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Posts Tagged ‘Hans-Heinrich Kröger’

Lernte gleich die "Buchholzer Verhältnisse" kennen: Bei der Ratssitzung am Dienstag wurde Dirk Hirsch (re.), bisher Leitender Verwaltungsbeamter vom Amt Eiderkanal nahe Rendsburg, zum neuen Ersten Stadtrat gewählt, Nachfolger von Jan-Hendrik Röhse, der ihm als Bürgermeister gratulierte. Für einen Lacher sorgte das wenige Monate alte Kind  des Beamten, das mit der Mutter gekommen war. Genau in dem Moment, als der Tagesordnungspunkt der Wahl von Hirsch aufgerufen wurde, meldete sich das Baby das erste Mal vernehmlich (Hirsch wird noch in einem eigenen Beitrag näher vorgestellt).

Lernte gleich die „Buchholzer Verhältnisse“ kennen: Bei der Ratssitzung am Dienstag wurde Dirk Hirsch (re.), bisher Leitender Verwaltungsbeamter vom Amt Eiderkanal nahe Rendsburg, zum neuen Ersten Stadtrat gewählt, Nachfolger von Jan-Hendrik Röhse, der ihm als Bürgermeister gratulierte. Für einen Lacher sorgte das wenige Monate alte Kind des Beamten, das mit der Mutter gekommen war. Genau in dem Moment, als der Tagesordnungspunkt der Wahl von Hirsch aufgerufen wurde, meldete sich das Baby das erste Mal vernehmlich (Hirsch wird noch in einem eigenen Beitrag näher vorgestellt).

Von Kristian Stemmler

Der Stadtrat von Buchholz hat am Dienstagabend mit großer Mehrheit eine Resolution verabschiedet, die sich gegen das so genannte Freihandelsabkommen zwischen der EU und USA „Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft“ – kurz: TTIP – wendet. In dem vom stellvertretenden Bürgermeister Frank Piwecki für die SPD eingebrachten Antrag wird das TTIP als „massiver Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung“ kritisiert. Die Verhandlungen seien bisher intransparent, die kommunale Daseinsvorsorge, wie die Wasserversorgung, die Bereiche Abfall und ÖPNV, Kultur und Bildung, könnten durch das Abkommen beeinträchtigt werden. Für die Resolution (am Endes des Beitrags in voller Länge wiedergegeben) stimmten 22 Ratsmitglieder, die Fraktionen der SPD, der Grünen, der Buchholzer Liste (BuLi) und der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), Pirat Arne Ludwig, der parteilose Verfasser dieses Beitrags und Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU). Nicht zum ersten Mal positionierte sich Röhse damit gegen seine eigene Partei, die sonst geschlossen gegen die Resolution stimmte ebenso wie die drei FDP-Ratsmitglieder. Erneut bekam der Bürgermeister daher Applaus von der anderen Seite., der Ratsmehrheit.

Der Abstimmung war eine kontroverse und in Teilen emotionale Debatte vorausgegangen. Piwecki begründete die Resolution damit, dass es bei TTIP „um unser aller Gemeinwohl“ gehe: „Der Spielraum der Kommunen muss erhalten bleiben.“ Der Sozialdemokrat sprach von „unsäglichen Liberalisierungstendenzen“. So könne das Abkommen dazu führen, dass eine Rekommunalisierung nicht mehr möglich sei, also ein einmal privatisierter Bereich wie etwa die Wasserversorgung nicht mehr von der Kommune zurückgekauft werden dürfe.

Auch Frerk Meyer von den Grünen beklagte, dass TTIP den Gestaltungsrahmen der Kommunen erheblich einschränken würde. Die Auftragsvergabe in den Kommunen solle zum Beispiel neu geregelt werden, so dass künftig soziale oder ökologische Kriterien als Handelshemmnisse eingestuft und gekippt werden könnten. Mit dem Abkommen sollten die Interessen multinationaler Konzerne durchgesetzt werden, kritisierte Meyer.

