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Posts Tagged ‘Musikschule Buchholz’

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Von Kristian Stemmler

Peter Rössner sieht die Sache gelassen. „Als ich in Lüneburg alte Fachwerkhäuser abreißen musste, das ging mir an die Nieren. Aber das hier ist für mich eigentlich nur ne Bude im Wald“, sagt er ohne erkennbare Erregung. Dann entschuldigt sich der Seniorchef der Abbruchfirma Rössner aus Wenzendorf aber doch halbwegs für sein Tun: „Ich bin ja hier nur der verlängerte Arm“, meint er achselzuckend.

Das kann man fast wörtlich nehmen, denn der Arm seines 16-Tonnen-Baggers und die daran befindliche Schaufel sind es, die am Donnerstagmittag kurzen Prozess mit dem Haus an der Straße Dependahl im Sprötzer Landschaftsschutzgebiet Lohbergen machen – und damit das Ausrufezeichen hinter eine Affäre setzen, die Buchholz jahrelang in Atem gehalten hat. Nach dem Nachnamen des Protagonisten meist als „Affäre Otto“ bekannt.

Kaum hätte man geglaubt, dass dieser Tag noch kommen würde. Denn dem Tenor und Vorstand des Musikschulvereins Prosper-Christian Otto war es immer wieder gelungen, den Vollzug der seit Jahren existierenden Abrissverfügung hinauszuschieben. Zuletzt mit dem Argument, in seinem Haus befinde sich ein Büro der Musikschule. Aber das ist jetzt umgezogen, und das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat auch die letzten drei Einsprüche Ottos abgeschmettert. Aus die Maus!

Triumphale Freude ist allerdings bei keinem festzustellen, an diesem Tag, auch wenn Otto die Stadt immer wieder provoziert und beschimpft hat. Auch Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos), der es sich nehmen lässt, gegen acht am Einsatzort aufzutauchen, hält sich in seinen Äußerungen erkennbar zurück. Auf der ehemaligen Terrasse von Familie Otto, gibt er den Reportern von Wochenblatt, Harburger Rundschau, Harburger Anzeigen und Nachrichten und dem NDR Hörfunk Auskunft. Auch dem aus Hannover angereisten NDR-Fernsehteam steht er Rede und Antwort.

Natürlich sei er erleichtert, dass der Streit mit Otto jetzt sein Ende findet, bekennt Geiger, der an diesem Tag wirklich eine gute Figur macht. Mehrfach weist er darauf hin, wie bedauerlich es sei, dass der Berufssänger nicht kompromissbereit gewesen ist: „Er hat immer auf seinen Maximalforderungen bestanden.“ Mit der Aufstellung eines Bebauungsplan habe die Stadt versucht, „den Spagat zu wagen“, die schwarz gebauten Häuser im Wald in einem gewissen Umfang nachträglich zu legalisieren.

Otto hätte hier sein 177-Quadratmeter-Haus lediglich auf eine Grundfläche von 90 Quadratmeter zurückbauen müssen. Geiger: „Das wäre ein wunderbares Baugrundstück gewesen.“ Erst mit seinem prozessualen Feldzug gegen die Stadt habe Otto alle Voraussetzungen für einen Kompromiss zerstört. Das Bundesverwaltungsgericht gab dem Tenor Recht und kassierte den B-Plan. Ein Pyrrhussieg, denn jetzt stand Ottos Haus im Außenbereich, die Stadt hatte die juristische Grundlage für den Abriss.

Dass der Abriss die Krönung eines persönlichen Rachefeldzugs gegen Otto sei, wie das Nordheide Wochenblatt jetzt fabuliert hatte, weist der Bürgermeister entschieden zurück. Zwei Gespräche habe er mit dem Musikprofessor im Rathaus geführt: „Da ist nie ein böses Wort gefallen.“ Auch den Vorschlag, wegen der Erkrankung von Ottos, sie leidet an Multipler Sklerose, Gnade vor Recht ergehen zu lassen, kann Geiger nicht nachvollziehen. Es sei in seiner Verantwortung, sie zu schützen.

