Mit ‘Manfred Wiehe’ getaggte Beiträge

Buchholz (kst) – In Bremen beginnt heute der Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD). Die aufstrebende rechtspopulistische Partei hat in den vergangenen Wochen vor allem durch personelle Querelen auf sich aufmerksam gemacht. Die gibt es offenbar nicht nur auf Bundesebene, sondern auch in den lokalen Gliederungen. Jedenfalls ist der Vorsitzende des Stadtverbandes Buchholz der AfD, Manfred Wiehe, schon nach kurzer Zeit von seinem Amt zurückgetreten.

Das Interesse daran, diesen Vorgang öffentlich zu machen, scheint eher gering zu sein. Man muss schon auf der Seite des Stadtverbandes, auf der die Meldung von der Wahl des neuen Vorstandes des Stadtverbandes steht, ganz nach unten scrollen, um von dem Rücktritt zu erfahren. Dort steht unter der Überschrift „Ihre Ansprechpartner aus dem Vorstand: Manfred Wiehe (erster Vorsitzende, zurückgetreten).“ Über die Gründe ist nichts vermerkt.

Natürlich wäre es auch denkbar, dass Wiehe aus gesundheitlichen oder anderen privaten Gründen sein Amt aufgegeben hat. Es fällt aber auf, dass er seine Mandate immer nur recht kurz wahrnimmt. Als Nachrücker für die CDU im März 2013 in den Stadtrat eingezogen, legte er dieses Mandat bereits gut eineinhalb Jahre später wieder nieder und wechselte zur AfD. Dort wurde er am 14. November 2014 bei der Gründung des Stadtverbandes zu dessen erstem Vorsitzenden gewählt, war also nur sehr kurz im Amt. Sein Stellvertreter ist Norbert Castagna.

Wer sachdienliche Hinweise zu dem Vorgang machen kann, kann dies gern in der Kommentarspalte tun oder eine Mail an buchholzexpress@gmx.de schicken.

Von Kristian Stemmler

Wo bleiben eigentlich Bugida und Togida? Gibt es in Buchholz und Tostedt keine besorgten Bürger, die bereit sind, uns gegen die Islamisierung unseres geliebten Abendlandes zu verteidigen? Nazis dürften in der Region in ausreichender Zahl vorhanden sein und die Alternative für Deutschland (AfD) hat sich ja auch schon in der Nordheide installiert, zum Beispiel mit dem Stadtverband Buchholz und seinem kämpferischen Vorsitzenden. Also: Manfred Wiehe, übernehmen Sie!

Aber ganz im Ernst: Kann man eine Bewegung ernst nehmen, die sich „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) nennt, und das in der fast migrantenfreien Stadt Dresden mit einem Anteil von Muslimen unter einem Prozent?! Die meisten, die bei den wöchentlichen Demos der „Patrioten“ mitlaufen, haben vermutlich noch nie eine Moschee gesehen, geschweige denn, dass sie das Wort schreiben können…

Und was wollen diese Leute eigentlich verteidigen, von welchem christlichen Abendland reden die eigentlich? Wo ist denn diese Gesellschaft noch christlich?! Statt Nächstenliebe regieren Habgier, Rücksichtlosigkeit und Konkurrenzdenken, die christlichen Hochfeste Ostern und Weihnachten sind nur noch Anlass für einen Konsumrausch ohne gleichen, für Völlerei bis zum Abwinken, und heilige Schauer empfinden die Menschen heute eher in Shopping Malls und Elektronikmärkten und nicht mehr in Kirchen.

Vielleicht sollten die Pegida-Demonstranten erst mal für eine Rechristianisierung des Abendlandes auf die Straße gehen. Aber gut, wir alle wissen ja, dass das auf Religionen Bezug nehmende Motto der Demos nur ein Vorwand ist, dass es tatsächlich um nichts als Fremdenfeindlichkeit geht. Darum darf der Zulauf zu den Demos dieser „Patrioten“ auch nicht überraschen. Überraschen kann eher, dass es so lange gedauert hat, bis die Paranoia, die sich in Kommentarspalten und Foren des Internets schon lange austobt, nun auch auf der Straße angekommen ist.

