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Posts Tagged ‘proTostedt’

Screenshot proTostedt SperrungTostedt (kst) – Dumm gelaufen! Nachdem vor kurzem schon eine Petition im Internet gegen die neue Unterkunft für Asylbewerber an der Todtglüsinger Straße in Tostedt gesperrt worden ist, hat dieses Schicksal nun auch den neuen rechten Blog proTostedt ereilt. Wer den Blog im Internet aufrufen will, stößt nur noch auf eine Sperrseite mit dem Text: „Dieser Blog wurde gesperrt. Der Inhalt dieses Blogs verstößt gegen die Logr.org Richtlinien und wurde deshalb gesperrt. Grund: Illegale Inhalte.“

Das Erstaunliche daran ist, dass logr.org der bekannteste Bloghoster der Nazi-Szene ist. Viele lokale Kameradschaften, zum Beispiel auch die Aktionsgruppe Nordheide, haben hier ihre Blogs eingerichtet. Betrieben wird der Bloghoster vom Dortmunder Informatikstudenten und Nazi Dennis Giemsch, der für Die Rechte im Dortmunder Stadtrat sitzt. Logr.org bietet kostenlosen Webspace für Nazis aus ganz Europa an.

Dass man sich bei Logr.org an volksverhetzenden Inhalten auf proTostedt gestört hat, ist deshalb mehr als unwahrscheinlich. Dann wäre es schon eher möglich, dass das Vorgehen des Blogs als nicht opportun angesehen wird, weil er zum Beispiel falsche Behauptungen über Polizeieinsätze verbreitet hat. Jedenfalls bedeutet die Sperrung des Blogs leider nicht, dass die Agitation gegen Flüchtlinge in Tostedt aufhören wird.

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Screenshot proTostedtVon Kristian Stemmler

Um den Ruf von Flüchtlingen zu beschädigen und Öl ins Feuer der ohnehin aufgeheizten Diskussion zu dem Thema zu gießen, ist manchen Leuten offenbar inzwischen jedes Mittel recht. Nach Recherchen des buchholz express haben Unbekannte Ende Februar einen Polizeieinsatz in der Unterkunft für Asylbewerber am Elsterbogen in Tostedt provoziert – vermutlich nur um Fotos von Streifenwagen und Polizisten vor Ort zu bekommen und hinterher über den Einsatz öffentlich spekulieren zu können.

Der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Jan Krüger, bestätigte dem buchholz express, dass in der Nacht zum 26. Februar ein Anrufer gemeldet habe, es komme zu Ausschreitungen in der Unterkunft am Elsterbogen. Gleich mehrere Streifenwagen rückten an, doch als die Polizeibeamten die Unterkunft betraten, trafen sie auf völlig überraschte Bewohner. „Es war nichts vorgefallen“, sagte Krüger. Dafür mussten die Beamten feststellen, dass sie von einem Unbekannten außerhalb der Unterkunft fotografiert wurden.

„Wir vermuten, dass Gegner der Asylbewerberunterkunft den Einsatz provoziert haben, um ein falsches Bild der Zustände dort in der Öffentlichkeit zu erzeugen“, so der Polizeisprecher. Die Personalien des Mannes, der fotografiert hat, wurden aufgenommen, nachgewiesen konnte ihm eine Beteiligung an dem Fake-Einsatz aber nicht. Wer bei der Polizei angerufen hat, ist unklar. Man kann davon ausgehen, dass der Täter so schlau war, ein Handy mit Prepaidkarte oder eine Telefonzelle zu nutzen.

Es liegt nahe, dass der provozierte Einsatz Material für den neuen rechten Blog „proTostedt“ liefern sollte, der vor kurzem an den Start ging (der buchholz express berichtete). Denn die angeblichen Auseinandersetzungen in der Unterkunft waren gleich Thema des ersten Beitrags des Blogs, der wahrheitswidrig behauptet, in der Nacht auf den 26.2.15 sei es dort zu „Ausschreitungen“ gekommen. Einige Bewohner hätten randaliert, nach Angaben von Anwohnern habe in der Unterkunft „eine sehr aggressive Stimmung“ geherrscht.

