Mit ‘Kunstrasenplatz Wiesenschule’ getaggte Beiträge

 

DSC_0241Von Kristian Stemmler

Vor Gericht sah es zuletzt so aus, als hätte es eine Annäherung zwischen der Stadt und den Anwohnern des Kunstrasenplatzes der Wiesenschule gegeben – tatsächlich kann davon aber wohl keine Rede sein. Nach wie vor gibt es immer wieder Streit um den Spielbetrieb auf den Platz. Zuletzt sorgte ein Aufstiegsspiel der Ersten Herren der Hockeyabteilung von Buchholz 08 für Ärger.

Das Spiel gegen Altona-Bahrenfeld II war am 25. Juni, einem Mittwoch, für 20 Uhr angesetzt. Nach Auffassung der Anwohner ist die Ansetzung des Spiels in der Ruhezeit nicht zulässig, weil eine Ausnahmeregelung, die die Ansetzung von „Besonderen Ereignisse“ in dieser Ruhezeit erlaubt, nicht für Punktspiele gelte. In einer Mail an den Ersten Stadtrat und Schuldezernenten Jan-Hendrik Röhse beschweren sich Anwohner, mit der Genehmigung des Spiels sei gegen geltendes Recht verstoßen worden. Auf der Homepage von 08 habe man das Spiel zu einem besonderen Event hochgejubelt, offenbar um es zu einem besonderen Ereignis hoch zu stilisieren.

Das Spiel sei gegen 21.30 Uhr zu Ende gewesen, danach sei aber „noch fröhlich und ausdauernd an der Seitenlinie“ konferierte worden, so beklagen die Anwohner. Die letzten Spieler hätten erst um 22.17 Uhr den Platz verlassen, also noch nach dem Beginn Nachtruhe, die tabu sei. „Wenn man denn schon diese indiskutable Spielansetzung genehmigt, hätte man zumindest die Spieler darauf hinweisen müssen, dass der Platz anschließend schnellstmöglich zu räumen ist“, schreiben die Anwohner an Röhse.

Beklagt wird in der Mail weiter, dass gegen halb neun das Flutlicht eingeschaltet wurde, obwohl der Platz noch in der Abendsonne gelegen habe. Es fänden außerdem weiterhin Spiele am Sonntag statt und nicht am freien Sonnabend, die Tore seien noch nicht gedämmt und es sei nach wie vor möglich, dass Bolzer ungehindert auf den Platz kämen. Nach wie vor könnten sie Tore nutzen, die trotz anderslautender Zusagen immer noch nicht zusammengeschlossen würden.

In seiner Antwort rechtfertigt Röhse die Ansetzung des Nachholspiels in der Ruhezeit. Nach dem schalltechnischen Gutachten vom 23.1..2009 könne bei einem Punktspiel in der Ruhezeit der Richtwert für seltene Ereignisse herangezogen werden. Auch die vom Rat beschlossene Nutzungsordnung für den Platz stehe der Ansetzung des Spiels nicht entgegen. Das Gericht habe in seinem Hinweisbeschluss vom 3.4.2014 zudem die Durchführung von Punktspielen innerhalb der Ruhezeit als Ausnahmefall grundsätzlich für zulässig angesehen.

Torpolster für eine Dämmung der Tore seien bei einer Firma in Norderstedt bestellt. Es handele sich um Sonderanfertigungen, die nicht von der Stange zu kaufen seien. Er rechne aber mit einer kurzfristigen Lieferung, so Röhse. Im Hinblick auf den Hinweis des Gerichts, das freie Bolzen auf dem Platz durch eine Optimierung der Zugangsbeschränkungen noch nachhaltiger zu unterbinden, würden derzeit „verschiedene Möglichkeiten einer Verbesserung der Einfriedung“ durch den Fachbereich 50 (Hochbau) geprüft.

 

DSC_0241Wie geht es weiter mit dem Kunstrasenplatz an der Wiesenschule? Eine Gruppe von etwa 20 Anwohnern hat beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine Klage eingereicht, um die Benutzung des Platzes durch die Sportvereine zu unterbinden. Im buchholzblog antworten vier der Kläger auf den Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, der sich im November im buchholzblog zu dem Thema geäußert hatte. Sie gehen davon aus, dass das Gericht den Sportbetrieb nicht gänzlich untersagen, aber zumindest einschränken wird. Der Stadt werfen die Anwohner vor, dass der Platz wegen der Nähe zur Wohnbebauung nie hätte gebaut werden dürfen. Der Bau des Kunstrasenplatzes sei mit heißer Nadel genäht, weil die Hockeyabteilung von Buchholz 08 schnell einen Ersatz für den weggefallenen Platz am Kattenberge benötigt habe. Zur Rechtfertigung ziehe die Stadt heute ein Gutachten heran, das zur Zeit des Grandplatzes erstellt worden sei. Der Trainings- und Spielbetrieb habe seitdem aber um etwa 400 Prozent zugenommen.

Hier das Gespräch im Wortlaut:

Kristian Stemmler: Wie ist der momentane Stand des Verfahrens? Herr Röhse hat im Interview gesagt, mit einer Entscheidung wäre erst in Monaten zu rechnen. Wie kommt das?

Sabine Schrader: Unser Anwalt hat uns mitgeteilt, dass es aufgrund von Umbesetzungen und Krankheit in der zuständigen Kammer zu Ressourcenproblemen gekommen ist. Und die Materie ist sicher zu umfangreich, um sie mal eben zwischen Frühstück und Mittagessen abzuhandeln.

Wie sieht es mit der Belastung durch den Platz derzeit aus? Geht die in den Wintermonaten zurück?

Gerd Schrader: Die Lärmbelästigung ist natürlich jetzt im Winter nicht mehr ganz so das Problem, aber dafür haben wir die ganze Zeit das Flutlicht. Das geht meistens so um halb vier, vier an und brennt dann bis zum Schluss, also bis so zwischen neun und halb zehn. Das Flutlicht stört praktisch an jedem Platz in unserem Haus.

Sabine Schrader: Man könnte natürlich sagen, wir können ja die Vorhänge zuziehen. Aber wir haben uns gerade dieses Haus ausgesucht, weil uns hier keiner reingucken kann. Wir mögen Vorhänge eigentlich nicht so besonders, die sind mehr zu Zierde. Und es hilft auch nicht wirklich, das Flutlicht scheint durch.

Das Licht sorgt auch irgendwie für eine unwirkliche Atmosphäre, als würde hier ein Film gedreht.

Sabine Schrader: Ja, das Licht ist sehr ungemütlich, es ist auch heller als früher.

Gerd Schrader: Belastend ist vor allem, dass es ständig brennt. Und an lauen Sommerabenden, wenn man draußen sitzen könnte, verleidet es einem praktisch den Aufenthalt im Garten. Der Lärm ist im Winter natürlich weniger störend, weil man nicht mehr draußen sitzt. Wobei man zum Beispiel das dumpfe Knallen der Bälle auch durch das geschlossene Fenster hört.

Röhse sagt, es gibt auch Anwohner, die sich nicht gestört fühlen.

Stephan Herder: Einer findet sich immer.

Gerd Schrader: Selbst einer unserer Nachbarn, der im Wochenblatt erklärt hatte, er ist dagegen, dass die Kinder vom Sportplatz ausgesperrt werden, der möchte, dass die Kinder da weiter bolzen können, selbst der fühlt sich von den Hockeygeräuschen massiv gestört.

Dörte Nissen: Man schrickt zusammen, wenn die Bälle gegen das Brett knallen. Wir wohnen am Heidekamp, auch direkt am Platz. Wenn wir draußen sitzen, haben wir nur ein paar Meter Abstand zum Zaun des Platzes.

Stephan Herder: Es gibt zum Beispiel einen Ratsbeschluss, der die Dämmung der Tore vorsieht. Herr Röhse sagt, das kommt, vor der Saison 2014. Vier Jahre nach dem Bau des Platzes. – Merkwürdig, belastende Maßnahmen wurden ohne Zögern durchgeführt, auch ohne Urteil. Die Stadt ließ auch zu, dass zumindest bis zum Spätsommer zweimal in der Woche bis 21.30 Uhr trainiert wurde, obwohl nur ein Termin zulässig wäre. In der Klageschrift gibt die Stadt sogar aus eigener Kenntnis offen zu, dass eigentlich um 21.25 Uhr Schluß sein müsste. Röhse sagt: Egal, wir machen trotzdem so weiter!

Sabine Schrader: Das macht er jetzt mit allem, was irgendwie Geld kosten oder Unannehmlichkeiten verursachen könnte. Erst mal wird nichts gemacht.

Ja, er sagte im Interview, man würde ihm das vorwerfen, wenn er jetzt Geld für Maßnahmen ausgeben würde und die Stadt dann das Verfahren verliert.

Sabine Schrader: Aber es würde vielleicht helfen, wenn die Stadt ein bisschen mehr Mühe zeigen würde.

Röhse verweist darauf, dass es in beiden Fällen ein Moderationsverfahren geben würde, ob die Stadt vor Gericht unterliegt oder siegt.

Gerd Schrader: Auch da spielt er mit gezinkten Karten. Dieses Moderationsverfahren, von dem er spricht, das hat er initiiert, nicht wir Anwohner, und das hat er auch gecancellt. Da ging es außerdem um eine ganz andere Sache, es ging darum, noch zusätzlich zum Vereinssport und zum Trainingsbetrieb Bolzbetrieb zu erlauben. Das ging zurück auf den Vorschlag von Karsten Müller von der Buchholzer Liste, ein solches Verfahren in Gang zu setzen. Insofern finde ich Röhses Äußerung ziemlich scheinheilig, weil das eine nichts mit dem anderen zu tun hat.

Was stört die Anwohner denn am meisten? Ist es der Lärm, das Flutlicht?

Gerd Schrader: Im Sommer der Lärm, im Winter das Flutlicht, meistens auch beides.

Mancher kann vielleicht nicht so nachvollziehen, warum die Anwohner so energisch protestieren, wieso das alles so belastend sein soll. Über wie viel Stunden Spiel- und Trainingsbetrieb reden wir?

