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Posts Tagged ‘DC Commercial’

DSC_0492Von Kristian Stemmler

Eine fantasielose Steinwüste oder ein gelungener Platz für Groß und Klein – die Meinungen über den Peets Hoff, der vor einigen Tagen nach etlichen Verzögerungen für die Öffentlichkeit freigegeben wurde (der buchholzblog berichtete), gehen offenbar weit auseinander. Stein des Anstoßes bei den Kritikern sind vor allem die auf Gehwegplatten gelagerten Findlinge, das Wasserspiel in der Mitte des Platzes, die Betonsitzelemente und fehlendes Grün. Die Befürworter finden den Platz dagegen abwechslungsreich gestaltet und freuen sich zum Beispiel über Kinder, die in und mit den Wasserfontänen spielen.

Für muntere Diskussionen sorgt die Neugestaltung des Platzes etwa in der Facebook-Gruppe „Wir Kinder aus Buchholz“, die immerhin bereits fast 1800 Mitglieder hat. Dort macht man sich zum Beispiel über die Findlinge und das Wasserspiel lustig. Wenn man langsam durchfahre, könnten die Strahler als Autowaschanlage durchgehen, spottete ein Diskutant, worauf eine Mutter meinte, ihre Tochter hätte das Wasserspiel bereits als Waschanlage für Kinderroller eingeordnet. Bemängelt wird in den Beiträgen auch, dass bis auf wenige Bäume kein Grün auf dem Platz zu sehen ist.

Andere verteidigen die Neugestaltung des Peets Hoff. Der Platz sei durchaus gelungen und würde auch angenommen. Kinder toben in den Wasserfontänen, Passanten lassen sich auf den Bänken nieder. Ein Gruppenmitglied aus der ehemaligen DDR gibt zu bedenken, dass er von dort zugepflasterte Innenstädte gewohnt sei. Dagegen sei der Peets Hoff erfreulich. Zu den Befürwortern gehört natürlich auch Bürgermeister Wilfried Geiger, der laut Wochenblatt bei der Eröffnung des Platzes sagte, der Peets Hoff erhöhe die Aufenthaltsqualität in der Stadt.

Noch ist die Gestaltung des Platzes aber auch nicht ganz abgeschlossen. Die Betonsitzbänke werden wohl noch zum Teil mit Holz belegt (dort wo die Aussparungen sind), und die Findlinge sollen durch andere Steinelemente ersetzt werden, sind also nur Platzhalter. Was das Grün angeht, wird sich aber meines Wissens nichts mehr ändern. Weitere Anpflanzungen sind nach meiner Kenntnis nicht geplant.

Vor einiger Zeit hat der buchholzblog seine Leser schon einmal zum Peets Hoff befragt. Da war er aber noch im Bau. Darum starte ich jetzt eine zweite Umfrage.

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Man glaubt es kaum: Mitte August soll der Peets Hoff endlich fertig gestellt sein! Das jedenfalls verspricht die Verwaltung. Wie berichtet, hatte es große Verzögerungen gegeben bei der Umgestaltung des Platzes südlich der Buchholz Galerie, für den die Stadt immerhin eine halbe Million Euro ausgibt. Ursprünglich sollte der Peets Hoff kurz nach Eröffnung der Galerie im Oktober 2012 in neuem Glanz erstrahlen. Doch dann zogen sich die Arbeiten immer mehr hin. Zuletzt wurde eine Fertigstellung Mitte Juli avisiert, jetzt also Mitte August.

Auf dem Platz wird jedenfalls fleißig gewerkelt in der aktuellen Bullenhitze. Lampen und Fahrradbügel sind bereits installiert, die Pflasterung in weiten Teilen erledigt. Am meisten Arbeit macht jetzt noch das Wasserspiel in der Mitte des Platzes. Optisch bestimmend, soviel ist jetzt schon erkennbar, werden auch die weißen Sitzelemente aus Beton sein. Mir gefällt der Stil, ehrlich gesagt, auf den ersten Blick nicht besonders, die Elemente sehen zu klobig und technisch aus und irgendwie unfertig. Um mal vorab ein kleines Meinungsbild zu erstellen, hier eine Umfrage zum Thema:

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DSC_8565Von Kristian Stemmler

Das einschlägig bekannte Maklerbüro „Dahler & Company“, dessen Tochterfirma DC Commercial wir den „Bunker“ (vulgo: Buchholz Galerie) verdanken, hat jüngst, wie der buchholzblog aus gut unterrichten Kreisen erfuhr, nämlich im Wochenblatt las, „Ladenkonzept und Kundenservice neu gedacht“. Diese Nachricht möchte ich den Lesern des blogs auf keinen Fall vorenthalten. Wenn ich wüsste, wie das geht, würde ich einen Flashmob organisieren, so möchte ich aber zumindest alle auffordern, sich die neuen fabelhaften Angebote im Laden der Dahlers anzusehen – Sie können das Geschäft nicht verfehlen, es ist repräsentativ an der Ecke der Galerie nahe Treffpunkt installiert worden.

In einem zweispaltigen Beitrag harft das Wochenblatt über „Deutschlands führenden Luxusimmobilienmakler“: „Tablets laden zur Selbstbedienung ein, auf 14 Bildschirmen präsentieren sich Traumimmobilien, Bewegtbilder sorgen für die optimale Präsentation der Objekte“. Was auch sehr interessant ist: „Die Neupositionierung mit der Nutzung von Digital Signage, dem Einsatz digitaler Werbe- und Informationssysteme konnte bereits in den ersten Wochen eine Steigerung der Wahrnehmung der Laufkunden vor Ort von ca. 50 Prozent erreichen.“ Das ist doch schön!

