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Buchholz (be) – Werden die Namen der wenigen bekannten Opfer des NS-Regimes doch noch im Buchholzer Stadtbild gewürdigt? Der parteilose Ratsherr Kristian Stemmler hat den Antrag gestellt, Straßen in neuen Buchholzer Wohngebieten nach Buchholzer NS-Opfern zu benennen. Ähnliches hatte er bereits für das Mahnmal auf dem Markplatz beantragt, da konnte er sich gegen die Ratsmehrheit aber nicht durchsetzen.

Durch die Forschungsarbeit des Gymnasiallehrers Michael Kreidner und anderer sind sechs Opfer des NS-Regimes in Buchholz festgestellt worden (tatsächlich dürften es mehr gewesen sein), von denen fünf namentlich bekannt sind. Es sind zwei Sozialdemokraten, zwei Kommunisten und eine Halbjüdin. Hier der Wortlaut des Antrags:

Der Rat möge beschließen:

Straßen, die von der Stadt Buchholz für die Errichtung neuer Wohnungen gebaut werden, werden nach Opfern des NS-Regimes benannt.

Begründung: Wie in anderen Kommunen Deutschlands sind auch in Buchholz von den Organen des verbrecherischen NS-Regimes Menschen gedemütigt, gefoltert und anderen Behörden zur weiteren Folterung oder Tötung übergeben worden.

In der Zeit nach dem Krieg wurde in Buchholz über diesen Umstand offenbar gar nicht oder kaum gesprochen. Vor allem dem Buch „Buchholz 1925 – 1945 – Die verschwiegenen 20 Jahre“ von Michael Kreidner, Birgit Diekhöner und anderen ist es zu verdanken, dass viele Ereignisse der NS-Zeit dem Vergessen entrissen und handelnde Personen benannt wurden.

Den Autoren des Buches gelang es auch Namen von Personen zu Tage zu befördern, die von NS-Behörden verfolgt wurden. Insgesamt handelte es sich dabei um sechs Personen auch Buchholz: zwei Kommunisten, zwei Sozialdemokraten, eine Halbjüdin und ein namenloses Mädchen.

Für Straßenbenennungen kommen folgende dieser sechs Personen in Frage:Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E., wurde vom Gauleiter Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person ist, da ihr Name nicht bekannt ist, für die Benennung einer Straße nicht geeignet.

Die in dem erwähnten Buch genannten NS-Opfer sollten bereits in der Gedenkstätte auf dem Marktplatz, die der Antragsteller bereits 2012 beantragt hatte, beim Namen genannt werden. Dies fand keine Mehrheit im Senat. Die Benennung von Buchholzer Straßen nach den genannten Personen würde die ausgebliebene Würdigung nachholen und dem Beispiel zahlreicher Kommunen folgen, die bereits vor langer Zeit Straßen nach Opfern des NS-Regimes benannt haben.

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+++ Aus dem Rat +++

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Kontrapunkt: Hier soll das Mahnmal für NS-Opfer stehen. (Foto: Stemmler)

Buchholz (be) Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs soll Buchholz ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus bekommen. Der parteilose Ratsherr Kristian Stemmler hat im Stadtrat beantragt, auf dem Marktplatz der Stadt eine Gedenkstätte zu errichten, die vor allem an Buchholzer erinnern soll, die in der NS-Zeit verfolgt wurden. „Seit Kriegsende wird auf diesem zentralen Platz der Stadt an gefallene Soldaten erinnert“, sagt Stemmler, „für die Buchholzer, die von den Nazis verfolgt oder umgebracht wurden, gibt es in der ganzen Stadt kein Mahnmal. Das ist ein unhaltbarer Zustand!“

Das Mahnmal für die NS-Opfer soll laut Antrag in der kleinen Grünanlage in der Mitte des Marktplatzes errichtet werden, direkt neben dem Gedenkstein, der mit der Inschrift „Den gefallenen Helden“ an die Buchholzer erinnert,die in den beiden Weltkriegen und dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 getötet wurden. Das Denkmal wurde 1923 von dem späteren Gauleiter Otto Telschow eingeweiht. Stemmler: „Ein solches Nebeneinander wäre in der Lüneburger Heide wohl ein Novum.“

Die Gestaltung der Gedenkstätte für die NS-Opfer soll die Verwaltung ausarbeiten, bei Bedarf mit externer Hilfe. „Ich bin da offen, nur der Standort ist nicht verhandelbar“, so der Ratsherr. Inhaltlich hat Stemmler in seinem Antrag klare Vorgaben gemacht. Die Gedenkstätte soll besonders an Opfer von Verfolgung und Diskriminierung durch das NS-Regime in Buchholz selbst erinnern.

Dabei sollen „sämtliche Namen solcher Opfer aufgeführt werden, die sich ermitteln lassen“. Stemmler: „Offenbar war es nach dem Krieg äußerst schwierig, überhaupt solche Namen herauszufinden. Erst in den 80ern gelang es engagierten Buchholzern, diesen weißen Fleck der Stadtgeschichte zu auszufüllen und dabei auch Verfolgte zu benennen.“

In seinem Antrag hat sich der parteilose Ratsherr auf die Ergebnisse der Arbeit dieser Buchholzer bezogen, die in dem Buch „Buchholz 1925-1945 – die verschwiegenen zwanzig Jahre“ niedergelegt sind. Er gibt sechs Personen aus Buchholz, deren Schicksal im Buch erwähnt wird, für das Mahnmal vor: zwei Kommunisten, zwei Sozialdemokraten, eine Halbjüdin und ein namenloses Mädchen.

Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E, wurde von Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person, die aufgeführt werden soll, ist ein namenloses Mädchen aus dem Bereich Neue Straße, die im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis abgeholt und vermutlich ermordet wurde.

Über die Einbeziehung weiterer Opfergruppen, etwa der Zwangsarbeiter, die in Buchholz eingesetzt wurden, sowie der Kriegsgefangenen, soll noch entschieden werden, so der Antrag weiter. Dasselbe gelte für das Thema KZ-Züge. Buchholz wird in dem genannten Buch als „Bahnknotenpunkt auch für KZ-Züge“ bezeichnet.

In der Begründung zu seinem Antrag schreibt Stemmler: „Die Errichtung einer Gedenkstätte für NS-Opfer in Buchholz wäre auch ein klares Signal an die wieder erstarkende Neonazi-Szene der Stadt, für die das von Otto Telschow eingeweihte Denkmal offenbar symbolische Bedeutung hat. Dies zeigt der Auftritt von Buchholzer Neonazis der Aktionsgemeinschaft Nordheide in der Silvesternacht. Fast 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es Zeit, an dieser Stelle ein deutliches Zeichen zu setzen.“

Wie berichtet, hatten Neonazis in der Silvesternacht ein Video in der Stadt gedreht, das sie vermummt mit einem Banner vor dem Rathaus und dem Gedenkstein auf dem Marktplatz zeigt. Auf dem Banner war eines der Containerdörfer abgebildet, wie sie in den vergangenen Wochen zur Aufnahme von Asylbewerbern im Landkreis errichtet wurden. Stemmler: „Spätestens diese Aktion zeigt, wie aktuell das Vorhaben einer Gedenkstätte für NS-Opfer ist.“

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