Mit ‘Jan Bock’ getaggte Beiträge

Der grüne Buchholzer Ratsherr und Archäologe Jan Bock hat zusammen mit seiner Kollegin Sonja Nolte das erste Fachbüro für archäologische Dienstleistungen im Landkreis Harburg gegründet. Damit reagieren die beiden Archäologen auf die Entwicklung, dass Grabaufträge im Zuge von großen Baumaßnahmen meistens als Gesamtleistungen für Fachunternehmen ausgeschrieben werden. Im Interview mit dem buchholzblog erläutern Jan und Sonja, welche Dienstleistungen ihr neues Büro genau anbietet (weitere Infos auf der Homepage http://www.archaeologie-nordheide.de).

Jan und Sonja, Ihr habt jetzt das erste Fachbüro für archäologische Dienstleistungen im Landkreis Harburg gegründet. Wie kam es dazu?

Jan: Der Bedarf an privaten archäologischen Fachfirmen nimmt immer noch zu. Einerseits ist seit der letzten Novellierung des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes die Erfordernis und Kostenübernahme archäologischer Rettungsmaßnahmen besser geregelt worden – andererseits wird es für die zuständigen behördlichen Denkmalpflegestellen (zum Beispiel eine Kreisarchäologie) zunehmend schwieriger, freiberufliches Personal schnell und flexibel für Projekte „einzukaufen“.

Was sind die archäologischen Dienstleistungen, die Ihr anbietet?

Sonja: Alles von der Beratung von Bauherren, über einfache Flächenprospektionen bis hin zur kompletten Ausgrabung mit allem drum und dran. Darüber hinaus bieten wir auch noch spezielle Leistungen, wie beispielsweise das Transkribieren alter Schriften (Fraktur, Sütterlin) oder das Aufnehmen und Katalogisieren von (privaten) Sammlungen an.

Wie muss man sich Euer Vorgehen konkret vorstellen? In welchen Fällen werden archäologische Fundstellen vermutet?

Jan: Ob in einem Baugebiet archäologische Fundstellen bereits bekannt, zu vermuten oder möglich sind, prüft der zuständige Stadt- oder Kreisarchäologe und formuliert entsprechende Auflagen, die dann in die Baugenehmigung übernommen werden. Solche Auflage besagen zum Beispiel, ob eine Ausgrabung erforderlich ist und in welchem Umfang. Der Bauherr kann sich dann zur Erfüllung dieser Auflagen eine Grabungsfirma suchen, deren Arbeit aber unter fachlicher Aufsicht der Kommunalarchäologie steht.

Sonja: Bei größeren Vorhaben werden zumeist erst Suchgräben angelegt. Anhand der Menge, der Art und der räumlichen Verteilung der darin entdeckten archäologischen Funde und Befunde, das sind in erster Linie Verfärbungen im Boden, die zum Beispiel von Pfostenlöchern, Feuerstellen oder Gräbern herrühren, wird dann der Umfang und der räumliche Ablauf der Grabung festgelegt.

Sind archäologische Untersuchungen bei bestimmten Bauvorhaben gesetzlich vorgeschrieben?

Jan: Ja! Die Beteiligung der Archäologie im Zuge eines Baugenehmigungsverfahrens ist vorgeschrieben und entsprechende Auflagen werden Bestandteil der Baugenehmigung. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz regelt außerdem, dass der Verursacher die erforderlichen archäologischen Rettungsmaßnahmen finanzieren muss.

Was für Funde sind es, mit denen man in unserer Gegend in der Regel rechnen kann? Aus welcher Zeit kommen die meisten Fundstücke?

Jan: Grundsätzlich sind bereits im Raum Buchholz (allein hier sind etwa 600 archäologische Fundstellen bekannt!) alle Zeitstellungen vertreten – von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter und schließlich auch Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Grunde auch zu Bodendenkmälern gezählt werden können.

Welche Kosten entstehen für Eure Dienstleistungen in etwa?

Sonja: Das lässt sich pauschal nicht sagen, da dies insbesondere bei Prospektionen und Ausgrabungen von verschiedenen Faktoren abhängt: Größe der Fläche, Bodenbeschaffenheit, Anzahl und Beschaffenheit der archäologischen Befunde, Anzahl der eingesetzten Personen, Zeitdruck des Bauherren…

Jan: Letztlich sind es für Bauherren und Investoren aber überschaubare Kosten, an denen kein Bauvorhaben scheitern würde… Im Übrigen können wir als Firma durchaus flexibel agieren: Wir könnten auf der gleichen Fläche nur mit einer kleinen Kernmannschaft deutlich länger graben oder aber mit hohem Personaleinsatz und langen Arbeitszeiten möglichst schnell arbeiten – je nachdem, ob Zeit oder Geld der entscheidende Faktor für den Auftraggeber ist.

