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Posts Tagged ‘‚Empore Buchholz’

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Buchholz (qu) – Ein deutscher Spitzenpolitiker arbeitet immer und überall. Die Buchholzer Star-Tankstelle an der Hamburger Straße hatte gestern hohen Besuch: Auf der Rückseite der Tankstelle machte Hubertus Heil Station, stellvertretender Vorsizender der SPD-Fraktion im Bundestag. Er war auf dem Weg zu einer Diskussionsveranstaltung der Buchholzer SPD zum Thema TTIP in der Empore und offenbar zu früh dran. Kurzerhand funktionierte er den großen Autostaubsauger zum Schreibtisch um, arbeitete Akten oder sein Redemanuskript für die Veranstaltung durch – und fühlte sich mit Sicherheit unbeobachtet. Aber die Paparazzis sind halt überall…

Nachdem Heil noch einen kritischen Blick in die Scheibe eines abgestellten VW-Busses geworfen hatte, die er als Spiegel benutzte, stieg er wieder in seinen Audi. Um 18.16 Uhr gab Heils Fahrer wieder Gas, die Veranstaltung in der Empore begann um 18.30. Mehr zu der Diskussion demnächst im querschläger.

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Schmickler Empore

Faxen für die Fotografen: Wilfried Schmickler gestern zum Auftakt seines Auftritts in der Empore.

Von Kristian Stemmler

Wenn Wilfried Schmickler richtig in Fahrt kommt, dann kommt so schnell keiner hinterher. In atemberaubenden Tempo brettert der fernsehbekannte Kabarettist aus Köln durch unsere an Idiotien so überreiche Gegenwart, steigert sich, ohne irgendwo abzusetzen, in halsbrecherische Wortkaskaden hinein, verspritzt Gift und Galle gegen alle und jeden, vor allem aber gegen all die, die es wirklich verdient haben. Wilfried Schmickler ist die Dampframme des deutschen Kabaretts, aber mit Turbo! Berühmt sind die kalkulierten Tobsuchtsanfälle, mit denen er traditionell die Kabarettsendung „Mitternachtsspitzen“ des WDR beschließt. Wie von der Tarantel gestochen läuft der 59 Jahre alte Bühnenrecke durch den Alten Wartesaal unter dem Kölner Hauptbahnhof, den Kameramann vor sich herscheuchend, und rotzt eine Wutrede zu einem aktuellen Aufreger raus, die sich gewaschen hat. Da wird schnell klar: Der macht Kabarett aus Notwehr, aus Notwehr gegen den herrschenden Wahnsinn.

Auf seiner Tour durch die Klein- und Großstädte der Republik machte der bullige Berserker vom Rhein am Donnerstag im beschaulichen Buchholz in der Nordheide Station, rockte die ausverkaufte Empore. Natürlich konnte er in seinem Programm (Titel: „Ich weiß es doch auch nicht“) nur streckenweise das Tempo erreichen, das man von ihm im TV gewohnt ist, denn zwei Stunden lang hält das selbst ein Schmickler nicht durch.

Es war aber immer noch schnell genug, beängstigend schnell oft, ein Parforceritt durch nahezu sämtliche Themen mit Aufregerpotenzial aus Gesellschaft, Politik und Alltag, ein Dauerstaccato ohne Punkt und Komma, aber immer auf den Punkt. Von Merkel bis Mindestlohn, von Protzbischof bis Pkw-Maut, von Eurokrise bis Eventwahn, von NSU bis NSA. Für Manchen im Publikum war das alles vermutlich eher zu schnell.

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen: Bei einem Viertel bis einem Drittel der Zuhörer konnte man vom Habitus und vom Verhalten her (wer lacht wie oft und wenn wo?) leicht den Eindruck gewinnen, sie hätten sich in der Veranstaltung geirrt. Bei Marianne und Michael, Ohnsorg oder der Tschechischen Kammerphilharmonie wären sie möglicherweise besser aufgehoben gewesen…

Dass Schmickler ein beinharter Systemkritiker mit Hang zu cholerischen Ausfällen und ein unverbesserlicher Moralist ist, dürfte vielen vorher nicht so klar gewesen sein. „Den kennen wir aus dem Fernsehen, der ist lustig“, das reicht ja heute schon, um ein Ticket zu ordern. Bis die Zuhörer gemerkt hatten: Der Mann meint es ernst (anders als Nuhr, Barth und wie die anderen Arenenbespaßer alle heißen) – da war es zu spät. Zumal der Gast vom Rhein sein Programm geschickt komponiert hat.

Ohne großes Brimborium hüpft er auf die nur mit einem Tisch, einem Stuhl, einem Barhocker, einem Mikrofonständer und einem Notenständer für Spickzettel bestückte Bühne und glüht das Publikum im Stile eines Conférenciers mit ein paar flachen Witzen vor, die aus seinem Munde aber dennoch flott klingen. Da kann man noch glauben: „Der will nur spielen, der beißt nicht.“ Aber denkste!

