Mit ‘Heinrich Helms’ getaggte Beiträge

So war es vor sechs Jahren: machtvolle Demo gegen die Kundgebung der Nazis.

 

Von Kristian Stemmler

Gelingt es den Neonazis der Region am kommenden Sonntag nach sechs Jahren wieder im Zentrum von Buchholz ihre Hetze zu verbreiten? Wie der Pressesprecher der Stadt Buchholz, Heinrich Helms, bestätigt, haben für diesen Tag um 14 Uhr Vertreter der „Bürgerbewegung Nordheide“ eine Kundgebung unter dem Motto „Asylflut stoppen!“ für die Fußgängerzone angemeldet. Doch der Protest formiert sich bereits, trotz der kurzen Vorlaufzeit. Auch die Polizei bereitet sich vor, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern.

Mittlerweile ist noch eine zweite Kundgebung angemeldet, ebenfalls in der Fußgängerzone, Anmelder ist nach Helms‘ Angaben die antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh aus Holm-Seppensen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich politische Parteien, die Kirchen, das „Bündnis für Flüchtlinge“ und andere diesem Protest anschließen. Die Antifa mobilisiert überregional über das linke Portal linksunten.indymedia.org, sie will den Aufmarsch der Nazis verhindern.

Schon aus Sicherheitsgründen müssen die beiden von der „Bürgerbewegung Nordheide“ und Heideruh angemeldeten Kundgebungen in einem gewissen Abstand stattfinden. Daher könnte der „Bürgerbewegung“, hinter der die faschistische Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Ex-Soldaten Denny Reitzenstein und der Alt-Nazi Wolfram Schiedewitz aus Seevetal stecken, die Auflage gemacht werden, nicht direkt im Zentrum zu demonstrieren. Wobei die rechtliche Lage kompliziert ist.

Vor sechs Jahren, auf den Tag genau, nämlich am 3. April 2010, haben die Nazis zuletzt in Buchholz demonstriert, die NPD hatte die Demo unter der Überschrift „Gegen Ausländerkriminalität!“ angemeldet. Damals gelang es, die Nazis auf die andere Seite der Bahnlinie zu verbannen, weil es sich um einem Sonnabend handelte, also einen Markttag und parallel eine Veranstaltung mit Kindern in der Empore stattfand. Da die rechte Demo diesmal für einen Sonntag angemeldet ist, sind ein Verbot oder eine Verlegung schwieriger durchzusetzen.

Auf dem Buchholzer Rathausplatz kam es vor sechs Jahren zu einer machtvollen Gegendemonstration hunderter Nazi-Gegner, während sich am Bahnhof nur ein Häuflein Rechter versammelte. Damals war die Vorlaufzeit für eine Mobilisierung allerdings auch deutlich länger. Diesmal ist das Vorhaben der Nazis erst wenige Tage vor ihrer Kundgebung öffentlich geworden.

Ob es wie vor kurzem in Hittfeld, wo die „Bürgerbewegung Nordheide“ zum ersten Mal unter diesem Namen auftrat, zu Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Nazis kommt, ist ungewiss. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Antifa auf jeden Fall verhindern will, dass die Nazis direkt am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes auf dem Marktplatz, das am 27. Januar eingeweiht wurde, ihre Hetze verbreiten. Das Ziel der Nazis wiederum dürfte sein, genau diesen symbolischen Ort zu besetzen.

Der Aufruf der Antifa auf linksunten.indymedia.org steht unter der Überschrift „Neonazi-Kundgebung in Buchholz verhindern“. In dem Aufruf werden die Zugverbindungen von Hamburg und Bremen explizit genannt, die Antifa will sich um 13 Uhr an der Poststraße treffen, also eine Stunde vor Beginn der Versammlung der Nazis. Wörtlich heißt es im Aufruf: „Egal ob in Buchholz oder woanders, gilt es sich den Nazis und Rassist*innen in den Weg zu stellen und ihre menschenfeindliche Propaganda zu unterbinden.“

