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Posts Tagged ‘Olaf Blohm’

Von Kristian Stemmler

Manchen scheint es nicht zu reichen, dass der Kapitalismus und der Konsumismus auf der ganzen Linie gesiegt haben, und alternative Ansätze sich weithin in der Defensive befinden. In ihrem wahnhaften Streben, auch noch den letzten Rest von Glauben an eine menschlichere Zukunft aus dieser Gesellschaft zu tilgen, schnüffeln sie allen hinterher, die diesen Glauben noch nicht ganz aufgegeben haben – die sie also für irgendwie links halten.

Diese Beschreibung dürfte recht gut auf die Verfasser einer 40-seitigen Kampfschrift aus dem Dunstkreis der Alternative für Deutschland zutreffen, die derzeit für Wirbel im Landkreis Harburg sorgt. „Stadt Buchholz i. d. N. paktiert mit Luxemburg-Liebknecht-Demo-Unterstützern“ steht darüber, thematisch geht es vor allem um die Antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh in Holm-Seppensen und als Verfasser zeichnen „Anonyme FDGO-Verteidiger Buchholz i. d. N.“. Wie man leicht erkennen kann, also ein recht skurriler, wenn nicht grotesker Vorgang!

Allerdings finden nicht alle das Pamphlet zum Lachen, denn auf den 40 Seiten werden jede Mengen von Personen namentlich genannt und teilweise heftig verleumdet. Der für und in Heideruh engagierte, in Berlin lehrende und in Buchholz wohnende Professor Oliver Rump, der die Geschichte der Begegnungsstätte erforscht, hat nach einem Bericht des Nordheide Wochenblattes jedenfalls Anzeige wegen Verleumdung und Bedrohung gegen die anonymen Verfasser erstattet.

Rump angeschlossen hat sich in dieser Woche der Buchholzer Betriebsrat Uwe Schulze, der bei der zurückliegenden Bürgermeisterwahl kandidiert hat. Auch er wird in der Kampfschrift diffamiert und hat darum bei der Buchholzer Polizei Anzeige wegen Verleumdung/übler Nachrede gestellt. Die Polizei wird auch wegen eines Verstoßes gegen das Niedersächsische Pressegesetz ermitteln, das für derartige Schriften ein Impressum vorschreibt.

„Da ich vor habe, mich für ein politisches Amt aufstellen zu lassen, wird mir diese Dokumentation im Wege stehen, gerade weil sie Unwahrheiten über mich aufzeigt“, sagte Schulze dem buchholz express. „Ich sehe durch die Hetzschrift meine Persönlichkeitsrechte verletzt und empfinde das Ganze als einen Eingriff in einen höchstpersönlichen Lebensbereich.“

Oliver Rump sagte dem Wochenblatt, er sei nicht gewillt, den Angriff auf seine Integrität als Privatperson und Professor hinzunehmen. „In der Broschüre wird unter dem Deckmantel einer wissenschaftlichen Arbeit mit Unterstellungen und Verleumdungen gearbeitet“, wird er zitiert. Rump wird in der AfD-Schrift unter anderem als „dunkelroter Professor“ beschrieben, der möglicherweise sogar als faktischer „intellektueller Kopf“ der Buchholzer Linksextremisten-Szene zu sehen sei.

Schon diese Formulierung belegt die Paranoia der „anonymen FDGO-Verteidiger“. Man kann ihnen einen gewissen Fleiß sicher nicht absprechen, die Hetzschrift ist gespickt mit Namen von Personen, Organisationen und Bands, sie zieht offenbar alles heran, was vor allem über das Internet recherchiert werden konnte. Nur sind die Schlüsse, die daraus gezogen werden, in der Regel falsch und überzogen. Heideruh ist zweifellos links und auch ein Treffpunkt vor allem für Linke, aber die AfD ist hundertmal mehr eine Bedrohung für die FDGO!

