Mit ‘Polizeiinspektion Harburg’ getaggte Beiträge

Von Kristian Stemmler

Dass eine gepflegte Paranoia zur Hardware von AfD-Anhängern, Pegida-Jüngern und anderen Nazis gehört, sollte kein Geheimnis mehr sein. Diese Herrschaften glauben zum Beispiel, die islamische Weltherrschaft stehe vor der Tür oder die Wahlen würden regelmäßig zu ihren Ungunsten gefälscht. Eine besonders durchgeknallte Ausgabe der Nazis sind die „Reichsbürger“, die zuletzt in die Schlagzeilen gerieten, nachdem im fränkischen Georgensgmünd einer von ihnen einen SEK-Beamten erschoss. Die Polizei hatte dem Mann seine zahlreichen Waffen abnehmen wollen.

Am gestrigen Mittwoch gab es einen ähnlichen Einsatz im Landkreis Harburg, und zwar in Neu Wulmstorf, wo die Polizei das Waffenlager eines 67 Jahre alten „Reichsbürgers“ aushob. Nach den Erfahrungen von Georgensgmünd und anderer Einsatzorte hatte die Polizei einiges an Kräften aufgefahren. Neben Polizeibeamten der Polizeiinspektion Harburg waren auch das Sondereinsatzkommando (SEK) Niedersachsen und das Mobile Einsatzkommando (MEK) Hamburg an dem Einsatz beteiligt, insgesamt rund 50 Beamten.

Der 67-Jährige und seine Lebensgefährtin wurden bereits vor der Erstürmung außerhalb des Hauses in Gewahrsam genommen, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt. Im Haus trafen die Polizisten einen Untermieter an. Auch dieser wurde kurzfristig festgehalten und durchsucht, um jegliche Gefahr für die einschreitenden Beamten zu minimieren. Bei der Durchsuchung wurden mehrere Gewehre, Pistolen und Revolver gefunden und beschlagnahmt. Diese werden nun kriminaltechnisch überprüft und dann der Vernichtung zugeführt.

Die Inspektion zitiert den Einsatzleiter mit den Worten: „Illegaler Waffenbesitz ist kein Kavaliersdelikt, da muss der Staat konsequent durchgreifen. Die aktuelle Situation im Zusammenhang mit sogenannten Reichsbürgern war ausschlaggebend, mit größtmöglicher Vorsicht vorzugehen. Ich bin froh, dass meine Beamten und alle beteiligten Personen unverletzt geblieben sind.“

Wie in Georgensgmünd war dem 67-Jährigen die waffenrechtliche Erlaubnis entzogen worden, nachdem ihn die Behörden als unzuverlässig eingestuft hatten, wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilte. Auf Aufforderungen, seine Waffen abzugeben, hatte der Mann nicht reagiert, der Landkreis Harburg habe Anzeige erstattet. Aus schriftlichen Äußerungen hätte sich die „Vermutung“ ergeben, dass der 67-Jährige sich als „Reichsbürger“ sieht und behördliche Maßnahmen nicht akzeptieren würde.

Ein Waffenarsenal haben offenbar nicht wenige „Reichsbürger“ angelegt, da sie bekanntlich felsenfest die Überzeugung vertreten, das deutsche Reich existiere noch und der Staat habe ihnen nicht zu sagen. Wieso die Behörden angeblich erst jetzt darauf kommen, dass der Mann „Reichsbürger“ ist und lieber keine Waffen haben sollte, das darf allerdings gefragt werden. Denn offenbar ist er bereits im Juli des Jahres in Neu-Wulmstorf in Erscheinung getreten, wie der querschläger damals berichtete (https://buchholzblog.wordpress.com/2016/07/17/sie-haben-mir-gar-nichts-zu-sagen-reichsbuerger-legen-sich-in-neu-wulmstorf-mit-der-polizei-an/).