Wie schon der buchholz express weist auch die Antifa auf die Strategie der Nazis hin: „Die Bürgerbewegung Nordheide ist ein Versuch der Neonazi-Kameradschaft AG Nordheide Rassist*innen abseits der Neonaziszene anzusprechen. Seit drei Jahren versuchen die Neonazis der AG Nordheide mit spontanen Aktionen und Störungen von Infoveranstaltungen gezielt im bürgerlichen Spektrum rechte Propaganda zu verbreiten. Führender Kopf der Kameradschaft ist der Buchholzer Denny Reitzenstein, der seit langem versucht neonazistische Strukturen aufzubauen, wie die Kameradschaft Buchholz oder die AG Nordheide.“

Aktuell hängen sich Reitzenstein & Co. an den Protest gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft auf der Jordanfläche. Sowohl auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ als auch auf der Homepage seiner AG Nordheide greift er die aktuelle Berichterstattung des Nordheide Wochenblattes über ein Anfrage des CDU-Ratsherren Klaus Gütlbauer auf. Gütlbauer will mit der Anfrage die Umstände des Verkaufs der Fläche an den Investor Holger Cassens aufklären.

Die Polizei bereitet sich derweil darauf vor, Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und der Antifa zu verhindern. „Wir werden mit ausreichenden Kräften vor Ort sein“, sagte Lars Nickelsen, der Sprecher der Polizeiinspektion Buchholz, dem buchholz express. Zu Details der Lageeinschätzung wolle er sich nicht äußern, die Polizei mache sich aber, wie immer bei solchen Einsätzen, ein genaues Bild der Lage.

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Vor zwei Jahren wurden die Container an der Straße Am Langen Sal errichtet.

Von Kristian Stemmler

Das könnte Ärger geben. Auf einer Fläche an den Straßen Am Langen Sal/Fischbüttenweg in Buchholz soll die dort seit etwa zwei Jahren bestehende Containeranlage für Flüchtlinge um rund 80 auf insgesamt 120 Plätze aufgestockt werden. Als die Anlage genehmigt wurde, war den Anwohnern auf einer Informationsveranstaltung noch mitgeteilt worden, die Baugenehmigung sei auf zwei Jahre befristet, die Container würden dann wieder verschwinden. Angesichts der aktuellen Entwicklung lässt sich das nicht umsetzen.

Landkreis Harburg und Stadt haben die Anwohner bereits per Post über die Erweiterung der Anlage informiert und zu einer Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag in der Aula der Waldschule (Beginn 19 Uhr) eingeladen. Dort könnte es hoch hergehen. Auf der anderen Seite schwappt derzeit eine Welle des Wohlwollens für Flüchtlinge durch die Öffentlichkeit – es wird sich zeigen, was die im Einzelfall wirklich wert ist.

Angesichts des weiteren Zustroms von Flüchtlingen in Deutschland hat der Landkreis keine andere Wahl, als jede Möglichkeit für die Unterbringung zu nutzen. „Dem Landkreis werden derzeit 50 bis 60 neue Flüchtlinge pro Woche zugewiesen, so dass wir dringend weiteren Wohnraum benötigen“, sagt Reiner Kaminski, Bereichsleiter Soziales beim Landkreis. Er wird sich am Dienstag den Bürgern stellen, zusammen mit seinem Abteilungsleiter für Migration Thorsten Völker, dem Kreis-Pressesprecher Johannes Freudewald, dem Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) und Heinrich Helms vom Bündnis für Flüchtlinge.

Die Unterkunft am Langen Sal war mit 40 Plätzen eine der ersten Containeranlagen, die der Landkreis im Herbst 2013 eröffnet hat. In Buchholz sind derzeit rund 250 Asylbewerber an verschiedenen Standorten untergebracht. Als weitere Unterkunft ist eine Anlage mit 120 Plätzen auf einem Gelände am Boerns Soll in Vorbereitung, die voraussichtlich im Januar 2016 bezugsfertig sein wird.

Leider muss davon ausgegangen werden, dass die Neonazis der Aktionsgruppe (AG) Nordheide um den Ex-Soldaten Denny Reitzenstein die Erweiterung der Anlage Am Langen Sal zum Thema machen werden. Seit Monaten hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage und ihrem Twitter-Account gegen Flüchtlinge, wobei es ihr vor allem darum geht, Flüchtlinge als kriminell und gefährlich darzustellen.

