Mit ‘Erich Romann’ getaggte Beiträge

So begann seine "Medienkarriere": Romann mit Bierflasche im Kreistag

So begann seine „Medienkarriere“: Romann mit Bierflasche im Kreistag

Von Kristian Stemmler

Länger hatte man nichts von ihm gehört, jetzt hat es Erich Romann mal wieder ins Wochenblatt geschafft. In der aktuellen Ausgabe wird er von Kollegin Bianca Marquardt in Verbindung gebracht mit Protestaktionen von Flüchtlingen in Handeloh. Bei aller Vorsicht, vor allem angesichts der Tatsache, dass Romann selbst sich mit einem Anruf in der Redaktion ins Spiel brachte, erscheint es plausibel, dass der parteilose Kreistagsabgeordnete in der fraglichen Sache mitgemischt hat.

Zur Erinnerung: Romann, der mit dem Wort Paradiesvogel nur unzureichend beschrieben werden kann, war bei der Kommunalwahl Ende 2011 für die Piraten in den Kreistag gewählt war. Denen hatte er zuvor alles mögliche erzählt, er sei Molekularbiologe und dergleichen, und war so überzeugend aufgetreten, dass sie ihn gleich aufstellten. Leider in einem Wahlbezirk, aus dem die Piraten ein Kreistagsmandat gewannen.

Den Piraten, durchaus eine Partei, die mit exotischen Kandidaten umgehen kann, wurde schnell klar, dass dieser Mann mehr als exotisch ist. Bei der ersten Sitzung ließ sich Romann mit einer Bierflasche in der Hand ablichten und schaffte es groß in die damals noch existierenden „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ (HAN). Das kurz vor dem Konkurs stehende Lokalblatt griff begierig das Thema auf und brachte über Wochen skurrile Anekdoten über Romann.

Den HAN hatte er erzählt, er verdiene sein Geld als Pokerspiele, sei „Islam-Konvertit mit deutsch-nationaler Einstellung“ und habe zehn Kinder, die er nicht sehen dürfe. Wenig später forderte Romann den Bau einer Moschee in Buchholz und die Einrichtung eines Open-air-Boxrings. Den Mergelweg in seinem damaligen Wohnort Handeloh wollt er in „Merkelweg“ umbenennen. Die Nutzung eines Laptops für die Kreistagstätigkeit lehnte er ab, weil über das Internet der amerikanische Geheimdienst sonst Zugriff auf seine Daten habe.

Als die Piraten ihn ausschließen wollten, erklärte Romann, seine Kollegen Nicolas Krüger und Arne Ludwig seien Verfassungsschutzagenten, die versucht hätten, ihn unter Druck zu setzen, zu manipulieren und zu kontrollieren. Im Frühjahr 2012 trat Romann von sich aus bei den Piraten aus. In den folgenden Monaten versuchte er, bei anderen Parteien Unterschlupf zu finden, so bei der FDP und gar bei der NPD. Aber nicht mal die Nazis wollten ihn haben.

Ende 2013 schließlich war der umstrittene Kommunalpolitiker, der inzwischen wieder in Buchholz wohnte, noch einmal kurz in den Schlagzeilen, als er erklärte als parteiloser Kandidat für das Amt des Bürgermeisters von Buchholz antreten zu wollen. Das verlief nach Informationen des querschläger aber im Sande. Jetzt taucht er nach längerer Zeit also wieder einmal in den Medien auf.

Und zwar hat es in den beiden Flüchtlingsunterkünften in Handeloh Proteste von Flüchtlingen gegeben, die sich unter anderem gegen die Residenzpflicht und die langen Bearbeitungszeiten der Asylanträge richten. Mit Ausrufen und dem Hochhalten selbstgebastelter Plakate sollen Flüchtlinge in der Unterkunft am Bahnhof und der Unterkunft in der ehemaligen Jugendherberge Inzmühlen auf sich aufmerksam gemacht haben, so das Nordheide Wochenblatt.

Die Lokalzeitung berichtet, Erich Romann habe in der Redaktion angerufen und sich dazu bekannt, die Flüchtlinge aufgewiegelt zu haben: „Ich habe Ihnen gesagt, sie sollen sich wehren und sie über ihr Demonstrationsrecht aufgeklärt“, habe er gesagt. Die Kollegin Marquardt schrieb dazu in einem Kommentar, sollte dies tatsächlich stimme, hätte Romann den Unterstützern der Flüchtlinge im Landkreis einen Bärendienst erwiesen.

