Mit ‘Denny Reitzenstein’ getaggte Beiträge

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Schon wieder sauber: der Sitz der Polzeiinspektion Harburg in Buchholz

Buchholz (qu) – In Buchholz haben bereits in der Nacht zum Dienstag Unbekannte von der Schützenstraße aus Farbbeutel gegen das Gebäude der Polizei Buchholz geworfen, in dem auch die Polizeiinspektion Harburg, die für den gesamten Landkreis zuständig ist, ihren Sitz hat. Das teilte die Pressestelle der Polizeiinspektion heute mit. Teile der Fassade und der Parkplatz vor dem Gebäude seien von der Farbe in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.

Bei derartigen Farbbeutelwürfen fällt der Verdacht automatisch auf Linke. Aber diesmal sollte der Staatsschutz vielleicht lieber nach rechts schauen. Die örtlichen Nazis dürften immer noch etwas sauer sein über einen Polizeieinsatz vor dem Oktoberfestzelt bei Möbel Kraft vor einer Woche. In der Nacht zum Sonntag hatte es gegen ein Uhr dort eine Schlägerei gegeben, so dass erst durch den Einsatz mehrerer Streifenwagen resp. von deren Besatzungen die Ruhe wieder hergestellt werden konnte.

Die Polizeiinspektion Harburg vermeldete, dass offenbar „Provokationen zwischen mehreren Gästen“ der Auslöser gewesen sei. In der Folge habe ein 40 Jahre alter Buchholzer mit der Faust auf einen 29 Jahre alten Jesteburger und einen 18 Jahre alten Buchholzer eingeschlagen. Beide Personen seien im Gesicht verletzt worden. Gegen den 40jährigen sei ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Was die Polizeiinspektion verschweigt, ist der Umstand, dass hier offenbar wieder einmal Buchholzer Nazis und Vertreter der Antifa aneinander geraten waren. Das ist auf der Website des Nazikaders Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide zu erfahren. Dort wird behauptet, dass 15 bis 20 Linke auf dem Oktoberfest feiernde Nazis provoziert und angegriffen hätten. Diese hätten sich nur gewehrt und die Antifa „in die Flucht geschlagen“.

Wie bei den Nazis üblich, sehen sie sich als Opfer der Linken und der Ordnungsmacht. Die Buchholzer Polizei, so der Beitrag auf der Homepage der AG Nordheide, habe sich „nicht lumpen lassen“ und sei mit mehreren Streifenwagen erschienen. Wörtlich heißt es: „Wie öfters zu vor wurden aus den Opfer, da sie als Patrioten bekannt sind, Tätern gemacht und die wahrhaftigen Täter wurden zu Opfern gemacht. So liest sich auch die Pressemitteilung der Polizei, die sie am Sonntag über ihren Presseportal veröffentlicht haben.“

Natürlich versäumen es die Faschos auch nicht, die bei ihnen übliche Kraftmeierei verbal zu pflegen. In dem Beitrag rühmt sich Denny Reitzenstein, der der Autor des Textes sein dürfte, dass sich wohl einige Angreifer bei ihrem vereitelten Angriff verletzt hätten und jetzt einen Gips tragen müssten. Und weiter: „Dieser Vorfall zeigt ein weiteres Mal, dass die Buchholzer Antifa sich nur in großen Gruppen einen Angriff traut und das dieser Angriff von entschlossenen Bürger auch erfolgreich abgewehrt werden kann.“

Es ist nicht ganz abwegig, den Farbbeutelwurf auf den Sitz der Polizeiinspektion Harburg in Buchholz den Nazis zuzuschreiben. Sie könnten damit ihren Unmut über den Einsatz bei Möbel Kraft Ausdruck gegeben und zugleich dafür gesorgt haben, dass die Linken verdächtigt werden. Jedenfalls gibt es für den Staatsschutz der Inspektion, der sich mit politischen Delikten befasst, genug Grund, sich mit Reitzenstein & Co. zu befassen. Auch weil dieser den Staatsschutz aktuell frontal angeht.

Auf seinem Blog hat sich Reitzenstein triumphal darüber ausgelassen, dass eine in rechten Kreisen offenbar unbeliebte Staatsschützerin die Polizeiinspektion verlässt und zwar mit einem Porträtfoto der Polizistin. Ich nehme einmal an, dass auch eine Polizeibeamtin ein Recht am eigenen Bild hat – jedenfalls wurden an der Roten Flora in Hamburg vor kurzem Bilder von verdeckten Bildern ruckizucki von der Polizei übermalt, genau mit dieser Begründung.

