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Von Kristian Stemmler

Die Sensation ist perfekt: Wie der buchholzblog aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, soll im Klecker Wald eine Formel-1-Strecke unter dem Namen „Buchholzring“ gebaut werden. „Ich bin begeistert“, sagte der Buchholzer Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos), „dieses Leuchtturmprojekt bringt Buchholz ganz nach vorn. Wir werden bald in einer Reihe mit dem Hockenheimring, dem Nürburing, Monaco und Monza genannt werden.“

Die Rodung des Klecker Walds für das Projekt und für die zahlreichen Parkhäuser, die dafür notwendig sind, nannte Geiger „bedauerlich, aber zu verschmerzen: Nach dem Bau des Ostrings, den ich immer noch für unabwendbar halte, und der NEL-Erdgastrasse wird der Wald ohnehin so gut wie wertlos sein.“ Geiger sprach in diesem Zusammenhang von einem „Kollateralschaden des Fortschritts“.

Begeisterung löste das Projekt auch bei Arno Reglitzky aus, Chef der FDP-Fraktion im Stadtrat und des Sportvereins Blau-Weiß Buchholz sowie bekennender Autofetischist: „Das ist der Durchbruch für den Motorsport im Norden Deutschlands. Die bevorstehende Eröffnung unseres Kletterturms am Holzweg hat den Ruf von Buchholz als bedeutender Sportstadt vorangebracht – die Formel-1-Strecke wird Buchholz international bekannt machen.“ Klaus Gütlbauer, CDU-Fraktionschef im Stadtrat, zeigte sich ebenfalls angetan: „Mit dem Ostring, der NEL-Trasse und der Formel-1-Strecke haben wir ein wunderbares Gesamtpaket!“

Aus der Ecke der Spaßbremsen und Öko-Romantiker von SPD, Bündnis 90/Grüne, Buchholzer Liste, Piraten und der Partei DIE LINKE kam, wie nicht anders zu erwarten war, nur Nörgelei und Besserwisserei. „Wir sind betroffen, dass hier ein ganzer Wald für ein umweltzerstörerisches Projekt ungeahnten Ausmaßes geopfert wird“, meckerte Joachim Zinnecker, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat. Wolfgang Nießler, Fraktionschef der SPD im Stadtrat, kündigte energischen Widerstand an : „Ich weiß, dass es in meiner Fraktion auch Anhänger des Projektes gibt, aber die bring ich noch auf Linie! Das wäre doch gelacht.“

Auch von den kleinen Parteien im Stadtrat kam Kritik. „Ich habe nicht jahrelang gegen den Ostring gekämpft, um jetzt die Formel 1 vor der Haustür zu haben“, meinte Peter Eckhoff von der Buchholzer Liste. Er versprach bei eventuellen Abstimmungen im Rat zum Thema Formel 1 das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Der Vertreter der Piraten im Stadtrat von Buchholz, Arne Ludwig, positionierte sich ungewohnt deutlich: „Eigentlich verstehe ich zu wenig von der Materie und muss mich erst Mal schlau machen“, sagte er, „aber in diesem Fall werde ich mal nicht enthalten.“

Der Vertreter der Partei DIE LINKE im Stadtrat, Kristian Stemmler, bemängelte, wie zu erwarten war, die soziale Schieflage des Projekts: „Die Formel 1 ist der Zirkus der Autoindustrie, ein Vergnügen von verwöhnten reichen Schnöseln, für die Umweltschutz und Nachhaltigkeit Fremdwörter sind.“ Er glaube nicht an der Realisierung des Projektes. „Ich traue dem Buchholzer Bürgermeister, der CDU und der FDP hier ja einiges zu – aber bei dem Projekt kann es sich nur um einen Aprilscherz handeln!“

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Von Kristian Stemmler

Vier aktuelle Beispiele, in denen es jeweils um den Wald beziehungsweise um Bäume geht, zeigen schlaglichtartig, wie verschwenderisch unsere Gesellschaft mit den natürlichen Ressourcen umgeht, zu welchen verrückten Projekten sie fähig ist und welche Absurditäten mit EU-Geldern oder anderen öffentlichen Geldern gefördert werden. Und zwar geht es um folgende Geschehnisse:

