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Posts Tagged ‘ERnst Neuhaus’

Hier soll die Gedenktafel für Ernst Nauhaus hin: an das Haus, in dem das Kaleidoskop residiert, oder an die Mauer davor.

Hier soll die Gedenktafel für Ernst Neuhaus hin: an das Haus, in dem das Kaleidoskop residiert, oder an die Mauer davor.

Buchholz (qu) – Das parteilose Mitglied im Buchholzer Stadtrat Kristian Stemmler versucht mit zwei Anträgen zum Ende der Ratsperiode erneut, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit der Stadt voranzubringen. Zum einen beantragt Stemmler am Haus Steinstraße 2, in dem unter anderem das Mehrgenerationenhaus Kaleidoskop untergebracht ist, oder an der Umgrenzungsmauer des Grundstücks eine Gedenktafel für den Kommunisten Ernst Neuhaus anzubringen, der vermutlich von den Nazis ermordet wurde. Mit dem zweiten Antrag will er erreichen, dass eine neue Straße im Plangebiet „Schaftrift-West“ nach einem Sozialdemokraten benannt wird, der von den Nazis ins Elend getrieben wurde.

Ernst Neuhaus gehört zu den wenigen, genau gesagt sechs NS-Opfern, die in dem Buch „Buchholz 1925-1945 – die verschwiegenen 20 Jahre“ namentlich benannt werden konnten. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“, er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem Rotfront-Gruß und fuhr zur 1.-Mai-Demonstration nach Hamburg (natürlich vor der Machtergreifung). In der NS-Zeit verschwand Neuhaus „spurlos“, man muss also davon ausgehen, dass er von den Nazis umgebracht wurde.

Mit einer Gedenktafel am Eingang der Steinstraße würde Ernst Neuhaus, so heißt es in Stemmlers Antrag, als Opfer der NS-Tyrannei gewürdigt und ein Stückweit dem Vergessen entrissen. Und weiter: „Ein solcher Beschluss zum Ende der Ratsperiode würde ein deutliches Zeichen setzen angesichts der Gefahr des Aufkommens eines neuen Faschismus‘, die mit dem Erstarken rechtspopulistischer und protofaschistischer Kräfte wie der Alternative für Deutschland (AfD) immer klarer zu Tage tritt.“

Dieselbe Begründung gilt auch für den zweiten Antrag des parteilosen Ratsherren, der nicht erneut für den Stadtrat kandidiert. Darin beantragt er, die Straße im neuen Wohngebiet zwischen Schaftrift und AEG entweder Friedrich-Bode-Straße oder Anton-Tietjen-Straße zu benennen. Bode war Ortsvereinsvorsitzender der SPD und war 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo, wie es im oben genannten Buch heißt. Dort wurde er mit Sicherheit eingeschüchtert und vermutlich auch gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend getrieben.

„Vielleicht kann sich der Rat, also vor allem die Mehrheit aus SPD, Grünen, Buchholzer Liste und dem Piraten Arne Ludwig, zum Ende der Ratsperiode noch aufraffen, endlich ein klares Zeichen zu setzen, dass es auch in Buchholz Verbrechen der Nazis gegeben hat“, sagte Stemmler dem querschläger. Der Ratsherr hatte bereits mit seinen ersten Anträgen und seitdem immer wieder versucht, für ein solches Zeichen zu sorgen, etwa indem er die Versetzung des „Kriegerdenkmals“ vom Marktplatz beantragte.