Es stellt sich nach wie vor die Frage, warum es sich Denny Reitzenstein erlauben kann, nicht nur die Polizei so dreist zu attackieren, sondern auch seine Hetze so ungestört zu verbreiten. Hält da jemand seine Hand über ihn?

Dass man an die Website des umtriebigen Nazis, der unter anderem den von Stefan Silar aus Tostedt übernommenen Versand Streetwear Tostedt weiterführt, nicht ohne weiteres herankommt, ist klar. Der läuft auf Servern von logr.org, einem bei Nazis beliebten Anbieter. Aber der Herr Reitzenstein hat ja keine Probleme damit, sich im Impressum namentlich auszuweisen – allerdings mit einer Adresse in Arizona (wie der querschläger bereits berichtete).

Nun hat aber die Staatsanwaltschaft Stade in einem Schreiben an das parteilose Ratsmitglied Kristian Stemmler bereits vor einiger Zeit durchblicken lassen, ihr sei bewusst, dass es sich um jenen Denny Reitzenstein handelt, der in Buchholz residiert. Folgen hat das keine: Er darf offenbar schreiben und tun, was er will.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Buchholz (kst) – Die Polizei hatte es in Buchholz in den vergangenen Tagen nicht nur mit einer Horde Neonazis zu tun, sondern auch mit einem anderen Raubtier. Wie die Polizeiinspektion Harburg jetzt mitteilt, wurde am Freitag in Steinbeck mehrfach ein einzelner Wolf gesichtet, der kurzzeitig das Stadtgebiet aufgesucht habe und dann weitergezogen sei.

Ob der Wolf ein weisser Wolf war oder ein Vorbote der Demos der Neonazis am Sonntag in der Buchholzer Innenstadt, weiß der buchholz express nicht. Allerdings ist es auch ziemlich unfair, einen Wolf in Verbindung mit diesen Leuten zu bringen, da es sich bei Wölfen um sehr soziale Wesen handelt, die niemals ohne Notwendigkeit angreifen.

Wie die Polizei noch mitteilt, habe sie das Tier „begleitet“, was sie dann am Sonntag bei den Nazis ja auch getan hat. Es sei mit einem Sender ausgestattet gewesen und dem zuständigen „Wolfsbüro“ bekannt. In der Pressemitteilung heißt es abschließend: „Ein erneuter Besuch sei leider unwahrscheinlich, da dieser Bereich zu dicht besiedelt sei.“ Dass die Nazis wiederkommen, ist dagegen leider mehr als wahrscheinlich.

Apropos: Es wäre doch eine wunderbare Idee, die Nazis alle mit einem Sender auszustatten…

Buchholz (be) – Das war wohl nichts. Großspurig hatten die Neonazis im Internet für ihre Demo am Sonntag im Buchholzer Zentrum getrommelt, sich über mehr als hundert Likes bei Facebook gefreut, mit der Bezeichnung „Bürgerbewegung Nordheide“ den Anschein einer großen Gruppe zu erwecken versucht. Half alles nicht – der Versuch der Nazi-Vorturner Denny Reitzenstein und Wolfram Schiedewitz, bürgerliche Kreise anzusprechen, scheiterte erneut grandios.

Am Ende versammelte sich am Sonntagmittag am Rande des Buchholzer Marktplatzes ein Häuflein von 21 Nazis mit drei Spruchbändern, auf denen unter anderem „Asylflut stoppen!“ stand, grölte Parolen und applaudierte den wirren Reden ihrer Anführer, die schon an den Absperrungen des Marktplatzes kaum noch zu verstehen waren.

Ganz anders sah es zeitgleich auf dem Peets Hoff aus, wo sich nach Angaben der Stadt rund 500, nach Angaben der Polizei rund 400 Menschen zur Gegendemonstration versammelt hatten. Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und Bea Trampenau von der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh wandten sich dort entschieden gegen den braunen Spuk.

Dass die Nazis überhaupt demonstrieren konnten, lag nur an einem Großaufgebot der Polizei. Die hatte rund 250 Beamte aus ganz Niedersachen, so aus Osnabrück, Göttingen und Lüneburg, zusammengezogen, um Auseinandersetzungen zwischen rechts und links zu verhindern. Bereits am Vormittag stellte die Tauchergruppe der Polizei aus Oldenburg Absperrgitter an allen Zugängen zum Marktplatz auf, die kurz vor Beginn der Nazidemo von Polizisten besetzt und geschlossen wurden.