Auch die Einleitung der Broschüre spricht für sich, nicht nur weil sie äußerst geschraubt daher kommt und dem Ganzen offenbar eine Art akademischen Anstrich geben soll. Es lohnt sich, den ganzen, einen langen Absatz umfassenden Satz zu lesen – also, auf geht’s:

„Als aufmerksamer dem äquidistanten Antitotalitarismus der alten Bundesrepublik verpflichteter interessierter Bobachter des politischen Zeitgeschehens frage ich mich inzwischen ständig, wie es sein kann, dass einem zunehmend öffentlich raumgreifenden und immer dreister und aggressiver auftretenden Linksextremismus, der im Namen seiner kommunistischen oder anarchistischen Ziele eindeutig auf die faktische Außerkraftsetzung der im GG niedergelegten freiheitlich-demokratischen Grundordnung hinarbeitet und bereits jetzt andersdenkende Menschen sowie Angehörige der staatlichen Sicherheitsorgane zu Zielen von Hass, Einschüchterung und körperlicher Gewalt macht, ein zunehmender passiver, nötiges Handeln unterlassender Staat gegenübersteht, der gegen linksextremistische Bestrebungen und Straftaten nicht mehr wirklich ernsthaft vorgeht und der im Vergleich mit dem Zeitalter der wirklich wehrhaften Demokratie der alten Bundesrepublik mittlerweile nur noch ein Schatten seiner selbst ist.“

Wie kann man soviel Blödsinn und soviel braune Scheiße in einem einzigen Satz unterbringen! Wer so etwas schreibt, gehört amtsärztlich untersucht oder am besten gleich mit einer Depotspritze Haldol versorgt. Zweifellos kommt es immer wieder auch zu Gewalt gegen Sachen oder Personen von linker Seite, zum Beispiel bei Demos – aber darin allen Ernstes eine Gefahr für diesen Staat zu sehen, da muss man schon weit im Delirium sein.

Wenn irgendetwas diesen Staat und diese FDGO gefährdet, werte selbsternannte Verteidiger derselben, dann ist es vor allem die fortschreitende soziale Erosion. Dann ist es die galoppierende Durchökonomisierung aller Lebensbereiche, die Verblödung der Massen durch RTL 2 und Shoppingsonntage, die zunehmende Macht von Industrie und Banken, die Aushöhlung der Demokratie. In den paar Leuten, die es noch nicht aufgegeben haben, sich links zu engagieren, eine Gefahr zu sehen – lächerlich!

In Heideruh habe ich eine Menge junge und ältere Leute getroffen, die sich Gedanken machen über unsere Gesellschaft. Die sich nicht damit abfinden wollen, dass Hundertausende und Millionen in diesem Land in Abhängigkeit gehalten und unterdrückt werden, die oft verzweifeln an der antrainierten Gleichgültigkeit der Massen und die jeder auf seine und ihre Art versuchen, sich nicht abstumpfen und verblöden zu lassen.

Die AfD-Hetzschrift wirft munter mit Namen und Vermutungen um sich und versucht so den Eindruck zu erwecken, hier sei so etwas wie eine linke Verschwörung am Werk. Antifa, DKP, VVN-BdA, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Die LINKE etc. pp., da könnte der Leser schnell denken: Meine Güte, da muss es ja zugehen wie in einem (linken) Bienenstock! Dass es sich bei vielen dieser Organisationen, zumindest auf lokaler Ebene, um höchstens eine Handvoll Aktive handelt und es teilweise auch noch personelle Überschneidungen gibt, wird nicht erwähnt.

Besonders lächerlich wird es, wenn die Hetzschrift von einer „sich dynamisch entwicklenden linksextremen Buchholzer Jugend-Band-Szene“ fabuliert, nur weil einige Mitglieder hier aktiver Bands offenbar der Antifa nahe stehen, und das hiesige JUZ als Hort dieser Szene diffamiert wird. Mehr als grotesk ist in diesem Zusammenhang der Abdruck des Fotos eines Konfirmandenjahrgangs der Martin-Luther-Gemeinde Holm-Seppensen. Drei oder vier aus diesem Jahrgang seien Mitglied einer „Antifa-Band“ und die Frau von Prof. Rump sei in der Gemeinde doch mal im Kirchenvorstand gewesen… Paranoider geht’s nimmer!