„Das Einzige, was durchzusetzen war, das war das Mahnmal für NS-Opfer gegenüber von dem widerlichen, kriegsverherrlichenden Findling“, so Stemmler, „das ist aber so allgemein gehalten und wirkt im Verhältnis zu dem Stein so unscheinbar, das es eher kontraproduktiv ist.“ Auf der anderen Seite bilde genau dieses Größenverhältnis und Erscheinungsbild in der zentralen Grünanlage der Stadt die Realität ab: „Der Schatten der NS-Vergangenheit in der braunen Lüneburger Heide ist lang und reicht in die Gegenwart. Kein Wunder, dass hier so viele alte und neue Nazis herumlaufen!“

Hier die Links zu den Anträgen im Informationssystem der Stadt:

https://www.buchholz.de/allris/___tmp/tmp/450810361043323969/1043323969/00081662/62-Anlagen/01/AntragRmStemmlervom02082016.pdf

https://www.buchholz.de/allris/___tmp/tmp/450810361043323969/1043323969/00081357/57-Anlagen/01/AnlageDS0978001-AntragKristianStemmlervom02082.pdf

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An dieser Stelle wird die Gedenkstätte für NS-Opfer errichtet.

An dieser Stelle wird die Gedenkstätte für NS-Opfer errichtet.

Von Kristian Stemmler

Die Jagd ist eröffnet! Die Hysterie über die Ereignisse von Köln steigert sich von Tag zu Tag. Es muss leider angenommen werden, dass sie eine neue Qualität der Hetze gegen Flüchtlinge hervorbringt – und noch mehr und schlimmere Anschläge auf deren Unterkünfte. Schon gründen sich erste „Bürgerwehren“, um „unsere Frauen“ zu schützen. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, dass Flüchtlinge durch die Straßen gejagt werden und es dabei Todesopfer gibt.

Angesichts dieser aktuellen Entwicklung wirkt es seltsam unzeitgemäß, wenn auf die Zeit vor mehr als 70 Jahren zurückgeschaut und an die Opfer des NS-Regimes erinnert wird. Doch gerade jetzt, wo die Gefahr einer neuerlichen Zerrüttung der Demokratie in Deutschland und in Europa so groß ist wie nie zuvor nach Ende des Zweiten Weltkriegs, ist diese Besinnung wichtig.

Darum ist auch das bevorstehende Ereignis im Buchholzer Zentrum von hoher symbolischer Bedeutung: Neben dem „Kriegerdenkmal“ wird am 27. Januar, also am offiziellen Gedenktag für die Opfer des deutschen Faschismus, eine Gedenkstätte für die NS-Opfer eingeweiht. Damit wird ein Projekt vollendet, das vor genau zwei Jahren initiiert wurde, allerdings nicht ganz so, wie es ursprünglich gedacht war.

Um 17 Uhr soll die Einweihung beginnen, wobei die dazu herausgegebene Pressemitteilung der Stadt nicht vermerkt, wer von städtischer Seite daran teilnimmt und ob es Ansprachen geben wird. Die neue Gedenkstätte wird sich auf der Grünfläche in der Mitte des Marktplatzes befinden, gegenüber dem scheußlichen Stein, der 1923 vom späteren NS-Gauleiter Otto Telschow eingeweiht wurde, und die Aufschrift „Den gefallenen Helden“ trägt.

Das von Amelung geschaffene Mahnmal hat, so die Pressemitteilung, die Anmutung von Gefängnisgittern, die aussehen, als wären sie von der Kraft verzweifelter Ausbruchsversuche verbogen worden. In die Lücken zwischen den Stäben sind teilweise Bronzeplatten mit den Namen jender Opfergruppen eingelassen, die unter dem NS-Regime besonders verfolgt worden sind, also Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Kommunisten und Zwangsarbeiter.

Dass die Verwaltung den 27. Januar, also den offiziellen Gedenktag für die Opfer des deutschen Faschismus, ausgewählt hat, war sicher angebracht. Leider nutzt sie das aber auch, um die Einweihung zu verstecken – zumindest in der Pressemitteilung. Schon in der Überschrift kein Wort von der Gedenkstätte. Sie lautet: „Jugend unterm Hakenkreuz – Integrierte Gesamtschule Buchholz richtet für die Stadt Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus aus“.

Die ersten beiden Absätze beschäftigten sich nur mit der offiziellen Veranstaltung zum 27. Januar, die in diesem Jahr von der Integrierten Gesamtschule am Buenser Weg ausgerichtet wird (18 Uhr). Natürlich ist das eine sinnvolle und wichtige Veranstaltung. Die Schüler und ihre Lehrer habe sich in der Vorbereitung mit dem Leben von Kinder und Jugendlichen in der NS-Zeit beschäftigt, in der IGS wird es dazu eine Ausstellung, einen Vortrag und eine Diskussion geben.

