Mit ‘Doris Grondke’ getaggte Beiträge

Buchholzer Dialoge Grondke + ReferentBuchholz (hh) ­ – Wir kennen das von Schulhöfen und der grünen Wiese: Weiß lackierte Container als Klassenraum oder Flüchtlingsunterkunft meist mehr oder weniger fantasielos über- oder nebeneinander gestapelt in den öffentlichen Raum gestellt. Dass es auch anders geht, zeigte Han Slawik, Professor und Architekt aus Amsterdam bei der jüngsten Veranstaltung aus der Reihe Buchholzer Dialoge. Unter der Überschrift „Containerarchitektur“ referierte Skawik vor knapp 100 Zuhörern in der Empore über „die Leichtigkeit der Niederländer beim mobilen Wohnen und Bauen“.

Die Geschichte des Containers begann in den 60er Jahren. Zum ersten Mal setzte eine Firma namens Sealand Container im Güterverkehr ein. „Die Frachtcontainer revolutionierten das Transportwesen“, sagt Slawik. Stückgutfrachter wurden rasend schnell zu Altmetall, Containerschiffe zu den neuen Königen der Weltmeere. Als – im Wortsinn – Baustein wurden 20- und 40-Fuß-Container erst Mitte der 80er Jahre entdeckt.

Seine Maße hat der Container von der Straßenverkehrsordnung bekommen. „Der ist für die Straße ideal“, analysierte Slawik, „aber nicht unbedingt fürs Bauen.“ Zwar könnten bis zu acht Behälter übereinander gestapelt werden – statisch kein Problem. Doch sei „ein Stapel Container noch keine Architektur“. Davon kann sich auch heute noch jeder selbst überzeugen. Man braucht dafür nur mal bei den jüngst errichteten Unterkünften für Flüchtlinge vorbeizuschauen, etwa an der Bremer Straße.

Wie es besser gehen könnte, zeigte Slawik bereits Anfang des Jahrtausends in Hannover. Unter der Überschrift „Bed by Night“ wurden dort bunte Container für ein Straßenkinderprojekt aufgebaut. Der Clou dabei: Um die Behälter herum wurde eine Hülle errichtet. Die Anlage wird bis heute genutzt und geschätzt. Der nächste Schritt in der Evolution des Bausteins Container: Von dem Behälter bleibt nur noch der Rahmen, Wände können dann nach Bedarf gesetzt werden.

Das, so Slawik, ermögliche endlich auch die Konstruktion großer lichter Räume. Und schaffe Freiräume. Im Idealfall könnten künftige Bewohner ihre Wohncontainer sogar selbst ausbauen, so dass sie sich damit (stärker) identifizierten. Slawik sieht diese Rahmenbausweise denn auch als Zukunft des Containerbaus „wenn man an Wohnen denkt“.

Das schlechte Image von Containern – weiße Baubuden in Reihe und Stapeln in der städtischen Landschaft – ließe sich leicht verbessern, wenn seine Zunft, die Architekten, ins Spiel kämen. So seien farbige Container nicht teurer als die schlichten weißen Kisten. Überdies seien Container mobil. Werden sie an dem einen Ort nicht mehr gebraucht, könnten sie demontiert und am neuen Standort wieder aufgebaut werden. Dann rechne sich auch ein höherer Einstandspreis. Slawiks Bilanz: „Container sind mobil, demontierbar und flexibel. Lassen sie Architekten ran – die machen was Gutes draus.“

Die Buchholzer Dialoge werden am Sonnabend, 6. Juni, fortgesetzt. Die Initiatorin der Reihe, Stadtbaurätin Dois Grondke, und Spaziergangsfoscher Bertram Weishaar laden zum „Stadtspaziergang + Sommerworkshop – Auf der Suche nach urbanen Räumen in Buchholz“.

Buchholz (hh) – Es ist vollbracht: Zum letzten Mal kamen jetzt Buchholzerinnen und Buchholzer in der Empore zusammen, um sich bei der Abschlusswerkstatt des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) mit der Zukunft ihrer Stadt zu befassen. Fast zwei Jahre lang haben mehr als 1300 Teilnehmer in Werkstätten, Expertengesprächen, Stadtspaziergängen und via Internet hunderte Vorschläge für die Entwicklung ihrer Stadt gemacht.

280 davon wurden ausgewählt und zuerst dem Stadtrat und eine Woche später in der Empore den Buchholzerinnen und Buchholzern präsentiert. Ihre gemeinsame Aufgabe: Die auf sieben Handlungsfelder verteilten Ideen in ihrer Dringlichkeit, Wichtigkeit, Finanzierbarkeit und Machbarkeit abgestuft in jeweils vier Kategorien zu bewerten.

Wie schon in den beiden Bürgerwerkstätten zuvor, wurden die diesmal gut 80 Teilnehmer dazu wieder in Kleingruppen aufgeteilt. Und, auch das war nicht neu, mit einer Sonderaufgabe betreut: Am Ende der Gruppenarbeit sollte jedes Team die drei aus ihrer Sicht dringlichsten Maßnahmen auswählen.

Allein diese Liste von 24 Maßnahmen – unter anderem öffentliche Räume barrierefrei umgestalten, Integrationsarbeit für Flüchtlinge weiter ausbauen, Blickbeziehungen in der freien Landschaft erhalten, Ostring und Mühlentunnel planen und bauen, Einzelhandelsentwicklungskonzept aufstellen und anwenden, Kitaangebot ausbauen – würden Verwaltung und Rat auf Jahre beschäftigen.

Bevor es soweit ist, werden die Ergebnisse der zweiten Rats- sowie der Abschlusswerkstatt zunächst vom ISEK-Team ausgewertet, zusammengefasst und dem Rat fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Startschuss des ISEK Mitte Mai zur Kenntnisnahme vorgelegt. Die theoretische Vorarbeit ist damit abgeschlossen. Die praktische Umsetzung liegt dann in der Hand der Politik – und den finanziellen Möglichkeiten der Stadt.

