedter Ortskern“ – das war’s! In Buchholz geht es um viel mehr: um eine umfassende Analyse der Stärken und Schwächen, um Sport, Stadtentwicklung, Kultur, Grünanlagen und und und. Dafür braucht man Zeit und dafür sollte Buchholz sich die Zeit auch nehmen.

Fast am unverschämtesten ist die Formulierung Schraders von der „letztlich bedeutungslosen Bürgerbeteiligung“. Die Empore war ausgebucht, als das Planungsteam vor einigen Wochen die Bürger gebeten hatte, ihre Meinung zu sagen. Dass zu den ISEK-Veranstaltungen viele Kommunalpolitiker und oft Leute kommen, die man auch bei ähnlichen Gelegenheiten sieht, ist bestimmt nicht Grondkes Schuld.

Das ist die Folge einer Politikverdrossenheit, an der Medienleute wie die Schraders und ihre Amigos in der Politik und Wirtschaft die meiste Schuld tragen. Viele Bürger sind nicht ganz zu unrecht der Meinung, dass man gegen die mächtigen Interessengruppen, die eine Stadt wie Buchholz mit Geschäftshäusern und teuren Eigentumswohnungen zuklotzen ohnehin wenig tun kann.

 

Logo BildVon Kristian Stemmler

Wie der buchholz express aus gut unterrichteten Quellen erfuhr, will die Bild-Gruppe der Axel Springer AG den Wochenblatt-Verlag kaufen. „Die Wochenblätter des Hauses Schrader passen bestens zu unserem Image und unseren Inhalten“, sagte Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild-Zeitung. Wie der buchholz express weiter erfuhr, soll das Nordheide Wochenblatt in Nordheide-BILD umbenannt werden. Diekmann äußerte Respekt und Bewunderung für die Leistung der Wochenblätter. „Die machen uns noch was vor. Wie da Leute ohne Rücksicht auf ihre Persönlichkeitsrechte vorgeführt und niedergemacht werden – dagegen sind wir Waisenknaben!“, so der erfahrene Zeitungsmann. Auch die Machtfülle des Wochenblatt-Verlages nötigt Diekmann Respekt ab: „Die bestimmen ja, wer in Buchholz Bürgermeister wird und wer nicht. Das schaffen wir in Hamburg nicht, da brauchen wir immer noch das Hamburger Abendblatt.“

Layouttechnisch will die Bild-Gruppe nach der Übernahme die Wochenblätter noch etwas aufpeppen. „Das ist schon nicht schlecht, aber noch zu sehr Kraut und Rüben“, sagte Diekmann dem buchholz express. „Das Rot muss noch knalliger kommen und die Überschriften sind viel zu klein.“ Auch müssten die Mitarbeiter geschult werden, noch boulevardesker rüberzukommen. „Mal abgesehen von zwei, drei Ausnahmen sind die noch viel zu objektiv“, so der Chefredakteur.

Für den jetzigen Chefredakteur, Reinhard Schrader, hat Diekmann dagegen nur Lob übrig: „Wie der draufhaut und das oft ohne jede Rücksicht auf die Fakten – alle Achtung!“ Dass Schrader in diesem Jahr in Rente gehe, sei ein herber Verlust. Man werde wohl jemanden mit Bild-Erfahrung für den Job des Chefredakteurs auswählen, um die Blätter weiter auf Kurs zu bringen.

Aber erst mal gelte es im Sommer den Bürgermeister von Buchholz zu machen. „Ich habe mit den Schraders geredet“, sagte Diekmann, „Dieser Grüne da ist ja ganz pfiffig, aber ein Grüner in so einer wichtigen Position – ich weiß nicht. Und der Jurist von der CDU soll doch etwa zu liberale Tendenzen haben. Ich denke, wir werden uns für den Makler Ronald Bohn entscheiden.“

Auf diese Weise könne man Buchholz zu einer Art Versuchsgebiet machen – eine Kleinstadt, die von Investoren, Einzelhandel, Wirtschaft und einem Verlag regiert werde. Diekmann: „So etwas gibt es in ganz Deutschland noch nicht.“

DSC_7897Von Kristian Stemmler

Mit jedem Erscheinungstag des Nordheide Wochenblattes und seiner Ableger wird deutlicher, wie wichtig eine echte Alternative zum Quasi-Monopolisten in der Medienlandschaft des Landkreises Harburg ist. In der Ausgabe vom Sonnabend hetzt der Chefredakteur des Blattes, Reinhard Schrader, auf übelste Weise gegen die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke. Thema ist wieder, wie schon in etlichen zurückliegenden Ausgaben, die neue Sporthalle an der Mühlenschule Holm-Seppensen.

