Mit ‘Landkreis Harburg’ getaggte Beiträge

wappen-buchholz-trauer-2Von Kristian Stemmler

Heute ist ein trauriger Tag für Buchholz und den Landkreis Harburg! Zum erstenmal werden Vertreter der protofaschistischen Partei Alternative für Deutschland (AfD) in den Rat der Stadt und in den Kreistag gewählt. Auch wenn es für die am heutigen Sonntag stattfindende Kommunalwahl in Niedersachsen keine Umfragen gibt, kann davon fest ausgegangen werden. Zwar dürfte die Zustimmung zu den Flüchtlingshassern und Islamophoben von der AfD im reichen Niedersachsen weniger stark ausfallen als am vergangenen Sonntag im strukturschwachen Mecklenburg – aber immer noch stark genug.

In Niedersachsen dürfte sich ein Effekt wiederholen, der vor einer Woche bereits zu beobachten war. Die AfD lockt eine Menge bisherige Nichtwähler an die Urne, was vermutlich zu einer deutlich höheren Wahlbeteiligung führen wird. Für Buchholz kann man wohl getrost von einem zweistelligen Ergebnis für die Protofaschisten ausgehen, was wiederum heißen würde, dass sie mit vier oder vielleicht sogar fünf Vertretern im Stadtrat landeten. Das aber könnte die Mehrheitsverhältnisse verändern.

Mit Spannung kann man das Abschneiden der anderen Parteien verfolgen. Die CDU könnte wegen der auch unter ihren Anhängern grassierenden Unzufriedenheit mit Merkel leicht verlieren, wobei sie allerdings schon 2011 im Vergleich zu 2006 etwa 13 Prozent eingebüßt hatte. Die SPD dürfte ihr gutes Ergebnis von vor fünf Jahren nicht noch mal erreichen, die Grünen und die FDP vermutlich auch nicht. Dennoch könnten sie die Zahl ihrer Sitze in etwa halten, vielleicht mit leichten Abstrichen.

Das liegt auch daran, dass die Unabhängige Wählergemeinschaft nicht mehr antritt und damit zwei Mandate frei werden, und dass die Piraten mit Sicherheit und die Linkspartei mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Rat vertreten sein werden. Die Piraten sind in der Gunst der Wähler zu stark zurückgefallen und die Linkspartei dürfte Stimmen an die AfD abgeben, was natürlich leicht paradox wirkt, aber ja auch schon bei den zurückliegenden Wahlen in anderen Bundesländern registriert wurde. Wenn das so eintritt, würden vier Mandante frei werden, also genau die Zahl der Mandate, die die AfD erreichen dürfte.

Sollten nun die anderen Parteien prozentual in etwa gleich viel verlieren, könnten sie die Anzahl ihrer Sitze im Rat also dennoch halten. Dann wäre da noch die Buchholzer Liste, die sich vermutlich auf ein stabiles Wählerreservoir verlassen kann. Dennoch könnte sie durch eine höhere Wahlbeteiligung unter die Stimmenzahl rutschen, die für zwei Mandate notwendig sind, wäre also in der kommenden Ratsperiode nur noch mit einem(r) Einzelkämpfer(in) vertreten. Chancenlos dürfte der parteilose Kandidat Uwe Schulze sein, weil es für einen Einzelkandidaten einfach zu schwierig ist, die erforderlichen Stimmen zusammenzubekommen.

Angesichts dieser Perspektiven muss leider davon ausgegangen werden, dass es durch das Auftauchen der AfD weder auf Seiten des Lagers SPD/Grüne/BuLi noch auf der von CDU/FDP eine klare Mehrheit geben wird. Wenn das so kommt, kann die Antwort nur sein, dass alle bürgerlichen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD-Fraktion kategorisch ausschließen und sich zusammenraufen. Ob das so funktioniert, bleibt abzuwarten – es wird auf jeden Fall komplizierter im Buchholzer Rat.

Von Kristian Stemmler

„Wenn die Biene ausstirbt, stirbt nach vier Jahren auch der Mensch aus“, prognostizierte einst Albert Einstein. Der faszinierende, vielfach preisgekrönte Film „More than Honey“ des Schweizers Markus Imhoof zeigte und analysierte im Jahr 2012 das weltweite Bienensterben, ein Beispiel für die unübersehbaren Folgen der Eingriffe des Menschen in die Natur. Ein Faktor des Bienensterbens, das in dem Film eine Rolle spielt, ist die Amerikanische Faulbrut (auch Bienenpest genannt), eine bakterielle Erkrankung. Die Seuche hat jetzt auch den Landkreis Harburg erreicht.