Das ist sicher richtig, aber die Kollegin hätte gern noch auf den persönlichen Hintergrund von Romann hinweisen können. Natürlich ist es ein sensibles Thema, aber bei einem Kommunalpolitiker, der selbst immer wieder an die Presse geht, muss es erlaubt sein, das Verhalten zu kritisieren und dabei auch unangenehme Fragen zu stellen. Ruth Alpers von den Grünen hat bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass das Verhalten von Romann eher unter pathologischen Gesichtspunkten zu sehen ist.

Mit anderen Worten: Sein Verhalten legt die Vermutung nahe, dass Erich Romann psychisch krank ist. Die manische Komponente seiner Aktionen ist nicht zu übersehen. Erstaunlich ist allein die lange Dauer, denn manische Phasen klingen normalerweise spätestens nach einigen Monaten wieder ab. Möglicherweise werden die anderen Phasen aber auch nicht bemerkt, weil Romann in dieser Zeit nicht nennenswert in Erscheinung tritt.

Auf Sitzungen des Kreistages taucht er nach wie vor mit seinem Hund auf, aber das wird spätestens im Herbst aufhören. Denn dann läuft sein Mandat aus und bei der Kommunalwahl im September wird ihn sicher keine Partei mehr aufstellen. Als Einzelkandidat dürfte er mehr als chancenlos sein.

Porträt RemoVon Kristian Stemmler

Paukenschlag im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Buchholz: Der Kandidat der SPD, Remo Rauber, auch Ortsvereinsvorsitzender seiner Partei, verzichtet auf seine Kandidatur. In einer Presseerklärung nannte Rauber für seinen überraschenden Schritt gesundheitliche Gründe. „Auf ärztliches Anraten habe ich mich dazu entschlossen, auf meine Gesundheit Rücksicht zu nehmen und bin deshalb zu dem Ergebnis gelangt, rechtzeitig diesen Schritt zu vollziehen“, heißt es in der Erklärung. Auch alle seine politischen Ämter, Rauber ist neben seiner Tätigkeit im Vorstand des Ortsvereins noch im Kreistag, wolle er niederlegen. Aufsichtsratschef der Wirtschaftsbetriebe möchte Rauber bleiben.

Nach dieser überraschenden Wendung werden die Karten in Sachen Bürgermeisterwahl neu gemischt. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte Raubers Stellvertreterin im Ortsverein, Silva Seeler, der SPD-Vorstand werde sich so bald wie möglich treffen, eventuell schon an diesem Wochenende. „Wir müssen nun sehen, ob sich ein neuer Kandidat findet oder ob wir den Kandidaten einer anderen Partei empfehlen oder unterstützen werden“, sagte Seeler.

Wenn sich in der SPD kein anderer Kandidat findet, wird die Partei voraussichtlich den von den Grünen nominierten Kandidaten Joachim Zinnecker unterstützen. Damit stände das rot-grüne Lager plus Buchholzer Liste (und meiner Wenigkeit) geschlossen hinter Zinnecker, der als aussichtsreichster Herausforderer des konservativen Kandidaten gilt. Sowohl bei den Grünen als auch in Teilen der SPD hatte es zuletzt einigen Unmut gegeben, weil mit Raubers Aufstellung das rot-grüne Lager gespalten worden sei.

Spannung verspricht die Kandidatenkür im konservativen Lager, die am kommenden Freitag bei der Mitgliederversammlung der Buchholzer CDU abgeschlossen wird. Eine Findungskommission hatte den Ersten Stadtrat, Jan-Hendrik Röhse, erwählt, an das Votum sind die Mitglieder aber nicht gebunden. Röhse hat inzwischen ernstzunehmende Konkurrenten, vor allem Karin Gedaschko, Frau des früheren Landrats und Hamburger Senators Axel Gedaschko.