  • Durch den Klecker Wald östlich von Buchholz soll eine etwa 30 Meter breite Schneise geschlagen werden. Die Open Grid Europe, eine Tocher des Energieriesen E.on, will hier die NEL, die Norddeutsche Erdgasleitung, die nach Fertigstellung russisches Gas nach Deutschland transferieren soll, verlegen. Ob es dazu kommt, ist nach wie vor offen. Die E.on ist in Verhandlungen mit einer Klägerin aus Klecken, die als einzige noch die bisher geplante Trasse südlich von Klecken blockiert. Knickt sie ein oder weigert sich der Landkreis, ein Raumordnungsverfahren zu eröffnen, ist die Alternativtrasse durch den Klecker Wald vom Tisch.
  • Im Garlstorfer Wald, einem als Flora-Fauna-Habitat geschützten Gebiet, will der Landkreis möglicherweise einen Baumkronenpfad „als gelebten Umweltschutz“ für einen zweistelligen Millionenbetrag errichten – der Kreistag hat jüngst eine Machbarkeitsstudie für bis zu 100.00 Euro dafür in Auftrag gegeben. Gegen dieses Projekt, das von der EU massiv gefördert werden würde, laufen die Naturschutzverbände Sturm. „Hier wird ein Weltnaturerbe mit einem Monsterbauwerk zerstört“, zitieren die Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) den Naturschutzbeauftragten des Landkreises Harburg, Wolfgang Friedrichs, lange Förster in dem Revier.
  • In Wilhelmsburg sollen für das Hauptgelände der 2013 stattfindenden Internationalen Gartenschau (IGS) 2228 Bäume gefällt und 4197 Meter laufende Hecke entfernt werden. Für eine Lärmschutzwand wurde unter anderem eine 2860 Quadratmeter große Feuchtwiese trockengelegt. Für die zahlreichen Bauprojekte der Internationalen Bauausstellung (IBA) werden laut HAN 1660 Bäume gefällt, für den Neubau der Behörde der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt an der Neuenfelder Straße allein 555 und zusätzlich 26 Meter Hecke. Absurder geht‛s nimmer!
  • In Winsen muss der Hochseilgarten, der als zusätzliche Attraktion zur Landesgartenschau 2006 gebaut wurde, endgültig schließen. Der Grund: Die Pappeln, an denen sich die Kletterer in luftiger Höhe von Seil zu Seil hangelten, waren der Belastung auf Dauer nicht gewachsen!

Mir fehlen die Worte…

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Von Kristian Stemmler

Der Klecker Wald ist voraussichtlich gerettet. Wie die Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) schreiben, hat Netzbetreiber Open Grid Europe, eine Tochter von E.on, Verhandlungen mit der Klägerin aus Klecken aufgenommen, die einen Eilbeschluss des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg gegen die urspüngliche Trasse erwirkt hatte. Der Beschluss hatte, wie berichtet, dazu geführt, dass das NEL-Konsortium eine neue Trasse quer durch den Klecker Wald plante. Diese Trasse würde nach Ansicht der Stadt Buchholz und des Forstamtes Sellhorn zu eklatanten Schäden führen und die Bedeutung des Waldes als Naherholungsgebiet erheblich mindern.

In der HAN erklärte der Projektleiter der NEL, Franz-Josef Kißing, man sei mit der Klägerin endlich ins Gespräch gekommen. Es bestehe begründeter Anlass zu der Hoffnung, dass man sich mit ihr einigt und zur alten, bereits planfestgestellten Trasse zurückkehrt, die zwischen Eckel und Neu-Eckel südlich des Kleckener Ortskerns verläuft. Auf deutsch: E.on dürfte, statt etwa 40 Millionen Euro Mehrkosten für den Schlenker durch den Klecker Wald zu berappen und wertvolle Zeit zu verlieren, die Klägerin mit zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen und einem weitaus niedrigeren Betrag davon überzeugen, von ihrem Recht keinen Gebrauch zu machen.