Angesichts des großen Polizeiaufgebots gelang es der Antifa nicht, anders als vor kurzem in Hittfeld, Nazis vom Erreichen des Kundgebungsorts abzuhalten. Und das trotz einer gelungenen Mobilisierung. Der Antifa des Landkreises Harburg schlossen sich Gruppen aus der gesamten Region an, so die Antifa Lüneburg/Uelzen und Antifa-Gruppen aus Hamburg. Die Polizei sprach von etwa 120 Aktivisten, was hinkommen dürfte.

Wegen der vielen Zugänge zum Marktplatz und angesichts der massiven Polizeipräsenz gelang es aber nicht, die Nazis wirksam aufzuhalten. Sie tauchten relativ unvermittelt auf und wurden von den Beamten aus westlicher Richtung über die Breite Straße zum Marktplatz eskortiert. Der eigentliche Kundgebungsort war von Stadt und Polizei strategisch geschickt festgelegt worden.

Die Nazis mussten sich am Beginn des Thomaswegs versammeln, eingekeilt zwischen Volksbankhaus und City Center, so dass sie eigentlich weder zu sehen noch zu hören waren. Lediglich eine Handvoll Journalisten und vielleicht 20 Polizisten, darunter die Einsatzleitung, kamen in den vollen Genuss des Anblicks ihrer meist sonnenbebrillten Gesichter und konfusen Reden.

Warum die Nazis vor den Reden den Walzer „An der schönen blauen Donau“ spielten, lässt sich nicht genau beantworten. Vielleicht sollte es ein Gruß an Orbans Ungarn sein – oder es lag daran, dass der Komponist Österreicher war… Auf jeden Fall war diese Musik an diesem Tage das einzig Genießbare, was aus den Lautsprechern kam. Nach der blauen Donau kam nur braune Soße.

Es war das Übliche. Der Seniornazi der Region, Landschaftsarchitekt Wolfram Schiedewitz aus Seevetal, faselte von angeblichen Plänen von langer Hand, Deutschland zu zerstören, zu welchem Behufe es derzeit, mit Flüchtlingen geflutet werde, die lediglich die deutschen Sozialsystem belasteteten. Allen Ernstes behauptete Schiedewitz auch noch, er sei „schon immer weltoffen“ gewesen, Fremdenhass sei ihm fremd.

Etwas weniger routiniert, dafür aber noch hasserfüllter, ließ sich der Buchholzer Denny Reitzenstein von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide vernehmen, der die Demo gemeinsam mit Schiedewitz angemeldet hatte. Zu Beginn „grüßte“ er das Ratsmitglied Kristian Stemmler, das er unter den Journalisten am Stelenbrunnen ausgemacht hatte, von wo aus Stemmler in seiner Funktion als Journalist für den buchholz express die Nazidemo beobachtete.

Aggressiv ging Reitzenstein auch den Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) an, den er erneut als „Volksverräter“ bezeichnete, ein Terminus des NS-Regimes. Natürlich durfte in seiner Rede, bei der er einige Male ins Stocken geriet – es war nach eigenem Bekunden seine erste Rede -, der Verweis auf die „Flüchtlingskriminalität“ nicht fehlen. Schließlich kündigte er an, die Demo sei nur „ein Startschuss“, es werde dieses Jahr weitere in Buchholz geben.

Zu einer Störung der Reden kam es durch einen Aktivisten, dem es gelungen war, auf das Dach des City Centers zu klettern. Er beschimpfte von dort die Nazis lautstark als „Nachgeburten“, was von der Antifa an den Absperrungen bejubelt wurde. Die Nazis antworteten mit „Spring! Spring! Spring!“. Polizisten holten den Mann vom Dach, er wurde kurzfristig in Gewahrsam genommen.

Von den Aktivisten, Polizisten und Journalisten war Geduld gefordert, denn die Nazis ließen sich bis etwa viertel von vier Zeit mit der Verbreitung ihrer Hetze. Der Versuch, die Kundgebung durch einen Aufzug fortzusetzen, wurde von der Polizei sofort unterbunden. Die Nazis wurden von der Polizei zum Bahnhof gebracht.