Karin Gedaschko hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Verwaltung. Die Juristin ist Dezernatsleiterin bei der Polizeiinspektion Lüneburg im Rang einer Oberregierungsrätin. 15 Jahre lang war sie CDU-Fraktionschefin im Ortsrat Holm-Seppensen, sie ist Mitglied des Kirchenvorstands der Martin-Luther-Gemeinde in Holm-Seppensen, lebt seit mehr als 25 Jahren in dem Buchholzer Ortsteil. Dem Nordheide Wochenblatt sagte Gedaschko, sie wolle „jahrelange Verkrustungen“ im Stadtrat aufbrechen, stehe für einen Neuanfang.

Weitere Herausforderer von Röhse sind CDU-Ratsherr Ralf Becker aus Steinbeck, der als Prokurist im Vertrieb der Ostfriesischen Teegesellschaft (OTG) arbeitet, und CDU-Ratsfrau Sigrid Spieker, die in einer Dienstleistungsfirma der Krankenhaus Buchholz und Winsen gem. GmbH Chefin von 79 Angestellten ist. Nach Ansicht des buchholzblogs tut sich die CDU den größten Gefallen, wenn sie Röhse nominiert, da er der aussichtsreichste (und profilierteste) Gegenkandidat von Zinnecker sein dürfte.

Soviel Gedränge auf der „Startbahn“ wie diesmal dürfte es im Vorfeld einer Bürgermeisterwahl in Buchholz wohl noch nicht gegeben haben. Denn neben den Kandidaten der Parteien wollen auch noch vier Einzelkandidaten antreten. Sicher ist die Kandidatur des Maklers Ronald Bohn, der extra aus der FDP ausgetreten ist, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Von Betriebsrat Uwe Schulze, dem Gleisbauer Christian Thal und dem bunten Vogel Erich Romann fehlen noch die 190 Unterschriften, die für eine Kandidatur benötigt werden. Schulze und Bohn ist bei der Wahl am 25. Mai durchaus ein Achtungserfolg zuzutrauen.

Von Kristian Stemmler

Knapp ein halbes Jahr noch, dann werden die Buchholzer entscheiden, wer ihr neuer Bürgermeister wird. Am 25. Mai wird der Nachfolger von Wilfried Geiger gewählt, Geiger selbst tritt nicht mehr an (der buchholzblog berichtete). Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es zu einem Duell zwischen Joachim Zinnecker, dem Fraktionschef der Grünen im Stadtrat, und dem Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse kommen wird. Dafür spricht auch das Ergebnis der Umfrage im buchholzblog.

Bisher stehen fünf Kandidaten fest: Die Grünen haben Zinnecker nominiert, die SPD ihren Ortsvereinsvorsitzenden Remo Rauber. Als Einzelkandidaten treten der Makler Ronald (Ronny) Bohn, Ex-Pirat Erich Romann und der Gleisbauer Christian Thal an. Die CDU will ihren Kandidaten im Januar nominieren. Genannt wurden neben Röhse bisher Ratsherr Robert Ehrenpfordt und Bettina Jägersberg, ehemalige Ortsbürgermeisterin von Holm-Seppensen. Das Wochenblatt brachte Kreisrat Björn Hoppenstedt ins Spiel.

Ehrenpfordt und Jägersberg haben nach Informationen des buchholzblogs schon abgewunken, ob die Buchholzer CDU Hoppenstedt holen will, ist fraglich. Am wahrscheinlichsten ist wohl die Nominierung von Röhse, der von den Genannten am ehesten die Erfahrung und das Format für das Amt mitbringt. Er hat von den konservativen Kandidaten in der Umfrage im blog am besten abgeschnitten mit 27 von 152 Stimmen. Jägersberg bekam zehn Stimmen, Ehrenpfordt liegt mit vier Stimmen auf dem letzten Platz.

Auch wenn 152 Votes für eine Umfrage in einem lokalen blog recht viel ist, ist diese Umfrage natürlich nicht repräsentativ. Aber aufschlussreich ist sie dennoch. Dass Ronald Bohn mit 47 Stimmen, etwa 30 Prozent, an der Spitze liegt, ist dabei zwar überraschend, aber nicht aussagefähig. Denn lange rangierte er unter ferner liefen, um dann in kurzer Zeit viele Stimmen zu kassieren. Also ist es entweder gelungen, im Internet aktive Bohn-Fans zu motivieren oder es ist technisch manipuliert worden (was ja nicht so schwer ist).

