Mit ‘Nordheide Wochenblatt’ getaggte Beiträge

So begann seine "Medienkarriere": Romann mit Bierflasche im Kreistag

So begann seine „Medienkarriere“: Romann mit Bierflasche im Kreistag

Von Kristian Stemmler

Länger hatte man nichts von ihm gehört, jetzt hat es Erich Romann mal wieder ins Wochenblatt geschafft. In der aktuellen Ausgabe wird er von Kollegin Bianca Marquardt in Verbindung gebracht mit Protestaktionen von Flüchtlingen in Handeloh. Bei aller Vorsicht, vor allem angesichts der Tatsache, dass Romann selbst sich mit einem Anruf in der Redaktion ins Spiel brachte, erscheint es plausibel, dass der parteilose Kreistagsabgeordnete in der fraglichen Sache mitgemischt hat.

Zur Erinnerung: Romann, der mit dem Wort Paradiesvogel nur unzureichend beschrieben werden kann, war bei der Kommunalwahl Ende 2011 für die Piraten in den Kreistag gewählt war. Denen hatte er zuvor alles mögliche erzählt, er sei Molekularbiologe und dergleichen, und war so überzeugend aufgetreten, dass sie ihn gleich aufstellten. Leider in einem Wahlbezirk, aus dem die Piraten ein Kreistagsmandat gewannen.

Den Piraten, durchaus eine Partei, die mit exotischen Kandidaten umgehen kann, wurde schnell klar, dass dieser Mann mehr als exotisch ist. Bei der ersten Sitzung ließ sich Romann mit einer Bierflasche in der Hand ablichten und schaffte es groß in die damals noch existierenden „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (HAN). Das kurz vor dem Konkurs stehende Lokalblatt griff begierig das Thema auf und brachte über Wochen skurrile Anekdoten über Romann.

Den HAN hatte er erzählt, er verdiene sein Geld als Pokerspiele, sei „Islam-Konvertit mit deutsch-nationaler Einstellung“ und habe zehn Kinder, die er nicht sehen dürfe. Wenig später forderte Romann den Bau einer Moschee in Buchholz und die Einrichtung eines Open-air-Boxrings. Den Mergelweg in seinem damaligen Wohnort Handeloh wollt er in „Merkelweg“ umbenennen. Die Nutzung eines Laptops für die Kreistagstätigkeit lehnte er ab, weil über das Internet der amerikanische Geheimdienst sonst Zugriff auf seine Daten habe.

Als die Piraten ihn ausschließen wollten, erklärte Romann, seine Kollegen Nicolas Krüger und Arne Ludwig seien Verfassungsschutzagenten, die versucht hätten, ihn unter Druck zu setzen, zu manipulieren und zu kontrollieren. Im Frühjahr 2012 trat Romann von sich aus bei den Piraten aus. In den folgenden Monaten versuchte er, bei anderen Parteien Unterschlupf zu finden, so bei der FDP und gar bei der NPD. Aber nicht mal die Nazis wollten ihn haben.

Ende 2013 schließlich war der umstrittene Kommunalpolitiker, der inzwischen wieder in Buchholz wohnte, noch einmal kurz in den Schlagzeilen, als er erklärte als parteiloser Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Buchholz antreten zu wollen. Das verlief nach Informationen des querschläger aber im Sande. Jetzt taucht er nach längerer Zeit also wieder einmal in den Medien auf.

Und zwar hat es in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Handeloh Proteste von Flüchtlingen gegeben, die sich unter anderem gegen die Residenzpflicht und die langen Bearbeitungszeiten der Asylanträge richten. Mit Ausrufen und dem Hochhalten selbstgebastelter Plakate sollen Flüchtlinge in der Unterkunft am Bahnhof und der Unterkunft in der ehemaligen Jugendherberge Inzmühlen auf sich aufmerksam gemacht haben, so das Nordheide Wochenblatt.

Die Lokalzeitung berichtet, Erich Romann habe in der Redaktion angerufen und sich dazu bekannt, die Flüchtlinge aufgewiegelt zu haben: „Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen sich wehren und sie über ihr Demonstrationsrecht aufgeklärt“, habe er gesagt. Die Kollegin Marquardt schrieb dazu in einem Kommentar, sollte dies tatsächlich stimme, hätte Romann den Unterstützern der Flüchtlinge im Landkreis einen Bärendienst erwiesen.