Und zwar hatten zwei Polizistinnen, ihn und seine Lebensgefährtin (72) angehalten, weil die Frau auf dem Beifahrersitz nicht angeschnallt war. Beide hatten ihre Personalien nicht angeben wollen, der 67-Jährige hatte nicht damit hinterm Berg gehalten, dass er sich als „Reichsbürger“ sieht und daher die Autorität der Beamtinnen nicht anerkenne. Dass Landkreis und Polizei nicht schon damals auf die Idee kamen, dass ein solcher Mann lieber keine Waffen haben sollte, ist schwer nachzuvollziehen.

Die „Reichsbürgerbewegung“ lässt sich als eine Art Sekte beschreiben, zu der deutschlandweit nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums mehrere hundert Personen, vielleicht über 1000, zu rechnen sind, die sich selbst als „Reichsbürger“ bezeichnen. Ihre kruden Theorien gipfeln in der These, dass das Deutsche Reich völkerrechtlich fortbestehe, da die Weimarer Reichsverfassung weder von den Nazis noch von den alliierten Siegermächten nach dem Zweiten Weltkrieg jemals abgeschafft worden sei. Die Bundesrepublik sei daher de jure nicht existent.

Der Unsinn kam in den 80ern auf, als ein verrückter Eisenbahner namens Wolfgang Gerhard Günter Ebel aus West-Berlin als erste bekannte Reichsbürgergruppe die „Kommissarische Regierung des Deutsches Reiches“ (KRR) gründete. Mittlerweile gibt es von diesen Regierungen gleich mehrere. Ihre Haupttätigkeit besteht darin, gestützt auf ihre abwegige juristische Argumentation allerlei „offizielle“ Papiere gegen Entgelt auszugeben, wie etwa „Reichsführerscheine“,„Reichsbaugenehmigungen“ oder „Reichsgewerbescheine“, vor allem aber „Reichspersonal-“ oder „-Personenausweise“ (zum Teil auch als „Reichspässe“ bezeichnet).

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Buchholz (qu) – In Buchholz haben bereits in der Nacht zum Dienstag Unbekannte von der Schützenstraße aus Farbbeutel gegen das Gebäude der Polizei Buchholz geworfen, in dem auch die Polizeiinspektion Harburg, die für den gesamten Landkreis zuständig ist, ihren Sitz hat. Das teilte die Pressestelle der Polizeiinspektion heute mit. Teile der Fassade und der Parkplatz vor dem Gebäude seien von der Farbe in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei derartigen Farbbeutelwürfen fällt der Verdacht automatisch auf Linke. Aber diesmal sollte der Staatsschutz vielleicht lieber nach rechts schauen. Die örtlichen Nazis dürften immer noch etwas sauer sein über einen Polizeieinsatz vor dem Oktoberfestzelt bei Möbel Kraft vor einer Woche. In der Nacht zum Sonntag hatte es gegen ein Uhr dort eine Schlägerei gegeben, so dass erst durch den Einsatz mehrerer Streifenwagen resp. von deren Besatzungen die Ruhe wieder hergestellt werden konnte.

Die Polizeiinspektion Harburg vermeldete, dass offenbar „Provokationen zwischen mehreren Gästen“ der Auslöser gewesen sei. In der Folge habe ein 40 Jahre alter Buchholzer mit der Faust auf einen 29 Jahre alten Jesteburger und einen 18 Jahre alten Buchholzer eingeschlagen. Beide Personen seien im Gesicht verletzt worden. Gegen den 40jährigen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Was die Polizeiinspektion verschweigt, ist der Umstand, dass hier offenbar wieder einmal Buchholzer Nazis und Vertreter der Antifa aneinander geraten waren. Das ist auf der Website des Nazikaders Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide zu erfahren. Dort wird behauptet, dass 15 bis 20 Linke auf dem Oktoberfest feiernde Nazis provoziert und angegriffen hätten. Diese hätten sich nur gewehrt und die Antifa „in die Flucht geschlagen“.