Was allein schon eine Sauerei ist: Schrader zitiert eine Formulierung und zwar bereits in großen Lettern in der Überschrift, die sie offenbar im Zusammenhang mit dem Wochenblatt gebraucht hat und die ihm zugetragen worden ist: „unsägliche Berichterstattung“. Mal abgesehen davon, dass Grondke recht hat, ist es einfach unsauberer Journalismus nach dem Muster von „Bild“ und anderen Schmierblättern, so eine Äußerung, die jedem mal rausrutschen kann, öffentlich zu zitieren.

In dem vierspaltigen Artikel walzt Schrader sein Ceterum Censeo aus: Im übrigen bin ich der Meinung, dass Doris Grondke Geld und Zeit verschwendet und völlig unfähig ist. Mit allen möglichen Beispielen versucht er zu belegen, warum die Halle viel zu teuer geworden ist und warum die Bauzeit zu lang ist. Dass er da Äpfel mit Birnen vergleicht, ficht ihn nicht an.

Auch kommt der Chefredakteur natürlich wieder mit einer Lügengeschichte daher, die auch durch häufiges Zitieren nicht wahrer wird: nämlich dass eine fertige Planung für eine Sporthalle in Holm-Seppensen in der Schublade gelegen hätte, die Grondke mit ihrem hochbaulichen Gutachterverfahren vom Tisch gewischt habe. Das ist Blödsinn! Noch einmal: So eine fertige Planung hat es nicht gegeben!!

Es ist relativ leicht erkennbar, warum Schrader und sein Schmierblatt dermaßen auf Grondke herumtrampeln. Sie hat neue Verfahren und Strategien aus Hamburg mitgebracht, die vielen in Buchholz, darunter sicher auch Leuten, mit denen Schrader gut kann, nicht gefallen. Offenbar geht es hier auch um Profite und Pfründe. Wenn man die Stadtbaurätin dermaßen unter Feuer nimmt, ist das eigentlich die einzig plausible Erklärung.

Dafür spricht auch, dass bei anderen Projekten, bei denen die Kosten mindestens ebenso ansteigen, das Wochenblatt komplett still hält. Ich erwähne hier nur mal die Zukunftswerkstatt, die sich als ein Fass ohne Boden herausstellte. Immer wieder musste der Landkreis Hunderttausende nachschießen, obwohl das Projekt ja auch von zahlreichen Sponsoren getragen wird. Dass das Wochenblatt hier nichts sagt, liegt auf der Hand, gehört man doch zu den Unterstützern des Projektes und wird dieses Projekt doch von der heimischen Wirtschaft getragen.

An dieser Stelle möchte ich Doris Grondke bitten, sich von diesem Dauerbeschuss nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Ihr Vorhaben, eine Art Stadtplanungs- und Baukultur in Buchholz zu implantieren, ist aller Ehren wert und dringend notwendig. Lassen Sie sich nicht von ein paar Pfeffersäcken und Schreiberlingen aus dem Konzept bringen. Buchholz braucht Sie!

Von Kristian Stemmler

Wie andere Medien auch singt das Nordheide Wochenblatt immer wieder gern das Lied von den Abzockern in den Amtsstuben. Wenn Gebühren erhöht werden oder die Gehälter von Bürgermeistern, darf nach Herzenslust draufgehauen werden. Natürlich wird genauso getrommelt, wenn die Politik Steuererhöhungen plant – ein grotesk paradoxes Verhalten vieler Medien! Denn woher sollen die Kommunen denn eigentlich das Geld holen, um ihre zahlreichen Aufgaben zu erfüllen?

