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Von Kristian Stemmler

In einem Brief an den Landkreis Harburg hat sich der Bürgermeister von Buchholz, Wilfried Geiger, massiv gegen die geplante Trasse der NEL (Norddeutsche Erdgasleitung) durch den Klecker Wald ausgesprochen. Die Trasse, für die eine Schneise von 30 bis 40 Metern durch den Wald geschlagen werden müsste, würde den „Zusammenhang des Klecker Waldes unwiederbringlich und dauerhaft zerschneiden“. In dem Schreiben werden weiter die Störung der Artenvielfalt, Beeinträchtigungen für wildlebende Tier, der Verlust von großen Ackerflächen durch nötige Kompensationsmaßnahmen und die negativen Auswirkungen auf den Naturkindergarten im Klecker Wald aufgeführt. Die Stadt Buchholz in der Nordheide spreche sich, so schreibt Geiger, „mit Nachdruck“ gegen die Trasse durch den Klecker Wald aus.

Wie in den Medien berichtet, wurde die so genannte Trassenanpassung im Raum Eckel-Süd durch Eilbeschlüsse des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg im Juni 2011 ausgelöst. Ein Anwohner in Klecken hatte gegen die ursprüngliche Trasse geklagt, weil der erforderliche Mindestabstand von 350 Metern zur Wohnbebauung unterschritten wurde. Daraufhin beantragte das Konsortium Open Grid Europe ein Raumordungsverfahren beim Landkreis, das eine neue, rund vier Kilometer lange Trasse durch den Klecker Wald vorsieht. Die Trassenanpassung verursacht voraussichtlich Kosten im zweistelligen Millionenbereich.

Obwohl die Trasse nur zu einem kleinen Teil über Buchholzer Stadtgebiet führt, sieht man im Rathaus die Stadt „erheblich betroffen“. Wie Geiger schon im Januar an den Ersten Kreisrat Rainer Rempe schrieb, ist der Klecker Wald „ein auch für die Bewohner der Stadt Buchholz bedeutendes Naherholungsgebiet. Das Gebiet werde durch die geplante Trasse „derart zerschnitten, dass nicht nur der Erholungswert des Waldgebietes im unmittelbaren Umfeld der Trasse, sondern der Wald insgesamt ganz erheblich in seinem Wert herabgesetzt wird“. Die ökologischen Folgen seien „in unserem dicht besiedelten Raum bedeutend, gibt es doch nur noch wenige so große zusammenhängende Waldgebiete“.

In dem jetzt veröffentlichten Brief von Anfang März weist der Bürgermeister darauf hin, dass die Verlegung der Erdgasleitung „erhebliche Flächen für Kompensationsmaßnahmen erforderlich“ macht. Es sei davon auszugehen, dass mindestens die doppelte Fläche für die Trasse und den Arbeitsstreifen als Ersatzaufforstungsfläche nachgewiesen werden muss. Für die „Kompensationszwänge“ könnten grundsätzlich nur bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch genommen werden. Dadurch würden großen Flächen der Nahrungsmittelproduktion entzogen, so der Bürgermeister.

Die Schneise durch den „in sich geschlossenen Waldbestand mit einem geschlossenen Kronendach“ werde voraussichtlich Auswirkungen auf die angrenzenden Baumbestände haben. Hier sei an Gefahren beispielsweise zu nennen: „völlig veränderter Winddruck, starke Sonnenexposition der Stämme und damit Rindenbrandgefahr“. Geiger weiter: „Betrachtet man das Alter des Waldbestandes sowie auch des Waldbodens (historisch alter Wald), so kann angenommen werden, dass dieses Verhältnis nicht zu einer angemessenen Kompensation des Waldverlustes ausreichen wird, auch wenn der Arbeitsstreifen zu etwa zwei Dritteln wieder mit Sträuchern bepflanzt werden kann.“

Die Zerschneidung des Waldes werde „die Artenvielfalt stören“ und zu „nicht unerheblichen Beeinträchtigungen von Lebensräumen wildlebender Tiere in unserer Kulturlandschaft“ führen. Auch auf den Naturkindergarten im Klecker Wald werde die Trasse „erhebliche Auswirkungen“ haben: „Viele liebgewordene Plätze würden unwiederbringlich zerstört, die konzeptionelle Erziehungsarbeit würde ganz erheblich gestört.“ Zudem könne mit weniger als 300 Metern der erforderliche Sicherheitsabstand zum Hauptaufenthaltsort der Kinder und Erzieherinnen, dem auf einer Lichtung aufgestellten Bauwagen, nicht eingehalten werden. Das Unterschreiten dieses Mindestabstandes sei auch bei den Wohngebäuden von Buensen gegeben (Anmerkung des Verfassers: Hier sind offensichtlich Ansatzpunkte für Klagen gegen die Trasse!).

Ob die auf Seiten von Open Grid zuständigen Verantwortlichen ihre arrogante Haltung angesichts dieser Argumente aufgeben, sei dahingestellt. In einem Interview in den Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) hatten der Projektleiter der NEL, Franz-Josef Kißing, und E.on-Sprecher Helmut Roloff in Gutsherrenmanier erklärt, der Klecker Wald sei „kein unüberwindbarer Raumwiderstand“, sie könnten nicht erkennen, dass irgendetwas gegen die Trasse spricht und auf der Schneise werde ohnehin wieder Wald angepflanzt, was nach Kenntnis des Verfassers nicht der Wahrheit entspricht.

In einer Stellungsnahme an den Rat der Stadt Buchholz vom 14. März schreibt die zuständige Stelle der Verwaltung, dass die Durchschneidung des Klecker Waldes und des Rohstoffgebietes Eckel-Süd „zu erheblichen Konflikten mit den Raumzielen des Landes Niedersachsen und des Landkreises Harburg führt“. Jetzt kommt es darauf an, ob der Landkreis Harburg als federführende Raumordnungsbehörde die Trassenvariante als „raumunverträglich“ bewertet. Jetzt ist der Kreis am Zug.

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