Gerd Schrader: Der Trainingsbetrieb umfasst etwa 30 bis 35 Stunden in der Woche, dazu kommt dann noch der Spielbetrieb an den Wochenenden. Ich habe noch mal ausgerechnet, dass das eine Zunahme des Spiel- und Trainingsbetrieb von mindestens 300 bis 400 Prozent ist gegenüber der Zeit, als das hier noch ein Grandplatz war. Und die Behauptung von Röhse, dass der Fußball zuletzt weniger geworden ist, ist einfach eine Lüge. Und Hockey ist ja noch dazugekommen. Es ist tatsächlich so, dass von 2001, als wir hierher gezogen sind, bis zum Bau des Kunstrasenplatzes 2010 sich nicht einer der Anwohner an der Lohbergenstraße und am Heidekamp über Lärm beschwert hat.

Das spielt ja vor Gericht eine nicht unwichtige Rolle. Die Stadt verweist auf alte Pläne, nach denen es auch schon auf dem Grandplatz erheblichen Spiel- und Trainingsbetrieb gegeben habe.

Sabine Schrader: Es ist doch interessant: Wenn es so ist, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb vorher schon so war, wieso gab es so viele, die damals schon hier wohnten, und die der Platz überhaupt nicht gestört hat – und auf einmal, nach dem Bau des Kunstrasenplatzes, finden sich da über 20 Familien zusammen und gehen das nicht unerhebliche finanzielle Risiko einer Klage ein.

Dörte Nissen: Beim Grandplatz waren die Zeiten für die Vereine freigehalten worden, falls sie spielen oder trainieren wollten, aber sie wurden nicht genutzt. Nur deshalb stehen in den alten Trainingsplänen so viele Zeiten. In Wahrheit waren sie vielleicht zweimal in der Woche hier.

Gerd Schrader: Der Platz war außerdem meistens gar nicht in dem Zustand, dass man vernünftig Sport darauf treiben konnte. Da stand zum Beispiel oft das Wasser drauf. Die Sportler hatten überhaupt kein Interesse, diesen Platz zu nutzen.

Stephan Herder: Ich habe mit einem alten Hasen aus dem Kreis des BFC gesprochen. Er hat mir genau diese Verfahrensweise bestätigt: „Wir brauchen für die Mannschaft Zeiten. Wo haben wir was? Wiesenschule. Halten wir uns das zur Sicherheit erst mal frei.“

Gerd Schrader: Wir können sehr viele Zeugen aufführen, die schon mehr als 20 Jahre hier wohnen und aussagen, dass es keinen nennenswerten Betrieb auf dem Platz gegeben hat. Und wir persönlich können das zumindest ab 2001 auch bezeugen.

Wann sind Sie hergezogen, Frau Nissen?

Dörte Nissen: Wir sind 1989 an den Heidekamp gezogen, gebaut wurde das Haus 1964.

Gerd Schrader: Auch so ein Fehler, den Röhse macht, oder es bewusst so lanciert. Er reduziert den Streit auf die Auseinandersetzung mit den Bewohnern der Neubausiedlung an der Lohbergenstraße. Das ist völlig falsch! Es sind mehrere Unterstützer der Klage, die am Heidekamp wohnen, Herr Klose zum Beispiel, der ein starker Verfechter der Klage ist.

Bei den Sportlern wird es streckenweise offenbar so kolportiert, dass hier nur eine Handvoll Querulanten Ärger macht. Es gab von Seiten der Sportler ja auch schon ein paar zumindest fragwürdige Auftritte, auf die ich Röhse im Interview angesprochen habe.

Gerd Schrader: Da waren doch einige Merkwürdigkeiten in seinen Ausführungen. Zum Beispiel seine Antwort, dass 14-jährige Mädchen nicht hierher kommen, um zu provozieren, sondern um Sport zu machen. Deshalb hier noch mal: Es geht nicht um den Jugendsport! Das Einzige, wo es da mal Beschwerden gegeben hat, war über die HSV-Fußballschule, bei der noch zusätzlich laute Musik gemacht wurde. Aber ansonsten hat sich noch kein Anwohner über Jugendvereinssport am Nachmittag beschwert. Es geht um die Abendstunden, und das sind Erwachsene, die dann hier trainieren. Und die sind schon eine Ecke lauter. Und von den „erwachsenen“ Sportlern und/oder Jugendbetreuern gab es schon die eine oder andere Provokation.

Dörte Nissen: Es ist diese ständige Beschallung. Im Sommer ist man ja nun öfter draußen, und das zerrt an den Nerven. Die Spieler brüllen sich oft aggressiv an. Diese Stimmung steckt richtig an, ob man will oder nicht.

Gerd Schrader: Das gibt es laut Herrn Röhse nicht. Es sind ja nur liebe Kinder, die hier spielen und die wir vertreiben wollen.

Stephan Herder: Die Frage, ob der Grandplatz nennenswert genutzt wurde, könnte wichtig sein, wenn es um den Bestandsschutz geht. Da hat Herr Röhse schon recht: Der Grandplatz, obwohl rechtswidrig, hat wohl Bestandsschutz. Dann sagt er aber: Den durfte man, weil er Bestandsschutz hatte, modernisieren – und das stimmt nicht! Wenn man die Nutzung eines Bauwerks aufgibt, entfällt der Bestandsschutz. Und erst recht entfällt er, wenn qualifizierte Änderungen eintreten oder man baut da etwas ganz anderes hin…

Sabine Schrader: …und installiert mit dem Hockey noch eine neue Sportart, die hier vorher nicht praktiziert worden ist.

Könnte das vor Gericht eine entscheidende Rolle spielen?

Stephan Herder: Ja, und deshalb ist die Zuversicht von Herrn Röhse auch ziemlich verfehlt.

Sie als Kläger sind offenbar ebenso optimistisch wie die Stadt, was den Ausgang des Verfahrens angeht.

Gerd Schrader: Wir sind insofern optimistisch, dass das Gericht sagen wird: Seht zu, dass es da einen Kompromiss geben kann. Das Gericht wird die Nutzung des Platzes sicher nicht hundertprozentig verbieten. Es wird aber der Stadt Beschränkungen auferlegen, beim Betrieb des Flutlichts, bei der Dauer von Spiel- und Trainingsbetrieb.

Stephan Herder: Das ist doch ein schöner Schulsportplatz. Da sollen die Kinder toben.

Dörte Nissen: Eben. Das stört alles gar nicht. Die spielen da nur. Die Schüler brüllen sich auch nicht so an. Natürlich ist das in den Pausen auch mal laut. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn zum Beispiel bei Vereinsspielen 20 Väter am Rand stehen und reinbrüllen…

Sabine Schrader: …und das sind ja oft die Lautesten…

Dörte Nissen: Genau, und das ist ja immer am Wochenende. Ich hab da schon mal über 100 Zuschauer gezählt. Da saß ich mit meinem Buch im Garten. Ich hatte subjektiv das Gefühl, die brüllen alle mich an.

Gerd Schrader: Um noch mal auf die Sache mit der Baugenehmigung zurückzukommen. Herr Röhse sagt: Wenn es generell erlaubt ist, irgendwo etwas zu bauen, dann kann eine fehlende Baugenehmigung nicht so schlimm sein. Das finde ich aus dem Munde eines Juristen doch ziemlich gewagt. Es ist in Buchholz schon öfter vorgekommen, dass Einfamilienhäuser, die auf Bauland gebaut worden sind, sich aber nicht an die Baugenehmigung gehalten oder keine ordnungsgemäße Baugenehmigung gehabt haben, abgerissen werden mussten. Ich erinnere mich an einen Fall, als wir hierher gezogen sind, da hatte ein Anwohner seinen Dachfirst nicht nach dem Bebauungsplan ausgerichtet, der musste das Dach wieder abreißen und umbauen. Gelten für die Stadt als Bauherr da andere Regeln ?

Stephan Herder: Herr Röhse hat insofern recht, als dass der alte Grandplatz wohl auch ohne formelle Baugenehmigung hätte stehen bleiben dürfen. Etwas anderes gilt, wenn er auch materiell rechtswidrig wäre, wie zum Beispiel bei Herrn Ottos Haus in Sprötze. Was aber ist die Folge der formellen Rechtswidrigkeit? Röhse sagt: Es geht so weiter. Die Gerichte sagen aber generell: Bis geklärt ist, ob eine bauliche Anlage materiell rechtswidrig ist – Nutzungsverbot! Die Stadt müsste das eigentlich von sich aus veranlassen, denn sie ist Vertreter des öffentlichen Rechts. Wenn das ein Bürger machen würde, dann würde die Stadt sofort sagen: Nutzungsverbot, bis das geklärt ist. Aber in eigener Sache passiert da natürlich gar nichts.

Haben Sie versucht, das im Eilverfahren durchzusetzen?

Stephan Herder: Das wäre riskant…

Gerd Schrader: …ja, da wäre man unter Umständen schadenersatzpflichtig, müsste eventuell den Vereinen den Ausfall bezahlen.

Sabine Schrader: Unser Anwalt hat uns davon abgeraten.

Gerd Schrader: Es wäre eine Sache der Fairness der Stadt gewesen zu sagen, es steht ein Gerichtsverfahren an, so so lange wird der Platz von den Vereinen nicht genutzt. Und noch etwas: Der Kunstrasenplatz, der gebaut wurde, ist unserer Meinung nach genehmigungspflichtig. Wenn Sie ein Haus haben, das sie bisher als privates Wohnhaus genutzt haben, und möchten das umbauen in eine Diskothek, können Sie das nicht einfach machen. Oder wenn Sie Ihr Dach neu eindecken wollen, statt roter Ziegel grüne Kunststoffplatten nehmen wollen. Dann müssen Sie dafür eine Baugenehmigung haben. Nur die Stadt hält es nicht für nötig, für eine Baugenehmigung zu sorgen.

Sabine Schrader: Eine Baugenehmigung hätten sie übrigens gar nicht bekommen.

Stephan Herder: Die Flutlichtmasten haben übrigens auch keine Baugenehmigung, das gibt die Stadt sogar zu. Wenn Platz und Flutlichtmasten zusammen geändert werden, dann braucht man in jedem Fall eine Baugenehmigung. Die Stadt sagt, hier wird aber nur der Platz geändert, also brauchen wir keine. Aber nun hat die Flutlichtanlage neue Lampen, also ist doch irgendwie beides gemacht worden. Das ist sehr trickreich.