Es führt zu weit, sich mit weiteren Details der Hetzschrift zu befassen, obwohl es sicher teilweise recht lustig ist. Herzlich gelacht habe ich jedenfalls über den aktuellen Anhang, in dem auch meine Person aufgeführt ist. Dabei habe ich einiges Neues über mich erfahren…

So ist in einer Zwischenüberschrift die Rede vom „Triumvirat Uwe Schulze/Kristian Stemmler/Olaf Blohm – eine besondere politische Männerfreundschaft“. Nun kenne ich sowohl Uwe als auch Olaf, den Stadtjugendpfleger von Buchholz, ganz gut und politisch sind wir in vielen (sicher nicht allen) Fragen vielleicht auch politisch nicht so weit voneinander entfernt. Aber daraus gleich ein Triumvirat und eine politische Männerfreundschaft zu machen, das ist denn doch ein wenig dicke.

Was die Angaben zu meiner Person angeht, sind die ansonsten erstaunlich sachlich, allerdings mit einigen Ausnahmen. Mir zum Beispiel zu unterstellen, ich würde gegen das Wochenblatt „giften“, nachdem ich mich mehrfach erfolglos dort beworben hatte, ist absurd. Richtig ist, dass ich mich beim Quasi-Landkreis-Monopolisten vor einigen Jahren um eine Tätigkeit als Redakteur beworben habe und davor schon einmal – aber meine Kritik an der Zeitung hat herzlich wenig damit zu tun, dass die Bewerbungen erfolglos blieben.

Aber ein Rechter kann sich natürlich nicht vorstellen, dass man etwas aus Idealismus macht oder weil einem die politischen Ziele und das Engagement für eine bessere Welt so gut wie über alles gehen. Darum ist den Rechten linkes Denken auch so fremd.

Völlig neu ist mir übrigens auch, dass ich versuchen würde, mich nach meinem Ausschluss aus der Partei DIE LINKE als der „bessere, radikalere Extremist“ darzustellen, „um mich so in der örtlichen Linksextremistenszene zu rehabilitieren“. Selten so einen Nonsens vernommen!

Für die Verfasser der Hetzschrift ist offenbar schwer zu glauben, dass jemand einfach seinen politischen Vorstellungen treu geblieben ist und nicht daran denkt sich anzupassen. Von irgendwelchen Rehabilitationsbemühungen kann übrigens auch nicht die Rede sein, es gibt von beiden Seiten keine Kontakte und keine Kontaktbemühungen. Da gibt es nicht hineinzudeuten!

Erfreulich an dem ganzen Vorgang ist eigentlich nur, dass der AfD-Kreisverband sich gehörig demaskiert hat und sich auch das Nordheide Wochenblatt genötigt sah, Heideruh klar in Schutz zu nehmen. Wobei ich befürchte, dass dies dem Erfolg der AfD auch im Kreis auf lange Sicht keinen Abbruch tun wird. Die Gründung eines Buchholzer Ortsvereins wurde ja bereits angedroht.

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GTA VEin Gastbeitrag von Olaf Blohm

Manchmal zeigt der Erfolg eines Spieles, wie die aktuellen Männerphantasien aussehen. Der aktuelle Männertraum heißt nicht Emanuela, sondern Grand Theft Auto 5, ein Videospiel, das in der ersten Woche in Deutschland eine Millionen Mal verkauft wurde. In einer riesigen Spielwelt fährt man im Sportwagen durch die Stadt, fliegt Hubschrauber und schießt alle über den Haufen, die einem auf die Nerven gehen. Das Spiel ist echter Männerkitsch, hat aber einen nicht zu vernachlässigenden Wirklichkeitsbezug.

