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Posts Tagged ‘Evangelikale’

Logo CCTVon Kristian Stemmler

Mit Speck fängt man Mäuse. Das ist die Devise von Menschenfischern, wie sie in immer größerer Zahl in so genannten freikirchlichen Gemeinden des Landes ihr Unwesen treiben. Dass ausgerechnet das unscheinbare Tostedt und das provinzielle Buchholz Hochburgen dieser gleichermaßen gefährlichen wie sektiererischen Bewegung sind, ist wenig bekannt. Der buchholz express hat es sich bereits vor einiger Zeit zur Aufgabe gemacht, dies schrittweise zu ändern, mit einigem Erfolg.

Am 15. September 2013 erschien in diesem Blog unter der Überschrift „Gefährliche Prediger“ ein Beitrag über das Christus Centrum Tostedt, das im oben genannten Bereich so etwas wie das Epizentrum des Bösen in der Region ist. Dieser Beitrag wird jede Woche immer wieder aufgerufen und ist mittlerweile der am zweitmeisten gelesene des Blogs. Was vor allem zeigt, wie groß das Aufklärungsbedürfnis zu diesem Thema ist – und dass der buchholz express einen wichtigen Punkt getroffen hat.

Mit Speck fängt man Mäuse. Das läuft bei diesen Gemeinden so, dass sie mit scheinbar modernen, liberalen, lockeren Aktionen Menschen einfangen, besonders gern Kinder und Jugendliche, um Menschen in ihr rigides System zu lotsen. Ein Beispiel sind die „Lego-Tage“, die von der Friedenskirche Buchholz vor kurzem veranstaltet wurden. Die Gemeinde lockte dafür in ganz Buchholz mit Plakaten, auf denen kaum zu erkennen war, dass es sich um eine kirchliche Veranstaltung handelte.

Wenn man die Kinder mit Lego erst mal da hat, kann man ihnen by the way natürlich auch noch was anderes einflößen. Auf der Homepage der Friedenskirche heißt es dazu: „Die Kinder zwischen 8 und 12 Jahren dürfen nach Herzenslust an einer riesigen Legostadt bauen. In den Baupausen gab es Zeit für Essen, Lieder, biblische Geschichten und Spiele.“

Das alles wäre natürlich nicht weiter erwähnenswert, wenn es wirklich nur darum gehen würde, den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die dran hängen, etwas Gutes zu tun. Aber genau darum geht es nicht. Es geht um Menschenfischerei. Diese pfingstkirchlichen Gemeinden haben nur ein Ziel: aggressiv missionieren, möglichst viele Menschen in ihren Einflussbereich zu ziehen, sie gehirnzuwaschen und nicht mehr aus ihren Klauen zu lassen.

Wer erst mal in ihrem System gefangen ist, kommt schwer wieder raus. Diese Gemeinden lehren etwas, was als christlicher Glauben nicht bezeichnet werden kann. Es geht in Wirklichkeit um soziale Kontrolle, um rigide Moral, die an die 50er und 60er Jahre erinnert, um ein enges und von belastenden, autoritären, unfreien Gottesvorstellungen regiertes System. Strafe, Dämonen, Angst – das sind die Worte, die man da am ehesten assoziieren kann. Nicht umsonst war der prägende Mann am CCT in den vergangenen Jahren der Dämonenaustreiber Ingolf Ellßel…

Es ist in diesem System nur folgerichtig, dass mit Ausgrenzung und Verachtung gestraft wird, wer sich an die moralischen Regeln nicht hält. Ehebruch gilt da als besonders schweres Delikt. Der buchholz express weiß nicht nur von einem Fall in der Buchholzer Friedenskirche, in der die Trennung von einem Ehepartner zu harschen Reaktionen führte. Ein Leiter des Lobpreisteams, eine Art Chor, der Gemeinde wurde suspendiert, weil seine Frau ihn verlassen hatte.

