Mit ‘Jan Krüger’ getaggte Beiträge

Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Still ruht der See. Im Seppenser Mühlenteich wird erst mal nicht mehr gesucht.

Von Kristian Stemmler

Bei der Polizeiinspektion Harburg ließ man am Freitag quasi die Jalousien herunter. Die Pressestelle mailte eine kurze Notiz an die Medienvertreter, sie sei an diesem Tag nicht besetzt, man möge sich bei Anfragen zu aktuellen Ereignissen an die örtlich zuständigen Dienststellen richten. Nach vier Tagen erfolgloser Suche nach Sylvia und Miriam Schulze aus Drage im und am Seppenser Mühlenteich, nach ebenso langer intensiver Medienbegleitung, wollte man sich offenbar erst einmal eine Atempause verschaffen.

Anfang der Woche war der Optimismus noch groß gewesen bei der „Soko Schulze“ der Polizeiinspektion Harburg. Als am Montag ein Spürhund die Spuren der vermissten Sylvia und Miriam und die des Familienvaters Marco nahe des Seppenser Mühlenteichs aufgenommen und bis zum Teich verfolgt hatte, schien der Durchbruch nah. Die Spuren von Mutter, Vater und Tochter führte zum Teich, wieder weg aber nur die des Vaters. Zwei weitere Hunde bestätigten die Spuren.

Für die Soko Schulze stand damit so gut wie fest, dass die Leichen von Sylvia und Miriam Schulze nur im Mühlenteich oder im angrenzenden Wald zu finden sein können. Noch am Montag begannen die Suchmaßnahmen. Taucher durchsuchten einen Teil des Teichs, wobei sie den Grund wegen der morastigen Beschaffenheit abtasten mussten. Aus Emden wurde ein Sonarboot angefordert, das mit seiner auf Schallwellen basierenden Technik 17 Auffälligkeiten im Teich entdeckte.

Auch am Mittwoch rückten 60 Beamten der Bereitschaftspolizei aus Lüneburg in Seppensen an. Sie durchsuchten etwa acht Stunden die Umgebung des Mühlenteichs intensiv, ohne jedes Ergebnis. Am Donnerstag rückten erneut sechs Polizeitaucher an. Sie untersuchten die 17 auffälligen Stellen, die das Sonarboot aus Emden entdeckt hatte. Auch das hatte kein Erfolg, die Auffälligkeiten erwiesen sich als Baumstämme oder ähnliches.

Für Beobachter überraschend verkündete die Polizeiinspektion dann am Donnerstag, sie beende die Suchmaßnahmen in Seppensen. „Für die Polizei gibt es damit derzeit keine Anhaltspunkte, die weitere Suchmaßnahmen möglich machen würden“, heißt es in der Mitteilung, „Die Beamten der Soko Schulze arbeiten nun die noch offenen Spuren ab. Eine heiße Spur ist aber nicht darunter.“

Überraschend ist diese Mitteilung, weil es noch in der Mitte der Woche noch hieß, es sei quasi gesichert, dass die Leichen von Sylvia und Miriam im oder am Seppenser Mühlenteich zu finden seien. Eventuell hat Marco Schulze sie so gut versteckt, dass eine Entdeckung schwer ist. Bei seinem Selbstmord hatte er sich selbst mit einem Betonklotz beschwert, um in der Elbe nicht entdeckt zu werden. Offenbar wollte er nicht, dass seine und die Leichen seiner Frau und Tochter gefunden werden. Für ein Familiendrama eher ungewöhnlich.

Fernsehsendern gegenüber erklärte Jan Krüger, der vielbeschäftigte Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, am Montag werde man sich wieder zusammensetzen und über das weitere Vorgehen beraten. Dabei solle es auch darum gehen, ob die Ermittlungen noch von einer Sonderkommission geführten werden müssten.