Nur gibt es derartige Veranstaltungen am 27. Januar in Buchholz seit 1996. Das Besondere in diesem Jahr aber ist die Einweihung der Gedenkstätte auf dem Marktplatz und diese Nachricht hätte natürlich nach vorn und in die Überschrift gehört. Die Pressemitteilung zeigt erneut, wie ungeliebt das Projekt nach wie vor bei der Verwaltung und bei den Buchholzer Parteien ist, von Ausnahmen abgesehen.

Natürlich findet sich in der Pressemitteilung auch kein Wort davon, dass es der Autor dieser Zeilen war, der das Projekt im Januar 2014 in seiner Funktion als parteiloses Mitglied des Stadtrats mit einem Antrag im Rat initiiert hat. Auch das Nordheide Wochenblatt wird diese Tatsache sicher wieder verschweigen, da ich dort als persona non grata gelte. Dort gelten Leute wie FDP-Zampano Arno Reglitzky als „Macher“, die Buchholz voranbringen. Der hat ja auch eine Art Gedenkstätte geschaffen, ein Mahnmal für Vetternwirtschaft und Verschwendung, den Kletterturm am Holzweg…

Es versteht sich von selbst, dass alle Versuche abgeblockt worden sind, in der Gedenkstätte für die NS-Opfer lokale Bezüge unterzubringen. Die Nazis sind über Buchholz damals bekanntlich wie Außerirdische gekommen und nach 1945 waren auch keine mehr hier. Daher musste mein Antrag, in der Gedenkstätte an Buchholzer Opfer der Nazis wie den Kommunisten Ernst Neuhaus zu erinnern, auch unbedingt verwässert werden.

So wird jetzt weder an Ernst Neuhaus und andere Buchholzer Opfer erinnert noch an die Tausende, die in Güterzügen, den so genannten „KZ-Zügen“, auf der Strecke der Heidebahn durch Buchholz transportiert wurden. Jetzt werden nur pauschal Opfergruppen aufgerufen, was natürlich besser ist als gar keine Gedenkstätte, aber auch nicht wirklich hilfreich. Peinlich ist das Ganze vor allem auch für die Buchholzer SPD, da sich unter den namentlich bekannten NS-Opfern aus Buchholz Friedrich Bode befindet, damals SPD-Ortsvereinsvorsitzender.

Hier sei noch einmal an die namentlich bekannten NS-Opfer aus Buchholz erinnert:

Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E, wurde von Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person, die aufgeführt werden sollte, ist ein namenloses Mädchen aus dem Bereich Neue Straße, die im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis abgeholt und vermutlich ermordet wurde.

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Buchholz (qu) – Der Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen ist nicht unbedingt ein sozialer Brennpunkt, sondern eher Rückzugsort für reiche Hackfressen und kleinbürgerliche Deppen, die den Schuss nicht gehört haben. Kein Wunder also, dass man im dortigen Ortsrat weder gewillt noch intellektuell dazu in der Lage ist, vernünftig über Themen zu reden, die über die Aufstellung von Buswartehäuschen und das wuchernde Unkraut auf Verkehrsinseln hinausgehen. So auch in der Sitzung am 1. Juli.

Einstimmig lehnte der Ortsrat Holm-Seppensen auf dieser Sitzung den Antrag des parteilosen Mitglieds im Buchholzer Stadtrat, Kristian Stemmler, ab, den Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Damit bekannten sich nicht nur die zwei Vertreter der UWG und die drei von der CDU, sondern auch die jeweils drei grünen und sozialdemokratischen Vertreter im Ortsrat zu dem Kriegsverbrecher Paul von Hindenburg, dem Wegbereiter Adolf Hitlers. Traurig, traurig!