Die Demo auf dem Peets Hoff hatte kurz vor der Nazidemo begonnen. Sie war unter dem Motto „Buchholz zeigt Gesicht“ organisiert worden vom bereits 2009 gegründeten Bündnis gegen Rechts, in dem sich Stadt, Gewerkschaften, die im Rat vertretenen Parteien, Kirchen, Verbände, Vereine und Organisationen zusammenschlossen.

„Uns alle empört, dass nur wenige hundert Meter von hier entfernt rechtsradikale Aktivisten unter dem Deckmantel eines bürgerlichen Protestes Fremdenhass und Hetze gegen ausländische Mitbürger betreiben“, erklärte Bürgermeister Röhse. Für ihn seien Flüchtlinge keine Bedrohung. „Vielmehr sind für mich diejenigen eine Bedrohung, die hasserfüllte, fremdenfeindliche Parolen in der Dunkelheit an Flüchtlingsunterkünfte malen.“

„Refugees Welcome – Flüchtlinge sind willkommen in Buchholz“, betonte auch Bea Trampenau von der Antifaschistischen Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh. Trampenau war eine der Initiatorinnen der Kundgebung. „Die Geflüchteten kommen nicht hierher, um sich zu bereichern. Sie bereichern uns mit ihren Kulturen.“

Natürlich basteln die Nazis um Reitzenstein schon an einer Dolchstoßlegende, um das Scheitern ihrer groß angekündigten Demo zu erklären. Man habe viele Interessierte nicht zum Kundgebungsort durchgelassen. Nach Beobachtung des buchholz express durfte jeder, der bei der Polizei bekundete, sich der Demo anschließen zu wollen, anstandslos passieren.

Auch wenn es den Nazis gelang, ihre Hetze im Stadtzentrum von Buchholz zu verbreiten – diese Aktion war wieder ein Rohrkrepierer. Als Erfolg kann gewertet werden, dass sie in den Thomasweg abgedrängt wurden, weit weg vor allem vom im Januar eingeweihten Gedenkstein für die Opfer des NS-Regimes. Das war wichtig.

Logo AfD

Das Logo der AfD

Bei dem nachfolgenden Beitrag handelte es sich natürlich um einen Aprilscherz – der AfD würde es nicht im Traum einfallen, ihren Mitgliedern zu verbieten, an einer Kundgebung teilzunehmen, die unter der Überschrift „Asylflut stoppen!“ steht…

 

Von Kristian Stemmler

Der Kreisverband Harburg-Land der Alternative für Deutschland (AfD) hat seine Mitglieder aufgefordert, sich von der Demonstration der „Bürgerbewegung Nordheide“ am Sonntag im Buchholzer Zentrum fernzuhalten. In einer Pressemitteilung droht der Kreisvorstand mit harten Sanktionen im Falle einer Zuwiderhandlung. „Wer an der Kundgebung teilnimmt, muss mit einem Parteiausschlussverfahren rechnen“, heißt es da wörtlich.

„Die Bürgerbewegung Nordheide wird getragen von Rechtsextremen, mit denen uns so gut wie nichts verbindet“, wird der AfD-Kreisvorsitzende Jens Krause in der Pressemitteilung zitiert. Das Motto der Demonstration „Asylflut stoppen!“ könne man zwar unterschreiben, aber die radikalen Auswüchse und die völkische Diktion der Organisatoren sei nicht akzeptabel. „Die AfD steht voll und ganz auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“, erklärte Krause.

Nach Informationen des buchholz express stehen allerdings eher strategische Überlegungen hinter der massiven Intervention des AfD-Kreisvorstandes. „Offen gesagt, können wir es uns gut fünf Monate vor den niedersächsischen Kommunalwahlen nicht leisten, mit den rechten Chaoten öffentlich in Verbindung gebracht zu werden“, sagte ein Mitglied des Kreisvorstandes, das namentlich nicht genannt werden wollte, dem buchholz express.

Die „Bürgerbewegung Nordheide“ und die mit ihnen verbundene Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzers Denny Reitzenstein machten eine gute Arbeit, so der Informant: „Wie die auf ihren Websites und bei Twitter immer wieder die ausufernde Flüchtlingskriminalität und das unerträgliche Gutmenschentum anprangern – alle Achtung!“ Tatsächlich sei das inhaltlich zu 90 Prozent mit der Agenda der AfD deckungsgleich.