Wen habt Ihr als Auftraggeber im Auge?

Sonja: Alle, die eine Ausgrabung durchführen lassen müssen! Natürlich in erster Linie Bauunternehmer.

Was sind das für Bauvorhaben, bei denen Archäologen zum Zuge kommen? Könnt Ihr theoretisch auch von Bauherren von Einzelhäusern beauftragt werden oder ist das eher unüblich?

Jan: Letzteres ist eher unüblich. Da es sich hierbei meist um kleine Flächen handelt, werden notwendige Rettungsmaßnahmen, falls sie denn erforderlich sind, zumeist von den jeweiligen Kommunalarchäologien in Eigenregie durchgeführt und sind in den allermeisten Fällen auch in wenigen Tagen erledigt…

Sonja: Wir übernehmen eher die größeren Ausgrabungen und die erfolgen auf entsprechend größeren Flächen – vor dem Bau von Biogasanlagen, von Gewerbeflächen oder Straßen, wie bei dem Neubau der B75 als Ortsumfahrung Dibbersen.

Was habt Ihr bisher beruflich gemacht?

Jan: Diverses… Während meines Studiums habe ich unter anderem als studentische Hilfskraft, als Researcher („Headhunter“) für ein Personalberatungsunternehmen und als Mitarbeiter in einer Anwaltskanzlei gearbeitet – außerdem natürlich auf verschiedenen archäologischen Ausgrabungen, auch in Ägypten.

Sonja: Ebenfalls Ausgrabungen, allerdings (bisher!) nur innerhalb Deutschlands. Ich arbeite aber auch seit fast sieben Jahren als Selbstständige für das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. Dort neben der Museumspädagogik vor allem für einzelne archäologische Projekte, wie beispielsweise Grabungsnachbearbeitungen, Aufnahme von Funden sowie die Katalogisierung. Gerade mache ich die Inventur im Landesmagazin.

Bei welchen spektakulären Funden konntet Ihr dabei sein?

Jan: Hm, „spektakulär“ ist wirklich sehr relativ… Subjektiv bedeutend sind sicherlich andere Funde. Ich erinnere mich, wie ich mein erstes Skelett entdeckte, mit dem sich auch endlich ein mittelalterlicher Friedhof fand, den wir bereits zwei Wochen lang gesucht hatten…

Sonja: Ich glaube mein „spektakulärster“ Fund war eine über 10.000 Jahre alte geschnitzte Bernsteinperle. Aber genau genommen ist doch jeder Fund etwas Besonderes, oder?

DSC_9614Von Kristian Stemmler

Wieder fällt ein Stück altes Buchholz dem Abrissbagger zum Opfer. Arbeiter der Firma Heinrich Hauschild haben heute vormittag begonnen, das älteste noch erhaltene Haus an der Neuen Straße, auf dem Grundstück Nr. 8, abzureißen. „Es ist traurig, wie diese Stadt mit ihren historischen Gebäuden umgeht“, sagte Jan Bock, der für die Grünen im Stadtrat sitzt. Buchholz werde immer gesichtsloser, alles werde kommerziellen Interessen untergeordnet.

Das Gebäude wurde 1905 im klassizistischen Stil errichtet, 1910 zog hier der Kolonialwarenhändler Roeschmann ein, später hatte ein Friseur hier sein Geschäft, und Mitte der 90er zog das Kunsthandwerksgeschäft Madness ein. Wie berichtet, will Investor Feldtmann von der Helmut Feldtmann KG (Arbeitsbekleidung) an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus errichteten, die Rede ist von einem Ärztehaus. Demnächst will sich der Investor mit der Verwaltung zusammensetzen und seine Pläne präsentieren.

Das Gebäude ist nicht mehr zu retten, aber zumindest die alte Eiche vor dem Haus muss erhalten werden. Viele Buchholzer haben sich in den vergangenen Wochen an einer Zettelaktion für den Erhalt der Eiche und der Kastanie auf dem Grundstück beteiligt. Die Kastanie dürfte aber nicht zu retten sein, weil sie direkt im Baufenster steht. Und ob die Eiche überlebt, ist fraglich. Nach Informationen des buchholzblogs soll nach Abriss des vorhandenen Gebäudes ein Graben ausgehoben werden, um die Lage der Wurzeln der Eiche zu erkunden.