Sabine Schrader: Wobei sie dabei mit dem wundervollen Argument kommen, dass die alten Lampen 2000 Watt Leistung hatten und die neuen Lampen hätten auch nicht mehr. Nur ist das totaler Blödsinn, weil die Wattstärke gar nichts mehr über die Beleuchtungsstärke aussagt.

Gerd Schrader: Eine Energiesparlampe mit elf Watt ist genauso hell wie eine herkömmliche mit 60 Watt.

Dörte Nisssen: Das Licht ist sehr grell. Also, Laubharken um 21 Uhr ist kein Problem!

Stephan Herder: Wenn einem da nicht die Hockeybälle um die Ohren fliegen würden…

Sabine Schrader: Bei uns sind es eher Fußbälle. Abgesehen davon, schreibt der Gesetzgeber in der sogenannten „Lichtleitlinie“ ein Lichtimmissionsgutachten für den Fall zwingend vor, dass das Flutlicht an mehreren Tagen in der Woche für jeweils länger als eine Stunde brennt. Obwohl das hier definitiv der Fall ist, und wir die Stadt schon mehrfach aufgefordert haben, das Flutlicht überprüfen zu lassen, geschieht das einfach nicht. Mit immer neuen Ausreden werden wir hingehalten und das Gutachten verweigert,. Warum wohl? Unserer Meinung nach deshalb, weil die Stadtverwaltung befürchtet, dass das Flutlicht dann sofort dauerhaft abgeschaltet werden müsste, weil die Belästigung der Anwohner jedes tolerierbare Maß übersteigt.

Noch mal zu den Vorfällen mit den Sportvereinen. Haben Sie den Eindruck, dass die Vereine sich inzwischen mehr bemühen?

Stephan Herder: Ich habe mit einem Vertreter eines betroffenen Vereins gesprochen. Da herrscht die Meinung vor: Da sind ein paar Nachbarn, die wollen nicht, dass wir hier sind – jetzt erst recht, wir wollen unseren Spaß!

Sie haben also nicht den Eindruck, dass in den Vereinen versucht wird, die Sportler für die Situation zu sensibilisieren, dass man Ihnen sagt: Da sind Anwohner, die haben auch ihre Rechte.

Gerd Schrader: Nein, das stellen wir nicht fest. Es wird keine Rücksicht genommen. Ich erinnere mich da an eine Aussage eines Hockeyfunktionärs, der gesagt hat, wir Anwohner müssten Kompromisse eingehen. Kompromiss bedeutet für mich, dass beide Seiten aufeinander zugehen. Wie sollen wir Kompromisse eingehen, wenn auf uns überhaupt keine Rücksicht genommen wird. Im Gegenteil: Es kommen Dinge vor… Neulich bin ich nur kurz auf unserer Dachterrasse erschienen und bin sofort angepöbelt worden, ohne irgend etwas gesagt zu haben.

Das waren Jugendliche?

Gerd Schrader: Nein, die Fußballherren.

Von Erwachsenen sollte man ja erwarten, dass sie sich einigermaßen vernünftig verhalten.

Sabine Schrader: Von wegen. Die Alten Herren sind die Schlimmsten von allen. Bei denen hat man das Gefühl, die brüllen extra. Da verhält sich die Lautstärke reziprok zur Spielstärke. Und die Ausdrücke, die da gebraucht werden. Ein Nachbarskind von zweieinhalb Jahren sagte auf einmal zu seinem älteren Bruder „Leck mich am Arsch, du alter Wichser!“ – und das hatte er nicht aus dem Kindergarten.

Gerd Schrader: Als ich vor zwei Jahren während eines Spiels der Hockeyherren im Garten Kaffee trank, da haben die Sprüche gebracht, da ist mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen.

Sie sind ja sehr nah am Geschehen dran. Ist das für Sie ein Verlust an Lebensqualität?

Dörte Nissen: Ganz bestimmt. Also ich erinnere mich an den Geburtstag meiner Mutter hier. Die ist psychisch nicht so stabil. Ich habe damals echt überlegt, ob wir nicht zu weit entfernt wohnenden Bekannten fahren. Denn das war so laut, sie wurde richtig hektisch. Wir mussten uns quasi anbrüllen, und die Stimmung wurde immer hektischer. Da überträgt sich was. Wir haben damals überlegt, ob wir überhaupt noch ihre Geburtstage hier feiern.

Gerd Schrader: Also, wir überlegen uns das alle, ob wir überhaupt Besuch einladen, wenn am Sonntag Spiele stattfinden.

Wie ist das mit den Spielansetzungen am Sonntag? Herr Röhse hat sich auf den Hockeyverband bezogen.

Sabine Schrader: Das ist ganz und gar dummes Zeug!

Gerd Schrader: Ja, Tatsache ist doch folgendes, meine Frau hat das statistisch ausgewertet: dass von den Heimspielen der Hockeysparte etwa 80 Prozent am Sonntag stattfinden und nur 20 Prozent am Sonnabend, während die Auswärtsspiele zu etwa 80 Prozent am Sonnabend laufen und nur zu 20 Prozent am Sonntag.

Es gibt da eine Wahlmöglichkeit?

Sabine Schrader: Natürlich. Jeder Verein bekommt mitgeteilt, an den und den Wochenenden seid Ihr Ausrichter. Der Verband gibt eine Empfehlung ab, welche Mannschaften an welchem Tag spielen sollten. Hier spielen sie fast immer sonntags, ab halb zwölf, was bedeutet: Kurz vor zehn kommen die ersten, spielen sich erst mal ein, so eine Stunde, dann kommt die zweite Mannschaft. Die eine Mannschaft ist hier auf dieser Hälfte, die andere gegenüber. Dann spielen sie den Torwart ein, das ist ein unglaublicher Lärm. Dann spielen sie sie von etwa halb zwölf bis ein Uhr. Und um eins ist so langsam Schluss, die andere Mannschaft geht. Und die Buchholzer Hockeyherren versammeln sich noch zu einem Bierchen an der Seitenauslinie und trollen sich dann irgendwann, so 20 Minuten vor zwei.

Gerd Schrader: Die Lärmschutzverordnung besagt ganz klar, dass selbst das Betreten des Platzes schon zur Nutzung gehört. Und Herr Röhse reduziert die Nutzungszeit einfach auf die Zeit von Anpfiff bis Abpfiff.

Sabine Schrader: Er hat bei dem ersten erwähnten Termin zum Beispiel eine Spielzeit von 75 Minuten angegeben. Und das ist lächerlich, die sind immer mindestens drei Stunden auf dem Platz.

Gerd Schrader: Selbst nach dem Gutachten des TÜV müssten sie die Mittagszeiten einhalten. Das wird auch häufig nicht beachtet. Herr Röhse behauptet, das gehört nicht zur Nutzungszeit. Aber wenn die hier beim Aufwärmen ihre Hockeybälle gegen das ungedämmte Tor hämmern, das ist für mich kein Unterschied zum Spielbetrieb. Wir hören jeden Schlag auf den Hockeyball, wir hören fast jeden Schiedrichterpfiff, wir hören fast jeden Schuss gegen den Pfosten, wir hören jedes Schreien der Spieler – wir hören all das dreimal, weil der Schall von den Wänden zurückgeworfen wird. Der Schall wird auch von der Turnhalle zurückgeworfen.

Würden Sie sagen, es war von Anfang an eine Schnapsidee hier einen Kunstrasenplatz zu bauen?

Dörte Nissen: Natürlich. Wir haben es auch vorher gesagt: Leute, überlegt Euch das, das geht hier nicht!

Gerd Schrader: Und dann dieses scheinheilige Argument von Herrn Röhse, man habe das gemacht, um etwas für die Schüler zu tun. Das ist schwachsinnig, weil es in Wirklichkeit darum ging, die Zuschüsse vom Landkreis zu bekommen.

Stephan Herder: Dann kommt noch dazu: Als sie hier angefangen haben zu bauen, mit schweren Rüttelmaschinen, sind zum Beispiel am Heidekamp Risse an Häusern aufgetreten, die vorher nicht da waren. Das Dilemma: Ein Zusammenhang ist nicht mehr zu beweisen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Sportvereine eine große Lobby in Buchholz haben?

Gerd Schrader: Auf jeden Fall, wir merken das. Es ist so: Die Sportvereine haben hier nichts zu befürchten, weil die Stadt sich auf ihre Seite stellt. Wenn sie’s zu toll treiben, hebt Röhse mal kurz den Zeigefinger und macht „Du, du, du!“ – das war’s dann aber auch. Konsequenzen aufgrund von Verstößen gegen die Ratsbeschlüsse zum Spielbetrieb Wiesenschule oder die Beschränkungen seitens des TÜV-Gutachtens werden durch die Verwaltung oder den Sportdezernenten nicht gezogen.

Sehen Sie da persönliche Verstrickungen von Herrn Röhse? Er hält ja nicht damit hinter dem Berg, dass seine Kinder bei 08 Hockey spielen und er Verbindungen zum Verein hat. Aber er stellt das als Vorteil dar. Er könne eben mal den Hockey-Obmann anrufen und Dinge auf dem kurzen Dienstweg klären.

Gerd Schrader: Na ja, er nutzt es aber offenbar nicht, um auf die Verfehlungen hinzuweisen. Da ist der Draht dann anscheinend nicht kurz genug.

Sabine Schrader: Ähnliches sieht man bei der Vermeidung des wilden Bolzbetriebes. Er hat ja angeblich die Bitte an die Polizei gerichtet, dass die Personalien von Bolzern aufgenommen werden. Das haben wir aber noch nie erlebt. Die werden einfach nur weggeschickt.

Die Polizei hat vermutlich auch nicht so viel Lust zu kommen.

Gerd Schrader: Das sieht so aus. Eine Zeitlang war die Standardantwort, wenn wir auf der Wache angerufen haben: „Alle Wagen sind im Einsatz!“ Ich kann das sogar verstehen. Das ist ja nicht deren Job, da wird Verantwortung abgewälzt.

Dörte Nissen: Ja, die haben wirklich anderes zu tun.

