Mit ‘Ostring’ getaggte Beiträge

Porträt Röhse

Regiert gegen die „eigene“ Fraktion: der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse

Von Kristian Stemmler

Ist Jan-Hendrik Röhse wirklich in der CDU? Wenn man als aufmerksamer Betrachter der Buchholzer Kommunalpolitik die ersten eineinhalb Jahre seiner Amtszeit als Bürgermeister Revue passieren lässt, erscheint einem diese Frage nicht so abwegig. In dieser relativ kurzen Zeit hat Röhse sich bei mehreren nicht ganz unwichtigen Themen mit der CDU-Fraktion im Stadtrat angelegt – oder die Fraktion mit ihm. Wie man’s nimmt…

Aktuell ist der offenbar tiefer liegenden Dissens durch einen Streit um das Vorgehen beim Verkauf der so genannten Jordanfläche am Rathaus erneut zu Tage getreten. Der frühere CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Klaus Gütlbauer, griff Röhse im Nordheide Wochenblatt, von dessen Verleger fleißig unterstützt, vor kurzem frontal an. Aber dieser Konflikt ist nur der vorläufige Endpunkt einer ganzen Reihe von Streitigkeiten.

Das fing gleich im ersten Monaten von Röhses Amtszeit an, als er in seiner ersten Ratssitzung als Bürgermeister im November 2014 fast alle damit überraschte, die Grund- und die Gewerbesteuer anheben zu wollen. Seine Fraktion war mehr als verschnupft, war sie offenbar vorher nicht einbezogen worden. Man fühle sich „veralbert“, konstatierte der damalige CDU-Fraktionschef Klaus Gütbauer (mittlerweile von Andreas Eschler abgelöst).

Der Dissens führte dazu, dass der Buchholzer Haushalt Anfang Dezember nach Jahren zum ersten Mal nicht einstimmig verabschiedet wurde. Röhse konnte ihn nur mit der rot-grün geführten Mehrheit durchbringen. Ein ziemlich ungewöhnlicher Vorgang! CDU-Ratsherr Ralf Becker echauffierte sich in der Ratssitzung über das „gedankenlose Drehen an der Steuerschraube“, auch FDP und UWG waren von den Erhöhungen wenig begeistert.

Im Mai 2015 gab es dann den nächsten öffentlichen Dissens in einer Ratssitzung. Der Bürgermeister stimmte für eine von der SPD eingebrachte Resolution gegen das umstrittene Handelsabkommen TTIP, die CDU-Fraktion und die FDP komplett dagegen. Eschler bewies in seiner ersten Sitzung als CDU-Fraktionschef seine Naivität, indem er die Einlassung der EU-Handelskommisarin Cecilia Malmström zitierte, TTIP werde an der Qualität kommunaler Dienstleistungen nichts ändern.

Im September gab es den nächsten Krach zwischen Röhse und „seiner“ Fraktion. Diesmal ging es um den Ostring, der Buchholzer liebstes Streitthema. Eine Güterichterin des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, vor dem die Berufung des Landkreises gegen die Aufhebung des Planfeststellungsverfahrens anhängig ist, hatte ein außergerichtliches Mediationsverfahren angeregt. Dieses wurde von CDU-Fraktionschef Andreas Eschler kurzerhand gekillt.

Im Telefonat mit dem eingesetzten Mediator, Markus Troja aus Oldenburg, erklärte Eschler, er sei nicht bereit, an einem solchen Mediationsverfahren teilzunehmen, sondern wolle eine Entscheidung des Gerichts haben. Röhses Presseerklärung zu diesem Verhalten ließ bei aller bürgermeisterlichen Zurückhaltung deutliche Verärgerung erkennen. „Ohne die Beteiligung aller Parteien ist das Verfahren weder möglich noch sinnvoll“, erklärte er damals.