Mit dem Testshop, so teilt das Wochenblatt dem geneigten Leser mit, geht „Dahler & Company“ den Schritt „in Richtung Zukunft, wo vor fast 20 Jahren die erste Filiale des Maklerunternehmens öffnete“. Und dann erreicht der Beitrag seinen Höhepunkt: „Die technische Ausstattung, eingebunden in das mit Holz gestaltete Interieur, das von einem mit Leder bezogenen Media-Desk durchkreuzt wird, knüpft darüber hinaus vor allem an die Sehgewohnheiten anspruchsvoller Konsumenten an.“ Das ist ja schon fast Lyrik!

Falls Sie also ein paar Euros für ein Resort auf Mauritius oder eine Reetdachvilla in Bendestorf übrig haben, schauen Sie mal bei Dahlers vorbei. Denn: „Immobilieninteressierte können Platz nehmen und sich bei einem Kaffee oder Tee informieren und in den High-End-Bilderwelten schwelgen.“ Wenn das nichts ist!

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Von Kristian Stemmler

Lichtblick für den Peets Hoff: Die Container auf dem Platz südlich der Buchholz Galerie, die derzeit noch alle Arbeiten zur Fertigstellung des Platzes blockieren, werden in den nächsten Tagen abgeholt. „Noch in dieser Woche sollen die Container abtransportiert werden“, sagt Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt. Damit wäre zumindest die erste Voraussetzung dafür erfüllt, dass die Umgestaltung des Platzes, für die der Stadtrat 550.000 Euro öffentlicher Mittel freigegeben hat, fertig gestellt wird.

Helms weist allerdings darauf hin, dass wegen des bevorstehenden Weihnachtsfestes und den Risiken der winterlichen Witterung fürs erste keine wesentlichen Fortschritte auf dem Peets Hoff zu erwarten sind. Der Peets Hoff soll, wie berichtet, zu einem Platz mit „hoher Aufenthaltsqualität“ umgestaltet werden, mit Tischen und Bänken (unter anderem vor der Bäckerei Allwörden), Bäumen und einem in den Boden eingelassenen Wasserspiel. Der Platz stellt die Verbindung von der Buchholz Galerie zu famila in Südrichtung und von der Lindenstraße zum Caspers Hoff bzw. zur Fußgängerzone dar.

Dass die städtische Verwaltung, wie berichtet, relativ wenig Zugriff auf die Baustelle hat, liegt vor allem daran, dass die Regie im Rahmen eines städtebaulichen Vertrages an den Bauträger abgegeben worden ist. Offenbar ist kein fester Zeitplan verabredet worden, was meines Wissens durchaus möglich wäre. Ob das in dem Gewerbe üblich ist, weiß ich nicht, aber rein theoretisch kann man ja Zeitverzögerungen auch mit spürbaren Konventionalstrafen belegen.

Wie das Thema Elbphilharmonie zeigt (ohne das von der Dimension her vergleichen zu wollen), geben die Kommunen auf der hirnlosen Jagd nach Investoren immer mehr Rechte an diese ab, etwa im Zuge von PPP (Public Private Partnership). Das ist eine mehr als bedenkliche Entwicklung und wohin das führt, zeigen die Vorgänge im Buchholzer Zentrum gerade prototypisch. Die gesamte Verkehrsführung zum Parkhaus der Buchholz Galerie ist zum Beispiel mehr als abenteuerlich, die Absperrung der Baustelle mangelhaft.

Am Marktplatz macht der Bauträger des Volksbank-Gebäudes (Groth Bau) offenbar auch, was er will (der buchholzblog berichtete). Wenn das hier eine Glosse wäre, würde ich vorschlagen, die gesamte Innenstadt an DC Commercial abzutreten, die dann auch das Hausrecht hätten und jeden nicht konsumwilligen oder -fähigen Bürger des Platzes verweisen könnten… Was mich wundert, ist der Umstand, dass die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zuständige Polizei nicht viel öfter eingreift.

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Von Kristian Stemmler

Warum geht es nicht voran mit der Neugestaltung von Peets Hoff? Der Projektleiter der Buchholz Galerie, Georg Burgner vom Investor DC Commercial, hat bereits vor Wochen bei einer Führung gegenüber der Spitze der Verwaltung, Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) und Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse eingeschlossen, und dem halben Stadtrat erklärt, der Platz südlich der Shopping Mall werde zum Jahresende fertiggestellt sein. Es müssten nur noch die Container, die beim Bau der Galerie benötigt wurden, abgeholt werden.

Jetzt sind immer noch etwa zehn Container da. Und die Geschäftsleute, deren Läden an den Peets Hoff grenzen, gehen auf die Barrikaden – angeführt von Jochen Weiß, Chef der Tostedter Bäckereikette Weiß, der gerade 300.000 Euro in die Neugestaltung seiner Filiale im famila-Markt, die unmittelbar an den Platz grenzt, gesteckt hat. „Meine Kunden schauen auf Müll“, klagte er auf der ersten Seite des Nordheide Wochenblattes und sprach von Wettbewerbsverzerrung.

Man habe die Stadt bereits im Sommer vor der Lage gewarnt, weil es offensichtlich sei, dass die Pflasterung eines Platzes im Spätherbst und Winter problematisch sein könne. Die Stadt wäscht ihre Hände in Unschuld. Man versuche auf die Baufirma einzuwirken, die Belastung so gering wie möglich zu halten, habe aber rechtlich keine Möglichkeit, die Arbeiten zu beeinflussen, wird der Pressesprecher der Stadt, Heinrich Helms, zitiert. Das Wochenblatt geht davon aus, dass es noch bis mindestens Ende März 2013 dauert, bis alle Container verschwunden sind.