Ein Achtungsergebnis dürfte dem Makler aber zuzutrauen sein, da er offenbar einen relativ großen Bekanntenkreis in Buchholz hat. Insgesamt ist er aber chancenlos, ebenso wie die anderen Einzelbewerber. Reelle Aussichten haben allein die Kandidaten von SPD und Grünen und der Kandidat, den die Union auf den Schild heben wird.

Was dabei in der Umfrage vor allem auffällt, ist der große Abstand von Zinnecker zu Rauber. Der Grüne bekam bisher 45 Stimmen (knapp 30 Prozent), der Sozialdemokrat lediglich 13 Stimmen (8,5 Prozent). Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass in der Leserschaft des blogs Sympathisanten der Grünen und/oder von Zinnecker überrepräsentiert sind, ist dieser deutliche Abstand doch überraschend.

Es spricht also viel dafür, dass Zinnecker und nicht Rauber die Stichwahl erreicht, die es mit großer Wahrscheinlichkeit geben wird. Auch der Umstand, dass Zinnecker in Buchholz sehr gut vernetzt ist und Erfahrung in der Führung eines Unternehmens hat, ist ein Argument für den Grünen. Für Rauber spricht, dass die SPD natürlich insgesamt ein größeres Wählerpotenzial in Buchholz hat. Andererseits gibt es selbst in seiner eigenen Partei wohl einige, die mit seiner Kandidatur nicht glücklich sind.

Dass Röhse in der Umfrage mit 27 Stimmen (17,7 Prozent) den zweiten Platz erreicht, wenn man Bohn mal vernachlässigt, ist durchaus bemerkenswert. Offenbar wird ihm im konservativ-bürgerlichen Lager am ehesten ein Erfolg bei der Wahl im Mai zugetraut. Die örtliche CDU wäre sicher gut beraten, ihn auf den Schild zu heben.

Die Einschätzung des buchholzblogs: Von den genannten Kandidaten eignen sich Zinnecker und Röhse von ihrem intellektuellen Zuschnitt, ihren Kenntnissen der Buchholzer Verwaltung und Politik, ihren beruflichen Erfahrungen und ihrem Auftreten her am ehesten für das Amt des Bürgermeisters. Es wäre daher folgerichtig, wenn sie bei der Stichwahl drei Wochen nach dem ersten Wahlgang gegeneinander anträten.

Vblog Romann HANon Kristian Stemmler

Erich Romann ist wieder da. Der Paradiesvogel, der Ende 2011 und Anfang 2012 mit seinem seltsamen Verhalten, exotischen Vorstößen und wirren Äußerungen für Schlagzeilen in der lokalen und zuletzt auch überregionalen Presse sorgte, will sich offenbar für das Bürgermeisteramt von Buchholz bewerben. „Ja, es ist richtig, Herr Romann hat sich dafür Unterlagen im Rathaus abgeholt“, bestätigte Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt. Romann müsse lediglich 190 Unterschriften zusammenbekommen, dann stehe seiner Kandidatur nichts im Wege. Neben dem 39 Jahre alten Romann und dem Makler Ronald Bohn gibt es auch noch einen weiteren Einzelbewerber. Es ist der 31 Jahre alte Christian Thal, der sich auf einer Internetseite, auf der er seine Kandidatur verkündet, als Tiefbaufacharbeiter/Gleisbauer und Eisenbahnfan vorstellt. Auch er muss 190 Unterschriften sammeln, um kandidieren zu können.

Damit kandidieren jetzt bereits fünf Personen um das Amt des Bürgermeisters von Buchholz, der am 25. Mai 2014 gewählt wird. Romann und Thal sind sicher absolut chancenlos, auch Bohn dürfte höchstens ein Achtungserfolg zuzutrauen sein. Alles läuft auf einen Zweikampf zwischen Joachim Zinnecker, Grünen-Fraktionschef im Stadtrat, und dem Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse hinaus – dafür spricht auch das Ergebnis der Umfrage zur Bürgermeisterwahl hier im blog (dazu demnächst mehr).