Gerd Schrader: Es ist ja nichts auch prinzipiell nichts dagegen zu sagen, dass hier viel für den Sport getan wird. Das ist alles gut und schön! Aber es müssen doch auch Interessen anderer gewahrt werden. Diese Planierraupenpolitik, bei der die Anwohner rücksichtslos überfahren werden, das geht einfach nicht! Das ist teilweise unverschämt, was da von den Vereinen kommt. Wenn zum Beispiel Lothar Hillmann, der Präsident von 08, in einem Leserbrief schreibt, wir Anwohner würden rücksichtslos unsere Interessen durchsetzen. Das ist doch absurd!

Stephan Herder: Die Menschen wollen hier doch einfach nur wohnen. Wenn 150 Anlieger ständig von 25 sich abwechselnden Personen zugedröhnt werden, kann man schlecht sagen, dass die 150 die Bösen sind.

Gerd Schrader: Es gibt in Buchholz Lärmschutzrichtlinien.Würden wir uns hinstellen und am Sonntag Rasen mähen oder einen Laubbläser anwerfen, wäre sofort die Polizei hier; die Vereine aber dürfen bis zu zwölf Mal im Jahr bei Turnieren über die Mittagszeit hinweg spielen.

Er sagte im Interview, es habe vor dem Bau des Platzes kaum Proteste gegeben.

Gerd Schrader: Das stimmt nicht! Das ist eine der vielen Falschaussagen von Herrn Röhse, die wir belegen können.

Sabine Schrader: Ich kann Ihnen eine Liste der Leute zeigen, die in der Planungsphase gegen den Bau des Platzes unterschrieben haben.

War es aber nicht im Interesse der Schule, dass der Platz gebaut wurde?

Gerd Schrader: Die Schule freut sich natürlich, dass sie ihn hat. Aber die benutzen den Platz für den Schulsport kaum. Er wird als Pausenhof genutzt. Für die Kinder ist es natürlich schöner, auf diesem Platz zu spielen als auf einem Grandplatz. Darüber hat sich auch noch kein Mensch beschwert. Aber dieses Argument: Wir haben das für die Schule gemacht – das ist lächerlich! Ich glaube, es war sogar Röhse selbst, der gesagt hat, wenn die Hockeyherren von 08 nicht unbedingt einen neuen Kunstrasenplatz gebraucht hätten, dann hätten die Kinder hier auch weiterhin roten Staub schlucken müssen und sich auf dem Grand die Knie aufschlagen.

Herr Röhse behauptet auch in Ihrem Interview, dass der Holzweg als Standort für den Hockeyplatz nicht in Frage kam, da dort keine Schule ist. Nun sehe ich Hockey nicht generell als bevorzugte Schulsportart, Fußball und Schwimmen schon eher. Die werden am Holzweg betrieben. Bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Millionen für das Sportzentrum am Holzweg rausgeschmissenes Geld war , wenn ich Röhses Argumentation da folge ?

Aber ich möchte noch was zu dem Gutachten sagen. Da nimmt man Ende der 90er Jahre ein Gutachten her, lässt das beim TÜV Nord machen, damit hier diese Häuser gebaut werden können und man in den Bebauungsplan reinschreiben kann: Dieser Sportplatz wird wenig genutzt, deshalb gibt es für den Bau der Häuser keine Einschränkungen bezüglich der Grundstücksabstände und zusätzlichen Baumaßnahmen.

Sabine Schrader: Wenn hier vorher schon ein Kunstrasenplatz gewesen wäre, hätten die Häuser nie gebaut werden dürfen.

Gerd Schrader: Man hat dieses Gutachten für den Investor machen lassen, für Groth Bau, und das da alles reingeschrieben, damit er diese Siedlung bauen kann: Und zehn Jahre später nimmt man genau das gleiche Gutachten, lässt es noch ein bisschen überarbeiten, um zu behaupten, der Sportplatz ist nicht zu laut für die Häuser, obwohl der Spielbetrieb dann um 400 Prozent zunahm. Was ist das für ein Quatsch!

Wenn man Sie hört, könnte man zu dem Schluss kommen, dass Sie vor Gericht ganz gute Karten haben.

Gerd Schrader: Wir sind jedenfalls recht optimistisch. Wir erwarten zwar nicht, dass wir vollkommen Recht und den Platz ganz wegbekommen, gehen aber davon aus, dass es empfindliche Einschnitte im Trainings- und Spielbetrieb geben wird.

Ich habe Herr Röhse auch gefragt, ob die Stadt einen Plan B hat, für den Fall, dass sie unterliegt. Er hat das im Prinzip verneint, aber angedeutet, dass 08 sich schon länger eine eigene Hockeyanlage wünscht.

Sabine Schrader: Dazu kann ich was sagen. Es wird ja immer gegreint, weil das neue Gymnasium gebaut wurde und die Hockeyabteilung deshalbihren Platz verloren hat. Die Nutzung des Platzes war aber von vornherein auf zehn Jahre begrenzt, das Ende war also absehbar, die wussten das. Und sie haben zehn Jahre lang nichts gemacht und auf die gute Fee gewartet, die sagt: Da habt Ihr den Kunstrasenplatz! Es wurde auch kein Geld gesammelt, man hoffte immer auf den großen Sponsor. Zwischenzeitlich war wohl auch einer an Bord, der bereit war, eine Hockeyanlage zu bauen, am Holzweg übrigens, ganz toll, mit Tribünen und so. Der Sponsor ist dann aber wieder abgesprungen. Da war man ganz traurig, weil man nun doch keinen Hockeyplatz mehr oder minder zum Nulltarif bekommen würde – und dann kam die gute Fee in Gestalt der Stadt Buchholz.

Das Ganze war also irgendwie mit heißer Nadel genäht?

Sabine Schrader: Das kann man so sagen. Es musste halt schnell gehen. Wie gesagt, man hatte genug Zeit, um sich Gedanken zu machen. Aber das ist nicht passiert…

Gerd Schrader: …und zwar weder auf Seiten der Stadt noch der Sportvereine.

Sabine Schrader: Und dann kam dieser Günter Helmrich mit der Idee um die Ecke, den Platz hier zu bauen. Und der hat Arno Reglitzky angerufen, nach dem Motto: Geht da was? Und da ging ganz schnell was. Und obwohl in öffentlichen Darstellungen immer nur davon geredet wurde, den Hockeyspielern eine neue Heimat zu geben, war der Platz von Anfang an auch für den Fußball gedacht; die waren jedenfalls sofort da, nachdem der Platz eröffnet worden war.

Fühlen Sie sich von der Verwaltung veralbert.

Sabine Schrader: Kann man so sagen.

Und das bezieht sich vermutlich vor allem auf Herrn Röhse…

Gerd Schrader: Wir haben ja mit keinem anderen dort zu tun. Wenn man mal eine Mail schreibt und Röhse ist im Urlaub, kommt die Antwort: Herr Röhse kümmert sich um die Sache, wenn er wieder da ist. Wir haben in der Verwaltung mit niemand anderem Kontakt, weil er sich das vorbehält.

Stephan Herder: Das Beispiel, das mir dazu einfällt: die HSV-Fußballschule. Für eine Woche kam die Hundertschaft morgens, machte ihren Run um den Platz und sang ihre Kampflieder. Wir haben Röhse angeschrieben, sie beachten trotz Auflagen die Ruhezeit nicht. Seine Antwort: Ich bin genauso empört wie Sie, wir stellen das ab. Am nächsten Tag dann dasselbe Spiel. Wieder Ruhezeitverletzung, die nächste Beschwerde, Röhse antwortete: Das geht gar nicht, wir schicken sofort einen Mitarbeiter. Nachmittags kam die Mail, der Mitarbeiter habe auf die Einhaltung der Auflagen hingewiesen. Am nächsten Tag war es wieder dasselbe, es wurde die Mittagspause durchgespielt. Das war ein Donnerstag, der vorletzte Tag der HSV-Fußballschule. Wir haben also noch eine Mail geschickt, dass wir uns verarscht fühlen. Antwort: Ich werde mich morgen mittag persönlich überzeugen. Wer nicht da war, war Röhse – stattdessen wurde am Freitag wieder durchgespielt…

Sabine Schrader: Eine beliebte Taktik von Röhse ist auch, dass er eigentlich nur antwortet, wenn er glaubt, uns nachweisen zu können, dass wir uns irren. Wenn er das nicht kann, antwortet er meistens gar nicht.

Gerd Schrader: Es ist ja gut, dass die Stadt den Breitensport unterstützt. Das will doch jeder. Nur diese Rasenmäherpolitik, einfach über die Interessen anderer hinweg zu gehen, einfach zu sagen, es interessiert uns nicht, was ihr wollt – das finde ich schlimm.

Was für ein Kompromiss vor Gericht wäre für Sie denn erstrebenswert?

Gerd Schrader: Mein Wunsch wäre, dass für bestimmte Zeiten der Sportbetrieb ganz verboten wird. Ich habe persönlich nichts dagegen, dass nachmittags die Hockeyzwerge spielen, bis 18 Uhr z.B., aber ab einem gewissen Zeitpunkt ist Schluss. Und dass von Mai bis September untersagt wird, das Flutlicht anzuschalten, dass der Trainingsbetrieb reduziert, der Spielbetrieb am Sonntag verboten wird. Sonnabends können sie von mir aus gelegentlich und in Maßen hier Sport treiben, da hat man ohnehin zu tun, geht Einkaufen oder arbeitet im Garten.

Dörte Nissen: Es muss auch nicht sein, dass sich 100 Leute auf dem Platz versammeln.

Gerd Schrader: Ja, auch die Größe der Veranstaltungen sollte begrenzt werden.

Wenn die Stadt jetzt auf sie zukäme und fragen würde: Können wir uns nicht doch außergerichtlich einigen? Würden Sie darauf eingehen?

Gerd Schrader: Das Problem ist: Wie soll das gehen? Es gibt ja Ratsbeschlüsse, und selbst die werden nicht eingehalten. Es gibt kein Vertrauen, auf dem eine Einigung basieren könnte. Wo soll das auch herkommen?!

Sabine Schrader: Vor allem würden wir uns ja aller rechtlichen Möglichkeiten berauben, wenn zukünftig die gefundenen Kompromisse nicht eingehalten werden sollten – nochmals klagen könnten wir dann nicht. Und damit ist durchaus zu rechnen, denn die jetzt gültigen Ratsbeschlüsse werden ja teilweise auch nicht umgesetzt. Außerdem blieben wir auf Anwalts- und Gerichtskosten von etlichen tausend Euro sitzen, und das wäre keinem der Unterstützer zu vermitteln. Schließlich hat niemand von uns das Geld mal so eben übrig, ganz im Gegenteil.

