Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Konsumkritik’

Hallo Aldi, Lidl & Co.,

wo bleibt das Weihnachtsgebäck. Wir warten auf Spekulatius und Dominosteine! Jetzt aber ruckizucki!!

LG

der querschläger

Read Full Post »

DSC_0041[1]

Von Kristian Stemmler

Rot ist die liturgische Farbe des Pfingstfestes. „Feurige Zungen“ hätten über den Köpfen der Anhänger Jesu getanzt, die sich zum jüdischen Schawuot, das unter anderem mit Erntedank zu tun hat, nach Aussage der Apostelgeschichte in Jerusalem versammelt hatten. Die Flammen symbolisieren hier den Heiligen Geist, der die Menge erfasst habe, sie seien so be-geistert gewesen, Feuer und Flamme für den neuen Glauben, dass sie sich aufmachten die erste von vielen Gemeinden zu gründen.

Soweit die alte Geschichte. Aber wie sieht es heute aus in und mit den Kirchen, die dieses Ereignis und damit das aus Schawuot hervorgegangene Pfingstfest gern als ihren Geburtstag begehen? Wo ist da noch Begeisterung zu spüren? Wo sind da noch Feuer und Flamme? Sehen wir nicht nur noch ein Häuflein Asche vor uns, in dem ganz tief unten ein wenig Glut ums Überleben kämpft?

Ja, gut, diakonisch, karitativ sind die beiden Amtskirchen noch präsent, kümmern sich um Obdachlose, Kranke, Alte, wobei das oft auch mehr wie ein professionell gemanagter Geschäftszweig wirkt. Politisch setzt man sich vor allem für die Flüchtlinge ein, was aller Ehren wert ist und wichtig angesichts der Hetze in weiten Teilen der Bevölkerung. Aber das reicht alles eben nicht.

Tatsächlich verfehlen die Kirchen ihre Aufgabe grandios und verraten ihre Botschaft nachhaltig. Sie schweigen weithin zum Skandal der sich immer mehr vertiefenden sozialen Spaltung in diesem Land und lassen ein System weithin gewähren, das alles abräumt, attackiert, zerstört, was wertvoll, tragend und heilig ist: Traditionen, Bräuche, das Bewusstsein von Geschichte, Heimat, Zugehörigkeit, zuletzt die menschlichen Bindungen, die Familie

Der Gefängnispsychologe und Buchautor Götz Eisenberg beschrieb diesen Prozess so:

„Die deregulierten Individuen sollen moralischen und psychischen Ballast abwerfen und sich in flexible und beschleunigsungsfähige Nomaden verwandeln, die jedwede Form der Bindung an Orte, Menschen und die eigene lebensgeschichtliche Vergangenheit und Prägung abgestreift haben. Die noch verwertbaren und für die Reproduktion des Kapitals benötigten Menschen werden dynamisiert und über Konsum- und Statusprämien ans System gebunden; über die anderen, die Entbehrlichen und Herausgefallenen, wird mehr und mehr der Polizeistaat kommen.“

Wo bitte stellen sich die Kirchen wirklich ernsthaft diesen Entwicklungen entgegen, ja, wo begreifen sie sie überhaupt? Man hat sich eingerichtet in dieser Gesellschaft. Wenn die Menschen zu Weihnachten in die Kirchen strömen, ist man stolz und froh: Da seht Ihr, dass die Kirchen doch noch ihre Bedeutung haben.

Ignoranter geht es nicht! Gerade der gesellschaftliche Umgang mit den Hochfesten ist ein eklatantes Beispiel dafür, wie der Kapitalismus und Konsumismus alle Bastionen schleifen und alles für ihre Zwecke zurichten. Weihnachten ist nur noch Anlass für den größten Konsumrummel des Jahres, Ostern ein reines Sauf- und Fressfest. Wer sich darüber freut, dass zu diesen Festen mehr Leute in der Kirche sitzen, hat den Schuss nicht gehört.

Es ist traurig, aber wahr: Von diesen Kirchen sind wirklich wichtige Impulse für eine gesellschaftliche Erneuerung nicht zu erwarten. Feuer und Flamme sind woanders zu suchen. Vielleicht eines Tages bei einer neu politisierten Jugend, der es gelingt, die Waffen der Manipulation, die auf sie gerichtet sind, umzudrehen und gegen das System zu wenden. Das wäre ein Funke für kollektive Begeisterung wie damals zu Schawuot in Jerusalem!