Erich Romann sorgte bereits kurz nach seiner Wahl in den Kreistag für die Piraten im Herbst 2011 für Schlagzeilen. In Erinnerung geblieben ist das Bild von Romann auf einer Kreistagssitzung mit der Bierflasche in der Hand. Den Harburger Anzeigen und Nachrichten (HAN) erzählte der frischgewählte Abgeordnete, er verdiene sein Geld als professioneller Pokerspieler, sei „Islam-Konvertit mit deutsch-nationaler Einstellung“ und habe zehn Kinder, die er nicht sehen dürfe. Immer wieder sei er auf Heiratsschwindlerinnen hereingefallen.

Mehrfach machte Romann mit skurrilen Vorschlägen und teilweise paranoiden Bemerkungen von sich reden. So forderte er den Bau einer Moschee in Buchholz und die Einrichtung eines Open-air-Boxringes, den Mergelweg in seinem damaligen Wohnort Handeloh wollte er in Merkelweg umbenennen lassen. Als einziger Kreistagsabgeordneter lehnte er die Nutzung eines Laptops ab. Über das Internet habe der amerikanische Geheimdienst sonst Zugriff auf alles eine Daten, sagte er der HAN, er nehme auch immer wieder den Akku aus seinem Handy, weil er sonst zu orten sei.

Den Piraten schwante relativ schnell, wen sie da an Bord geholt hatten. Wegen seiner bizarren Auftritte und Einlassungen leitete der Kreisverband ein Ausschlussverfahren gegen Romann ein. Romann konterte, in der Piratenpartei seien im Moment nur Linksradikale am Ruder, seine Kollegen Nicolas Krüger und Arne Ludwig seien Verfassungsschutzagenten, die versucht hätten, ihn unter Druck zu setzen, zu manipulieren und zu kontrollieren. Die HAN zitiert ihn mit dem Satz: „Und ich lasse mich weder vom Verfassungsschutz noch von der CIA manipulieren.“

Im Frühjahr 2012 trat Romann von sich aus bei den Piraten aus, wenig später legte er auch sein Kreistagsmandat nieder, mit der Begründung, er werde von Al-Kaida bedroht und bekomme keinen Schutz. So könne er nichts für die Bürger tun. In den folgenden Monaten versuchte er, bei anderen Parteien Unterschlupf zu finden, so bei der FDP und gar bei der NPD. Aber nicht mal die Nazis wollten ihn haben. Jetzt will er also Bürgermeister werden.

Ex-Pirat Erich Romann will sich der FDP anschließen. Das berichten die Harburger Anzeigen und Nachrichten. Ich halte das für eine ausgesprochen gute Idee, da diese Partei ja eine Heimstätte für skurrile Persönlichkeiten aller Art ist. Da denke ich z. B. an Rösler, Brüderle oder Nicole Bracht-Bendt. Die Bereitschaft, den Handeloher aufzunehmen, hält sich bei den Liberalen aber vermutlich in Grenzen. Der FDP-Fraktionschef im Buchholzer Stadtrat Arno Reglitzky versuchte die unangenehme Personalie loszuwerden, indem er der HAN gegenüber darauf hinwies, Romann habe ihm lediglich auf den Anrufbeantworter gesprochen und er sei gar nicht zuständig, da Romann nicht im Bereich der Buchholzer Parteigliederung wohne. Da sogar die NPD den Mann nicht haben wollte, kann man wohl davon ausgehen, dass er auch in der FDP nicht landen wird.

Das ist allerdings eine Meldung wert. Bei der NPD ist offenbar doch mehr Intelligenz vorhanden als bisher angenommen. Jedenfalls sind die Nazis so schlau, den Kreistagsabgeordneten und Ex-Piraten Erich Romann aus Handeloh nicht bei sich aufzunehmen. Dazu erklärte die NPD in einer Presseerklärung: „Entgegen den aufgestellten Behauptungen verhandelt die NPD nicht mit Erich Romann über eine Mitgliedschaft. Romann war über die Liste der linksalternativen Internetaktivisten Piraten in den Harburger Kreistag eingezogen und erklärte kürzlich öffentlich, dass er im Begriff sei zur NPD zu wechseln. Der NPD-Landesverband Niedersachsen distanziert sich von dieser Behauptung in aller Deutlichkeit.“

Den Nationaldemokraten ist tatsächlich aufgefallen, dass die Aussagen Romanns nicht mit ihrer Programmatik übereinstimmen. So setze er sich etwa für den Bau einer Moschee in Buchholz ein und sei nach eigenen Angaben auch selbst Islam-Konvertit, heißt es in der Pressemitteilung. Ist klar, dass die NPD so einen nicht dabei haben will.

