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Von Kristian Stemmler

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Das insolvente Krankenhaus Salzhausen soll von der in Heidelberg beheimateten Curagita AG, einem bundesweit aufgestellten Verbund von rund 360 Radiologen in 100 Praxisunternehmen und 70 Krankenhäusern, übernommen werden. Diese Empfehlung an Insolvenzverwalter Jan Ockelmann hat der Gläubigerausschuss, ein Gremium des Insolvenzverfahrens, nach Informationen des buchholzblogs auf seiner gestrigen Sitzung beschlossen. Damit wird die stationäre Klinik in Salzhausen fortgeführt.

Für die kreiseigene Krankenhaus Buchholz und Winsen gem. GmbH dürfte das eine Hiobsbotschaft sein. Dort hatte man zuletzt befürchtet, dass ein auswärtiger Investor in den Landkreis einbricht, um hier „Rosinenpickerei“ zu betreiben – also besonders lukrative medizinische Leistungen anzubieten und damit den Kreiskrankenhäusern wichtige Einnahmen zu entziehen. Die Radiologie gehört zu den lukrativsten Bereichen in der Medizin. Sowohl im Krankenhaus Buchholz als auch in Winsen arbeiten radiologische Praxen, die komplette Erneuerung der Abteilung für Strahlentherapie in Buchholz wurde erst 2012 abgeschlossen.

Mit der Empfehlung des Gläubigerausschusses ist der Landkreis aus dem Rennen. Der Kreisausschuss hatte vor einigen Tagen gegen die Stimmen der Grünen den Abschluss eines Geschäftsbesorgungsvertrags befürwortet, der der Leitung der Kreiskliniken erlaubt hätte, drei Monate lang das Krankenhaus Salzhausen durchzuchecken und Perspektiven zu entwickeln. Diese Option ist nun obsolet.

Für Verwaltung und Politik des Landkreises ist die Entwicklung eine deutliche Schlappe. Landrat Joachim Bordt (FDP) hatte den Mund offenbar zuletzt sehr voll genommen und erklärt, am Landkreis komme in der Sache keiner vorbei. Der Insolvenzverwalter belehrt ihn jetzt eines Besseren, denn der entscheidet nach Recht und Gesetz und ökonomischen Kriterien (die im Krankenhausmarkt nur deshalb so wichtig geworden sind, weil dieser Markt mit gnädiger Hilfe von CDU und FDP umfassend dereguliert wurde…).

Wie gefährlich der Einstieg von Curagita im Landkreis für die Kreiskrankenhäuser ist, bleibt abzuwarten. Das Netzwerk wurde 1999 in Heidelberg gegründet und gibt vor, unabhängig von „Herstellern, Händlern, Finanzdienstleistern, einzelnen Ärzten und anderen Unternehmen“ zu sein. Der Verbund wird von einem Team von mehr als 90 Mitarbeitern gesteuert, der Umsatz lag 2012 bei mehr als 26 Millionen Euro, mit wachsender Tendenz. Offenbar expandiert Curagita ungebremst. Zuletzt übernahm man die insolvente Hanserad Radiologie mit sieben Standorten in Hamburg und München.

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