Mit wachsender Geschwindigkeit fräst der wahnwitzige Wortakrobat Schneisen durch die Beklopptheiten der modernen Welt, spießt hier was auf und da was auf, verteilt Seitenhiebe en gros, kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Von Tebartz-van Elst („Der schlägt Schöner Wohnen öfter auf als die Bibel“) zu Stuttgart 21 („Heiner Geißler nennt man dort: Salomon, der runde Tischler“), von der Talkshow-Inflation („ARD: Alle reden Dauer“) bis zum neuen Kabinett („So einen skurrilen Haufen habe ich noch nicht gesehen“).

Sensationell sind seine mit irren Reimen, absurden Assoziationsketten und abgründigen Anspielungen gespickten Gedichten, die er so gut wie unfallfrei runterrattert. Ohne übertreiben zu wollen, wandelt Schmickler hier auf den Spuren von Busch, Morgenstern und Ringelnatz, allerdings politischer und schärfer. Sensationell auch seine Collage von erdachten Schlagzeilen („Bofrost-Mann liebt Schlecker-Frau, Merkel immer beliebter“) und die Fantasie einer Krönung der Kanzlerin zur Königin von Deutschland, bei der Helmut Kohl im Rollstuhl hereingerollt wird und ausruft: „Habemus Mamam!“.

Dass er auch ganz anders kann, beweist Wilfried Schmickler in seinen Gesangseinlagen, die für die Zuhörer willkommene Atempausen darstellen. Mit seinem sonoren Bass, der jedem Shantysänger zur Ehre gereicht, bietet er Lieder dar, die man wohl am ehesten als Politchansons bezeichnen kann, etwa ein Seemannslied über die Piratenpartei und ein Lied für Dieter Hildebrandt und andere verstorbene Kollegen. Da zeigt er sich gefühlvoll, fast sentimental.

Aber nur kurz. Denn zum Schluss deckt der Bußprediger aus Köln, der den Menschen keinen Rheinwein, sondern reinen Wein einschenkt, die Zuhörer mit Fakten und Zahlen zu, die nur eines belegen sollen: die wachsende Ungleichheit und Ungerechtigkeit in diesem Land! In einem Land, in dem rund 7,3 Millionen Billiglöhner kaum von ihrem Verdienst leben können, in dem der Staat seine Sozialpädagogen und Streetworker „erbärmlich bezahlt“. An dieser Stelle lacht keiner mehr.

Dass dies keine pflichtgemäße Gewissensberuhigung ist, sondern dass ihn die soziale Erosion mit all ihren unabsehbaren Folgen umtreibt wie nichts anderes, macht Schmickler klar, indem er nach dem eigentlichen Schlussapplaus noch mal ganz ernst wird. Für ihn sei kein anderes Phänomen gesellschaftlich so relevant und schwerwiegend wie dieses: „dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht“. Und darum beschließt er den Abend mit der Rezitation seines Gedichtes über die Gier.

„Was ist das für ein Tier, die Gier? Es frisst an mir, es frisst in dir, will mehr und mehr und frisst uns leer… Und wann fängt dieses Elend an, dass man genug nicht kriegen kann und plötzlich einfach so vergisst, dass man doch längst gesättigt ist und weiter frisst und frisst und frisst?“ Und am Ende des Gedichts heißt es: „So kommt zu Neid und Gier der Hass. Und sind die erst einmal zu dritt, fehlt nur noch ein ganz kleiner Schritt, bis dass der Mensch komplett verroht und schlägt den anderen halbtot. Und wenn ihr fragt: Wer hat ihn bloß so weit gebracht: Das hat allein die Gier gemacht!“

Wie gesagt, der Mann meint es ernst.

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DSC_9423Von Kristian Stemmler

Für manch alteingesessenen Buchholzer ist die Empore immer noch „der Bahnhof“, ein Fremdkörper am Marktplatz. Aber verglichen mit den protzigen und einfallslosen Neubauten in ihrer Nachbarschaft, Buchholz Galerie und Volksbankgebäude, ist das Veranstaltungszentrum ein architektonisches Glanzstück. Das einzige Problem des Gebäudes: Der Platz für Garderoben, Technik und die Vorverkaufsstelle ist von vornherein zu knapp kalkuliert worden, die Raumnot wurde quasi mit eingebaut. „Wir verwalten einen Mangel“, sagt Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke.

Mit dem wachsenden Erfolg in den letzten Jahren, den zunehmenden Zahlen von Besuchern und Veranstaltungen, ist das Raumproblem der Empore immer drückender geworden. Jetzt ist eine Erweiterung des städtischen Veranstaltungszentrums ins Auge gefasst worden, der heute abend tagende Verwaltungsausschuss dürfte die für die Planung vorgesehenen Mittel von 45.000 Euro freigeben. Das Hamburger Architekturbüro Johannsen und Partner wurde bereits für das Projekt ausgewählt.