Im Nordheide Wochenblatt ist der Abriss des Madness-Hauses bisher nur im Nebensatz vermerkt worden. Während man das Schützenfest, das ja angeblich für die Pflege der Tradition steht, mit Sonderseiten abfeierte, ist das historische Gebäude offenbar keine Geschichte wert. Berichtet wurde allerdings über die Zettelaktion zur Rettung der Bäume und aktuell über die Fällung der alten Eiche vor der Polizei an der Schützenstraße. Sie war angeblich nicht standsicher. Macht ja nichts, dafür entsteht hier gerade ein wunderschönes Wito-Haus…

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Von Kristian Stemmler

Paukenschlag zum Ferienbeginn: Nach Informationen des buchholzblogs rollen am kommenden Montag an der Neuen Straße die Bagger an. Schneller als gedacht soll offenbar mit dem Abriss des mehr als 100 Jahre alten Hauses Neue Straße 8, in dem sich bis vor kurzem das Kunsthandwerksgeschäft „Madness“ befand, begonnen werden. Die benachbarten Geschäftsleute und Privatpersonen wurden jetzt informiert, dass ab Montag mit Staub und Lärmemissionen zu rechnen ist. Dabei soll es noch nicht einmal eine Bauvoranfrage für das Wohn- und Geschäftshaus geben, das Investor Feldtmann an dieser Stelle errichten will.

Sollen hier angesichts des sich formierenden Protests vollendete Tatsachen geschaffen werden? Wie berichtet, haben sich in den vergangenen Wochen immer mehr Buchholzer an einer Zettelaktion für den Erhalt der alten Eiche vor dem Haus und der Kastanie auf dem Grundstück beteiligt. Zuletzt weitete sich der Protest immer mehr auch auf das Haus aus. So demonstrierte zuletzt das Künstlerehepaar Iris und Edgar Brunner aus Heidenau vor Ort für den Erhalt des Gebäudes und für seine Umgestaltung als Treffpunkt für die Allgemeinheit.

In der Stadt wächst nach Informationen des buchholzblogs zudem der Unmut über den geplanten Abriss des 1905 gebauten Hauses. Daher dürfte am Montag (hoffentlich) mit Protestaktionen gegen den Abriss zu rechnen sein. Der buchholzblog ruft jedenfalls dazu auf, gegen dieses Überrumpelungsmanöver aktiv zu werden. Sicher wäre es auch eine gute Maßnahme, bei Investor Feldtmann mit Mails und Anrufen gegen den Abriss, die Gefährdung der alten Bäume und seine weiteren Pläne zu protestieren: Nummern und Adressen unter www.feldtmann.de

„Dieses Haus ist eines der letzten alten Häuser in der Innenstadt von Buchholz und eines der schönsten“, sagt Ratsherr Jan Bock, der zur Fraktion der Grünen gehört und als Archäologe einiges von Denkmalschutz versteht. „Das Haus hat zwei Weltkriege und den Faschismus überstanden – jetzt fällt es der Profitgier eines Investors zum Opfer, der seine nächste Million machen will.“ Bock kündigte eine Offensive der Grünen für die Buchholzer Baudenkmäler an.

In dem im klassizistischen Stil gebauten Haus Neue Straße 8 eröffnete ein gewisser Röschmann 1910 einen Kolonialwarenladen, später soll hier ein Friseur residiert haben, bis der originelle Laden für besonderes Kunsthandwerk „Madness“ einzog. Es gibt das Gerücht, dass 1944 in einem Versteck unter dem Haus von den Nazis verfolgte Menschen versteckt worden sind. Das wäre noch ein Grund mehr, dieses Gebäude und diese beiden Bäume an dieser besonderen Stätte zu erhalten!

Kristian Stemmler

Wie provinziell und bürgerlich Buchholz ist, zeigt die Diskussion um eine neue Baumschutzsatzung, die mein Ratskollege Jan Bock (für die Grünen im Stadtrat) mit seiner Initiative ausgelöst hat. Obwohl die vorgeschlagenen Änderungen für mein Empfinden keineswegs revolutionär, sondern im Großen und Ganzen recht moderat sind, erhob sich in Politik und Medien ein Geheule, als sollten die Grundeigentümer der Stadt enteignet werden. Voran das Nordheide Wochenblatt, das sich auch hier zum Sprachrohr des Bürgertums und der Besitzenden machte.