Das wirft nicht gerade ein gutes Licht auf die Verwaltung. Die Stadt hat die enorme Summe von 550.000 Euro für die konsumkompatible Umgestaltung des Platzes springen lassen, hält sich aus dem operativen Geschäft offenbar aber weitgehend raus. Dabei handelt es sich um eine öffentliche Fläche. Die Verwaltung ist ja noch nicht einmal in der Lage, für eine anständige Absperrung der Baustelle zu sorgen.

Auf der Baustelle passiert derzeit wenig bis gar nichts. Die Einlassung von Weiß, seine Kunden würden auf Müll schauen, ist nicht abzustreiten. Erst mal gucken sie vor allem auf die Container, die nur wenige Meter vor der Front von famila zweistöckig aufgebaut sind. Und der schmale Sandstreifen dazwischen ist zugemüllt mit einer großen schwarzen Plastikplane, Paletten, Plastikrohren und dergleichen.

Überhaupt sieht der Platz aus wie eine Mülldeponie, überall liegen Teile und Materialien, die da sicher nichts zu suchen haben und für die Neugestaltung wohl nicht gebraucht werden. Ytong-Steine, haufenweise Paletten, Rohre, ein ganzer Berg von Metallteilen, die offenbar zum Bau von Lüftungssystemen dienen, und anderes mehr. Das Material, das wirklich für die Fertigstellung von Peets Hoff gebraucht wird, die Penter Klinker nämlich, liegt weitgehend unberührt am Rande der Baustelle. Das versprochene Wasserspiel ist noch nicht einmal ansatzweise zu erahnen.

Es ist mehr als offensichtlich, dass die städtische Verwaltung mit den Großprojekten im Zentrum gnadenlos überfordert ist. Kürzlich sperrte die Firma Bredehöft mal eben die Fußgängerzone, um vor dem Rohbau des Volksbanksgebäude, das offenbar nicht fertig werden soll, das Pflaster aufzureißen. Bei der Stadt wusste niemand was von der Sache. Derzeit hat dieselbe Firma das Pflaster fast an derselben Stelle noch mal aufgerissen, offenbar um einen Betonring für die Entwässerung neu zu setzen. Ich hoffe, dass diesmal eine Genehmigung vorliegt.

Auch auf dem Peets Hoff scheint die Stadt alle Rechte an die Baufirmen abgetreten zu haben. In anderem Zusammenhang spricht man da von einem rechtsfreien Raum. Unser Bürgermeister gibt sich zwar immer gern energisch und allzeit informiert, aber hier scheint er ebenso orientierungslos wie machtlos zu sein. Darauf spielt das Wochenblatt offenbar mit der süffisanten Überschrift „Herr Geiger, übernehmen Sie!“ an.

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Von Kristian Stemmler

Buchholz hat heute prototypisch vorgemacht, wie diese Gesellschaft systematisch vor die Hunde geht und wie sehr wir schon von allen guten Geistern verlassen sind. Die simple Eröffnung eines Einkaufszentrums hat die Stadt in Aufruhr versetzt, hat ein kollektives Fieber ausgelöst. Es war wie Stadtfest und Weihnachten an einem Tag – als hätte es jahrelang nichts gegeben, strömten Tausende von vormittags bis abends durch die Buchholz Galerie, die neue Konsumkathedrale im Herzen der Stadt, bevölkerten die Fußgängerzone, wo Buden und Karussells aufgebaut waren. An der Breiten Straße stand zurecht ein Notarztwagen bereit, denn Buchholz verfiel heute dem Konsumwahn!

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, was diese Gesellschaft noch irgendwie eint, was die Massen antreibt, was die Sehnsucht der Leute weckt, dann hat Buchholz ihn heute erbracht: der Konsum. Institutionen wie die Kirchen können von einem solchen Zulauf nur träumen. Sie sind am Rande geduldet als seelisches Fitnessstudio, aber sowohl als Gebäude städtebaulich wie auch als Institutionen gesellschaftspolitisch sind die Kirchen marginalisiert. Auf deutsch: Das Zentrum von Buchholz ist nicht die Pauluskirche (und auch nicht das Rathaus), Mittelpunkt und Objekt der Begierde, das ist die Buchholz Galerie!

Es hat eigentlich nur gefehlt, dass zur Eröffnung am Vormittag die Glocken von St. Paulus läuten und Pastor Wabbel die neue Shopping Mall segnet. Dazu konnte man sich wohl nicht durchringen. Aber sonst hatte die Feier alle Merkmale einer guten Liturgie: pathetische Musik, eine Predigt des Bürgermeisters, eine andächtig lauschende Gemeinde und als Klimax das Durchschneiden des roten Bandes gefolgt vom Betreten des Allerheiligsten. Halleluja!

Natürlich war Bürgermeister Wilfried Geiger an diesem Tag euphorisiert bis zum Anschlag. Jedenfalls grinste er wie ein Honigkuchenpferd. Flotten Schrittes kam er im unvermeidlichen Trenchcoat vom Rathaus herübergeeilt an die Breite Straße, wo bereits so um die 500 Konsumenten ausharrten, und umarmte als erstes SPD-Ratsfrau Silva Seeler, auch Landtagsabgeordnete. Obwohl ich direkt daneben stand und mich eben noch mit der Ratskollegin unterhalten hatte, würdigte er mich keines Blickes, wofür ich allerdings Verständnis habe. Man will sich ja den Freudentag nicht versauen, indem man einer linken Spaßbremse die Hand drückt. Dafür habe ich mich nett mit dem Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse unterhalten, der da keine Berührungsängste hat.