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Von Kristian Stemmler

Eine Entenmutter verlässt mit ihren Küken das schützende Schilf, über dem Seppenser Mühlenteich steigt Dunst auf. Eigentlich ist es an diesem regnerischen Abend ganz idyllisch an dieser ruhigen Ecke von Holm-Seppensen. Oder besser gesagt: Es wäre idyllisch, wenn da nicht die vielen Polizisten wären, die vielen Kamerateams und Reporter. Sie sind gekommen wegen einer sensationeller Wende im Fall Schulze, der seit Wochen bundesweit für Schlagzeilen sorgt: Der Fall der Ende Juli verschwundenen Familie aus Drage hat Buchholz erreicht.

Noch wagt es niemand ganz offen auszusprechen, natürlich auch nicht Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, der quasi von Amts wegen zu vorsichtigen Statements verpflichtet ist. Aber folgende Hypothese wird immer wahrscheinlich: Familienvater Marco Schulze (41) ist möglicherweise mit seiner Frau Sylvia (43) und der gemeinsamen Tochter Miriam (12) unter einem Vorwand nach Holm-Seppensen gekommen, hat sie am Ufer des Seppenser Mühlenteichs getötet und die Leichen in dem Gewässer verschwinden lassen.

Vieles spricht für ein solches Szenario. Aber an diesem Montagnachmittag steht erst einmal die Suche nach Mutter und Tochter im Mittelpunkt. Vier Polizeitaucher aus Braunschweig sind nach Buchholz gekommen und suchen seit etwa 16 Uhr den Mühlenteich ab. Zwei Beamte fahren mit einem Schlauchboot das gesamte Ufer ab und suchen dort nach den vermissten Frauen. Insgesamt hat die Polizei rund 35 Beamte im Einsatz.

Warum aber sollte Marco Schulze seine Familie nach Holm-Seppensen gebracht haben, eine Dreiviertelstunde Autofahrt von Drage entfernt? „ Die Familie hatte einen Bezug in die Region. Mehr kann ich dazu nicht sagen“, erklärt Jan Krüger, der Sprecher der Polizeiinspektion Harburg. Schon in der ersten Woche nach dem Verschwinden gab es dazu einen anonymen Hinweis an die Polizei. Nachdem über den Fall Schulze in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy…ungelöst“ berichtet wurde, meldete sich die Zeugin erneut und sagte aus, sie kenne die Familie Schulze und habe sie am 22. Juli auf einem Wanderweg in Holm-Seppensen gesehen.

Da klingelten bei den Ermittlern natürlich die Alarmglocken. Denn am 23. Juli, also einen Tag später, war Marco Schulze das letzte Mal gesehen worden. Er wurde am 31. Juli in Lauenburg tot aus der Elbe gezogen. Mit einem Betonklotz, den er am Körper festgebunden hatte, war Schulze von einer Elbbrücke ins Wasser gesprungen. Der Fund seiner Leiche sorgte bei aller Tragik für erste Klarheit: Wie vermutet, hatte sich ein Familiendrama abgespielt. Doch Mutter und Tochter blieben verschwunden.

„Aktenzeichen xy…ungelöst“ sorgte offenbar für einen neuen Schub in dem Fall. Nach dem Hinweis der Zeugin setzte die Polizei in Holm-Seppensen erfolgreich einen Mantrailer-Hund ein, also einen Spürhund, der Spuren lebender Menschen verfolgt. Er nahm an der Stelle, an der die Zeugin die Familie gesehen hatte, die Witterung auf und führte die Polizei an das Nordostufer des Seppenser Mühlenteichs. Das war der Startschuss für den Einsatz der Polizeitaucher, der heute nachmittag begann.

Natürlich waren auch die Medien sofort zur Stelle, da der Fall Schulze immer noch die Öffentlichkeit im ganzen Land beschäftigt. Am Südwestufer des Mühlenteichs, unweit der verfallenen Mühle hatten Krüger und ein Team einen kleinen Platz für die Presse freigehalten, wo ein halbes Dutzend Kamerateams, Reporter von Rundfunk und Presse ihr Zelt aufschlugen. RTL kam gar mit einem Übertragungswagen an den idyllischen Mühlenteich. Auch das NDR Fernsehen berichtete live.