In der Öffentlichkeit müsse die Alternative für Deutschland aber weiterhin an ihrem „bürgerlichen Image“ arbeiten, um niemanden zu verschrecken und koalitionsfähig zu werden. „Wir haben eine Partei aus dem Boden gestampft, die ein Wählerpotential von einem Fünftel bis einem Viertel der Wahlberechtigten hat – wenn nicht mehr -, da kommt man auf Dauer nicht an uns vorbei“, so das Mitglied des Kreisvorstands.

Nach dem 11. September, dem Tag der niedersächsischen Kommunalwahlen werde man im ganzen Bundesland und natürlich auch im Landkreis Harburg und in Buchholz in den Räten sitzen. „Dann mischen wir den Laden auf“, kündigte der Informant an. Der „Bürgerbewegung Nordheide“ drücke er die Daumen für die Demo am Sonntag – „auch wenn wir uns leider öffentlich von ihnen distanzieren müssen.“

So war es vor sechs Jahren: machtvolle Demo gegen die Kundgebung der Nazis.

 

Von Kristian Stemmler

Gelingt es den Neonazis der Region am kommenden Sonntag nach sechs Jahren wieder im Zentrum von Buchholz ihre Hetze zu verbreiten? Wie der Pressesprecher der Stadt Buchholz, Heinrich Helms, bestätigt, haben für diesen Tag um 14 Uhr Vertreter der „Bürgerbewegung Nordheide“ eine Kundgebung unter dem Motto „Asylflut stoppen!“ für die Fußgängerzone angemeldet. Doch der Protest formiert sich bereits, trotz der kurzen Vorlaufzeit. Auch die Polizei bereitet sich vor, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern.

Mittlerweile ist noch eine zweite Kundgebung angemeldet, ebenfalls in der Fußgängerzone, Anmelder ist nach Helms‘ Angaben die antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh aus Holm-Seppensen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich politische Parteien, die Kirchen, das „Bündnis für Flüchtlinge“ und andere diesem Protest anschließen. Die Antifa mobilisiert überregional über das linke Portal linksunten.indymedia.org, sie will den Aufmarsch der Nazis verhindern.

Schon aus Sicherheitsgründen müssen die beiden von der „Bürgerbewegung Nordheide“ und Heideruh angemeldeten Kundgebungen in einem gewissen Abstand stattfinden. Daher könnte der „Bürgerbewegung“, hinter der die faschistische Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Ex-Soldaten Denny Reitzenstein und der Alt-Nazi Wolfram Schiedewitz aus Seevetal stecken, die Auflage gemacht werden, nicht direkt im Zentrum zu demonstrieren. Wobei die rechtliche Lage kompliziert ist.

Vor sechs Jahren, auf den Tag genau, nämlich am 3. April 2010, haben die Nazis zuletzt in Buchholz demonstriert, die NPD hatte die Demo unter der Überschrift „Gegen Ausländerkriminalität!“ angemeldet. Damals gelang es, die Nazis auf die andere Seite der Bahnlinie zu verbannen, weil es sich um einem Sonnabend handelte, also einen Markttag und parallel eine Veranstaltung mit Kindern in der Empore stattfand. Da die rechte Demo diesmal für einen Sonntag angemeldet ist, sind ein Verbot oder eine Verlegung schwieriger durchzusetzen.

Auf dem Buchholzer Rathausplatz kam es vor sechs Jahren zu einer machtvollen Gegendemonstration hunderter Nazi-Gegner, während sich am Bahnhof nur ein Häuflein Rechter versammelte. Damals war die Vorlaufzeit für eine Mobilisierung allerdings auch deutlich länger. Diesmal ist das Vorhaben der Nazis erst wenige Tage vor ihrer Kundgebung öffentlich geworden.

Ob es wie vor kurzem in Hittfeld, wo die „Bürgerbewegung Nordheide“ zum ersten Mal unter diesem Namen auftrat, zu Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Nazis kommt, ist ungewiss. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Antifa auf jeden Fall verhindern will, dass die Nazis direkt am Mahnmal für die Opfer des NS-Regimes auf dem Marktplatz, das am 27. Januar eingeweiht wurde, ihre Hetze verbreiten. Das Ziel der Nazis wiederum dürfte sein, genau diesen symbolischen Ort zu besetzen.