In einem anderen Fall wurde eine Sängerin des Lobpreis-Chores, die sich nach einer schon lange gescheiterten und nur noch belastenden Ehe, von ihrem Mann getrennt hatte, geschasst und geschnitten wurde. Viele aus der Gemeinde wechselten in der Zeit nach der Trennung die Straßenseite, wenn sie ihr begegneten. So etwas ist im Jahr 2015 a. D. schwer zu glauben, aber es ist an solchen Gemeinden an der Tagesordnung.

Leider gelingt es dem CCT und der mit ihr verbundenen Friedenskirche mit ihrem Wortgeklingel, mit ihrem modernistischen Getue immer wieder, Leute anzulocken. In ihren Gottesdiensten werden gern Rockbands eingesetzt, die Homepages, vor allem des CCT, sind professionell gemacht. Aber wer genau hinsieht wird merken, dass er nur ein „tönendes Erz oder eine klingene Schelle“ vernimmt (1. Korinther 13,1).

Wer sachdienliche Hinweise zu den Umtrieben der beiden Gemeinden machen kann, wende sich gern an buchholzexpress@gmx.de

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Von ***

Am Rande der Gemeinde Tostedt im Landkreis Harburg, die vor allem durch die Umtriebe von Neonazis zeitweise in die Schlagzeilen geriet, steht ein auffälliges Haus mit einem Kreuz. Es ist eine Kirche, das Christus Centrum Tostedt (CCT), eine freikirchliche, evangelikale Gemeinde mit großem Zulauf aus der Umgebung. Mehr als 500 Mitglieder gehören inzwischen zur Gemeinde. Man gibt sich modern und aufgeschlossen – aber hinter den Kulissen herrscht eine rigide Moral und ein fataler Glaube an Dämonen und den Teufel, die schlimme Folgen für viele Gemeindemitglieder haben.

Bereits vor einigen Monaten hat dieser Blog ausführlich über die Umtriebe des CCT und anderer evangelikaler Gemeinden berichtet. Jetzt ist es dem Blog gelungen, eine Frau ausfindig zu machen, die bereit ist, über ihre traumatischen Erlebnisse im Christus Centrum Tostedt zu berichten. In die dramatischen Ereignisse, die diese Frau bis heute verfolgen, ist auch der erste vollamtliche Pastor der Gemeinde, Ingolf Ellßel, verwickelt, der später zu einem der einflussreichsten pfingstlich-charismatischen Predigern wurde. So war er Vorsitzender der Europäischen Pfingstbewegung (PEF) und Vorstandsmitglied der „Vereinigung evangelischer Freikirchen“ (VEF).

Das Geschehen hat sich Ende der 80er Jahre abgespielt und ob es heute im CCT noch ähnliche Praktiken gibt, ist dem buchholz express nicht bekannt. Es ist aber davon auszugehen, dass es in der fraglichen Zeit und davor seit Gründung der Gemeinde in den 50ern viele ähnliche Vorfälle gegeben hat. Und die Gemeinde hat sich offensichtlich bis heute nicht mit dem fragwürdigen Vorgehen in diesen Fällen und den Folgen befasst oder sich dazu bekannt. Hier der Bericht der Zeugin:

„Unsere Familienverhältnisse waren von Anfang an chaotisch. Meinen leiblichen Vater habe ich nie kennengelernt, weil meine Mutter das verhindert hat. Als Kleinkind habe ich miterleben müssen, wie sie ständig wechselnde Männerbekanntschaften mit nach Haus brachte, in eine Zwei-Zimmer-Wohnung! Sie nahm da keinerlei Rücksicht auf mich.

