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Posts Tagged ‘Herbert Maliers’

IMG_3281Buchholz (us/kst) – Mit einer Lichterprozession von der Pauluskirche zur Flüchtlingsunterkunft am Fischbüttenweg haben am Montagabend hunderte Buchholzer gleichzeitig für Presse- und Meinungsfreiheit und gegen Islamhass und Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Unter den Demonstranten waren auch der neue Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und seine Familie sowie sein Stellvertreter Frank Piwecki (SPD), ebenfalls mit Familie.

Nach dem Anschlag von Paris hatten die Ortsgruppen von Greenpeace und Amnesty International sowie die Friedensgruppe Nordheide spontan zu der Veranstaltung eingeladen, um ein Zeichen zu setzen. Herbert Maliers von Greenpeace verurteilte den Terror in Paris und anderswo, grenzte sich aber klar von den Leuten ab, die jetzt versuchen Kapital aus der Terrorangst zu schlagen.

Nach einer Schweigeminute zog die Menschenmenge die Kirchenstraße entlang über die Canteleubrücke und den Langen Sal entlang bis zur Unterkunft am Fischbüttenweg. Unter den Teilnehmern waren auch noch Dibbersens Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (SPD), der grüne Fraktionschef im Rat, Joachim Zinnecker, der grüne Ratsherr Frerk Meyer, Peter Eckhoff und Andreas Ziesemer von der Buchholzer Liste und Ute Schui-Eberhardt vom Bündnis für Flüchtlinge.

Uwe Schulze, Kandidat bei der Bürgermeistd  2014, und Bärbel tauschten sich noch bei Kaffee und Tee mit Bewohnern der Unterkunft aus. „Wir haben dort interessante Gespräche über die Ängste und Sorgen der Flüchtlinge geführt. Wir waren sehr willkommen“, sagte Schulze, „diese Menschen brauchen nach wie vor unsere Unterstützung.“

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Buchholz (kst) – Auch der Neujahrsempfang der Stadt Buchholz am heutigen Sonntag in der vollbesetzten Empore stand unter dem Eindruck der Ereignisse in Paris. Der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) verurteilte den Anschlag auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und rief zur Teilnahme an einer Lichterkette am Montag in Buchholz auf, um ein Signal gegen den Terrorismus, aber auch gegen Fremdenhass und Intoleranz zu setzen. Treffpunkt ist die Pauluskirche, die Lichterkette soll über die Soltauer Straße bis zur Flüchtlingsunterkunft am Fischbüttenweg reichen. Röhse will selbst teilnehmen.

Organisatoren der Lichterkette sind die frühere Ratsfrau der Grünen, Alexa Vetter, und ihr Mann Herbert Maliers von Greenpeace. Sie haben sich bewusst für den Montagabend entschieden, an dem seit Wochen die Bewegung Pegida („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) in Dresden demonstriert. Es geht ihnen ausdrücklich darum, einen Kontrapunkt zur islamophoben und fremdenfeindlichen Ausrichtung der Pegida und ihrer Ableger zu setzen. Teilnehmer sollten eine Kerze in einem Glas oder ähnliches mitbringen.

Auch Röhse grenzte sich bei seinem ersten Neujahrsempfang als Bürgermeister klar und deutlich von Pegida ab. „Wenn ich im Fernsehen die Bilder von Flüchtlingsschiffen sehe, die von Schleuserbanden im Mittelmeer ihrem Schicksal überlassen werden, bin ich entsetzt und wütend zugleich“, sagte er, „gleiches gilt, wen ich die Aufrufe von Pegida sehe, die von Fremdenfeindlichkeit und Hass geprägt sind.“

Der neue Bürgermeister dankte allen Menschen in Buchholz, die sich für die Belange der Flüchtlinge einsetzen. „Ihre Unterstützung wird auch künftig gebraucht, und zwar mehr denn je“, sagte er. Die Stadt werde 2015 noch einmal so viele Flüchtlinge aufnehmen wie 2014, etwa 250 Menschen. Röhse: „In diesem Sinne erwarte ich von jedem Buchholzer Bürger ein Stück Solidarität mit den Flüchtlingen, die hier Schutz, Sicherheit und einen Neuanfang suchen.“

Den Anschlag in Paris bezeichnete der Bürgermeister als „Anschlag auf die gemeinsam mit unseren Freunden in Frankreich gelebten Werte wie Meinungsfreiheit und Pressefreiheit – ein Anschlag gegen die zivilisierte Gesellschaft insgesamt. Er habe der Bürgermeisterin der Buchholzer Partnerstadt Canteleu in einem persönlichen Schreiben das Mitgefühl und die Solidarität der Buchholzer Bürger ausgesprochen.