Read Full Post »

So berichtete das Wochenblatt.

So berichtete das Wochenblatt.

Von Kristian Stemmler

Weihnachten ist bekanntlich das höchste Fest der Konsumgesellschaft. Darüber ist ja nun schon viel geschrieben und gesagt worden, wobei meist ein resignativer Unterton nicht zu überhören ist – so ist es nun mal, da kann man halt nichts machen. Allerdings sollte man doch wenigstens von den christlichen Kirchen erwarten, dass sie die Kommerzialisierung ihres zweitwichtigsten Hochfestes nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. Davon kann aber nicht wirklich die Rede sein.

Statt die Gelegenheit des Heiligabends zu nutzen und den vielen Weihnachtschristen, die an diesem Tag in die Gotteshäuser strömen, die Leviten zu lesen, liefert man den Zuckerguss auf der Torte. Kerzen und Krippenspiel, andächtige Worte von der Kanzel, die Weihnachtsgeschichte, das war’s. Bloß nichts Kritisches, man will den Leuten ja nicht das Fest versauen. Sonst kommen sie nächstes Jahr nicht wieder, also nächstes Jahr an Heiligabend wohlgemerkt.

In Buchholz ging man in diesem Jahr gar noch einen Schritt weiter. Nicht nur, dass man es unterließ, öffentlich zu kritisieren, dass das zweitwichtigste Hochfest der Christenheit zu einem einzigen Konsumzirkus verkommen ist – man gab sich als Schmiermittel für den Konsum her. Es kann nicht überraschen, dass es eine Freikirche war, die dies angeleiert hat: die Friedenskirche Buchholz. Die evangelikalen Kirchen sind besonders unkritisch und systemerhaltend, ein Hort der Heuchler.

Das Nordheide Wochenblatt berichtete unter der Überschrift „Flashmob in der Buchholz Galerie“, in dem Einkaufszentrum hätten sich rund 100 Sänger von Chören der Gemeinden St. Paulus, St. Johannis und der Friedenskirche versammelt und Weihnachtslieder gesungen. Die Idee habe Andreas Büttner von der Friedenskirche Buchholz gehabt, die Kantoren von Paulus und Johannis hätten gern mitgemacht. Büttner leitet in der evangelikalen Gemeinde an der Soltauer Straße ein Chorprojekt.

Also noch mal im Klartext: Statt sich vor die Galerie zu stellen und gegen die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes zu demonstrieren, begeben sich Chorleiter christlicher Gemeinden mit ihren Sängern in den größten Einkaufstempel der Stadt und verleihen dem Konsumrummel höhere Weihen. Für nächstes Jahr empfehle ich folgende Lieder: „Fröhlich soll die Kasse klingeln“ oder „O du fröhliche Einkaufszeit“.

Read Full Post »

Der buchholz express präsentiert einen Adventskalender, der den vielen Flüchtlingen gewidmet ist, die derzeit in unser Land kommen – ein „Advent Calendar for Refugees“. Dieser Kalender ist gestaltet als kleines Abc und soll den Flüchtlingen helfen, die deutsche Kultur, deutsche Traditionen und Sitten besser zu verstehen. Er will damit nicht nur unterhalten, sondern auch zur Integration seinen Beitrag leisten.

+++ 11 +++ Konsum

Der Konsumismus ist die neue deutsche Staatsreligion, die seit einigen Jahren das Christentum abgelöst hat (siehe dazu auch Tür 3). An so genannten verkaufsoffenen Sonntagen trifft sich die Gemeinde der Konsumidioten in den Kathedralen des Konsums (siehe dazu auch Tür 5), um ihr Allerheiligstes anzubeten, die Ware.

Das Hochfest des Konsumismus ist Weihnachten, das mehr als vier Wochen lang gefeiert wird. Zu den Ritualen des Festes gehört es unter anderem, sich mit berauschenden Getränken, zum Beispiel dem so genannten Glühwein, in einen ekstatischen Zustand zu bringen und gebratenes Geflügel zu verzehren, die so genannte Weihnachtsgans. Weihnachten ist aus den römischen Saturnalien hervorgegangen, bei denen ein „rex bibendi“ gekürt wurde, ein „König des Saufens“.