Das Gegenteil dieses Spieles bedeutet in der Realität langsames, aggressionsfreies Fahren. Das fällt besonders Männern schwer. In den von der Straßenverkehrsbehörde verordneten Nachschulungen finden sich fast ausschließlich Männer. Die aktuelle Ausgabe der „Zeit“ beschreibt das Dilemma: „Ein Mann, der keinen Zugang zu seinen Gefühlen hat, lebt sie beim Autofahren aus.“

So bleibt das Auto die heilige Kuh des Mannes. Es ist seine Schaltzentrale, sein Cockpit von dem aus die Welt eine Zeit lang scheinbar kontrolliert werden kann. Eines ist dabei aber unerträglich: Stillstand. Wo bleibt das Gefühl von Freiheit, Macht und Kontrolle, wenn man(n) wie alle anderen in der Schlange der Blechkisten steht? Da hilft nur eins: Es muss für schnelle, barrierefreie Fahrt gesorgt werden.

In Buchholz heißt das Zauberwort dafür „Ostring“. Er ist die letzte Hoffnung für die von Ohnmacht geplagten Autofahrer. Auch wenn das Projekt keine Chance auf Realisierung hat, muss eisern daran festgehalten werden. Die Alternative wäre das Eingeständnis, nicht alles kontrollieren zu können.

Während die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ISEK-Prozesses bereit sind, sich den verschiedenen Ideen zu öffnen und gemeinsame Lösungen zu entwickeln, fristet der gemeine Ostring-Befürworter ein einsames Dasein. Allein kämpft er um den letzten Freiraum zum Ausleben von Freiheit und Abenteuer.

Weil nicht sein kann was nicht sein darf, wird eine Zukunft herbeifantasiert, die so niemals Wirklichkeit werden kann. Helden erreichen ihre Ziel oder scheitern grandios. Der Kompromiss ist im männlichen Heldenepos nicht vorgesehen. Doch solange der Ostring nicht Wirklichkeit ist, gibt es ja noch eine Hoffnung. Grand Theft Auto 6 kommt bestimmt bald!

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Von Kristian Stemmler

Eine gute Nachricht für die Buchholzer: Nach Informationen des buchholzblog soll es beim Stadtfest im kommenden Jahr die beliebte Bühne im Rathauspark, auf der lokale Band spielen konnten, wieder geben. Als möglicher Ort für die Bühne wird der Bereich, in dem diesmal noch die Piazza Cultura gastiert, ins Spiel gebracht. Wie es mit der Piazza weiter geht, ist noch unklar, weil Organisator Christoph Selke, wie zu hören ist, im nächsten Jahr wegen anderer Verpflichtungen die Organisation nicht mehr übernehmen kann.

Vor und beim Stadtfest, das am Freitag begann, war viel Unmut darüber zu vernehmen, dass die Bühne im Rathauspark in diesem Jahr gestrichen worden war. „Bei mir sind einige Mails zu dem Thema eingegangen“, berichtete Britta Grühn, die als Leiterin des Fachdienstes Schule, Kultur und Sport im Rathaus für das Stadtfest zuständig ist. Auch beim Wochenblatt beschwerten sich Leser über den Wegfall der Bühne. „Offensichtlich gibt es in der Stadt keine wirkliche Lobby für Buchholer Musiker“, zitiert das Blatt den Leser Wilfried Hofrichter.

Einer der Gründe für den Wegfall der Bühne war, dass sich mit den Stadtwerken der Sponsor der Bühne zurückgezogen hatte, ein anderer, dass die Stadt nach dem Rückzug von Uwe Minio niemanden fand, der sich als Ansprechpartner zur Verfügung stellen wollte.

Am Platz der Rathausparkbühne stand diesmal ein Zelt, in dem Stadtjugendpflege und buchholz.fm gemeinsam zum Chillen und Abfeiern einluden. „Es läuft sehr gut, wir sind zufrieden“, sagte Stadtjugendpfleger Olaf Blohm. Er hatte alte Sofas organisiert, auf denen die Besucher sich lümmeln konnten. Leider musste, wie auch auf den großen Bühnen, gestern kurz nach Mitternacht auf Weisung der Stadt die Musik abgedreht werden.

Was sonst noch so auf dem Stadtfest los war, ist demnächst auf dem buchholzblog nachzulesen.

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