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Posts Tagged ‘Ewigkeitssonntag’

Von Kristian Stemmler

Ein Feiertag folgt momentan dem nächsten. Eben ist der Black Friday begangen worden, einer der höchsten Feiertage des Konsumjahres. Es folgt schon bald die Eventzeit, die fließend übergeht in die All-You-Can-Eat-Xmas-Party. Um unbeschwert einen drauf machen zu können, haken wir an diesem Sonntag noch kurz was ab, da steht nocht der so genannte Totensonntag irgendwie blöd im Weg herum. Aber hej, wir lassen uns das Singen, Saufen und Fressen nicht verbieten!

Ganz im Ernst: An diesem Sonnabend musste man auf den Straßen den Eindruck gewinnen, dass dieses Wochenende eher zunehmend wie eine Art Portal zum adventlichen Konsum- und Eventrausch begriffen wird. Von Besinnung und innerer Einkehr keine Spur, man schmeißt vielmehr überall den Turbo an. Wie wenig diese Gesellschaft noch von ihren überlieferten Traditionen und Ritualen versteht, zeigt expemplarisch der Umgang des Nordheide Wochenblattes mit dem Totensonntag.

Schon die Überschrift des Textes auf Seite 1 der Sonnabendausgabe, mit dem auf Beiträge zum Thema auf einer hinteren Seite hingewiesen wird, lässt tief blicken. „Erinnerung an die Verstorbenen“, heißt es da. Die letzte Seite der Ausgabe ist mit Rückblicken von Wochenblatt-Mitarbeitern auf Verstorbene aus dem persönlichen Umfeld gefüllt und darunter einem Beitrag über den Ambulanten Hospizdienst des Kirchenkreises Winsen. Es geht hier also nur um den Tod, auch wenn der Zweispalter auf der 1 immerhin erwähnt, dass der Totensonntag auch Ewigkeitssonntag genannt wird und der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist.

Das ist typisch für diese Gesellschaft, der jeder Sinn abhanden gekommen ist für Transzendenz, für eine Gesellschaft, die ihre eigenen Überlieferungen nicht mehr versteht (zugleich aber groteskerweise sich zum Teil vom Islam bedroht sieht). Denn das Totengedenken ist nur eine Seite dieses Tages, es geht um viel mehr. Es geht um das Ende der Zeit, die Überwindung des Todes, die Wiederkehr Jesu und das jüngste Gericht. Was immer man davon hält, ob man so etwas glauben kann, so ist die christliche Überlieferung. Die man im übrigen nicht wörtlich verstehen sollte.

Jüngstes Gericht lässt sich so verstehen, dass jeder Mensch sich für sein Handeln wird verantworten müssen, und das vor allem, was die unbedingte Forderung nach Gerechtigkeit angeht. „Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus im Matthäus-Evangelium. Und es gilt vor allem der Umkehrschluss, was wiederum bedeutet: Auch die Vielen müssen sich verantworten, die nur an sich und an den eigenen Profit denken und sich bereichern, genauso wie jene, die den Kopf einziehen und schweigen zu den zunehmenden Ungerechtigkeiten.

Aber jetzt bitte anschnallen, das Denken ausschalten und mit vollem Schub abheben in den Konsumwahnsinn! Rettungsausgänge sind nicht vorhanden!

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cropped-063.jpgVon Kristian Stemmler

Fragen Sie mal jemanden auf der Straße, was er mit dem Totensonntag verbindet, oder fragen Sie sich selbst? Die Antwort dürfte sein, dass das irgendetwas mit den Toten sei, wie ja der Name schon sagt, mit dem Gedenken an die Verstorbenen, dass man da auf den Friedhof geht oder so. Die meisten können nichts damit anfangen. Totensonntag, wie das schon klingt?!