Von Anfang an wurden, auch in der Gruppe von SPD/Grüne/LINKE, die Bemühungen um einen neuen Baumschutz hintertrieben und Bocks Antrag systematisch aufgeweicht. Alle fünf Ortsräte sperrten sich gegen die neue Satzung, und vor kurzem knickte auch der Umweltausschuss des Stadtrates ein und empfahl dem Rat, die alte Satzung unverändert beizubehalten, allerdings denkbar knapp mit fünf gegen vier Stimmen. Die Buchholzer Liste erwies sich erneut als wankelmütig und distanzierte sich vom Ursprungsantrag. Man halte den Baumschutz zwar für wichtig, so Fraktionschef Peter Eckhoff, mit den Neuregelungen sei man aber übers Ziel hinausgeschossen.

Eine Entscheidung des Rates wird es erst im neuen Jahr geben. Aber es ist angesichts der aktuellen Diskussion davon auszugehen, dass die Satzung entweder gar nicht oder höchstens ganz moderat verändert wird, damit man auch wirklich niemandem weh tut. Das wäre ein Armutszeugnis für Buchholz und würde wieder einmal demonstrieren, dass die Interessen der Grundeigentümer über die der Allgemeinheit und über ökologische Erwägungen gestellt werden.

Denn das ist der eigentliche Hintergrund: Die Grundeigentümer wollen sich nicht reinreden lassen, frei nach dem Motto „Das sind meine Bäume, mit denen mache ich, was ich für richtig halte!“. Genau dieses Prinzip des Eigennutzes sorgt dafür, dass unsere Gesellschaft vor die Hunde geht. Das Thema Baumschutz in Buchholz ist nur ein kleines, aber typisches Exempel für diese Entwicklung.

Von Kristian Stemmler

Das Nordheide Wochenblatt führt, wie von mir befürchtet, die Kampagne gegen den Entwurf einer neuen Baumschutzsatzung, den mein Kollege Jan Bock (für die Grünen im Stadtrat) formuliert hat,  fort. Leider sind dem Blatt dabei Kollegen von SPD, Grünen und Buchholzer Liste behilflich, was meines Erachtens erneut kein gutes Licht auf die Zusammenarbeit in der Ratsmehrheit wirft. Und ich halte diesen Vorstoß für ein klares Zurückweichen vor dem Wochenblatt und vor der Lobby der Grundeigentümer!

Wochenblatt-Chefredakteur Reinhard Schrader nimmt den Ball natürlich dankbar – um nicht zu sagen: genüsslich – auf. „Baumschutz in die Bebauungspläne“ titelt er in der Mittwochsausgabe auf der Eins, Unterzeile: „SPD, Grüne und Buchholzer Liste wenden sich gegen ihre Stadtratsfraktionen“. Schon der erste Absatz von Schraders Beitrag ist ein purer Kommentar: „Wird die Diskussion um die Buchholzer Baumschutzsatzung auf eine reale Geschäftsgrundlage zurückgeführt?“ SPD, Grüne und BuLi im Steinbeker Ortsrat hätten „einen vielversprechenden Vorstoß“ gemacht.

Und zwar haben Christoph Selke (SPD), Karsten Müller (BuLi) und Martin Schuster (Grüne) gefordert, den Beschluss einer neuen Satzung zurückzustellen, um in Ruhe über den Baumschutz zu diskutieren. Der Vorschlag des Trios, den Schrader als „innovativ“ bejubelt, sieht so aus: Der Baumschutz soll künftig nicht über eine Satzung, sondern über die Bebauungspläne geregelt werden; Grundstücke unter einer bestimmten Größe, zum Beispiel 800 Quadratmeter, sollen ganz vom Baumschutz ausgenommen werden; häufige Nadelbäume sowie Rotdorn, Weißdorn und Stechpalme sollen nicht unter Schutz gestellt werden, es sei denn, sie sind ortsbildprägend.