Das ist sicher richtig, aber die Kollegin hätte gern noch auf den persönlichen Hintergrund von Romann hinweisen können. Natürlich ist es ein sensibles Thema, aber bei einem Kommunalpolitiker, der selbst immer wieder an die Presse geht, muss es erlaubt sein, das Verhalten zu kritisieren und dabei auch unangenehme Fragen zu stellen. Ruth Alpers von den Grünen hat bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass das Verhalten von Romann eher unter pathologischen Gesichtspunkten zu sehen ist.

Mit anderen Worten: Sein Verhalten legt die Vermutung nahe, dass Erich Romann psychisch krank ist. Die manische Komponente seiner Aktionen ist nicht zu übersehen. Erstaunlich ist allein die lange Dauer, denn manische Phasen klingen normalerweise spätestens nach einigen Monaten wieder ab. Möglicherweise werden die anderen Phasen aber auch nicht bemerkt, weil Romann in dieser Zeit nicht nennenswert in Erscheinung tritt.

Auf Sitzungen des Kreistages taucht er nach wie vor mit seinem Hund auf, aber das wird spätestens im Herbst aufhören. Denn dann läuft sein Mandat aus und bei der Kommunalwahl im September wird ihn sicher keine Partei mehr aufstellen. Als Einzelkandidat dürfte er mehr als chancenlos sein.

Winsen/Buchholz (be) – Möglicherweise hat es in der Nacht zum vergangenen Freitag den ersten Brandanschlag im Landkreis Harburg auf ein als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenes Gebäude gegeben. Sowohl das Hamburger Abendblatt als auch das Nordheide Wochenblatt berichteten darüber, bei dem Brand in einem ehemaligen Männerwohnheim an der Lüneburger Straße habe es sich um Brandstiftung gehandelt. Da ein Teil der Wohnungen derzeit vom Landkreis für die Aufnahme von Asylbewerbern renoviert werden, sei ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht auszuschließen.

Das Feuer war, wie das Abendblatt schreibt, in der Nacht in einer leerstehenden Wohnung ausgebrochen. Fünf Bewohner des Hauses seien von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht worden, eine Bewohner habe eine leichte Rauchvergiftung erlitten. In dem Haus sei, so das Nordheide Wochenblatt, früher schon mehrfach Feuer gelegt worden. Doch weil in wenigen Tagen die ersten Flüchtlinge einziehen sollten, liegt ein politisch motivierter Anschlag nahe.

„Wir können einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht ausschließen“, zitiert das Wochenblatt den Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Lars Nickelsen. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Das Wochenblatt versteckte den Beitrag über den Brand übrigens rechts unten auf Seite 6. Dies folgt der im Landkreis allgemein verfolgten Strategie, rechte Tendenzen eher klein zu reden. Ob das auf Dauer gut geht, muss bezweifelt werden.

Gefunden im Nordheide Wochenblatt.

Gefunden im Nordheide Wochenblatt.

Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Von Kristian Stemmler

In der Diskussion um die Straßenmusik auf dem Buchholzer Wochenmarkt, die durch den querschläger und das Nordheide Wochenblatt ausgelöst wurde, sieht sich die Verwaltung zu einer Klarstellung genötigt. Wie in einer Pressemitteilung der Stadt ausgeführt wird, gehe es bei den umstrittenen Änderungen der Satzung für den Wochenmarkt nicht um ein Verbot der Straßenmusik auf dem Markt, sondern um eine Steuerung der Qualität der Musik.

Sollte der Ablauf tatsächlich so sein wie in der Pressemitteilung dargestellt, wäre die Aufregung sicher etwas übertrieben gewesen. Allerdings haben Politik und Verwaltung selbst zu Missverständnissen beigetragen. So war die Rede davon, Straßenmusik auf dem Markt nur noch im Ausnahmefall zu genehmigen. In der Ratssitzung, auf der die Änderungen der Marktsatzung beschlossen wurden, äußerte etwa FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, die Musiker müssten weg.

Auch stellt sich die Frage, ob die Straßenmusik auf dem Markt in der Satzung geregelt werden musste, ob die Handhabe für den Marktmeister nicht auch so da gewesen wäre. Wie dem auch sei, aus Sicht des querschläger gibt es andere Probleme, was den Markt angeht, die nicht geregelt wurden. Zum Beispiel dass dubiose evangelikale Sekten wie die Friedenskirche dort mit einem Stand Werbung für sich machen dürfen.

Hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

„Eigentlich ist alles ganz einfach“, sagt Sven Domnick, Mitarbeiter der Verkehrsbehörde und Organisator des Wochenmarkts. Die just vor der Sommerpause vom Rat verabschiedete neue Marktsatzung untersagt zwar grundsätzlich Straßenmusik auf dem Markt, lässt sie auf Antrag aber zu. Der ist so formlos wie simpel: Wer auf dem Wochenmarkt musizieren möchte, muss lediglich den Marktmeister ansprechen. Der entscheidet und erteilt mündlich die Erlaubnis, „wer wo wie lange Musik machen darf“, erläutert Domnick. „Wir wollen darüber die Qualität der Musik steuern.“

Die ist, das zeigen Beschwerden von Marktbeschickern und Geschäftsleuten am Marktplatz, deutlich verbesserungswürdig. So käme es immer wieder vor, dass selbsternannte Straßenmusiker „stundenlang die selben beiden Songs spielen oder Töne produzieren, die auch mit gutem Willen nicht als Musik bezeichnet werden können“, sagt Domnick.

„Was der Marktbesucher schön findet, kann für einen Marktbeschicker oder für eine Verkäuferin, vor deren Geschäft fünf Stunden ununterbrochen „El Condor Pasa“ oder anderes gespielt wird, schon anstrengend sein“, schreibt auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse auf seiner Facebook-Seite. „Hier soll der Marktmeister künftig eine Handhabe haben, und genau dazu dient die Regelung in der Satzung.“

„Wir haben bereits mit einigen Musikern gesprochen, die regelmäßig auf dem Markt sind“, berichtet Domnick. Die seien nach der ersten Aufregung inzwischen ganz entspannt. „Denn sie haben ihre Genehmigung und dürfen auch im neuen Jahr mit ihrem Können den Buchholzer Wochenmarkt bereichern.“

Von der Neufassung der Marktsatzung, die gilt erst ab 1. Januar 2016, unberührt ist die Sondernutzungssatzung der Stadt. Danach ist es Musikern nach wie vor erlaubt, bis zu 30 Minuten lang an einem Ort ihre Musik zu machen. Grundsätzlich gilt das auch an Marktagen – nur eben nicht auf dem oder in Hörweite des Marktes. „Die müssen dann an andere Orte ausweichen“, erklärt Domnick. Etwa in den Peets Hoff, Poststraße oder Thomasweg.

Alles ganz harmlos: So berichtet das Wochenblatt

Alles ganz harmlos: So berichtet das Wochenblatt

Von ***

Wenn es darum geht, eine Angelegenheit zu einem Skandal hochzuschreiben oder einen amtierenden Bürgermeister mit einer Kampagne zu überziehen, war und ist das Nordheide Wochenblatt eigentlich immer ganz vorn dabei – aber es geht auch umgekehrt! In der Ausgabe vom 13. Mai berichtet das Wochenblatt unter der Überschrift „Ein wenig wertvoller Weg“ über einen Vorgang, der zumindest eine ganze Reihe von Fragen aufwirft.

Redaktionsleiter Oliver Sander, der den Beitrag geschrieben hat, stellt alles aber als völlig harmlos dar und sieht das Problem im unverständlichen Behördensprech. Sein Fazit in Kladde gesprochen: Die Lokalpolitiker sind zu blöd, Drucksachen zu lesen! Damit bemüht sich Sander ganz offensichtlich, die Sache nach Kräften herunterzuspielen. In Wirklichkeit ist eine gewisse Brisanz des Ganzen bei genauem Hinsehen nicht zu übersehen.

Und so stellt das Wochenblatt den Vorgang dar: Ein Investor habe am Uhlengrund, eine der teuersten Straßen der Stadt, ein rund 4900 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. Auf diesem Grundstück stünden derzeit noch zwei Wohnhäuser, das Areal solle aber in kleinere Grundstücke parzelliert werden. Für das Areal gelte der 2003 aufgestellte Bebauungsplan „Wilhelm-Raabe-Weg“. Der lege eine 438 Quadratmeter große Teilfläche als Fußweg fest.

Weil diese Fläche dem Käufer de facto für seine Nutzung entzogen werde, so die Zeitung weiter, habe er Anspruch auf eine Entschädigung. Die liege, so habe es der Buchholzer Stadtrat im Jahr 1987 entschieden, bei 70 Prozent des Bodenrichtwertes, der im Uhlengrund 170 Euro pro Quadratmeter betrage. Die Stadt müsse dem Investor daher für die 438 Quadratmeter 52.122 Euro zahlen.