Wie bei den Nazis üblich, sehen sie sich als Opfer der Linken und der Ordnungsmacht. Die Buchholzer Polizei, so der Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide, habe sich „nicht lumpen lassen“ und sei mit mehreren Streifenwagen erschienen. Wörtlich heißt es: „Wie öfters zu vor wurden aus den Opfer, da sie als Patrioten bekannt sind, Tätern gemacht und die wahrhaftigen Täter wurden zu Opfern gemacht. So liest sich auch die Pressemitteilung der Polizei, die sie am Sonntag über ihren Presseportal veröffentlicht haben.“

Natürlich versäumen es die Faschos auch nicht, die bei ihnen übliche Kraftmeierei verbal zu pflegen. In dem Beitrag rühmt sich Denny Reitzenstein, der der Autor des Textes sein dürfte, dass sich wohl einige Angreifer bei ihrem vereitelten Angriff verletzt hätten und jetzt einen Gips tragen müssten. Und weiter: „Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass die Buchholzer Antifa sich nur in großen Gruppen einen Angriff traut und das dieser Angriff von entschlossenen Bürger auch erfolgreich abgewehrt werden kann.“

Es ist nicht ganz abwegig, den Farbbeutelwurf auf den Sitz der Polizeiinspektion Harburg in Buchholz den Nazis zuzuschreiben. Sie könnten damit ihren Unmut über den Einsatz bei Möbel Kraft Ausdruck gegeben und zugleich dafür gesorgt haben, dass die Linken verdächtigt werden. Jedenfalls gibt es für den Staatsschutz der Inspektion, der sich mit politischen Delikten befasst, genug Grund, sich mit Reitzenstein & Co. zu befassen. Auch weil dieser den Staatsschutz aktuell frontal angeht.

Auf seinem Blog hat sich Reitzenstein triumphal darüber ausgelassen, dass eine in rechten Kreisen offenbar unbeliebte Staatsschützerin die Polizeiinspektion verlässt und zwar mit einem Porträtfoto der Polizistin. Ich nehme einmal an, dass auch eine Polizeibeamtin ein Recht am eigenen Bild hat – jedenfalls wurden an der Roten Flora in Hamburg vor kurzem Bilder von verdeckten Bildern ruckizucki von der Polizei übermalt, genau mit dieser Begründung.

Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum es sich Denny Reitzenstein erlauben kann, nicht nur die Polizei so dreist zu attackieren, sondern auch seine Hetze so ungestört zu verbreiten. Hält da jemand seine Hand über ihn?

Dass man an die Website des umtriebigen Nazis, der unter anderem den von Stefan Silar aus Tostedt übernommenen Versand Streetwear Tostedt weiterführt, nicht ohne weiteres herankommt, ist klar. Der läuft auf Servern von logr.org, einem bei Nazis beliebten Anbieter. Aber der Herr Reitzenstein hat ja keine Probleme damit, sich im Impressum namentlich auszuweisen – allerdings mit einer Adresse in Arizona (wie der querschläger bereits berichtete).

Nun hat aber die Staatsanwaltschaft Stade in einem Schreiben an das parteilose Ratsmitglied Kristian Stemmler bereits vor einiger Zeit durchblicken lassen, ihr sei bewusst, dass es sich um jenen Denny Reitzenstein handelt, der in Buchholz residiert. Folgen hat das keine: Er darf offenbar schreiben und tun, was er will.

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Beliebtes Fotomotiv: der notgelandete Rettungshubschrauber vor der Polizei an der Buchholzer Schützenstraße, der inzwischen abtransportiert worden ist.

Ist die Buchholzer Polizei noch zu retten? Ist man dort jetzt aufgrund der bekannt dünnen Personaldecke so überarbeitet, dass man ständig einen Rettungshubschrauber vor der Tür braucht? Diese und andere Fragen kamen bei kritischen Beobachtern angesichts der Tatsache auf, dass seit Sonnabend mittag ein Rettungshubschrauber des ADAC auf dem Parkplatz vor der Zentrale der Polizeiinspektion Harburg an der Schützenstraße steht.

Aber ganz im Ernst: Hintergrund der Sache ist ein Vorfall, der glückerweise noch glimpflich verlief. Wie die Polizeiinspektion mitteilte, war der „Christoph Hansa“ vom ADAC Rettungsdienst am Sonnabend gegen 13:54 Uhr an der Schützenstraße im Landeanflug, weil es einen Notfall an der Straße gab. Ob es vom Piloten schlau war, den Parkplatz vor der Polizei zu wählen, sei dahin gestellt. Jedenfalls rasierten die Rotorblätter eine Straßenlaterne. Die umherfliegenden Teile trafen gottseidank keinen Menschen, beschädigten aber einen Rettungswagen, der bereits vor Ort war, leicht.