Anfang der 80er zogen wir nach Tostedt, Meine Mutter heiratete ihren neuen Partner, meinen Stiefvater. Schon in der Hochzeitsnacht haben sie sich geprügelt. Es gab von da an fast täglich heftige Auseinandersetzungen, körperliche Gewalt eingeschlossen. Sie prügelten sich mit Fäusten, es flogen Stühle durch Glastüren, meine Mutter bedrohte ihn mit einem Fleischermesser. Dabei war sie eigentlich immer betrunken. Immer wieder hat sie mich abends aus dem Bett gerissen, weil sie angeblich abhauen wollte. Das Ganze war der absolute Horror für mich!

Ende der 80er stieß meine Mutter zum CCT. Ich war damals zwölf Jahre alt. Die Gemeinde bekam schnell Wind von den Problemen bei uns Zuhause. Zwei- oder dreimal kam der damalige Pastor Ingolf Ellßel zu uns, als die Fetzen flogen, und versuchte die Gemüter zu beruhigen. Aber an einer wirklichen Bearbeitung der Schwierigkeiten oder an seelsorgerlicher Hilfe war ihm nicht gelegen, wie sich bald zeigen sollte. Es ging um etwas ganz anderes.

Bald nach den Interventionen von Ellßel wurde meine Mutter vor das Gremium der Gemeindeältesten zitiert. Dort wurde ihr eröffnet, dass sie von Dämonen besetzt sei und man diese austreiben müsse. Diese „Austreibung“ fand kurz danach statt. Ich wusste damals natürlich von nichts. Meine Mutter schleppte mich an diesem Nachmittag mit ins CCT. Ich wurde in einen Raum der Pfadfinder gesetzt, meine Mutter verschwand mit Ellßel, zwei Gemeindeältesten und einer Frau, die spezialisiert sein sollte auf Dämonen, gegenüber in dem Büro des Pastors.

Schon diese Situation versetzte mich in Angst, die aber noch anwuchs, als ich Schreie aus dem Büro hörte. Ich erkannte die Stimme meiner Mutter. Dann schrie ein Mann: „Satan, fahr aus aus ihr!“ und immer wieder „Nenn deinen Namen!“. Das ging eine ganze Zeit so, dann hörte ich wieder eine Stimme, die völlig unnatürlich klang, wie die eines Tieres, es war aber meine Mutter. Ich saß zitternd auf meinem Stuhl und traute mich nicht, mich irgendwie zu rühren. Ich weiß, das alles klingt wie aus einem schlechten Hollywood-Schocker – aber genau so war es.

Nach etwa einer Stunde öffnete sich die Tür und die drei Männer, die Frau und meine Mutter kamen aus dem Büro. Sie hatte ein völlig verheultes Gesicht, sagte aber nur zu mir: „Mach dir keine Sorgen, ich bin befreit.“ Wir gingen nach Haus und über die Angelegenheit wurde nicht mehr geredet. Die Auseinandersetzungen hörten aber nicht auf, sie wurden eher noch schlimmer.

Einige Zeit später tauchte meine Mutter plötzlich mit der Frau, die bei der „Dämonenaustreibung“ dabei gewesen war, in meinem Zimmer auf. Die Frau lief in meinem Zimmer herum, wedelte vor meinen Kassetten und Büchern herum, rief aus, da wären überall Dämonen und fing an zu beten. In diesem Moment glaubte ich tatsächlich einen Zwerg oder Gnom vor meinem Bett zu sehen und lief panisch ins Badezimmer. Meine Mutter und die Frau räumten in der Zwischenzeit die Kassetten und Bücher in einen Müllsack, um sie in den Mülleimer zu werfen.

Das dritte traumatische Ereignis im Zusammenhang mit dem CCT ereignete sich im August des Jahres. Am Tag vor meiner Taufe war es zu Hause wieder zu einer Prügelei zwischen meiner Mutter und dem Stiefvater gekommen und ich war zu einer Nachbarin geflüchtet, die auch Mitglied der Gemeinde war. Pastor Ellßel wurde geholt und vermittelte, danach wurde ich wieder in die Wohnung geholt. Dabei wäre ich viel lieber bei der Nachbarin geblieben, bei der ich mich geborgen fühlte.