Die Initiatorin des ISEK, Stadtbaurätin Doris Grondke, zeigt sich zufrieden mit dem Prozess. „Die Buchholzerinnen und Buchholzer haben mit Politik und Verwaltung gemeinsam das Fundament dafür gelegt, dass Buchholz auch in Zukunft lebendig, lebens- und liebenswert bleibt. Es liegt jetzt in unsere Hand das vorliegende Konzept als Chance zu begreifen und die Ergebnisse sukzessive umzusetzen.“

Von Kristian Stemmler

Die Überschrift versprach einiges. „Die Kultur der Stadt – Impulse für eine kreative und lebenswerte Stadt“ waren die Ausführungen von Prof. Walter Siebel, Soziologe von der Universität Oldenburg, betitelt, die er am Montagabend vor rund 100 Zuhörern in der Empore entfaltete. Es war der sechste und für dieses Jahr letzte Vortrag aus der Reihe „Buchholzer Dialoge“, die Stadtbaudezernentin Doris Grondke initiiert hat (im kommenden Jahr soll die Reihe fortgeführt werden).

Auch wenn Siebel einige aufschlussreiche Beobachtungen und Informationen vortrug, konnte er die Erwartungen (meine jedenfalls) nicht ganz erfüllen. Zu sehr leidet er offenbar unter der verbreiteten Soziologenkrankheit, im Deskriptiven hängen zu bleiben und eine tiefergehende Analyse ebenso zu vermeiden wie eine klare politische Positionierung. Kritik war höchstens leise zu vernehmen, Impulse für eine kreative und lebenswerte Stadt waren für mein Empfinden kaum zu entdecken.

Siebels Definitionen von Urbanität waren dabei durchaus originell. Drei Kriterien nannte er, die für ihn eine Stadt ausmachen. Zum einen sei eine Stadt, zumindest in Europa, das demokratisch legitimierte und handlungsfähige Subjekt seiner eigenen Entwicklung. Zum zweiten sei eine Stadt der Ort, der einen „halbwegs zivilen Umgang mit Fremden möglich macht“. Und zum dritten sei eine Stadt „eine Maschine zur Entlastung von Arbeit und Verpflichtung“ (zum Beispiel zur eigenhändigen Erzeugung von Nahrungsmitteln).

Was den ersten Punkt angeht, die „Mitwirkung der Bürger am Stadtregiment“, sieht Siebel einige Probleme. Einmal verengten sich zunehmend die Handlungsspielräume der Kommune, weil die finanzielle Basis brüchig geworden sei. Der Referent nannte in diesem Zusammenhang den Begriff „Mülleimerfunktion der Kommunen“, soll heißen: Den Kommunen würden Aufgaben aufgebürdet, die Land und Bund nicht übernehmen wollten.

Ein anderes Problem für die demokratische Mitgestaltung der Stadtentwicklung sei das Wegbrechen der politischen Basis. Die Privatisierung von Wohnungsbeständen führe zum Rückzug von Wohnungsbauträgern, die sich aus eigenem Interessen fürs Gemeinwohl engagierten. Private Eigentümer, zum Beispiel überregional operierende Investoren, hätten dagegen oft keinerlei Interesse an kommunalem Engagement. So sorgten Vermieter, wie Siebel ausführte, für neue soziale Brennpunkte, indem sie Wohnblocks mit Hartz-IV-Empfänger füllten.

An der Peripherie lebten in wachsender Zahl die Ausgegrenzten, die keine Chance für sich mehr sehen und mit Apathie und Gewalt reagierten. Immer mehr Mittelschichtler wiederum fühlten sich nicht an die Stadt gebunden. In der einen Kommune sei ihr Arbeitsplatz, in der anderen wohnten sie und in der dritten kauften sie ein. Man könne sie eher als Kundengruppen mit hochspezialisierten Interessen betrachten, deren Befriedigung sie von der Kommune verlangten.

Der Soziologe aus Oldenburg warnte davor, Zuwanderer massiert in sozialen Brennpunkten unterzubringen. Weil die Bewohner dieser Brennpunkte nach Sündenböcken suchten, könnten diese Quartiere keine Orte gelungener Integration sein. Gerade an diesem Punkt konnte man Analyse und Kritik vermissen. Dass es vielen Verantwortlichen vielleicht ganz egal ist, ob sich Flüchtlinge und deutsche Hartz-IV-Empfänger die Köpfe einschlagen – auf diese Idee kam Siebel offenbar nicht.

Er schwadronierte lieber von der gern konstatierten „Renaissance der Städte“. Immer mehr Singles, oft karrierebewusst und erfolgreich, siedelten in den Innenstädten. Immerhin sprach Siebel von einer „zwiespältigen Renaissance“, weil diese Entwicklung die Gentrifizierung von Quartieren vorantreibe. Diese Gentrifizierung illustriere „auf provozierende Weise“ das Auseinanderdriften von Arm und Reich in unserer Gesellschaft.

Andererseits liege in der Entwicklung auch eine Chance, weil sie für mehr Steuereinnahmen sorge und die Erosion der politischen Basis in der Stadt aufhalten könne. Siebel verstieg sich zu der Behauptung, dass die bessergestellte Bewohnerschaft in den gentrifizierten Vierteln engagiert und tolerant sei, ja dass sie sogar bereit sei, höhere Steuern zu bezahlen, wenn es helfe die Brennpunkte der Stadt aufzuwerten. Denn Studien hätten gezeigt, dass zu große Gleichheit auch die Lebensqualität der Gewinner beeinträchtige, also auf diese zurückfalle.