Mit Blick auf die angeschlagene Gesundheit von Christiane Otto hat die Stadt aber dennoch Vorsorge getroffen. Kurz nach Geiger trifft der Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Landkreis Harburg, Folke Sumfleth, im Abrisshaus ein. „Für den Fall, dass Frau Otto akut unter dem Abriss leidet, wollten wir für ärztlichen Schutz sorgen“, erklärt Geiger, der den Psychiater aber mit Dank entlässt, weil die Ottos nicht erschienen sind.

Offenbar wollte sich das Ehepaar den Anblick des Abrissbaggers ersparen, was ja zu verstehen ist. Sie haben ihr Haus komplett leergeräumt, auf den Holzböden liegen nur noch ein paar Plastiktüten, CD-Rohlinge, alte Zeitschriften wie „Salzburg aktuell“ oder „Pro arte“, ein paar Spiegelfliesen. In einem Zimmer liegt noch eine einfache Gitarre mit nur noch drei Saiten. Im Carport vor dem Haus haben die Ottos noch Fahrräder und anderes zurückgelassen.

Bevor mit dem Abriss des Hauses begonnen werden kann, holen Arbeiter den Müll aus dem Haus und reißen im oberen Stockwerk schon mal einen Teil der Glaswolle aus dem Dach. Vor dem Grundstück wird inzwischen die Gasleitung abgestellt. Schwieriger gestaltet sich das Abklemmen des Stroms. Ein Nachbarhaus hängt mit an der Leitung der Ottos, mühsam müssen erstmal die Kabel unter der Terasse und der Rasenfläche freigelegt werden.

Mitarbeiter der Firma Bredehöft aus Harsefeld heben mit Kleinbagger und Schaufel Gräben aus. Ein Mitarbeiter der Stadtwerke hat zuvor mit einem Messgerät, das einen durchdringenden Piepton von sich gibt, den Verlauf der Stromleitung unter dem Boden festgestellt. Doch bis sie die Kabel freigelegt, eine Überbrückung zum Nachbarsgrundstück hergestellt und die Stromzufuhr zu Ottos Haus gekappt haben, dauert es noch etwas.

Die Reporter, der Buchholzer Pressesprecher Heinrich Helms, Gerhard Lüders, Chef des Fachdienstes Bauordnung, Abbruchunternehmer Rössner und zwei junge Polizeibeamte, ein Mann und eine Frau, stehen derweil auf dem wirklich schönen Waldgrundstück in der Sonne, die inzwischen den Schnürregen abgelöst hat, und warten. Für Kurzweil sorgt vor allem Peter Rössner mit Anekdoten aus seiner Laufbahn als Abreißer.

Unvermutet taucht Wochenblatt-Verleger Martin Schrader auf Ottos Grundstück auf. Seine Tochter ist Nachbarin des Tenors. Natürlich will sich auch Schrader dieses für Landkreis-Verhältnisse historische Ereignis nicht entgehen lassen. Er unterhält sich lautstark mit seinem ehemaligem Mitarbeiter Heinrich Helms und das gewohnt meinungsfreudig. Die Führung der Stadt kommt dabei nicht gut weg – und man versteht Manches besser, was im Wochenblatt steht…

Das NDR-Fernsehteam und weitere Kollegen sind indes kurzfristig ausgeflogen. Natürlich hat Prosper-Christian Otto es sich nicht nehmen lassen, auch seine Sicht der Dinge noch mal zu transportieren. In Wenzendorf habe er eine Vier-Zimmer-Wohnung bezogen, heißt es, pikanterweise direkt neben Rössner, der sein Haus abreißt (!), dort habe er auch zur Pressekonferenz gebeten. Und zwar im Café auf Hof Oelkers. Dort wusste man offenbar nichts von Ottos Auftritt.