Auch beim Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes, das Röhse am 27. Januar 2016 auf dem Marktplatz einweihte, war die Unterstützung aus der CDU-Fraktion nicht gerade überwältigend. Obwohl es sich nur um Peanuts handelte, stimmte die CDU im Rat gegen die Einstellung der Mittel für den Gedenkstein. Mit der grotesken Begründung, ein Mahnmal müsse an alle Opfer totalitärer Regime erinnern, war Gütlbauer zuvor aus den interfraktionellen Gesprächen zum Thema ausgestiegen.

In diesem Frühjahr gipfelten die Animositäten bzw. Auseinandersetzungen zwischen der CDU-Fraktion und dem Bürgermeister schließlich in einem massiven Streit um den Verkauf der Jordanfläche. Schon in der Ratssitzung im Februar hatte Röhse erneut nur mit der rot-grün geführten Mehrheit gegen die Stimmen der „eigenen“ Fraktion gearbeitet und den Verkauf durchgedrückt. Hinterher musste er sich harsche Kritik aus seiner Partei gefallen lassen. Besonders Gütlbauer ist auf Zinne.

Mit einer Anfrage an die Verwaltung wollte der CDU-Mann Licht in den Vorgang bringen, war aber mehr als unzufrieden mit den Antworten, die von Röhse selbst – relativ ungewöhnlich – verfasst worden waren. „Ich muss mich nicht wie einen Depp behandeln lassen“, erklärte Gütlbauer und gewann damit den Aufmacher der Seite 1 des Wochenblattes und einen saftigen Kommentar von Verleger Martin Schrader, der Röhses Antwort „dümmlich“ und „eine Frechheit“ nannte.

Aus Sicht des buchholz express hat der Bürgermeister sich bei allen oben geschilderten Fällen zurecht mit der CDU-Fraktion angelegt und sollte sich überlegen, die Partei zu wechseln. Was die Jordanfläche angeht, haben er, die Führung im Rathaus insgesamt und die rot-grün geführte Mehrheit sich aber eine Blöße gegeben. Martin Schrader ist zuzustimmen, dass es eine Menge Ungereimtheiten beim Zustandekommen des Projektes gibt.

Der buchholz express teilt sicherlich nicht Schraders ewige Litanei von den verrottenden Straßen und den aus dem Fenster geschmissenen Steuergeldern. Aber er teilt durchaus seine Skepsis gegenüber dem Argument der Verwaltung, das die Schnelligkeit, mit der das Projekt Jordanfläche durchgezogen wurde, mit dem Beginn der Brut- und Setzzeit am 1. März begründete. Und der buchholz express hält die Art und Weise, wie das Ganze kommuniziert wurde, nach wie vor für eine Katastrophe.

Aber Jordanfläche hin, Jordanfläche her. Es bleibt festzuhalten, dass der Buchholzer Bürgermeister mit der rot-grün geführten Mehrheit und gegen seine „eigene“ Fraktion regiert, und das schon länger als ein halbes Jahr. In einem Jahr, in dem Kommunalwahlen anstehen, gibt das eigentlich kein besonders gutes Bild ab – aber weder dem Wochenblatt noch dem Hamburger Abendblatt scheint das bisher besonders aufgefallen zu sein.

Mal wieder Ostring: NDR-Moderator Hans-Jürgen Otte interviewte Norbert Stein (rechts) und Jan-Hendrik Röhse.

Mal wieder Ostring: NDR-Moderator Hans-Jürgen Otte interviewte Norbert Stein (rechts) und Jan-Hendrik Röhse.

Von Kristian Stemmler

„Und täglich grüßt das Murmeltier…“ Die Diskussion um den Ostring erinnert inzwischen sehr an diesen Kinoklassiker mit Bill Murray. Es kommen immer wieder dieselben Argumente, dieselben Reaktionen, alles schon hundertmal gehört. Nichtsdestotrotz bringt das Buchholzer Streitthema Nummer eins immer noch ’ne Menge Leute auf die Beine. Die Rathauskantine war am Dienstagabend jedenfalls vollbesetzt, als NDR 1 Niedersachsen eine Sendung zum Thema aufzeichnete (Ausstrahlung heute 19 Uhr).