„Wir müssen einen aus heutiger Sicht wenig wertvollen Weg kaufen. Was man sich bei der Festsetzung gedacht hat, kann ich nicht sagen“, wird Bürgermeister Röhse im Wochenblatt zitiert. Für das Geld habe er angesichts eines engen Haushalts viele andere Verwendungen. Der Investor, mit dem Sander offenbar gesprochen hat, den er aber nicht nennt, wird vom Wochenblatt als barmherziger Samariter präsentiert: Er sei bereit, die als Fußweg festgelegte Fläche zu behalten, könne sie ohnehin gut als Zufahrt gebrauchen.

Wie der buchholz express aus unterrichteten Kreisen erfuhr, stimmt an der Darstellung des Wochenblattes das eine oder andere nicht. So ist die Stadt offenbar keineswegs verpflichtet, den Fußweg zu kaufen. Es bestehe lediglich ein Vorkaufsrecht, heißt es, mehr nicht. Auch stelle sich die Frage, warum der Investor nicht schon im Verkaufsgespräch mit der Stadt darauf hingewiesen hat, dass er die Fläche als Zufahrt gebrauchen kann und auf das Geld der Stadt verzichtet. Schließlich verschweige Sander, dass der Verkauf über das Notariat Stöver an der Poststraße abgewickelt wurde

Das ist deshalb heikel, weil die Beurkundung des Kaufvertrags über die 438 Quadratmeter am Uhlengrund von dem in dieser Kanzlei tätigen Rechtsanwalt Jan Stöver als amtlich bestelltem Vertreter des Notars Jan-Hendrik Röhse vorgenommen worden sein soll. Röhse ist aber bekanntlich Bürgermeister von Buchholz und Jan Stöver ist für die CDU Mitglied im Stadtrat. Dass hier der Verdacht aufkommen kann, es werde gemauschelt, liegt nahe. Möglicherweise muss die Kommunalaufsicht klären, ob ein solches Vorgehen statthaft ist.

Offenbar hat Röhse nach der Berichterstattung im Wochenblatt selbst erkannt, dass der Schuss nach hinten losgehen kann. Auf der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses hat er, wie der buchholz express erfuhr, die entsprechende Drucksache von sich aus zurückgezogen, mit dem Hinweis, die Angelegenheit müsse noch einmal geprüft werden. Man kann wohl davon ausgehen, dass der vom Wochenblatt vorgegebene Weg beschritten wird, dass sich Stadt und Investor zusammensetzen, der Investor die Fläche behält und der B-Plan geändert wird.

Den Vorgang jetzt gleich zum „Uhlengrundgate“ zu erklären, wäre wohl übertrieben – ein Geschmäckle hat er auf jeden Fall.

Von Kristian Stemmler

Ein übles Beispiel politischer Propaganda hat das Nordheide Wochenblatt in seiner Ausgabe vom 18. April abgeliefert. Im Aufmacher auf der Eins und mehreren langen Beiträgen auf der Seite 9 wird abendfüllend gegen den Mindestlohn gehetzt, also die einzige große Reform für die Arbeitnehmer, zu der sich die große Koalition bisher überhaupt hat durchringen können. Hier zeigt sich überdeutlich: Das Wochenblatt ist nichts anderes als ein Kampfgeschütz neoliberaler Deregulierer und Erfüllungsgehilfe der Wirtschaft!

Von der ersten bis zur letzten Zeile sind die genannten Beiträge nur darauf ausgerichtet, den Mindestlohn schlecht zu machen und die betreffenden Gesetze und Verordnungen als „Bürokratiemonster“ zu diffamieren. Damit folgt das Blatt genau der strategischen Vorgehensweise der Arbeitgeber und des Wirtschaftsflügels der CDU. Die Dokumentationspflichten werden als Hebel benutzt, um den Mindestlohn zu diffamieren und im Nachhinein noch aufzuweichen.

Auf Seite 9 bekommen drei betroffene Arbeitgeber, ein Schausteller, der Chef eines Obstbetriebes und die Chefin eines Taxiunternehmens, reichlich Platz, um über den Mindestlohn zu jammern. Statements von Arbeitnehmern oder gar Gewerkschaften sucht man vergeblich. Der kürzlich zum Redaktionsleiter aufgestiegene Kollege Oliver Sander folgt in seinem Kommentar genau der Linie der Arbeitgeber und neoliberaler Ideologen. Großzügig gesteht er noch zu, dass man von seinem Lohn leben können muss – die Umsetzung des Mindestlohn sei aber das Problem.