Als das NDR-Team nach Sprötze zurückgekehrt ist, erzählen die jungen Leute, die Familie Oelkers sei nicht besonders erfreut von Ottos Vorgehen gewesen. Das Interview hätten sie darum im Wald führen müssen. Otto habe erklärt, er sei mit einem Rückbau seines Hauses einverstanden gewesen und habe dazu auch Anträge eingereicht, die die Stadt aber nicht genehmigt habe. Offenbar arbeitet Otto hier an seiner nächsten Legende.

Stadtsprecher Helms reagiert auch entsprechend empört: „Das stimmt wirklich nicht!“ Zwar habe Otto tatsächlich Anträge gestellt, aber da hätten Unterlagen gefehlt. Dass die Stadt hier Fehler gemacht habe, sei völlig abwegig. Dieses Statement wiederholt Helms auch noch mal vor der Kamera des NDR-Teams. Die Mitarbeiter von Bredehöft und den Buchholzer Stadtwerken sind inzwischen mit der Lösung des Stromproblems vorangekommen.

Gegen halb eins kommt das grüne Licht für Rössner, der sich, nach wie vor die Ruhe selbst, in seinen Bagger schwingt. Erstmal schiebt er die Gräben auf Rasenflächen und Terrasse wieder zu – und dann ist es soweit: Punkt 12.31 Uhr schlägt die Baggerschaufel zum erstenmal auf dem Dach von Ottos Anwesen auf. Der NDR filmt, die Kollegen fotografieren, auch die Polizei hält mit dem Smartphone das Ereignis fest. Zehn Minuten später liegt das halbe Dach und ein Flügel des Hauses in Trümmern. Rund 20.000 Euro wird der Abriss kosten, alles zu zahlen vom Ehepaar Otto. Ob diese Rechnung beglichen wird..?

Der Abriss hat begonnen, die Medien haben ihre Bilder und rücken ab. Etwa eine Woche werde er noch brauchen, hatte Peter Rössner bekundet. Die Materialen werden vor Ort getrennt, bevor sie zur Firma Husen verbracht werden. Was dort daraus wird, kann Rössner auch nicht so genau sagen: „Vielleicht ne Spanplatte.“

Der Leiter des Buchholzer Fachdienstes Bauordnung, Gerhard Lüders, der leidvolle Erfahrungen mit Otto gemacht hat, hat sich das Treiben mit durchaus gemischten Gefühlen angesehen. „Ich habe ja nun jahrelang mit der Sache zu tun gehabt“, sagt er nachdenklich, „aber das hier so mit anzusehen, ist nicht schön. So ein Abriss ist schon brutal.“ Über das Grundstück ziehen Zugvögel durch den blauen Himmel.

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Von Kristian Stemmler

Punkt 12.31 Uhr ließ Baggerführer Peter Rössner die Schaufel seines 16-Tonnen-Baggers das erste Mal auf das Dach des Hauses Dependahl 8 in Buchholz-Sprötze krachen. Heute mittag hat im Landschaftsschutzgebiet Lohbergen der Abriss des Hauses von Prosper-Christian Otto begonnen – damit hat eine jahrelange Auseinandersetzung zwischen dem Berufssänger und der Stadt Buchholz, die Otto bis vors Bundesverwaltungsgericht trug, ihr vorläufiges Ende gefunden.

Der Einsatz ging überraschend reibungslos über die Bühne, weil das Ehepaar Otto das Haus geräumt hatte und darauf verzichtete, vor Ort zu erscheinen. Die Polizei musste ebenso wenig eingreifen, wie der Psychiater, den die Verwaltung vorsorglich zum Einsatzort gebeten hatte, weil Otto im Vorfeld auf die Erkrankung seiner Frau – sie leidet an Multipler Sklerose – und eine daraus resultierende Labilität hingewiesen hatte.

Bereits vor acht Uhr waren Mitarbeiter des Fachdienstes Bauordnung unter deren Leiter Gerhard Lüders auf dem mehr als 7000 Quadratmeter großen Waldgrundstück eingetroffen. Das Tor mit dem auffälligen Violinschlüssel, in den jemand weiße Rosen gesteckt hatte, war unverschlossen. Die Mitarbeiter fanden das Haus leer und verlassen vor, in den Räumen hatten die Ottos lediglich noch etwas Müll wie Plastiktüten, alte Zeitschriften und DVDs hinterlassen.