Jan Krüger stand wie in den vergangenen Wochen wieder geduldig Rede und Antwort. Seit Wochen ist er auf allen Kanälen zu sehen. Auf die Frage, wie viele Interviews er zum Fall Schulze inzwischen gegeben hat, zuckt er nur die Schultern. Über mögliche persönliche Hintergründen des Familiendramas will oder kann er nichts Konkretes sagen. Seine Äußerungen lassen allerdings den Schluss zu, dass es wohl keinen ganz eindeutigen Auslöser gab wie in anderen Fällen.

Ob sich die Hintergründe des Dramas also jemals aufgeklärt werden bzw. ob das überhaupt in die Öffentlichkeit gehört, muss offen bleiben. Nach dem Stand der Dinge leben aber Sylvia und Miriam Schulze nicht mehr. Dass Marco Schulze einen Tag vor seinem Verschwinden mit ihnen am Ufer des Seppenser Mühlenteichs gewesen ist, lässt kaum einen anderen Schluss zu. Am Abend sollte der Einsatz der Taucher abgebrochen werden, um gegebenenfalls am Dienstag fortgesetzt zu werden – dann wird es vielleicht schon endgültige Klarheit geben.

Buchholz (qu) – Sensationelle Wende im Fall Schulze, der seit Wochen bundesweit Schlagzeilen macht: Die Spur der Familie aus Drage, die Ende Juli verschwand, führt nach Buchholz! Seit heute nachmittag suchen vier Polizeitaucher den Seppenser Mühlenteich ab, in dem die Leichen von Sylvia Schulze (43) und der Tochter Miriam (12) liegen könnten. Zuvor hatte die Polizei einen Hinweis auf Holm-Seppensen bekommen. Heute suchte daraufhin ein Spürhund die Gegen ab und fand Lebendspuren von Mutter und Tochter, die zum Ufer des Teiches führten.

Die Zeugin, die den Hinweis gab, hatte sich bereits in der ersten Woche nach dem Verschwinden der Schulzes anonym gemeldet. Nachdem über den Fall in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen xy…ungelöst“ berichtet wurde, meldete sie sich erneut bei der Polizei und gab an, die dreiköpfige Familie am 22. Juli auf einem Wanderweg in Holm-Seppensen gesehen zu haben. Einen Tag später war der Vater (41) das letzte Mal gesehen worden, er nahm sich mit einem Sprung in die Elbe das Leben.

„Die Schulzes hatten einen familiären Bezug zur Region“, sagte Jan Krüger, Pressesprecher der federführenden Polizeiinspektion Harburg dem querschläger. Mehr wolle er dazu nicht sagen. Ein längerer Bericht mit weiteren Einzelheiten folgt demnächst.

Laut Impressum wohnt Denny Reitzenstein am Gordon Drive in Arizona.

Laut Impressum wohnt Denny Reitzenstein am Gordon Drive in Arizona – oder doch nicht?

Von Kristian Stemmler

Nazis haben doch keinen Humor. Vor kurzem hatte der querschläger dies noch vermutet, da der Buchholzer Nazi-Kader Denny Reitzenstein den Autor dieses Beitrags wegen Zeigens eines kleinen Hakenkreuzes auf einer nazi-kritischen Karikatur aus den 40ern angezeigt hatte. Doch Reitzenstein und seine Kumpane meinten es offenbar ernst. Sie wollten vorführen, dass „das System“ mit zweierlei Maßstäben misst. Das ist nun wirklich lächerlich!