Unter der Überschrift „Buchholz: Brennpunkt Am Langen Sal“ hieß es vor einigen Tagen auf der Website der AG Nordheide: „Wie wir schon in einem Bericht erwähnt haben, häufen sich die Meldung über kriminelle Fachkräfte um die Unterkunft Am langen Sal.“ Es hätte am Abend des 28. August einen Einsatz mit mehren Streifenwagen an der Unterkunft gegeben, bei dem eine Person festgenommen worden sei. Der buchholz express wird die Meldung überprüfen.

Wie in der Propaganda der Nazis üblich, werden gern Anwohner/Bürger zitiert, um sich als deren Anwalt auszugeben. So heißt es auf der Homepage: „Die Anwohner der Straße berichten davon, dass selbst kleine Kinder, vor allem Mädchen, von den Bewohnern vermehrt angesprochen werden, selbstverständlich bleiben auch Frauen nicht verschont. Es geht nicht mehr um ein harmloses Gespräch, sondern es sind schon sexuelle Anmache, die von den Bewohnern ausgeht. Viele Frauen trauen sich mittlerweile Nachts nicht mehr alleine aus dem Haus, da sie Angst haben, dass es nicht nur bei diesen sexuellen Anspielungen bleibt.“

Das ist das übliche rechte Gemisch von durch nichts belegten Gerüchten mit dreisten Lügen, die bei manchen vorhandene Ängste aufgreifen. Am Ende des Beitrags wird der Duktus drohend: „Aber das schön zureden hat langsam keinen Sinn mehr. Deshalb sollte sich die Politiker bewusst sein, dass der Unmut in der Bevölkerung auch in Buchholz wachsen wird und es irgendwann zu einem großen Knall kommt!“ Ob hier die Hunde nur bellen oder ob sie auch mal beißen werden, lässt sich schwer einschätzen. Die Polizei hat es bei ihrer Lagebeurteilung sicher nicht leicht.

Fakt ist, dass Reitzenstein und/oder seine Gruppe immer aktiver werden. Während in den letzten Jahren die Homepage der AG Nordheide manchmal wochenlang nicht aktualisiert wird, erscheinen dort derzeit im Abstand von Tagen hetzerische Beiträge. Auch der Twitter-Account wird fleißig bestückt. Zuletzt übernahm Reitzenstein die Homepage des Internetversandhandels „Street Wear Tostedt“, auf der vor allem Nazi-Musik, aber auch T-Shirts und dergleichen vertickt werden.

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Von Kristian Stemmler

Der Alltag wird für viele Menschen heute nicht leichter. Druck am Arbeitsplatz, Stress in der Familie, Rundumbeschallung durch Konsum- und Medienindustrie. Da ist den Menschen natürlich jede Abwechslung prinzipiell zu gönnen. Schade ist nur, dass diese Abwechslung oft nur noch in Form von Zerstreuung und Betäubung bei so genannten Massenevents zu finden ist. Am Sonnabend gab es ein solches Event auf dem Peets Hoff in Buchholz: Die Sommertour 2015 von Hallo Niedersachen und NDR 1 Niedersachsen machte mit ihrer „Stadtwette“ Station in der Nordheide.

Wenn das Fernsehen ruft, gibt es natürlich kein Halten. Auf dem Platz zwischen Buchholz Galerie und Famila standen die Menschen von der Bühne bis zur Lindenstraße dicht an dicht, schon um 18 Uhr war kaum ein Durchkommen. Offenbar war die halbe Stadt auf den Beinen, um des Ereignisses teilhaftig zu werden. Die Polizei schätzte hinterher die Zuschauerzahl auf rund 9000. Viele hatten sich oder ihre Kinder als Pippi Langstrumpf oder andere Figuren des Kinderbuches ausstaffiert – denn das war Inhalt der (am Ende gewonnen) Stadtwette: Mehr als 250 Buchholzer sollten als Pippi-Langstrumpf-Figuren kostümiert das Pippi-Lied singen.

Ohne Frage ist es immer wieder faszinierend, was für eine Technik das Fernsehen auffährt, um seine künstliche Welt zu produzieren. Auf, neben, vor und hinter der mächtigen Bühne gab es Kameras und Kabel ohne Ende zu sehen, die Techniker des NDR liefen, zu recht von ihrer Bedeutung überzeugt, geschäftig umher, es wurde geplant, probiert, gecheckt. Die Professionalität, mit der all dies geschieht, ist sicher beeindruckend.