Weitere Details sind im Wochenblatt nachzulesen. Der Antrag der Drei soll am Montag, 15. Oktober, im Ortsrat Steinbeck (Zur Eiche, 19 Uhr) beraten werden, er habe eine gute Chance eine deutliche Mehrheit zu finden, schreibt das Wochenblatt. Der Antrag solle in eine Empfehlung an den Stadtrat münden. Ortsbürgermeister Kurt Hölzer (CDU) wird mit den Worten zitiert: Meines Erachtens macht der vorgelegte Antrag durchaus Sinn. Bleibt abzuwarten, wie die Politiker im Stadtrat das sehen.“

Also, ich fürchte, dass die Mehrheit für die neue Baumschutzsatzung erst mal perdu ist, denn Selke und Müller sitzen ja im Stadtrat und wenn einzelne SPD-Stadträte und die Buchholzer Liste nicht für die Satzung stimmen, gibt es keine Mehrheit. Für mich macht der Vorschlag wenig Sinn. Zum einen halte ich es für wenig praktikabel, den Baumschutz in die B-Pläne zu schreiben, zum anderen finde ich auch, dass es eine fatale Signalwirkung hätte, wenn es keine umfassende Satzung zu dem Thema mehr gäbe. Auch das vorgeschlagene Herausnehmen von kleinen und mittleren Grundstücken aus der Geltung des Baumschutzes finde ich unangebracht. Entweder ein Baum ist schützenswert oder er ist es nicht. Hier geht es um Grundsätze des Naturschutzes und nicht um Grundstücksgrößen.

Ehrlich gesagt, kann ich die emotionale Aufladung dieses Themas in keinster Weise nachvollziehen. Hier werden die Luxussorgen von Grundstücksbesitzern zur Staatsaffäre aufgeblasen. Sorry, aber ich finde das kleinkariert. Es geht in der Diskussion meines Erachtens hauptsächlich um die Interessen und Befindlichkeiten des besitzenden Bürgertums und wenig um den Naturschutz.

In der Unterschrift zum Foto auf Seite 5 lässt das Wochenblatt unfreiwillig durchblicken, was der tiefere Beweggrund für die Proteste gegen die Baumschutzsatzung ist. „Bäume, wie diese Birken, wachsen schnell und müssen, wenn sie auf kleinen Grundstücken oder wenn sie ungünstig stehen, irgendwann gefällt werden. Viele Bürger wollen sich da von der Behörde nicht reinreden lassen.“ Das trifft es. Es geht eigentlich gar nicht so sehr um die Bäume – die meisten Grundeigentümer betrachten offenbar alles, was auf ihrem Grundstück steht, also auch die Bäume, als ihr Eigentum, mit dem sie machen können wollen.

Insofern wird die Aufstellung einer strengeren Satzung zum Baumschutz letztlich als Angriff auf das wahrgenommen, was in dieser Gesellschaft heilig ist: das Eigentum. Daher rührt auch die hohe Emotionalität des Themas. Aber es ist immer noch die Aufgabe der Politik, die Interessen der Allgemeinheit gegen die Interessen einzelner durchzusetzen – und dazu gehört natürlich ein wirksamer Schutz der Natur!

Von Kristian Stemmler

Dass das Wochenblatt kampagnenfähig ist, wussten wir ja schon. Neuestes Ziel von Chefredakteur Reinhard Schrader ist ganz offensichtlich die neue Baumschutzsatzung, die mein Kollege Jan Bock (für die Grünen im Stadtrat) ausgearbeitet hat und die demnächst beraten werden soll. Nach dem Startschuss mit einem großen Beitrag auf der Drei und einem Kommentar, in dem Schrader die absurde Forderung aufstellte, den Baumschutz überhaupt nicht zu regeln, macht er nun auch in der aktuellen Ausgabe Stimmung – und zieht dabei alle Register!

Als Stichwortgeber stellt sich Jan Stöver gnädig zur Verfügung. Stöver hat ein doppeltes Interesse, Schrader bei seiner Kanonade gegen den Baumschutz zu assistieren. Als CDU-Ratsherr gehört er der Fraktion an, die Baumschutz gern als die Erfindung weltfremder Öko-Spinner abtut, und als Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft „Haus & Grund“ vertritt er Leute, für die Baumschutzsatzungen in der Regel sowieso reines Teufelswerk darstellen. Kein Wunder also, dass Stöver begeistert mittut.

Dabei ist es schon erschreckend, wie wenig sich das Wochenblatt als Quasi-Monopolist im Landkreis noch Mühe geben muss, den Kampagnencharakter seiner Berichterstattung zu kaschieren. Ich bin lange genug im Geschäft, um den Verdacht für plausibel zu halten, dass die vorliegende Geschichte von vorn bis hinten konstruiert ist. Ich nehme an, dass Stöver und Schrader das Vorgehen bei passender Gelegenheit besprochen haben, es wäre auch möglich, dass Stöver sich angedient hat.