Vielleicht ahnte Geiger auch schon, dass ich nicht vorhatte, viel Positives über seine Ansprache und die Galerie zu schreiben. Das ist aber auch nicht leicht bei seinem PR-Politsprech! Er derilierte irgendetwas von einer „jungen und dynamischen Stadt“, unserem „wunderschönen Buchholz“ (das architektonisch gerade nachhaltig versaut wird, unter anderem durch die Buchholz Galerie). Er freue sich „ganz doll“ über das Einkaufszentrum und sei so was von dankbar, dass Investor DC Commercial auf ein Mittelzentrum gesetzt habe. Die Galerie werde der Stadt und den Menschen gut tun.

Mindestens ebenso freudig erregt war Lothar Schubert, Geschäftsführer von DC Commercial und einer der Gesellschafter des Unternehmens. Es habe „soviel Spaß gemacht“, die Galerie zu bauen: „Und ich bin froh, dass Sie alle hier sind!“ Der smarte Manager drohte an, das Center solle „noch mindestens 30 Jahre aufhaben“, darum müssten die Leute immer mal wieder vorbeikommen. Centermanager Andreas Ziehmann redete mal wieder, als hätte er Gras geraucht. Eine „Perle des Einzelhandels“ sei die Buchholz Galerie, „bundesweit einzigartige Store-Konzepte“ würden hier ausprobiert.

Mit unberechtigtem Stolz nahm Ziehmann auf das Motto der Galerie, er sprach von „Claim“, Bezug: „Schön, dass du da bist!“ Mit Verlaub, aber dieser Claim ist einfach nur gaga! Das hört sich an wie „Hurra, wir leben noch!“ oder „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst“. Na ja, andererseits passt der hohle Spruch zum hohlen Konsumrummel!

Der ging so richtig los, als Geiger und Ziehmann nach einem Trommelwirbel das rote Band durchschnitten hatten. Die Massen drängten ins Center, als würden sie dafür bezahlt. Und da war dann die Hölle los! Bis zum Abend wälzte sich ganz Buchholz durch die Shopping Mall plus Gäste von außerhalb. Man sah ne Menge Autos mit Hamburger Kennzeichen, einige auch aus Bremen oder dem Heidekreis. Sämtliche Läden wurden besichtigt und durchgehechelt, man fuhr die Rolltreppen rauf und wieder runter, trank Kaffee bei Allwörden, fraß Nudeln vom Asiaten, kaufte Tinnef bei Depot, probierte Stiefel bei Schuh Kay, blätterte in Büchern im neuen großen Heymann, konsumierte, was das Zeug hielt.

Ehrlich gesagt, ist die Buchholz Galerie kein Deut anders oder besser als die neueren Einkaufszentren, die man aus Hamburg oder sonst woher kennt. Mal abgesehen davon, dass bei H & M noch ne Leiter im Schaufenster stand und hier und da Kabel aus der Wand oder der Decke gucken. Etwas seltsam fand ich auch die Securityleute – einige sahen aus wie Türsteher vom Kiez. Waren sie vielleicht auch mal. Ich weiß ja nicht, was für Kontakte Björn Dahler so hat… Der Investor in seinem feinen Mantel streifte übrigens persönlich durch die Shopping Mall und ging erst nach Torschluss, kurz nach acht.

Dass Dahlers Megaluxus-Maklerunternehmen an der wohl prominentesten Stelle des Gebäudes, nämlich an der Ecke zum Treffpunkt hin, einen Shop eröffnet hat, das übrigens ist auch eine Besonderheit der Galerie und zeigt den Protz und das Statusdenken in diesen Kreisen. Das ist ja nun wirklich kein Laden, wo man mal eben reingeht, um eine Reetdachvilla in Bendestorf zu erstehen. Also, dieser Shop hat vor allem Platzhirschfunktion, soll zeigen: Wir sind die Erbauer dieses Zentrums, wir sind King! Die Normalsterblichen sind in dem Laden bestimmt nicht erwünscht, wir trinken unseren Ein-Euro-Kaffee nebenan bei Tchibo.

Es macht wenig Sinn, an dieser Stelle weitere Einzelheiten über das Center und den heutigen Tag zu berichten. Die meisten LeserInnen waren vermutlich schon selbst da. Ich denke, das Ereignis ist eher eine Gelegenheit, Grundsätzlicheres zum Thema Konsum zu sagen. Das ist vor allem deshalb nötig, weil gerade bei diesem Thema das allgemeine Unverständnis sehr groß ist – was soll man denn gegen Konsum haben, da haben doch alles was davon, das ist doch eine Win-win-Situation! Aber das stimmt eben nicht.

Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es in diesen modernen Shopping Malls eher weniger um die Ware geht, die verkauft wird und die wir in Tüten nach Haus tragen. Was eigentlich verkauft wird, ist ein Wohlgefühl oder sagen wir: Hochgefühl, das wir bei unserem Aufenthalt in der Mall haben sollen. Die edlen Materialien, die bunten Bilder, die überästhetisierte Darbringung der Güter, die ganze Fülle des Angebots, die pseudomondäne Atmosphäre – das Alles hüllt uns ein, deckt uns zu, betäubt uns. Der Glanz und Glamour erweckt die Illusion von Teilhabe am Reichtum. Der Paketfahrer, die Apothekenhelferin, der Versicherungsvertreter, sie alle können hier ihren oft tristen Alltag vergessen.

Es ist schon so etwas wie ein spiritueller Mehrwert, der uns da verheißen ist. Die Fülle und der Glanz, die Vertrautheit der bekannten Marken, sie sorgen für den Kick, einen heiligen Schauer, für so etwas wie Sicherheit und Geborgenheit. Aber eine falsche Sicherheit und eine falsche Geborgenheit. Denn der Konsum zeigt im Grunde alle Merkmale einer Sucht. Der Effekt hält immer nur kurz an und weicht wie bei Alkohol oder Heroin oft genug einem Gefühl von Trostlosigkeit und einem verschärften Craving. Der Konsument braucht den Kick also immer aufs Neue, läuft immer wieder in dieses oder ein anderes Center – und verfehlt dabei das Wesentliche!

