Mit ‘Jan Bauer’ getaggte Beiträge

Von Kristian Stemmler

„Du kannst nicht Gott dienen und dem Mammon!“ übersetzte Martin Luther einst einen Satz aus dem Matthäus-Evangelium. Wobei die Betonung auf dem „und“ liegt. Der in diesen Tagen vielzitierte Reformator kannte allerdings die CDU noch nicht – und die kann beides spielend miteinander verbinden: Man gibt sich christlich und traditionsbewusst und tanzt doch beschwingten Schrittes um das goldene Kalb. Ob im fernen Berlin, wo man die Gesetze macht, die Reicher reicher werden lassen, oder hier in der Provinz, in Buchholz in der Nordheide.

Tatsächlich bahnt sich in unserer aller Kleinstadt ein Tabubruch an, der sogar die evangelische Kirche, die sonst fast jede Kommererzialisierung abnickt, Teile der kommunalen Politik und das Nordheide-Wochenblatt auf den Plan rief. Und zwar soll der alljährliche Weihnachtsmarkt auf dem Peets Hoff in diesem Jahr am 20. November beginnen, mithin zum Beginn der „stillen Woche“, noch vor dem Buß- und Bettag und dem Ewigkeitssonntag, auch Totensonntag genannt, und zwei Wochen vor dem 1. Advent.

Das Dollste an dem Vorgang: Der Vorsitzende des Vereins Buchholz Marketing, der den Weihnachtsmarkt veranstaltet, ist Jan Bauer, der auch Mitglied des Buchholzer Stadtrates ist. Und für welche Partei wohl? Genau, die mit dem Wort „Christlich“ im Namen. Vor dem Rat gab er sich zerknirscht, wie das Wochenblatt berichtet. Man habe den Schaustellern ein attraktives Angebot machen wollen und stehe schließlich in Konkurrenz zu anderen Märkten. Jetzt könne man nichts mehr ändern, so Bauer, denn die Verträge seien gemacht.

Mit anderen Worten: Uns sind christliche Werte und Traditionen so etwas von sch…egal, wenn es um die Kohle geht. Pastorin Brigitte Bittermann und Pastor Michael Wabbel von der Paulus-Gemeinde drückten es etwas vornehmer aus. Mit großem Befremden hätten sie die Vorverlegung des Weihnachtsmarktes zur Kenntnis genommen, schrieben sie in einem Brief. Es werde die Tradition durchbrochen, an den stillen Tagen Ende November Zeit und Raum zu lassen für „Lebensfragen, die sonst kaum ihren Platz finden“.

Natürlich ist es erfreulich, wenn die Kirche sich an ihren Auftrag erinnert und gegen die kommerzielle Ausbeutung ihrer Feste angeht. Aber das sind Rückzugsgefechte, vor allem weil man eben ansonsten dieses bürgerliche System voll mitträgt. Und das folgt nun mal eher Grundsätzen, wie sie in der Scientology Church gelehrt werden – „Macht Geld, mach mehr Geld!“ -, als christlichen Prämissen. Christliche Traditionen, überhaupt Traditionen zu bewahren, gleicht in dieser Gesellschaft dem Versuch, in einer Sauna Eiswürfel herzustellen.

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Was für "Neues Deutschland" Erich Honecker war, ist für das Nordheide Wochenblatt Jan Bauer.

Was für „Neues Deutschland“ Erich Honecker war, ist für das Nordheide Wochenblatt Jan Bauer.

Von Kristian Stemmler

Buchholz hat einen neuen Unvermeidlichen: Jan Bauer. Bisher war es Arno Reglitzky, der zu allen möglichen Anlässen und mit allen möglichen Hüten auftauchte und so gut wie in jeder Ausgabe des Nordheide Wochenblattes zu bewundern war. Sei es als Vorsitzender von Blau-Weiß Buchholz, für den ADAC, als FDP-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt, als Kreistagsabgeordneter oder was auch sonst noch immer. Da Reglitzky nicht mehr der Jüngste ist, braucht er natürlich einen Nachfolger, und das scheint Jan Bauer zu sein.

Der junge Mann mit dem Dauerlächeln bringt es auf mindestens so viele Ämter und Posten wie „Kreisel-Arno“ und im Wochenblatt ist er längst häufiger zu sehen. Neulich durfte er sich etwa als Vertreter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf der ersten Seite über die Empfehlungen des Bundes zum Anlegen von Notfallrationen auslassen – eine kostenlose Wahlwerbung für den Mann, der für die CDU bei den Kommunalwahlen kandidierte. Natürlich wurde er spielend sowohl in den Stadtrat wie in den Kreistag gewählt, denn man kennt ihn.

Mit fast 1000 Stimmen, die für ihn persönlich abgegeben wurden, schoss Bauer in Buchholz den Vogel ab und wird jetzt vermutlich noch öfter im Wochenblatt sein. In der Mittwochausgabe schaffte er es gleich zweimal, vorn als Vertreter des Stadtmarketings von Buchholz und hinten in einer Anzeige der Stadtwerke mit einer Art Jugendbild. Das ist übrigens sein eigentlicher Job, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken.

Dass er Vorsitzender des Fördervereins der Zukunftswerkstatt ist, sei hier nur nebenbei erwähnt. Laut Medienberichten sitzt Bauer auch noch in einem Prüfungsausschuss der Handelskammer, und in einem der hiesigen Sportvereine treibt er sich vermutlich auch noch herum. Beobachter der Szene fragen sich bereits, wie er das alles zeitlich bewältigt, einige vertreten die These, Jan Bauer habe sich längst klonen lassen, um sein Pensum zu schaffen. Wie dem auch sei, lässt sich vorerst schwerlich etwas gegen seine Aktivitäten sagen – außer vielleicht, dass hier mal wieder so en passant der Eindruck vermittelt wird, das Wohl der Gemeinschaft und das der Partei CDU seien gewissermaßen identisch.

PS: Um einen etwas flachen Witz zu lancieren – man könnte sagen, Jan Bauer steht ständig unter Strom…