Konsum ist aber auch im Rest des Jahres die erste Bürgerpflicht. Wenn Ihr Euch also wirklich integrieren wollt, liebe Flüchtlinge, müsst Ihr das als Allererstes lernen.

Read Full Post »

Der buchholz express präsentiert einen Adventskalender, der den vielen Flüchtlingen gewidmet ist, die derzeit in unser Land kommen – ein „Advent Calendar for Refugees“. Dieser Kalender ist gestaltet als kleines Abc und soll den Flüchtlingen helfen, die deutsche Kultur, deutsche Traditionen und Sitten besser zu verstehen. Er will damit nicht nur unterhalten, sondern auch zur Integration seinen Beitrag leisten.

+++ 5 +++ Einkaufszentrum

Einkaufszentren sind große Gebäude, in denen sich mehrere Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsbetriebe unterschiedlicher Branchen befinden. Sie werden auch als Shopping Malls bezeichnet oder „Kathedralen des Konsums“, weil die Menschen dort „heilige Schauer“ angesichts des Glanzes der ausgestellten Ware empfinden. Einkaufszentren sind die wichtigsten Treffpunkte der Deutschen, dort vergessen sie ihre Sorgen und Ängste und fühlen sich geborgen und geschützt.

Wenn Ihr noch nicht in einem Einkaufszentrum wart, liebe Flüchtlinge, solltet Ihr das schleunigst nachholen. Es gibt kaum einen Ort, wo man die Eigenarten der Deutschen besser studieren kann. Der durchschnittliche Deutsche ist ein so genannter Konsumjunkie, das heißt, er muss regelmäßig shoppen, um sich wohl zu fühlen. Achtet mal auf die Augen der Leute, die geweiteten Pupillen – das ist typisch für einen Junkie, der dringend Stoff braucht.

Aber passt auf, liebe Flüchtlinge, dass Ihr nicht selbst den Verlockungen verfallt! Denn die Einkaufszentren können mit ihrer ganzen Pracht, ihren vielen Lichtern und der Überfülle jeden überwältigen. Im Handumdrehen ist man „drauf“ und kommt nicht wieder runter. Also, wenn Ihr der Sucht entsagen wollt, schreibt Euch folgendes auf: Konsum essen Seele auf!

Read Full Post »

DSC_2739Von Kristian Stemmler

Seit Montag gibt es kein Halten mehr. Aus einer gewissen Rücksichtnahme auf alte Traditionen heraus wird die Weihnachtsmaschinerie vor dem Totensonntag immerhin noch mit gebremstem Schaum hochgefahren. Aber spätestens am Montag danach wird Gas gegeben. Weihnachtsmärkte allerorten, Lichterketten in jedem Garten, Glühwein, rote Mützen und Weihnachtsbacken auf allen Kanälen. Es wird daher manchen überraschen, aber: Die Adventszeit hat noch gar nicht begonnen!

Wie ich in meinem kleinen Essay zum Ewigkeitssonntag bereits geschrieben habe, hat der Konsumismus längst den Platz des Christentums als Leitkultur hierzulande eingenommen. Das Wissen um christliche Traditionen und Rituale ist daher nur noch rudimentär vorhanden. Man kann ja schon froh sein, wenn die Leute noch halbwegs die Frage beantworten können, was Ostern gefeiert wird. Aber tiefer gehende Kenntnisse über die christlichen Grundlagen unserer Kultur sind nicht zu erwarten.

Es hat sich längst eingebrannt, dass die Woche mit dem Montag beginnt, ist dies doch der erste Tag der Arbeitswoche. Das ist inzwischen gar in einer internationalen Norm fixiert. Aber folgen wir alter christlich-jüdischer Überlieferung, und das tun wir ja, wenn wir Advent und Weihnachten feiern, müssen wir konstatieren: Die Woche beginnt mit dem Sonntag. Dieser Haltung neigt jedenfalls der Autor zu, in Kenntnis der jahrhundertelangen Diskussion um dieses Thema. Der Montag als Wochenanfang ist ein Tribut an die moderne Arbeitswelt und daher strikt abzulehnen.