So wie der Konsum unsere Städte okkupiert und durchdringt, so beansprucht das Konsumieren, das Shoppen unangemessen viel Raum im Leben von immer mehr, gerade auch jungen Menschen. Es hält sie von Wichtigerem ab, von echter Begegnung, von Besinnung, von gesellschaftlichem Engagement, von kritischem Denken, von Protest gegen die Spaltung der Gesellschaft, von der hier gezielt abgelenkt wird, ja, auch von Transzendenz und spiritueller Tiefe. Der Konsum und die Ware wird mit Bedeutung aufgeladen, bekommt eine fast heilige Dimension. Man gehe nur mal in den Apple Store am Jungfernstieg. Als ich das erste Mal dort war, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, ich wäre in einem Tempel gelandet, mit den uniformierten VerkäuferInnen als Tempeldiener.

Mit Erschrecken musste ich heute erneut feststellen, dass all diese Zusammenhänge offenbar kaum jemandem bewusst sind, dass die Masse sich wie eine Schafherde durch das Shopping Center treiben lässt. Ich weiß, es ist schwer zu glauben: Aber dieses System macht uns im Endeffekt alle zu Konsumidioten, wir erleben derzeit den Versuch einer durchgreifenden Konditionierung der Menschen, einer Gleichschaltung, wie es sie in der Geschichte noch nicht gegeben hat. Treibriemen dieses Prozesses sind die Medien, Film, Fernsehen, Werbung.

Es droht eine ungeheure Verflachung unseres Lebens, und wir tun so, als wäre alles in Ordnung. Diejenigen, die das am ehesten erkennen müssten, die analysieren und protestieren müssten, das sind meines Erachtens die Theologen, ergo: die Kirche. Ganz einfach deshalb, weil sie von ihrer Ausbildung am ehesten befähigt sind, die Mechanismen der Heiligung profaner Konsumvorgänge zu erkennen. Aber leider haben sich die Theologen weithin arrangiert oder mischen gar fröhlich mit bei der großen Inszenierung, sorgen für Events und segnen den allgemeinen Lebensstil ab.

Und wir Linken, wir haben das Thema Konsum eigentlich auch nicht so richtig auf der Rechnung (diese Dimension hat Marx ja auch nicht ahnen können). Das aber ist ein schwerer Fehler, denn das ist ein absolutes Schlüsselthema! Ich werde jedenfalls nicht müde werden, dieses Thema aufzugreifen.

Heute war ich vermutlich der einzige, der zumindest einen bescheidenen Versuch unternommen hat, die Jubelstimmung ein wenig zu trügen. Während der Eröffnung habe ich ein Flugblatt an die Konsumenten verteilt, natürlich vor der Galerie. Da ich es für sinn- und zwecklos hielt, den Leuten an diesem Tag mit ernsthafter Konsumkritik zu kommen, habe ich etwas Satirisches aufgesetzt, um wenigstens bei einigen so etwas wie eine kleine Irritation zu verursachen. Zur weiteren Verbreitung werde ich den Text des Flyers im blog noch dokumentieren.

Ich möchte schließen mit einer Liedzeile des begnadeten Liedermachers Wenzel: „Wer nicht mehr kann, der zählt schon fast als Leiche.“

Gute Nacht, Buchholz!

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Von Kristian Stemmler

Halleluja! Praise the Lord! Nur ein paar Mal werden wir noch wach, heißa, dann ist Eröffnungstag! Die Buchholz Galerie, die nach den Worten unseres Stadtoberhauptes Wilfried Geiger ein Segen für die Stadt sein wird, soll am 18. Oktober ihre Pforten öffnen. Mit Hochdruck schuften derzeit über 200 Bauarbeiter und Handwerker, damit das neue Einkaufszentrum im Herzen der Stadt – wegen seines klotzigen Äußeren auch mehr oder weniger liebevoll „der Bunker“ genannt – bis dahin vorzeigbar ist. Am Dienstagabend besichtigten Vertreter des Stadtrats und die Spitzen der Verwaltung vor der Sitzung des Stadtrates die Baustelle. Als Vertreter der Partei DIE LINKE im Stadtrat wurde auch mir damit die Ehre zuteil, den Bunker von innen zu sehen.

Dank der dabei gewonnenen Einsichten kann ich der Jugend von Buchholz schon mal diese gute Nachricht überbringen: Die Inneneinrichtung von H & M ist so gut wie fertig, ich habe die Regale mit eigenen Augen gesehen! Wir werden uns also alle demnächst dort in Bangladesch genähte Textilien kaufen können – das ist doch schön, nicht wahr?! Ansonsten wird noch ganz schön gewerkelt im Inneren des Klotzes. Überall hängen Kabel runter, Maschinen kreischen, Metallpaneele liegen herum, die Rolltreppen sind noch mit Planen abgedeckt. Kaum vorzustellen, dass in weniger als einem Monat hier konsumiert werden soll!

Geführt wurde die Politikergruppe, der sich auch Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) anschloss, einen Tag nach seinem 60. Geburtstag, vom neuen Centermanager Andreas Ziehmann und Projektleiter Georg Burgner vom Investor DC Commercial. Ziehmann machte sich mit seiner forschen Art nicht unbedingt beliebt, wobei man ihm mildernde Umstände zubilligen muss. Denn er leidet ganz offensichtlich an einer Krankheit, die im Einzelhandel endemisch ist: dem PR-Sprech. Diese drückt sich darin aus, dass der Erkrankte mit Superlativen und Euphemismen um sich wirft, viele englische Wörter benutzt und banale Konsumvorgänge mit geschraubten Begriffen versieht.

