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An den Pranger gestellt: Baudezernentin Doris Grondke.

An den Pranger gestellt: Baudezernentin Doris Grondke.

Von Kristian Stemmler

Es zeichnete sich schon ab. Das Nordheide Wochenblatt hat offenbar einen neuen Prügelknaben oder genauer: ein neues Prügelmädel in der Buchholzer Verwaltungsführung auserkoren. In der aktuellen Ausgabe wird die Baudezernentin der Stadt, Doris Grondke, an den Pranger gestellt. Unter der Überschrift „Wird die Sporthalle ein Millionengrab?“ werden die gestiegenen Baukosten für die Sporthalle der Mühlenschule in Holm-Seppensen, die abgebrannt war und neu aufgebaut wird, thematisiert und Grondke angelastet. „Sie wird für Buchholz immer teurer“, wird ein ungenannter Verwaltungsmitarbeiter zitiert.

Zwar sind die vom Wochenblatt genannten Zahlen, die aus der Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Rat hervorgehen, zum größten Teil richtig. Aber wie so oft unterschlägt das Wochenblatt entscheidende Details, setzt Dinge in falsche Kontexte und übertreibt maßlos in der Darstellung. Der buchholzblog sieht sich erneut genötigt, auf die tatsächlichen Zusammenhänge und mögliche Hintergründe hinzuweisen.

Schon die Überschrift ist mehr als tendenziös. „Millionengrab“ bedeutet für gewöhnlich, dass Millionen verschwendet werden. Hier geht es aber um Mehrkosten für den Hallenbau von 307.000 Euro (effektiv noch weniger!) im Vergleich zum Haushaltsansatz. Auch der in der Unterzeile genannte Betrag von 2,2 Millionen Euro ist schlichtweg falsch, tatsächlich liegen die Kosten für den Bau der Halle bei etwas über 2,1 Millionen Euro! Und der Löwenanteil wird von der Versicherung gezahlt

Der Haushaltsansatz für eine schlüsselfertige Eineinhalb-Feld-Halle lag bei 1,8 Millionen Euro. Grundlage für diesen Ansatz war eine Preisabfrage aus dem Jahr 2012 bei einem Architekten, der Hallen in Systembauweise erstellt. In einem hochbaulichen Gutachterverfahren entschied sich die Jury für den Entwurf des Hamburger Büros Dohse, der bereits mit 1.841.848 Euro etwas über dem vorgegebenen Ansatz lag. Im weiteren Planungsverlauf wurde ein detailliertes Raumprogramm erarbeitet und eine konkrete Kostenberechnung erstellt.

Zur Erstellung des Bauantrags wurden dann die Fachplaner, etwa Statiker, Akustiker und Brandschutzexperten, einbezogen. Die auf Basis ihrer Angaben überarbeitete Kostenberechnung ergab schließlich einen Betrag von 2.107.000 Euro. Die Begründung für diese Kostensteigerung erscheint mir plausibel. Es geht um drei Posten:

  • Um 89.000 Euro, von 58.900 auf 145.900 Euro, steigen die Ausgaben im Bereich der Außenanlagen, im Wesentlichen für die Herstellung der Ver- und Entsorgung der Halle.
  • Mehrkosten von 69.000 Euro ergeben sich durch Änderungen an der Planung durch Verwaltung und Nutzer (Schule, Sportverein). Beispiel: türhohe Fliesen in den Umkleiden statt Anstrich. Auf Wunsch der Nutzer wurde eine transparente Bande sowie eine Spossenwand und Gitterleiter eingeplant.
  • 149.000 Euro Mehrkosten kommen durch die konkretisierten Kostenschätzungen der Fachplaner zustande. Auch dies ist nach meiner Einschätzung ein völlig normaler Vorgang.

Auf 2,2 Millionen Euro für den Bau der Halle kommt das Wochenblatt, weil es einfach den Betrag von 90.000 Euro einrechnet, der für die Ausstattung der Halle mit beweglichen Sportgeräten (Sprunggeräte, Barren, Matten, Bälle etc.) anfällt. Diese Kosten aber, und das steht auch so in der Antwort auf die Frage der FDP-Fraktion, die dem Wochenblatt offenbar vorliegt, werden von der Versicherung separat ersetzt.