Gerd Schrader: Selbst wenn die Stadt uns anbieten würde, die Kosten zu übernehmen – es gibt einfach keine Basis. Wie sollen wir Sicherheit reinkriegen, dass sich an die Beschlüsse gehalten wird? Die Erfahrung zeigt, dass sich die Sportvereine und die Stadt nicht daran halten. Nein, wir brauchen ein Gerichtsurteil.

Danke für das Gespräch.

Seit gut einem Jahr ist beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine Klage von etwa 20 Anwohnern des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule anhängig. Sie wollen erreichen, dass auf dem Platz nur noch die Schüler trainieren und spielen dürfen, aber nicht mehr die Sportvereine. Wie der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse dem buchholzblog mitteilte, wird sich das Gericht frühestens im kommenden Frühjahr mit der Sache befassen. Er gehe davon aus, dass die Stadt in dem Konflikt obsiegt. Auch in diesem Fall werde man sich aber mit den Anwohnern an einen Tisch setzen, um eine von allen Seiten akzeptierte Nutzungsordnung zu erarbeiten.

Hier derPorträt Röhse Wortlaut des Interviews:

Kristian Stemmler: Herr Röhse, wie ist der Stand des Verfahrens?

Jan-Hendrik Röhse: Der Stand des Verfahrens ist so, dass das Gericht sich nicht vor dem nächsten Frühjahr mit der Sache befasst. Da läuft im Moment also nichts. Ich kann nicht vorhersagen, ob das Gericht zum Beispiel sagt, es braucht noch ein schalltechnisches Gutachten. Und das würde die Dauer des weiteren Verfahren natürlich ganz wesentlich beeinflussen. Ich war nicht davon ausgegangen, dass das so lange dauert. Die Verzögerung behindert uns in vielerlei Hinsicht. So lange das Verfahren läuft, kommen wir da nicht zu einem Ende, und das Mediationsverfahren ist ja quasi auch unterbrochen. Daher wäre eine schnelle gerichtliche Entscheidung für alle Seiten gut.

Der Konflikt begann eigentlich Ende 2010, als die Bagger rollten und mit dem Bau des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule begonnen wurde. Der Platz wurde damals gebaut, weil der Kunstrasenplatz des Gymnasiums Am Kattenberge wegfiel.

Richtig, das Gymnasium wollte damals neu bauen, und der Landkreis hat sich dafür entschieden, das Gebäude genau dort hinzustellen, wo der Kunstrasenplatz war.

Hätte man sich nicht denken können, dass es Ärger gibt, als man sich bei der Suche nach einem neuen Standort für die Wiesenschule entschied, wo der Platz inmitten von Wohnhäusern liegt?

Nun ja, wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Für uns war klar, dass der neue Platz an eine Schule sollte, um eine Doppelfunktion für die Schule und die Vereine zu haben. Und dann haben wir geguckt: Wo lässt sich das von den Ausmaßen her realisieren? Und da kam nur die Wiesenschule in Frage, dessen Grandplatz damals sanierungsbedürftig war. Wir haben ausgemessen, ob das von den technischen Voraussetzungen her passt, und dann haben wir ein schalltechnisches Gutachten in Auftrag gegeben, das ist ja auch bekannt…

…von dem die Kläger sagen, es sei fehlerhaft…

…das ist strittig, genau. Ich habe nicht die Fachkompetenz, das zu beurteilen. Das kam vom TÜV Nord, der macht viele solche Gutachten. Das ist jetzt Gegenstand des Gerichtsverfahrens. Das ist es, was ich meinte, das Gericht kann sagen: Das Gutachten ist schlüssig oder es sagt: Wir haben Zweifel und brauchen ein neues Gutachten.

Ok. Wie ging es damals weiter?

Wir haben also dieses Gutachten in Auftrag gegeben, und das sagte aus: Der Platz ist machbar. Weil uns klar war, dass es Reaktionen der Anwohner geben würde, haben wir dann zu einem Infoabend eingeladen, ich glaube, das war im Dezember 2010 in der Schule, wo die Gutachter ihr Gutachten vorgestellt haben.

Wäre der Holzweg nicht die bessere Alternative für den Platz gewesen?

Nein. Zum einen gibt es da keine Schule. Und dann hätten Sie einen komplett neuen Platz bauen müssen. Und das ist ein riesiger Unterschied, was die Kosten angeht, ob Sie schon einen Platz haben oder einen ganz neuen auf dem Acker bauen. Das war hier ja eine Sanierung, so sehen wir das. Für uns war entscheidend, dass der Grandplatz für die Wiesenschule nicht mehr nutzbar war. Mit der Sanierung haben wir also sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Ein wichtiges Argument der Kläger ist, dass es für den Grandplatz keine Baugenehmigung gab.

Es hat für den ursprünglichen Platz, der in den 70ern gebaut wurde, tatsächlich keine Genehmigung gegeben. Allerdings, und das ist der Unterschied zum Fall Otto, der in diesem Zusammenhang gern mal angeführt wird, war der Platz generell genehmigungsfähig, also an dieser Stelle zulässig. Es macht einen Unterschied, ob ich irgendwo baue, wo ich nicht bauen darf, oder ob ich baue, habe zwar keine Genehmigung, darf das aber vom Grundsatz her.

Könnte das Fehlen der Baugenehmigung im Verfahren ein entscheidender Nachteil für die Stadt sein?

Nein, das glaube ich nicht. Die Frage, ob der Platz Bestandsschutz hat, hat damit zu tun, ob er damals grundsätzlich rechtmäßig gewesen ist. Ich erinnere daran, dass das Areal damals ein Mischgebiet war, die Häuser gab es noch nicht. Insofern ist das für uns kein Problem. Und die Rechtsprechung sagt im übrigen: Wenn ich einen Grandplatz saniere, indem ich einen Kunstrasenplatz aufziehe, ist das eine genehmigungsfreie Sanierung.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Frage, wie stark der Grandplatz ausgelastet war. Die Kläger sagen, damals habe es keinen nennenswerten Trainings- und Spielbetrieb gegeben. Die Belegungspläne von damals würden zwar eine größere Auslastung ausweisen, seien aber so nicht ausgeführt worden.

Der Sport sagt mir da etwas anderes. Wir haben das auch vorgetragen und die Belegungspläne vorgelegt. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich damals noch nicht hier war. Aber es ist tatsächlich so, dass die Pläne aus den 80ern, 90ern und den 2000er Jahren erheblichen Trainings- und Spielbetrieb ausweisen.

Aber die Nutzungsfrequenz ist doch nach dem Bau des Kunstrasenplatzes gestiegen.

Vermutlich ja. Hockey ist hinzugekommen, dafür wird dort weniger Fußball gespielt, seit 08 und der BFC ihre Plätze am Holzplatz haben. Wie die Gesamtbelastung aussieht, müsste man im Einzelnen sehen.

Was die Belastung der Anwohner angeht, geht es natürlich vor allem um den Lärm. Ich habe mich vor einigen Monaten selbst vor Ort überzeugt. Wenn da Fußball oder Hockey gespielt wird, ist das schon ganz schön laut. Haben Sie grundsätzlich Verständnis dafür, dass sich Anwohner gestört fühlen und eine Einschränkung der Wohnqualität beklagen?

Im Grunde ja. Aber die Sache ist sicher subjektiv. Ich kenne auch Leute, die in der Reihenhaussiedlung an der Lohbergenstraße wohnen, und die sagen: Uns stört das überhaupt nicht. Dass es andere gibt, die der Spielbetrieb stört, kann ich aber durchaus nachvollziehen.

Eine andere Belastung ist das Flutlicht.

Also, das Flutlicht hat bis zu dem Abend, an dem wir das Gutachten vorgestellt haben, überhaupt keine Rolle gespielt. An dem Abend bin ich mit einem Paar, das dort wohnt, um den Platz gegangen, und die haben auf das Flutlicht hingewiesen. Da stand ein Mast schief, den haben wir gerichtet. Damals tauchte das Thema zum ersten Mal auf.

Anwohner empfinden es als Belastung, dass das Flutlicht in ihre Räume hineinscheint.

Auch das ist sehr subjektiv. Es gibt da eine Computersimulation und danach werden die Werte eingehalten. Letztlich verhält es sich mit dem Flutlicht wie mit dem Lärm: Den Einen stört es, den Anderen nicht.

Ein weiteres Thema ist der Bolzbetrieb. Anwohner beklagen, dass immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene den Platz unerlaubt zum Bolzen nutzen. Hat sich da was verbessert?

Das scheint wellenweise zu laufen. Wir hatten das ganz gut im Griff. So hatten wir die Polizei gebeten, auf entsprechende Beschwerden von Anwohnern zu reagieren. Die haben das dann auch ein paar Mal getan. Ich hatte dann den Eindruck, dass das Problem in den Herbstferien wieder etwas aufgeflammt ist. Jetzt ist es, auch jahreszeitlich bedingt, nicht mehr so schlimm. Im Frühjahr hatten wir den Maschendrahtzaun repariert und Schilder angebracht. Aber so ein Maschendrahtzaun ist natürlich recht leicht zu überwinden.

Wäre das Wegschließen der Tore, wie es die SPD-Fraktion im Rat ins Spiel gebracht hat, eine Lösung?

Das ist nicht so einfach. Die Hockeytore sind sowieso zusammengeschlossen. Und die kleinen Tore, die hin- und hergeschoben werden können, werden auch von den Schulkindern genutzt. Die gehen schon morgens vor dem Unterricht auf den Platz. Deshalb müssten die Betreuungskräfte die Tore um fünf Uhr nachmittags zusammenschließen und morgens um sieben wieder aufschließen. Das ist ziemlich aufwändig. Effektiver wäre natürlich ein höherer Zaun.

Sind eigentlich schon Bußgelder wegen unerlaubter Nutzung des Platzes verhängt worden?

Bußgelder nicht, aber Verwarnungsgelder. Wir reden da über 20 Euro.

Das Bolzen sollte auch im Rahmen des Moderationsverfahren geklärt werden.