Der Aufruf der Antifa auf linksunten.indymedia.org steht unter der Überschrift „Neonazi-Kundgebung in Buchholz verhindern“. In dem Aufruf werden die Zugverbindungen von Hamburg und Bremen explizit genannt, die Antifa will sich um 13 Uhr an der Poststraße treffen, also eine Stunde vor Beginn der Versammlung der Nazis. Wörtlich heißt es im Aufruf: „Egal ob in Buchholz oder woanders, gilt es sich den Nazis und Rassist*innen in den Weg zu stellen und ihre menschenfeindliche Propaganda zu unterbinden.“

Wie schon der buchholz express weist auch die Antifa auf die Strategie der Nazis hin: „Die Bürgerbewegung Nordheide ist ein Versuch der Neonazi-Kameradschaft AG Nordheide Rassist*innen abseits der Neonaziszene anzusprechen. Seit drei Jahren versuchen die Neonazis der AG Nordheide mit spontanen Aktionen und Störungen von Infoveranstaltungen gezielt im bürgerlichen Spektrum rechte Propaganda zu verbreiten. Führender Kopf der Kameradschaft ist der Buchholzer Denny Reitzenstein, der seit langem versucht neonazistische Strukturen aufzubauen, wie die Kameradschaft Buchholz oder die AG Nordheide.“

Aktuell hängen sich Reitzenstein & Co. an den Protest gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft auf der Jordanfläche. Sowohl auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ als auch auf der Homepage seiner AG Nordheide greift er die aktuelle Berichterstattung des Nordheide Wochenblattes über ein Anfrage des CDU-Ratsherren Klaus Gütlbauer auf. Gütlbauer will mit der Anfrage die Umstände des Verkaufs der Fläche an den Investor Holger Cassens aufklären.

Die Polizei bereitet sich derweil darauf vor, Auseinandersetzungen zwischen den Nazis und der Antifa zu verhindern. „Wir werden mit ausreichenden Kräften vor Ort sein“, sagte Lars Nickelsen, der Sprecher der Polizeiinspektion Buchholz, dem buchholz express. Zu Details der Lageeinschätzung wolle er sich nicht äußern, die Polizei mache sich aber, wie immer bei solchen Einsätzen, ein genaues Bild der Lage.

So mobilisieren die Nazis der Aktionsgruppe Nordheide für die Demo am Sonntag.

So mobilisieren die Nazis der Aktionsgruppe Nordheide für die Demo am Sonntag.

Von Kristian Stemmler

Es war absehbar. Vor dem Hintergrund zunehmender Erfolge der protofaschistischen Alternative für Deutschland (AfD) und der hysterischen Diskussion um das Thema Flüchtlinge fühlen sich auch die Neonazis in der Region ermutigt, ihre Hetze gegen Flüchtlinge zu verschärfen. Nach Jahren wollen sie sich jetzt wieder in Buchholz auf die Straße trauen – aber im Internet wird bereits zur Gegenwehr aufgerufen.

Offenbar um genau diese Gegenwehr so gering wie möglich zu machen, ist das Vorhaben erst jetzt bekannt gemacht worden. Die Fakten: Ein „Bürgerbündnis Nordheide“, hinter dem offensichtlich Nazis aus Buchholz und dem Landkreis stecken, mobilisiert aktuell über seine Facebook-Seite und die Seite der Aktionsgruppe (AG) Nordheide für eine Kundgebung am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der Buchholzer Fußgängerzone – Motto: „Asylflut stoppen!“.

Bei der „Bürgerbewegung Nordheide“ handelt es sich offenbar um eine Art Tarnorganisation, hinter der Nazis der Region stecken, vermutlich vor allem Denny Reitzenstein von der AG Nordheide und sein Umfeld. Der Name folgt der Strategie der Nazis, sich als Stimme des Volkes, also aller Bürger zu gerieren, zudem den Anschein einer großen Organisation (Bewegung) zu erwecken und Vorbehalte der Bevölkerung gegen Faschisten und ihre Parolen aufzuweichen.

Soweit sich das feststellen lässt, tauchte die „Bürgerbewegung“ Anfang Februar zum ersten Mal auf. Für den 6. Februar mobilisierte sie zu einer Kundgebung nach Hittfeld unte der Überschrift „Die Sicherheit in Seevetal und Deutschland – die Ein-Prozent-Idee“. Hauptredner war der einschlägig bekannte Nazi Wolfram Schiedewitz.