Die abschließende Aussage verwundert dann aber doch: „Zwiespältige Polit-Chaoten wie Romann haben nicht umsonst ihre politische Heimat bei den Piraten gefunden. Die NPD legt keinen Wert auf solche Repräsentanten.“ Die Damen und Herren von der NPD halten sich also offenbar allen Ernstes für seriöse Politiker. Das ist natürlich ein Witz!

Von Kristian Stemmler

In diesem Blog habe ich bereits diverse Male über Erich Romann geschrieben und mich dabei recht weit aus dem Fenster gelehnt. Nachdem es wochenlang ruhig war um den Piraten – inzwischen nach seinem Austritt Ex-Piraten –, berichten die Zeitungen jetzt wieder. Nach einem Bericht der „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ ist Romann in Verhandlungen mit der NPD über einen Beitritt in die Nazi-Partei. Damit könnte die NPD durch die Hintertür in den Kreistag einziehen, was in jeder Hinsicht abstrus wäre. Dazu gleich noch mehr.

Erst mal ein Wort zum Ergebnis meiner Intervention beim Presserat, von der ich auf diesem Blog berichtet habe. Da ich mich als Kommunalpolitiker und Journalist in zweifacher Weise betroffen sah, habe ich beim Deutschen Presserat im Februar Beschwerde gegen die reißerische Berichterstattung der „Harburger Anzeigen und Nachrichten“ über Romann eingereicht. Das allerdings mit geringem Erfolg.

Wie der Presserat mir geantwortet hat, kann er keinen Verstoß gegen den Pressekodex erkennen. Die Referentin erklärt, dass sie mein Unbehagen über die Berichterstattung verstehen könne. „Es ist für Journalisten stets schwierig, über Menschen zu berichten, die sich – wie in diesem Fall – durch ein politisches Engagement in die Öffentlichkeit begeben und die dann durch ungewöhnliches Verhalten auffallen“, heißt es weiter.

Da sich Romann durch seine Wahl in den Kreistag des Landkreises Harburg in die Öffentlichkeit begeben habe, gehöre es zu den Pflichten der Presse, über das Verhalten eines gewählten Repräsentanten zu informieren. „Dazu gehören skurrile Auftritte oder Forderungen genauso wie die Auseinandersetzung damit, dass es ein Ausschlussverfahren seiner Partei gegen ihn gibt“, so der Presserat, „wie sonst könnten Menschen, die ihn gewählt haben, von dem Verbleib des Mannes erfahren.“

Mein Ansatz, Romann vor sich selbst zu schützen, sei „ehrenwert“ heißt es in dem Schreiben weiter. „Aus presseethischer Sicht wird unserer Auffassung nach jedoch in den uns vorliegenden Beiträgen kein Verstoß der Zeitung ersichtlich“, so schließt die Referentin, „bei der Abwägung zwischen der Pressefreiheit und dem Informationsauftrag der Zeitung auf der einen Seite und den Persönlichkeitsrechten von Herrn Romann auf der anderen Seite, kommen wir zu dem Ergebnis, dass ersteres überwiegt.“

Da kann man nichts machen. Das Problem hatte sich ohnehin weitgehend erledigt, weil die HAN von sich aus auf die reißerische Berichterstattung über den Handeloher verzichtete. Dass sie jetzt seinen möglichen Übertritt zu den Faschos groß aufgemacht hat, ist berechtigt. Das wäre wirklich ein Ding! Da kann man langsam auch nicht mehr davon sprechen, dass Romanns Verhalten nur skurril ist oder ihm mildernde Umstände zubilligen – mit den Nazis zu liebäugeln, das geht gar nicht!

Aber auch der NPD kann ich nur abraten, den Mann bei sich aufzunehmen. Bisher war niemand so richtig glücklich mit ihm, die Piraten zu allerletzt. Und ein Kommunalpolitiker, der sich für den Bau einer Moschee in Buchholz einsetzt, passt ja eigentlich auch nicht so recht ins Profil der NPD. Aber wie wir die Nazis kennen, ist ihnen jedes Mittel recht.