Der Grüne thematisierte auch die geplanten überstaatlichen Schiedsgerichte, die zum Beispiel kommunale Satzungen kippen könnten, ohne dass die Kommunen hierzulande sich dagegen wehren könnten. Hier erwachse eine unkontrollierbare „Paralleljustiz“. Meyer verwies auf mehr als 1,8 Millionen Menschen in der EU, die schon per Unterschrift gegen TTIP gestimmt hätten. Das Thema sei in den Parteien keines von rechts oder links, sondern von oben und unten.

Gabi Meyer von den Grünen forderte „Klartext zu reden“. Es könne nicht angehen, dass über Jahrhunderte erkämpfte Errungenschaften Europas geopfert würden, dass „Daseinsvorsorge, Kultur, Bildung auf den weltweiten Markt geworfen werden“. Die Kommunen sollten ihre Rechte nicht ohne Not aus der Hand geben. Cornelia Cornels-Selke von der Grünen-Fraktion forderte, „ein Zeichen zu setzen“. Man habe es nicht mit den netten Amerikanern zu tun, die man aus dem Urlaub kenne, „sondern mit global Playern, die bereits einen Fuß in Europa haben und nun den zweiten hinein bekommen wollen“.

Bei CDU und FDP konnte man weder die Kritik am TTIP noch die Empörung nachvollziehen. In seiner ersten Rede als Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat bewies Andreas Eschler zwar, dass er andere kämpferische und rhetorische Talente hat als sein Vorgänger Klaus Gütlbauer, an den Inhalten war allerdings keine Änderung festzustellen. Eschler erklärte, der Niedersächsische Städtetag habe in einer Resolution bereits alles gesagt, was zu dem Thema zu sagen sei.

Es sei nicht Sache des Buchholzer Stadtrats sich mit einem so komplexen und umfangreichen Werk wie dem TTIP zu befassen, der Rat sei weder zuständig noch kompetent in der Frage. Eschler zitierte aus einer gemeinsamen Erklärung der EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström und des US-Handelsbeauftragten Michael Froman, in der sie versichern, das Abkommen werde die Qualität von Dienstleistungen in Bereichen wie Wasser, Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit nicht beeinträchtigen. Zwischenruf des Autors dieser Zeilen: „Und das glauben Sie wirklich?!“

Zeugte Eschlers Vortrag immerhin noch von Sachkenntnis, so verstieg sich Jürgen Kempf von der FDP zu reiner neoliberaler Polemik. Er machte bei den TTIP-Kritikern „Halbwissen und Angstmache“ aus und fühlte sich an die Diskussion über Chlorhühnchen und Genmais erinnert (Zwischenruf: „Davon hat keiner gesprochen“). Rund 130 Handelsabkommen seien weltweit schon abgeschlossen worden, man solle doch erst mal abwarten, was da komme (Zwischenruf: „Dann ist es zu spät!“). Kempfs bemerkenswertes Fazit: „Die Globalisierung hat Deutschland reich gemacht!“ (Anm. des Verfassers: nicht alle von uns).

Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, der im Abstimmungsprozess der vergangenen Wochen noch für Änderungen des Resolutionstextes gesorgt hatte, nahm in der Debatte so etwas wie eine mittlere Position ein. Er sei eigentlich ein Anhänger freien Handels und sehe vieles in der Diskussion entspannter als die Kritiker des TTIP. Er habe sich als Bürgermeister aber dafür einzusetzen, dass die Rechte der Kommune nicht beeinträchtigt würden. Deutliche Kritik richtete Röhse an seine eigene Partei und die FDP. Im Vorfeld habe es genug Gelegenheit gegeben, einen eigenen Vorschlag zu machen: „Da kam leider nichts.“

Als Hans-Heinrich Kröger von der CDU zum Schluss der Debatte aufsprang und die Aussage eines wissenschaftlichen Mitarbeiters des Bundestages zitierte, kommunale Gremien dürften sich zum TTIP nicht äußern, fuhr der Bürgermeister kurz aus der Haut. Er werde sich von einem Mitarbeiter des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages nicht vorschreiben lassen, worüber er abstimme dürfe und worüber nicht. Der Beifall der Ratsmehrheit war Röhse sicher!