Röhse betonte, dass viele der bei uns ankommenden Flüchtlingen vor „genau solchem Terror aus ihren Heimatländern geflohen sind“. Für sie wie auch für die hier friedlich lebenden Muslime sei der Terrorakt „ein Schlag ins Gesicht“. Das neue Stadtoberhaupt erklärte: „Wir müssen klar unterscheiden zwischen den Islamisten, die sich fälschlicherweise auf die Religion berufen, und der überwältigenden Mehrheit der Muslime, die friedlich mit und hier in Deutschland zusammenleben. Und wir müssen denen entschieden widersprechen, die uns in einen Religionskonflikt hineintreiben wollen.“

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Von Kristian Stemmler

Nach der Katastrophe von Fukushima wurden eilends die acht ältesten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet. Doch noch immer sind in Deutschland Atomkraftwerke in Betrieb, so das AKW Brokdorf an der Unterelbe, das wegen seiner MOX-Brennstäbe mit einem Brennstoffgemisch aus Uran und Plutonium als besonders gefährlich gilt. Mit einer eindrucksvollen Fotoausstellung in der Buchholzer Stadtbücherei unter der Überschrift „Was wäre wenn… – 70 Gegenüberstellungen zur Atomkraft‟ soll jetzt der Öffentlichkeit vor Augen geführt werden, welche Folgen ein schwerer Atomunfall in Brokdorf für Norddeutschland, ja für ganz Europa haben könnte. Veranstalter sind das Klimaforum Nordheide und Greenpeace Buchholz, unterstützt wird die Ausstellung von BUND Buchholz und der Friedensgruppe Nordheide.

Zur Eröffnung der Ausstellung kam der freie Journalist und Fotograf Alexander Neureuter, der sich auf Umweltthemen spezialisiert hat, am Mittwochabend nach Buchholz. Er war im Mai und Oktober 2011 in der Sperrzone des Kernkraftwerks von Tschernobyl und hat dort beeindruckende Fotos gemacht, die Grundlage der Ausstellung sind. Den meist trostlosen Impressionen aus der Sperrzone hat Neureuter Fotos aus dem Alltagsleben norddeutscher Städte gegenübergestellt, um dem Betrachter die Augen dafür zu öffnen, was eine Atomkatastrophe in Brokdorf für die Menschen hier bedeuten könnte.

So hängt ein Bild vom belebten Marktplatz in Lübeck neben einem Foto vom menschenleeren und von Büschen und Bäumen überwachsenen Marktplatz der einst von 48.000 Menschen bewohnten Kleinstadt Pripyat nördlich von Tschernobyl, die nach der Havarie vom 26. April 1986 evakuiert werden musste. Dem verwaisten Riesenrad von Pripyat steht das voll besetzte Riesenrad auf dem Hamburger Dom gegenüber. Ein Foto von blitzenden Wohnmobilen am Brokdorfer Elbdeich wird kontrastiert mit einem Foto verrottender Lastwagen in einem Wäldchen bei Tschernobyl.

Erfreulichen Zuspruch verzeichnete die gestrige Eröffnungsveranstaltung, rund 50 Zuhörer versammelten sich in der Stadtbücherei, darunter etliche Ratsmitglieder und Mitglieder der Umweltverbände. Sie erlebten einen ebenso informativen wie beängstigenden Vortrag von Alexander Neureuter. Seine Fotos aus der Sperrzone von Tschernobyl und sein detailreicher Bericht führten auch Zuhörern, die sich schon länger mit dem Thema Atomkraft befassen, sehr unmittelbar vor Augen, welche Verheerungen die Katastrophe in Tschernobyl hervorgerufen hat und welche Folgen sie auch heute noch für die Menschen dort hat.