Gegen acht erschien Bürgermeister Wilfried Geiger, um sich ein Bild von der Lage zu machen und „meinen Mitarbeitern Rückendeckung zu geben“, wie er sagte. In Interviews mit den zahlreich erschienenen Medienvertretern nahm er Stellung zum Fall Otto. Neben Kollegen vom Nordheide Wochenblatt, von der Harburger Rundschau und den Harburger Anzeigen waren auch eine Reporterin vom NDR Hörfunk und ein Fernsehteam des NDR vor Ort (Bericht in „Hallo Niedersachsen“, heute um 19.30 Uhr, N 3).

Er sei erleichtert, das der jahrelange Streit jetzt ein Ende gefunden habe, sagte Geiger. Es sei allerdings auch sehr bedauerlich, dass Otto nicht die ausgestreckte Hand der Stadt ergriffen und sich auf einen Kompromiss eingelassen habe, als noch die Zeit dafür war. „Wenn er den Kompromiss akzeptiert und zurückgebaut hätte, dann hätte er hier ein wunderbares Baugrundstück und ein Haus mit einer Grundfläche von 90 Quadratmeter gehabt“, so der Bürgermeister, „aber er hat leider immer auf seinen Maximalforderungen bestanden.“

Den von Otto und dem Nordheide Wochenblatt vorgebrachten Verdacht, der Abriss des Hauses sei Ausdruck eines persönlichen Rachefeldzugs des Bürgermeisters, wies dieser „entschieden“ zurück. Die Stadt habe versucht, mit einem Bebauungsplan Rechtssicherheit im Gebiet Lohbergen herzustellen, „um den Leuten hier das Dach über dem Kopf zu lassen“. Dieser B-Plan habe Otto lediglich verpflichtet, das Haus zurückzubauen. Erst nachdem der Berufssänger beim Bundesverwaltungsgericht erreicht hatte, dass der B-Plan kassiert wurde, habe sein Haus im Außenbereich gestanden, mit dem Ergebnis, dass es abgerissen werden muss.

Nach etwa einer halben Stunde verließ Geiger den Einsatzort wieder. Arbeiter hatten inzwischen begonnen, den Müll aus dem Haus zu entfernen und im oberen Stockwerk die Isolierung des Dachs herauszureißen. Es dauerte allerdings noch ein paar Stunden bis der Bagger der Abbruchfirma Rössner zum Zuge kam. Die Stadtwerke und die Firma Bredehöft mussten erst im Garten und auf der Terrasse Stromleitungen freilegen. Da ein Nachbarhaus an der Stromleitung der Ottos hing, musste zuerst eine Überbrückung installiert werden, bevor die Stromzufuhr gekappt werden konnte.

Der Abriss des Hauses und der Abtransport des Schutts soll sich bis in die kommende Woche erstrecken. Die Kosten von etwa 20.000 Euro muss Otto tragen, da er der Verpflichtung zum Abriss nicht nachgekommen ist. Die Stadt Buchholz wird hier im Zuge einer so genannten Ersatzvornahme tätig.

Das Ehepaar soll, wie es hieß, vorläufig in einer Wohnung in Wenzendorf untergekommen sein. Otto lotste das NDR-Fernsehteam auf den Hof Oelkers, um ein Interview zu geben. Dort war man nicht sehr erfreut von dieser improvisierten Pressekonferenz, da Otto die Familie Oelkers offenbar nicht informiert hatte, so dass das Interview in den Wald verlegt wurde. Pikantes Detail am Rande: Die Wohnung der Ottos soll sich unmittelbar neben dem Sitz der Abbruchfirma Rössner befinden…

(Eine ausführliche Reportage zu den Vorgängen in Sprötze folgt demnächst.)