Seit Jahren zeigt sich immer wieder, dass ein nicht geringer Teil der Bevölkerung bereit ist, jeden rechtspopulistischen Blödsinn nachzubeten, und sei er noch so weit entfernt von begründbaren Annahmen. Interessant sind in diesem Zusammenhang nach wie vor die Ergebnisse der Langzeituntersuchung zur so genannten „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“, geleitet vom Bielefelder Soziologen Wilhelm Heitmeyer. Die Zahlen stammen zwar aus 2007, dürften sich aber nicht wesentlich verbessert haben.

Mit 54,7 Prozent erklärten bereits damals mehr als die Hälfte der Befragten, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben würden – und das zu einer Zeit, da die Asylbewerberzahlen auf niedrigem Niveau stagnierten. 29,7 Prozent stimmten der Aussage zu, Ausländer müssten zurückgeschickt werden, wenn die Arbeitsplätze knapp würden. Immerhin noch 15,6 Prozent der Befragten stimmten der abenteuerlichen Aussage zu, dass Juden in Deutschland zu viel Einfluss hätten, und 32,9 Prozent meinten, Obdachlose seien arbeitsscheu.

So vielschichtig die Ursachen für den erneuten Protest auch sein mögen, es gibt eindeutig nur einen Auslöser: der Anstieg der Asylbewerberzahlen in diesem Jahr. Dass es in den vergangenen Jahren bei dem Thema Flüchtlinge vergleichsweise ruhig geblieben ist, liegt einzig und allein daran, dass nach dem so genannten Asylkompromiss von 1992, mit dem das Recht auf Asyl praktisch abgeschafft wurde, die Zahlen der Asylbewerber erheblich zurückgingen.

Erst die aktuellen Kriege und Krisen, vor allem im Nahen Osten und Afghanistan, aber auch in Afrika, an deren Eskalation der Westen im übrigen seinen Anteil hat, haben hier für einen erneuten Anstieg gesorgt. Wobei man betonen muss, dass wir mit vermutlich unter 200.000 Asylanträgen in diesem Jahr vom Höchststand von 1992 noch weit entfernt sind, da waren es nämlich rund 438.000. Aber so oder so: Gemessen an den Flüchtlingszahlen in den betroffenen Regionen, zum Beispiel im Libanon, ist das alles noch lächerlich. Ein reiches Land wie Deutschland sollte kein Problem haben, so viele Flüchtlinge aufzunehmen.

Mit Argumenten kommt man den Pegida-Anhängern aber sicher nicht bei, vor allem weil da neben unausrottbaren Vorurteilen und Klischees diffuse Ängste eine Rolle spielen. Wiederkehrendes Motiv ist etwa, dass man das Gefühl hat, von der Politik über den Tisch gezogen und von den Mainstreammedien belogen und manipuliert zu werden. Das Problem dabei ist nur: Zumindest in diesem Punkt liegen die Demonstranten ja ziemlich richtig!

Für den Eindruck, dass sich in der Politik zunehmend mächtige Interessengruppen durchsetzen und der „kleine Mann“ dabei immer mehr unter die Räder kommt, sprechen leider viele Indizien. Wir sind ja inzwischen schon an dem Punkt, dass Lobbygruppen sich ihre Gesetze selber schreiben und die Abgeordneten diese dann nur noch abnicken. Und die Masse der Medien sieht ihre Aufgabe nicht daran, diese und andere Sauereien aufzudecken, sondern uns Sand in die Augen zu streuen. Bestes Beispiel für ihre Einäugigkeit ist das Auftreten in Sachen Russland/Ukraine-Krise.

Ohne eine tiefgründige Analyse gesellschaftlicher Zustände lassen sich die Pegida-Proteste aber weder verstehen noch aufhalten. Es ist zu befürchten, dass die Rechtspopulisten in Deutschland weiter Auftrieb bekommen und in Gestalt der AfD auch demnächst in westdeutschen Parlamenten ihr braunes Gesülze verbreiten. Wenn sogar schon in Schweden, das früher immer als Hort sozialen Friedens galt, eine rechtspopulistische Partei an Zustimmung gewinnt, dürfte auch Deutschland davon nicht verschont bleiben. Der Turbokapitalismus geht an den eigenen Widersprüchen zugrunde.