Der Pilot konnte den Hubschrauber sicher absetzen, da aber neben der Laterne auch die Rotorblätter beschädigt waren, war ein Weiterflug nicht mehr möglich. Der Helikopter verblieb vor dem Polizeigebäude, wurde inzwischen von einem Transporter abgeholt. Am Wochenende und am Montag war das noch nicht geschehen, der Hubschrauber vor der Polizei wurde zum beliebten Fotomotiv. Auch die Medien von Hamburger Abendblatt bis Bild berichteten.

Möglicherweise hat der Pilot des Hubschraubers den Abstand zwischen Gebäude und Laternenmast falsch eingeschätzt, denn selbst für Laien ist erkennbar, dass die Rotoren da kaum dazwischen passen. Sinnvoller wäre vermutlich eine Landung auf der Fahrbahn vor der Polizei gewesen, wozu diese aber natürlich hätte gesperrt werden müssen.

Übrigens ist die Polizei im Landkreis, um das klar zu stellen, tatsächlich personell schlecht besetzt. Die Einsätze werden nicht weniger, der Respekt vor Uniformierten schwindet immer mehr. Dies aber, um das hier noch einmal zu betonen, hat gesellschaftliche Ursachen. Die fortschreitende Eventisierung bleibt nicht folgenlos.

Schon Jugendlichen wird auf allen Kanälen signalisiert: Amüsier Dich, verwirkliche Dich, mach einen drauf, Du lebst nur einmal! Also gibt man sich allerorten die Kante. Die Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsschichten tut ihr übriges, erhöht den Druck auf viele Familien. Auch das führt zu mehr Einsätzen für die Polizei, weil der Frust und die Aggressionen sich entladen.

Allerdings macht die Polizei sich manchmal auch selbst unnötige Arbeit, wenn sie zum Beispiel Leute verfolgt, die lediglich auf die genannten gesellschaftlichen Ursachen aufmerksam machen und diese bekämpfen wollen…

Buchholz/Neu Wulmstorf (qu) – Die Polizei im Landkreis Harburg hat wahrlich genug zu tun, gerade im Hochsommer, wenn an allen Ecken und Enden gefeiert, gelärmt und randaliert wird. Da erscheinen bestimmte Einsätze doch als eher überflüssig. So ein Einsatz in Neu Wulmstorf, bei dem es eigentlich nur um einen nicht angelegten Sicherheitsgurt ging – die beiden Polizeibeamtinnen, die das abstellen wollten, es aber dann mit Spinnern zu tun bekamen, die sich offenbar der so genannten Reichsbürgerbewegung zugetan fühlen.

Diese Bewegung lässt sich als eine Art Sekte beschreiben, zu der deutschlandweit nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums mehrere hundert Personen zu rechnen sind, die sich selbst als „Reichsbürger“ bezeichnen. Ihre kruden Theorien gipfeln in der These, dass das Deutsche Reich völkerrechtlich fortbestehe, da die Weimarer Reichsverfassung weder von den Nazis noch von den alliierten Siegermächten nach dem Zweiten Weltkrieg jemals abgeschafft worden sei. Die Bundesrepublik sei daher de jure nicht existent.

Der Unsinn kam in den 80ern auf, als ein verrückter Eisenbahner namens Wolfgang Gerhard Günter Ebel aus West-Berlin als erste bekannte Reichsbürgergruppe die „Kommissarische Regierung des Deutsches Reiches“ (KRR) gründete. Mittlerweile gibt es von diesen Regierungen gleich mehrere. Ihre Haupttätigkeit besteht darin, gestützt auf ihre abwegige juristische Argumentation allerlei „offizielle“ Papiere gegen Entgelt auszugeben, wie etwa „Reichsführerscheine“,„Reichsbaugenehmigungen“ oder „Reichsgewerbescheine“, vor allem aber „Reichspersonal-“ oder „-Personenausweise“ (zum Teil auch als „Reichspässe“ bezeichnet).