In einem Beitrag auf der von Reitzenstein betriebenen Homepage seiner Aktionsgruppe (AG) Nordheide heißt es: „Würde ein Nationalist, Patriot oder ein normaler Bürger ein verbotenes Symbol verwenden, egal in welcher Form, müsste derjenige mit einer harten Strafverfolgung rechnen. Aber das System erlaubt den Gutmenschen das Verwenden von verfassungswidrigen Symbolen, da hierdurch das antideutsche Verhalten präsentiert wird.“

Mal abgesehen davon, dass das sprachlich etwas unbeholfen daher kommt, ist es inhaltlich kompletter Blödsinn. Wenn eine Nazi-Gruppierung Hakenkreuze zeigt, um den Nationalsozialismus zu verharmlosen oder zu verherrlichen, ist es ja wohl etwas ganz anderes, als wenn eine zeitgenössische Karikatur gezeigt wird, auf der ein Hitler mit einem Hakenkreuz am Ärmel von drei Soldaten, die die Alliierten Sowjetunion, USA und Großbritannien darstellen sollen, in den Staub getreten wird. So sah es, wie berichtet, auch die Staatsanwaltschaft Stade.

Im Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide wird noch bemängelt, dass ich einen Mobilisierungsaufruf im Internet gegen den „Tag der Patrioten“ am 12. September, an dem Hooligans und Nazis in Hamburg auflaufen wollen, zitiere. Warnend heißt es da: „Auch an dieser Stelle möchten wir Kristian Stemmler raten, dass er in Zukunft darauf zu achten hat, was er von sich gibt. Denn eines Tages wird er nicht straffrei davon kommen und für sein Handeln strafrechtlich belangt werden!“

Da bewegt sich jemand auf dünnem Eis, oder? Denn die Seite, auf der dieser Beitrag erscheint, glänzt seit Monaten immer wieder mit volksverhetzenden Artikeln, in denen vor allem gegen Flüchtlinge agitiert wird. Und Reitzenstein bekennt sich sogar zu seiner Homepage, hat er doch tatsächlich ein Impressum eingefügt, in dem er namentlich als Betreiber der Seite genannt ist. Allerdings ist er offenbar umgezogen…

Denn als Adresse gibt Reitzenstein nicht seine tatsächliche Adresse in Buchholz an, sondern eine in den USA, nämlich 619 E Gordon Drive in Mohave Valley, Arizona. Wenn er da jetzt wohnt, möchte ich ihn an dieser Stelle beglückwünschen. Wie im Internet zu besichtigen ist, ist der Gordon Drive eine ruhige Wohnstraße mit Palmen drumrum und einstöckigen weißen Häusern, vor denen Pickups parken. Nicht schlecht!

An der angegebenen Adresse wohnen allerdings laut Internet die Carsons, ein junges Paar. Vielleicht ist Reitzenstein da einfach noch nicht nachgetragen worden. Und sein Nazikumpel Jörn G. aus Lübeck offenbar auch nicht. Der wohnt da nämlich auch, wenn man dem Impressum der von Gronemann betriebenen Homepage maulwurfeninfo („frei, sozial, national“) glauben will.

Aber ganz im Ernst: Da hat wohl einer vom anderen abgeschrieben. Oder die Carsons sind nette Kumpels, die ihre Adresse für die deutschen Freunde bereit stellen. Wie dem auch sei, das Impressum auf der Seite der AG Nordheide muss man als Verhöhnung der Behörden verstehen. Denn der Server, auf dem die Seite läuft, befindet sich auch in den USA, und es dürfte nicht ganz einfach sein, die Seite zu schließen.

Allerdings wäre es ja durchaus machbar, gegen Denny Reitzenstein resp. gegen die Homepage wegen Volksverhetzung zu ermitteln. Die Staatsschutzabteilung der Polizeiinspektion Harburg hat die Seite auch durchaus im Auge, wie Jan Krüger, Pressesprecher der Polizeiinspektion dem querschläger bestätigte. Wenn sich Anhaltspunkte für Volksverhetzung oder andere Delikte ergäben, werde auch ermittelt. Eine andere, eher strategische, Frage ist es natürlich, ob es aus Sicht der Behörde mehr Sinn macht, Reitzenstein schreiben zu lassen, um daraus Informationen zu ziehen, was die Nazis in der Region so treiben und denken (soweit man da von denken reden kann…).