Die Vermietungsquote von 92 Prozent der Galerie (nur noch vier Einheiten sind nicht vermietet) war für Ziehmann natürlich „eine super Quote“, er drohte eine „tolle Weihnachtsdeko“ an, behauptete, dass das Einkaufszentrum eine „hohe Modekompetenz“ an den Tag legen werde, und kündigte vollmundig an, man werde Veranstaltungen für Familie auf die Beine stellen, „wie Buchholz sie noch nicht gesehen hat“. Das fand sogar eine anwesende Verwaltungsspitze ein wenig befremdlich, das klinge ja so, als lebe man in Buchholz komplett hinter dem Mond.

Projektleiter Georg Burgner kam da mit seiner nüchternen Art, zumindest bei mir, besser an. Als Angestellter des Investors kam er natürlich nicht darum herum, den Bau schön zu finden und über den grünen Klee zu loben. Man habe architektonisch eine Antwort gefunden auf die innerstädtische Situation. Das sehe ich allerdings nach wie vor anders: Wie mehrfach in diesem blog bemerkt, halte ich die Galerie für zu hoch, zu groß, zu klotzig und architektonisch für fantasielos und langweilig. Der Bau erinnert mich an Karstadt-Häuser der 70er oder 80er!

Vor dem Haupteingang an der Breiten Straße, gegenüber vom Venezia, empfing Burgner die Politikergruppe. Er verwies auf das noch nicht fertig gestellte ausladende Vordach, das die Besucher in das Center hineinführen solle. Der Projektleiter führte die Gruppe (auf eigene Gefahr) in die noch recht düstere Mall, in der die Buchholzer und die Besucher der Stadt demnächst lustwandeln werden. Die Mall beschreibt einen leichten Bogen und kommt am Peets Hoff wieder raus.

Burgner erläuterte die momentane Lage auf der Baustelle und den weiteren Fortgang der Arbeiten, wobei ich leider nicht alles verstanden habe, weil ständig irgendwo Maschinen kreischten. „Ein immenser technischer Kraftakt“ müsse vollbracht werden, damit die Galerie am 18. Oktober eröffnen könnte, meinte der Praktiker und zeigte auf die offenen Decken mit den herabhängenden Kabeln. Die Installation der ganzen Technik, wie Sprinkler, Lüftung und dergleichen, sei das Aufwändigste.

So genannte Ankermieter der Galerie sind H & M, der Drogeriemarkt dm, Heymann und der Textiler Ramelow, der praktisch das gesamte obere Stockwerk einnimmt. Der kleinste Laden im Center wird ein Kartenshop von Smile Records mit gerade mal zehn Quadratmetern sein. Es wird Gastronomie geben, und zwar italienische, asiatische und indische Küche, Coffeeshops und ein Eiscafé. Auf der Seite zum Peets Hoff hin wird die Bäckereikette Allwörden ein Geschäft aufmachen und zwar mit einem separaten Eingang, auch weil der Laden früher öffnen wird als der Rest des Centers. Dessen Öffnungszeiten sind von neun bis 20 Uhr, das Parkhaus macht um 22 Uhr dicht.

Nachdem die Politikergruppe wieder heil aus dem Inneren des Bunkers herausgekommen war, wurde sie noch auf die Südseite, auf den Peets Hoff geführt. Dort wird bekanntlich noch fleißig gewerkelt, wobei der vordere Teil zur Poststraße hin schon weitgehend fertig ist. So lange noch an der Galerie selbst gebaut wird, kann der Platz aber nicht fertiggestellt werden, weil die Container darauf noch gebraucht werden. Die werde man aber sukzessive abbauen, kündigte Burgner an, und den Platz dann fertig machen. Er rechne damit, dass die Arbeiten am Peets Hoff Ende des Jahres abgeschlossen seien.

Der Projektleiter gab sich viel Mühe, die Umgestaltung von Peets Hoff aus Meilenstein zu verkaufen. Mit seinem Wasserspiel werde der Platz „ein kleiner Schatz“ werden, behauptete er, das habe man in Buchholz noch „gar nicht so richtig auf dem Schirm“. Das fand Bürgermeister Geiger natürlich gut, denn immerhin steckt die Stadt mal eben 550.000 Euro in die Neugestaltung von Peets Hoff. Ja, das könne wohl ein schöner Platz werden, sekundierte er und nutzte die Gelegenheit um Befürchtungen zu zerstreuen, die Galerie könne dem City Center den Garaus machen. Das City Center werde es vielleicht in den ersten Monaten etwas schwer haben, auf Dauer aber von der Galerie profitieren. Also, ich bin da skeptisch!

Die Mitglieder des Stadtrates guckten sich alles interessiert an und machten sich ihre Gedanken, vermutlich je nach politischer Ausrichtung durchaus unterschiedliche. Eine leicht knisternde Atmosphäre ergab sich am Rande von Peets Hoff, als sich wichtige Protagonisten der Buchholzer Politszene unmittelbar gegenüberstanden, nämlich Geiger, sein Vorgänger Norbert Stein und Grünen-Fraktionschef Joachim Zinnecker. Während Geiger redete, meine ich bei den beiden ein maliziöses Grinsen gesehen zu haben. Zinnecker wurde übrigens abends im Stadtrat einstimmig zum Vertreter des Bürgermeisters gewählt. Ist ja schon mal ein Schritt…

Was ich übrigens sehr anerkennenswert finde, ist die Tatsache, dass der Täter sich direkt am Tatort seiner Verantwortung stellt. Investor DC Commercial, Hamburger Mega-Luxusmakler (Motto: „Zuhause in besten Lagen“) macht an prominenter Stelle, nämlich an der Ecke zur Adolfstraße einen Shop auf und hat dort bereits alles mit seiner Werbung zugepflastert. Wenn Sie also gerade mal eine hochwertige Villa an der Costa del Sol für schlappe 1,26 Mio oder ein exklusives Resort auf Mauritius für 900.000 Euro und mehr erwerben wollen – gehen Sie einfach mal rein, die haben das da alles vorrätig!