Wie der Landkreis mitteilt, wurde bei einer Routineuntersuchung beim Bienenvolk eines Imkers im Buchholzer Ortsteil Trelde der Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut festgestellt. Um eine Weiterverbreitung der Bienenkrankheit zu vermeiden, habe der Veterinärdienst des Landkreises Harburg einen Sperrbezirk rund um das betroffene Volk festgesetzt, der an diesem Freitag in Kraft tritt. Das angesteckte Bienenvolk musste getötet werden, um zu vermeiden, dass es die Krankheit in andere Völker trägt.

Im Landkreis war die Amerikanische Faulbrut bereits im Mai in Tostedt aufgetreten. Vor kurzem hatten Medien gemeldet, dass die Seuche in einem verlassenen Nest eines herrenlosen Bienenvolkes in Heimfeld nachgewiesen wurde. Der Bezirk Harburg richtete rund um den Fundort in einem Radius von drei Kilometern ein Sperrgebiet ein. Auch in Wilhelmsburg war die Bienenpest schon aufgetreten. Und in Nordsachsen gab es zuletzt gehäuft Meldungen vom Auftreten der Amerikanischen Faulbrut.

Der ab morgen in Buchholz geltende Sperrbezirk umfasst im Wesentlichen die Gemarkung Trelde inklusive Sprötze, Drestedt und Kakenstorf. Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass alle Bienenhalter innerhalb des Sperrgebiets die Anzahl und Standorte ihrer Völker unverzüglich an das Veterinäramt melden müssen. Derzeit werden alle Bienenvölker im Sperrgebiet untersucht. Diese Untersuchungen im Sperrbezirk werden frühestens zwei, spätestens aber neun Monate nach Feststellung der Bienenkrankheit wiederholt.

Für den Sperrbezirk hat der Landkreis Harburg folgende weitere Beschränkungen festgesetzt: Bewegliche Bienenstände dürfen nicht von ihren Standorten entfernt werden. Bienenvölker, einzelne lebende oder tote Bienen, Waben, Wabenteile, Wabenabfälle, Wachs, als Bienenfutter vorgesehener Honig, Futtervorräte, Bienenwohnungen und benutzte Geräte dürfen nicht aus den Bienenständen entfernt werden. Außerdem dürfen keine Bienenvölker oder einzelne Bienen in das Gebiet gebracht werden.

Die Amerikanische Faulbrut ist laut Wikipedia eine Erkrankung der älteren Bienenbrut, nämlich der Streckmaden: Sie befinden sich in der bereits mit einem Wachsdeckel verschlossenen Brutzelle. Im Erkrankungsverlauf löst sich die gesamte Körperstruktur der Larven auf und es bleibt nur eine zähe, braune, schleimige Substanz übrig, die später zu einem dunklen Schorf eintrocknen kann. Die Amerikanische Faulbrut stellt keine Gefährdung für die erwachsene (adulte) Biene, den Menschen oder andere Lebewesen dar.

Die Bezeichnung „amerikanisch“ bezieht sich nicht auf ein Ursprungsgebiet, sondern auf den Ort der Entdeckung; die Krankheit tritt weltweit auf. Die Amerikanische Faulbrut ist in Deutschland anzeigepflichtig. Das Bakterium („Paenbacillus larvae“), das die Krankheit auslöst, bildet lang haltbare Sporen. Die Ansteckungsgefahr für Bienen ist deshalb sehr groß, wenn die Krankheit nicht rechtzeitig bekämpft wird. Durch befallene Völker können für Imker hohe wirtschaftliche Verluste entstehen. Für Menschen und andere Tiere sind das Bakterium und seine Sporen ungefährlich.

Die vollständige Allgemeinverfügung zum Sperrgebiet findet sich unter http://www.landkreis-harburg.de (Suchbegriff „Faulbrut“). Fragen zum Sperrgebiet und zur Bekämpfung der Bienenerkrankung beantwortet der Veterinärdienst der Kreisverwaltung unter der Telefonnummer 0 41 71-69 34 66.