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Von Kristian Stemmler

Einmal werden wir noch wach… Morgen fällt im Wohngebiet Lohbergen in Sprötze endlich der letzte Vorhang. Das schwarz gebaute Haus von Tenor Prosper-Christian Otto wird geräumt und abgerissen. Ob morgen schon mit dem Abriss begonnen wird, hängt wohl davon ab, wie weit das Ehepaar das Haus schon ausgeräumt hat. Die Stadt hat jedenfalls für alle Eventualitäten vorgesorgt und ist in der Lage, Ottos Hab und Gut selbst zu entfernen und einzulagern. Natürlich wird auch die Polizei vor Ort sein ebenso wie Rettungskräfte und weitere Hilfskräfte.

Kurz vorm Abriss blamiert sich das Nordheide Wochenblatt noch kräftig, indem es sich auf die Seite des Querulanten stellt und um Mitleid für ihn und seine Frau bettelt. In einem länglichen Kommentar unter der hanebüchenen Überschrift „Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke“ blättert Chefredakteur Reinhard Schrader die Geschichte des Falles auf. Als Otto das Wochenendhaus zum Wohnhaus Mitte der Achtziger ausgebaut habe, habe sich niemand daran gestört. Politiker und Verwaltungsleute hätten sich damals im Glanz des Heldentenors gesonnt.

Erst nachdem Otto erfolgreich bis zum Bundesverwaltungsgericht geklagt und dieses den Bebauungsplan für das Gebiet kassiert hatte, sei es mit dem Frieden endgültig vorbei gewesen. Schrader schreibt: „Von nun an kannte Bürgermeister Wilfried Geiger kein Pardon. Die Akte Otto wurde Chefsache, der Abriss seines Hauses mit aller Macht vorangetrieben. Im ebenfalls düpierten Präsidenten des Lüneburger Verwaltungsgerichts mag Geiger einen geneigten Unterstützer gefunden haben.“

Mit Verlaub, Herr Schrader, das ist doch Blödsinn! Sie lassen sich offenbar auf die Paranoia von Herrn Otto ein. Natürlich kannte die Buchholzer Verwaltung kein Pardon mehr – und das übrigens mit voller Unterstützung des gesamten Stadtrates! Denn Otto hatte ja nicht nur bis zum BVG durchgeklagt, er hatte auch zu dem Zeitpunkt schon nichts ausgelassen, um die Stadt zu provozieren. Unter anderem drohte er mit dem Abzug der Musikschule aus Buchholz und wurde von anderen Musikschulen des Landkreises darauf hingewiesen, dass er das gar nicht darf.

Zudem steht sein Haus nach dem Urteil des BVG jetzt im Außenbereich und hat keinen Bestandsschutz, muss also abgerissen werden. Dass die Verwaltung nach der Klagewelle und so, wie Otto sich verhalten hat, in diesem Punkt nicht nachgibt, ist mehr als verständlich. Dieses Vorgehen als Ausfluss von Geigers persönlichen Rachegelüsten zu interpretieren, gehört zu den üblichen Schraderschen Verschwörungstheorien. Und den Präsidenten eines Gerichts da mit reinzuziehen, ist billig. Aber das ist ja das Lieblingsthema das Wochenblattes: Beamten sind (von Ausnahmen abgesehen) unfähig!

Völlig inakzeptabel ist es, jetzt kurz vor Abriss noch auf die Tränendrüse zu drücken und die Erkrankung von Frau Otto zu instrumentalisieren, die offenbar an Multipler Sklerose leidet. „Aber ist es moralisch in Ordnung, einem 63-Jährigen und seiner schwer an Multipler Sklerose erkrankten Frau das Haus unterm Hintern abzureißen?“, fragt der Chefredakteur. Herr Schrader, ja das ist es! Erstmal wird das Ehepaar sicher auch nach dem Abriss nicht gänzlich verarmt sein und sich woanders noch etwas Neues aufbauen können. Und dann, um es zum x-ten Mal zu wiederholen: Otto hat sich und seiner Frau mit seiner Verbohrtheit alles selbst eingebrockt!