Und hier der Resolutionstext in voller Länge:

„Der Rat der Stadt Buchholz i.d.N. sieht neben den grundsätzlichen Chancen des internationalen Handels die aktuellen Verhandlungen zwischen der EU und den USA über die Vereinbarung des Freihandelsabkommens Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) mit großer Sorge.

Daher stellt der Rat in einer Resolution fest:

  • dass die bisher weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Verhandlungen intransparent und somit geeignet sind, Misstrauen in die Verhandlungsführung der EU-Kommission zu erwecken;
  • dass das Abkommen nach derzeitigem Kenntnisstand geeignet ist, die bisherige Form kommunaler Daseinsvorsorge und das Subsidiaritätsprinzip zu gefährden.
  • dass die kommunale Daseinvorsorge, wie die öffentliche Wasserver- und Abwasserentsorgung, die Bereiche Abfall und ÖPNV, soziale Dienstleistungen sowie alle Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsoge in den Bereichen Kultur und Bildung durch das Handelsabkommen nicht beschränkt oder beeinträchtigt werden sollen,
  • dass die wirtschaftliche Betätigung von Kommunen im Bereich der Daseinsvorsorge und der Infrastruktur nicht gefährdet werden darf und die Möglichkeiten für eine Auftragsvergabe nach sozialen, ökologischen oder regionalen Kriterien bestehen bleiben müssen.
  • dass die Umwelt- und Sozialstandards in der EU nicht gefährdet werden dürfen.

Der Rat unterstützt daher die Position des Deutschen Städtetages und fordert die Landes- und Bundestagsabgeordneten sowie die regional zuständigen Europaabgeordneten auf, sich entsprechend auf der jeweiligen politischen Ebene zu verwenden.

Diese Verträge stellen einen massiven Eingriff in die kommunale Selbstverwaltung dar.

Der Bürgermeister der Stadt Buchholz i.d.N. macht diese kritische Haltung in geeigneter Weise gegenüber der Landesregierung, der Bundesregierung sowie dem Europäischen Parlament deutlich und wird sich in den kommunalen Spitzenverbänden dafür einsetzen, dass die Freihandelsabkommen die kommunale Handlungsfähigkeit in keiner Weise beeinträchtigen oder beschränken.“

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Für manche Parteien ist Vetternwirtschaft offenbar schon so selbstverständlich geworden, dass sie schwer beleidigt sind, wenn es einmal nicht so klappt wie erwartet. So verweigerten die Vertreter der Buchholzer CDU-Stadtratsfraktion jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Bauen (StaMoBau) dem Bebauungsplan Vaensen Zustimmung. Der Grund: Die Ratsmehrheit hatte die Pläne der CDU durchkreuzt, Weideland ihres Ratsherrn Hans-Heinrich Kröger, Landwirt in Vaensen, in Bauland umzuwandeln. Als Ergänzung zum B-Plan hatte die Union eine einzeilige Bebauung östlich der Vaenser Dorfstraße mit Ein- und Zwei-Familien-Häusern beantragt.

Im StaMoBau-Ausschuss erklärte Peter Noetzel für die CDU nun, man könne dem aktuellen Bebauungsplan Vaensen nicht zustimmen, weil die beantragte Wohnbebauung nicht mit aufgenommen worden sei. Es sei gar nicht einzusehen, warum an dieser Stelle nicht gebaut werden dürfe. Allerdings mochte Bündnispartner Arno Reglitzky von der FDP dieser Argumentation wohl nicht ganz folgen. Jedenfalls enthielt er sich, so dass im Ausschuss eine Mehrheit für den B-Plan zustande kam. Entscheiden wird jetzt der Verwaltungsausschuss am kommenden Donnerstag. (kst)

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Von Kristian Stemmler

Eine ebenso lange wie inhaltsreiche Tagesordnung hatte der Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung am Mittwochabend in der Rathauskantine abzuarbeiten. Wobei der eigentlich brisanteste Punkt relativ geräuschlos über die Bühne ging. Nach dem Bericht im Wochenblatt über die Absicht der CDU, die Weiden ihres Ratsherrn Hans-Heinrich Kröger in Vaensen zu Bauland zu machen (der blog berichtete), wollte man wohl nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. Aber die Positionen wurden schon klar.