DSC_0262Buchholz (be) – In Buchholz nimmt man es mit dem Gesetz offenbar nicht so genau. Seit Ende des vergangenen Jahres liegt in der Verwaltung der Stadt eine Anzeige des parteilosen Ratsmitglieds Kristian Stemmler gegen die Einzelhandelsbetriebe Rewe Lorenz in Holm-Seppensen und Edeka Schreiber in Sprötze wegen Verstoßes gegen das Sonntagsöffnungsverbotes – doch bis heute hat die Stadt offenbar nichts gegen die offensichtlichen Gesetzesverstöße unternommen.

„Während einem Hartz-IV-Empfänger der zu wenig Bewerbungen schreibt, mal eben ruckzuck die Leistungen gekürzt werden, dürfen wohlhabende und einflussreiche Einzelhändler offenbar das Gesetz mit Füßen treten“, kommentiert Stemmler das Verhalten der Stadt. Man ziehe sich auf das Argument zurück, alle seien doch mit der Regelung zufrieden, niemandem werde geschadet. Stemmler: „Darum geht es aber nicht, auch nicht in dem fraglichen Gesetz – es geht um den Schutz des Sonntags und von Arbeitnehmerrechten.“

Über kurz oder lang wird die Buchholzer Verwaltung sich wohl nicht aus der Affäre ziehen können. Stemmler hat bereits im März die für die Kommunalaufsicht zuständige Abteilung des Landkreises eingeschaltet, die wiederum die Stadt um eine Stellungnahme bat. Diese liege inzwischen vor, bestätigte Kreissprecher Johannes Freudewald dem querschläger, müsse aber noch nachgebessert werden. Man darf gespannt sein, ob es der Buchholzer Verwaltung noch gelingt, irgendwelche Hintertüren im Gesetz zu finden.

Seit Jahren ist es ein offenes Geheimnis, dass die beiden Supermärkte in Sprötze und Holm-Seppensen am Sonntag öffnen und damit gegen das Niedersächsische Gesetz über Ladenöffnungs- und Verkaufszeiten verstoßen. Auch die Presse berichtete bereits darüber, allerdings ohne die Rechtsverstöße groß zu bemängeln (da Supermarktketten zu den besten Anzeigenkunden gehören…). Ende 2015 erstattete Stemmler Anzeige, Anfang Februar 2016 fragte er bei der Verwaltung nach, was aus der Anzeige wurde (über die Anzeige hat natürlich bisher auch kein Lokalblatt berichtet…).

Die Abteilung Ordnung und Recht bestätigte den Eingang der Anzeige und schrieb: „Aufgrund personeller Engpässe sind derzeit andere Aufgaben mit Priorität zu bearbeiten. Zu gegebener Zeit wird jedoch den Hinweisen des Anfragenden nachgegangen und eine Überprüfung der Sach- und Rechtslage erfolgen.“ Aufgaben mit Priorität? Ist damit gemeint, der FDP immer den wohl besten Platz auf dem Wochenmarkt zuzuschanzen und schräg gegenüber eine Sekte wie die Friedenskirche zu platzieren?

So begann seine "Medienkarriere": Romann mit Bierflasche im Kreistag

So begann seine „Medienkarriere“: Romann mit Bierflasche im Kreistag

Von Kristian Stemmler

Länger hatte man nichts von ihm gehört, jetzt hat es Erich Romann mal wieder ins Wochenblatt geschafft. In der aktuellen Ausgabe wird er von Kollegin Bianca Marquardt in Verbindung gebracht mit Protestaktionen von Flüchtlingen in Handeloh. Bei aller Vorsicht, vor allem angesichts der Tatsache, dass Romann selbst sich mit einem Anruf in der Redaktion ins Spiel brachte, erscheint es plausibel, dass der parteilose Kreistagsabgeordnete in der fraglichen Sache mitgemischt hat.

Zur Erinnerung: Romann, der mit dem Wort Paradiesvogel nur unzureichend beschrieben werden kann, war bei der Kommunalwahl Ende 2011 für die Piraten in den Kreistag gewählt war. Denen hatte er zuvor alles mögliche erzählt, er sei Molekularbiologe und dergleichen, und war so überzeugend aufgetreten, dass sie ihn gleich aufstellten. Leider in einem Wahlbezirk, aus dem die Piraten ein Kreistagsmandat gewannen.