Nur stellt sich die Frage, für wen das alles geschieht. Denn letztlich sind die, für die das alles angeblich gemacht wird, also die (imaginierte) Stadt und deren Bewohner doch nur Staffage für die Show. Das Team rund um den Pressesprecher Heinrich Helms, das die Stadtwette bestritt, war sicher sehr motiviert, aber bestand halt aus einer überschaubaren Gruppe von Leuten, die sich auch sonst gern engagieren. Die große Masse der Zuschauer am Abend konsumierte die Show, war rein passiv.

Dass Moderator Arne-Torben Voigts, der mit seiner Kollegin Kerstin Werner, das Ganze moderierte, nicht nur einmal von Bückeburg statt von Buchholz sprach, ist kein Zufall, sondern Ausdruck dieser Auswechselbarkeit der Kulissen. Der NDR arbeitet gern mit Lokalkolorit, gibt sich als Bewahrer von Heimat und Heimatgefühl. Aber letztlich ist das natürlich auch nur eine Täuschung, denn von dieser Heimat, dem spezifisch Lokalen, ist nicht mehr viel übrig.

Der Amok laufende Turbokapitalismus lässt nichts stehen, nichts von emotionaler Bindekraft, nichts was uns vom Konsumieren abhält, auch keine Heimat. Alles kommt in den großen Fleischwolf und nur das, was für die Zurichtung der Menschen brauchbar ist, bleibt übrig. Solche Events wie am Sonnabend in Buchholz sind letztlich nur dazu da, die Menschen zuzudröhnen, sie zu zerstreuen und abzulenken, Placebo-Gefühle zu vermitteln, auf dass sie am nächsten Tag weiter funktionieren.

So gut das alles auch gemacht war, auch die mit viel Drive neu arrangierte Neue-Deutsche-Welle-Musik mit Markus, Hubert Kah, Geier Sturzflug und Frl. Menke – im Grunde war es ein ebenso tristes wie trostloses Ereignis. „Wo bleibt die Freude?“, rief einer der Musiker auf der Bühne, und das war wohl der wahrhaftigste Satz an diesem Abend.

Aber die Leute werden ihn falsch verstanden haben. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, in die an einem Galgen immer wieder über sie schwebende Kamera zu winken und gleichzeitig auf den großen Bildschirm an der Bühnenseite zu starren. Einmal im Leben im Fernsehen sein.

Paul Simon schrieb diesen Text:

These are the days of miracle and wonder
This is the long-distance call
The way the camera follows us in slow-mo
The way we look to us all
The way we look to a distant constellation
That’s dying in a corner of the sky
These are the days of miracle and wonder
And don’t cry, baby, don’t cry, don’t cry

(…)

It’s a turn-around jump shot
It’s everybody jump start
It’s every generation throws a hero up the pop charts
Medicine is magical and magical is art
Think of the boy in the bubble
And the baby with the baboon heart

Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Musiker wie dieser Gitarrist sollen auch weiterhin auf dem Wochenmarkt Musik machen dürfen. Foto: Wochenblatt/Oliver Sander

Von Kristian Stemmler

In der Diskussion um die Straßenmusik auf dem Buchholzer Wochenmarkt, die durch den querschläger und das Nordheide Wochenblatt ausgelöst wurde, sieht sich die Verwaltung zu einer Klarstellung genötigt. Wie in einer Pressemitteilung der Stadt ausgeführt wird, gehe es bei den umstrittenen Änderungen der Satzung für den Wochenmarkt nicht um ein Verbot der Straßenmusik auf dem Markt, sondern um eine Steuerung der Qualität der Musik.

Sollte der Ablauf tatsächlich so sein wie in der Pressemitteilung dargestellt, wäre die Aufregung sicher etwas übertrieben gewesen. Allerdings haben Politik und Verwaltung selbst zu Missverständnissen beigetragen. So war die Rede davon, Straßenmusik auf dem Markt nur noch im Ausnahmefall zu genehmigen. In der Ratssitzung, auf der die Änderungen der Marktsatzung beschlossen wurden, äußerte etwa FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, die Musiker müssten weg.

Auch stellt sich die Frage, ob die Straßenmusik auf dem Markt in der Satzung geregelt werden musste, ob die Handhabe für den Marktmeister nicht auch so da gewesen wäre. Wie dem auch sei, aus Sicht des querschläger gibt es andere Probleme, was den Markt angeht, die nicht geregelt wurden. Zum Beispiel dass dubiose evangelikale Sekten wie die Friedenskirche dort mit einem Stand Werbung für sich machen dürfen.

Hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

„Eigentlich ist alles ganz einfach“, sagt Sven Domnick, Mitarbeiter der Verkehrsbehörde und Organisator des Wochenmarkts. Die just vor der Sommerpause vom Rat verabschiedete neue Marktsatzung untersagt zwar grundsätzlich Straßenmusik auf dem Markt, lässt sie auf Antrag aber zu. Der ist so formlos wie simpel: Wer auf dem Wochenmarkt musizieren möchte, muss lediglich den Marktmeister ansprechen. Der entscheidet und erteilt mündlich die Erlaubnis, „wer wo wie lange Musik machen darf“, erläutert Domnick. „Wir wollen darüber die Qualität der Musik steuern.“

Die ist, das zeigen Beschwerden von Marktbeschickern und Geschäftsleuten am Marktplatz, deutlich verbesserungswürdig. So käme es immer wieder vor, dass selbsternannte Straßenmusiker „stundenlang die selben beiden Songs spielen oder Töne produzieren, die auch mit gutem Willen nicht als Musik bezeichnet werden können“, sagt Domnick.

„Was der Marktbesucher schön findet, kann für einen Marktbeschicker oder für eine Verkäuferin, vor deren Geschäft fünf Stunden ununterbrochen „El Condor Pasa“ oder anderes gespielt wird, schon anstrengend sein“, schreibt auch Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse auf seiner Facebook-Seite. „Hier soll der Marktmeister künftig eine Handhabe haben, und genau dazu dient die Regelung in der Satzung.“

„Wir haben bereits mit einigen Musikern gesprochen, die regelmäßig auf dem Markt sind“, berichtet Domnick. Die seien nach der ersten Aufregung inzwischen ganz entspannt. „Denn sie haben ihre Genehmigung und dürfen auch im neuen Jahr mit ihrem Können den Buchholzer Wochenmarkt bereichern.“

Von der Neufassung der Marktsatzung, die gilt erst ab 1. Januar 2016, unberührt ist die Sondernutzungssatzung der Stadt. Danach ist es Musikern nach wie vor erlaubt, bis zu 30 Minuten lang an einem Ort ihre Musik zu machen. Grundsätzlich gilt das auch an Marktagen – nur eben nicht auf dem oder in Hörweite des Marktes. „Die müssen dann an andere Orte ausweichen“, erklärt Domnick. Etwa in den Peets Hoff, Poststraße oder Thomasweg.

DSC_0726[1]Buchholz (be) – Die imposanten Wasserspiele im Zentrum des Peets Hoff sind ja inzwischen wieder zum Leben erweckt worden. Dafür fehlt, wie viele Buchholzer vermutlich schon registriert haben, im benachbarten Emporeteich seit etlichen Tagen das Wasser. Das Becken ist zwar gesäubert, aber auf Dauer sieht so ein leeres Becken natürlich nicht besonders einladend aus.

Des Rätsels Lösung: Eine Pumpe ist defekt, wie Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt, dem buchholz express mitteilte. Der Schaden sei nicht so ohne weiteres zu beheben, darum liege das Becken schon so lange trocken. Man arbeite aber daran.

DSC_0707[1]Von Kristian Stemmler

Überraschend sachlich und friedlich ist am Donnerstag abend die Informations-veranstaltung zur geplanten Unterkunft für Asylbewerber An Boerns Soll im Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) verlaufen. Wie berichtet, sollen auf einem kreiseigenen Grundstück neben der Förderschule Boerns Soll eine Containeranlage für rund 120 Asylbewerber errichtet werden. Die Vorplanungen sollen in den nächsten Wochen beginnen, mit Fertigstellung und Bezug ist im Spätsommer zu rechnen.

Dass die Info-Veranstaltung im AEG, zu der Landkreis und Stadt eingeladen hatten, so weitgehend reibungslos verlief, lag zum einen sicher an der ruhigen Art des Vortrags der Verantwortlichen und der unaufgeregten Moderation der Diskussion. Vor allem aber lag es aber wohl daran, dass sich die Kritiker der Unterkunft in der mit rund 300 Menschen voll besetzten Aula klar in der Minderheit befanden – etwa ein Drittel zu zwei Drittel – und auch argumentativ schnell in der Defensive waren.