Um nur einige Highlights aus Ottos Feldzug zu erwähnen: Als vor einem Jahr Außenanlagen auf seinem Grundstück entfernt werden sollten, beleidigte der Tenor die Beamten der Stadt mit dem Satz: „Hier werden Methoden wie bei den Nazis angewendet!“ Ähnliches hatte er zuvor bereits in einer Einladung zu einem Pressegespräch seiner Interessengemeinschaft Wohngebiet Lohbergen-Höllental formuliert, in der er das Vorgehen der Stadt so interpretierte: „Wer steckt dahinter? Rechtsradikales Gedankengut in der Verwaltung?“

Im Herbst 2010 erpresste er die Stadt mit der Drohung, die von ihm aufgebaute Musikschule aus der Stadt abzuziehen. Umgehend traten die Verantwortlichen der Musikschulen in Winsen und Seevetal auf den Plan, sprachen von einem Erpressungsversuch und erklärten, dass ein Trägerverein über die Zukunft der Musikschule entscheidet und nicht Otto oder seine Frau. Das hält den Professor nicht davon ab, die Musikschule jetzt wieder zu instrumentalisieren und deren Kunden mit einem Brief zu verunsichern, in dem er eine Gebührenerhöhung ankündigt (siehe eigener Beitrag im blog).

Auch den Stadtrat provozierte und beleidigte Otto nach Kräften. So übersandte er allen Ratsmitgliedern nach dem BVG-Urteil eine Kopie des Urteils und garnierte das mit dem netten Satz: „In der Hoffnung, dass die Stadt Buchholz nunmehr zu rechtsstaatlichem Handeln gegenüber den Bürgern in dem Plangebiet zurückkehrt und weitere gerichtliche Auseinandersetzungen dadurch vermieden werden können.“ Nach einem eher moderaten Antwortbrief des Rates rastete Otto restlos aus. Er beschuldigte die Politiker, sich kriminell zu verhalten und schrieb, es gehe allein darum, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, „die nicht nur die finanziellen Ressourcen der Stadt Buchholz, sondern auch das Ansehen der neuen Ratsmitglieder massiv beeinträchtigen.“

Diese Beispiele illustrieren, wie unbelehrbar und maßlos in seiner Rechthaberei Otto vorgegangen ist. Natürlich ist es nicht schön, wenn das eigene Haus abgerissen wird, aber Mitleid ist dennoch fehl am Platz. Geradezu haarsträubend ist es aber, den Spieß einfach umzudrehen und den Vorgang als Rachefeldzug Geigers darzustellen. „Hier geht es nur noch um die Rache des kleinen Mannes, der nicht verknusen kann, vorgeführt worden zu sein“, schreibt Schrader und lässt keinen Zweifel, wen er mit „kleiner Mann“ meint: „Wilfried Geiger sollte den Abrissbagger absagen.“

Herr Schrader, das ist nun wirklich hannebüchen! Wenn Sie soviel Mitleid haben, können Sie Ottos doch bei sich aufnehmen oder ihm ne nette Summe spenden – Geld genug haben die Schraders doch!

PS: Die Stadt sollte sich mal überlegen, ob Sie diesem Verlag noch Aufträge gibt.

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Disharmonien bis zum Schluss – das Tor zum Anwesen von P. C. Otto.

 

Was soll ich länger weilen, dass man mich trieb hinaus? Lass irre Hunde heulen vor ihres Herren Haus. (aus der „Winterreise“ von Franz Schubert)

Von Kristian Stemmler

Es war große Oper. Es gab viele Aufs und Abs, überraschende Wendungen und ein ausgesprochen ausgedehntes Finale – jetzt aber scheint der letzte Aufzug für den „Don Quichotte vom Höllental“ bevorzustehen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg auch seine letzten drei Einsprüche abgeschmettert hat, soll das schwarz gebaute Haus von Tenor Prosper-Christian Otto im Sprötzer Wald am Brunsberg am kommenden Donnerstag geräumt und dann mit dem Abriss begonnen werden. Das berichtet die Harburger Rundschau. Um 8 Uhr wolle die Stadt mit Hilfskräften an der Straße Dependahl anrücken.