Den Piraten, durchaus eine Partei, die mit exotischen Kandidaten umgehen kann, wurde schnell klar, dass dieser Mann mehr als exotisch ist. Bei der ersten Sitzung ließ sich Romann mit einer Bierflasche in der Hand ablichten und schaffte es groß in die damals noch existierenden „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (HAN). Das kurz vor dem Konkurs stehende Lokalblatt griff begierig das Thema auf und brachte über Wochen skurrile Anekdoten über Romann.

Den HAN hatte er erzählt, er verdiene sein Geld als Pokerspiele, sei „Islam-Konvertit mit deutsch-nationaler Einstellung“ und habe zehn Kinder, die er nicht sehen dürfe. Wenig später forderte Romann den Bau einer Moschee in Buchholz und die Einrichtung eines Open-air-Boxrings. Den Mergelweg in seinem damaligen Wohnort Handeloh wollt er in „Merkelweg“ umbenennen. Die Nutzung eines Laptops für die Kreistagstätigkeit lehnte er ab, weil über das Internet der amerikanische Geheimdienst sonst Zugriff auf seine Daten habe.

Als die Piraten ihn ausschließen wollten, erklärte Romann, seine Kollegen Nicolas Krüger und Arne Ludwig seien Verfassungsschutzagenten, die versucht hätten, ihn unter Druck zu setzen, zu manipulieren und zu kontrollieren. Im Frühjahr 2012 trat Romann von sich aus bei den Piraten aus. In den folgenden Monaten versuchte er, bei anderen Parteien Unterschlupf zu finden, so bei der FDP und gar bei der NPD. Aber nicht mal die Nazis wollten ihn haben.

Ende 2013 schließlich war der umstrittene Kommunalpolitiker, der inzwischen wieder in Buchholz wohnte, noch einmal kurz in den Schlagzeilen, als er erklärte als parteiloser Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Buchholz antreten zu wollen. Das verlief nach Informationen des querschläger aber im Sande. Jetzt taucht er nach längerer Zeit also wieder einmal in den Medien auf.

Und zwar hat es in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Handeloh Proteste von Flüchtlingen gegeben, die sich unter anderem gegen die Residenzpflicht und die langen Bearbeitungszeiten der Asylanträge richten. Mit Ausrufen und dem Hochhalten selbstgebastelter Plakate sollen Flüchtlinge in der Unterkunft am Bahnhof und der Unterkunft in der ehemaligen Jugendherberge Inzmühlen auf sich aufmerksam gemacht haben, so das Nordheide Wochenblatt.

Die Lokalzeitung berichtet, Erich Romann habe in der Redaktion angerufen und sich dazu bekannt, die Flüchtlinge aufgewiegelt zu haben: „Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen sich wehren und sie über ihr Demonstrationsrecht aufgeklärt“, habe er gesagt. Die Kollegin Marquardt schrieb dazu in einem Kommentar, sollte dies tatsächlich stimme, hätte Romann den Unterstützern der Flüchtlinge im Landkreis einen Bärendienst erwiesen.

Das ist sicher richtig, aber die Kollegin hätte gern noch auf den persönlichen Hintergrund von Romann hinweisen können. Natürlich ist es ein sensibles Thema, aber bei einem Kommunalpolitiker, der selbst immer wieder an die Presse geht, muss es erlaubt sein, das Verhalten zu kritisieren und dabei auch unangenehme Fragen zu stellen. Ruth Alpers von den Grünen hat bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass das Verhalten von Romann eher unter pathologischen Gesichtspunkten zu sehen ist.

Mit anderen Worten: Sein Verhalten legt die Vermutung nahe, dass Erich Romann psychisch krank ist. Die manische Komponente seiner Aktionen ist nicht zu übersehen. Erstaunlich ist allein die lange Dauer, denn manische Phasen klingen normalerweise spätestens nach einigen Monaten wieder ab. Möglicherweise werden die anderen Phasen aber auch nicht bemerkt, weil Romann in dieser Zeit nicht nennenswert in Erscheinung tritt.

Auf Sitzungen des Kreistages taucht er nach wie vor mit seinem Hund auf, aber das wird spätestens im Herbst aufhören. Denn dann läuft sein Mandat aus und bei der Kommunalwahl im September wird ihn sicher keine Partei mehr aufstellen. Als Einzelkandidat dürfte er mehr als chancenlos sein.