So kam eine aggressive Hetzstimmung, wie es sie bei solchen Abenden schon gegeben hat, gar nicht erst zustande. Bei Betrachtung der Wortmeldungen und des Beifalls zu bestimmten Äußerungen ließ sich relativ gut abschätzen, wie die Gegner und Befürworter verteilt waren. Die Gegner kommen offenbar vor allem aus der eher kleinbürgerlichen Siedlung rund um die Marienstraße südlich des Schulgeländes. Die Befürworter eher aus der Märchensiedlung, deren Bewohner in der Mehrheit vermutlich grün-alternativ geprägt oder zumindest toleranter sind.

Störungen von Seiten der Buchholzer Neonazis, die über den Twitter-Account ihrer Aktionsgruppe Nordheide zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen hatten, gab es keine. Allerdings war die Polizei auch vorbereitet und wollte polizeibekannte Kader gar nicht erst in die Aula lassen. Der Chef der Polizeiinspektion Harburg, Uwe Lehne, war selbst vor Ort, auch zivile Beamten des Staatsschutzes. Mit der Präsenz Uniformierter hielt man sich aber zurück.

Auch die örtliche Antifa war anwesend und zeigte Flagge. Offenbar gelang es der AG Nordheide aber dennoch, jemanden in den Saal zu schmuggeln, denn schon während der Veranstaltung wurden fleißig Infos über den Verlauf getwittert. Diese Mitteilungen waren natürlich höchst tendenziös und verfälschend. So wurden Einzelstatements zur Meinung der Gesamtheit hochstilisiert. „Die Bevölkerung hat Angst vor den großen Männergruppen!!“, hieß es da etwa.

Tatsächlich gab es die üblichen Einwände gegen die Unterkunft, wie sie die Verantwortlichen des Landkreises bereits auf etlichen ähnlichen Veranstaltungen gehört haben. Ganz vorn dabei sind immer die angeblich sinkenden Grundstückspreise. So meldete sich gleich zu Anfang ein Anwohner der Marienstraße, der um den Wert seiner Immobilie fürchtet und behauptete, „da wo das Geld ist“, würden keine Flüchtlingsunterkünfte errichtet, nur in Wohngebieten der Mittelschicht.

Ein anderer Bürger bekannte er gehöre nicht „zum rechten Pack“, sei aber gegen die Unterkunft. Das Ganze sei undemokratisch beschlossen worden, viele Asylbewerber seien doch nur „Wirtschaftsflüchtlinge“. Er habe vor fünf, sechs Jahren gebaut und würde jetzt am liebsten wegziehen. Aber man wisse ja gar nicht mehr wohin, weil die Flüchtlinge quasi überall seien.

Dass die Anwohner nicht rechtzeitig informiert worden seien, kam mehrfach. Kritisiert wurde auch, dass die Unterkunft direkt neben einem Schulzentrum erbaut wird. Und natürlich durfte auch die besorgte Mutter nicht fehlen, deren Tochter das AEG besucht, und die danach fragt, ob man denn wenigstens dafür sorgen könne, dass nicht nur junge Männer in der Unterkunft einziehen.

Die Verantwortlichen von Landkreis und Stadt setzten den Vorurteilen sachliche Information entgegen. Auf dem Podium hatten der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU), Reiner Kaminski, Dezernatsleiter Soziales des Landkreises, Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises, Thorsten Völker, Koordinator für die Flüchtlingsunterbringung, und Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt und Vertreter des „Bündnis für Flüchtlinge Buchholz“, Platz genommen.

Kaminski wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass andere Länder wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssten als Deutschland. So würde der Libanon von Flüchtlingen aus dem benachbaren Syrien überschwemmt. Eine Bevölkerung von nur vier Millionen Euro sieht sich dort mehr als einer Million Flüchtlinge gegenüber. In Deutschland, so der Dezernent, seien 2014 rund 200.000 Asylbewerber aufgenommen worden, in diesem Jahr wird mit 300.000 bis 400.000 gerechnet. Kaminski verwies auf die aktuellen Tragödien im Mittelmeer, die deutlich machten, dass diese Menschen oft Leib und Leben riskierten, um Not und Verfolgung zu entkommen.