Dank des deutlichen Protestes von Gegendemonstranten aus Parteien und Antifa geriet die Kundgebung allerdings zum Rohrkrepierer (der buchholz express berichtete). Schiedewitz redete, gestört von einem Pfeifkonzert, vor einem Ehepaar mit zwei kleinen Kindern. Durch massive Interventionen wurde verhindert, dass weitere Neonazis zu der Demo stoßen konnten.

Seit Mitte Februar ist die Facebook-Seite der „Bürgerbewegung“ online. Nach demselben Muster wie der Twitter-Account und die Homepage der AG Nordheide wird dort seitdem gegen Flüchtlinge gehetzt und für Demos von Nazi-Gruppierungen mobilisiert. Erstes großes Thema der Seite war der geplante Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf der Jordanfläche, über die der Stadtrat von Buchholz am 16. Februar entschied.

So mobilisierte die Seite auch zur Informationsveranstaltung über das Vorhaben in der Waldschule am 23.2. Kurz nach der Veranstaltung erschienen auf dem Facebook-Account der „Bürgerbewegung“ Fotos und ein Bericht von dem Abend in der Waldschule, die vermutlich von Reitzenstein und Konsorten angefertigt wurden. Die saßen nämlich in einer Gruppe von sechs, sieben Leuten im Publikum und twitterten bereits fleißig während der Veranstaltung.

Die Vermutung liegt nahe, dass Reitzenstein den Account bestückt, vielleicht hat er ihn eingerichtet, nachdem Facebook-Accounts der AG geschlossen worden waren. Mit einem länglichen Text wird die Kundgebung am Sonntag auf Reitzensteins Homepage beworben. Dort heißt es: „Es ist soweit und nach 6 Jahren können wir endlich bekannt geben, dass es in Buchholz wieder eine politische Veranstaltung stattfinden wird. Die Bürgerbewegung Nordheide lädt alle Bürger des Landkreises Harburg dazu ein, am 3.4.2016 um 14 Uhr nach Buchholz zu kommen, um ein Zeichen gegen die Asylpolitik und für mehr Sicherheit der Bevölkerung zu setzen.“

Im gewohnten Tonfall wird gehetzt: „Deshalb sehen wir, von der AG Nordheide, es als unsere Pflicht an, die Kundgebung der Bürgerbewegung Nordheide zu unterstützen. Da Buchholz zum Hauptaugenmerk der Flüchtlingspolitik im Landkreis Harburg wurde und somit auch die meisten Migranten dort untergekommen sind… Der Überfremdungswahn in Buchholz wird vor allem durch den Volksverräter und Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse gefördert und durchgesetzt. Wie er schon öfters betont hat, ist es ihm egal was die Bevölkerung vom Überfremdungswahn der Stadt hält und somit haut er jedes geplantes Projekt mit Hilfe des Stadtrates durch.“

In diesem Stil geht es über mehrere Absätze weiter. Natürlich darf auch eine Erwähnung der Terroranschläge von Paris und Brüssel nicht fehlen und der Hinweis auf die angeblich ausufernde „Flüchtlingskriminalität“. Zum Schluss heißt es in dem Aufruf:

„Deshalb ist es wichtig, dass auch endlich die Bevölkerung in der Nordheide aufwacht, gegen das allgemeine Treiben der Politik und für mehr Sicherheit auf die Straße gehen. Zwar werden viele Angst davor haben, rechts abgestempelt oder sogar als „Nazi“ bezeichnet zu werden. Wer sich aber die ganzen bürgerlichen Demo in Deutschland anschaut, wird sehen es handelt sich nicht um eine sogenannte „Nazi“-Demo, sondern um eine Demo oder Kundgebungen vom Volk fürs Volk.“

Diese Strategie dürfte nicht aufgehen, denn selbst AfD-Anhänger sind nicht so blöd, nicht zu merken, dass sie es bei der „Bürgerbewegung Nordheide“ mit beinharten Nazis zu tun haben. Nichtsdestotrotz darf die Kundgebung der Nazis am Sonntag nicht unbeantwortet bleiben. Jetzt sind die bürgerlichen Parteien von Buchholz ebenso gefordert wie vor allem die Antifa.

Übrigens: Der buchholz express hatte bereits vor der Entscheidung des Stadtrats zum Projekt auf der Jordanfläche gewarnt, dass das Vorhaben, so wie es kommuniziert wurde, zur Steilvorlage für Nazis und Xenophobiker werden würde.