Der Vorgang zeigt, dass Rechte und Rechtspopulisten mit allen Mitteln Unruhe und Angst erzeugen und das Flüchtlingsthema hochjazzen wollen. Das Ziel ist eindeutig, die Flüchtlinge, die in zunehmender Zahl den Landkreis erreichen, mit Kriminalität, Vandalismus und Verschmutzung in Verbindung zu bringen. Leider ist zu befürchten, dass diese Strategie in Teilen der Bevölkerung erfolgreich sein könnte.

Polizeisprecher Krüger machte deutlich, dass die Unterkünfte der Asylbewerber im Landkreis keine Einsatzschwerpunkte seien. Es komme sicher auch mal zu Ruhestörungen oder vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern, aber dies seien Einsätze, wie sie auch jede Woche unter Beteiligung deutscher Staatsbürger ausgelöst würden. Der buchholz express meint dazu: Jedes Schützenfest produziert vermutlich mehr Einsätze als alle Flüchtlingsunterkünfte zusammen…

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Screenshot proTostedtVon Kristian Stemmler

Bekanntlich ist es seit geraumer Zeit die bevorzugte Strategie von Nazis und Rechtspopulisten als Anwalt des „kleinen Mannes“ aufzutreten oder sich selbst als „ganz normale Bürger“ auszugeben, um auf diese Weise das Rassistische und Menschenverachtende ihrer Ziele zuzudecken. Zu diesem Vorgehen passt eine neue Homepage, mit der im Internet gegen Asylbewerber in Tostedt gehetzt wird – offenbar vor dem Hintergrund der Entscheidung des Landkreises Harburg, an der Todtglüsinger Straße eine dritte Unterkunft in der Stadt für bis zu 120 Flüchtlingen zu errichten.

„proTostedt“ nennt sich die Seite, was schon mal eindeutig auf einen rechtsradikalen Hintergrund hindeutet, denn Parteien oder Initiativen mit ähnlichem Namen wie „Pro Köln“ oder „Pro Deutschland“ sind eindeutig Nazi-Organisationen. Bisher ist es nur ein Blog bei WordPress, den auch ein einzelner ohne großen Aufwand installieren und betreiben kann. Ein Impressum gibt es nicht, nirgendwo tritt jemand namentlich in Erscheinung, auch nicht bei den (angeblichen) Leserzuschriften.

In der Vorstellung „Wir über uns“ heißt es lediglich: „Wir, eine Gruppe Tostedter, haben uns zusammengetan und es uns zur Aufgabe gemacht, die Bürger über das Geschehen in Tostedt zu informieren. Speziell geht es um das Thema Flüchtlingsunterkünfte am Helferichsheim, Elsterbogen und in der Todtglüsinger Straße.“ Wohin da die Reise gehen soll, wird in den folgenden Sätzen und vor allem in den bereits eingestellten Beiträgen deutlich.

Wie es dem Vorgehen von Nazis und Rechtspopulisten derzeit allerorten entspricht, wird dem Leser suggeriert, Behörden und Medien würden Straftaten von Asylbewerbern und andere negative Entwicklungen verschweigen. „Unzensierte Aufklärung über Vorfälle in den Tostedter Flüchtlingsheimen“ steht auf der Aufrufseite des Blogs, in der Vorstellung heißt es: „In den vergangenen Wochen gab es den einen oder anderen Vorfall in den Flüchtlingsunterkünften, über den nichts in der Polizei- bzw. Lokalpresse berichtet wurde.“

Diese angebliche Lücke möchte man mit dem Blog schließen, dazu sollen auch noch einmal im Monat Flyer verteilt und „der älteren Generation“ übermittelt werden. Schon im ersten Beitrag des Blogs werden Informationen auf unappetitliche Weise mit Unterstellungen zusammengerührt, ohne dass klar wird, was wirklich geschehen ist.

In der Nacht auf den 26. Februar habe es in der Unterkunft für Asylbewerber am Elsterbogen Ausschreitungen gegeben. „Bewohner“ der Unterkunft – das Wort wird in Anführungszeichen – gesetzt, hätten randaliert. Mit Bezug auf „einige Anwohner“ behauptet der Blog, es habe in der Unterkunft „eine sehr aggressive Stimmung“ geherrscht. Als Beleg wird ein Zaun mit einem leicht eingerissenen Zaun präsentiert. Dummdreister geht es nicht!