Jedenfalls passt alles bestens zusammen. Schraders Hauptargument gegen die neue Satzung ist die unbewiesene Annahme, die Satzung führe im Ergebnis nicht zu mehr, sondern zu weniger Baumschutz. Und zwar weil viele Eigentümer Bäume vorsorglich fällen würden, bevor sie so groß sind, dass sie unter den Schutz der Satzung geraten. Genau für dieses Argument liefert Stöver die Munition. „Fichten als Bürokratie-Opfer“ heißt die Zeile und in der Unterzeile harft Schrader: „Damoklesschwert Baumschutzsatzung: Warum Grundeigentümer Jan Stöver sechs Nadelbäume fällen lässt“.

Vollends durchgeknallt ist die Unterschrift zum Foto, auf dem die entasteteten Fichten auf Stövers Grundstück zu sehen sind: „Wie mahnende Zeigefinger für eine verfehlte Baumschutz-Politik ragen diese Fichtenstümpfe in den Himmel. Wie hier an der Lüneburger Straße dürften bald überall die Kettensägen kreischen, wenn Hauseigentümer wie CDU-Ratsherr Jan Stöver aus Angst vor bürokratischer Gängelei ihre dicken, oft als Hecke gepflanzten Nadelbäume entfernen lassen, bevor eine neue Satzung kommt“. Sach ma, geht‛s noch?!

Wie schon in der Berichterstattung zum Ostring gibt sich Schrader nicht die Mühe, auch nur den Anschein von Objektivität zu erwecken. Er penetriert alle bei einfachen Gemütern so beliebten Klischees über die Grünen und Umweltschützer, spricht von „Öko-Phantasten“, die arme Grundstückseigentümer mit ihren überzogenen Forderungen auf übelste Weise schurigeln. Ob der Wochenblatt-Chefredakteur den neuen Baumschutz wirklich so abscheulich findet oder nur die Gelegenheit nutzt, sich auf die Seite der alten Ratsmehrheit, der Besitzenden, der Wirtschaft, der Grundeigentümer, Makler etc. – kurz: der Anzeigenkunden – zu stellen, das kann ich nicht beurteilen. Dafür spricht aber einiges, wie auch Jan Bock in seinem Beitrag in diesem blog bereits ausgeführt hat.

Die neue Baumschutzsatzung jedenfalls liefert keinen Anlass, sich dermaßen aufzuregen. Die Änderungen sind moderat, es ist lange darüber nachgedacht worden und zudem sind die Details noch gar nicht zu ende verhandelt. Also, machen Sie mal halblang, Herr Schrader!

Wenn es nach mir ginge, müsste der Baumschutz noch viel rigider, die Strafen weitaus schmerzhafter sein. Dabei rede ich nicht von kleinen Büschen und Bäumen, sondern von großen erhaltenswerten Exemplaren. Es kann nicht angehen, dass alter Baumbestand weggeputzt wird, damit Luxuswohnungen gebaut werden können. Wer wissen will, was ich meine, fahre mal in Weihe am Seeveufer vorbei und sehe sich das Gelände des ehemaligen Schullandheims an (auch wenn es nicht Buchholzer Gebiet ist). Mit Genehmigung der Hanstedter Gemeindeverwaltung hat hier ein Investor schöne alte Bäume abgeholzt, um durchgestylte Häuschen für Besserverdienende an ihre Stelle zu setzen. Da fass ich mich an den Kopf!

Deutlicher kann man nicht zeigen, wo in dieser Gesellschaft die Prioritäten gesetzt sind.

Von Jan Bock

Eigentlich, ja eigentlich gedachte ich zunächst eine ausführlichere Darstellung unserer Motive und des Hintergrundes einer Notwendigkeit verbesserten Baumschutzes in Buchholz auszubreiten. (Es zeigt sich gleich, wie nötig dies wäre…) Doch nun schlägt das Sommerloch zu, bekanntlich Zeit für reißerische Stories, die eigentlich keine sind, und für eine Schreibe in örtlichen Medien, die man sich zu anderen Zeiten kaum erlauben würde. Und ich darf meine kärgliche Freizeit darauf verwenden, meinem Ärger nach der Lektüre eines Zeitungsartikels ein wenig Luft zu machen, naja.