Richtig. Da stellt sich die Frage, ob man das Gelände einfriedet und die Bolzgruppen damit ausgrenzt. Übrigens halte ich ein Moderationsverfahren nach wie vor auch dann für sinnvoll, wenn wir das Gerichtsverfahren gewinnen sollten.

Eine Nutzungsordnung gibt es ja bereits.

Ja. Der Rat hat damals, als er beschloss, den Kunstrasenplatz zu bauen, den Rahmen für die Nutzung vorgegeben, bestimmte Zeiten für den Trainings- und Spielbetrieb festgelegt. Diese Zeiten liegen übrigens deutlich hinter den Zeiten, die nach dem schalltechnischen Gutachten möglich sind.

Anwohner beklagen sich aber, dass immer wieder gegen die Nutzungsordnung verstoßen wird.

Ein Problem ist, dass man damals bei bestimmten Regelungen nicht ausreichend an die Praxis gedacht hat. Da wurde zum Beispiel eine Nutzung für Punktspiele von 15 bis 18 Uhr vorgesehen, und dann fing das Spiel um 15 Uhr an und die Leute waren schon um halb drei auf dem Platz, um sich warm zu machen. Darüber hatte man einfach vorher nicht nachgedacht. Wir haben den Vereinen daher gesagt, die Spiele sollen um halb vier anfangen. Das sind so Dinge, die man korrigieren muss. Bei einem moderierten Verfahren würde all so etwas auf den Tisch kommen.

In den vergangenen Wochen hat es erhebliche Verärgerung bei Anwohnern gegeben, einmal weil Hockeyspieler von 08 am Sonntag auf dem Platz gegrillt haben, das andere Mal, weil eine Tanzgruppe des Vereins am Sonntagmorgen eine spontane Tanzeinlage zu lauter Musik zelebrierte. Mancher hatte das Gefühl, dass Sportler gezielt provozieren wollen.

Auch das ist eine subjektive Einschätzung. Ich glaube, dass zeitweise von beiden Seiten provoziert worden ist. Die Sportler haben sich zum Beispiel über das ständige Fotografiertwerden beklagt. Da hat sich offenbar einiges aufgeschaukelt. Und es hat sicher auch Vorfälle gegeben, bei denen man sagen muss: Leute, musste das jetzt sein?! Zum Beispiel, als Hockeyspieler Schlenzen über einen Bierzelttisch geübt haben. Die haben für so etwas eigentlich ein Netz.

Sie halten diese Vorfälle aber eher für einen Ausdruck von Unbedachtheit?

Eigentlich schon. Von vielen, die auf dem Platz spielen und trainieren, das sind ja oft Kinder, kann man nicht erwarten, dass sie die Hintergründe des Konfliktes kennen. Gut, bei den älteren Jugendlichen gibt es vielleicht auch den einen oder anderen, der sich sagt: So, denen zeigen wir es jetzt mal! Aber das sind Ausnahmen. 14jährige Mädchen überlegen sich sicher nicht wenn sie zum Sport gehen, da provoziere ich jetzt mal.

Beklagt wird unter den Anwohnern auch, dass Hockeyspiele sonntags angesetzt werden, obwohl sie auch sonnabends statt finden könnten.

Der Hockeyverband gibt die Spieltage und den Spielbeginn vor. Es gibt Wochenenden, wo am Sonnabend und am Sonntag Spiele stattfinden. Wenn Sie solche Wochenenden haben, haben Sie ein Problem, alles auf einen Tag zu legen. Sie kriegen eigentlich nur vormittags und nachmittags je zwei Spiele hin, weil man auch einkalkulieren muss, dass eine Mannschaft mal eine Viertelstunde zu spät kommt. Der Rat hat aber durchaus erlaubt, dass sonnabends und sonntags Spielbetrieb statt findet.

Wie gesagt: Das sind alles Dinge, die auf den Tisch kommen, wenn eine neue Nutzungsordnung erarbeitet wird. Aber das macht nur Sinn, wenn die Betroffenen dabei sind. Ich habe den Verwaltungsausschuss darum gebeten, das erst mal auszusetzen. Ich betone aber noch einmal: Auch wenn wir den Rechtsstreit gewinnen, brauchen wir dieses Verfahren, weil wir sonst nie Ruhe reinkriegen. Und das wird ein Verfahren sein, an dem ich selbst nicht aktiv beteiligt sein werde.

Wieso das?

Für einige Anwohner bin ich ein rotes Tuch. Da kann ich mich schlecht mit an den Tisch setzen.

Das Klima ist offenbar teilweise vergiftet. Ihnen wird ja vorgeworfen, Sie würden tricksen, seien ein Lobbyist der Sportvereine. Trifft Sie das?

Nein. Es ist ja gar kein Geheimnis, dass ich mit dem Hockeysport eng verbunden bin. Aber das ist oft eher von Vorteil. Wenn ein Vorfall passiert wie zum Beispiel der mit dem Bierzelttisch, dann hab ich einen kurzen Draht zum Hockey-Obmann und kann zu ihm sagen: Mensch, spinnt Ihr eigentlich, was soll denn das?! Ich kann also mit dem Tacheles reden, ohne dass es gleich zu einem Verwaltungsakt wird.

Auf der anderen Seite, wenn ein solcher Vorwurf im Raum steht, das wissen Sie ja auch selbst, ist es ganz schwer, das zu entkräften. Dadurch dass ich mich gut auskenne, kann ich Manches besser einschätzen, etwa was die Gefährlichkeit eines Hockeyballs angeht. Da kann man natürlich schlimme Bilder im Internet herunterladen. Aber das ist nicht die tägliche Praxis. Verletzungen beim Hockey kommen eher selten vor. Ich würde den Bogen aber auch nicht zugunsten der Vereine überspannen. Es ist für mich auch nicht schön, wenn ich zwei bis drei E-Mails mit Beschwerden am Tag bekomme. Da müssen die Vereine auch in die Pflicht genommen werden.

Könnte man nicht durch technische Maßnahmen noch mehr für die Anwohner tun?

Im Prinzip schon. Wenn wir rechtliche Sicherheit haben und wissen, dass sie Vereine drauf bleiben dürfen, dann könnten wir eine ganze Menge mehr zum Schutz der Anwohner tun, dafür Geld in die Hand nehmen. So lange ich aber nicht weiß, ob die Vereine bleiben dürfen, können wir das nicht. Das würde man mir schön um die Ohren hauen, wenn ich jetzt Geld ausgeben würde, das dann für die Katz ist.

Wie wird das Verfahren vor Gericht laufen? Gibt es da eine mündliche Verhandlung?

In solchen Fällen setzt das Gericht für gewöhnlich einen Ortstermin an. Dann guckt es sich sicher das Gutachten an. Und da kommt es halt darauf an: Sagt es, für uns ist alles klar, wir können entscheiden, oder sagt es, wir brauchen noch ein weiteres Gutachten? Im zweiten Fall dauert die Sache natürlich entsprechend länger.

Wann rechnen Sie mit einer Entscheidung des Gerichts?

Im Verlauf des nächsten Jahres. Genauer kann man das derzeit nicht sagen.

Wie sehen Sie die Chancen der Stadt?

Wir gehen davon aus, dass wir Erfolg haben werden, eventuell noch mit gewissen Auflagen. Mir ist natürlich klar, dass die Anwohner ebenfalls davon ausgehen, dass sie Erfolg haben. Wenn Sie im Internet recherchieren, finden Sie aber ganz viele Entscheidungen, die eher für unsere Sichtweise sprechen.

Wird es eine Berufungsmöglichkeit geben?

Eher nicht. Eine Berufung wird nur zugelassen, wenn es sich um eine schwierige Rechtsfrage oder eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung handelt. Das sehe ich hier nicht.

Was bedeutet es für die Stadt, wenn sie verliert?

Das wäre eine schwierige Situation. Also, es gibt jetzt keinen Plan B für den Fall, dass wir unterliegen. Aber wir müssten dann natürlich möglichst schnell gucken, wo die Vereine dann hin sollen. Es gibt übrigens schon länger den Wunsch der Hockeysparte nach einer eigenen Anlage, das ist bisher am Geld gescheitert.

Hätte man nicht früher auf die Anwohner zugehen müssen?

Möglicherweise. Ich bedaure sehr, dass die Anwohner sich entschlossen haben zu klagen statt an dem moderierten Verfahren teilzunehmen. Vielleicht hat man das tatsächlich zu spät angeboten. Die ganze Thematik, Bürgerbeteiligung und so, das hat es in der Stadt lange nicht gegeben. Und es ist gut, dass das jetzt kommt. In dieser Stadt hat man das zu lange vernachlässigt. Wer weiß, wo wir heute stehen würden, wenn man in der ersten Versammlung gesagt hätte: Leute, um das gleich in die richtigen Bahnen zu lenken, holen wir einen neutralen Dritten, der das moderiert und versucht, alle Interessen unter einen Hut zu bekommen. Dann hätte man sich die Klage vielleicht erspart.

Herr Röhse, danke für das Gespräch!

Von Kristian Stemmler

Hier schlug der Hockeyball ein - eine deutliche Delle im Blech!

Hier schlug der Hockeyball ein – eine deutliche Delle im Blech!

Im Streit um den Kunstrasenplatz an der Wiesenschule kehrt keine Ruhe ein. Ein neuer Vorfall sorgt jetzt dafür, dass die Anwohner wieder auf der Zinne sind. Ein Hockeyball, offenbar von einem Spieler von Buchholz 08 geschossen, traf auf einem angrenzenden Grundstück des Platzes ein geparktes Auto. „Wir fanden den Ball neben dem Auto. Die Motorhaube ist deutlich eingedellt, man mag sich die Wucht des Balles gar nicht vorstellen“, sagt Anwohnerin Dörte Nissen. Sie will jetzt einen Anwalt beauftragen, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Der Vorfall bestätigt die schlimmsten Befürchtungen der Anwohner. „Nicht lange davor haben mein 14-jähriger Sohn und ich genau in der Flugschneise Laub gefegt. Der Ball wäre genau auf Kopfhöhe gewesen…“, sagt Dörte Nissen. Sie habe schon immer Angst vor diesen Bällen gehabt. Des öfteren werde beim Hockeytraining das Tor direkt vor ihrem Garten platziert, ohne einen Ballfangzaun oder andere Schutzvorrichtungen.