Peter Noetzel von der CDU hatte die undankbare Aufgabe, den sich aufdrängenden Eindruck von Vetternwirtschaft zu zerstreuen – oder dies zumindest zu versuchen. Allerdings musste er sich dabei einer ziemlich abenteuerlichen Argumentation bedienen, so offensichtlich wie hier operiert wird. Noetzel drehte den Vorwurf des Wochenblattes, das gefragt hatte „Lohnt sich Ratsarbeit doch?“ einfach um. Die Mitgliedschaft im Rat dürfe einem nicht zum Nachteil gereichen, führte er aus, sonst ließe sich am Ende kein Grundstückseigentümer mehr in den Rat wählen.

Die von der CDU für das betreffende Areal beantragte einzellige Bebauung sei im übrigen nicht gravierend. Es gehe darum, das Dorf Vaensen „langsam und vernünftig‟ weiterzuentwickeln. Rolf-Peter Kaufhold, Leiter Stadtplanung, führte dazu lediglich aus, natürlich sei es möglich, den projektierten Bebauungsplan in der von der CDU gewünschten Weise zu ergänzen, das würde aber nicht dem bisherigen Beratungsverlauf entsprechen. Letztlich sei es eine politische Entscheidung.

Der Ausschuss befürwortete den CDU-Antrag mit fünf gegen vier Stimmen. Wobei sich erwies, dass der für die UWG neu in den Rat gekommene Heiner Hohls mit derselben Nibelungentreue an der Seite der Union steht wie sein Vorgänger Hannes Henk. FDP-Fraktonschef Arno Reglitzky natürlich sowieso – wobei er damit öffentlich demonstrierte, was von seinen Appellen zu mehr Fairness und Sachlichkeit in der Buchholzer Politik zu halten ist. Wenn es ums Vergolden von Grundstücken geht, ist die Maklerpartei dabei!

Für eine seiner beliebten kabarettistischen Einlagen sorgte Reglitzky übrigens noch, als es um die von Peter Loginowski (Leiter Fachdienst Stadtplanung) präsentierte Gestaltungssatzung für Vaensen ging. Dass die Stadt für die Fassaden ausschließlich Ziegelmauerwerk in roten Farbtönen zulassen will, um den Charakter des Dorfes zu erhalten, passte dem Liberalen überhaupt nicht. Mit der Bemerkung, das sei „Geschmacksdiktatur‟, sorgte Reglitzky für Gelächter. Die Satzung sei eine unzumutbare Beschränkung der Freiheit der Bürger. Es sei sein gutes Recht, dort in zitronengelb zu bauen, wenn er das wolle.

Trotz dieses humoristischen Ausflugs wurde die Satzung angenommen. Und was den CDU-Antrag angeht, mit dem Kollege Krögers Nase vergoldet werden soll, so ist das Votum des Ausschusses wohl eher wertlos. Im Verwaltungsausschuss haben SPD, Grüne und Buchholzer Liste die Mehrheit und dort wird der Antrag mit ziemlicher Sicherheit kassiert werden. Tja, da wird Hansi Kröger wohl darauf vertrauen müssen, dass seine Partei in der nächsten Ratsperiode wieder Mehrheitsführer ist.

Zweites brisantes Thema im Stamobau-Ausschuss war die von der Stadt geplante Erweiterung des Gewerbegebietes II „Vaenser Heide‟ um acht bis zehn Hektar. Bürgermeister Wilfried Geiger warb noch einmal ausdrücklich für die Erweiterung. Das betreffende Areal sei in städtischen Besitz, hier könnten relativ schnell Flächen zur Verfügung gestellt werden, um die Erweiterungswünsche dreier Firmen (u. a. MDS Messebau) zu befriedigen. Ihn habe inzwischen auch noch die Anfrage einer Firma aus Handeloh, der Marketing-Firma Köhler + Partner, erreicht, die ins erweiterte GE II gehen würde.