„Jetzt reicht’s!“ heißt das Format, eine Sendung, die alle drei Wochen ein Streitthema aufgreift. Und „Jetzt reicht’s!“ trifft das Thema Ostring ja ganz gut, vor allem weil die Auseinandersetzungen um die ominöse Umgehungsstraße schon einige Jahrzehnte andauern. Auch als Gegner des Ostrings konnte man darum der etwas frustriert klingenden Bemerkung von Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse in der Sendung zustimmen: „Das Thema ist nach 40 Jahren ausgelutscht und muss endlich entschieden werden.“

Der Bürgermeister stand als oberster Vertreter der Ostring-Fans bei Moderator Hans-Jürgen Otte vorn, zur Linken Ottes vertrat Ex-Bürgermeister und SPD-Ratsherr Norbert Stein die Ostringgegner. Insgesamt wirkte Stein dabei frischer und entschiedener. Röhse, der ja für gewöhnlich rhetorisch gut und mit Witz und Charme argumentiert, wirkte an diesem Abend irgendwie lustlos und blutleer – so als würde er den Ostring eher aus Pflichtgefühl propagieren.

Wie gesagt, kamen keine wirklich neuen Argumente zum Thema. Die Befürworter, die übrigens im Publikum in der Mehrzahl waren, verwiesen auf die morgendlichen und abendlichen Staus, vor allem auf Hamburger Straße und Kirchenstraße. Eine Entlastung der Innenstadt könne nur der Ostring bringen. Das mit den Bürgern erarbeitete Mobilitätskonzept sage das ganz klar, insistierte Röhse, und erwähnte gleich zweimal auf welcher Seite das stehe: Seite 35!

Norbert Stein sorgte gleich für Stimmung in der Bude. Der Verkehr habe zuletzt abgenommen statt zugenommen. Für die Canteleubrücke sei mit dem Ostring für das Jahr 2014 ein Aufkommen von rund 19.000 Autos in 24 Stunden, im letzten Jahr habe sie bei knapp 21.000 Autos in 24 Stunden gelegen – ohne Ostring! „Wir brauchen keine Umgehung“, konstatierte Stein und erntete damit höhnische Zwischenrufe und Gelächter der Ostring-Fans.

Auf diesen Einwand ging Röhse nicht ein, sondern knüpfte lieber an den Freie-Fahrt-Anspruch des gemeinen Autofahrers an. Er habe jedenfalls keine Wahnvorstellungen, sondern stehe tatsächlich oft abends oder morgens im Stau. Zehn Minuten von der Stadtmitte zum Stadtrand zu brauchen, das sei nicht in Ordnung. (Anmerkung des Autors: Gemessen an den Staus, die man in Hamburg erleben kann, kann man den zäh fließenden Verkehr in Buchholz nicht wirklich als Stau bezeichnen!)

Von Stein und Ostringgegnern im Publikum wurde natürlich auch auf die Zerstörung von Landschaft hingewiesen. Die Umgehung würde die Verbindung zum Klecker Wald zerschneiden, „gigantische Brückenbauwerke“ (Stein) würden in die Landschaft gepflanzt. Röhse entgegnete, er sei die geplante Strecke am Morgen noch mal abgegangen, 80 Prozent der Fläche seien Ackerland, der Rest wenig wertvoller Nutzwald.

Gegen den Ostring spreche auch, dass der größte Teil des Verkehrs in Buchholz kein Durchgangsverkehr sei, sondern als Ziel die Innenstadt habe, so Stein. Es könne daher nicht im Interesse gerade der Geschäftsleute liegen, mit einer Umgehung den Verkehr aus der Stadt zu holen. Der Ex-Bürgermeister plädierte für den so genannten Bypass, eine kürzere Umgehung über die Straße Am Langen Sal. Die bringe nun gar nichts, erwiderte Röhse.