Heutzutage gibt es ja keine noch so absurde Theorie, die nicht irgendwelche verwirrten Anhänger findet, in diesem Fall hauptsächlich Querulanten, echte oder vermeintliche Justizopfer, Nazis und Verschwörungstheoretiker (manchmal sind sie alles gleichzeitig…). Natürlich erkennen sie die deutsche Regierung und die Behörden nicht an, sondern nur ihre jeweilige kommissarische Regierung.

Mit Angehörigen dieser durchgeknallten Sekte bekamen es die beiden erwähnten Beamtinnen also unvermutet am vergangenen Mittwoch, gegen 10.15 Uhr, in Neu Wulmstorf zu tun, als sie an der Liliencronstraße ein Auto anhielten, weil die Beifahrerin nicht angeschnallt war. Wie die Polizeiinspektion Harburg mitteilt, wiesen die Polizistinnen die Frau, sie ist 72 Jahre alt, wie sich später herausstellte, auf das Problem hin, wurden dabei aber sofort vom Fahrer (67) unterbrochen. Er sei deutscher Reichsbürger, für ihn gälten die Gesetze nicht.

Unbeeindruckt fragten die Beamtinnen nach den Personalien, woraufhin die 72-Jährige angab, sie habe keinen Ausweis dabei und wolle ihren Namen auch nicht nennen. Dann wollte sie plötzlich ihre Tür zuschlagen. Als eine der beiden Polizistinnen die Tür festhielt, schlug die Rentnerin die Tür noch mal zu und verletzte die Polizistin leicht am Arm. Jetzt wurde es den Ordnungshüterinnen zu dumm und sie drohten, die Frau zur Identitätsfeststellung mit zur Dienststelle zu nehmen. Erst jetzt gab der Mann die Personalien der Frau zu Protokoll.

Die Daten stellten sich, wie eine Nachfrage ergab, als richtig heraus, allerdings hatte die 72-Jährige zuvor einen falschen Herkunftsort angegeben. Daher muss sie vermutlich jetzt nicht nur für die Verkehrsordnungswidrigkeit wegen des nicht angelegten Sicherheitsgurtes zahlen, es wurde auch wegen der Angabe falscher Personalien ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Außerdem wird strafrechtlich wegen Widerstands gegen Polizeivollzugsbeamte gegen die Frau ermittelt.

Aber ihr kann ja nichts passieren, ihre kommissarische Regierung wird sie da schon rausboxen…

Buchholz (qu) – In Buchholz benötigt man nicht die Räumung oder Teilräumung eines besetzten Hauses wie in Berlin um Gewalt gegen Polizeibeamte zu generieren. Da reicht ein Schützenfest und reichlich Alkohol. Wie die Polizeiinspektion Harburg heute mitteilt, sind Polizeibeamte der Inspektion am frühen Sonntagmorgen am Rande der auslaufenden Sonnabendfeiern des Buchholzer Schützenfestes von mehreren Personen attackiert worden. Ein Beamter wurde leicht verletzt, drei Angreifer in Gewahrsam genommen.

Hier der Text der Polizeimeldung:

„Am frühen Sonntagmorgen wurde kurz vor 5:30 Uhr der Polizei ein PKW-Aufbruch beim Schützenplatz mitgeteilt. Die alarmierten Polizeibeamten konnten zwei 20-jährige Tatverdächtige aus Tostedt antreffen, von dem noch einer im PKW saß und gerade ein Autoradio ausbaute. Die offensichtlich stark berauschten Männer stellten die Polizeikontrolle in höchst aggressiver Form in Frage und solidarisierten sich mit umherstehenden Personen, die gerade vom
auslaufenden Schützenfest kamen und den Polizeieinsatz massiv behinderten. Platzverweisen kamen die Störer nicht nach.