Das war ja wohl nichts! Wie erwartet hat die Staatsanwaltschaft Stade das Ermittlungsverfahren gegen meine Person wegen Beleidigung eingestellt. Dies teilt die Behörde mir mit Schreiben vom 26. November mit. Ex-Ratskollege Manfred Wiehe, der nach seinem Wechsel von der CDU zur Alternative für Deutschland inzwischen zum Vorsitzenden des neugegründeten Stadtverbandes Buchholz gewählt worden ist, hatte mich, wie berichtet, bei der Polizei angezeigt, weil ich ihn in einem Beitrag in diesem Blog als „rechten Kettenhund“ bezeichnet hatte.

Der Satz, über den Manfred Wiehe sich aufgeregt hatte, lautete: „Die kurze Zeit im Stadtrat nutzte er vor allem, um sich als rechter Kettenhund zu profilieren.“ In meiner Stellungnahme gegenüber der Polizei hatte ich darauf hingewiesen, dass diese Äußerung sich lediglich auf das politische Wirken von Herrn Wiehe bezog und ihn nicht persönlich herabsetzen solle. Die Äußerung sei durch die Meinungs- und die Pressefreiheit gedeckt. (kst)

Von Kristian Stemmler

Das verspricht mehr Abwechslung in der Buchholzer Kommunalpolitik. Wie angekündigt, hat die rechtspopulistische Stammtischtruppe Alternative für Deutschland (AfD) am vergangenen Donnerstag im Gasthaus Hoheluft einen Ableger für die Nordheidestadt gegründet, den Stadtverband Buchholz/Nordheide. Zum Vorsitzenden wurde der CDU-Überläufer Manfred Wiehe gewählt, der noch bis vor kurzem für die Union im Stadtrat saß.

Wiehe hat sich zuletzt, wie berichtet, damit hervorgetan, dass er mich als Betreiber dieses Blogs wegen Beleidigung anzeigte, weil ich geschrieben hatte, dass er sich im Rat als „rechter Kettenhund“ profiliert hätte. In einer Pressemitteilung, die auf der Homepage der Kreis-AfD veröffentlicht wurde, nimmt er jetzt den Mund recht voll: „Als unvorbelastete Partei sind wir für Buchholz eine wirksame Alternative gegen das Diktat einer mittelmäßigen Kommunalpolitik. Wir laden jeden Bürger ein, mit uns offen, vorurteilsfrei und konstruktiv zusammen zu arbeiten.“

In diesen zwei Sätzen tauchen recht viele Begriffe auf, die man gemeinhin mit der AfD eher nicht in Zusammenhang bringt. Unvorbelastet ist diese Partei schon mal gar nicht, wenn man sich anschaut, was an Skandalgeschichten über Nazis in den eigenen Reihen und dergleichen zuletzt zu lesen und zu hören war. Eine Alternative zu einer „mittelmäßigen Kommunalpolitik“ kann die AfD wohl auch kaum sein, da sie selbst höchstens Mittelmaß ist. Und wie soll man offen und vorurteilsfrei mit einer Partei zusammenarbeiten, die sozusagen die Inkarnation des Vorurteils ist?!

Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde übrigens ein gewisser Norbert Castagna gewählt, der laut Internet als Ingenieur arbeitet, Schriftführerin wurde Claudia Castagna, das dürfte seine Frau sein. Wie viele Personen bei der Gründungsversammlung anwesend war und wie viele jetzt dem Stadtverband angehören, vermerkt die Presseerklärung übrigens wohlweislich nicht. Nur, dass man gemeinsam mit dem Kreisvorstand „kurzfristig thematische Pflöcke einschlagen“ werde.

Das kann man getrost als Drohung verstehen, wenn man sich das Wirken der AfD im Kreis in den vergangenen Wochen vergegenwärtigt. Da wurde zum Beispiel der heutige Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU ) übelst angegangen, weil er es gewagt hatte, sich von der rechtspopulistischen Truppe abzugrenzen, und die Antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh aufs heftigste diffamiert. Mal sehen, wen die AfD als nächstes von der Kette lässt…

Von Kristian Stemmler

„Wer die Hitze nicht verträgt, hat in der Küche nichts zu suchen.“ Dieses Harry S. Truman zugeschriebene Zitat sollte sich Manfred Wiehe hinter die Ohren schreiben. Sie werden es nicht glauben, liebe Leser des buchholz express, aber dieser Mann hat mich, Betreiber dieses blogs, doch tatsächlich bei der Polizei wegen Beleidigung angezeigt. Und zwar weil ich ihn vor kurzem in einem Beitrag als „rechten Kettenhund“ bezeichnet habe.