Winsen/Buchholz (be) – Möglicherweise hat es in der Nacht zum vergangenen Freitag den ersten Brandanschlag im Landkreis Harburg auf ein als Flüchtlingsunterkunft vorgesehenes Gebäude gegeben. Sowohl das Hamburger Abendblatt als auch das Nordheide Wochenblatt berichteten darüber, bei dem Brand in einem ehemaligen Männerwohnheim an der Lüneburger Straße habe es sich um Brandstiftung gehandelt. Da ein Teil der Wohnungen derzeit vom Landkreis für die Aufnahme von Asylbewerbern renoviert werden, sei ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht auszuschließen.

Das Feuer war, wie das Abendblatt schreibt, in der Nacht in einer leerstehenden Wohnung ausgebrochen. Fünf Bewohner des Hauses seien von Feuerwehrleuten in Sicherheit gebracht worden, eine Bewohner habe eine leichte Rauchvergiftung erlitten. In dem Haus sei, so das Nordheide Wochenblatt, früher schon mehrfach Feuer gelegt worden. Doch weil in wenigen Tagen die ersten Flüchtlinge einziehen sollten, liegt ein politisch motivierter Anschlag nahe.

„Wir können einen fremdenfeindlichen Hintergrund nicht ausschließen“, zitiert das Wochenblatt den Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Lars Nickelsen. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Das Wochenblatt versteckte den Beitrag über den Brand übrigens rechts unten auf Seite 6. Dies folgt der im Landkreis allgemein verfolgten Strategie, rechte Tendenzen eher klein zu reden. Ob das auf Dauer gut geht, muss bezweifelt werden.

Fast bezugsfertig: die neuen Container an der Straße Am Boerns Soll in Buchholz.

Fast bezugsfertig: die neuen Container an der Straße An Boerns Soll.

Von Kristian Stemmler

Auf einer kreiseigenen Brachfläche an der Straße Am Boerns Soll in Buchholz, gegenüber vom Schulzentrum I, sind jetzt Wohncontainer für Flüchtlinge aufgestellt worden. Die Arbeiten an den Containern stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Demnächst sollen hier rund 120 Flüchtlinge einziehen. Die Stadt Buchholz hat dann demnächst etwa 1000 Flüchtlinge aufgenommen, einen großen Teil der Flüchtlinge, die dieses Jahr im Landkreis Harburg untergebracht werden mussten.

Bis Ende des Jahres wird der Landkreis knapp 3000 Flüchtlinge untergebracht haben. Das ist eine erheblicher Anstieg zum Vorjahr. 2014 wurden 784 Flüchtlinge aufgenommen, im Jahr zuvor nur 441 und 2012 sogar nur 105. Allerdings waren die Zahlen der Flüchtlinge schon in den 90ern zeitweise ähnlich hoch, so kamen 1992 rund 2200 Flüchtlinge. Für das nächste Jahr rechnet der Landkreis mit rund 4200 Flüchtlingen, von denen Buchholz etwa 600 unterbringen müsste.

Dieser Zuwachs bedeutet natürlich erhebliche Mehrarbeit vor allem für die Verwaltung des Landkreises in Winsen. Vor allem die Flüchtlinge, die zuletzt im Rahmen der Amtshilfe für das Land direkt mit Bussen in die Kreisstadt kamen, stellten die Verwaltung vor Probleme.

So musste die Kreisverwaltung bereits tageweise schließen, weil die Gebäude durch die Aufnahmeformalien blockiert waren. Mittlerweile wurde dafür mit Hilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein großes beheiztes Zelt aufgestellt, so dass der normale Betrieb nicht mehr gestört wird.

Der Aufwand sei groß, zeitweise sei die Verwaltung lahm gelegt worden, man habe man die Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge aber gut im Griff, sagte der Sprecher des Landkreises, Johannes Freudewald, dem buchholz express. Dazu trügen die vielen ehrenamtlichen Helfer, das DRK, die Feuerwehr und die Kirche erheblich bei. Auch Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, die freiwillig bei der Aufnahme der Flüchtlinge mitmachten, seien eine große Hilfe, so Freudewald.

Dank vorausschauender Planung konnte der Landkreis die Nutzung von Notquartieren für die Flüchtlinge, wie Sporthallen oder die Schützenhalle in Buchholz, bisher weitgehend vermeiden. Jede Kommune habe aber derartige Quartiere melden müssen, damit der Landkreis schnell reagieren könne, so der Kreissprecher.