Natürlich kam aus das Thema Geld zur Sprache. Uwe Karsten vom Landkreis Harburg verwies darauf, dass die rund 60 Prozent der Baukosten von knapp 19 Millionen Euro Fördermittel des Bundes seien, für Landkreis und Stadt Buchholz blieben rund vier Millionen Euro. Norbert Stein bezweifelte, dass bei den genannten Kosten bleiben werde, eine zweispurige Straße von sechs Kilometer Länge mit fünf Brücken sei mit diesem Betrag wohl nicht zu bauen.

Auch der Ausbau des Mühlentunnels war Thema. Ein Zuhörer forderte, mit dem Ausbau zu warten, bis der Ostring in Betrieb genommen sei, um eine Verlagerung des Verkehrs auf die Mühlenwege zu verhindern. Damit stieß er aber weder bei Stein noch bei Röhse auf Gegenliebe. Der Mühlentunnel müsse aus- bzw. neu gebaut werden, weil er aus der Postkutschenzeit stamme und den heutigen Anforderungen in keiner Weise gewachsen sei.

Für die klügste Bemerkung des Abends sorgte die grüne Kreistagsabgeordnete Elisabeth Bischoff. Sie erklärte, der Ostring sei einfach nicht mehr zeitgemäß. Die Planung stamme aus einer Zeit, als man noch der Meinung war, mit Straßen die Probleme der Stadt lösen zu können. Dies sei in Zeiten des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Ziel müsse sein, den Autoverkehr in Buchholz zu reduzieren, zum Beispiel durch bessere Taktung des Buchholz Bus.

Das kam bei den bekennenden Autofetischisten – im Publikum waren übrigens Männer klar in der Mehrzahl – gar nicht gut an. Schließlich gilt es ihnen als unveräußerliches Menschenrecht, mit dem Auto durch die Landschaft zu brausen, wann immer sie dazu Lust haben.

Buchholz (kst/hh) – Die Fronten bleiben verhärtet im Streit um den Ostring. Die vom Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg vorgeschlagene ergänzende Mediation zu dem seit Jahrzehnten umstrittenen Straßenbauprojekt ist gescheitert, wie die Stadt in einer Presseerklärung mitteilt. Nach einem Telefonat mit dem CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Andreas Eschler, sieht Markus Troja, Mediator aus Oldenburg, keine Möglichkeiten mehr für ein außergerichtliches Mediationsverfahren.

„Herr Eschler hat sehr eindeutig gesagt, dass er nicht bereit ist, an einem solchen Mediationsverfahren teilzunehmen, weil er eine Entscheidung vom Gericht haben wolle“, wird Troja aus einer Mail an Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) zitiert. „Das ist aus seiner Sicht der einzige Weg, um den jahrelangen politischen Streit zu beenden. Gespräche ohne eine externe Entscheidungsinstanz sind aus seiner Sicht aufgrund der Konfliktgeschichte aussichtslos.“

Somit sei ein außergerichtliches Mediationsverfahren nicht mehr möglich, bilanziert der Mediator.„Ich schließe mich Trojas Einschätzung an“, sagte Röhse. „Ohne die Beteiligung aller Parteien ist das Verfahren weder möglich noch sinnvoll.“ Aus Röhses Statement und der Pressemitteilung klingt bei aller Zurückhaltung eine gewisse Verärgerung über Eschlers Verweigerungshaltung durch. Es wäre nicht das erste mal, dass sich Röhse und „seine“ Stadtratsfraktion nicht ganz einig sind.

Vor kurzem hatten Eschler und der FDP-Fraktionschef im Rat, Arno Reglitzky, beides glühende Ostring-Fans, bereits im Wochenblatt deutlich gemacht, dass sie von einer Mediation wenig bis nichts halten. Natürlich gaben sie die Schuld den Ostring-Gegnern, insbesondere Ex-Bürgermeister Norbert Stein (SPD) und Joachim Zinnecker, Fraktionschef der Grünen im Rat.

Zugleich brachten sie das Kunststück fertig, den Ostring-Gegnern vorzuwerfen, sie wollten das Thema Ostring auch wieder in den nächsten Kommunalwahlkampf im kommenden Jahr ziehen. Genau das wird aber durch eine brüske Verweigerung einer Mediation, wie sie Eschler jetzt abgeliefert hat, eher befördert.

Hintergrund des Vorgangs: Das OVG Lüneburg hatte im August vergangenen Jahres die Berufung des Landkreises Harburg gegen die Aufhebung des Planfeststellungsverfahrens für den so genannten Ostring zugelassen, gleichzeitig aber ein Mediationsverfahren mit den Klägern empfohlen.

Darüber hinaus hatte die Lüneburger OVG-Güterichterin Barbara von Seebach ein so genanntes ergänzendes (außergerichtliches) Mediationsverfahren angeregt. Damit sollte versucht werden, die Differenzen der Lager in der Buchholzer Politik zum Bau der Umgehungsstraße auszuräumen und einen Kompromiss für eine Alternativroute zu finden. Dieser Versuch ist jetzt gescheitert. Wie es mit der Mediation beim OVG Lüneburg weitergeht ist derzeit noch offen.

Der designierte Bürgermeister von Buchholz, Jan-Hendrik Röhse, weist die Kritik seines grünen Kontrahenten Joachim Zinnecker zurück. Er habe keinen Ostring-Wahlkampf geführt, sondern nur auf Anfragen der Wähler reagiert, sagte er im Interview mit dem buchholz express. Auch habe er keine Probleme auf die Ratsmehrheit zuzugehen. Er sei überzeugt davon, „dass Politik und Verwaltung sehr gut zusammenarbeiten werden“.

Kristian Stemmler: Herr Röhse, worauf führen Sie Ihr gutes Ergebnis zurück?

Jan-Hendrik Röhse: Es ist naturgemäß schwierig zu sagen, worauf so ein gutes Wahlergebnis nun genau zurückzuführen ist. Für den Wahlkampf hatte ich mir insgesamt fünf Wochen Urlaub genommen und war in dieser Zeit täglich unterwegs, um für mich und mein Programm zu werben. Ob es am Ende an meiner Person oder an meinem Wahlprogramm oder an einer Kombination aus Person und Programm lag, ich weiß es nicht. So oder so freue ich mich aber über das Ergebnis.

Ihr Kontrahent, Joachim Zinnecker, wirft Ihnen vor, doch einen Ostring-Wahlkampf geführt zu haben.

Das Thema Ostring hat in meinem immerhin zehnseitigen Wahlprogramm gerade einmal eine halbe Seite eingenommen und war somit nicht übermäßig in den Vordergrund gestellt. Totschweigen konnte und wollte ich dieses Thema allerdings nicht. Letztendlich haben wir in den öffentlichen Diskussionsrunden doch alle gemerkt, dass es die Wählerinnen und Wähler sind, die die Fragen bestimmen, auf die sie Antworten haben wollen – und nicht umgekehrt. Insoweit kann ich den Vorwurf, ich hätte einen Ostring-Wahlkampf geführt, nicht nachvollziehen.

Zinnecker warnt vor sieben Jahren Stillstand und sieht Probleme für die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der rot-grün geführten Ratsmehrheit. Wie sehen Sie das?

Die Wählerinnen und Wähler haben mir mit 61,3 Prozent ein sehr starkes Mandat gegeben, das ich auch als eine Verpflichtung sehe. Eine Verpflichtung, auch die politisch umstrittenen Themen zu lösen. Jedes Ratsmitglied – der Bürgermeister eingeschlossen – sollte aus diesem Wahlergebnis seine Schlüsse ziehen und konstruktiv daran arbeiten, den – wie Herr Zinnecker sagt – „Gordischen Knoten“ zu zerschlagen. Mein Ziel ist es, das Thema „Ostumgehung“ bis zur Kommunalwahl 2016 politisch zu lösen. Dann muss man sich auch nicht mehr über einen „Ostring-Wahlkampf“ streiten.

Sie haben also keine Probleme auf die Ratsmehrheit zuzugehen?

Ich bin ein weltoffener und toleranter Mensch und habe überhaupt keine Probleme, mit jedem Ratsmitglied einen guten und respektvollen Umgang zu pflegen und ihr oder ihm die Hand zu reichen. In diesem Sinne werde ich mein Amt am 1. November antreten und ich bin überzeugt davon, dass Politik und Verwaltung sehr gut zusammen arbeiten werden.

 

 

Von Kristian Stemmler

Endspurt der Verlängerung im Bürgermeisterwahlkampf: Am Sonntag wird in einer Stichwahl der neue Bürgermeister von Buchholz und Nachfolger von Wilfried Geiger gewählt. Auf dem Stimmzettel stehen diesmal nur noch zwei Namen, der des Ersten Stadtrats Jan-Hendrik Röhse (CDU), der außer von seiner eigenen Partei auch von der FDP unterstützt wird, und der von Joachim Zinnecker (Grüne), hinter dem seine Partei, die SPD, die Buchholzer Liste und die Piraten stehen.

Auch wenn Röhse bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai mit 49 Prozent fast die absolute Mehrheit erreichte und Zinnecker mit 27,4 Prozent weit abgeschlagen war, darf das Wahlergebnis mit Spannung erwartet werden. Zum einen dürfte die Wählerschaft anders zusammengesetzt sein, weil diesmal keine andere Wahl parallel statt findet. Zum anderen fragt sich, zu wem die Wähler der unabhängigen Kandidaten Ronald Bohn, Norbert Keese und Uwe Schulze wandern.

Ein deutliches Votum für Zinnecker hat die Bürgerinitiative Ostring (BIO), die sich gegen den Bau der Umgehung engagiert, jetzt abgegeben. „Bitte gehen Sie unbedingt zur Wahl und geben Sie Joachim Zinnecker Ihre Stimme“, appelliert die BIO an die Buchholzer. Zinnecker habe sich klar gegen den Ostring in der aktuell vorliegenden Planung ausgesprochen und mit dem so genannten Bypass eine deutlich kleinere Variante des Ostrings in die Diskussion gebracht.

Wörtlich heißt es in der Stellungnahme: „Während Herr Röhse weiter stur an der alten Ostringplanung festhält und dieses mit einem angeblichen Bürgervotum aus dem Bürgerentscheid vom 20. Oktober 2013 rechtfertigt, versucht Zinnecker nach einem jahrzehntelangen Stillstand nun einen Kompromiss zu erreichen.“

Auch wenn sie dem Bypass kritisch gegenüberstehe, so die BIO weiter, glaube sie, dass Zinnecker „mit seinem lösungsorientierten Ansatz und seiner politisch grünen Grundausrichtung Buchholz besser tut als Herr Röhse, der in seiner Tätigkeit als Erster Stadtrat und Sozialdezernent in der Verwaltungsspitze fünf Jahre lang keine wesentlichen Beiträge für eine positive Weiterentwicklung unserer Stadt gebracht hat. Herr Röhse verwaltet dort, wo Zinnecker anpackt und gestalten will.“

Nur wenn der Rat der Stadt Hand in Hand mit der Stadtverwaltung agiere, könne sich Buchholz entscheidend weiter entwickeln. Mit Joachim Zinnecker an der Spitze der Verwaltung und der aktuellen Ratsmehrheit aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Buchholzer Liste, Piratenpartei und dem unabhängigen Ratsherrn Kristian Stemmler ließen sich ökologische, soziale und nachhaltige Ziele erreichen. Der Appell schließt mit den Worten: „Die Blockadepolitik der letzten Jahre von CDU, FDP und der Stadtverwaltung muss ein Ende haben.“

Derweil hat auch der scheidende Bürgermeister noch mal ins Geschehen eingegriffen. In einer Erklärung ruft Wilfried Geiger die Buchholzer dazu auf, am Sonntag zur Wahl zu gehen. „Neben der Kommunalwahl ist die Wahl des neuen Stadtoberhauptes der wichtigste Urnengang auf lokaler Ebene“, wird Geiger zitiert. Der Bürgermeister brauche ein deutliches Votum der Wähler, um erfolgreich arbeiten zu können. Je höher die Wahlbeteiligung ausfalle, desto mehr werde das Amt des Bürgermeisters gestärkt.

Auf den ersten Blick wirkt dieser Appell wie ein lobenswertes Engagement für die Demokratie. Aber bei genauerem Hinsehen kann man in der Erklärung auch eine indirekte Wahlkampfhilfe von Geiger für Röhse sehen. Es liegt auf der Hand, dass der Erste Stadtrat von einer höheren Wahlbeteiligung profitieren dürfte, denn man kann davon ausgehen, dass der Mobilisierungsgrad bei Zinneckers Anhängerschaft höher ist. Noch ist jedenfalls nichts entschieden.

 

 

Von Kristian Stemmler

Wer die Wahlergebnisse der FDP bei den letzten Wahlen und die Zahl der Mitglieder ihrer Fraktion im Buchholzer Stadtrat betrachtet, der kann sich nur wundern, wie viel Raum diese Partei immer noch in der Öffentlichkeit einnimmt. Das liegt zugegebenermaßen zum einen daran, dass besonders der Fraktionschef Arno Reglitzky recht fleißig ist und man viel auf dem Markt herumhängt, vor allem aber daran, dass Reglitzky & Co. einen mehr als guten Draht zum Nordheide Wochenblatt haben. Kaum eine Ausgabe erscheint, in der nicht die örtliche FDP oder eine von ihr initiierte Geschichte zum Tragen kommt.

Kürzlich war man mal wieder mit dem Thema Ostring im Mitteilungsblatt der Buchholzer Wirtschaft. Dabei ging es natürlich vor allem um Flankenschutz für den CDU-Kandidaten im Bürgermeisterwahlkampf Jan-Hendrik Röhse, den die FDP unterstützt. Obwohl ja ein Gericht die Planungen für den Ostring längst kassiert hat und eine Neuplanung Jahre dauern wird, machen die Liberalen den Wählern weiter wider besseres Wissen vor, der Ostring könne schon bald die Verkehrsprobleme in Buchholz lösen.

In dem Wochenblattbeitrag warfen die Liberalen dem Bürgermeisterkandidaten von SPD, Grünen und Buchholzer Liste, Joachim Zinnecker, vor, die Wähler in der Verkehrspolitik zu täuschen. Der von Zinnecker ins Spiel gebrachte „Bypass“, eine deutlich kürzere Umgehung entlang der Bahnstrecke Hamburg-Bremen, wird von der FDP als zur Entlastung ungeeignet, technisch zu aufwändig und zu teuer verunglimpft. Der Ostring dürfte ja wohl technisch ein wenig aufwändiger und auch ein wenig teurer werden, besonders wenn er neu geplant werden muss!

Abstrus ist auch dieser auf Zinnecker gemünzte Satz in der Pressemitteilung: „Sollte sich dieser Kandidat durchsetzen, kommt kein Ostring und Buchholz erstickt im Verkehrsstau!“ Abgesehen davon, dass der Ostring ein die Natur verschandelndes, völlig anachronistisches Projekt ist, ist die Behauptung, Buchholz ersticke im Stau, grotesk. Sicher gibt es vor allem auf der Hamburger Straße immer wieder stockenden Verkehr, aber Stau würde ich das nicht nennen – Staus kann man in Hamburg im Berufsverkehr erleben!

Nervig ist der viele Autoverkehr in Buchholz andererseits schon, auch und besonders für die Anwohner. Aber dieses Problem löst man nicht, indem man eine schweineteure Umgehung in die Landschaft knallt, frei nach der von CDU und FDP bevorzugten Devise: Freie Fahrt für freie Bürger. Das politische Ziel kann nur sein, den Autoverkehr zu reduzieren, und zwar erheblich.

Es klingt vielleicht polemisch: Aber wenn man morgens und vormittags in Buchholz miterlebt, wie viele Rentner und Hausfrauen mit dem Auto die zwei oder drei Kilometer zum Einkaufen in die Innenstadt und zurück fahren und wie viele Mütter ihre Kinder mit dem Auto zur Kita oder zu Schule bringen, und das teilweise mit dicken SUVs – dann kann man sich schon fragen, ob das alles sein muss.

Diese Gesellschaft ist mit Sicherheit völlig übermotorisiert! Das erfordert ein grundlegendes Umdenken. Und der Ostring ist die komplett falsche Antwort auf die Verkehrsprobleme der Gegenwart. Wer wirklich möchte, dass in Buchholz eine intelligente, der Zukunft zugewandte, ökologische Verkehrspolitik betrieben wird, kann am 25. Mai nur Joachim Zinnecker wählen.

 

GTA VEin Gastbeitrag von Olaf Blohm

Manchmal zeigt der Erfolg eines Spieles, wie die aktuellen Männerphantasien aussehen. Der aktuelle Männertraum heißt nicht Emanuela, sondern Grand Theft Auto 5, ein Videospiel, das in der ersten Woche in Deutschland eine Millionen Mal verkauft wurde. In einer riesigen Spielwelt fährt man im Sportwagen durch die Stadt, fliegt Hubschrauber und schießt alle über den Haufen, die einem auf die Nerven gehen. Das Spiel ist echter Männerkitsch, hat aber einen nicht zu vernachlässigenden Wirklichkeitsbezug.

Das Gegenteil dieses Spieles bedeutet in der Realität langsames, aggressionsfreies Fahren. Das fällt besonders Männern schwer. In den von der Straßenverkehrsbehörde verordneten Nachschulungen finden sich fast ausschließlich Männer. Die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ beschreibt das Dilemma: „Ein Mann, der keinen Zugang zu seinen Gefühlen hat, lebt sie beim Autofahren aus.“

So bleibt das Auto die heilige Kuh des Mannes. Es ist seine Schaltzentrale, sein Cockpit von dem aus die Welt eine Zeit lang scheinbar kontrolliert werden kann. Eines ist dabei aber unerträglich: Stillstand. Wo bleibt das Gefühl von Freiheit, Macht und Kontrolle, wenn man(n) wie alle anderen in der Schlange der Blechkisten steht? Da hilft nur eins: Es muss für schnelle, barrierefreie Fahrt gesorgt werden.

In Buchholz heißt das Zauberwort dafür „Ostring“. Er ist die letzte Hoffnung für die von Ohnmacht geplagten Autofahrer. Auch wenn das Projekt keine Chance auf Realisierung hat, muss eisern daran festgehalten werden. Die Alternative wäre das Eingeständnis, nicht alles kontrollieren zu können.

Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ISEK-Prozesses bereit sind, sich den verschiedenen Ideen zu öffnen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln, fristet der gemeine Ostring-Befürworter ein einsames Dasein. Allein kämpft er um den letzten Freiraum zum Ausleben von Freiheit und Abenteuer.

Weil nicht sein kann was nicht sein darf, wird eine Zukunft herbeifantasiert, die so niemals Wirklichkeit werden kann. Helden erreichen ihre Ziel oder scheitern grandios. Der Kompromiss ist im männlichen Heldenepos nicht vorgesehen. Doch solange der Ostring nicht Wirklichkeit ist, gibt es ja noch eine Hoffnung. Grand Theft Auto 6 kommt bestimmt bald!