Das Wochenblatt war selbstverständlich auch zur Stelle, als das Vorhaben der Stadt Buchholz ruchbar wurde, die Friedhofsgebühren zu erhöhen. „Das Sterben wird jetzt richtig teuer“, titelte man auf der ersten Seite und Chefredakteur Reinhard Schrader frönte seinem Lieblingssport „Beamtenbashing“.

In bewährter Manier wurden die Erhöhungen polemisch und zugespitzt dargestellt, von „bis zu 400 Prozent mehr“ fabuliert, so dass die Begründung für die Anhebung aus dem Munde von Grünamtschef Thomas Söller nur noch wie eine laue Ausrede wirkt. Nämlich der Umstand, dass die Gebühren seit 17 Jahren nicht erhöht wurden und in den letzten drei Jahren ein Minus von mehr als 580.000 Euro aufgelaufen sei, die aus Steuermitteln ausgeglichen werden.

Doch die Kampagne des Wochenblattes hat die verantwortlichen Buchholzer Politiker nicht davon abgebracht, diese notwendige Erhöhung jetzt zu beschließen. Der Rat der Stadt stimmte der Änderungssatzung der Verwaltung bei seiner Sitzung am gestrigen Dienstag mit großer Mehrheit zu. Lediglich die beiden Vertreter der Unabhängigen Wählergemeinschaft Buchholz (UWG), Peter Kröger und Heiner Hohls, stimmten gegen die Gebührenerhöhung, Pirat Arne Ludwig enthielt sich.

Kröger bezeichnete die Erhöhungen in der vorhergehenden Debatte als unsozial. Viele Bürger lebten am Existenzminimum, für sie sei das „ein großer Schwung“. SPD-Fraktionschef Wolfgang Niesler sparte ebenfalls nicht mit Kritik, obwohl die SPD der Erhöhung schließlich zustimmte. Die „drastische Erhöhung“ sei in der Öffentlichkeit zu Recht auf Unverständnis gestoßen. Wenn die Stadt die Gebührensatzungen regelmäßig überprüft hätte, hätte man das vermeiden können, so Niesler.

Pirat Ludwig, der wie immer mit Laptop zum Podium eilte, hatte zwar ein paar Fragen zu Details der neuen Satzung, fand aber insgesamt, dass die Änderung die Satzung „ein Stück weit gerechter“ mache. Dass die Gebühren für die Bestattung dreimal höher seien als in Berlin, leuchte ihm aber nicht ein: „Sind die Schaufeln hier teuer?“

Ralf Becker von der CDU zeigte sich verwundert über die Kritik. Die Erhöhungen seien in den Ausschüssen lang und breit diskutiert worden. Ein Defizit von mehr als 580.000 Euro sei „auf Dauer kein Zustand“. Die Gebühren in den Nachbargemeinden seien auf ähnlichem Niveau. Jürgen Kempf von der FDP mahnte an, dass künftig die Gebühren regelmäßiger angepasst werden. Eine Kostendeckung werde und wolle man bei den Friedhöfen allerdings nicht erreichen.

Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) räumte ein, dass die 17 Jahre, in denen die Friedhofsgebühren nicht erhöht wurden, „ein paar Jahre zu viel sind“. Er erinnerte daran, dass die damalige Gebührenerhöhung noch weitaus mehr Wirbel ausgelöst hatte. Die Politiker seien damals von den Zuhörern ausgebuht worden. Geiger sagte zu, dass sämtliche Gebühren künftig alle zwei, drei Jahre überprüft werden.

Die 2. Änderungssatzung der Gebührensatzung für die Friedhöfe der Stadt wurde, wie gesagt, am Ende mit großer Mehrheit beschlossen. Aber das Thema dürfte damit noch nicht gestorben sein. Das Wochenblatt wird sich nicht nehmen lassen, in der kommenden Ausgabe noch mal richtig draufzuhauen. Wenn man die Wirtschaft und die Leute, die wirklich das dicke Geld machen, nicht kritisieren will (weil man ja irgendwie dazu gehört), dann muss sich halt woanders abreagieren…

Anzeige Priebke GruppeVor knapp drei Wochen sorgte eine Todesanzeige im Wochenblatt für den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke für Empörung. Die Anzeige für den ehemaligen SS-Offizier, der in Rom im Hausarrest gestorben war, hatte eine Privatperson für die Neonazi-Gruppierungen „Nationaler Widerstand Tostedt“ und „Nationaler Widerstand Unterelbe“ aufgegeben. Der Anzeigenabteilung war der brisante Hintergrund nicht aufgefallen. Wochenblatt-Chefredakteur Reinhard Schrader räumte den Fehler eine Woche später in seinem Blatt ein.