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Von Kristian Stemmler

Die Entscheidung ist gefallen! Das Ding im Zentrum der Stadt, das auch Buchholz-Galerie genannt wird, heißt künftig kurz und prägnant „Der Bunker“. Vor einiger Zeit hatte ich dazu aufgerufen, einen Spitznamen für das klotzige Einkaufszentrum, das seiner Fertigstellung entgegeneilt, zu finden. Die einköpfige Jury, die aus mir bestand, hat sich nun nach eingehender Beratung für diesen Vorschlag entschieden, den ich auch selbst eigenhändig eingereicht hatte. Das sieht man wieder, wie unglaublich ausgewogen und objektiv dieser blog ist.

Wie man auf dem eingeklinkten Foto sehen kann, hat – jedenfalls für meine Augen – das Einkaufszentrum durch sein massives, eckiges Äußeres und die glatten Flächen wirklich die Anmutung eines Bunkers. Das ist jetzt, nachdem fast alle Gerüste von der Fassade entfernt worden sind, erst richtig zu erkennen. Besonders die weiß getünchten Aufbauten auf dem Einkaufszentrum, in denen die Parkplätze untergebracht sind, sorgen für diesen optischen Eindruck, vor allem weil sie fast gänzlich fensterlos sind.

Im Wochenblatt ist zu lesen, dass der Bunker voraussichtlich Mitte Oktober eröffnet werden soll. 88 Prozent der Ladenfläche sei bereits vermietet, 45 Geschäfte sollen die Buchholzer und möglichst viele Konsumenten aus dem weiteren Umland ins Center locken, darunter dm, die Textilkette Ramelow, Heymann und McPaper. Auch ein Bäcker, ein Eiscafé und Stephans Schmidts Konzertkasse sollen in die Galerie einziehen. Die Jugend ist besonders heiß auf H & M. Im Erdgeschoss wird ein so genannter Food Court mit italienischen, türkischen, indischen und asiatischen Spezialitäten die Besucher begrüßen.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich zum wiederholten Male auf die Gefahr einer Sogwirkung hinweisen. Man kann es nicht oft genug sagen: Die Fußgängerzone und die Neue Straße müssen sich mächtig ins Zeug legen, um nicht ernsthafte Umsatzeinbußen hinzunehmen. Das wird kein Zuckerschlecken für den kleinen Einzelhandel!

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Von Kristian Stemmler

Seifert backt… nicht mehr! Der Bäcker hat seinen Betrieb in Hittfeld aufgegeben und damit auch seine Filiale im Buchholzer City Center geschlossen. Das ist nicht der erste und nicht der letzte Leerstand in dem eigentlich schon länger insolventen Einkaufszentrum und lässt angesichts der auf der anderen Seite des Marktplatzes erwachsenden Konkurrenz Böses ahnen. Wie ich bereits Anfang des Jahres geschrieben habe, dürfte das City Center die Eröffnung der Buchholzer Galerie nicht lange überleben.

Wie der buchholzblog aus Kreisen der Buchholzer Kaufmannschaft erfuhr, werden in den nächsten Monaten diverse Läden das City Center verlassen. Die Buchhandlung Heymann, neben Rossmann und Lidl der wichtigste Anlaufpunkt, wird wohl wegen eines laufenden Vertrages noch im Center bleiben, auch wenn die Kette in der Galerie eine Filiale eröffnet. Doch in etwa eineinhalb Jahren nach Ablauf des Mietvertrags wird Heymann wohl die Filiale im City Center schließen, vorausgesetzt das Center existiert noch so lange.

Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Eröffnung des großen dm-Drogeriemarktes in der Galerie auf Rossmann im City Center auswirkt. Generell muss davon ausgegangen werden, dass die Galerie eine Sogwirkung entfaltet. Die Leute fahren mit dem Auto direkt in den Konsumtempel, erledigen dort alles und fahren wieder nach Haus. Wie die „tageszeitung“ am 14. Juli berichtete, weisen Kritiker auf die Gefahr hin, dass Fußgängerzonen durch den Bau von Einkaufszentren in den Städten veröden. Genau das droht Buchholz.

Unter den kleinen Einzelhändlern und in der Buchholzer Bevölkerung wächst die Kritik an der Galerie. So ist zu hören, dass in der Shopping Mall die ewiggleichen Filialisten einziehen und man sich lieber eine bunte Mischung wie im Mercado in Hamburg-Ottensen gewünscht hätte. Auch die architektonische Anmutung der Galerie wird häufig kritisiert. Das Gebäude sei mindestens eine Nummer zu groß für die Buchholzer Innenstadt und wirke klotzig und fantasielos.

Dass an der Stelle, an der die Galerie entstanden ist, etwas passieren musste – darüber herrscht Einigkeit. Der lange Leerstand nach der Aufgabe des Edeka-Marktes war nicht förderlich. Aber ob die Entscheidung, DC Commercial freie Hand für den Bau eines Mega-Einkaufszentrums zu geben, sich für Buchholz wirklich als Segen erweist, wie Bürgermeister Wilfried Geiger euphorisch behauptet, muss bezweifelt werden. „Das Beste wäre gewesen, wenn media markt nicht ins Gewerbegebiet gegangen wäre, sondern hier gebaut hätte“, meint ein Einzelhändler, „dazu ein großer Edeka-Markt, das wäre die perfekte Ergänzung gewesen und hätte die Innenstadt nachhaltig belebt!“

Dazu ist es jetzt zu spät. Was jetzt noch getan werden kann: Stadt und Wirtschaft müssen sich zusammensetzen und darüber nachdenken, wie sie der Sogwirkung der Galerie entgegenwirken und dafür sorgen, dass die Fußgängerzone und die Neue Straße weiterhin frequentiert werden und nicht am Ende als Appendix des Konsumbunkers dahinsiechen.