Angesichts seiner endgültigen Niederlage dreht Otto offenbar endgültig durch. In einem Brief an die Eltern der rund 800 Schüler der Musikschule, dessen Trägerverein er vorsitzt, wirft er mit haltlosen Vorwürfen gegen die Stadt um sich und droht mit einer Gebührenerhöhung, weil ein Büro der Musikschule, das sich bisher in seinem Haus befand, aufgelöst werden musste. Die Stadt reagierte jetzt mit einer geharnischten Pressemitteilung auf ihrer Homepage, die am Ende dieses Beitrags dokumentiert ist.

Angesichts von Ottos bisherigen Eskapaden ist kaum zu glauben, was die Harburger Rundschau berichtet. Otto soll sich angeblich mit seinem Schicksal abgefunden haben. Das Blatt zitiert ihn mit den Worten: „Wir packen jetzt unsere Sachen und suchen nach einem Ausweichquartier.“ Hat der Berufssänger Kreide gefressen? Bisher hat er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, ist sogar bis nach Karlsruhe gegangen, um den Abriss seines Hauses zu verhindern.

Ganz offenbar hat der Professor zumindest nichts dagegen, den letzten Akt vor einem mehr oder weniger großen Publikum zu spielen, warum sollte er sonst den Termin der Räumung bekannt geben. Die Buchholzer Verwaltung hätte das von sich aus nicht getan. Jetzt werden natürlich etliche Medienvertreter, vermutlich auch Fernsehen, vor Ort sein, sicher auch einige Schaulustige. Zu befürchten ist, dass Otto noch Boulevardmedien alarmiert, die die Hintergründe des Falls nicht kennen.

Die Stadt wird sich mit Sicherheit keine Blöße geben wollen und dürfte den Einsatz generalstabsmäßig vorbereitet haben. Neben den eigenen Mitarbeitern und Bauarbeitern werden vermutlich auch Einsatzkräfte der Polizei und andere Hilfskräfte vor Ort sein. Bürgermeister Wilfried Geiger hatte in der Ratssitzung am vergangenen Dienstag deutlich gemacht, dass man sogar Regelungen für den Fall getroffen hat, dass Otto und seine Frau untergebracht werden müssen (Notunterkunft Bremer Straße oder Zivildienstschule wurde hier von Ratsmitgliedern vorgeschlagen…).

Jegliches Mitleid mit Prosper-Christian Otto ist übrigens fehl am Platze. Der Tenor hat mit einer Mischung aus Halsstarrigkeit, Ignoranz, Maßlosigkeit und Unverschämtheit überall nur verbrannte Erde hinterlassen. Er hat die Verwaltung und den Rat kriminellen Verhaltens bezichtigt, sein gesamtes Umfeld in seinen Kampf hineingezogen, hat seinen Nachbarn im Wohngebiet Lohbergen mit seinem juristischen Feldzug geschadet (sie dürfen zum Beispiel ihr Haus nicht wiederaufbauen, falls es abbrennen sollte) und die Musikschule, deren Trägerverein er vorsitzt, in Geiselhaft genommen.

Auch jetzt noch kann Otto nicht damit aufhören, die Musikschule für seine Zwecke einzuspannen, wie oben erwähnt. In der Harburger Rundschau kündigte er bereits an, die Gebühren für die rund 800 Musikschüler müssten um acht Prozent steigen, wenn die Musikschule neue Räume anmieten müsste. Die Schule hatte bisher ein Büro in Ottos Haus, das sie aber jetzt räumen musste. Der neue Leiter, Thomas Hansen, zog in die beiden Räume im Dachgeschoss des Standesamtes, die der Musikschule auch bisher schon zur Verfügung standen.

Die Räume seien aber nicht ausreichend, wird Hansen zitiert, er sei auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Er bedauere es sehr, dass die Musikschule in den Konflikt zwischen Otto und der Stadt hineingezogen worden sei. Dazu lässt sich anmerken, dass dies allein die Schuld des Sängers ist, der nicht zum ersten Mal die Musikschule als Druckmittel gegen die Verwaltung missbraucht. Es ist höchste Zeit, dass der Verein dieses Verhalten ihres Vorsitzenden thematisiert.