Dass der Totensonntag auch Ewigkeitssonntag heißt, dass mit ihm das Kirchenjahr endet, dass es um viel mehr geht als das Gedenken an die Verstorbenen – das weißt kaum noch jemand und es interessiert auch nicht weiter. Nach den Anschlägen von Paris wird überall mit großem Pathos verkündet, es gehe um die Verteidigung unserer Werte. Aber das ist tatsächlich nicht mehr als ein Pfeifen im Walde.

Was ist denn bitte da noch zu verteidigen?? Wir haben doch längst alles preisgegeben, was uns überliefert wurde. Unsere Traditionen und Rituale, unsere christlichen Prägungen, unsere über die Jahrhunderte entstandenen Strukturen und Rhythmen. Diese Gesellschaft gehorcht nur noch den Direktiven des Konsums. Alles wird durch den Fleischwolf gedreht und was widerständig und nicht verwertbar ist, ausgeschieden und auf den Müll geworfen.

Auch jede Transzendenz ist verloren gegangen. Darum wird auch ein Datum wie der Ewigkeitssonntag nicht im geringsten mehr begriffen. Natürlich ist es schwer zu glauben, dass Jesus Christus am „Ende der Zeit“ zurückkehrt um „die Lebenden und die Toten zu richten“. Aber das ist ja nur ein prächtiges Bild dafür, dass wir uns eines Tages dafür verantworten müssen, was wir auf Erden getan oder unterlassen haben.

Und dabei geht es nicht um sittliche Verfehlungen, Verstöße gegen gesellschaftlich gesetzte Regeln, wie uns lange weisgemacht wurde. Es geht um Gerechtigkeit. Es geht, wie es im Matthäus-Evangelium heißt, darum: „Was ihr getan habt dem Geringsten unter meinen Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Und weiter: „Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen und ihr habt mich nicht besucht.“

Um wen geht es hier also? Heute würde man sagen, um die Marginalisierten, die Underdogs, die Ausgegrenzten der Gesellschaft: um Junkies, Alkis, Obdachlose, Flüchtlinge, Knackis, die Patienten in den Psychiatrien, die Mobbingopfer an den Arbeitsplätzen, die geschlagenen Kinder. Wer für die heute wirklich da ist, der wird morgen, wie es in der Bibel heißt, „zur Rechten“ des Königs sein und er wird zu ihnen sagen: „Kommt hier, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“

All denen, die nur an sich und an den eigenen Profit denken, die den Kopf einziehen, die sich gemein machen mit den Unterdrückern, die sich nicht an die Seite der Marginalisierten stellen, gilt dagegen die scharfe Drohung „Geht weg von mir, ihr Verfluchten“.

Wer unsere „Werte“ wirklich verteidigen will, muss aufstehen gegen den Konsumfaschismus und den Kapitalismus unserer Tage. Das ist der wahre Terror! Der bringt uns an den Rand eines neuen, des vermutlich dann letzten Weltkriegs.

In diesen Tagen wird ein Lied von Andreas Bourani und dem Rapper Sido im Radio rauf und runter gespielt, dass sich beim ersten Anhören nach einer neuen Hymne Bouranis anhört, aber man sollte genau hinhören. Tatsächlich ist es eine ebenso knallharte wie ehrliche Gesellschaftskritik, eine verzweifelte Zustandsbeschreibung.

Ich heb‘ ab, nichts hält mich am Boden, alles blass und grau
Bin zu lange nicht geflogen, wie ein Astronaut

Wir laufen rum mit der Schnauze voll, die Köpfe sind leer
Sitzen im Dreck bis zum Hals, haben Löcher im Herz
Ertränken Sorgen und Probleme in ’nem Becher voll Wein
Mit einem Lächeln aus Stein, uns fällt nichts Besseres ein
Wir ham‘ morgen schon vergessen, wer wir gestern noch war’n
Ham‘ uns alle vollgefressen und vergessen zu zahl’n
Lassen alles steh’n und liegen für mehr Asche und Staub
Wir woll’n alle, dass es passt, doch wir passen nich‘ auf
Die Stimme der Vernunft is‘ längst verstummt, wir hör’n sie nich‘ mehr
Denn manchmal ham‘ wir das Gefühl, wir gehör’n hier nich‘ her
Es gibt kein vor und kein zurück mehr, nur noch unten und oben
Einer von hundert Millionen, ein kleiner Punkt über’m Boden

Ich heb‘ ab!