Dibbersens Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (SPD) blieb dennoch bei ihrer Ablehnung der Erweiterung. Sie verwies auf eine Stellungnahme des BUND, in der die Erweiterung des GE II als Verstoß gegen alle Planungsgrundlagen und als eine negative Beeinflussung des Landschaftsbildes gesehen wird. Eine Halle, wie die Firma MDS sie bauen wolle, passe nicht in die Topograhie. Dazu erklärte Geiger, die neue Halle werde mit Sicherheit nicht größer als die bereits im GE II gebauten Hallen, man wolle dort natürlich kein zweites Bauwerk von der Größe des Hochregallagers von Möbel Kraft haben.

Die FDP präsentierte dem Ausschuss einen Ergänzungsantrag zum Thema, in dem detaillierte Vorschriften für die Gestaltung der Erweiterungsfläche gefordert werden. Übrigens ein leicht irritierender Vorstoß, weil Reglitzky, wie erwähnt, kurz zuvor, derart präzise Gestaltungsdirektiven für Vaensen abgelehnt hatte. Grünen-Fraktionschef Joachim Zinnecker begrüßte dennoch den Antrag, weil man den besonderen Charakter des GE II mit seinem vielen Grün erhalten wolle. Der Ausschuss folgte dann dem Vorschlag seines Vorsitzenden Norbert Stein (SPD), den Antrag zurückzustellen, um ihn noch weiter diskutieren zu können.

Trotz des Widerstands aus Dibbersen wird die Erweiterung des GE II nächste Woche wohl im Verwaltungsausschuss abgesegnet werden. Die Verwaltung hat glaubhaft machen können, dass neue Gewerbeflächen her müssen, will man nicht die Abwanderung von Firmen und den Verlust von Arbeitsplätzen riskieren will. Und das vorgeschlagene Areal eignet sich dafür offenbar am besten. Es ist nicht erkennbar, dass der Eingriff in die Natur derart gravierend ist, zumal er, etwa durch eine breite Eingrünung, gemindert werden soll und die Landschaft dort durch das bestehende Gewerbe vorbelastet ist.

Für eine recht lebhafte Diskussion sorgte auch ein SPD-Antrag zur Verkehrsregelung an der Kreuzung Hamburger Straße/Bendestorfer Straße, der so genannten Chaoskreuzung. Der Antrag, die Änderung der Verkehrsführung rückgängig zu machen, wurde zurückgestellt. Erst soll genauer untersucht werden, wie schlimm die Staus dort wirklich sind. Bürgermeister Geiger warnte davor, sich dabei nur aufs Bauchgefühl zu verlassen. Reglitzky sprach von Staus und heiklen Situationen auf der Bendestorfer Straße bis zur Straße Am Radeland und weiter. „Die Leute, die hier täglich längs fahren, sind stinksauer.‟

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Scan B-Plan Vaensen

Es ist erst ein paar Tage her, dass der Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, Joachim Zinnecker, im Nordheide Wochenblatt mit dem Anwurf eines nicht genannten Lesers konfrontiert wurde. Nur weil er in der Nähe der projektierten Trasse wohne, sei er so vehement gegen den Ostring, hieß es da. Ein an den Haaren herbeigezogener Vorwurf, schon deshalb weil die Mehrzahl der Vertreter der Ratsmehrheit sicher nicht in der Nähe der Trasse wohnt und den Ostring mit fundierten Argumenten ablehnt. Die örtliche FDP nahm das Gerücht dennoch bereitwillig auf und machte sich auch noch mit der Forderung lächerlich, Zinnecker solle als stellvertretender Bürgermeister zurücktreten.

Das ist vor allem deshalb skurril, weil sowohl die FDP als auch ihr Partner, die CDU, gern mal die Interessen ihrer Klientel oder ihrer eigenen Leute bedienen. So hat etwa FDP-Zampano Arno Reglitzky in den letzten Jahren seine Position im Rat genutzt, um dem von ihm geführten Verein Blau-Weiß Buchholz Vorteile zu verschaffen – siehe Kletterturm. Noch dreister treibt es die CDU, wie ein aktuelles Beispiel zeigt, über das die aktuelle Ausgabe des Wochenblattes berichtet. Gegen diesen Fall wirkt der Vorwurf gegen Zinnecker völlig haltlos und albern.