Die Stadt wird wohl nicht in die Verlegenheit kommen, das Ehepaar Otto unterbringen zum müssen. Otto hat offenbar eine Unterkunft an der Hand, das sagte er jedenfalls der Harburger Rundschau. Sie liege außerhalb von Buchholz, aber noch in der Nordheide. Er spiele mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen (eine gute Idee!). Was sich in der Sache bis heute abgespielt habe, sei „ein Stück aus dem Tollhaus“. Da hat er recht!

Und hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

Dieses Schreiben bringt das Fass zum Überlaufen. „Das können wir nicht auf sich beruhen lassen.“ Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse ist stinksauer. Grund ist ein Brief Prosper C. Ottos, den der in seiner Funktion als Vorstand der Musikschule für die Stadt Buchholz den Eltern der rund 800 Schülerinnen und Schüler geschrieben hat. Vor dem Hintergrund des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Otto und Stadt um den Schwarzbau im Landschaftsschutzgebiet Lohbergen in Sprötze, „instrumentalisiert Otto die Schule für seine privaten Zwecke, stellt hanebüchene Behauptungen auf und verdreht den Sachverhalt“, empört sich Röhse, dessen Kinder die Musikschule ebenfalls besuchen.

In dem besagten Schreiben wirft Otto Bürgermeister Wilfried Geiger unter anderem vor, die Musikschule, die ein Büro in Ottos Haus betrieben hat, in den Konflikt mit hineingezogen zu haben. Er behauptet überdies, Geiger wolle Gerichtsentscheidungen nicht abwarten. Vielmehr müsse damit gerechnet werden, „dass der Bürgermeister das Musikschulbüro auch dann zerstören lässt, wenn die Rechtslage dies verbietet“. Deshalb müsse sich die Einrichtung neue Räume suchen. Weil das koste, hat Otto dem Schreiben gleich den neuen (erhöhten) Gebührentarif beigelegt. Er fordert die Eltern deshalb auf, sich an Geiger zu wenden, „der durch sein kompromissloses Verhalten die Notwendigkeit dieser Gebührenerhöhung erzwungen hat“.

Ottos Behauptungen sind rufschädigend und verletzen Persönlichkeitsrechte“, sagt Röhse. Die Abrissverfügung gegen Ottos Schwarzbau sei seit dem Beschluss des Lüneburger Oberverwaltungsgerichtes (OVG) vom März vergangenen Jahres rechtskräftig. Das sei sowohl dem Privatmann Otto wie auch dem Musikschulvorstand Otto bekannt. Die jüngsten Beschwerden Ottos beim OVG in dieser und in seiner privaten Sache seien überdies vom Gericht alle abschlägig beschieden worden. Das Gericht habe den Abriss des Schwarzbaus also nicht untersagt, sondern explizit erlaubt.

Es kann also gar keine Rede davon sein, dass der Bürgermeister ein Büro ohne Rechtsgrundlage zerstören lässt“, stellt Röhse klar. Hinzu kommt, dass der Bürgermeister in dieser Sache die einstimmige Auffassung des Rates vertritt. Darüber hinaus stellt die Stadt der Musikschule seit Jahrzehnten Büroraum im städtischen Standesamt zur Verfügung, den diese auch nutzt. So trägt das Schreiben der Musikschule bezeichnenderweise im Briefkopf als Absender eben diese Büroadresse in der Kirchenstraße. Unabhängig davon fördert die Stadt die Musikschule der Stadt Buchholz jährlich mit rund 80 000 Euro und stellt Schulen kostenlos für den Musikunterricht zur Verfügung.

Ob Ottos Strategie aufgeht, darf indes bezweifelt werden. „Da instrumentalisiert jemand die Schule für seine privaten Zwecke“, sagt einer der Adressaten des Briefes am Bürgertelefon. Das Fazit des Vaters: „Dieses Schreiben ist ein Frechheit.“ Die Stadt erwägt jetzt rechtliche Schritte gegen den Verfasser des Briefes.

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