Das Nordheide Wochenblatt berichtet…

Das Nordheide Wochenblatt setzte sich in der Vergangenheit gerne mal wohlwollend von anderen regionalen Printmedien ab, indem es einen durchaus eigenwilligen und kritischen Journalismus pflegte. In letzter Zeit scheint aber die Klientel zahlungskräftiger Anzeigenkunden Möglichkeiten einer Einflussnahme bei grundsätzlichen Themen (Ostring…) gefunden zu haben, das zumindest ist nicht nur mein Eindruck.

Nun ist also das Thema „Änderung der Baumschutzsatzung“ entdeckt worden – grundsätzlich erfreulich! Wenig erfreulich empfand ich dagegen den Artikel im Konkreten, der, verfasst von Reinhard Schrader, in der Ausgabe vom 1. August. erschien – insbesondere seinen Kommentar unter der Überschrift „Lebensfremde Öko-Phantasten“, in dem er doch tatsächlich die Abschaffung der Satzung fordert: „Mein Appell: Verschärft die Baumschutzsatzung nicht, sondern schafft sie ganz ab! Das würde tatsächlich jede Menge Bäume retten.“ [Nordheide Wochenblatt vom 01.08.2012, S. 3.]

Doch auch der Nachrichtenbeitrag zum Thema enthält einige Unrichtigkeiten bzw. Ungenauigkeiten bzw. es fehlen Hintergrundinformationen. Daher ein paar knappe Anmerkungen zu einigen wichtigen Punkten des Änderungsentwurfes:

  • Der Stammumfang [zu schützender Bäume] soll künftig in 1,00 statt 1,20 m Höhe gemessen werden. In der Tat, denn das ist fast überall die übliche Referenzhöhe. Nebenbei, es gibt ganz verschiedene Baumschutzsatzungen, die z. T. bereits Bäume mit deutlich geringeren Stammumfängen unter Schutz stellen – aber (soweit von mir recherchiert) niemals größere als 80 cm in 1,00 m Höhe. Ausgenommen die Gemeinden Buchholz und Rosengarten, die zwar den selben Stammumfang angeben, diesen aber eben in anderer Höhe messen, somit also einen höheren Umfang in der üblichen Referenzhöhe voraussetzen…
  • Der untere Bußgeldrahmen wird von bislang 50 Euro auf 100 Euro (sic!) angehoben. Auf diese Änderung hat man sich in der letzten Sitzung des Umweltausschusses am 13. Juni einvernehmlich geeinigt, da dieser untere Bußgeldrahmen durch einen Runderlass des Umweltministeriums verbindlich festgelegt wurde. Das hätte das Wochenblatt leicht recherchieren können, wenn schon nicht durch Anwesenheit bei der Sitzung (jaha, es gab Fußball im Fernsehen an diesem Abend…) oder durch Nachfragen beim Antragsteller (z. B. meine Wenigkeit), so doch durch einen Blick in die entsprechende Drucksache (DS 11-16/0176.001). Bislang hatte die Verwaltung es übrigens versäumt, diesen Erlass umzusetzen, insofern: gut, dass wir eh gerade drüber reden!
  • Bei genehmigten Fällungen sollen Ersatzpflanzungen verpflichtend werden. Das stimmt, wer große/alte=geschützte Bäume rodet, soll dafür an anderer Stelle pflanzen müssen! Das denkbar simpelste Konzept jeder Nachhaltigkeit. Ganz korrekt betrachtet, fehlt hier aber ein „wieder“. Diese Regelung gab es nämlich bereits und sie ist erst vor nicht allzu langer Zeit von CDU/FDP/UWG ersatzlos gestrichen worden. Hat seinerzeit übrigens die Verwaltung nicht lahmgelegt oder Bauen in Buchholz unmöglich gemacht…
  • Bäume sollen „gesundem Wohnen“ nicht entgegen stehen. Nur kurz, um nicht den Rahmen zu sprengen: „Gesundes Wohnen“? Ein unbestimmter Rechtsbegriff, der merkwürdiger in der Praxis bei Anträgen auf Ausnahmegenehmigungen noch gar keine Rolle gespielt hat. Eine völlig dehnbare Klausel, mit der man den Baumschutz weichspülen wollte – und hinsichtlich echter und nachweislicher Gesundheitsbeeinträchtigungen gar nicht zu Anwendung kommen müsste, denn eine Härtefallregelung ist immer möglich.
  • Der Buchholzer Stadtrat sollte über die Satzungsverschärfung bereits am 17. Juli entscheiden. Das war meines Wissens nie vorgesehen, ausgearbeitet wird die Tagesordnung im Übrigen von der Verwaltung, nicht von der Politik. Und nach den Ortsräten wird sie zunächst einmal erneut im Umweltausschuss beraten – wie auch das weitere Vorgehen. Erst nach dieser Beratungsphase und der eventuellen Einarbeitung weiterer Änderungen, Anpassungen und Klärung aller rechtlichen Fragen wird sie irgendwann im Stadtrat entschieden. Frühestens im Spätherbst, nehme ich an, vielleicht auch im Winter.