Kißing unterließ es diesmal tunlich, die Äußerung aus einem Interview mit der HAN vom 1. März u wiederholen, in dem er und E.on-Sprecher Helmut Roloff in Gutsherrenart erklärt hatten, ein bestehender Wald sei kein unüberwindbarer Raumwiderstand und sie könnten keinen Grund dafür sehen, dass der Kreis anderer Meinung sei. Die HAN zitierte den NEL-Projektleiter diesmal lediglich mit folgender Äußerung zur Durchschneidung des Klecker Waldes: „Wir wollen das auch nicht, aber wie werden es tun, wenn es nicht anders geht.“

Hintergrund: Die zuständige Stabsstelle des Landkreises muss derzeit abwägen, ob der Kreis ein Raumordnungsverfahren (ROV) eröffnet. Die Entscheidung wird in den nächsten Tagen erwartet. Stellt sich der Kreis auf den Standpunkt, dass die beantragte Trasse durch den Wald mit den Raumzielen unvereinbar ist, dann ist die Trasse vom Tisch. Eröffnet der Kreis dagegen das ROV kommt es zu einem Planfeststellungsverfahren, in dem dann auch die Öffentlichkeit beteiligt ist und Einwendungen erhoben werden können. Dies alles könnte aber obsolet werden, wenn die Klägerin sich mit Open Grid einigt.

Buchholz‛ Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) hatte in zwei Brandbriefen an den Kreis bereits eindringlich vor der Trasse gewarnt und von irreversiblen Schäden für den Klecker Wald gesprochen. Das zuständige Forstamt Sellhorn schlägt jetzt in einer 16seitigen Stellungnahme laut HAN in dieselbe Kerbe. Das Amt erklärt, die etwa 30 Meter breite Schneise, die für die Pipeline durch den Wald geschlagen werden müsste, werde erhebliche wirtschaftliche Verluste nach sich ziehen sowie Folgeschäden durch Windwurf und Schädlinge. Der Forst sei als Naherholungsgebiet für Buchholz und Hamburg nicht zu ersetzen.

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Frieden findet man nur in den Wäldern.

Michelangelo (1475 – 1564)

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Von Kristian Stemmler

In einem Brief an den Landkreis Harburg hat sich der Bürgermeister von Buchholz, Wilfried Geiger, massiv gegen die geplante Trasse der NEL (Norddeutsche Erdgasleitung) durch den Klecker Wald ausgesprochen. Die Trasse, für die eine Schneise von 30 bis 40 Metern durch den Wald geschlagen werden müsste, würde den „Zusammenhang des Klecker Waldes unwiederbringlich und dauerhaft zerschneiden“. In dem Schreiben werden weiter die Störung der Artenvielfalt, Beeinträchtigungen für wildlebende Tier, der Verlust von großen Ackerflächen durch nötige Kompensationsmaßnahmen und die negativen Auswirkungen auf den Naturkindergarten im Klecker Wald aufgeführt. Die Stadt Buchholz in der Nordheide spreche sich, so schreibt Geiger, „mit Nachdruck“ gegen die Trasse durch den Klecker Wald aus.

Wie in den Medien berichtet, wurde die so genannte Trassenanpassung im Raum Eckel-Süd durch Eilbeschlüsse des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg im Juni 2011 ausgelöst. Ein Anwohner in Klecken hatte gegen die ursprüngliche Trasse geklagt, weil der erforderliche Mindestabstand von 350 Metern zur Wohnbebauung unterschritten wurde. Daraufhin beantragte das Konsortium Open Grid Europe ein Raumordungsverfahren beim Landkreis, das eine neue, rund vier Kilometer lange Trasse durch den Klecker Wald vorsieht. Die Trassenanpassung verursacht voraussichtlich Kosten im zweistelligen Millionenbereich.