Auf die arrivierten Neu-Bewohner von yuppisierten Quartieren, wie in Hamburg zum Beispiel Ottensen oder Schanzenviertel, zu setzen, wenn es um „die Kultur der Stadt“ geht – das ist nun wirklich ziemlich dürftig. Ich darf an dieser Stelle deshalb auf einen Beitrag in diesem Blog im November 2012 verweisen (https://buchholzblog.wordpress.com/2012/11/06/der-standortwahn-als-symptom-der-krise-bernd-belina-referierte-in-hamburg/).

Dieser Beitrag befasst sich mit einem Vortrag des Frankfurter Geographen Bernd Belina, in dem er schlüssig darlegt, warum unsere Innenstädte immer mehr mit Einkaufszentren vollgeknallt und die einkommensschwachen Stadtbewohner an die Peripherie gedrängt werden. Dies hat nämlich recht viel mit dem Neoliberalismus und der Spekulation mit Immobilien zu tun. Aber mit so unfeinen Themen will sich Herr Siebel offenbar nicht beschäftigen.

Von Kristian Stemmler

Die Erleichterung war allen Rednern anzumerken. „Es ist nun endlich soweit“, meinte der frischgebackene Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse, Stadtbaurätin Doris Grondke sprach von der „lang ersehnten Fertigstellung“, und Schulleiterin Beate Trützschler jubelte: „Wir haben’s geschafft, wir haben’s endlich geschafft! Grund für die Euphorie: die neue Turnhalle der Mühlenschule in Holm-Seppensen, die heute vor rund 150 Gästen offiziell übergeben wurde.

„Es hat lange gedauert, vielen vielleicht zu lang“, räumte Röhse in seiner kurzen Ansprache ein, betonte aber auch, alle Beteiligten hätten dafür gesorgt, dass es so schnell wie möglich vorwärts geht. Im vergangenen Winter habe er fast jeden Abend den Wetterbericht geguckt und gehofft, dass es nicht so kalt werden würde, dass im provisorisch für den Sportunterricht aufgestellten Zelt kein Sport mehr möglich ist. Jetzt sei die Schule „endlich wieder komplett“, und auch der SV Holm-Seppensen habe sein Domizil zurück.

Grondke lobte, die Halle füge sich hervorragend in den Schulkomplex ein und bereichere Holm-Seppensen um ein attraktives Gebäude. Dieses Ergebnis zeige, dass es trotz aller Kritik richtig gewesen sei, den Entwurf in einem Wettbewerb zu suchen. Das hörte der Hamburger Architekt Carsten Dohse gern, dessen Büro die Halle entworfen hat. Mit der Architektur wolle er auch ausdrücken, welchen hohen Wert Kinder für unsere Gesellschaft haben, sagte Dohse. Und: „Es ist ein Stück Baukultur, sich über jedes Detail Gedanken zumachen.“

Beate Trützschler erinnerte an den 5. Mai 2012, als die alte Halle nach einer Brandstiftung abbrannte. „Jetzt haben wir eine superschöne, tolle Halle“, so die Schulleiterin, die Schülern, Eltern und Lehrern für ihre Geduld dankte. Auch die Vorsitzende des SV Holm-Seppensen, Karin Iske, gab ihrer Freude über die neue Halle Ausdruck, sie sei größer, heller und besser ausgestattet.

Tatsächlich handelt es sich bei der in einem Jahr erbauten Turnhalle um eine 1,5-Feld-Halle, während die alte nur eine Ein-Feld-Halle war. Durch das große Foyer und den breiten Flur mit Sitzgelegenheiten bietet sie mehr Aufenthaltsqualität. Die hohen Fenster und freundlichen Farben sorgen für einen Eindruck entspannter Modernität. Die vielen Schüler, die mit ihren Eltern zur Übergabe der Halle gekommen waren, schienen sich jedenfalls sehr wohl im neuen Gebäude zu fühlen. Der Kinderchor sang mit Inbrunst: „Heut ist so ein schöner Tag.“

Kurzfristig umsetzbar: Steckbrief der Fläche Schaftrift West in der Broschüre zum Wohnungsbau

Kurzfristig umsetzbar: Steckbrief der Fläche Schaftrift West in der Broschüre zum Wohnungsbau

Von Kristian Stemmler

Wenn man sich bei der sterbenden Drei-Prozent-Partei FDP auf eines verlassen kann, dann ist es die Nibelungentreue zu ihrer Klientel, also zum Beispiel zu den Maklern. Auch in der Agonie versucht sie für die alles rauszuholen. So warfen sich die Buchholzer Liberalen zuletzt im Nordheide Wochenblatt für die Makler in die Bresche, jammerten lauthals, durch das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) sei es zu einem „Quasi-Baustopp“ in Buchholz gekommen.

Das Wochenblatt nahm den Ball natürlich nur allzu gern auf, da man auch dort den Maklern recht nahe steht. Mit der knalligen Überschrift „Die Nachfrage ist gewaltig!“ wurde der Beitrag über den FDP-Vorstoß auf der ersten Seite angerissen und dazu der Makler Wolfgang Bohn herangezogen, bekanntlich ein Amigo von Wochenblatt-Verleger Martin Schrader. Die Baupreise hätten sich in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt, darf Bohn lamentieren und kritisieren, mit Verweis auf das ISEK seien zuletzt keine Baugebiete mehr ausgewiesen worden.

Die Attacke von FDP/Bohn/Schrader/Wochenblatt richtet sich nicht zum erstenmal gegen die Buchholzer Baudezernentin Doris Grondke, die das ISEK angekurbelt hat. Ihre Agenda einer transparenteren Auftragsvergabe und verstärkten Bürgerbeteiligung stört offenbar die Kreise der Buchholzer Magnaten. Grondke platzte nach der aktuellen Kritik jedenfalls der Kragen. In einem Pressegespräch informierte sie jetzt über die tatsächlichen Hintergründe auf dem Gebiet des Wohnungsbaus.