Noch etwas: In unserem Antrag haben wir Punkte aufgenommen, bei denen wir Antragsteller – Grüne, SPD, Linke, Buchholzer Liste – von vornherein einen „Verhandlungsspielraum“ ausgemacht hatten. Bei der ersten Beratungsrunde gab es jedoch noch keinen Anlass für Verhandlungen, zum einen wurde die Hauptberatungsphase auf die Zeit nach den Diskussionen in den Ortsräten verschoben; zum anderen hätte dies kein Sinn gemacht, wie uns Herr Krüger von der CDU glaubhaft versicherte: Der Antrag würde von der CDU nämlich von vornherein und in jedem Falle abgelehnt! (Von der FDP, machen wir uns nichts vor, ohnehin und dass die UWG hier aus dem Schatten der CDU tritt, steht eigentlich auch nicht zu erwarten…). Insofern wird die inhaltliche Auseinandersetzung hier mit der Verwaltung erfolgen und begründete Kritik von dieser Seite wird von uns durchaus aufgenommen und in unseren weiteren Überlegungen berücksichtigt – denn unser Entwurf ist tatsächlich nicht in Beton gegossen.

Und noch ein kurzer Brief an den Autor

Lieber Herr Schrader, lassen Sie sich bitte nicht auf das Niveau unserer örtlichen FDP-Vertreter herab! Das haben Sie wahrlich nicht nötig. Auffällig auch, wie Sie, der Sie in Ihrem Blatt immer wieder kritisch über Baumfällaktionen berichtet haben, nun plötzlich 100prozentig auf Linie sind. Just in dem Moment, in dem CDU/FDP gegen den Antrag mobil machen (hierzu später an dieser Stelle noch). Analog Ihrer Haltung zum Ostring, nachdem hier die Buchholzer Wirtschaftsrunde ein wenig an ihre ökonomische Macht erinnert hat? Sie dürfen Verständnis erwarten, dass Sie in einigen Positionen zurückhaltend sein müssen, aber gleich so weit vorpreschen…?

Ich meine, die Abschaffung der Baumschutzsatzung zu fordern, das würde nicht einmal dem konservativ-liberalen Lager in den Sinn kommen – das ist eine Haltung der 1970er Jahre. Über alle Details einer Regelung kann man selbstredend trefflich streiten (haben die verschiedenen Unterzeichner des Entwurfs im Übrigen auch getan.). Und die Abschaffung des Baumschutzes soll zu einem besseren Baumschutz führen?!? Sie sehen mich staunend vor dieser Aussage sitzen und vor meiner offenbar ideologisch verblendeten Birne („Öko-Phantast“ halt!) tauchen Fragen auf.

Wir Idioten! Atomkraftwerke wären selbstverständlich sicher, 100prozentig sogar, wir müssten nur die entsprechenden Vorschriften und das Bundesamt für Strahlenschutz abschaffen? Weg mit Tempolimits – Verkehr wird sicherer? Und würden Chemieunternehmen tatsächlich ohne Umweltauflagen weniger Emissionen, Laugen-, Säuren- und anderen -müll ausstoßen? Kann es wirklich sein, dass dem Schutz der Wale nur das internationale Walfangmoratorium entgegensteht!? Mit Verlaub, aber eine solche Aussage kann wohl nur Polemik provozieren.

Und beim nächsten Mal kontaktieren Sie mich gerne im Vorwege für eine Stellungnahme, einige Ungenauigkeiten könnten Sie vermeiden, einiges zum Hintergrund, zur Genese, zur vorangegangenen Diskussion und Entwicklung des Antrages hätten Sie erfahren können. Nichts davon war nämlich geheim, bislang hat aber niemand gefragt – insbesondere nicht seit meiner diesbezüglichen Pressemitteilung vom Mai (!) diesen Jahres. Zeit haben wir doch, schließlich leben wir im Sommerloch.

Verwirrt, aber mit besten Grüßen,

Ihr J. Bock