Denn dass aus den entsprechenden Kreisen doch mal einer auf die Idee kommen könnte, den Worten strafbare Taten folgen zu lassen, ist nicht ausgeschlossen. Die Zahl der Objekte, die für die Nazis in Frage kommen, steigt ja nun mal an. Zuletzt erwähnte die Homepage von Reitzenstein die geplante Flüchtlingsunterkunft an der Buchholzer Straße An Boerns Soll. Dort in der Nähe sei ein „Nationalist“ Mitte Juni nachts von mehreren Personen der Antifa, die dort „patrouilliert“ hätten, verprügelt worden.

Jan Krüger von der Polizeiinspektion erklärte gegenüber dem querschläger, dass keine entsprechende Anzeige eingegangen sei. Es fragt sich also, ob der Vorfall sich tatsächlich ereignet hat, und wenn ja, warum der Geschädigte dann keine Anzeige erstattet hat. Reitzenstein und seine Kumpanen erklären am Ende des entsprechenden Beitrags jedenfalls, dass man die Sache nicht auf sich beruhen lassen werde. Es lohnt sich also weiterhin, wachsam zu bleiben!

Screenshot proTostedtVon Kristian Stemmler

Um den Ruf von Flüchtlingen zu beschädigen und Öl ins Feuer der ohnehin aufgeheizten Diskussion zu dem Thema zu gießen, ist manchen Leuten offenbar inzwischen jedes Mittel recht. Nach Recherchen des buchholz express haben Unbekannte Ende Februar einen Polizeieinsatz in der Unterkunft für Asylbewerber am Elsterbogen in Tostedt provoziert – vermutlich nur um Fotos von Streifenwagen und Polizisten vor Ort zu bekommen und hinterher über den Einsatz öffentlich spekulieren zu können.

Der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Jan Krüger, bestätigte dem buchholz express, dass in der Nacht zum 26. Februar ein Anrufer gemeldet habe, es komme zu Ausschreitungen in der Unterkunft am Elsterbogen. Gleich mehrere Streifenwagen rückten an, doch als die Polizeibeamten die Unterkunft betraten, trafen sie auf völlig überraschte Bewohner. „Es war nichts vorgefallen“, sagte Krüger. Dafür mussten die Beamten feststellen, dass sie von einem Unbekannten außerhalb der Unterkunft fotografiert wurden.

„Wir vermuten, dass Gegner der Asylbewerberunterkunft den Einsatz provoziert haben, um ein falsches Bild der Zustände dort in der Öffentlichkeit zu erzeugen“, so der Polizeisprecher. Die Personalien des Mannes, der fotografiert hat, wurden aufgenommen, nachgewiesen konnte ihm eine Beteiligung an dem Fake-Einsatz aber nicht. Wer bei der Polizei angerufen hat, ist unklar. Man kann davon ausgehen, dass der Täter so schlau war, ein Handy mit Prepaidkarte oder eine Telefonzelle zu nutzen.

Es liegt nahe, dass der provozierte Einsatz Material für den neuen rechten Blog „proTostedt“ liefern sollte, der vor kurzem an den Start ging (der buchholz express berichtete). Denn die angeblichen Auseinandersetzungen in der Unterkunft waren gleich Thema des ersten Beitrags des Blogs, der wahrheitswidrig behauptet, in der Nacht auf den 26.2.15 sei es dort zu „Ausschreitungen“ gekommen. Einige Bewohner hätten randaliert, nach Angaben von Anwohnern habe in der Unterkunft „eine sehr aggressive Stimmung“ geherrscht.