Als zwei der Aggressoren dabei selbst untereinander in Streit gerieten und ein Polizeibeamter die beiden trennen wollte, griffen die beiden Tatverdächtigen zum Pkw-Aufbruch und ein weiterer 20-jähriger Tostedter die Polizeibeamten unvermittelt mit Schlägen und Tritten an. Nur durch das Eintreffen weiterer Polizeibeamter und der Anwendung von Zwangsmaßnahmen, auch unter Anwendung von Reizstoffsprühgeräten, konnten weitere Störer ferngehalten und die drei Tostedter in Gewahrsam genommen werden.

Ein Polizeibeamter wurde bei der Auseinandersetzung leicht verletzt. Den Beschuldigten wurden für die Strafverfahren auf der Polizeiwache Blutproben zur Feststellung von berauschenden Mitteln entnommen, anschließend wurden sie nach einer kurzen Ausnüchterungszeit entlassen. Zeugen zum Vorfall werden gebeten, sich bei der Polizei Buchholz zum melden, Tel. 04181-2850.“

Und das ist im Landkreis noch am Wochenende passiert: Mutter schubst in Meckelfeld ihr etwa vier Jahre altes Kind aus Bus, zwei Männer drohen 15-Jährigem in Buchholz ihn „abzuknallen“, in Ohlendorf randalieren zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren und zwei 15-Jährige versuchen in einem Laden in Salzhausen Spirituosen zu entwenden, bei der Kontrolle findet die Polizei einen Elektroschocker in ihrem Rucksack… (die Texte der entsprechenden Polizeimeldungen folgen unten)

Zu alldem eine Anmerkung des querschläger:

Die Redaktion verurteilt alle Angriffe, bei denen Menschen zu Schaden kommen, also auch wenn Polizeibeamte angegriffen werden. Aber wer heute zur Polizei geht oder gegangen ist, muss wissen, worauf er sich einlässt. Die Polizei ist längst zum Prügelknaben und zum Ausfallbürgen für gesellschaftliche Erosionsprozesse geworden. Den Menschen wird heute an allen Ecken und Enden beigebracht, dass sie sich nichts gefallen lassen sollen, dass „Sichselbstverwirklichen“ eine Art Grundrecht und jeder sich selbst der Nächste ist.

Tatsächlich werden aber immer mehr Menschen mit Konsum und Eventhopping abgespeist und abgelenkt, während sie im Alltag, am Arbeitsplatz und anderswo, zu funktionieren und zu gehorchen haben. Dass dies der beste Nährboden für Frustration, Wut und Angst und daraus resultierend für Rücksichtslosigkeit, Brutalität und Egoismus ist, bedarf keiner näheren Erklärung. Vor allem und zuerst natürlich in marginalisierten Schichten, die Mittelschicht zieht derweil den Kopf ein.

Auf derartige Hintergründe und Zusammenhänge sollten auch Polizisten über ihre Gewerkschaften aufmerksam machen, statt sich als Schutzmacht der Wohlhabenden und Beschleuniger für von manchem Politiker herbeigesehnte „Weimarer Verhältnisse“ missbrauchen zu lassen. Das gilt sicher insbesondere für Großstädte, aber nicht minder für Städte wie Buchholz, wo der gesellschaftliche Zerfall schon längst angekommen ist – wobei das Wort „Zerfall“ die Dynamik der Prozesse schlecht abbildet.

Ist hinter der bürgerlichen Fassade nicht längst die Anarchie ausgebrochen?

Hier die oben angesprochenen weiteren Meldungen der Polizeiinspektion Harburg vom Wochenende:

Buchholz/Nordheide – 15-jähriger mit Schussabgabe bedroht
Am Sonntag, kurz vor drei Uhr morgens, wurde einem 15-jährigen Fahrradfahrer der Weg nach hause von einem hellblauen PKW versperrt. Zwei deutsch sprechende Männer bepöbelten aus dem Auto heraus den Jungen und fuhren mit bis zu seiner Wohnanschrift. Dabei drohten sie unter anderem, ihn abzuknallen, wenn er frech sei. Kurze Zeit später hörte der Junge einen Knall. Ermittlungen der Polizei ergaben, dass in der Nähe eine Schreckschusspistole abgefeuert worden ist. Die unbekannten Täter sind flüchtig. Hinweise nimmt die Polizei Buchholz entgegen (04181-2850)