Im zweiten Beitrag wird noch einer draufgesetzt. Man habe am Freitagabend, dem 27. Februar, einen Anruf bekommen, dass es einen Polizeieinsatz am Elsterbogen geben würde, wegen „Lautstärke, Vandalismus und starkem Alkoholkonsum“. Weiter heißt es da: „Bei einem späteren Telefonat mit der Buchholzer Polizei wurde schnell klar, das unsere Flüchtlinge nicht kooperativ sein wollten und einige sich den Beamten gegenüber aggressiv vom Acker machten.“

Was davon stimmt und was hinter den behaupteten Einsätzen tatsächlich steht, war am Freitag nicht mehr in Erfahrung zu bringen, weil der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg nicht zu erreichen war. Es spricht jedenfalls einiges dafür, dass die „besorgten Bürger“, die hinter proTostedt stecken, die altbekannten Nazis sind. Typisch ist etwa die Strategie, Flüchtlinge in Zusammenhang mit Kriminalität, Vandalismus und Verschmutzung zu bringen. Ein anderes Indiz sind die Autorenkürzel zu den Beiträgen wie „d14“ oder „m11“. Nazis haben bekanntermaßen einen Hang zu Zahlen- und Buchstabencodes. Auch der zynische Schreibstil, wenn es um die Flüchtlinge geht – zum Beispiel: „unsere Flüchtlinge“ – ist absolut typisch für „unsere Neonazis“.

Für die stramm rechte Ausrichtung der Homepage spricht auch, dass man keine Scheu hat, sich von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Nazikaders Denny Reitzenstein promoten zu lassen. Auf der Seite der AG findet sich aktuell ein Pseudo-Interview mit proTostedt. Wie hier der Leser für dumm verkauft werden soll, grenzt schon an Lächerlichkeit. „Was uns erstaunt hat, dass hinter der neuen Seite keine politischen Aktivisten stecken, sondern ganz normale besorgte Bürger aus Tostedt“, heißt es im Vorspann. Aber klar doch!

Natürlich hat man bei proTostedt kein Problem mit den Nazis aus Buchholz. Reitzenstein & Co. Klingeln da erst mal ganz ungeniert an: „Moin Moin! Wir als nationale Bewegung begrüßen natürlich jede bürgerliche Initiative gegen diesen Überfremdungswahn und heißen euch natürlich herzlich Willkommen. Wir hätten mal ein paar Fragen an euch und es wäre nett wenn ihr uns kontaktieren könntet!“ Aus Tostedt kommt die Antwort: „Grüßt Euch. Wir bedanken uns für euer Interesse an unserer bürgerlichen Initiative und würden euch gerne eure Fragen beantworten!“

Interessant auch diese Einlassung der AG Nordheide: „Wir haben zu danken, da ihr anscheinend wisst, wer wir sind und somit keine bürgerliche Initiative, sondern dass wir schon aus dem nationalen politischen Umfeld kommen und nicht unbekannt in und um Buchholz/Tostedt sind!“ Dazu proTostedt: „Es ist uns bewusst mit welcher Gruppierung wir grad zu tun haben und haben auch kein Problem damit, dass der Verlauf auf eurer Seite veröffentlicht wird. Denn das Thema Asylanten und deren Unterkünften geht jedem was an.“

Na, dann ist ja alles im Lack! Natürlich kommt danach noch das übliche braune Geseiere, wie man es auf der Seite der AG ja schon zur Genüge gelesen hat. „Dadurch dass wir nun eine 3. Unterkunft bekommen und das Geschehnisse in anderen Städten beobachtet haben, sind wir halt auf die Idee gekommen eine eigene bürgerliche Initiative zu gründen und somit die Öffentlichkeit genauer aufklären. Denn wir können uns es nicht weiter mit ansehen, wie wir von den Politikern und den Polizeipräsidenten aus Tostedt belogen werden.“

Schließlich darf dieser Satz nicht fehlen: „Wir möchten aber betonen, dass wir keine Rechten sind sondern ganz normale Bürger!“ Das ständige Herumreiten auf diesem Punkt ist so auffällig und blöd, dass es eigentlich auch dem Ahnungslosesten auffallen müsste. Es ist aber zu befürchten, dass die Strategie der Rechten einen gewissen Erfolg verzeichnen wird – vor allem weil die Alternative für Deutschland (AfD) und der rechte Flügel der CDU beim Thema Flüchtlinge im Prinzip die selbe Argumentation fahren, nämlich: mehr Flüchtlinge gleich mehr Kriminalität.

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