Auch Anwohner Gerd Schrader, der die Klage gegen den Betrieb des Kunstrasenplatzes beim Verwaltungsgericht Lüneburg mit initiiert hat, ist entsetzt über den Vorfall mit dem Hockeyball. „Die Verantwortlichen begreifen wohl erst, wenn ein Kind getroffen wird, dass ein Hockeyplatz in einem Wohngebiet eine Gefahr darstellt“, sagt er. Seit Monaten leidet die Familie Schrader unter dem Lärm auf dem Kunstrasenplatz und den Belästigungen durch das Flutlicht. Gerd Schrader ärgert sich vor allem über den Ersten Stadtrat und Sportdezernenten Jan-Hendrik Röhse.

Schrader wirft Röhse vor, kein wirkliches Interesse daran zu haben, die Anwohner vor dem Lärm und anderen Belästigungen zu schützen. So seien seine Versuche, die Situation zu verbessern, bisher eher kontraproduktiv gewesen. „Im Frühjahr 2012 ließ er zum Beispiel eine Folie am Ballfangzaun anbringen, in der Absicht, die Anwohner vor dem Flutlicht zu schützen. Der Effekt: Nicht ein Flutlichtstrahl wurde von unseren Häusern abgehalten, aber im Sommer wäre uns die Abendsonne genommen worden“, so Schrader. Zum Glück habe die Folie sich losgerissen und sei dann entfernt worden.

Genauso sinnlos sei die Montage von Blechen an den Scheinwerfern gewesen. Sie sorgten lediglich dafür, dass im Herbst bei niedrigem Sonnenstand in seiner Wohnung unangenehme Blendwirkungen aufträten. Im Herbst 2012 habe Röhse dann mit der Schaltung des Flutlichtes experimentiert. Der Effekt sei diesmal gewesen, dass sich das Flutlicht nur auf einer Seite anschalten ließ und sich nun die doppelte Anzahl von Spielern auf der Seite austobten, auf der die meisten Anwohner leben.

Schrader wirft Röhse auch vor, gegen die auf dem Kunstrasenplatz trainierenden Vereine nicht wirklich durchzugreifen. So würden etwa Hockeyspiele immer wieder am Sonntag angesetzt, obwohl der Platz am Sonnabend ungenutzt sei. Oder sie würden als „besondere Ereignisse“ deklariert, um auch am Sonntag in der Mittagszeit spielen zu können. Vorfälle wie das Grillfest der 08-Hockeyherren am Sonntagmittag und die Tanzeinlage von 08-Tänzern am Sonntagmorgen (der blog berichtete) würden kurzerhand zu „Missverständnissen“ erklärt. Schrader: „Die Vereine haben hier doch Narrenfreiheit.“

Zuletzt stritt sich Schraders Frau Sabine mit Röhse über die Frage, was laut Sachverständigengutachten unter „Nutzungszeit“ zu verstehen ist. Für den Sportdezernenten ist das nur der reine Spielbetrieb. Für die Schraders ist das absurd. Sabine Schrader schrieb an Röhse: „Wenn die 18. Bundeslärmschutzverordnung schon das relativ geräuscharme Betreten und Verlassen des Platzes als Nutzungszeit wertet, wie kann dann ein einstündiger Einspielbetrieb keine Nutzung sein.“

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob die Vorfälle der letzten Wochen und Monate die Position der Stadt vor Gericht stärken. Es sieht nicht so aus, als seien die Sportler, die den Kunstrasenplatz nutzen, für die heikle Situation vor Ort nachhaltig sensibilisiert worden.

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Schon wieder Ärger um den Sportbetrieb auf dem Kunstrasenplatz an der Wiesenschule. Nachdem im Mai bereits die Lateintänzer von Buchholz 08 mit lauter Musik am Sonntagmorgen und die Hockeyherren desselben Vereins mit einem Grillfest für Verärgerung unter den Anwohnern gesorgt haben, sind es diesmal die Fußballer vom Buchholzer FC und erneut die 08-Hockeyherren, die Stress machen.

Offenbar fehlt bei den Sportvereinen jede Sensibilität für die Interessen der Anwohner. Und der Stadt gelingt es – entgegen ihrer Ankündigungen – nicht, die Ruhestörungen zu unterbinden. Ob das die Position der Stadt im anhängigen Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg stärkt, sei dahin gestellt…

Am Mittwochabend hatten die Hockeyherren von 08 sich eine besondere Trainingsvariante ausgedacht, um noch mehr Lärm zu produzieren als bei einem „normalen“ Training, und das in der Ruhezeit nach 20 Uhr. Die Sportler platzierten einen Bierzelttisch vor einem Tor und donnerten den Ball mehrfach aus vollem Lauf gegen den Tisch. Wer sich im Hockey etwas auskennt und die Härte eines Hockeyballs und die von seinem Aufprall ausgehenden Schallemmissionen einschätzen kann, der weiß, wie laut das gewesen sein muss.

Für Verärgerung unter Anwohnern sorgte auch ein Spiel zwischen dem Buchholzer FC und dem SV Ippensen am Donnerstag, dem 18. Juli, zwischen 19.25 Uhr und 21 Uhr, also auch in der Ruhezeit nach 20 Uhr. Das sei wieder ein „Hörerlebnis mit Geschrei in vollendeter Lautstärke zur besten Abendessenzeit“ gewesen, schreibt Anwohner Gerd Schrader, einer der Kläger vor dem VG Lüneburg in einer Mail an den Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse

Schrader verweist in seiner Mail darauf, dass für Spielbetrieb in der Ruhezeit eine Sondergenehmigung erforderlich ist, und möchte von Röhse wissen, ob die erteilt worden ist. Auch will er wissen, wo die Anwohner erfahren können, welche Ausnahmegenehmigungen für Spielbetrieb nach 20 Uhr erteilt werden. Ferner beschwert sich Schrader darüber, dass der Buchholzer FC zugelassen hat, dass Bolzer parallel zum Spiel außerhalb des Spielfeldes bolzen konnten, was nicht erlaubt sei.

Man darf auf Röhses Antwort gespannt sein. Erkennbar ist, dass bei den Sportvereinen offenbar noch nicht angekommen ist, wie schwierig die Situation auf dem Kunstrasenplatz an der Wiesenschule ist. Oder handelt es sich hier gar um Provokationen der Sportler? Durchaus denkbar, wenn man sieht, wie fordernd und arrogant die Sportvereine in Buchholz immer wieder auftreten!

Von Kristian Stemmler

Alle Jahre wieder wird bei den Haushaltsberatungen des Stadtrats am Ende des Jahres ein Füllhorn über die Sportvereine der Stadt ausgegossen. Soviel ist mir nach einem Jahr im Rat klar geworden: Die Sportvereine haben in Buchholz eine große Lobby und können fast alles durchsetzen – aber auch nur fast. Zuletzt scheiterten sie mit ihrem Begehren an die Nordheidehalle Container mit Sanitärräumen anzudocken, hauptsächlich für die Formationstänzer von Buchholz 08. Nichtsdestotrotz wurde bei den gestrigen Haushaltsberatungen wieder das hohe Lied des Sports gesungen.

Ein herausragendes Beispiel für die ungehemmte Lobbyarbeit der Vereine lieferte kürzlich der 08-Chef Lothar Hillmann im Wochenblatt. In einem Leserbrief durfte er sich mit beispielloser Polemik über die Anwohner des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule hermachen. Wie im blog berichtet, haben die Anwohner unter der Führung des Ehepaares Schrader und ihrer Nachbarin Dörte Nissen beim Verwaltungsgericht Lüneburg eine Einstellung des Betriebs auf dem Platz beantragt, ausgenommen ist der Schulsport.

Vor einigen Wochen konnte ich mich mit eigenen Augen und Ohren von der beispiellosen Belastung der Schraders und anderer Anwohner überzeugen. Hillmann scheint sich dagegen in keinster Weise für die Belange der Anwohner zu interessieren, er behauptet frech, „eine Minderheit der Anwohner“ versuche „ihre egoistischen Interessen“ durchzusetzen, spricht von „rücksichtslosem Durchsetzen von Eigeninteressen“. Die Sportler hätten von einigen Balkonen und Terrassen „ungehemmtes Fotografieren“ über sich ergehen lassen müssen.

Der Leserbrief von Lothar Hillmann ist diffamierend und unverschämt und zeigt, mit welcher Arroganz die großen Sportvereine in Buchholz auftreten. Der buchholzblog veröffentlicht zur Klarstellung eine Stellungnahme von Gerd Schrader zu Hillmanns Einlassungen. Hier sein Text:

Herr Hillmann sorgt sich um die Fakten, die nicht vergessen werden sollten. Fakt ist: 

  • dass sich der Trainingsbetrieb auf dem Sportplatz Wiesenschule seit dem Neubau des Kunstrasens im Jahr 2010 gegenüber vorher in etwa vervierfacht hat.
  • dass der Wochenend-Spielbetrieb von faktisch Null auf ein Maß gestiegen ist, das kaum noch ruhige, sommerliche Stunden im eigenen Garten zulässt.
  • dass sich die Lichtimmission des Flutlichts zeitlich von gelegentlich auf täglich stundenlang gesteigert hat und auch die Beleuchtungsstärke stark erhöht wurde (Hier zählt Lumen, nicht Watt).
  • dass sich der Lärmpegel beim Fußball (früher ausgehend von einer Handvoll Spieler in wenigen Wochenstunden, heute erzeugt von bis zu 30, 40 Trainierenden an jedem Wochentag) extrem gesteigert hat
  • dass zusätzlich zu den „normalen“ Sportgeräuschen nun auch noch das laute Knallen von Hockeyschlägern und -bällen auf Metalltoren hinzukommt
  • dass es die „einvernehmliche“ Nutzungsvereinbarung gar nicht gibt, sondern den Anwohnern ohne weitere Diskussion eine von der Stadt und dem Verein festgelegte Nutzungsordnung vorgesetzt wurde, die garniert ist mit lauter Könnte-Formulierungen und Ausnahmen.
  • dass die Sportvereine sich vielfach nicht an diese sogenannte Vereinbarung halten und diese laufend übertreten (könnte hier der Grund für „ungehemmtes Fotografieren“ liegen ?).