Im Mittelpunkt der Affäre steht der Vaensener Landwirt Hans-Heinrich Kröger, der für die Union im Stadtrat sitzt, wo er meines Wissens noch nicht durch nennenswerte Beiträge aufgefallen ist. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass Kröger sein Mandat nur angestrebt hat, um sich eine goldene Nase zu verdienen, wie auch das Wochenblatt ziemlich direkt unterstellt. Seine Partei schämte sich jedenfalls jetzt nicht, für Vaensen eine Ergänzung des projektierten Bebauungsplans zu beantragen, die aus den Wiesen Krögers Bauland machen würde. Konkret beantragte sie, eine einzellige Bebauung der östlichen Seite der Vaenser Dorfstraße mit Ein- und Zwei-Familien-Häusern zu erlauben.

Wie das Wochenblatt genüsslich berichtet, hatte Kröger seine Schäfchen schon vor Jahren im Trockenen gewähnt, weil seine Flächen bereits 2001 im von CDU und FDP befürworteten Flächennutzungsplan als Bauland ausgewiesen waren. Doch der Machtwechsel von 2001 machte ihm einen Strich durch die Rechnung, die neue Mehrheit unter rot-grüner Führung machte alle Baulandausweisungen rückgängig, bei denen nach ihrem Dafürhalten die Interessen Einzelner bedient worden waren. Die Planerwerkstatt in Hannover fertigte ein Gutachten an, in dem es zu Vaensen heißt: „Zum Schutz der Landwirtschaft und des Ortsbildes sollte hier keinerlei Baulandausweisung erfolgen.‟

Kröger habe damals, so das Wochenblatt weiter, seine Felle davonschwimmen gesehen, darum habe er sich 2006 wieder in den Stadtrat wählen lassen. Ganz offenbar, um es erneut zu versuchen, wie der aktuelle CDU-Antrag belegt. Allerdings macht da die Buchholzer Verwaltung nicht mit. In ihrer Stellungnahme zerpflückt sie den CDU-Antrag. So heißt es da: „Die Zielsetzung, in Vaensen neue Wohnbauflächen zu entwickeln, ist im Sinne der Planungshoheit des Rates der Stadt selbstverständlich möglich, entspricht aber nicht dem bisherigen Beratungsverlauf bzw. den bisher beschlossenen Zielen des Bebauungsplans Vaensen.‟

Auch die Behauptung, mit der vorgeschlagenen Baulandergänzung werde „eine Baulücke geschlossen‟, fegt das Bauamt vom Tisch. Dies sei „zumindest im Sinne der rechtlichen Formulierung des Begriffs‟ nicht korrekt. Die im Antrag beschriebenen Erweiterungsflächen seien dem Außenbereich zuzuordnen, es handele sich daher „grundsätzlich um die planerische Vorbereitung neuer Baulandflächen‟. Kurz und bündig.

Geradezu spöttisch reagiert die Verwaltung auf die nachgerade bescheuerten Einlassungen der Grundeigentümer während der Bürgerfragestunde des Ausschusses Stadtentwicklung, Mobilität und Bau Ende Februar. Dort hatten sie allen Ernstes behauptet, die Flächen ließen sich nur als Bauland nutzen, eine andere Nutzung wäre eine unzumutbare Härte. Dem könne die Verwaltung nicht folgen. Und wörtlich: „Die Flächen werden heute als Weideflächen genutzt und sind somit in Nutzung. Sollte eine Eigennutzung nicht gewünscht oder möglich sein, steht den Eigentürmern ein Verkauf oder eine Verpachtung der Fläche frei.‟

Es ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten, wie die CDU hier vor aller Augen die Interessen eines Parteimitglieds bedient. Wenn schon das Wochenblatt, das ja trotz seiner dominanten Position in Buchholz und Landkreis noch eine gewisse Vorsicht walten lassen muss, so deutlich wird – dann gibt es wohl keinen Zweifel, dass es sich hier um einen glasklaren Fall von Vetternwirtschaft handelt. Jetzt ist es an der Ratsmehrheit, diese Machenschaften zu benennen und zu durchkreuzen. Wo leben wir denn?!

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