Wenn irgendwo öffentliches Geld investiert wird, sind Kritiker meist nicht weit. Im Nordheide Wochenblatt vom Mittwoch beschwert sich ein gewisser Sven Kreuzhagen in einem Leserbrief darüber, dass die Empore „seit 22 Jahren nicht kostendeckend gearbeitet hat“, sondern dass sie mit Millionen von der Stadt subventioniert wird. „Dann langweilen Sie Ihre Leser doch bitte nicht mit einer kostenpflichtigen Büroerweiterung“, schreibt er. Nun, hier hat Herr Kreuzhagen offenbar etwas völlig falsch verstanden.

Das Veranstaltungszentrum Empore hat einen öffentlichen (und sozialen) Auftrag und ist ein Hauptpfeiler des kulturellen Angebotes in Buchholz. Das Geld für die Erweiterung ist dort auf jeden Fall besser angelegt als zum Beispiel für den derzeit diskutierten Anbau an die Nordheidehalle. Während sich das Angebot der Empore an jedermann richtet, sind die geplanten Sanitärräume am Holzweg für Randsportarten wie Lateinamerikatanzen gedacht.

Eine Stadt von der Größe von Buchholz sollte sich ein großes Veranstaltungszentrum leisten, das tun auch die meisten anderen Städte mit vergleichbarer Einwohnerzahl. Und natürlich arbeiten auch dort die Veranstaltungszentren nicht kostendeckend. Im Gegenteil! In anderen Städten ist der Zuschussbedarf erheblich höher. So pulvert Stade in das Stadeum mehr als eine Million jährlich, ebenso Brunsbüttel in das Elbeforum. Itzehoe gibt für sein Veranstaltungszentrum sogar über zwei Millionen im Jahr aus und Nienburg immerhin auch noch mehr als 600.000 Euro. Dagegen steht die Empore mit einem Zuschussbedarf von zuletzt 377.000 Euro richtig gut da.

Hennecke und seinem Team ist es gelungen, innerhalb von fünf Jahren den Zuschussbedarf um rund 100.000 Euro zu reduzieren. Und zwar durch eine Ausweitung und qualitative Steigerung des Programms und erfolgreiches Marketing. Hatte die Empore in der Saison 2008/09 noch rund 41.500 Besucher, so waren es in der Saison 2012/13 rund 61.000. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Abonnenten von 946 auf 1396. Seit dem Start hat die Empore die Zahl der Veranstaltungen fast verdreifacht, 191 waren es zuletzt, angefangen hat das Haus 1991 mit 72 Veranstaltungen im Jahr und 18.000 verkauften Karten. Wobei nicht das Theater das Geld bringt, sondern die freien Veranstaltungen wie etwa Konzerte oder Kabarettabende bekannter Künstler, zuletzt zum Beispiel Ulrich Tukur.

Wichtig ist Onne Hennecke dabei auch, dass die Empore einen sozialen Auftrag erfüllt, etwa indem man günstige Bedingungen für Vereine und Schulen anbietet. Die lokalen Theatertruppen oder Schulorchester können in dem Veranstaltungszentrum auftreten. Bei Benefizkonzerten werden Erlöse für einen guten Zweck erspielt. So spielt etwas demnächst das Polizeiorchester Niedersachsen in der Empore, der Erlös geht an den Schulverein der RealschuleI/IGS Buchholz.

So erfreulich der wachsende Erfolg für die Empore, so drängend sind mittlerweile die Platzprobleme. In der kleinen Vorverkaufsstelle drängen sich drei Mitarbeiterinnen, ein gedeihliches Arbeiten ist dort nicht möglich. Der Drucker steht in der Teeküche. Hennecke teilt sein Büro mit einer Mitarbeiterin, wenn er vertrauliche Gespräche führen will, muss er auf die Bühne oder etwa ins Lim’s ausweichen. Die Techniker sitzen in einem anderen Teil des Gebäudes, ganz oben, die Kommunikation muss derzeit über Mail oder Telefon laufen.

Auch die Garderoben sind zu knapp kalkuliert. Ab etwa 20 Mitwirkenden wird es richtig eng, dann muss auch der Hinterbühnenbereich fürs Umkleiden genutzt werden. Dann fehlen Stau- und Lagermöglichkeiten. Nach einer Veranstaltung muss regelmäßig bis zum nächsten Vormittag alles komplett abgebaut sein, um Platz für die nächste Veranstaltung zu machen.

Aufgabe des Hamburger Architekturbüros Johannsen und Partner wird es sein, sich eine intelligente Lösung für die Empore einfallen zu lassen. Ideen gibt es schon. Das Ziel ist jedenfalls, dass die Mitarbeiter und Mitwirkenden mehr Platz bekommen, die Büros an einem Ort sind und die Empore eine großzügige und moderne Vorverkaufsstelle bekommt, die ein Aushängeschild für das Haus ist. Wenn man sieht, wie viel Geld in Buchholz dem Sport hinterhergeworfen wird, sollte jetzt auch mal für die Kultur ordentlich investiert werden!

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