Rücksichtsloses Durchsetzen von Eigeninteressen seitens der Anwohner? Jener Anwohner, die seit über 20 Jahren am Heidekamp wohnen und bis 2010 nie Probleme mit dem Sportplatz hatten, nun aber die Klage unterstützen? Oder der Anwohner an der Lohbergenstraße, von denen acht Jahre lang bis 2010 nicht eine Beschwerde über den Vereinssport laut wurdeNein, rücksichtslos ist das Eindringen der Vereinssportler in die Gärten der Anwohner, um ihre Bälle wiederzuholen, egal ob dabei etwas zertrampelt wird.

Nein, die Rücksichtslosigkeit liegt hier auf Seiten der Stadt und auch gerade des TSV Buchholz 08, die, ohne anderer Leute Bedürfnisse zur Kenntnis nehmen zu wollen, ihre Interessen und Belange gnadenlos durchziehen.

Dieses zeigt sich auch in dem Schreiben des Herrn Hillmann. Gerade ein Vorsitzender eines großen Sportvereines sollte mit seinen Formulierungen etwas behutsamer umgehen. Da macht das sinnlose Herausreißen von Zitaten aus dem Zusammenhang die Argumentation auch nicht besser.

Gerd Schrader, Buchholz“

Von Kristian Stemmler

So ist schön!“ – „Olli, geh!“ – „Weiter, weiter!“ – „Schieß doch!“ – „Ja, ja, ja! Scheiße!“ Die Zurufe fliegen hin und her auf dem Kunstrasenplatz an der Wiesenschule an diesem Abend. Die Oberligafußballer vom TSV Buchholz 08 trainieren. Der Platz ist vom Flutlicht taghell erleuchtet, von einem grellen, unfreundlichen Licht, das eine unwirkliche Stimmung erzeugt. Es sieht aus, als würde hier gerade ein Film gedreht.

Für Sabine und Gerd Schrader und ihren Sohn Timo ist dieser Anblick Alltag, fast jeden Abend füllt das Fluchtlicht ihr Wohnzimmer. „Wenn ich in meinem Fernsehsessel sitze, scheint mir das Flutlicht direkt in die Augen“, sagte Gerd Schrader mir bei einem Besuch vor Ort, „und im Kinderzimmer im ersten Stock ist sogar bei zugezogenen Vorhängen das Flutlicht zu bemerken.“ Die Familie gehört zu den Anliegern des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule, um den seit Monaten ein heftiger Streit entbrannt ist, ein Streit, der jetzt eskaliert ist.

Wegen der Dauerbelastung durch den Trainings- und Spielbetrieb vor ihrer Haustür haben etwa 20 Anlieger an Lohbergenstraße und Heidekamp unter der Führung von Sabine und Gerd Schrader und ihrer Nachbarin Dörte Nissen Ende August die Stadt als Betreiber des Platzes vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg verklagt. Sie haben beantragt, jede außerschulische Benutzung des Sportplatzes zu untersagen. „Unser Ziel ist es, dass der Platz nur noch für den Schulsport genutzt wird“, sagt Gerd Schrader, der in der IT-Branche arbeitet.

Wir klagen nicht aus Jux und Dollerei, sondern weil unsere Lebensqualität durch den Trainings-und Spielbetrieb auf dem Platz erheblich eingeschränkt ist“, fügt der Familienvater hinzu, „wir haben auch nichts dagegen, wenn Kinder hier spielen und trainieren, und wir sind uns im Klaren, wie wichtig der Sport als Faktor für die Stadt und besonders auch für die Jugend ist, aber die Belastungen sind insgesamt unzumutbar.“

Etwa 30 Stunden in der Woche ist Trainingsbetrieb auf den Kunstrasenplatz, am Wochenende finden zusätzlich Turniere oder Punktspiele statt. Der Platz ist im Sommer die sportliche Heimat der Hockeyspieler sowie einiger Fußballmannschaften des TSV Buchholz 08 und wird im Winter ausschließlich von den Fußballern von 08 und dem Buchholzer FC für ebenso umfangreiches Training genutzt.

Das grelle Flutlicht ist nur eine der Belastungen, über die sich die Anwohner beklagen. Mindestens ebenso schlimm ist die ständige Lärmbelästigung. Ein Fußballtraining ist keine Häkelrunde und auch die Hockeyspieler sind nicht eben leise. Da fliegen scharfe Kommandos über den Platz, wird gerufen und gebrüllt, was das Zeug hält. Nur noch selten können die Schraders an warmen Tagen in Ruhe auf der Terrasse sitzen. „Wenn auf dem Platz gespielt oder trainiert wird, dann hat man auf der Terrasse das Gefühl, als würde das direkt neben einem passieren“, sagt Sabine Schrader. Dazu kommt, dass spätestens ab Mitte August oft genug bereits wieder das Flutlicht eingeschaltet wird, das stimmungsvollen Spätsommerabenden zuverlässig den Garaus macht.

Tatsächlich ist die Lautstärke nicht gerade gering, wie ich mich bei meinem Besuch bei Schraders mit eigenen Ohren überzeugen konnte. Dabei tun sich vor allem, wie das Ehepaar herausgefunden hat, die Alten Herren hervor. Sabine Schrader: „Die können wirklich unglaublich laut brüllen!“ Und ihr Mann fügt hinzu: „Da verhält sich die Spielstärke reziprok zur Lautstärke.“ Auch inhaltlich sind die Zurufe, die über den Platz fliegen, nicht von Zurückhaltung geprägt. „Spiel ab, du Wichser!“ und ähnliches ist da zu hören.

Im negativen Sinne abgerundet wird die Lärmbelästigung durch das laute Scheppern, wenn Bälle gegen das Auffanggitter hinter dem Tor donnern, was besonders beim Torschusstraining der Fall ist. „Jeden Ball, der gegen das Gitter klatscht, hören wir dreimal, weil die umliegenden Gebäude den Schall zurückwerfen“, sagt Gerd Schrader. Immer wieder landen auch Fußbälle im Garten der Schraders oder ihrer Nachbarn, die sich die Spieler dann natürlich zurückholen wollen und dafür auch schon mal so eben über den Zaun klettern. „Die laufen dann mit ihren Fußballschuhen hier herum und zertreten Pflanzen“, erklärt der Familienvater. „Als ich einmal einen Fußballer von 08, der einen Ball aus unserem Garten holte, gefragt habe, was er hier eigentlich mache, meinte der nur zu mir: Das geht Sie doch gar nichts an!“

Die Belastung durch den Trainings- und Spielbetrieb ist also schon groß genug. Aber was die Familie Schrader und die anderen Anwohner noch besonders auf die Zinne bringt, ist das unerlaubte Bolzen von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Schrader: „Die kommen teilweise mit Autos und klettern über die Zäune, der ist für die kein Hindernis.“ Auch sei das Tor zum Platz nicht immer abgeschlossen.

Die Anwohner bringt der Bolzbetrieb vor allem deshalb in Rage, weil der Kunstrasenplatz ausdrücklich dem Schul- und Vereinssport vorbehalten und für Freizeitbolzer gesperrt ist. Der Bolzbetrieb kommt also noch oben drauf. Auch das Benehmen der Bolzer lässt gelegentlich zu wünschen übrig. „Wenn mein Mann auf der Dachterrasse auftaucht, heißt es Hau ab, Opa! Oder: Filmst du schon wieder, du Wichser!“, klagt Sabine Schrader.

Als die Familie an die Lohbergenstraße zog, Ende 2001, war noch alles in Butter. „Damals war das hier ja noch ein Grandplatz. Uns wurde damals versichert, dass der Platz nur zweimal in der Woche genutzt würde“, berichtet Sabine Schrader. So war es dann auch, im Schnitt war an höchstens acht Stunden pro Woche Betrieb. Acht Jahre lang ging das so, doch im Sommer 2010 rückten die Bagger an. Der Kunstrasenplatz wurde gebaut, weil der Platz am Kattenberge dem Neubau des Gymnasiums zum Opfer fiel.

Schon der Bau der Platzes brachte erhebliche Belastungen mit sich. „Wochenlang konnten wir nicht im Garten sitzen, wenn die Baumaschinen eingesetzt wurden, hat das ganze Haus gebebt. Hinterher hatten wir Setzrisse am Gebäude“, sagt Gerd Schrader. Nach dem Abschluss der Arbeiten ging es bald los mit dem extensiven Betrieb. „Im Oktober kamen die Fußballer, obwohl man uns immer gesagt hatte, der Platz werde in erster Linie für die Hockeymannschaften gebaut.“

Als klar wurde, wie groß die Belastung durch den neuen Platz ist, gingen die Anwohner auf die Barrikaden. Sie wandten sich an die Stadt, um über eine Regelung des Betriebs zu verhandeln. Doch in der Verwaltung habe man sie nur abgespeist, klagt Sabine Schrader, „und behandelt als wären wir die letzten Querulanten“. Besonders sauer sind die Schraders auf den Ersten Stadtrat und Schuldezernenten Jan-Hendrik Röhse, der ihre Sorgen nicht ernst genommen und mit „Verdrehungen und Halbwahrheiten“ gearbeitet habe. Dagegen habe Christoph Selke, für die SPD im Stadtrat, die Anliegen der Anwohner aufgenommen und in Anfragen an die Verwaltung umgesetzt.

Für den Prozess gegen die Stadt, der sich etwa ein Jahr hinziehen dürfte, haben sich die Anwohner einen Anwalt aus Hannover genommen, „einen, der nichts mit dem Buchholzer Klüngel zu tun hat“, wie Gerd Schrader betont. „Der hat bereits einen Prozess um einen Sportplatz in Scheeßel gewonnen“, sagt er. Die Klageschrift sei gut geworden, „wir versprechen uns einiges“. Ein wichtiges Argument der Kläger ist, dass schon für den Grandplatz keine Baugenehmigung vorlag. Außerdem sei das angefertigte Lärmgutachten fehlerhaft.

Die Anwohner wollen die Sache jetzt energisch durchfechten, wie die Schraders deutlich machen, vor allem weil die Stadt sich so ignorant verhalten habe. „Keiner hat es für nötig gehalten, vor dem Bau des Kunstrasenplatzes mit uns zu reden“, so Gerd Schrader. Ein solcher Platz direkt an bebauten Grundstücken zu errichten, sei ein Fehler gewesen: „Der Platz hätte an den Holzweg gehört, wo auch das Sportzentrum liegt. Das wäre ideal gewesen.“