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Von Kristian Stemmler

Der Investor kam als letzter. Lässig schlenderte Björn Dahler, Chef von DC Commercial, mit seiner Frau Kirsten an der Seite auf die Baustelle der Buchholz Galerie, wo bereits 80 Gäste und 70 Bauarbeiter auf den Beginn des Richtfestes warteten. Sogleich eilte Bürgermeister Wilfried Geiger – zur Feier des Tages mal nicht in braunen Nadelstreifen, sondern ganz in dunkelblau – auf Dahler zu, um dem Investor die Ehre zu erweisen und einen kleinen Schwatz mit den beiden Luxusmaklern zu halten. Jedes kommunale Oberhaupt hat ja heutzutage mit der Muttermilch aufgesogen, dass der Investor ein scheues Reh ist und bei Laune gehalten werden muss!

Wie nicht anders zu erwarten war, wollte bei den Redebeiträgen im Inneren des Rohbaus der Jubel über die Buchholz Galerie und ihre großartigen Perspektiven kein Ende nehmen. Skepsis oder auch nur vorsichtige Prognosen waren nicht gefragt. Geiger musste schon in die sakrale Kiste greifen, um seine Bemerkung bei der Grundsteinlegung, die Buchholz Galerie sei ein „Sprung nach vorn“ für die Stadt, noch zu toppen. Diesmal verstieg er sich zu der Behauptung, das Einkaufszentrum sei „für die Entwicklung unserer Stadt ein Segen“.

Die Galerie werde verhindern, dass weiter Kaufkraft nach Harburg, Lüneburg und Buxtehude abfließe. Die Aufenthaltsqualität in der Stadt werde sich verbessern, der Einzelhandel werde befruchtet. Auch die Architektur des monströsen Bauwerks im Herzen der Stadt lobte Geiger über den grünen Klee. Derzeit sei die Galerie nur ein großer Block aus Stahl und Beton, aber jeden Tag werde sie ein bisschen schöner. Aus einem hässlichen Entlein oder Enterich werde mit Sicherheit „ein wunderschöner Schwan“, behauptete das Stadtoberhaupt. Der Bürgermeister lobte auch den reibungslosen Ablauf der Bauarbeiten, hier werde „ein rasantes Tempo“ vorgelegt.

Auch der Geschäftsführer von DC Commercial, Lothar Schubert, der mit seinen langen blonden Haaren ein wenig wie die jüngere Ausgabe von Dahler wirkt, erging sich naturgemäß in Lobeshymnen über das Projekt. Die Galerie werde der Einkaufsmagnet der Region sein, mehrere Millionen Kunden würden pro Jahr durch das Zentrum flanieren. Schubert dankte ausführlich und überschwänglich allen am Projekt beteiligten Firmen, bedachte seine Mitarbeiter im typischen Yuppie-Sprech mit der Bemerkung: „Es ist so emotional mit Euch!“, wobei er das Wort „emotional“ englisch aussprach.

Der smarte Geschäftsführer verkündete, dass bereits 81,5 Prozent der Galerie (8500 Quadratmeter Verkaufsfläche, 40 Läden, 260 Parkplätze) vermietet seien. Und er sei sich sicher, dass es bis zur Eröffnung, die für den 27. September geplant ist, 100 Prozent sein werden. Ein moderner „Foodcourt“ mit Terassenplätzen soll die Galerie-Besucher zum Verweilen einladen, so genannte „Ankermieter“ sind Hennes & Mauritz und der Drogeriemarkt dm.

Auch die Parfümerie Douglas und Schuhkay gehen in das neue Center, die Textilfirma Ramelow bringe, so Schubert, „allein 15 Labels mit“. Der Buchhandel wird, wie später zu hören war, nicht von Thalia vertreten, sondern von Heymann. Das dürfte bedeuten, dass Heymann das City Center verlässt. Der erwartete Jahresumsatz der Galerie liegt bei rund 40 Millionen Euro, das Investitionsvolumen für den Bau rund 45 Millionen Euro. Die Stadt gibt noch mal 550.000 Euro aus, um die Fußgängerzone um die Galerie herum attraktiver zu gestalten.

Schubert dankte auch den Bauarbeitern, die sich an den Tischen niedergelassen hatten, sich am Freibier labten und den Auftritt einer hübschen Blondine am Rednerpult mit dem Zwischenruf „Ausziehen!“ kommentierten. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 300 Arbeiter auf der Galerie-Baustelle, derzeit sind es etwa 100. 1850 Lkw-Ladungen Beton und 1600 Tonnen Stahl wurden bisher verarbeitet. Der Geschäftsführer dankte den Anwohnern für ihre Geduld angesichts der Belastung mit Lärm und Staub. Der Großteil des Lärms sei vorüber, da es jetzt an den Innenausbau geht. Die Anwohner könnten immerhin direkt miterleben, „wie das Haus wächst und schöner wird“.

Nach den Redebeiträgen strömte die Gästeschar wieder nach draußen, wo der Polier der Baustelle ein launiges Gedicht vortrug und vier Schnäpse zu sich nahm. Dann wurde der Richtkranz vom Kran nach oben gezogen und weiße Luftballons mit dem grünen Logo der Buchholz Galerie stiegen in den Himmel. In diesem Moment zogen dunkle Wolken über dem Herzen der Stadt auf. Ein schlechtes Omen?

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