Die Woche wird auch nach wie vor am Sonnabend eingeläutet, meist um 18 Uhr. Diese schöne Tradition hängt damit zusammen dass nach jüdischer Praxis die Tage von 18 bis 18 Uhr dauern. Dies wurde von den Christen in Teilen übernommen, so dass die erste Vesper, das erste Stundengebet, des Sonntags nach wie vor am Sonnabend um 18 Uhr beginnt. Selbst wenn man nicht gleich zum Beten eilt, so kann uns das Läuten am Sonnabend doch, sofern wir es noch wahr nehmen, daran erinnern, dass es im Leben nicht nur ums Arbeiten und Konsumieren geht.

Die Adventszeit beginnt also am 1. Advent, und wenn man das denn so annehmen mag, an dessen Vorabend, nämlich dem kommenden Sonnabend um 18 Uhr. Advent heißt übrigens soviel wie Ankunft und bezieht sich darauf, dass die Christen in den Tagen vor Weihnachten die Feier der Geburt Jesu erwarten. Die Adventszeit ist nach christlicher Tradition eigentlich, wie die Zeit vor Ostern, eine Fastenzeit, also eine Zeit des bewussten Verzichts und des Innehaltens.

Davon kann natürlich heute keine Rede mehr sein, weil der Advent inzwischen eher für die meisten Menschen hierzulande die stressigste Zeit des Jahres ist. Zugleich aber eine Zeit der Völlerei, in der man säuft und frisst, bis der Arzt kommt, um einmal ein wenig wie Luther zu formulieren. Das wird dann zu Weihnachten nahtlos fortgesetzt, wobei für die Masse der Bevölkerung dieses Fest spätestens am 27. Dezember beendet ist – und man sich auf den nächsten Anlass zum Saufen und Fressen vorbereitet…

Es gibt also keinerlei Gefühl und Bewusstsein mehr dafür, dass der Advent eine Zeit des Verzichts und der stillen Nachdenklichkeit, aber auch der Vorfreude und Vorbereitung ist, das am 25. Dezember stattfindende Weihnachten (Heiligabend ist ja nur der Vorabend von Weihnachten) und die nachfolgenden Tage aber eine Zeit der Erfüllung, der überschäumenden Freude sind. Auch dass die Weihnachtszeit bis Epiphanias, also dem 6. Januar, dauert, mancherorts gar bis zum 2. Februar, Mariä Lichtmess, interessiert kaum noch.

Generell ist jedes Verständnis für die Notwendigkeit von Rhythmus, von Wechsel verloren gegangen. Der Konsumismus macht aus unserer Kultur einen einförmigen ungenießbaren Brei. Das Negative lässt sich nicht vermarkten und wird aus dem Bewusstsein verbannt. Kaum jemand begreift noch, dass uns im Leben letztlich die „Grenzsituationen“, wie sie der Philosoph Karl Jaspers definierte, weiterbringen. Jaspers bezeichnete mit diesem Begriff Situationen, in denen der Mensch endgültig, unausweichlich und unüberschauar an die Grenzen seines Seins stößt. Es ist das angstvolle Erleben von Leid, Schuld, Schicksal, Kampf, Unzuverlässigkeit der Welt, Tod und das (kontingente) „In-Situation-Sein selber“.

Aus diesen Grenzsituationen gibt es nur dann eine Befreiung, so Karl Jaspers, wenn der Mensch sie annimmt und ganz bejaht. Dann ist die Erfahrung von Transzendenz möglich. Dazu sei ein Sprung erforderlich heraus aus der Verzweiflung und hin zum Selbstsein und zur Freiheit. Der Philosoph schrieb: „Der Ursprung in den Grenzsituationen bringt den Grundantrieb, im Scheitern den Weg zum Sein zu gewinnen.“

Karl Jaspers lieferte auch vor Jahrzehnten eine treffende Beschreibung der größten Gefahr unserer Zeit: „Aber wir dürfen erst recht nicht die Chiffer (das Symbol) der Wirklichkeit für leibhaftige Realität halten wie die Dinge, die wir fassen, mit denen wir hantieren und die wir verzehren. Das Objekt als solches für eigentliches Sein zu halten, das ist das Wesen aller Dogmatik, und die Symbole als materielle Leibhaftigkeit für real zu halten, ist insbesondere das Wesen des Aberglaubens. Denn Aberglaube ist Fesselung an das Objekt, Glaube ist Gründung im Umgreifenden.“