Kopfschmerzen macht den Behörden weiterhin, dass ein nicht unerheblicher Teil der Flüchtlinge weiterreist, ohne dass ihr Verbleib bekannt ist. Freudewald schätzt, dass von den Flüchtlingen, die zuletzt in Winsen ankamen, zwischen 20 und 40 Prozent mit unbekanntem Ziel weitergereist sind.

Auf ihn warten Herausforderungen: Thorsten Treybig.

Auf ihn warten Herausforderungen: Thorsten Treybig.

Von Kristian Stemmler

Personalwechsel in der Verwaltung des Landkreises Harburg: Der Lüneburger Thorsten Treybig hat die Abteilung Jugend und Familie übernommen und löst Barbara Stiels ab, die zum Jahresende in den Ruhestand geht. Damit hat Treybig eine Herkulesaufgabe auf sich genommen, wie er offenbar auch selbst erkannt hat. „Ich freue mich sehr auf diese neue Aufgabe, die mit einer hohen Verantwortung und vielfältigen Herausforderungen verbunden ist“, sagte Treybig zum Start im Winsener Kreishaus, wie die Pressestelle des Landkreises mitteilt.

Mit der Abteilung Jugend und Familie übernimmt der 53 Jahre alte Diplom-Sozialpädagoge, der vor kurzem noch seinen Masterabschluss in „Sozialmanagement“ machte, einen Bereich, der in besonderem Maße Verantwortung trägt, aber dabei auch in besonderem Maße in der Gefahr ist, seine Macht zu missbrauchen. Treybigs Abteilung fungiert im Landkreis als Jugendamt, hat also die rechtlichen Möglichkeiten, direkt in Familien einzugreifen, etwa indem sie Eltern Kinder entzieht.

Vor dem Hintergrund spektakulärer Todesfälle von vernachlässigten oder misshandelten Kindern in den vergangenen Jahren tendieren Jugendämter in Deutschland immer mehr dazu, Inobhutnahmen von Kindern zu forcieren und zu zementieren. Die Denke, die dahinter steht: Wenn das Kind bei einer Pflegefamilie oder einer Einrichtung untergebracht ist, die dem Jugendamt bekannt sind, geht man kein Risiko. Zugleich fehlt oft Personal und Zeit, um Fälle angemessen zu bearbeiten.

Wenn dann noch häufige Wechsel von Sachbearbeitern dazu kommen, sind Fehlentscheidungen programmiert. Nach Informationen des buchholz express hat es etwa in der Außenstelle Buchholz der Abteilung Jugend und Familie in den vergangenen Jahren etliche derartige personelle Wechsel gegeben. Eine Betroffene: „Ich habe in den letzten Jahren mit der Abteilung Umgang der Außenstelle zu tun. Da wechselten die Sachbearbeiterinnen so oft, dass ich gar nicht hinterher kam.“

In der Abteilung Jugend und Familie sind unter der Leitung von Thorsten Treybig insgesamt rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig, unter anderem in den Bereichen wirtschaftliche Jugendhilfe, Kreisjugendpflege sowie im Sozialen Dienst und in der Jugendgerichtshilfe. Darüber hinaus kooperiert die Abteilung mit einem Netzwerk an freien Trägern der Jugend- und Familienhilfe.

Zu den aktuellen Herausforderungen des neuen Amtsleiters zählt nach Angaben der Pressestelle des Landkreises unter anderem die Umsetzung des neuen Gesetzes zur Betreuung und Versorgung ausländischer Kinder und Jugendlicher, die als unbegleitete Flüchtlinge dezentral im Rahmen der Jugendhilfe betreut werden müssen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese große Aufgabe gemeinsam mit unserem gut etablierten Verbundnetzwerk an Freien Trägern im Landkreis Harburg bewältigen können“, sagte Treybig.

Treybigs Vorgängerin Barbara Stiels war beim Landkreis seit 1983 tätig ist und leitete seit 2003 das Jugendamt. Thorsten Treybig arbeitete in seiner Heimatstadt Lüneburg in unterschiedlichen Funktionen, zuletzt als Teamleiter im Allgemeinen Sozialdienst (ASD) des Jugendamtes der Hansestadt. Er hat drei Kinder, zwei von ihnen sind bereits erwachsen.