Dass politische Auseinandersetzungen kein Kaffeekränzchen sind und der Wind in der Arena nun mal etwas schärfer weht, ist Herrn Wiehe offenbar nicht klar. Sollte ihm aber klar sein, denn der Buchholzer Unternehmensberater ist in diesen Tagen damit hervorgetreten, dass er von der CDU zur Alternative für Deutschland (AfD) gewechselt ist und dort jetzt die Gründung des „Stadtverbandes Buchholz/Nordheide“ koordiniert. Und die AfD ist ja auch nicht gerade durch ihre feinsinnige Rhetorik bekannt…

Der Satz, über den Manfred Wiehe sich aufregt, lautete: „Die kurze Zeit im Stadtrat nutzte er vor allem, um sich als rechter Kettenhund zu profilieren.“ Natürlich ist das eine polemische Formulierung, aber es ist lediglich eine bildliche Beschreibung seines politischen Wirkens und keine persönliche Herabsetzung. Mit Kettenhund verbindet man im allgemeinen die Vorstellung eines bissigen und aggressiven Tieres, das energisch an der Kette zieht, und genau um diese Assoziation ging es mir.

Wenn ich sehe, was täglich über Twitter, Facebook und in Kommentarspalten im Internet so an Sottisen vorgebracht wird, kann ich über diese Anzeige nur lachen. Ich habe FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky in diesem blog mal als Duracell-Hase bezeichnet, und der hat mich auch nicht angezeigt, obwohl er sicher nicht amüsiert war (ist Hund soviel schlimmer als Hase?).

In Hamburg habe ich in einem Presseerzeugnis den heutigen Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz vor Jahren als „Brechmittel-Olaf“ bezeichnet, weil er als Innensenator den Einsatz von Brechmitteln gegen mutmaßliche Dealer einführte. Auch der hat mich nicht angezeigt. Aber gut, das war in Hamburg – in Buchholz ist man es offenbar nicht gewohnt, wenn mal etwas zugespitzter geschrieben wird.

Die Meinungsfreiheit ist gottseidank hierzulande ein hohes Gut, und als Journalist kann ich mich für diesen journalistischen blog sicher auch noch auf die Pressefreiheit berufen. Vor diesem Hintergrund sehe ich die Sache doch gelassen. Herr Wiehe beweist nach meiner Einschätzung vor allem, dass er nicht nur völlig humorlos, sondern auch dem politischen Geschäft nicht gewachsen ist. Mein Vorschlag: Die AfD sollte sich auf den Goldhandel konzentrieren und sich aus der Politik zurückziehen!

Von Kristian Stemmler

Paukenschlag in der Buchholzer Kommunalpolitik: Wie der buchholz express erfuhr, koordiniert ein Überläufer von der CDU die Gründung des Ortsverbandes der Alternative für Deutschland (AfD) in Buchholz. Es handelt sich um Manfred Wiehe. Der Unternehmensberater war im März 2013 für Andreas Kakerbeck in den Buchholzer Stadtrat nachgerückt und hatte vor kurzem sein Mandat zurückgegeben. Jetzt wird auch klar, warum.

Im Internet lädt die AfD zur Gründungsversammlung für den „Stadtverband Buchholz/Nordheide“ am 14. November im Gasthof Hohe Luft an der B 75. In der Einladung heißt es wörtlich: „Mit der Koordination der Ortsverbandsgründung ist Herr Manfred Wiehe beauftragt. Er wird sich in den nächsten Tagen mit einer Einladung an alle Mitglieder der Stadt Buchholz und alle uns bekannten Interessenten wenden. Wir wünschen Ihnen allen einen erfolgreichen Start für ihr Vorhaben, eine Alternative auch für Buchholz zu etablieren.“

Was Wiehe angeht, kann diese Entwicklung keine große Überraschung für Beobachter der Buchholzer Kommunalpolitik sein. Denn die kurze Zeit im Stadtrat nutzte er vor allem, um sich als rechter Kettenhund zu profilieren. Es zeigt sich hier exemplarisch, dass der rechte Rand der CDU durchaus Berührungspunkte mit der AfD hat, und es wird genau zu beobachten sein, wie sich der Buchholzer Ortsverein der Union zum neu gegründeten Verband verhalten wird.