Am Tag danach zwang mich meine Mutter, vor der ganzen Gemeinde vors Mikrofon zu treten und mich bei ihr dafür zu entschuldigen, dass ich zur Nachbarin gelaufen und von Streitigkeiten berichtet hatte. Sie hatte es so hingedreht, dass eigentlich gar nichts gewesen sei und ich sie denunziert hätte. Ich war damals, wie gesagt, zwölf Jahr alt!

Auch nach der Taufe wurde nichts besser. Meine Mutter war oft stockbetrunken und es kam dann nach wie vor zu massiven Streitigkeiten mit meinen Stiefvater. Meine ganze Kindheit war eigentlich die Hölle und im CCT hat mir keiner wirklich geholfen, sondern man hat nicht eingegriffen, obwohl die Probleme klar zu Tage traten. In dieser Gemeinde geht es nur darum, nach außen eine heile Fassade zu präsentieren. Wenn man sich hinter den Gardinen die Köpfe einschlägt oder Kinder gequält werden, interessiert das eigentlich nicht.“

Soweit der Bericht der Zeugin. Was sie erlebt hat, findet sich so oder ähnlich in Berichten zahlreicher anderer Opfer evangelikaler Gruppierungen. Diese Gemeinden sind ein Hort schwarzer Pädagogik, und rigider sozialer Kontrolle. Über Ingolf Ellßel heißt es im Buch „Mission Gottesreich“, das die Umtriebe der Evangelikalen schildert: „Er glaubt an das Gute und das Böse auf der Welt, an Gott, den Teufel und Dämonen. Die Autoren des Buches zitierten den Pastor: „Es gibt sehr intelligente Dämonen, ich empfehle grundsätzlich, nicht mit ihnen zu reden.“ Dämonenaustreibung sei eine wichtige Aufgabe der Seelsorge.

Welche Verheerungen ein derartiger Irrglauben und die daraus folgenden Praktiken anrichten, lässt sich an den Opfern erkennen. Die Frau, mit der dieser Blog reden konnte, ist noch heute traumatisiert von den Ereignissen im CCT. Sie erwägt jetzt, Strafanzeige gegen die damals Beteiligten, ihre Mutter eingeschlossen, zu stellen – wegen Kindesmisshandlung oder ähnlicher in Frage kommender Delikte.

Wer Ähnliches mit dem CCT oder in anderen evangelikalen Gemeinden erlebt, kann sich, gern auch anonym, an den buchholz express wenden. Die Mail-Adresse: buchholzexpress@gmx.de

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Reinhard Bonnke predigt den Massen - das Cover des Buches "Mission Gottesreich"

Reinhard Bonnke predigt den Massen – das Cover des Buches „Mission Gottesreich“

Von Kristian Stemmler

Sie sind radikal, sendungsbewusst und zunehmend erfolgreich: christliche Fundamentalisten in Deutschland. Die Bibel ist für sie die Lebens- und Glaubensgrundlage, andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren, Homosexualität gilt als Sünde, Sex vor der Ehe ist verpönt. – Mit diesen Worten beginnt das Buch „Mission Gottesreich“ von Oda Lambrecht und Christian Baars, das detailliert über die Umtriebe fundamentalistischer Christen hierzulande berichtet. Kritisch erwähnt wird in dem Buch auch explizit eine Gemeinde aus dem Landkreis Harburg: das Christus Centrum Tostedt (CCT) und ihr Pastor Ingolf Ellßel.