Herbert Maliers von Greenpeace begrüßte die Gäste und machte klar, dass der Protest auch nach dem Atomausstieg weitergehen müsse: „Wir müssen wach bleiben!‟ Den Ball nahm Jochen Stay von .ausgestrahlt auf, das die Ausstellung präsentiert. Auch wenn die acht ältesten deutschen Atomkraftwerke ausgeschaltet seien, so würden neun AKWs bis zum Jahr 2022 weiterlaufen, so auch das AKW in Brokdorf. Für die Stromversorgung sei es nicht notwendig. Stay wies darauf hin, dass bei einem Atomunfall in Brokdorf ein Areal von 170 Kilometern um den Ort unbewohnbar werden könnte.

Wie das konkret aussehen kann, zeigten die beklemmenden Bilder aus der Sperrzone von Tschernobyl, die Neureuter anschließend zeigte. Im Freizeitpark von Pripyat stehen verrostete Scooter-Fahrzeuge, mit denen nie jemand gefahren ist. Der Freizeitpark sollte am 1. Mai 1986 eröffnet werden, doch da war die Stadt schon evakuiert. Neureuter erklärte, dass den Arbeitern von Tschernobyl, die in Pripyat wohnten, besonders viel geboten werden sollte. So gab es neben dem Freizeitpark auch ein überdimensioniertes Hallenbad mit einer 50-Meter-Bahn. In der Stadt gab es Tiefkühlpizzas und französisches Parfum.

Gespenstisch wirkten auch die Aufnahmen aus einem Kindergarten und der Grundschule in Pripyat. Mit Asbeststaub überzogene Schreibtische im Kunstraum, auf denen noch Töpfchen mit Aquarellfarben stehen, verschmutzte Puppen und Teddys, verstaubte Kinderschuhe. Die Bevölkerung musste Pripyat Hals über Kopf verlassen. Nachdem die Verantwortlichen sie 36 Stunden im Unklaren gelassen hatten, fuhren 1200 Buss und zwei Sonderzüge vor, den Menschen wurde zwei Stunden Zeit gelassen, das Nötigste zu packen.

Als sie das Krankenhaus von Pripyat besuchten, bemerkten Neureuter und seine Begleiter eine besonders hohe Strahlung. Sie folgten den Ausschlägen ihrer Geigerzähler und machten im Keller einen überraschend Fund. Dort lagen Feuerwehrhelme und -uniformen, die bis zum 46.000fachen der normalen Strahlung emittierten. Die Lösung des Rätsels: Es waren die Uniformen und Ausrüstungen der 23 Feuerwehrleute, die als erste nach der Explosion am Kernkraftwerk Tschernobyl im Einsatz waren. Sie hatten keine Ahnung von der radioaktiven Verseuchung, nach etwa drei Stunden wurden die meisten ohnmächtig, ihre Haut war verbrannt. Im Krankenhaus wurden sie aus ihren Monturen herausgeschnitten.

In einem Wäldchen fotografierte Neureuter Lastwagen, die dort vor sich hin rotten. Die Lkw und die vielen Güterwaggons, die in der Sperrzone zurückgelassen wurden, sind immer wieder das Ziel von Schrottdieben. „Organisierte Banden aus Kiew heuern Tagelöhner an, die die Wachen an den Checkpoints der Sperrzonen bestehen und das Metall abtransportieren‟, berichtete der Autor. Das radioaktiv belastete Metall wird in Metallschmelzen in Indien und China mit unbelastetem Material zusammen eingeschmolzen und landet zum Teil in Europa. So stellte der Zoll in Deutschland etwa indische Metalldosen sicher, deren Strahlung weit über dem Grenzwert lag.

Beklemmend auch, was Neureuter von den Spätfolgen der Nuklearkatastrophe berichtete. Vermehrt komme es zu genetischen Schäden bei Kindern, etwa ein vermindertes Hirnvolumen oder Schwachsinn. Es gäbe Jugendliche mit einem Zellalter von 40 Jahren, die Zellen seien durch die Radioaktivität künstlich gealtert. Der Deutsche besuchte in der Ukraine auch einen der 600.000 Liquidatoren, die 1986 in Tschernobyl aufräumen musste. Bei seinem zweiten Besuch war er an Krebs gestorben, wie so viele andere.

Alexander Neureuter beschloss sein Referat über die Katastrophe von Tschernobyl mit einem Zitat von Ranga Yogeshwar, Wissenschaftsjournalist und Kernphysiker: „Die Kernenergie ist nicht wirklich beherrschbar. Und sie verzeiht keine Fehler.‟ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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