Und auch das schrieb Jaspers: „Wir haben nur eine Wirklichkeit, hier und jetzt. Was wir durch unser Ausweichen versäumen, kehrt nie wieder, aber wenn wir uns vergeuden, auch dann verlieren wir das Sein. Jeder Tag ist kostbar: ein Augenblick kann alles sein. Wir werden schuldig an unserer Aufgabe, wenn wir aufgehen in Vergangenheit oder Zukunft. Nur durch gegenwärtige Wirklichkeit ist das Zeitlose zugänglich, nur durch Ergreifen der Zeit kommen wir dahin, wo alle Zeit getilgt ist.“

Read Full Post »

Von Kristian Stemmler

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte… Ostern liegt gut eine Woche zurück und ist schon aus dem öffentlichen Bild fast vollständig verschwunden. Dass die Osterdekoration in den Läden entfernt wurde, ist ja noch nachvollziehbar, da es dort um den Verkauf von Ware geht. Aber auch die bunten Plastikeier, die bereits Wochen vor Ostern in vielen Gärten und auf Balkons hingen, sind bis auf wenige Ausnahmen abgeräumt worden.

Wo ist das Problem, sagen sich jetzt vermutlich die meisten Leser – und auch das zeigt nur, wie weit sich diese Gesellschaft von ihren Traditionen entfernt hat. Sie folgt den Imperativen des Konsums und keinen anderen. Alles Reden über die christliche Prägung dieses Landes ist leeres Geschwafel, es gibt kein „christliches Abendland“, das gegen eine angebliche Islamisierung verteidigt werden muss. Da gibt es nichts mehr, was noch zu verteidigen wäre.

Es fehlt jedes Wissen und jedes Verständnis der christlichen Traditionen. Denn sonst wäre allgemein bekannt, dass Ostereier am Ostersonntag aufgehängt werden als Ausdruck der österlichen Freude über die Auferstehung – und keinen Tag früher. Das entspricht der Logik dieses Festes. Aber die willenlose Mehrheit unserer durchformatierten Gesellschaft denkt und fühlt nur noch in den Rhythmen des Konsums und Eventgefeiere.

In allen Läden und auf allen Wellen wird Ostern in den Tagen vor dem Fest bis zum Gehtnichtmehr hochgefahren und ausgebeutet. Der Klimax ist an den Festtagen resp. kurz vorher gesetzt, danach fällt die Erregung steil ab. Raus mit dem Plunder! Dass die österliche Freudenzeit nach sechseinhalb Wochen Passions- bzw. Fastenzeit überhaupt erst am Ostersonntag begint und 50 Tage bis Pfingsten dauert, wer weiß das noch und wen interressiert das. Jetzt ist Grillsaison! Na, dann grillt mal schön!!

Read Full Post »

OsterdekoVon Kristian Stemmler

Eigentlich sollte der Karfreitag eher Carfreitag geschrieben werden, wie Witzbolde meinen, weil sich so mancher an diesem Tag ins Auto setzt, um über die Festtage wegzufahren. Das allerdings ist ein Witz mit ernstem Hintergrund. Denn tatsächlich ist Ostern, das höchste Fest der Christenheit, schon längst völlig heruntergekommen. Für die große Mehrheit bedeutet Ostern nur noch vier freie Tage, die ein willkommener Anlass sind, einen drauf zu machen, zu fressen und zu saufen (wie Luther es nennen würde). Mehr nicht.

Geradezu rührend muten vor diesem Hintergrund die Bemühungen von Kirchen und manchen Medien an, den Menschen zumindest die Basics östlicher Inhalte und Traditionen zu vermitteln. In Gemeindebriefen und Zeitungen wird erklärt, was an Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag nach biblischer Überlieferung geschehen ist, woher die Begriffe kommen, welche Rituale an diesen Tagen üblich sind. Das Nordheide Wochenblatt schrieb in der Osterausgabe zum Beispiel sehr ausführlich auf den Seiten eins und drei über Antependien (Altarbehänge), über liturgische Farben und ihre Bedeutung.

So ehrenwert dies alles sein mag, es ist im Grunde so unsinnig, als wolle man in einer Sauna einen Schneeball formen. Die Beobachtung, dass das Wissen um christliche Inhalte und Traditionen und das Interesse an ihnen, rapide abnimmt und dass man da was tun muss, ist sicher richtig. Aber so lange man nicht bereit ist, die Ursachen und Zusammenhänge tiefer zu analysieren, sie beim Namen zu nennen und das Übel dann auch bei der Wurzel zu packen – so lange wird man nicht wirklich etwas erreichen und diese Entwicklung nicht aufhalten können.