Was das Wochenblatt ebenfalls tunlich verschweigt: Zwar gibt es Mehrkosten von 307.000 Euro, auf der anderen Seite kommt es aber zu Verbesserungen durch Nachverhandlungen mit dem Versicherer. Und zwar übernimmt dieser etwaige Kostensteigerungen (Baupreisindex) und Mehrkosten für die Aufwendung zur Inklusion. Im Haushalt 2013 waren 1.550.000 Euro veranschlagt, die Einnahmen erhöhen sich durch den Erfolg bei den Nachverhandlungen voraussichtlich um 275.00 Euro.

In seinem tendenziösen Beitrag wirft das Wochenblatt Doris Grondke auch Verzögerungen beim Bau der Halle vor. Sie habe durch das Gutachterverfahren für eine „massive Verzögerung“ gesorgt. Mit Verlaub: Das ist Blödsinn! Von massiven Verzögerungen kann nicht die Rede sein. Hier erweist sich das Wochenblatt offenbar zum wiederholten Male als verlängerter Arm der Opposition im Rat und vor allem von FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, der auch die Anfrage zum Thema formuliert hat.

Ein Gutachterverfahren ist ein bewährtes und effektives Verfahren, um ein so großes Projekt wie den Bau einer Sporthalle durchzuführen. Eine fachkundige Jury, zu der neben Vertretern der Verwaltung und des Rates zwei renommierte Architekturprofessoren und die Führung von Mühlenschule und dem SV Holm-Seppensen gehörten, hat auf mehreren Sitzungen eingehend über die Vor- und Nachteile der eingereichten drei Entwürfe beraten und ist so zu einem maßgeschneiderten Entwurf gelangt.

Wochenblatt und FDP sind offenbar auch sauer, weil eines der drei Architekturbüros, MRO, das Hallen in Systembauweise erstellt und ein Festangebot über 1,8 Millionen Euro abgegeben habe, nicht zum Zuge kam. Dazu ist festzustellen: Die Mehrheit der Jury lehnte den Entwurf von MRO ab, unter anderem weil das Design als industriell und kalt wahrgenommen wurde. Der Vertreter des Büros, der den Entwurf der Jury vorstellte, düpierte deren Mitglieder übrigens mit seinem unverschämten Auftreten.

Es wird erneut deutlich, dass sowohl die Oppositionsparteien im Rat als auch der Wochenblatt-Verlag, der die heimische Wirtschaft vertritt, die neue Baudezernentin Doris Grondke vor allem deshalb torpedieren, weil sie versucht, eine neue, offenere Form von Stadtplanung zu etablieren. Dass dieses Vorgehen vielen nicht gefällt, die bisher bei Auftragsvergaben an den Stellschrauben gedreht und/oder von diesen profitiert haben, lässt sich denken.

Natürlich muss auch Kritik an der Baudezernentin erlaubt sein, aber hier ist allzu offensichtlich, dass es nicht um die Sache, sondern um Interessen geht. Dass ausgerechnet ein Arno Reglitzky, Chef von Blau-Weiß, die Verwaltung wegen Verschwendung attackiert, ist absurd! Sind es doch die Sportvereine, die zu den gerade begonnenen Haushaltsberatungen jede Menge Forderungen angemeldet haben.

Blau-Weiß ist natürlich auch dabei, man möchte zum Beispiel einen Zuschuss von 12.400 Euro für „investive Maßnahmen“ haben. Zu diesen Maßnahmen gehört unter anderem das „Herstellen eines behindertengerechten Zugangs zur Kletterhalle“ und ein „gelenkschonender Belag“ für den Holzfußboden der neu geschaffen Sportfläche auf dem Terrassendach des Sportzentrums von Blau-Weiß. Hatte Reglitzky sich nicht im Wochenblatt gebrüstet, bei diesem Anbau ohne öffentliche Mittel ausgekommen zu sein…

Dass mal eben ein Sanitäranbau für die Nordheidehalle für mehr als 300.000 Euro errichtet werden soll, scheint das Wochenblatt übrigens auch nicht zu stören. Wer wird denn hier für Buchholzer immer teurer?

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