Die Darstellung und Argumentation im Wochenblatt ist falsch und grotesk. Wie bitteschön, soll ein Lohn berechnet und kontrolliert werden, wenn die Arbeitszeit nicht dokumentiert wird?! Stefan Körzell, Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstands des DGB, erklärt in der jungen welt, eine Aufzeichnung der Arbeitszeit sei „unerlässlich“. „Dort wo es keine Aufzeichnung gibt, ist die Kontrolle, ob der Mindestlohn eingehalten wird, schlicht unmöglich“, sagt der Gewerkschafter.

Das Problem liegt in Wahrheit ganz woanders. Körzell sagt in dem Interview, dass Beschäftigte dem DGB immer wieder berichten, wie Arbeitgeber den Mindestlohn zu umgehen versuchen. Da soll zum Beispiel in Naturalien gezahlt werden oder es werden bei Minijobbern falsche Verträge ausgestellt, in denen eine zum Mindestlohn passende Stundenzahl steht, nämlich 52,9 Stunden. In Wirklichkeit arbeiten die Beschäftigen aber 60 bis 70 Stunden in der Woche.

Jeder der zum Beispiel schon mal in der Gastronomie oder im Einzelhandel gearbeitet hat, weiß doch, wie viele schwarze Schafe es allein dort schon gibt. Und wie trickreich viele dabei sind, Gesetze und Tarifbestimmungen zu unterlaufen. Das Schießen gegen die Dokumentationspflicht ist auch deshalb komplett verlogen, weil das Notieren der Arbeitszeit tatsächlich kaum Mehraufwand generiert.

Schließlich sollte noch darauf hingewiesen werden, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen werfen sollte. Wie immer wieder zu hören ist, steht es mit den Arbeitsbedingungen im Wochenblatt-Verlag selbst nicht zum besten. Und dann hat der Verlag, was natürlich tunlich verschwiegen wird, einen guten Grund, den Mindestlohn runterzuschreiben. Die Verleger haben es ja durch ihre Wühlarbeit noch geschafft, die Zeitungsausträger zum großen Teil vom Mindestlohn auszunehmen. Aber eben nur für eine Übergangsfrist.

Tut mir leid, aber das ist wirklich ein schlimmes Beispiel von Propaganda gegen die Interessen von Hunderttausenden Arbeitnehmern – und zwar denen am unteren Ende der Lohnskala.

Von Kristian Stemmler

Die intelligenteren unter den Lesern des buchholz express haben es natürlich gleich gemerkt: Die Meldung über die Umwandlung des maroden City Centers Buchholz in eine Flüchtlingsunterkunft war ein Aprilscherz. Eigentlich hatte ich gehofft, dass es den einen oder anderen gibt, der nicht auf das Datum achtet, die Sache für bare Münze nimmt und sich furchtbar aufregt. Aber vermutlich ist der Medienkonsument heutzutage schon zu sehr auf Fakes und Satire gefasst.

Natürlich habe ich mir vorher Gedanken gemacht, ob das heikle Thema Flüchtlinge für einen Aprilscherz geeignet ist. Dabei führte ich mir vor Augen, dass von ihrer Herkunft her solche Scherze/Eulenspiegeleien eine starke gesellschaftskritische Funktion haben – und an diese Tradition halte ich mich ja generell, wenn ich im blog satirisch oder polemisch schreibe. Warum also nicht einen Aprilscherz machen über ein gesellschaftlich brisantes Thema?!

Frappierend fand ich auch die Idee, an die Stelle eines Kommerztempels ein Asyl für Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten zu errichten. Asyl, so muss man hier wohl erklären, kommt aus dem Griechischen, wo es ursprünglich die Bedeutung „ein Unverletzliches“ hat. Warum, so frage ich, müssen die Zentren unserer Städte dem Konsum geweiht sein, während die soziale Begegnung an der Peripherie stattfindet? Einige der Kommentare zu dem Beitrag sprechen übrigens für sich, in negativer Hinsicht, weshalb ich sie trotz ihres bedenklichen Inhalts freigegeben habe.

Apropos Aprilscherz: Was das Nordheide Wochenblatt sich da abgebrochen hat, ist ja mehr als peinlich! Natürlich erwarte ich nicht, dass man sich an der Bendestorfer Straße zu diesem Datum ein brisantes Thema vornimmt – das tut man ja auch sonst höchst ungern. Aber was man da stattdessen als Aprilscherz verkauft hat, war unterirdisch, nämlich die Meldung, Mc Donald’s würde am Lühe-Anleger an der Elbe eine neue Filiale aufmachen.

Das ist nun so etwas von unwitzig! Und natürlich geht es auch hier wieder nur um Eines: die Werbetrommel rühren für einen Kunden. Echt peinliche Nummer!