Dazu sind aber nicht einmal die Kirchen, die es ja nun am meisten angeht, bereit oder in der Lage. Dabei muss man doch nur mit offenen Augen durch die Welt gehen, um die Lage zu erkennen. Es ist überhaupt nicht zu übersehen, was unser Leben bis ins Kleinste und immer umfassender beherrscht und durchdringt. Das ist dieser außer Rand und Band geratene Turbokapitalismus oder sollte man eher von Konsumismus sprechen. Es gibt doch keinen Ort mehr, diesem durchgeknallten System zu entkommen.

Dass dieses System zu einer sozialen Spaltung führt, dass Arm und Reich immer mehr auseinanderdriften, ist ja nur die eine, gut sichtbare Seite. Schlimmer ist im Grunde, was kulturell passiert, was das System mit unserer Zivilisation macht. Es ist eine ungeheure Verrohung, die immer mehr voranschreitet und nicht aufzuhalten zu sein scheint. Die Gesellschaft wird emotional und kulturell entkernt, so dass am Ende nur eine Hülle übrig bleibt. Und konditionierte Konsumtenten, eine ideale Kundschaft.

Um uns dahin zu bringen, wird von Medien, Werbung und Unterhaltungsindustrie alles durch den Fleischwolf gedreht, dessen sie habhaft werden können. Sprache und Musik, Mythen und Geschichten, Traditionen und Rituale, die Schönheit der Natur, die Emotionalität menschlicher Beziehungen. Und natürlich bleibt die Religion nicht verschont, sondern wird als einer der stärksten Schwungräder benutzt. Das ist das Perverse: Werbung und Konsumindustrie wissen um die Kraft der großen christlichen Feste, die aus ihrer spirituellen Tiefe rührt, und beuten sie gnadenlos aus.

Bei diesem Prozess wird natürlich nur das benutzt, was für den Verkauf zu gebrauchen ist, alles andere wird ausgespieen. Von Ostern bleibt nur das Bunte, Niedliche, Fröhliche, die Eier und die Hasen und die ersten Narzissen. Das Sperrige, Traurige, Depressive, Dunkle, die Kreuzigung als Skandalon, als Ärgernis, hat da keinen Platz. In der schönen neuen Konsumwelt will man von Dergleichen nichts mehr wissen.

Wer an den Tagen vor dem Osterfest, ebenso wie an den Tagen vor Weihnachten, in eine beliebige Innenstadt zum Einkaufen geht, wird die große Hektik registrieren, die dort immer wieder herrscht, die Gereiztheit vieler Menschen. Diese Hektik hat im Grunde wenig damit zu tun, dass vielleicht noch so viel zu erledigen ist vor dem Fest und schon gar nicht damit, dass die Geschäfte mal zwei oder drei Tage lang hintereinander dicht sind. Man kann vielmehr vermuten, dass sich hier ein tiefes Unbehagen Bahn bricht, das nicht in Worte gefasst werden kann, und sich daher um so aggressiver und destruktiver äußert.

Kurz vor den Festen lässt sich, ob man nun Christ ist oder nicht, nur mit Mühe das Gefühl unterdrücken, wie flach und hohl dieses ganze Konsumieren, dieses ständige Gefeiere und Geschlemme in Wirklichkeit ist. Angesichts der unauslotbaren Tiefe dieser christlichen Hochfeste, die einmal den Tod und einmal die Geburt zum Mittelpunkt haben, angesichts ihrer spirituellen Dimension und ihres hohen Anspruchs kann diese Gesellschaft ihre ganze Oberflächlichkeit, Doppelbödigkeit und Orientierungslosigkeit eigentlich kaum mehr übersehen. Sie will sie aber übersehen, sie lässt sich das Feiern nicht verbieten.

Wenn die Kirchen ihre Botschaft ernst nehmen würden, müssten sie angesichts dieser Entwicklung auf allen Kanzeln die Sturmglocke läuten. Sie beschränken sich aber auf den Versuch, letzte Bastionen wie den Sonntag zu halten, und machen ansonsten mehr oder weniger murrend das Spiel mit. Man bietet den Leuten eine Church light, ein spirituelles Wellnesscenter, im besten Fall einen Rückzugsraum. Die Kirchen teilen offenbar die allgemeine Verwirrung. Sie halten einen Kompass in den Händen, den sie immer weniger lesen können.