Dass es durch das ISEK einen Quasi-Baustopp gegeben habe, sei eine „falsche Darstellung“, formulierte die Baudezernentin gewohnt diplomatisch. Man habe vielmehr im Rahmen des ISEK systematisch, anhand festgelegter Kriterien alle für Wohnungsbau in Frage kommenden Flächen untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sei den Ratsmitgliedern vor der Sommerpause in Form einer Broschüre vorgelegt worden, jetzt sei die Politik am Zug.

„Es geht uns darum, das strategische Vorgehen auf diesem Gebiet besser zu steuern, es gab da früher ja kaum Instrumente“, erklärte Grondke. Mit anderen Worten: Die Buchholzer Stadtentwicklung und damit auch der Wohnungsbau befanden sich vor Grondkes Amtsantritt im Blindflug. Baugebiete wurden nach Gutdünken ausgewiesen resp. den Interessen und Wünschen von Investoren folgend.

Mit der Untersuchung vorhandener Flächenpotenziale liegt jetzt zum erstenmal eine sachliche und überprüfbare Grundlage für die Wohnungsbauentwicklung vor. 48 Flächen wurden geprüft und nach festen Kriterien mit Punkten bewertet. So gab es zum Beispiel je mehr Punkte, desto besser die Infrastruktur im Umfeld der Flächen ist, desto näher etwa eine Schule oder eine Kita liegt, ein Versorgungszentrum oder ein Arzt. Für zentrumsnahe Flächen gab es mehr Punkte als für Flächen am Stadtrand, für Flächen im städtischen Besitz mehr als für solche im Privateigentum.

Grondke griff beim Pressegespräch einige Flächen heraus, die für eine baldige Bebauung in Frage kommen. „Meine besondere Empfehlung wären die Gebiete Schaftrift West und Bremer Straße Südwest“, sagte sie. Diese Flächen seien kurzfristig entwickelbar, die Realisierung könne ein „erster Aufschlag“ sein, so die Dezernentin.

Schaftrift West ist ein 1,8 Hektar großes Gelände neben der Heideschule in Privatbesitz, das jetzt noch von Unkraut und Obstbäumen bewachsen ist. Hier könnten Mehrfamilienhäuser entstehen, rund 80 Wohneinheiten. Bremer Straße Südwest bezeichnet eine rund acht Hektar große Fläche am Stadtrand kurz vor der B 75, die für die Bebauung mit Einfamilienhäusern für junge Familien, 70 bis 90 Wohneinheiten, geeignet ist. Die Fläche ist teilweise in städtischem, teilweise in privatem Besitz.

Große Flächen für Wohnungsbau liegen im Osten der Stadt, also zum Beispiel an der Bgm.-Adolf-Meyer-Straße und am Fischbüttenweg. Ein Vorteil dieser Flächen sei die Innenstadtnähe so Grondke, gelöst werden müssten aber die verkehrlichen Probleme. Sie könne sich da ein autofreies Quartier vorstellen.

Als „optimal geeignete Fläche“ bezeichnete Grondke auch das so genannte City Center II, also den Parkplatz neben dem City Center. Die Fläche führt mit 44 von 47 möglichen Punkten die Wertung der 48 geprüften Flächen an. Eigentümer ist die Stadt, hier könnten in einem Mehrfamilienhaus rund 40 Einheiten entstehen, im Erdgeschoss wäre Platz für einen Supermarkt und andere Läden.

Ein Eisen im Feuer ist natürlich auch weiterhin das so genannte Rütgersgelände südlich des Bahnhofs. Die 16,5 Hektar große Fläche ist allerdings noch kontaminiert. „Der Sanierungsplan liegt beim Landkreis, darauf haben wir keinen Einfluss. Wir würden sofort anfangen“, sagte Grondke. Denkbar für eine schnelle Bebauung wären auch das „Hillmergelände“ an der Soltauer Straße oder eine Fläche an der Bremer Straße, die jetzt noch von einem kleinen Wäldchen bewachsen ist, das allerdings nicht begehbar ist.

Die Baudezernentin betonte, dass es jetzt Sache der Politik sei, die Vorschläge der Verwaltung umzusetzen. Dabei müsse es auch ein Ziel sein, in Buchholz für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Die Untersuchungen im Rahmen des ISEK haben ergeben, dass jeder sechste Haushalt, knapp 3000, in Buchholz auf günstigen Wohnraum angewiesen ist. Und nur jeder zehnte Haushalt, der auf günstigen Wohnraum angewiesen ist, kann auf eine öffentlich geförderte Wohnung zurückgreifen.

Grondke machte auch deutlich, dass sie vom Sinn und Erfolg des ISEK weiterhin voll überzeugt ist. Im Februar werde es ein Abschlussforum geben. Wenn das ISEK fertig sei, werde man zu Förderbanken und Ministerien gehen, „um den einen oder anderen Fördertopf anzuzapfen“. Nach der erfolgreichen Reihe „Buchholzer Dialoge“ in diesem Jahr werde es im nächsten Jahr eine neue Gesprächsreihe unter dem Titel „Urbanität wagen“, bei der es um das Thema Wohnen gehen werde.

Diese Gesprächsreihe ist Reglitzky, Schrader und Bohn sehr anzuempfehlen, obwohl ich meine Zweifel habe, dass eingefleischte Provinzler daran interessiert sind, Urbanität zu wagen…

Mit der Bebauung der Fläche des City Center II wird die Innenstadt komplettiert, Einzelhandel soll es aber nur im Erdgeschoss geben. Das sagte die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke im Interview mit dem buchholz express. Ausführlich nimmt Grondke auch zum Stand und den Auswirkungen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ISEK Stellung.

Kristian Stemmler: In der Presse wurde berichtet, dass Bürgermeister Geiger vor seinem Ausscheiden, das Gelände vom so genannten City Center II noch an den Markt geben will. Wäre es nicht sinnvoller, dass ISEK abzuwarten, bevor man auf dem Gelände baut?