Der neue Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU), der in der kommenden Woche seinen Dienst antritt, hatte sich bereits klar von den Rechtspopulisten abgegrenzt und war dafür massiv angefeindet worden. Es bleibt zu befürchten, dass sich die AfD hier im Landkreis weiter über das Thema Flüchtlinge profilieren und versuchen wird, die wachsende Xenophobie zu nutzen.

Ausgerechnet die Kreisverwaltung und das Nordheide Wochenblatt, beide eigentlich sehr bemüht, sich für Flüchtlinge zu engagieren, gaben da jetzt in der Ausgabe vom Sonnabend eine Steilvorlage. Auf der ersten Seite wird unter der Überschrift „Es ist kein Geld mehr da“ berichtet, dass die geplanten Schulvergrößerungen in Winsen und Hittfeld ebensowenig wie der Bau einer Sporthalle für das Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasium umgesetzt werden können. Schuldezernent Friedrich Goldschmidt wird mit der Äußerung zitiert, der Grund seien die Mehrbelastungen für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Das aber ist in dieser verkürzten Darstellung ein Spiel mit dem Feuer, denn das Argument „Für unsere Schüler ist kein Geld da, weil das für die Asylanten drauf geht“ ist sicher nicht weit weg. Zwei Seiten weiter ist im selben Wochenblatt im übrigen zu lesen, dass die Belastung des Kreishaushaltes auch aus einer ganz anderen Ecke kommt. Das grüne Kreistagsmitglied Joachim Bartels weist da nämlich darauf hin, dass die Übernahme des insolventen Krankenhauses Salzhausen dafür verantwortlich ist, dass die Baupläne im Schulbereich nicht umgesetzt werden können.

Das Wochenblatt sollte hier schleunigst für Aufklärung resp. Klarstellung sorgen!

Von Kristian Stemmler

CDU, FDP und UWG in Buchholz sind offenbar aus ideologischen Gründen nicht bereit, entschieden gegen die Wohnungsnot in der Stadt vorzugehen. Sie glauben an den freien Markt und den Altruismus privater Investoren, städtische Genossenschaften sind für sie anscheinend kommunistisches Teufelswerk. Das zeigten die Debattenbeiträge und das Abstimmungsverhalten der drei Fraktionen der alten Ratsmehrheit bei den zwei umstrittenen Punkten der 13. Sitzung des Stadtrates am Dienstagabend: der Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft und dem Verkauf eines städtischen Grundstücks am Thomasdamm.

Geschlossen stimmten die genannten drei Fraktionen gegen einen Grundsatzbeschluss, der die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugenossenschaft oder – gesellschaft vorsieht. Die von SPD und Grünen geführte neue Mehrheit setzte den Beschluss aber mit 19 zu 17 Stimmen durch und hat damit einen wichtigen Etappensieg für die Buchholzer Bürger errungen. In dem von den Grünen eingebrachten Antrag heißt es, dass eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft oder andere Wohnungsbaugesellschaft zu gründen ist, „um unter anderem die Versorgung mit preiswertem Wohnraum in Buchholz zu sichern und zukunftsfähig zu erweitern“.

Das ging der alten Ratsmehrheit zu weit. Sie stimmte lediglich dem zweiten Punkt des Antrags zu, der lautet: „Bei der Erarbeitung des Wohnraumkonzepts, welches im Rahmen des ISEK erstellt werden soll, ist die Sparte Mietwohnraum für Menschen mit geringem Einkommen grundsätzlich mit zu berücksichtigen. Es sind geeignete Maßnahmen vorzuschlagen.“

Zwar behaupteten die Vertreter der drei konservativen Fraktionen in der aufgeladenen Debatte steif und fest, auch sie seien dafür, bezahlbare Wohnungen für weniger betuchte Bürger zu schaffen. Aber getreu ihrem politischem Credo „Der Markt regelt alles!“ wollen sie das privaten Investoren überlassen. So erklärte Jürgen Kempf von der FDP sinngemäß, die Stadt solle sich auf dem Wohnungsmarkt nicht einmischen, sondern den Privaten den Bau von Wohnungen überlassen. Auch CDU-Fraktionschef Klaus Gütlbauer erklärte, private Investoren seien dafür „prädestiniert“, günstigen Wohnraum zu bauen.

Dass das kompletter Unfug ist, kann jedermann mit eigenen Augen in Buchholz erkennen. An allen Ecken und Enden schießen postmoderne Blocks mit teuren Eigentums- und Mietwohnungen in die Höhe, einfach weil Investoren eine möglichst hohe Rendite erzielen wollen. SPD-Fraktionschef Wolfgang Niesler wies zu Recht darauf hin, dass in Buchholz „keine Investoren da sind, die in öffentlich geförderten Wohnungsbau investieren wollen“. Daher brauche die Stadt eine städtische Wohnungsbaugesellschaft. Grünen-Fraktionschef Joachim Zinnecker betonte, es gehe um „ganz normale Leute“, Handwerker, Verkäuferinnen und Arzthelferinnen, mit weniger als 2000 Euro Einkommen, die keine adäquate Wohnung fänden.

Zinnecker kritisierte, dass die Verwaltung sich fast ein halbes Jahr Zeit gelassen hat, bis sie den Antrag der Grünen beantwortet habe. Aus der Antwort lese er einen Tenor heraus, was die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft angeht: „Wir wollen das eigentlich nicht.“ Das wollte Bürgermeister Wilfried Geiger nicht auf sich sitzen lassen, der nach Zinneckers Beitrag wie von der Tarantel gestochen aufsprang und ausrief: „Das weise ich aufs Entschiedenste zurück!“ Die Schaffung von Wohnraum sei für Buchholz „ein ganz wichtiges Thema“. Er frage sich lediglich, ob es sinnvoll sein, sich jetzt schon über die Gesellschaftsform zu streiten. Erst müsse der tatsächliche Bedarf ermittelt werden.

Gabi Wenker von den Grünen hatte zuvor den Antrag begründet. „Wir brauchen diesen Grundsatzbeschluss, um loslegen zu können“, sagte sie. Es dürfe nicht sein, dass Bürger die Stadt verließen, weil sie keine bezahlbaren Wohnungen fänden. Sie denke da, so Wenker, vor allem an drei Gruppen: junge Leute, die ihr Elternhaus verlassen und einen eigenen Hausstand gründen wollen, Alleinerziehende nach einer Trennung und Rentner mit wenig Einkommen. „Für diese Gruppen ist das Angebot in Buchholz zu gering“, sagte die Grüne. Ihre Fraktion bevorzuge die Gründung einer Genossenschaft, sei aber auch für andere Gesellschaftsformen offen.

Wie investorenfreundlich CDU, FDP und UWG sind, zeigten sie auch beim zweiten umstrittenen Themen der Ratssitzung. Es ging um die geplante Veräußerung eines städtischen Grundstücks am Thomasdamm, für den es lediglich einen Bieter gibt. SPD und Grüne erklärten übereinstimmend, der gebotene Preis von 600.000 Euro sei viel zu niedrig. Man könne durch Nachverhandlung sicherlich einen höheren Preis als 60 Euro pro Quadratmeter erzielen, erklärte Zinnecker.

Während Geiger sich kompromissbereit zeigte und gegen Nachverhandlungen nichts einzuwenden hatte, präsentierten sich die neuen Ratsherren Manfred Wiehe (CDU) und Heiner Hohls (UWG) als Scharfmacher. Hohls erklärte frech, er wundere sich über die Inkompetenz mancher Ratskollegen. Es habe lange gedauert, bis ein einem Käufer für die Fläche gefunden worden sei, den dürfe man nicht verscheuchen. Wiehe warf Zinnecker vor „,er werfe Nebelkerzen“, auch er fand den Preis völlig in Ordnung.

Mit ihren Beiträgen und ihrem Abstimmungsverhalten bei beiden umstrittenen Punkten der 13. Ratssitzung zeigten die Parteien der alten Ratsmehrheit in wünschenswerter Deutlichkeit, dass sie sich vor allem als Sachwalter von Interessengruppen verstehen – als Sachwalter von Investoren, Maklern, Notaren und wer sonst noch dick im Geschäft ist. Allen Lippenbekenntnissen zum Trotz wurde klar, dass diese Parteien sich keinen Deut um die Interessen der sozial Schwächeren scheren.