Zum Beispiel die biblischen Propheten. Wenn man die aufschlägt, könnte man manches Mal meinen, sie hätten die heutige Situation im Auge. Natürlich mutet die Sprache vielen heute altertümlich an, aber sie ist kraftvoll und direkt. Erfrischend direkt. Deshalb kann man auch zu Ostern, auch wenn die Fastenzeit vorbei ist, gut einen Propheten lesen. Das hilft vielleicht doch ab und zu, die galoppierende kulturelle Erosion und die Blindheit der Menschen zu ertragen. Also, hier ein paar Sätze Micha:

„Ach, es geht mir wie einem, der im Weinberge nachliest, da man keine Trauben findet zu essen, und ich wollte doch gerne die besten Früchte haben. Die frommen Leute sind weg in diesem Lande, und die Gerechten sind nicht mehr unter den Leuten. Sie lauern alle auf Blut; ein jeglicher jagt den andern, daß er ihn verderbe, und meinen, sie tun wohl daran, wenn sie Böses tun. Was der Fürst will, das spricht der Richter, daß er ihm wieder einen Dienst tun soll. Die Gewaltigen raten nach ihrem Mutwillen, Schaden zu tun, und drehen’s wie sie wollen. Der Beste unter ihnen ist wie ein Dorn und der Redlichste wie eine Hecke. Aber wenn der Tag deiner Prediger kommen wird, wenn du heimgesucht sollst werden, da werden sie dann weder ein noch aus wissen.“

Read Full Post »

Von Kristian Stemmler

Aschermittwoch ist alles vorbei? Ich lach mich tot. Da fängt doch alles erst richtig an. Wir geben Gas, wir wollen Spaß! Die Jahreszeit ist uns egal. Ostereier im Januar, Lebkuchen im Spätsommer, Karneval das ganze Jahr, wunderbar! Wir feiern durch bis morgen früh!

Fastenzeit, was soll das denn sein! Wir sind doch keine Katholiken, selbst wenn wir in der Kirche sind, wir sind Konsumisten mit Herz und Hand. Verzicht ist das reinste Konjunkturgift und widerspricht der ersten Kundenpflicht: Kauft, was das Zeug hält! Also, Leute, nicht schlapp machen, fresst, sauft, feiert, konsumiert, als ob es kein Morgen gäbe!

Am Aschermittwoch war ich mal wieder im Alstertal Einkaufszentrum (AEZ), das vermutlich edelste von allen edlen Hamburger Einkaufszentren. Wie es da glänzt und leuchtet und glitzert, es ist eine Pracht! Und Klamotten gibt es da, vom Feinsten, sage ich Euch! Boss und Hollister und Barbour und Aigner und so weiter und so fort. Die allerheiligsten Marken!

Und die Leute, die da in den breiten Gängen herumflanieren, sie sind so elegant und distinguiert, das ist ein Wahnsinn. Pensionäre im Pelz mit eingefrorener Herrenmenschenmimik und geliftete Blondinen mit den leersten Gesichtszügen, die man sich vorstellen kann. Es ist wirklich kaum zu glauben!

In der Mitte der Gänge sind gastronomische Inseln, wo diese Leute sich zu einem Latte niederlassen, um die anderen zu beobachten und abzuschätzen. Da reden sie über das, was sie beschäftigt, also die anderen Reichen, die Eigentumswohnung, die sie sich kaufen wollen, eine Ledertasche, die sie unbedingt haben müssen, oder wie der Sohn sich bei seinem Auslandssemester macht. All soetwas.

Gehen Sie ruhig mal ins AEZ und schauen Sie sich das aus der Nähe an! Soviel Selbstzufriedenheit, Borniertheit und Beschränktheit haben Sie bestimmt noch nie auf einem Haufen gesehen. Die Gedanken dieser Leute, wenn man da von Gedanken sprechen kann, kreisen ausschließlich um ihre kleine Scheißluxuswelt. Von dem, was in dieser Gesellschaft weiter unten so abgeht, wissen die nichts – und wollen das auch gar nicht.