Doris Grondke: Da haben Sie im Grundsatz Recht; allerdings bescheinigt uns das aktuell vorliegende Gutachten, zur Einzelhandelsentwicklung in Buchholz, welches im Rahmen des ISEK erstellt wurde, dass eine Mobilisierung der Flächen und eine Ausweitung der Angebote zwingend erforderlich werden wird um die Revitalisierung des City Center voran zu bringen. Aus Sicht der Gutachter wird ansonsten der sogenannte innerstädtische Lauf erschwert.

Insofern besteht die Chance über die gesteuerte Entwicklung der Fläche und durch ein durchdachtes und Nachfrage gerechtes Angebot einer Zergliederung des innerstädtischen Einzelhandels entgegenzutreten. Diese Perspektiven würden wir gern durch eine frühzeitige und aufeinander abgestimmte Entwicklung sinnvoll nutzen. Obgleich der ISEK-Prozess noch läuft, müssen wir als Verwaltung natürlich handlungsfähig bleiben. Es sind in der Vergangenheit verschiedene Bewerber auf uns zugekommen, die Interesse an dem Standort der Fläche CC II angemeldet haben. Wir werden verwaltungsintern zunächst über folgerichtige Nutzungen nachdenken und selbstverständlich auch Lösungen für den ruhenden Verkehr finden müssen. Erst danach geht die Fläche in eine entsprechende Ausschreibung. Eine Bürgerbeteiligung wird selbstverständlich im Rahmen der Bauleitplanung durchgeführt.

Halten Sie es generell für sinnvoll, diese Lücke zu schließen?

Ja, ich halte es generell für sinnvoll diese Lücke zu schließen. Die Fläche übernimmt nicht nur eine funktionale, d. h. eine über die Nutzung entsprechende Aufgabe, sondern erfüllt darüber hinaus auch städtebaulich eine bedeutende Funktion. Die Bebauung des Grundstücks komplettiert die Innenstadt konsequent ab.

Im Gespräch ist, dass im CC II auch Geschäfte angesiedelt werden. Braucht die Innenstadt denn noch mehr Einzelhandel? Mit dem CC I ist es doch nach der Eröffnung der Buchholz Galerie schon bergab gegangen.

Das ist richtig und die Befürchtung liegt nahe. Allerdings ist es nicht geplant dort eine weitere „Shopping Mall“ wie die Buchholz Galerie zu entwickeln. Bei der Entwicklung der Fläche geht es vielmehr um die Ansiedlung z. B. einer Einzelhandelsnutzung im Erdgeschoss, um den funktionalen Lückenschluss zwischen der Buchholz Galerie und dem City Center – den o. a. „Lauf“ zu gewährleisten. Darüber könnten Wohnnutzungen und Dienstleistungen angesiedelt werden und es muss eine zweckdienliche Lösung für die parkenden Autos gefunden werden.

Wo liegen die Probleme mit dem CC I? Was muss passieren?

Dass der Leerstand im CC I nach der Entwicklung der Buchholz Galerie eingetreten ist, liegt meines Erachtens vor allen Dingen an der Attraktivität der bestehenden Baulichkeit des City Center I. Das Einkaufscenter ist auffällig „in die Jahre gekommen“ und benötigt dringend – ob mit oder ohne Buchholz Galerie – ein Update! Ich bin der Meinung, dass ein Nebeneinander von inhabergeführte Geschäften als auch von Filialisten der Buchholz Galerie gleichzeitig möglich ist. Allerdings brauchen die kleineren, Inhaber geführten Geschäfte selbstverständlich ebenfalls eine gewisse Qualität, damit die Kaufkraft gehalten und entwickelt werden kann und der Standort nachhaltig gesichert ist. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Einzelhändler im City Center liegt also wesentlich in der Aufwertung durch Sanierung und einem entsprechend innovativen Nutzungskonzept.

Wie stellen Sie sich überhaupt die Entwicklung der Innenstadt vor? Was kann man mit dem Caspers Hoff anfangen?

Meine Vorstellung von der Innenstadt ist im Kern „Autoarm“ zugunsten einer hohen Verweil- und Aufenthaltsqualität. Bereits im Sommer 2013 haben wir ein Konzept zur Innenstadtgestaltung erarbeitet, welches davon ausgeht, die Laufzonen konsequenter miteinander zu verbinden und die Aufenthaltsqualitäten zugunsten von Spiel- und Gastronomieangeboten zu erhöhen. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass der Bereich um Caspers Hoff als wesentlicher Teil der Innenstadt aufgewertet und zukünftig von Peets Hoff an die Neue Straße angebunden werden sollte. In diesem Zusammenhang wäre die Empore – über die kulturelle Bedeutung hinaus – städtebaulich von zwei Seiten wahrnehmbar und im Stadtraum noch präsenter. Aber auch hier gilt es, sinnvolle und machbare Lösungen für den ruhenden Verkehr zu entwickeln. Anlass für das Innenstadtkonzept war übrigens die Barriere freie Gestaltung der Stadtmitte mit weiteren Entwicklungsoptionen für den Einzelhandel. Dem Konzept liegen sieben Bauabschnitte zugrunde, die jeweils mit Kosten unterlegt sind.

Wie ist der Stand des ISEK, wie geht es weiter?

Der ISEK-Prozess ist bereits zu 60 Prozent fortgeschritten und wir befinden uns nach der Phase der Analyse – d. h. nach Ermittlung der Stärken und Schwächen Chancen und Risiken – nun auf der Suche nach Entwicklungszielen und räumlichen Schwerpunkten. Eine nächste Etappe der Bearbeitung wird sein, Maßnahmen und konkrete Projekte sowie mögliche Zeit- und Umsetzungshorizonte zu benennen.

Die Analyse haben wir umfänglich und intensiv und mit unterschiedlichsten Gruppierungen, Vereinen, Experten, über eine permanente Onlinebeteiligung, eine öffentliche Ausstellung im CC I, Stadtspaziergänge und Bürgerwerkstätten gemeinsam erarbeitet. Wir haben Arbeitswerkstätten mit der Ratspolitik, mit den Ortsräten der Ortschaften und mit Schülerinnen und Schülern der städtischen Schulen der Stadt veranstaltet. Wir haben uns zu Fragen der Bevölkerungsentwicklung, zur Wohnraum- Gewerbe, Einzelhandels- und Sportentwicklung mit Gutachtern getroffen, die uns notwendige Prognose, Daten als Fundament für nachfolgendes Tun ermittelt haben. Ich erwähne die umfängliche Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger deswegen, weil sich damit zwangsläufig die Frage der Erwartungen an den Prozess anknüpft.

Erwartungen und Begehrlichkeiten…

Ja, es ist ohne Zweifel, dass in solchen Diskussionsrunden, Gesprächen, Werkstätten und Befragungen Begehrlichkeiten, und Wünsche geweckt werden und sollen! Es werden vielerlei Erwartungen, Hoffnungen und Ansprüche zur zeitnahen Umsetzung von Projekten erhoben. Der Straßenausbau, der Umbau, die Sanierung der Schule, ein neues Schwimmbad, mehr Ärzte, Spielflächen, Sportplätze, uvm…

Wie Sie sich sicher denken können, wird und kann aber nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden. Selbst wenn Einiges sogar langfristig nur Idee bleibt oder nicht realisiert werden kann – aus welchen Gründen auch immer – ist das ISEK jedoch wichtig und richtig!

Begründen Sie das bitte genauer.

Das ISEK sammelt Ideen, definiert Ziele und setzt einen Handlungsrahmen, damit die politischen Gremien in der Abwägung der verschiedenartigen Maßnahmen systematische Entscheidungen treffen können in welchem Jahr, in welchem Zeitraum was und mit welchem Geld/mit welchen Mitteln finanziert und umgesetzt werden kann. Gerade vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden Haushalte in den Kommunen, sind deswegen gesamtstädtische und aufeinander abgestimmte Konzepte erforderlich. Die Umsetzung der Maßnahmen in einem ISEK erfolgt also nicht immer 1: 1 und kann nur peu a peu umgesetzt werden.

Da Stadtentwicklung nicht nur ein langfristiger, sondern auch ein dynamischer Prozess ist, ist auch eine gewisse Offenheit zur Fortschreibung und Anpassung an neue Rahmenbedingungen, etwa aufgrund der sich verändernden demografischen Entwicklung notwendig. Wichtigster Punkt ist hierbei jedoch, dass das Resultat nachhaltig politisch gestützt und umgesetzt wird und dass es künftige Kommunalwahlen überdauert und fortbesteht. Die Bearbeitung ist mit einer intensiven Bürgerbeteiligung erfolgt und nun ist die Verwaltung und Politik gefordert – damit Beteiligung kein Lippenbekenntnis bleibt.

Die Umsetzung haben wir also alle gemeinsam in der Hand!

Es wird immer wieder, z. B. vom Wochenblatt der Vorwurf erhoben, das ISEK wäre zu teuer. Was sagen Sie dazu?

Die Aussage ist natürlich vereinfacht und verkürzt! Selbstverständlich kostet die Bearbeitung eines breit angelegten Konzeptes zur zukünftigen Entwicklung einer Stadt Geld. Man kann die Bearbeitung als Kommune entweder fremd vergeben oder diese mit eigener Kompetenz erarbeiten. Für mich stellt sich jedoch viel eher die Frage, ob sich eine Stadt in einer Größenordnung wie Buchholz ein Stadtentwicklungskonzept leisten möchte oder ob man aus Spargründen weiterhin ohne eine aufeinander abgestimmtes Konzeption planen möchte?

Wozu brauchen wir ein ISEK, was haben wir davon?

Unabhängig davon sind kommunal aufeinander abgestimmte Stadtentwicklungsstrategien und Wohnraumversorgungskonzepte die unabdingbare Grundlage und Voraussetzung für Förderentscheidungen von Landes- Bundes sowie von europäischen Fördermitteln. Wir werden deswegen mit dem fertigen ISEK-Papier selbstverständlich die Referate der niedersächsischen Ministerien aufsuchen, um Fördermittel zu akquirieren.

Im Bereich der Städtebauförderung plant der Bund z. B. aktuell eine deutliche Aufstockung der Finanzhilfen, nämlich die Erhöhung der Bundesmittel um 600 Millionen Euro. Damit wird das Programmvolumen von 700 Millionen Euro jährlich verstetigt. Zudem soll das Programm „soziale Stadt“ mit 150 Millionen pro Jahr finanziell besser ausgestattet werden.

Außerdem soll die Wohnraumförderung deutlich verbessert werden, so dass die Frage nach bezahlbarem Wohnraum für kleine und mittlere Haushalte im Mittelpunkt der Förderung steht. Auch wird es künftig Förderbeiträge geben, die an die gestiegenen Baukosten angepasst sind.

Geplant ist zudem Zusatzdarlehen für die Installation von Aufzügen, für Mehraufwendungen bei besonderen Maßnahmen für Menschen mit Behinderung und für die Schaffung kleiner Wohnungen bereit zu stellen und Ersatzbaumaßnahmen in Verbindung mit dem Abriss unwirtschaftliche Bausubstanz soll künftig gefördert werden.

Auch haben Baumaßnahmen zur Energieeinsparung weiterhin hohe Priorität. Es werden u.a. Mittel aus dem Europäischen Fonds bereitgestellt, wie zum Beispiel die CO 2 Reduzierung im Wohnungsbestand sozial benachteiligter Quartiere, die dazu beitragen sollen, dass Modernisierungskosten nicht zu steigenden Mietkosten führen. Ein weiterer Fokus der zukünftigen Förderungen liegt zudem in der Deckung des Bedarfs an Wohnungen für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, pflegebedürftige Menschen nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“- aber auch gemeinschaftliche und generationsübergreifende Wohnprojekte sowie die Wohnberatung.

Verwaltungsseitig haben wir bereits eine interne Datenbank mit den anerkannten Förderprogrammen angelegt, so dass wir permanent und fachübergreifend auf dem Laufenden sind und zielsicher prüfen können welche Programme wann angewendet werden können.

In die Zukunft gerechnet spart ein Stadtentwicklungskonzept also eher Geld!

Wo sehen Sie die Widerstände gegen das ISEK? Stören Sie hier nicht auch die Kreise von Investoren und andern Geschäftsleuten?

Zunächst einmal sehe ich sehr viele Menschen, die sich aktiv am ISEK beteiligen und die Interesse haben die Lebensqualität in Buchholz zu erhalten und zu steigern. Wir haben bis jetzt mehr als 1500 Eingaben bei den Expertengesprächen, Stadtspaziergängen, Onlineabfragen, Bürgerwerkstätten und Werkstätten mit Ortsräten und Stadtrat erhalten. Anfang Juli fand die 2. Bürgerwerkstatt in der Empore statt und ich war begeistert von dem großen Interesse und dem Engagement der Buchholzer Bürgerinnen und Bürger mitzuarbeiten um kreative Ideen einzubringen. Der 3. Stadtspaziergang ist mit großer Resonanz angenommen worden.

Widerstände von Investoren und Geschäftsleuten sehe ich zunächst nicht. Im Rahmen des Gutachtens zur Innenentwicklung, welches nach der Sommerpause starten wird, werden wir uns vor allen Dingen mit den Entwicklungspotenzialen in der Innenstadt beschäftigen. Das Projekt Innenentwicklung startet parallel zum ISEK und geht bereits einen Schritt weiter, weil wir auf der konkreten Maßnahmen-Ebene arbeiten werden. Es ist geplant, die Entwicklungspotenziale der Innenstadt zu untersuchen und Vorschläge zur Nachverdichtung zu entwickeln. Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir uns bei der Metropolregion Hamburg als eine von 36 Bewerberkommunen qualifizieren konnten und Buchholz als Leitprojekt ausgewählt wurde. Finanziell werden wir zu 80 Prozent aus dem Förderfond Hamburg/Niedersachsen unterstützt, die restlichen Mittel werden über drei Jahre durch die Kommune getragen.

Sie sehen also nicht, dass es Widersprüche zwischen den Interessen von Stadtentwickeln und Wirtschaft gibt?

Stadtentwicklung und Wirtschaft sind untrennbar miteinander verbunden und ich möchte diese Synergien zukünftig über dieses Projekt noch stärker beleben um die Stadt positiv weiterzuentwickeln. Es geht mir keinesfalls darum, mich in andere Wirkungskreise einzumischen, sondern vielmehr um die Bündelung von Kapazitäten und Ressourcen und um die Abstimmung von Interessen und Wünschen um das bestmögliche Ergebnis für die Stadt Buchholz zu erreichen.

Als Stadtplanerin und Architektin denke und arbeite ich interdisziplinär, ganzheitlich und in übergeordneten Zusammenhängen. Und gesellschaftliche Entwicklungen haben seit jeher Auswirkungen auf das Zusammenleben in einem Dorf oder einer Stadt und somit auch auf die gebauten und die sozialen Räume und auf die Menschen die in ihnen leben. Sei es durch das digitale Zeitalter oder durch die Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung, durch Erneuerungen im Mobilitätsverhalten, den großen Themen des Klimaschutzes, durch die unabsehbaren Zuströme von Immigranten unterschiedlicher Länder, die Altersarmut oder Veränderungen im Gesundheitswesen uvm. Stadtentwicklung ist also mehr als Planen und Bauen und wir haben gemeinsam künftig genügend Aufgaben und stehen vor große Herausforderung!

Außerdem bin der Meinung, dass sich eine moderne Stadtgesellschaft dadurch auszeichnet, sich den Anforderungen und den künftigen Aufgaben gemeinsam zu stellen und diesen durch interdisziplinäres Denken und Handeln entgegenzutreten. Hier sind Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft gleichermaßen gefordert. Wir sitzen schließlich alle in einem Boot!

Zum Wohnungsbau: In Buchholz werden vor allem Blocks mit teurem Miet- und Eigentumswohnungen gebaut. Die Ratsmehrheit hat sich auf die Fahnen geschrieben für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Wie sehen Sie diese Vorhaben?

Das vorliegende Wohnungsmarktkonzept zum ISEK bestätigt uns tatsächlich einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Buchholz, bzw. wir benötigen zukünftig Wohnraum in allen Segmenten – vom Miet- zum Eigentumsmarkt, von der kleinen Ein-Zimmer-Wohnung bis zum freistehenden Einfamilienhaus- für alle Zielgruppen – von Familien, Haushaltsgründern, Singles, Senioren, Geringverdienern bis hin zu Menschen mit Behinderungen.

Auch in den Expertengesprächen zum ISEK und bei dem 1. Stadtspaziergang „zwischen den Häusern“ wurde die Problematik der bezahlbaren Wohnungen deutlich. Wir sind verwaltungsseitig zurzeit auf der Suche nach Lösungen, um dem Thema adäquat entgegenzutreten. Damit preiswertes Wohnen gelingen kann, hat Hamburg z. B. bei der Erstellung der „Wohnungsbauoffensive“ (6.#000 Wohnungen pro Jahr) die sog. Drittel eingeführt: Dass bedeutet, dass mindestens ein Drittel geförderte Wohnungen bei Wohnanlagen und Vorhaben ab ca. 20 Wohneinheiten festgeschrieben sind. Die Aufteilung der anderen zwei Drittel ist frei zu gestalten, d. h. je nach Projekt können ein Drittel freifinanzierter Mietwohnungsbau und ein Drittel Eigentum ermöglicht werden – aber es können aber auch andere Mischverhältnisse gefordert oder zugelassen werden, z. B. Auch, wenn erforderlich, ein größerer Anteil an geförderten Wohnungen. Dieses in 2011 von dem Hamburger Senat und der Wohnungswirtschaft unterzeichnete Bündnis ist meines Erachtens ein vorbildliches Vorgehen um einer Segregation und Verdrängung entgegen zu treten. In ähnlicher – jedoch abgemilderter Weise – könnten wir auch agieren.

Ausriss Wochenblatt Tag der BegegnungVon Kristian Stemmler

Offenbar haben wir schon Saure-Gurken-Zeit. Das Nordheide Wochenblatt hat jedenfalls nichts Besseres zu tun, als seine Kampagne gegen die Buchholzer Verwaltung im allgemeinen und gegen die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke im besonderen mit einem an den Haaren herbeigezogenen Aufmacher fortzusetzen. „Kein Interesse an Behinderten?“ titelt die Bild-Zeitung des Landkreises in ihrer Mittwochausgabe – doch der Beitrag ist von vorn bis hinten konstruiert.

Fakt ist, dass vor kurzem auf dem Parkplatz der Volksbank Lüneburger Heide stattfand, bei dem Bürger sich über den Alltag von Behinderten informieren konnten. Dazu gehörte auch eine Rollstuhlfahrt durch die Innenstadt, die den nicht-behinderten Teilnehmer vor Augen führen sollte, wie viele Klippen es für Behinderte dort gibt. Organisiert wurde das Ganze von Peter Weh, ehemaliges Mitglied des Kreis-Behindertenbeirates, der auch vorgesehen ist für den Inklusionsbeirat, der in Buchholz berufen werden soll.

Das Wochenblatt bemängelt nun vor allem, dass die Buchholzer Verwaltung bei dieser Veranstaltung „mit Abwesenheit geglänzt“ hätte. Besonders Stadtbaurätin Doris Grondke kriegt wieder ihr Fett weg. Dabei schreckt man auch nicht vor einer völlig blödsinnigen Verknüpfung des Themas mit dem ISEK (Integriertes Stadtentwicklungskonzept) zurück. „Nicht nur um die Theorie kümmern, Frau Grondke!“ ist der absurde Kommentar des Kollegen Oliver Sander überschrieben.

Grondke bewerbe auf allen Kanälen die Stadtspaziergänge im Rahmen des ISEK, beim „Spaziergang mit dem Rollstuhl“ fehle sie dann aber. Sander wörtlich: „Zum zweiten Mal hat es Grondke verpasst, mit ihrer Anwesenheit bei ganz handfesten Projekten Interesse zu bekunden.“ Mit dem ersten Projekt ist eine Präsentation von Studenten zur Entwicklung der Rütgersfläche und des Lokschuppens gemeint.

Die ganze Geschichte hat einen entscheidenden Schönheitsfehler: Grondke war über den „Tag der Begegnung“ gar nicht informiert! „Ich habe keine Einladung bekommen und wusste nichts von der Veranstaltung“, sagte sie dem Buchholz Express. Auch Sozialdezernent Jan-Hendrik Röhse hatte übrigens im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales schon erklärt, dass er von der Veranstaltung nichts wusste, was das Wochenblatt immerhin erwähnt.

Dass die Zeitung die Geschichte dennoch aufrecht erhält, so groß aufmacht und tendenziös kommentiert, zeigt nur, dass man sich bei der Kampagne gegen Grondke durch Fakten nicht beeindrucken lässt. Jetzt wo der Neubau der Sporthalle Mühlenschule in Holm-Seppensen für die Berichterstattung nichts mehr hergibt, sucht man sich halt irgendwelche neuen Anlässe. Ganz offenbar passt Grondkes Kurs des Dialogs, der Bürgerbeteiligung und der neuen Konzepte dem Wochenblatt und vor allem seinem Chefredakteur Reinhard Schrader nicht.

Man kann Doris Grondke eines wirklich nicht vorwerfen: dass sie sich zu wenig um die Belange der Stadt kümmert, sich nicht engagiert oder nicht zum Austausch bereit ist. Auch dass sie oder die Verwaltung kein Interesse an Behinderten hätten, ist an den Haaren herbeigezogen. Entsprechende Konzepte zum Umbau der Buchholzer Innenstadt liegen längst vor, der Stadtrat hat dafür nur bei den Haushaltsberatungen kein Geld frei gegeben.

Es dürfte auch kein Zufall sein, dass FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky bei der vorliegenden Geschichte wieder eine Rolle spielt. Auch wenn er in dem Beitrag nur namentlich erwähnt und im Rollstuhl abgebildet ist – es ist schon seltsam, dass er irgendwie immer seine Hand im Spiel hat, wenn das Wochenblatt gegen Doris Grondke schießt.

Kurz vor der zweiten Bürgerwerkstatt zum ISEK in der Empore am Sonnabend lässt sich konstatieren: Es gibt in Buchholz leider nach wie vor konservative Kräfte, denen die neue Gesprächskultur, die Grondke in Buchholz zu implantieren versucht, nicht passt. Um so mehr müssen die Leute in Politik, Wirtschaft und Bürgertum, die an einem konstruktiven Dialog zum Wohle der Stadt interessiert sind, zusammen halten. Von Bedeutung wird sein, wie es dem designierten Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse gelingen wird, die fortschrittlichen Kräfte zu bündeln und die widerstrebenden einzubinden.