Obwohl die Trasse nur zu einem kleinen Teil über Buchholzer Stadtgebiet führt, sieht man im Rathaus die Stadt „erheblich betroffen“. Wie Geiger schon im Januar an den Ersten Kreisrat Rainer Rempe schrieb, ist der Klecker Wald „ein auch für die Bewohner der Stadt Buchholz bedeutendes Naherholungsgebiet. Das Gebiet werde durch die geplante Trasse „derart zerschnitten, dass nicht nur der Erholungswert des Waldgebietes im unmittelbaren Umfeld der Trasse, sondern der Wald insgesamt ganz erheblich in seinem Wert herabgesetzt wird“. Die ökologischen Folgen seien „in unserem dicht besiedelten Raum bedeutend, gibt es doch nur noch wenige so große zusammenhängende Waldgebiete“.

In dem jetzt veröffentlichten Brief von Anfang März weist der Bürgermeister darauf hin, dass die Verlegung der Erdgasleitung „erhebliche Flächen für Kompensationsmaßnahmen erforderlich“ macht. Es sei davon auszugehen, dass mindestens die doppelte Fläche für die Trasse und den Arbeitsstreifen als Ersatzaufforstungsfläche nachgewiesen werden muss. Für die „Kompensationszwänge“ könnten grundsätzlich nur bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen werden. Dadurch würden großen Flächen der Nahrungsmittelproduktion entzogen, so der Bürgermeister.

Die Schneise durch den „in sich geschlossenen Waldbestand mit einem geschlossenen Kronendach“ werde voraussichtlich Auswirkungen auf die angrenzenden Baumbestände haben. Hier sei an Gefahren beispielsweise zu nennen: „völlig veränderter Winddruck, starke Sonnenexposition der Stämme und damit Rindenbrandgefahr“. Geiger weiter: „Betrachtet man das Alter des Waldbestandes sowie auch des Waldbodens (historisch alter Wald), so kann angenommen werden, dass dieses Verhältnis nicht zu einer angemessenen Kompensation des Waldverlustes ausreichen wird, auch wenn der Arbeitsstreifen zu etwa zwei Dritteln wieder mit Sträuchern bepflanzt werden kann.“

Die Zerschneidung des Waldes werde „die Artenvielfalt stören“ und zu „nicht unerheblichen Beeinträchtigungen von Lebensräumen wildlebender Tiere in unserer Kulturlandschaft“ führen. Auch auf den Naturkindergarten im Klecker Wald werde die Trasse „erhebliche Auswirkungen“ haben: „Viele liebgewordene Plätze würden unwiederbringlich zerstört, die konzeptionelle Erziehungsarbeit würde ganz erheblich gestört.“ Zudem könne mit weniger als 300 Metern der erforderliche Sicherheitsabstand zum Hauptaufenthaltsort der Kinder und Erzieherinnen, dem auf einer Lichtung aufgestellten Bauwagen, nicht eingehalten werden. Das Unterschreiten dieses Mindestabstandes sei auch bei den Wohngebäuden von Buensen gegeben (Anmerkung des Verfassers: Hier sind offensichtlich Ansatzpunkte für Klagen gegen die Trasse!).

Ob die auf Seiten von Open Grid zuständigen Verantwortlichen ihre arrogante Haltung angesichts dieser Argumente aufgeben, sei dahingestellt. In einem Interview in den Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) hatten der Projektleiter der NEL, Franz-Josef Kißing, und E.on-Sprecher Helmut Roloff in Gutsherrenmanier erklärt, der Klecker Wald sei „kein unüberwindbarer Raumwiderstand“, sie könnten nicht erkennen, dass irgendetwas gegen die Trasse spricht und auf der Schneise werde ohnehin wieder Wald angepflanzt, was nach Kenntnis des Verfassers nicht der Wahrheit entspricht.

In einer Stellungsnahme an den Rat der Stadt Buchholz vom 14. März schreibt die zuständige Stelle der Verwaltung, dass die Durchschneidung des Klecker Waldes und des Rohstoffgebietes Eckel-Süd „zu erheblichen Konflikten mit den Raumzielen des Landes Niedersachsen und des Landkreises Harburg führt“. Jetzt kommt es darauf an, ob der Landkreis Harburg als federführende Raumordnungsbehörde die Trassenvariante als „raumunverträglich“ bewertet. Jetzt ist der Kreis am Zug.

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