Sie haben wohl von weitem mal davon gehört, dass es Menschen gibt, die von einer Leistung leben müssen, die im Volksmund „Hartz IV“ genannt wird, aber das interessiert sie nicht wirklich. Wenn man bei Tom Tailor im AEZ steht, ist der Lidl in Billstedt so weit weg wie der Mars von der Erde – und die da beim Lidl einkaufen sind im Grunde so etwas wie verdammte Außerirdische.

Dass die Lidl-Kunden aus Billstedt im Grunde für den Luxus im AEZ büßen müssen, dass der Lidl also quasi die Kehrseite von Tom Tailor ist, auf diese Idee würden die Flaneure vom AEZ sicher nie kommen.

Read Full Post »

Prospekt Aldi 2Von Kristian Stemmler

Dass Dominosteine und Spekulatius schon im Frühherbst in den Supermärkten auftauchen, daran haben wir uns gewöhnen müssen. Auch dass wir bereits Wochen vor dem Fest mit Werbung für Tablets, Notebooks, Konsolen und anderen potenziellen Geschenken zugeballert werden, ist nicht neu. Kaum möglich, diesen Hype noch zu steigern, sollte man denken – aber die Konsumgüterindustrie findet immer noch etwas Neues, um Kasse zu machen!

In diesem Jahr soll offenbar die große Fresserei schon lange vor dem Fest eröffnet werden, frei nach dem Motto: Wir fressen durch bis Weihnachten! Deutschlands größter Discounter Aldi schickte in der vergangenen Woche Prospekte in die Haushalte, auf deren Vorderseite ein Teller mit Gänsebraten und Rotkohl abgebildet war, also ein typisches Weihnachtsessen – und das ganze drei Wochen vor dem Beginn der Adventszeit. Perverser geht’s nicht!

Im Inneren des Prospektes sind die entsprechenden Angebote zu finden, die Keule von der jungen Hafermastgans für 7,29 Euro, dazu Bio-Apfel-Rotkohl, Rösti-Ecken, Semmelknödeln und die Flasche Vino Rosso della Puglia. Natürlich gibt es auf den benachbarten Seiten Angebote für Spielzeug, Mikrowellen, Fritteusen und was man sonst so verschenken kann. Um die Stimmung abzurunden werden auch noch Räuchermännchen, LED-Acrylsterne und Teelichtpyramiden feilgeboten.

Dem Ganzen setzt ein zusätzlicher kleiner Prospekt die Krone auf, in dem Aldi unter der Überschrift „Genuss pur“ die Delikatessen seiner Marke „Freihofer Gourmet“ anpreist. Da gibt es den Sockeye Wildlachs für 3,79 Euro für 100 Gramm, die Meersalzbutter (1,99 Euro die Packung), das Wolfsbarschfilet (5,99 Euro für 400 Gramm), den Garnelenkranz (3,99 Euro die Packung) und den Brunello di Montalcino (12,99 Euro die Flasche. Zu alldem werden auch noch passende Rezepte dargeboten.

Ehrlich gesagt, mir wird speiübel, wenn ich das sehe! Hier geht es offenbar nur noch darum, dass wir uns vollstopfen und dass ein angenehmes Umfeld fürs Konsumieren geschaffen wird. Der Gänsebraten auf der Vorderseite soll sicher nicht dazu anleiten, jetzt schon das Essen für Heiligabend zu besorgen, sondern ist als Signal gedacht: Es geht los! Fangt an zu feiern! Wir sollen uns auf Weihnachtsmärkten die Kante geben, auf Betriebsfeiern die Wampe vollhauen und vor allem kaufen, kaufen, kaufen.

In dieser Gesellschaft geht es doch in Wahrheit nur noch ums Fressen, Saufen und Abfeiern, die Masse lebt besinnungslos, traditions- und geschichtsvergessen vor sich hin. Wer weiß denn noch, dass die Adventszeit ursprünglich eine Fastenzeit ist, die der Vorbereitung auf die Weihnachtszeit, der inneren Einkehr dienen soll? Und wen würde das noch interessieren?

Das Gerede über die abendländischen Werte, die unbedingt verteidigt werden müssen, ist vor diesem Hintergrund doch nur hohl und verlogen. Was soll denn da bitte verteidigt werden? Die verkaufsoffenen Sonntage? Unser unveräußerliches Recht, in den nächsten Media Markt zu laufen, um den neuesten Flachbildfernseher zu kaufen?

Read Full Post »

Older Posts »