Buchholz/Nordheide – Unfallflucht

Am Samstag, zwischen 16:25 Uhr und 17:25 Uhr, hinterließ ein Unfallflüchtiger einen geparkten Ford Focus beschädigt auf dem Parkplatz vor dem Rathaus, ohne sich um die Schadensregulierung zu kümmern. Hinweise nimmt die Polizei Buchholz entgegen (04181-2850)

Seevetal /Ohlendorf – randalierende Mädchen

Freitagnacht wurden der Polizei randalierende Jugendliche gemeldet, welche mehrere Mülltonnen umgeworfen haben. Als eine Anwohnerin die Mädchen ansprach, beschädigten die Jugendlichen zum Dank das Auto der Frau. Die Beamten folgten der Spur der Verwüstung und konnten zwei Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren antreffen, welche sich nun verantworten müssen.

Rosengarten – Täter gehen PKW an

In der Nacht von Freitag aus Samstag kam es in Rosengarten/Klecken zu einem versuchten Diebstahl eines Mercedes Viano. Täter versuchten vergeblich, das Schloss des Fahrzeugs zu knacken. In Emmelndorf gelang es Tätern hingegen, an einem Audi SQ 5 Nebelscheinwerfergitter im Wert von ca. 300 Euro zu entwenden. Hinweise nimmt die Polizei Seevetal entgegen (04105-6200)

Meckelfeld – Mutter schubst Kind aus Bus

Eine bislang unbekannte Frau schubste am Samstag gegen 17:00 Uhr nach Zeugenangaben ihr schreiendes Kleinkind (vermutl. vier Jahre) bei der Höpenstraße mehrfach aus dem Linienbus, so dass das Kind hinfiel. Eingreifende Zeugen konnten das Verhalten der Mutter unterbinden und verständigten die Polizei. Die Mutter entfernte sich mit dem Kleinkind noch vor dem Eintreffen der Polizei von der Bgm.-Heitmann- Straße in Richtung Glüsinger Straße. Hinweise an Polizei Seevetal (04105-6200)

Salzhausen – Jugendliche Ladendiebe mit Tarn-Elektroschocker

Zwei 15-jährige versuchten am Samstag in einem Supermarkt zwei Flaschen hochprozentige Spirituosen in einem Rucksack zu entwenden. Bei der polizeilichen Aufnahme wurde festgestellt, dass der eine Jugendliche einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker mit sich
führte. Darüber hinaus wurde bei ihm Tütchen mit Marihuanaresten aufgefunden. Es wurden mehrere Strafverfahren eingeleitet und der Jugendliche an seine Eltern übergeben.

Buchholz (qu) – Ein Unbekannter hat in Buchholz sein eigenes kleines Konjunkturprogramm für Autowerkstätten im allgemeinen und Autolackierer im besonderen gestartet. Wie die Polizeiinspektion Harburg meldet, zerkratzte er am Mittwoch in der Zeit zwischen 12.45 und 13 Uhr mindestens 15 an diesen Straßen abgestellte Autos. Offenbar wurden die Fahrzeuge mit einem spitzen Gegenstand zerkratzt, zum Teil vom Kofferraum bis zur Motorhaube. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 15.000 Euro.

Eine Zeuge beobachtete einen etwa sieben oder acht Jahre alten Jungen, der sich zur fraglichen Zeit auffällig entlang der Autos bewegte. Ob er den Schaden verursacht hat oder sich die schon zerkratzten Autos nur ansah, ist allerdings noch unklar. Die Polizei sucht Zeugen (Hinweise an Telefon 04181-2850).

Die querschläger-Redaktion legt Wert auf die Feststellung, dass alle Mitglieder der Redaktion für die fragliche Zeit Alibis vorweisen können. Auch ist das Beschädigen von Autos sicher nicht zielführend, zumindest nicht an den genannten Straßen. An Straßen wie Uhlengrund oder Wilhelm-Raabe-Weg finden sich vermutlich erheblich mehr Fahrzeuge, bei denen sich ein lohnenswertes Auftragsvolumen für Autolackierer generieren lässt, um die heimische Wirtschaft anzukurbeln.

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