Es sei eine gesellschaftliche Verpflichtung, diesen Menschen Schutz zukommen zu lassen, so der Redner weiter. Das „Recht auf Asyl“ im Grundgesetz und entsprechende Passagen in der Genfer Konvention seien die rechtlichen Grundlagen. Er habe dafür Verständnis, dass Anwohner von geplanten Unterkünften sich fragten, was auf sie zukommt, „weil es da viele Ängste gibt“. In Buchholz habe man bisher gute Erfahrung gemacht, vor allem auch bei der Zusammenarbeit mit dem Bündnis.

Thorsten Völker gab einen Einblick in die aktuellen Zahlen und Fakten zum Thema. Derzeit seien 1649 Personen im Landkreis aufgenommen. Im Jahr 2014 wurden 784 Asylbewerber aufgenommen, in diesem Jahr waren es bis Mitte April bereits 446. Rund 1500 Asylbewerber, so die Schätzung, würden dem Landkreis in diesem Jahr noch zugewiesen, so dass der Landkreis in summa in diesem Jahr dann rund 2000 Flüchtlinge aufgenommen hätte. Das wären immer noch weniger als 1992, so Völker, zur Zeit der Balkankrise. Der Landkreis stelle aktuell 1671 Plätze in 58 Unterkünften bereit.

Die Flüchtlinge würden nach der Einwohnerzahl auf die Landkreises verteilt, seit August 2014 sei die Zuweisungspraxis „sehr stringent“. Aktuell würden 35 bis 40 Asylbewerber pro Woche zugewiesen, Absprachen seien nicht möglich. So würden Namen, Geschlecht, Nationalität und Religionszugehörigkeit erst drei bis sieben Tage vor Ankunft der Flüchtlinge mitgeteilt. Für 795 Flüchtlinge seien Unterkünfte in Planung oder in Bau, für 705 müssten in diesem Jahr noch Unterkünfte gefunden werden.

Angesicht der steigenden Zahlen von Zuweisungen habe man sich gezwungen gesehen, von Unterkünften für 30 bis 40 Asylbewerbern wegzukommen und Unterkünfte für bis 120 Personen anzustreben. Die Anwohner geplanter Unterkünfte würden so früh wie möglich informiert. Freudewald wies die Kritik zurück, in reicheren Kommunen würden keine Flüchtlinge untergebracht. So gäbe es in Jesteburg allein zehn Standorte.

Bürgermeister Röhse ging auf die Frage ein, warum die Unterkunft neben einem Schulzentrum errichtet werde. Das sei in keiner Weise ein Problem, betonte er. Er habe selbst eine 15 Jahre alte Tochter am AEG, sein neun Jahre alter Sohn werde die Schule demnächst besuchen. Was die Flüchtlinge angeht, mache er sich überhaupt keine Sorgen, so der Bürgermeister: „Dann habe ich schon eher Angst, dass ihnen auf dem Weg zur Schule was passiert…“

Erfrischend und erfreulich waren an diesem Abend die Statements von Bürgern, die nicht nur den verbreiteten Ängsten entgegen traten, sondern das Positive hervorhoben. So stand eine Mutter aus der Märchensiedlung auf und rief unter Beifall, sie freue sich richtig auf die Ankunft der Flüchtlinge. „In der Siedlung sind alle mehr so unter sich, wir kommen aus einer ähnlichen Wohlstandsschicht. Unsere Kinder kennen gar nichts anderes“, sagte sie, „da ist es toll, dass sie die Flüchtlinge kennen lernen können.“

Eine andere Mutter aus der Märchensiedlung meinte angesichts der von Zuhörern geäußerten Befürchtungen: „Es handelt sich um Menschen, nicht um Ungeheuer.“ Dass einigen zu den Flüchtlingen nur einfalle, dass der Marktwert ihrer Immobilie sinken könne, mache sie sprachlos. Eine junge Frau vom „Bündnis für Flüchtlinge“ erklärte, sie habe kein Verständnis dafür, dass einige Angst davor hätten, dass nur junge Männer in der Unterkunft wohnen könnten: „Hier in der Aula sind bestimmt auch mindestens 50 Prozent Männer – und ich habe auch keine Angst.“

Unterstützung für den Landkreis und die Stadt kam auch von den anwesenden Schulleitern. Aufgabe einer Schule sei es auch, „Begegnung zuzulassen und Verantwortung zu übernehmen“, erklärte der Leiter des AEG, Hans-Ludwig Hennig, „und genau das werden wir auch tun.“ Holger Blenck von der Schulleitung der IGS Buchholz lobte, die Verantwortlichen für die Unterbringung würden sehr professionell arbeiten. Man werde abwarten, wer komme, und dann überlegen, wo man helfen könne.