Der Vorgang zeigt, dass Rechte und Rechtspopulisten mit allen Mitteln Unruhe und Angst erzeugen und das Flüchtlingsthema hochjazzen wollen. Das Ziel ist eindeutig, die Flüchtlinge, die in zunehmender Zahl den Landkreis erreichen, mit Kriminalität, Vandalismus und Verschmutzung in Verbindung zu bringen. Leider ist zu befürchten, dass diese Strategie in Teilen der Bevölkerung erfolgreich sein könnte.

Polizeisprecher Krüger machte deutlich, dass die Unterkünfte der Asylbewerber im Landkreis keine Einsatzschwerpunkte seien. Es komme sicher auch mal zu Ruhestörungen oder vereinzelt zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern, aber dies seien Einsätze, wie sie auch jede Woche unter Beteiligung deutscher Staatsbürger ausgelöst würden. Der buchholz express meint dazu: Jedes Schützenfest produziert vermutlich mehr Einsätze als alle Flüchtlingsunterkünfte zusammen…

Von Kristian Stemmler

Fühlte er sich bedroht? Drehte er deshalb durch? Der Amokfahrer aus Boizenburg, der im Winsener Ortsteil Stöckte am Rosenmontag zwei Männer (47 und 58) angefahren und verletzt hat, ist offenbar psychisch krank. Das sagte der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg, Jan Krüger, dem NDR. Der 44-Jährige sei in der Psychiatrie untergebracht worden. Morgen soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Am frühen Nachmittag war der Mann am dem Sportplatzweg in Stöckte auf eine Gruppe von rund 50 Mitgliedern des Vereins Faslamsbrüder Stöckte getroffen, die zum traditionellen „Schnorren“ aufgebrochen waren. Dabei werden auch Autos angehalten, um die Insassen zu kleinen „Spenden“ zu animieren.

Das Nordheide Wochenblatt stellt den Ablauf so dar: „Als der Pkw Skoda des Boizenburgers die Straße entlang kommt, setzten sich vier Narren auf die Fahrbahn, um den Mann auszubremsen und um eine Spende anzubetteln. Nach Polizeiangaben bremste der Mann zunächst scharf vor der Gruppe ab. Dann hat er ein Stück zurückgesetzt, wieder Gas gegeben und hat zwei mit ihrem Bollerwagen am Fahrbahnrand stehende Narren umgefahren.“

Ein Verletzter wurde mit dem Rettungshubschrauber abtransportiert, der andere mit einem Rettungswagen. Zum Glück seien die Verletzungen weniger schlimm als befürchtet, erklärte Jan Krüger im NDR. Beide Verletzten seien außer Lebensgefahr.

Nach dem Unfall blieb der Täter regungslos in seinem Fahrzeug sitzen. Zeugen zogen den Amokfahrer aus seinem Fahrzeug und hielten ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Die Stöckter Faslamsbrüder sagten eine für Montagabend geplante Veranstaltung ab. Der Festball am heutigen Fastnachts-Dienstag und der Aschermittwochs-Frühschoppen finden nach Absprache mit den Familien der verletzten Faslamsbrüder aber statt. Der Verein stellte folgende Erklärung auf seine Homepage:

„Liebe Faslamsbrüder, liebe Stöckter, Faslamsbegeisterte und Freunde! Wir sind erschrocken über die gestrigen Vorkommnisse. Vielen Dank für Eure Unterstützung, Anteilnahme und Genesungswünsche. Wir stehen in engem Kontakt mit den Betroffenen und ihren Familien, und können daher mit großer Erleichterung mitteilen, dass es den beiden Verletzten den Umständen entsprechend gut geht. In Absprache und auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen werden daher keine weiteren Veranstaltungen abgesagt. Wir sind in Gedanken bei allen Betroffenen und freuen uns auf einen gemeinsamen Ausklang der Faslamszeit mit Euch.“

Der Faslam-Umzug in Stöckte gilt als einer der größten in Norddeutschland. Vom 1. bis zum 5. März feiern hier die Jecken. In diesem Jahr ist die Freude getrübt.

AG Nordheide Asylbewerber 1Von Kristian Stemmler

Nach dem Auftritt einer Gruppe von Neonazis vor dem Gedenkstein auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus in der Silvesternacht (der blog berichtete) ermittelt jetzt die Polizei. „Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet“, bestätigte Jan Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg dem buchholzblog. Zu der Frage, ob nach Einschätzung der Polizei Aktionen der Neonazis gegen Asylbewerber zu befürchten sind, wollte sich Krüger mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Wie die neuesten Aktivitäten auf der Homepage der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, die vom Buchholzer Neonazikader Denny Reitzenstein und seinem Umfeld betrieben wird, zeigen, versuchen sie jedenfalls die verstärkte Zuwanderung von Asylbewerbern im Landkreis zu nutzen, um Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Unter der Überschrift „Stoppt den Flüchtlingsstrom!“ hetzen die Neonazis gegen Asylbewerber und andere Migranten und versuchen Ängste vor „Überfremdung“ zu schüren.

„Buchholz wird zum Sammelbecken etlicher Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge“, heißt es in dem Beitrag. Dann werden Unterkünfte für Asylbewerber und Migranten an der Bremer Straße, der Hermann-Stöhr-Straße, der Rütgersstraße und am Fischbüttenweg erwähnt und Zahlen der Zuwanderer in Stadt und Landkreis aufgeführt. „Im Landkreis Harburg leben 245.000 Menschen, davon sind alleine 11.000 Menschen (4,5 Prozent) nicht deutscher Herkunft und kommen aus mehr als 140 verschiedenen Nationen. Die Tendenz in den nächsten Jahren wird noch weiter nach oben steigen, so dass sich der Anteil von nicht deutscher Bürger im Landkreis vervielfacht.“

Die Neonazis scheuen auch nicht davor zurück, die aus der NS-Zeit bekannte Assoziierung von Menschen mit Ungeziefer und Müll zu inszenieren. „Wenn noch mehr Asylbewerber und „Kriegsflüchtlinge“ nach Buchholz kommen, wird das schöne Stadtbild verschandelt“, schreiben sie, „denn wenn man sich zum Beispiel die Asylunterkunft in der Rütgersstraße anschaut, dort sieht es aus wie auf einer Müllhalde, da sich der Müll auf den Grundstück stapelt.“

So könne es bei allen Unterkünften aussehen und das schade nicht nur dem Stadtbild, „sondern es zieht auch Ungeziefer, wie zum Beispiel Ratten an“. Und weiter: „Durch die Asylbewerber und Flüchtlinge steigt die Kriminalität, das sieht man schon in anderen Städten wo solche Unterkünfte entstanden sind, da die Fremden sich nicht an die deutsche Kultur und sich an unsere Gegebenheiten anpassen wollen.“

Dann wird es endgültig skurril: „Wenn man zum Beispiel nach Berlin schaut, wird durch die Fremden das christliche Fest Weihnachten verboten und in Kiel darf in einem Kindergarten keine Currywurst mehr gegessen werden. Es verstoße gegen die Kultur der Fremden. Wir wollen unsere Kultur bewahren und schützen, deshalb sind wir gegen diese Kulturbereicherung der BRD GmbH und deren Politiker.“ Der hetzerische Text schließt mit der Aufforderung: „Überfremdung stoppen!“

Nach Einschätzung der Behörden ist die Buchholzer Neonaziszene überschaubar. Auszugehen ist von einer Handvoll oder einem Dutzend Aktivisten, deren Kopf offenbar Reitzenstein ist und die der Polizei zum größten Teil namentlich bekannt sind. Allerdings kann natürlich auch von einer relativ kleinen Gruppe Gefahr ausgehen. Ob die Buchholzer Neonazis tatsächlich planen, Asylbewerber oder deren Unterkünfte zu attackieren, ist schwer zu beurteilen. Es ist aber sicher nicht falsch, wachsam zu bleiben.