Seinen Antrag hatte Stemmler im Stadtrat gestellt, der Antrag wurde aber an den Ortsrat weitergegeben, weil Umbenennungen von Straßen in den Ortsteilen in die Kompetenz der jeweiligen Ortsräte fallen. Hindenburgs Name sollte laut Antrag durch den von Ernst Neuhaus ersetzt werden, einem der wenigen Opfer des NS-Regimes, die namentlich bekannt sind. Neuhaus war Kommunist, seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„Mit der Umbenennung des Hindenburgweg in Ernst-Neuhaus-Weg würde der Stadtrat von Buchholz 70 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der faschistischen Diktatur und in einer Zeit, in der rechtspopulistische und faschistische Tendenzen in diesem Land wieder erstarken, ein klares Zeichen setzen“, heißt es wörtlich in Stemmlers Antrag. Zur Sitzung des Ortsrats am 1. Juli konnte der Ratsherr wegen eines anderen Termins nicht erscheinen.

„Dass der Ortsrat Holm-Seppensen für dieses Thema zu kleinkariert ist, wundert mich nicht“, sagte Stemmler dem querschläger, „wobei ich nicht glaube, dass es im Stadtrat viel besser gelaufen wäre.“ Es sei die klassische Heuchelei und Doppelmoral in bürgerlichen Kreisen, sich für Flüchtlinge zu engagieren und Nazis verbal abzulehnen – aber im entscheidenden Moment den Schwanz einzuziehen und eine Politik zu forcieren und zu befürworten, die all diese Probleme erst verursacht.

Nach der Ablehnung seines Antrags im Ortsrat hat Stemmler jetzt einen neuen Antrag gestellt, der eine Straße im Kernbereich der Stadt betrifft und damit vom Rat behandelt werden muss. Er hat beantragt, die Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße umzubenennen. „Natürlich kommt der Antrag nicht durch“, sagte der Ratsherr, „aber man muss doch ab und zu demonstrieren, wie wenig dieser Rat tatsächlich gewillt ist, beim Thema Antifaschismus Farbe zu bekennen.“

Hier der Antrag im Wortlaut:

Der Rat der Stadt möge beschließen:

Die Adolfstraße wird in Ernst-Neuhaus-Straße umbenannt.

Begründung: Auch wenn die Adolfstraße nicht nach Adolf Hitler, sondern nach dem früheren Gemeindevorsteher Adolf Behrens benannt ist, und dies – zumindest an einem der Schilder – in einer Legende vermerkt ist, bleibt eine gewisse Verwechslungsgefahr. Nach Kenntnis des Antragstellers freuen sich Neonazis aus Buchholz klammheimlich, dass eine wichtige Straße im Buchholzer Zentrum Adolfstraße heißt. Vor dem Hintergrund des Erstarkens rechtsextremer und rechtspopulistischer Tendenzen in unserer Gesellschaft sollten solche Kristallisationspunkte in der Öffentlichkeit nach Möglichkeit beseitigt werden.

Ernst Neuhaus war Kommunist und gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

Die Umbenennung der Adolfstraße in Ernst-Neuhaus-Straße wäre ein deutliches Signal gegen rechtsextremische und rechtspopulistische Kreise und eine Verbeugung vor den Opfern des NS-Regimes. Die Straße bietet sich für die Umbenennung auch deshalb an, weil sie eine Nachbarstraße zur Steinstraße ist, wo, siehe oben, die Wohnung von Neuhaus lag.

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Buchholz (be) – Das parteilose Mitglied im Buchholzer Stadtrat Kristian Stemmler hat beantragt, den Hindenburgweg im Buchholzer Ortsteil Holm-Seppensen in Ernst-Neuhaus-Weg umzubenennen. Der frühere Reichspräsident Paul von Hindenburg habe es als Wegbereiter der faschistischen Diktatur nicht verdient, noch heute öffentlich gewürdigt zu werden, heißt es sinngemäß in dem Antrag. Mit der Umbenennung in Ernst-Neuhaus-Weg könne eine späte Ehrung der Buchholzer NS-Opfer umgesetzt werden.