Völlig unkritisch berichtet dagegen das Nordheide Wochenblatt über die pfingstlich-charismatische Gemeinde. Gleich in zwei Ausgaben wird aus Anlass der 60-Jahr-Feier des CCT jeweils auf einer ganzen Seite die Geschichte und das Wirken der Gemeinde dargestellt. Unter der Überschrift „Nächstenliebe als Antriebsfeder“ darf der zweite Pastor, Andreas Timm, Harmlosigkeiten über „gelebten Glauben“ und den Willen, anderen zu helfen, von sich geben. In der aktuellen Mittwochausgabe wird das Programm der Jubiläumsfeier abgedruckt, verziert mit netten Fotos von jungen Sängern, darunter die zur Gemeinde gehörende Florence Joy (Gewinnerin der Sat 1-Show „Star Search“ 2004), und einer lustigen Kinderschar.

Dass in den redaktionellen Beiträgen kein einziges kritisches Wort zu finden ist, hat zum einen den Grund, dass es sich um bezahlte Seiten mit Anzeigen von Kunden und Unterstützern des CCT handelt. Zum anderen hat das Wochenblatt aber auch bereits mehrfach seine Unkenntnis der Hintergründe in der evangelikalen Szene bewiesen, etwa als sie das Oberhaupt der Neuapostolischen Kirche, einer schlimmen Sekte, hochjubelte (der blog berichtete),

Darum ist es der Zeitung offenbar auch nicht aufgefallen, dass im Festgottesdienst heute vormittag in Tostedt einer der gefährlichsten Protagonisten der christlichen Fundamentalistenszene seinen Auftritt hat: der Prediger Reinhard Bonnke. Dabei hätte es nur einiger Klicks im Internet bedurft, um sich über den Mann, der sich selbst auch gern als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet, zu informieren. Bonnke missioniert seit Jahrzehnten vor allem in Afrika, predigte in Ländern wie Nigeria und Kenia teilweise vor Hunderttausenden und transportiert dabei einen gefährlichen Aberglauben.

Mit seinem Werk „Christus für alle Nationen“ scheffelt der Prediger Millionen. Im Buch „Mission Gottesreich“ heißt es, dass er zum Beispiel 2007 einen Überschuss von zwei Millionen Euro erwirtschaftet hat. Dazu tragen auch seine vielen Bücher und Broschüren bei, die nach Angaben der Homepage des Werkes eine Gesamtauflage von rund 190 Millionen erreicht hätten und in 143 Sprachen übersetzt worden seien. Dabei propagiert er nicht nur immer wieder angebliche Wunderheilungen, er heizt auch die Spannungen zwischen Christen und Muslimen in diesen Ländern an, was bereits zu Hunderten von Toten geführt hat.

Immer wieder präsentiert Bonnke bei seinen Evangelisationen auf der Bühne Menschen, die ihr Glaube angeblich geheilt hat. Auf einer seiner DVDs sagt er: „Nun liebe Freunde, während ich Jahr für Jahr weltweit vor Millionen Menschen das Wort Gottes predige, geschehen Tausende und Abertausende Wunder. Blinde können sehen, Lahmen können gehen, taube Ohren öffnen sich, stumme Münder beginnen zu sprechen. Die Mächte der Finsternis werden zerstört und kostbare Leben werden wieder hergestellt.“

Nigeria ist ein Schwerpunkt von Bonnkes Aktivitäten. Dass es seit Jahren in dem Land erhebliche Spannungen zwischen Christen und Muslimen gibt, hält ihn nicht von seinen Kreuzzügen ab. Als er 1991 in der Millionenstadt Kano im Norden Nigerias predigen wollte, so berichtet „Mission Gottesreich“, kam es zu schweren Unruhen mit Hunderten von Toten. Muslime hatten sich provoziert gefühlt. Einige Städte im Norden Nigerias verhängten daraufhin ein Aufenthaltsverbot gegen Bonnke. Als er 1999 erneut in dem Land missionierte, wurden 16 Menschen bei einer seiner Veranstaltungen zu Tode getrampelt. Ende 2001 heizte er im Südwesten Nigerias den Religionskonflikt an, mehrere Kirchen wurden zerstört, ein Pastor totgeschlagen. Bonnke scherte das nicht: „Er reiste unter Sirengeheul in einer Mercedes-Limousine an.“

Dass die Gemeinde in Tostedt ausgerechnet einen solch mehr als dubiosen Mann als „Stargast“ für ihr Jubiläum engagiert (Bonnkes Homepage meldet übrigens, die Veranstaltung sei ausgebucht), das zeigt, wes‘ Geistes Kind man dort ist. Andererseits passt es auch, denn zumindest der einflussreiche Gemeindeleiter Ingolf Ellßel dürfte theologisch nicht weit weg von Bonnke sein.

„Ingolf Ellßel glaubt an Wunder und die heilende Wirkung des Gebets“, heißt es im Buch „Mission Gottesreich“, „er glaubt an das Gute und das Böse auf der Welt, an Gott, den Teufel und Dämonen. Es gibt sehr intelligente Dämonen, ich empfehle grundsätzlich, nicht mit ihnen zu reden, erklärt der Pfingstprediger zum Beispiel auf seiner CD Befreiungsdienst für Fortgeschrittene. Dämonenaustreibung ist aus seiner Sicht eine Aufgabe der Seelsorger.“

Ellßel ist nicht irgendjemand in der freikirchlichen Szene, er gehört zu den einflussreichsten pfingstlich-charismatischen Predigern. Seit 2001 ist er Vorsitzender der Europäischen Pfingstbewegung (PEF), bis September 2008 war er auch Präses des deutschen „Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden“ (BFP) und bis Mai 2008 Vorstandsmitglied der „Vereinigung evangelischer Freikirchen“ (VEF). Mitschnitte einiger seiner Predigten und Seminare kann man bei „Ellßel-Medien“ kaufen.

Auf einer CD, so zitiert das Buch, erklärt der Prediger, dass andere Religionen von Satan geschickt worden seien. „Grundsätzlich sollte man einen Moslem auffordern, dass er den Götzendienst des moslemischen Glaubens entsagt.“ Ellßel lehne Pluralismus ab, das mache das Volk anfällig für „okkulte Unterwanderung“. In seiner Gemeinde habe man sich für die Theokratie entscheiden, erklärte er in einer Predigt 2001.

Diese gefährliche Intoleranz ist typisch für viele freikirchliche Gemeinschaften, ebenso wie der abstruse Aberglauben an Wunderheilungen und Dämonen. Nach innen wird ein moralischer Rigorismus exekutiert, der oft zu einem enormen Gruppendruck führt. Wer den angeblich biblisch begründeten Direktiven nicht entspricht, zum Beispiel seinen Ehepartner verlässt, wird bestraft, geschnitten oder sogar ganz rausgeworfen. Wenn Kinder daheim geschlagen werden, interessiert das weniger, denn schließlich steht schon in der Bibel, dass die Eltern nicht mit der Rute sparen sollen.

Es ist erschreckend, wie wenig man in der Öffentlichkeit über diese Zustände weiß, wie wenig man von den theologischen Hintergründen versteht – und das Nordheide Wochenblatt ist da keine Ausnahme. Immerhin druckt die Zeitung in der Ausgabe vom 11. September einen Leserbrief des Tostedter Malers und Autors Erwin Hilbert ab, der vor dem CCT warnt. Darin heißt es: „Aus jahrelanger eigener Erfahrung kann ich nur davor warnen, sich in den Einflussbereich einer der vielen außerkirchlichen Gruppen und Gemeinschaften zu begeben. In ihnen dominiert oft, und meist von der Gruppe selber nicht erkannt, eine sektiererische und geistliche Enge.“

Und Hilbert fährt fort: „Hinzu kommt ein falsch verstandenes Heilig-Geist-Wirken, das die Menschen nicht in das zentrale Gnaden- und Heilsgeschehen Jesu Christi (Erlösung) führt, sondern sie an die Gruppe bindet und ihnen damit die persönliche Freiheit nimmt. Die Gläubigen enden meist in einem von Schmalspurtheologie beseelten Gedankengebäude ohne jegliche theologische Weite und Fundament!“

Das bringt es auf den Punkt!

 

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Von Kristian Stemmler

Ist es Strategie, Naivität oder Unkenntnis? Immer wieder berichtet das Nordheide Wochenblatt abendfüllend und völlig unkritisch über Veranstaltungen und Vorgänge in christlichen Sekten und Kirchen aus dem fundamentalistischen Spektrum. Besonders gern wird zum Beispiel die Landeskirchliche Gemeinschaft Brackel (LKG) hochgejubelt, eine evangelikale Gruppierung. So erschien in der Ausgabe vom Sonnabend ein Zweispalter mit Foto, in dem ein Vortrag des Theologen und Journalisten Egmond Prill über den Nahen Osten in Brackel angekündigt wird.

Prill ist stellvertretender Geschäftsführer des „Christlichen Medienverbundes KEP“, eines Zusammenschlusses evangelikaler Publizisten, der für mehr Präsenz der christlichen Fundamentalisten in den Medien sorgen soll. Außerdem schreibt er für Israelnetz.com, eine Homepage, die Propaganda für die israelische Hegemonialpolitik macht. Diese Homepage hat ihren Sitz natürlich ebenso wie der Medienverbund im hessischen Wetzlar, wo alle wichtigen evangelikalen Sturmtruppen ihr Zuhause haben.

Ohne jeden kritischen Unterton oder Hinweis auf diese Tendenz wirbt das Wochenblatt für den Vortrag Prills in Brackel. Dabei ist schon seinen Zitaten zu entnehmen, dass er Israel als „Gottes Volk“ glorifiziert, so wie es bei den Evangelikalen verbreitet ist. „Die Erfüllung biblischer Verheißungen können wir heute in der Zeitung nachprüfen. Die Bibel erzählt die einzigartige Geschichte eines auserwählten Volkes, die bis zur Stunde die Welt in Atem hält“, heißt es da. Die Kehrseite dieser Israelfreundlichkeit ist eine notorische Verteufelung des Islams.

Erst Mitte Mai hatte das Wochenblatt einen Vierspalter mit dreispaltigem Foto über die LKG Brackel gebracht. In dem Beitrag wird über die Einrichtung von drei Hauskreisen berichtet, so als sei dies eine große Besonderheit. Dabei sind Hauskreise zumindest in Freikirchen eine ganz normale Einrichtung. In dem Artikel werden für jeden einzelnen der drei Hauskreise Adressen, Telefonnummern und Mail-Adressen genannt. Mehr Werbung geht nicht!

Diese unkritische Propaganda für die Fundis in Brackel ist aber kein Ausreißer. Vor einigen Wochen wurde auf der ersten Seite des Wochenblattes in großer Aufmachung über die Verabschiedung von Wilhelm Leber als Stammapostel der Neuapostolischen Kirche und damit Oberhaupt von weltweit rund 7,5 Millionen Angehörigen dieser Kirche berichtet. Leber wohnt zufällig in Buchholz. Das Wochenblatt stellt ihn als Sympathen und gläubigen Menschen vor, Über die NAK heißt es lediglich, sie sei Ende des 19. Jahrhunderts in Hamburg gegründet worden und sei eine Abspaltung der katholischen Kirche.

Es hätte den Kollegen Oliver Sander nur ein paar Klicks im Internet gekostet, um zu erfahren, dass die Neuapostolische Kirche eine beinharte Sekte ist. So ist ein Bericht von Spiegel Online zu finden, in dem der Sektenbeauftragte der evangelischen Kirche, Thomas Gandow, mit dem Satz zitiert wird: „Die Neuapostolische Kirche ist eine sehr extreme und strenge christliche Sekte.“ Weiter heißt es in dem Beitrag: „Die Gemeinschaft ist autoritär-hierarchisch gegliedert. An der Spitze stehen sogenannte Apostel, von einem Stammapostel angeführt, der im schweizerischen Zürich residiert. Ihm und seinen Mitaposteln sind alle Kirchenmitglieder zu absolutem Gehorsam verpflichtet.“

„Blinde Folgsamkeit“ werde schon den Jüngsten eingetrichtert. Ihr Innenleben schirme die Großsekte sorgfältig ab. Die NAK gelte in der Öffentlichkeit als harmlose Freikirche, deren fromme Mitglieder regelmäßig die Bibel lesen und zur Kirche gehen, im Kirchenchor singen, in ihrer Freizeit Alte und Kranke besuchen und auch sonst ein gottesfürchtiges Leben führen. Und weiter: „Doch Aussteiger wie Rita H. erheben gegen die Neuapostolen schwere Vorwürfe: Die Sekte treibe ihre Mitglieder in die Isolation, sie setze sie psychisch unter Druck und überwache das Privatleben der Gläubigen bis ins kleinste.“

Psychischen Druck auf ihre Anhänger erzeugten die Sektenführer, so „Spiegel Online“ weiter, vor allem mit ihrer Doktrin von der angeblich unmittelbar bevorstehenden Wiederkehr Jesu – ein zentraler Bestandteil der neuapostolischen Lehre. „Weihnachten 1951 verkündete der damalige Stammapostel Johann Gottfried Bischoff, ein gelernter Schuster und Zigarrenhändler, noch zu seinen Lebzeiten werde Christus auf die Erde zurückkommen, um die Seinen zu sich zu nehmen. Als Bischoff 1960 – im biblischen Alter von 90 Jahren – starb, geriet die Sekte in eine schwere Krise. Bischoffs Nachfolger rettete die Situation mit der Parole: Nicht der Stammapostel habe sich geirrt, vielmehr habe Jesus seine Pläne geändert.“

Nach neuapostolischer Auffassung sei der jeweilige Stammapostel der „Repräsentant Gottes auf Erden“, der mit strenger Hand die Auserwählten regiert. Weltweit sind 250 Apostel hauptberuflich für ihn tätig. Apostel, die es wagen, Kritik am Stammapostel zu üben, werden von ihrem Chef exkommuniziert.

All das verschweigt das Nordheide Wochenblatt seinen Lesern und stellt statt dessen Wilhelm Leber als gutmütigen älteren Herren dar. Das kann man schon nicht mehr mit Blauäugigkeit entschuldigen! Ebensowenig wie die unkritische Berichterstattung über die Landeskirchliche Gemeinschaft in Brackel. Vielmehr liegt die Vermutung nahe, dass im Wochenblatt Verlag Leute arbeiten, die entweder selbst Mitglied einer evangelikalen Gemeinschaft sind oder einer solchen zumindest nahe stehen.

Und es handelt sich hier nicht um ein Problem von Religion oder Glaubensausrichtung. Die christlichen Fundamentalisten sind eine Gefahr für die Gesellschaft. Dazu zitiere ich aus dem sehr informativen Buch „Gottes einzige Antwort… Christliche Fundamentalisten auf dem Vormarsch“ von Uwe Birnstein. „Komm zu Jesus und alles wird gut?“, so heißt es da, „hemmungslos die wachsende Unsicherheit vieler Menschen ausnutzend, bieten fundamentalistische Bewegungen Patentlösungen an: Gewissheit statt Zweifel, Glaube statt Denken, Autorität statt Vertrauen, Imitation der jeweiligen fundamentalistischen Führer statt Nachfolge Jesu.“

Freikirchen und Sekten erzeugen keine mündigen Christen, sondern kritikunfähige Untertanen, die am Buchstaben der Bibel kleben, ihren Führern folgen und von der befreienden Kraft des christlichen Glaubens in Wirklichkeit nichts spüren!

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