Ich heb‘ ab, nichts hält mich am Boden, alles blass und grau
Bin zu lange nicht geflogen, wie ein Astronaut
Ich seh‘ die Welt von oben, der Rest verblasst im Blau
Ich hab‘ Zeit und Raum verloren, hier oben, wie ein Astronaut

Im Dunkel der Nacht

Hier oben ist alles so friedlich, doch da unten geht’s ab
Wir alle tragen dazu bei, doch brechen unter der Last
Wir hoffen auf Gott, doch ham‘ das Wunder verpasst
Wir bauen immer höher, bis es ins Unendliche geht
Fast 8 Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt
Von hier oben macht es alles plötzlich gar nichts mehr aus
Von hier sieht man keine Grenzen und die Farbe der Haut
Dieser ganze Lärm und nichts verstummt, ich hör‘ euch nich‘ mehr
Langsam hab‘ ich das Gefühl ich gehöre hier her
Es gibt kein vor und kein zurück mehr, nur noch unten und oben
Einer von hundert Millionen, ein kleiner Punkt über’m Boden

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DSC_4104Von Kristian Stemmler

Halleluja! Preiset den Herrn, alle Völker! Überall in den Einkaufszentren sah ich goldene Lichtlein glitzern. Drauß‘ in Hamburg, im Alstereinkaufszentrum, weihnachtet es gar schon seit Anfang November. Die Tannenbäume ragen dort hoch hinauf bis fast an die Decke, liebe Kinder, und die Zweige sind über und über behängt mit Lametta und glänzenden silbernen Christbaumkugeln. Gloria in exelcis deo!

Lasst uns froh und munter sein, macht hoch die Ladentür, herbei o Ihr Kunden! Wir wollen nichts hören von stillen Tagen, von Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag, von Tod, Trauer und Sterben. Denn das alles ist über die Maßen geschäftsschädigend. Wir wollen Lichterglanz und Glühweinduft, Dominosteine und Kinderlachen, Smartphones und Digicams. Kommt her zu mir, alle, die Ihr mühsam und beladen seid, spricht der Centermanager, ich will Euch erquicken mit 20 Prozent Sonderrabatt!

Kein Aug hat je gespürt, kein Ohr hat je gehört solche Freude! Des sind wir froh, bei Karstadt Mö, wo die Parfumabteilung duftet wie die Lilien auf dem Felde, in den Gängen vom Media Markt, wo der Loewe LCD-Fernseher friedlich bei den MP3-Playern liegt, und auf den Adventsmärkten in der großen Stadt, wo die Englein singen bei den Händlern all, die echten aus dem Erzgebirge für 22,99 Euro das Stück. Can’t beat the feeling, eia wärn wir da!

Siehe, ich mache alles neu, sagt Tchibo, täglich eine neue Welt! Dann wird ebay die Tränen von allen Angesichtern abwischen und es wird kein Leid und keine Langeweile mehr sein dank der PS4 mit neuem DTS-HD Master Audio 7.1 Decoder. Und wenn Amazon liefert, werden Taube wieder hören mit dem Sennheiser HD 650, Blinde wieder sehen mit dem 65-Zoll-Plasma-TV von Panasonic, und der lahme Paketzusteller wird plötzlich springen wie ein Hirsch.

Wahrlich, ich sage Euch: Wachet! Betet! Konsumiert! Denn am Ende der Tage kommt der Centermanager und rechnet ab. Und dann wird er zu Euch sagen: Was Ihr mit den geringsten unter meinen Sonderangeboten getan habt, das habt Ihr mir getan. Denn ich hatte Waren im Regal und Ihr habt sie gekauft.

Darum sage ich Euch: Machet Euch auf und konsumiert, so lange noch Zeit ist! Denn niemand kennt den Tag noch die Stunde. Aber irgendwann ist auch der letzte Laden geschlossen. Dann wird sein ein Heulen und Zähneklappern.

Denn so spricht der Herr: Mein ist der Payback!

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Von Kristian Stemmler

Event, Event, ein Lichtlein brennt! In der Buchholzer Fußgängerzone und vor dem Rathaus ist bereits die Adventszeit ausgebrochen. An den Laternen wurden die obligatorischen beleuchteten Tannenbäume angebracht und auf dem Marktplatz vor dem Emporeteich sowie vor dem Rathaus wurden zwei große Tannen installiert. Und das mitten in der stillen Woche, knapp zwei Wochen vor Beginn der Adventszeit! Hier zeigen sich die Folgen einer kompletten Unkenntnis des Kirchenjahres, vor allem eines völligen Desinteresse an dessen weiser innerer Logik und seines symbolischen Gehalts.

Das Kirchenjahr hat seine eigenen Feste und seinen eigenen Ablauf und ist damit unabhängig vom weltlichen Kalenderjahr. Man spricht von der ersten Hälfte mit den großen Festen von Advent bis Trinitatis, wobei Ostern das bedeutendste Hochfest des Kirchenjahres ist. Danach folgen noch Himmelfahrt, Pfingsten und eine Woche später das schwer verständliche Trinitatis, bei dem es um die Heilige Dreifaltigkeit geht, also Gott, Sohn, Heiliger Geist. In evangelischer Zählweise folgen dann die Sonntage nach Trinitatis, da es in diesem zweiten Halbjahr nur noch wenige kirchliche Feste gibt, spricht man vom festlosen zweiten Halbjahr.

Da sich das Datum sowohl von Pfingsten wie auch von Trinitatis nach dem beweglichen Osterfest richtet, gibt es jedes Jahr unterschiedlich viele Tage nach Trinitatis, maximal 27. In diesem Jahr sind es 25. Am Sonntag war nach evangelischer Lesart der 24. Sonntag nach Trinitatis. Volkstrauertag ist kein kirchliches Fest, auch wenn Feuerwehr, Schützenverein etc. die Kirchen an diesem Tag okkupieren, sondern ein vom revanchistischen Volksbund Deutscher Kriegsfürsorger erfundener Tag – wohlgemerkt zum Gedenken an die Kriegstoten und nicht etwa an die Opfer des NS-Regimes.

Der heutige Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag, der aus Notzeiten kommt. Das Wort „büßen“ wird heute kaum noch benutzt und meist falsch verstanden. In einer Zeit, in der alle nur belohnt werden wollen, möchte natürlich keiner für irgendetwas büßen. An diesem Tag geht es aber tatsächlich darum, dass wir uns alle Gedanken über unsern Tun und Lassen und die gesellschaftlichen Folgen unseres Handels machen. In diesem Zusammenhang meint „Buße tun“ soviel wie Umkehr.

Auf den Buß- und Bettag folgt der letzte Sonntag des Kirchenjahres, der heute allgemein „Totensonntag“ genannt wird, was auf das Gedenken an die Toten hinweist. Tatsächlich heißt dieser Sonntag bei den Protestanten aber auch „Ewigkeitssonntag“ und seine Themen sind das Ende der Zeit und das Jüngste Gericht. Ein belasteter Begriff. Mit dem Jüngsten Gericht haben beide Kirchen in den vergangenen Jahrhunderten viel Schindluder getrieben.

Das bevorstehende Beurteilen und Wägen eines jeden am Ende der Zeit wurde als ein Drohszenario gegen das eigene Kirchenvolk in Stellung gebracht, als Machtinstrument missbraucht. Höllenstrafen wurden allen angedroht, die gegen die rigiden kirchlichen Moralvorstellungen verstießen und es am nötigen Gehorsam fehlen ließen. Das wirkt bis heute in beiden Kirchen auf je unterschiedliche Weise nach, wenn auch längst andere, menschlichere Bilder auf dem Vormarsch sind.

Wir sollten aber das Beharrungsvermögen dieser aus dem Geiste der schwarzen Pädagogik geborenen Prägungen nicht unterschätzen. Autoritätsgläubigkeit, Untertanengeist, moralische Enge, Angst grundieren diese Gesellschaft immer noch in ungeahnter Intensität. Unter den Bedingungen des immer brutaler werdenden Kapitalismus verwandeln sich diese Prägungen in einer Weise, die schwer zu durchschauen ist. Ein Ergebnis zeigt sich zum Beispiel im Umgang mit Kindern in weiten Teilen der Gesellschaft, der nur vordergründig offen und liberal ist, in Wahrheit aber auf eine Konditionierung der Kinder hinausläuft, oft sicher in der wohlgemeinten Absicht, sie auf eine Gesellschaft vorzubereiten, die genau das verlangt. Auch das Zwanghafte des Konsums ist eine unmittelbare Folge einer angstbesetzten Glaubens- und Denkweise. 

Recht verstanden geht es beim Jüngsten Gericht aber in keinster Weise um moralische Verfehlungen. Die Rede vom Endzeitgericht zielt auf das Soziale. Im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, wird das mit unüberbietbarer Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht: „Wahrlich, ich sage euch: War ihr getan habt, einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan…und was ihr nicht getan habt einem unter diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan…. Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich nicht gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich nicht getränkt. Ich bin ein Gast gewesen und ihr habt mich nicht beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht bekleidet. Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.“

Das Gericht wird also den Menschen angesagt, die das Ihre mit niemandem teilen, die habgierig, egoistisch, unsozial, emontional undurchlässig, anteilnahmslos sind. So verstanden ist das, was am Ewigkeitssonntag theologisch thematisiert wird, in einer Gesellschaft, die an ihrer fortschreitenden Segregation und sozialen Verrohung zu scheitern droht, an Brisanz kaum zu überbieten. Es verbietet jedes politische Paktieren mit der himmelschreienden Ungerechtigkeit.

Die weise Logik des Kirchenjahres will es, dass nach dieser Zeit der „Buße“, Umkehr, bestenfalls der Läuterung eine Zeit der Freude und Erwartung folgt: die Adventszeit, vier Wochen der Vorfreude auf eine Geburt!

 Die Konsumgesellschaft ist von Rhythmen der schnellen Erregung und Wunscherzeugung sowie dem kompletten Druckabfall nach Erfüllung des Wunsches geprägt. Das aber läuft der inneren Logik des Kirchenjahres und der christlichen Feste zuwider. Für die Konsumgesellschaft ist der Advent eine Zeit des Feierns und Schlemmens mit Weihnachten als Höhepunkt. Am Tag nach dem Zweiten Weihnachtsfeiertag ist der Baum meistens schon wieder draußen

In der Logik des Kirchenjahres ist der Advent dagegen eine Zeit der inneren Einkehr, eine Zeit der Besinnung, eine Fastenzeit, der die Weihnachtsfesttage als Ausbruch der Freude und des Feierns folgen, mit einer sich anschließenden Weihnachtszeit, die bis zum 6. Januar (Epiphanias – Tag der Erscheinung des Herrn) und in manchen Gegenden sogar bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess) dauert.

Von dieser Logik und diesen klugen Rhythmen weiß die Konsumgesellschaft nichts, denn da geht es nur ums Verkaufen und den schnellen Genuss. Und für ein Klima, in dem das wie geschmiert funktionieren soll, sind Ziele wie Einkehr, Besinnung, Buße, natürlich nicht besonders förderlich. Wer sich den geistlichen und geistigen Freuden widmet, der ist auf die kurzen Räusche des Konsums nicht angewiesen. Eine so verstandene Adventszeit ist das reinste Kassengift!

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