Als „Sieger von Tannenberg“ zum Kriegsheld stilisiert habe Hindenburg als Chef der Obersten Heeresleitung im Ersten Weltkrieg den Krieg verlängert, so der Antrag weiter. Mit seinen unsinnigen Entscheidungen sei er für den Tod von Zehn- und Hunderttausenden Soldaten verantwortlich. Noch 1918, als die Kräfte die Kaiserreichs und seiner Armee erkennbar erschöpft waren, habe die Heeresführung eine Offensive in Frankreich befohlen, „nicht um den Krieg zu gewinnen, sondern einzig um günstigere Waffenstillstandsbedingungen zu erreichen“.

In der Weimarer Republik habe Hindenburg zu denen gehört, die die Legende verbreiteten, das „im Felde unbesiegte Heer“ sei von einem „Dolchstoß in den Rücken“ getroffen worden. Als Reichspräsident habe er die Regierungspraxis gestützt, nicht mehr mit den Beschlüssen von Parlamentsmehrheiten zu arbeiten, sondern mit Notverordnungen zu regieren. Er habe hinter einer Politik gestanden, die die Lasten der Krise auf die Massen abwälzte und damit eine Bedingung für den Aufstieg der Nazis schuf. Seine Unterschrift unter die Ernennungsurkunde von Adolf Hitler sei da nur folgerichtig gewesen.

Neuer Namensgeber der Straße soll nach dem Willen des Ratsherrn Stemmler der Kommunist Ernst Neuhaus werden. Neuhaus gehört zu den wenigen Opfern des NS-Regimes in Buchholz, die namentlich bekannt sind. Seine Wohnung an der Steinstraße galt als „Kommunistentreff“. Er grüßte Genossen auf offener Straße mit dem „Rotfront“-Gruß, fuhr zur 1.-Mai-Kundgebung nach Hamburg. Neuhaus verschwand eines Tages spurlos, man kann davon ausgehen, dass er von den Nazis ermordet worden ist.

„In einer Zeit, in der rechtspopulistische und rechtsextremische Tendenzen zunehmen, ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen“, sagte Stemmler, „Paul von Hindenburg hat Adolf Hitler den Weg geebnet und sollte 70 Jahre nach Ende der faschistischen Diktatur nicht mehr öffentlich geehrt werden. Die Buchholzer Opfer des NS-Regimes, von denen in den vergangenen Jahrzehnten kaum die Rede war, würden mit der Umbenennung der Straße ein Stückweit dem Vergessen entrissen und öffentlich in Person von Ernst Neuhaus gewürdigt.“

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+++ Aus dem Rat +++

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Kontrapunkt: Hier soll das Mahnmal für NS-Opfer stehen. (Foto: Stemmler)

Buchholz (be) Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs soll Buchholz ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus bekommen. Der parteilose Ratsherr Kristian Stemmler hat im Stadtrat beantragt, auf dem Marktplatz der Stadt eine Gedenkstätte zu errichten, die vor allem an Buchholzer erinnern soll, die in der NS-Zeit verfolgt wurden. „Seit Kriegsende wird auf diesem zentralen Platz der Stadt an gefallene Soldaten erinnert“, sagt Stemmler, „für die Buchholzer, die von den Nazis verfolgt oder umgebracht wurden, gibt es in der ganzen Stadt kein Mahnmal. Das ist ein unhaltbarer Zustand!“

Das Mahnmal für die NS-Opfer soll laut Antrag in der kleinen Grünanlage in der Mitte des Marktplatzes errichtet werden, direkt neben dem Gedenkstein, der mit der Inschrift „Den gefallenen Helden“ an die Buchholzer erinnert,die in den beiden Weltkriegen und dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 getötet wurden. Das Denkmal wurde 1923 von dem späteren Gauleiter Otto Telschow eingeweiht. Stemmler: „Ein solches Nebeneinander wäre in der Lüneburger Heide wohl ein Novum.“

Die Gestaltung der Gedenkstätte für die NS-Opfer soll die Verwaltung ausarbeiten, bei Bedarf mit externer Hilfe. „Ich bin da offen, nur der Standort ist nicht verhandelbar“, so der Ratsherr. Inhaltlich hat Stemmler in seinem Antrag klare Vorgaben gemacht. Die Gedenkstätte soll besonders an Opfer von Verfolgung und Diskriminierung durch das NS-Regime in Buchholz selbst erinnern.