Der Pressesprecher der Stadt, Heinrich Helms, der die Diskussion moderierte, stellte kurz das Bündnis für Flüchtlinge vor. 2013 gegründet habe man inzwischen rund 140 Mitstreiter. In mehreren Gruppen würde Sprachunterricht für Flüchtlinge angeboten. Alle sechs bis acht Wochen organisiere man einen Tag der Begegnung. Als nächstes wolle das Bündnis an der Bremer Straße in einem Container eine Fahrradwerkstatt einrichten, um dort Fahrräder für die Flüchtlinge gemeinsam mit den Betroffenen instand zu setzen (Näheres zum Bündnis unter http://www.buendnis-buchholz.de).

Buchholz (ein/kst) – Die Tragödie im Mittelmeer zeigt aufs Neue, welche dramatischen Dimensionen die Flüchtlingsproblematik angenommen hat. Angesichts der vom Westen verursachten Krise und Kriege im Mittleren Osten, Afrika und anderswo kommen weiterhin tausende Flüchtlinge nach Deutschland. Davon ist auch der Landkreis Harburg betroffen. Buchholz will jetzt weitere 120 Asylbewerber aufnehmen und zwar am Boerns Soll.

Nach Gesprächen mit der Stadt und den Schulleitern der benachbarten Schulen habe der Landkreis entschieden, auf dem kreiseigenen Gelände An Boerns Soll eine neue Unterkunft für 120 Flüchtlinge in Modulbauweise zu errichten, meldet die Verwaltung. Die Vorplanungen für den Bau der neuen Anlage sollen in den nächsten Wochen beginnen, mit einer Fertigstellung und dem Bezug sei voraussichtlich im Spätsommer zu rechnen.

„Als größte Stadt im Landkreis Harburg nehmen wir unsere Verantwortung wahr, weitere Flüchtlinge in unserer Mitte aufzunehmen“, sagte Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU). „Dabei sind wir auch weiterhin auf die ehrenamtliche Unterstützung und Erfahrung von Bürgerinnen und Bürgern angewiesen, die sich im Buchholzer Bündnis für Flüchtlinge engagieren können.“ In der Stadt Buchholz sind bereits rund 250 Asylbewerber an neun Standorten untergebracht.

Die Anwohner und Nachbarn des ausgewählten Geländes wurden bereits mit einem gemeinsamen Brief des Landkreises und der Stadt Buchholz über das Vorhaben informiert und zu einer Bürgerinformationsveranstaltung eingeladen, die am Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Aula des Albert Einstein Gymnasiums stattfindet. Dazu wurden auch alle Eltern von Schülerinnen und Schülern, die die benachbarten Schulen besuchen, mit ähnlichen Schreiben der Schulleiter eingeladen.

Auf der öffentlichen Veranstaltung wird Röhse gemeinsam mit dem Bereichsleiter Soziales des Landkreises, Reiner Kaminski, über die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis, den Stand der Planungen und das Betreuungskonzept informieren und sich den Fragen des Publikums stellen. Mit dabei sind auch Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt Buchholz und im Buchholzer Bündnis für Flüchtlinge aktiv, und Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises Harburg, sowie die Schulleiter der benachbarten Schulen.

Die Polizei bereitet sich offenbar auch auf die Veranstaltung vor, um mögliche Störungen schon im Vorfeld zu ersticken. Jedenfalls meldet die Nazi-Gruppierung Aktionsgruppe (AG) Nordheide auf ihrem Twitter-Account, die ersten „Nationalisten“ hätten wegen der Veranstaltung am Donnerstag im AEG „Besuch von der Staatsmacht“ bekommen.

Es ist also davon auszugehen, dass die Polizei im Zuge so genannter Gefährderansprachen die Buchholzer Nazis vorwarnt und ihnen deutlich macht, dass sie sie im Blick hat. Die AG Nordheide hetzt seit Monaten auf ihrem vermutlich vom Führungskader Denny Reitzenstein betriebenen Twitter-Account und auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge.