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Posts Tagged ‘Ortsumgehung Dibbersen’

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Von Kristian Stemmler

Die Sonne hatte sich zwar nur kurz blickenlassen und war schon wieder hinter grauen Wolken verschwunden. Aber Enak Ferlemann und Olaf Lies sprachen dennoch unisono von einem „schönen Tag“, wobei sie weniger das Wetter als den Buchholzer Ortsteil Dibbersen im Auge hatten. In Dibbersen wird es nämlich von heute an „leiser, sicherer und sauberer“, wie der Parlamentarische Staatssekretär von der CDU betonte. Für die 1000 Einwohner sinkt die Belastung mit Lärm und Abgasen ebenso wie das Unfallrisiko, wie Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister von der SPD es formulierte.

Unter dem Beifall von rund 100 geladenen Gästen und etwa 50 Schaulustigen auf einer nahen Brücke gaben die beiden Spitzenpolitiker heute nachmittag um halb vier feierlich die Ortsumgehung Dibbersen frei. Fast 45 Jahre hat es gedauert, bis sie Wirklichkeit wurde, die ersten Planungen begannen bereits 1970, wie Lies erklärte. Der Bau der 2,65 Kilometer langen und 17,2 Millionen Euro teuren Umgehung ging dann recht zügig vonstatten. Zweieinhalb Jahre brauchte man und wurde sogar etwas früher fertig als geplant.

Ferlemann machte noch einmal klar, warum es für Dibbersen keine Alternative zum Bau der Umgehung gegeben hat. Rund 25.000 Fahrzeuge seien bisher täglich über die B 75 durch den Ort gerauscht, etwa 90 Prozent davon war Durchgangsverkehr. In Spitzen, etwa bei Staus auf der A 1, sei die Zahl noch höher gewesen. Der Staatssekretär dankte den mit der Umsetzung der Planungen betrauten Behörden für ihre schnelle und gute Arbeit. Die 17,2 Millionen Euro seien „sehr gut angelegte öffentliche Gelder“.

Um den Verkehr aufzunehmen ist die neue Umgehung zum Teil vierstreifig, Ferlemann verwies auch auf die „neuen schicken Kreisel“. Oft würden in Deutschland zu kleine Kreisel gebaut, diese seien auf jeden Fall groß genug. Der Politiker aus Cuxhaven lobte Niedersachsen als „eines der wenigen Bundesländer, die auf Vorrat planen“. Daher habe das Land gute Chancen, für Verkehrsprojekte Geld aus dem geplanten Zehn-Milliarden-Investionsprogramm der Bundesregierung zu erhalten.

Für Gelächter sorgte die Schlussbemerkung Ferlemanns, man möge die neue Strecke aber doch bitte von Blitzern verschonen, davon gäbe es bereits genug. An diesen launigen Ton knüpfte Olaf Lies an, der als erstes die Bürger auf der Brücke mit einem kräftigen „Moin!“ begrüßte. Oft würden derartige Veranstaltungen ja von Protesten begleitet, und er habe schon die leise Befürchtung gehabt, jetzt von oben mit irgendetwas beworfen zu werden. Aber offensichtlich seien auch die Zaungäste auf der Brücke froh über die Umgehung.

Auch Lies hob auf die bisherige massive Belastung von Dibbersen durch die B 75 ab. Von den rund 25.000 Fahrzeugen am Tag seien etwa 3500 Lastwagen, betonte er, und die Prognosen gingen von einer Zunahme des Verkehrs auf mehr als 27.000 Fahrzeugen am Tag aus. Mit der Freigabe der Ortsumgehung erhöhe sich die Sicherheit im Ort „enorm“, es werde leiser und sauberer. Die Verlagerung des Verkehrs aus dem Zentrum biete Dibbersen zudem stadtplanerische Entwicklungsmöglichkeiten.

Der Wirtschaftsminister nutzte die Gelegenheit, um für Investitionen in die Infrastruktur zu werben. „Wenn wir wollen, dass Wohlstand und Wachstum zunehmen, dann geht das nicht ohne eine leistungsfähige Infrastruktur“, sagte er. Das südliche Umland von Hamburg sei kein Speckgürtel, sondern ein Muskelring, die Hansestadt profitiere von einer starken Metropolregion. Mit positiver Erwartung schaue Niedersachsen auf die zehn Milliarden aus Berlin, man habe da schon eine Liste von Maßnahmen.

Nach den erfreulichen kurzen Ansprachen schoben Ferlemann und Lies im Verein mit Landrat Rainer Rempe und Heiner Schönecke für die Fotografen eine Absperrbake beiseite. Dann setzten sie und die geladenen Gäste sich in ihre Autos und fuhren im Konvoi mit der Polizei voraus über die neue Straße, bis zum Kreisel an der Autobahn und zurück. Für einen Imbiss kehrte die Gesellschaft schließlich im Gasthaus Frommann ein.

Unter den Gästen waren auch der amtierende Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, die ehemaligen Bürgermeister Wilfried Geiger und Norbert Stein, der stellvertretende Landrat und Landtagsabgeordnete Heiner Schönecke, die frühere Landtagsabgeordnete Silva Seeler, Dibbersens Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert, Buchholz‘ stellvertretender Bürgermeister Frank Piwecki sowie etliche Mitglieder des Stadtrates wie die Fraktionschefs der SPD, Wolfgang Niesler, der Grünen, Joachim Zinnecker, der Buchholzer Liste, Peter Eckhoff, und der FDP, Arno Reglitzky.

Ein wenig delikat war es schon, dass die Freigabe der Ortsumgehung ebenso wie schon der erste Spatenstich im Sommer 2012 im Gasthaus Frommann gefeiert wurde. Sind es doch die Gewerbetreibenden des Ortes, die es eigentlich als einzige nicht nur vorteilhaft finden, dass der Durchgangsverkehr so zurückgeht. Mit ihrer Idee, einen 30 Meter hohen Pylon in die Landschaft zu pflanzen, sind sie aber gottseidank nicht durchgekommen. Zur Umgehung gab es aber, siehe oben, sicher keine Alternative.

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Von Kristian Stemmler

Vor rund 40 Jahren begannen die Planungen für die Ortsumgehung Dibbersen, im Juli 2012 wurde in Anwesenheit politischer Prominenz der Erste Spatenstich gefeiert. Knapp ein Jahr später ist auch den Geschäftsleuten von Dibbersen aufgefallen, dass nach Fertigstellung der Umgehung im Mai 2015 erheblich weniger Fahrzeuge durch den Ort fahren werden. Sie luden kommunalpolitische Vertreter zu einer Präsentation ein – und forderten dabei in geradezu erpresserischer Manier, ihren Plan zu genehmigen: den Bau eines etwa 35 Meter hohen beleuchteten Werbepylons.

Da Gewerbetreibende heute dazu neigen, Politik und Verwaltung als Dienstleister zu betrachten, die ihnen einen ordentlichen Umsatz zu garantieren haben, war man arg verschnupft, dass die anwesenden Kommunalpolitiker auf die Gesetzeslage verwiesen. Werbeanlagen in dieser Größe sind in dem betreffenden Gebiet nicht genehmigungsfähig. Für die Geschäftsleute ist das nicht einzusehen. Rund 120 Arbeitsplätze seien gefährdet, wenn die Geschäfte im Ort – darunter Mc Donald’s, die Aral-Tankstelle, Baby One und das Gasthaus Frommann – wegen des reduzierten Durchgangsverkehr Kunden verlören.

Wie das Nordheide Wochenblatt vermerkt, waren zu der Präsentation Wolfgang Niesler, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (auch SPD) und der grüne Fraktionschef Joachim Zinnecker erschienen. Die anderen Ratsfraktionen glänzten mit Abwesenheit. Das hielt die örtliche FDP nicht davon ab, sich in einem Beitrag auf ihrer Homepage als Anwalt der Gewerbetreibenden zu gerieren und von der Ortsumgehung als einem „mächtigen Bauwerk“ zu fabulieren. Kritisieren können sie die Umgehung allerdings schlecht, war es doch ein Parteifreund, der damalige Verkehrsminister Jörg Bode, der sie beim Ersten Spatenstich in höchsten Tönen lobte.

Die Geschäftsleute sehen den Riesenpylon, der die Autofahrer auf die Läden im Ort hinweisen soll, als ihre Rettung. Die Politik habe gefälligst einen Bebauungsplan aufzustellen, mit dem der Pylon legalisiert werden könnte. Andernfalls seien sie schuld an eventuellen Firmenpleiten. Was die Gewerbetreibenden natürlich nicht erwähnt haben: Alle außer Frommann haben sich zu einem Zeitpunkt angesiedelt, zu dem die Planungen für die Ortsumgehung bereits liefen. Sie konnten wissen, dass die Umgehung eines Tages kommen würde.

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