Den Vorfall haben die Fraktionen der SPD und von Bündnis 90/Die Grünen im Buchholzer Stadtrat sowie der parteilose Ratsherr Kristian Stemmler, der mit den beiden Fraktionen in einer Gruppe zusammenarbeitet, jetzt zum Anlass genommen, eine Traueranzeige aufzugeben, mit der auf die Hintergründe aufmerksam gemacht werden soll. Mit der Anzeige in der morgigen Ausgabe des Nordheide Wochenblattes wird der 335 Zivilisten gedacht, die am 24. März 1944 bei dem Massaker in den Ardeatinischen Höhlen nahe Rom von der SS ermordet wurden. Priebke war damals einer der kommandierenden Offiziere.

Für die Anzeige wurde ein Zitat aus dem Schwur von Buchenwald gewählt: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!“ Der Schwur wurde nach der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald auf der Trauerkundgebung des Internationalen Lagerkomitees für die Toten von Buchenwald am 19. April 1945 verlesen. Der berühmte Text wird mit den Worten fortgesetzt: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Morgen vor 75 Jahren begannen die so genannten Novemberpogrome des NS-Regimes. In ganz Deutschland brannten Synagogen, wurden Betsäle und jüdische Läden, Wohnungen und Friedhöfe verwüstet, jüdische Mitbürger in großer Zahl deportiert. Die Pogrome markieren den Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung, die knapp drei Jahre später in den Holocaust an den europäischen Juden mündete. (kst)

Von Kristian Stemmler

Das Nadelöhr im Westen der Stadt bleibt den Buchholzer Autofahrern noch ein paar Monate länger erhalten. Die Auftragsvergabe für den Bau eines neuen Mühlentunnels verzögert sich weiter. Wie die Stadt jetzt mitteilt, hat das Oberlandesgericht Celle der Beschwerde eines Ingenieurbüros stattgegeben, das im Ausschreibungsverfahren für den Zehn-Millionen-Euro-Auftrag zum Neubau des Mühlentunnels unterlegen war.

Die Auftragsvergabe muss jetzt in Teilen neu aufgerollt werden. Dadurch verzögern sich die Planungen für den Neubau um vier bis fünf Monate. „Wir werden das Urteil genau analysieren und dann die notwendigen Schritte unternehmen, um das Verfahren zügig wieder in Gang zu setzen“, sagte Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos).

Das Ingenieursbüro hatte die Rechtmäßigkeit der Auftragsvergabe angezweifelt. Die Vergabekammer In Lüneburg hatte sich noch auf die Seite der Stadt gestellt und Ende Juni die Auftragsvergabe für rechtmäßig erklärt. Dagegen hatte das Büro Beschwerde beim OLG Celle eingereicht, der jetzt stattgegeben wurde.

Der Neubau des Mühlentunnels ist immer wieder Gegenstand politischer Kontroversen. In den vergangenen Jahren hatten gut vernetzte Anwohner Stimmung gegen das Projekt gemacht, weil sie ein Anwachsen des Verkehrs befürchten. Unter dem Druck der neuen Ratsmehrheit sah sich der Buchholzer Bürgermeister genötigt, die Planungen für einen Neubau wieder aufzunehmen.

Das Nordheide Wochenblatt wies darauf hin, dass Geigers Vorgänger Norbert Stein (SPD) die Planungen für einen Neubau schon weit vorangetrieben hatte. Die Zeitung lastete Geiger die Planungspanne an. Die Verwaltung habe bei der Auftragsvergabe „Anfängerfehler“ gemacht. Wochenblatt-Chefredakteur Reinhard Schrader schrieb: „Es läuft wohl ähnlich wie beim Ostring. Auch dort wollte der Buchholzer Bürgermeister mit dem Kopf durch die Wand, schlug alle Warnungen vor hohen juristischen Klippen in den Wind – und ist jetzt gestrandet.“