Dabei sollen „sämtliche Namen solcher Opfer aufgeführt werden, die sich ermitteln lassen“. Stemmler: „Offenbar war es nach dem Krieg äußerst schwierig, überhaupt solche Namen herauszufinden. Erst in den 80ern gelang es engagierten Buchholzern, diesen weißen Fleck der Stadtgeschichte zu auszufüllen und dabei auch Verfolgte zu benennen.“

In seinem Antrag hat sich der parteilose Ratsherr auf die Ergebnisse der Arbeit dieser Buchholzer bezogen, die in dem Buch „Buchholz 1925-1945 – die verschwiegenen zwanzig Jahre“ niedergelegt sind. Er gibt sechs Personen aus Buchholz, deren Schicksal im Buch erwähnt wird, für das Mahnmal vor: zwei Kommunisten, zwei Sozialdemokraten, eine Halbjüdin und ein namenloses Mädchen.

Die Kommunisten Ernst Neuhaus und Erich Hasselfeld verschwanden „spurlos“, was mit Sicherheit bedeutet, dass sie deportiert und ermordet wurden. Anton Tietjen, der die SPD in Buchholz mit aufbaute, wurde von den Nazis schikaniert und zermürbt, seine Familie ins Elend gebracht. Sein Parteigenosse Friedrich Bode, Ortsvereinsvorsitzender der SPD, war im September 1933 eine Woche im Gewahrsam der Gestapo. Dort wurde er vermutlich eingeschüchtert und gefoltert. Er verlor seine Arbeit und lebte mit seiner Frau in materieller Not.

Die Halbjüdin Paula E, wurde von Otto Telschow gezwungen, ihren Lebensmittelladen zu schließen. Sie wurde in Buchholz als „Volksschädling“ beschimpft, von Geschäftsleuten nicht bedient und vom Zahnarzt nicht behandelt. Als Werkssanitäterin in einem Rüstungsbetrieb musste sie gefährlichste Arbeiten übernehmen. Die sechste Person, die aufgeführt werden soll, ist ein namenloses Mädchen aus dem Bereich Neue Straße, die im Rahmen des Euthanasie-Programms der Nazis abgeholt und vermutlich ermordet wurde.

Über die Einbeziehung weiterer Opfergruppen, etwa der Zwangsarbeiter, die in Buchholz eingesetzt wurden, sowie der Kriegsgefangenen, soll noch entschieden werden, so der Antrag weiter. Dasselbe gelte für das Thema KZ-Züge. Buchholz wird in dem genannten Buch als „Bahnknotenpunkt auch für KZ-Züge“ bezeichnet.

In der Begründung zu seinem Antrag schreibt Stemmler: „Die Errichtung einer Gedenkstätte für NS-Opfer in Buchholz wäre auch ein klares Signal an die wieder erstarkende Neonazi-Szene der Stadt, für die das von Otto Telschow eingeweihte Denkmal offenbar symbolische Bedeutung hat. Dies zeigt der Auftritt von Buchholzer Neonazis der Aktionsgemeinschaft Nordheide in der Silvesternacht. Fast 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist es Zeit, an dieser Stelle ein deutliches Zeichen zu setzen.“

Wie berichtet, hatten Neonazis in der Silvesternacht ein Video in der Stadt gedreht, das sie vermummt mit einem Banner vor dem Rathaus und dem Gedenkstein auf dem Marktplatz zeigt. Auf dem Banner war eines der Containerdörfer abgebildet, wie sie in den vergangenen Wochen zur Aufnahme von Asylbewerbern im Landkreis errichtet wurden. Stemmler: „Spätestens diese Aktion zeigt, wie aktuell das Vorhaben einer Gedenkstätte für NS-Opfer ist.“

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