Mit ‘City Center’ getaggte Beiträge

DSC_7918Von Kristian Stemmler

Der nächste Schlag für das sieche City Center. Ende des Jahres zieht, wie angekündigt, der Teeladen von Waltraud Baumgarten aus, der wohl schönste Laden des Einkaufszentrums, in dem man neben zahlreichen Teesorten auch Engel aus dem Erzgebirge, originelle Grußkarten, edle Trinkbecher und ähnliches erstehen kann. Damit schließt schon der achte von rund 30 Läden in dem renovierungsbedürften City Center, vor dessen Ende der buchholz express seit vielen Monaten warnt.

Ende April hatte zuletzt das City Cafè und Bistro von Reinhard und Miranda Blohm dicht gemacht, weder für dieses noch für die anderen leerstehenden Flächen sind bisher Nachmieter gefunden worden. Mit Heymann und Lidl gingen bereits vor Monaten zwei Ankermieter, Heymann im Oktober 2012 in die neu eröffnete Buchholz Galerie. Danach herrschte im Untergeschoss Totentanz und auch Street Shoes und der Weinladen „Vom Fass“ strichen die Segel.

Seit der bisherige Träger der Shopping Mall, die insolvente Secur-Gruppe, im Sommer 2013 an den US-Investmentkonzern Cerberus Capital Management, eine der berüchtigten „Heuschrecken“, verhökert wurde, regiert das Chaos an der Breiten Straße. In der „Harburger Rundschau“ hatte Centermanager Franz Jebavy allen Ernstes verkündet, es könne noch eineinhalb Jahre dauern, bis die Läden im Untergeschoss wieder vermietet würden. Ob das City Center wirklich noch so lange durchhält, kann man getrost in Frage stellen. Wegen der vielen leer stehenden Ladenflächen wirkt die Passage noch trostloser als ohnehin schon.

Der 20 Jahre bestehende Teeladen von Waltraud Baumgart bleibt Buchholz zum Glück erhalten. Sie zieht in die Lindenpassage am Rande von Peets Hoff, wo vermutlich noch im Januar Wiedereröffnung gefeiert wird. Ihre Tees der Traditionsmarke Ronnefeldt verkaufen sie und ihr Mann Kristian auch weiterhin über ihre Homepage www.teepartner.de.

Mit der Bebauung der Fläche des City Center II wird die Innenstadt komplettiert, Einzelhandel soll es aber nur im Erdgeschoss geben. Das sagte die Buchholzer Stadtbaurätin Doris Grondke im Interview mit dem buchholz express. Ausführlich nimmt Grondke auch zum Stand und den Auswirkungen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes ISEK Stellung.

Kristian Stemmler: In der Presse wurde berichtet, dass Bürgermeister Geiger vor seinem Ausscheiden, das Gelände vom so genannten City Center II noch an den Markt geben will. Wäre es nicht sinnvoller, dass ISEK abzuwarten, bevor man auf dem Gelände baut?

Doris Grondke: Da haben Sie im Grundsatz Recht; allerdings bescheinigt uns das aktuell vorliegende Gutachten, zur Einzelhandelsentwicklung in Buchholz, welches im Rahmen des ISEK erstellt wurde, dass eine Mobilisierung der Flächen und eine Ausweitung der Angebote zwingend erforderlich werden wird um die Revitalisierung des City Center voran zu bringen. Aus Sicht der Gutachter wird ansonsten der sogenannte innerstädtische Lauf erschwert.

Insofern besteht die Chance über die gesteuerte Entwicklung der Fläche und durch ein durchdachtes und Nachfrage gerechtes Angebot einer Zergliederung des innerstädtischen Einzelhandels entgegenzutreten. Diese Perspektiven würden wir gern durch eine frühzeitige und aufeinander abgestimmte Entwicklung sinnvoll nutzen. Obgleich der ISEK-Prozess noch läuft, müssen wir als Verwaltung natürlich handlungsfähig bleiben. Es sind in der Vergangenheit verschiedene Bewerber auf uns zugekommen, die Interesse an dem Standort der Fläche CC II angemeldet haben. Wir werden verwaltungsintern zunächst über folgerichtige Nutzungen nachdenken und selbstverständlich auch Lösungen für den ruhenden Verkehr finden müssen. Erst danach geht die Fläche in eine entsprechende Ausschreibung. Eine Bürgerbeteiligung wird selbstverständlich im Rahmen der Bauleitplanung durchgeführt.

Halten Sie es generell für sinnvoll, diese Lücke zu schließen?

Ja, ich halte es generell für sinnvoll diese Lücke zu schließen. Die Fläche übernimmt nicht nur eine funktionale, d. h. eine über die Nutzung entsprechende Aufgabe, sondern erfüllt darüber hinaus auch städtebaulich eine bedeutende Funktion. Die Bebauung des Grundstücks komplettiert die Innenstadt konsequent ab.

Im Gespräch ist, dass im CC II auch Geschäfte angesiedelt werden. Braucht die Innenstadt denn noch mehr Einzelhandel? Mit dem CC I ist es doch nach der Eröffnung der Buchholz Galerie schon bergab gegangen.

Das ist richtig und die Befürchtung liegt nahe. Allerdings ist es nicht geplant dort eine weitere „Shopping Mall“ wie die Buchholz Galerie zu entwickeln. Bei der Entwicklung der Fläche geht es vielmehr um die Ansiedlung z. B. einer Einzelhandelsnutzung im Erdgeschoss, um den funktionalen Lückenschluss zwischen der Buchholz Galerie und dem City Center – den o. a. „Lauf“ zu gewährleisten. Darüber könnten Wohnnutzungen und Dienstleistungen angesiedelt werden und es muss eine zweckdienliche Lösung für die parkenden Autos gefunden werden.

Wo liegen die Probleme mit dem CC I? Was muss passieren?

Dass der Leerstand im CC I nach der Entwicklung der Buchholz Galerie eingetreten ist, liegt meines Erachtens vor allen Dingen an der Attraktivität der bestehenden Baulichkeit des City Center I. Das Einkaufscenter ist auffällig „in die Jahre gekommen“ und benötigt dringend – ob mit oder ohne Buchholz Galerie – ein Update! Ich bin der Meinung, dass ein Nebeneinander von inhabergeführte Geschäften als auch von Filialisten der Buchholz Galerie gleichzeitig möglich ist. Allerdings brauchen die kleineren, Inhaber geführten Geschäfte selbstverständlich ebenfalls eine gewisse Qualität, damit die Kaufkraft gehalten und entwickelt werden kann und der Standort nachhaltig gesichert ist. Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Einzelhändler im City Center liegt also wesentlich in der Aufwertung durch Sanierung und einem entsprechend innovativen Nutzungskonzept.

Wie stellen Sie sich überhaupt die Entwicklung der Innenstadt vor? Was kann man mit dem Caspers Hoff anfangen?

Meine Vorstellung von der Innenstadt ist im Kern „Autoarm“ zugunsten einer hohen Verweil- und Aufenthaltsqualität. Bereits im Sommer 2013 haben wir ein Konzept zur Innenstadtgestaltung erarbeitet, welches davon ausgeht, die Laufzonen konsequenter miteinander zu verbinden und die Aufenthaltsqualitäten zugunsten von Spiel- und Gastronomieangeboten zu erhöhen. Dabei sind wir davon ausgegangen, dass der Bereich um Caspers Hoff als wesentlicher Teil der Innenstadt aufgewertet und zukünftig von Peets Hoff an die Neue Straße angebunden werden sollte. In diesem Zusammenhang wäre die Empore – über die kulturelle Bedeutung hinaus – städtebaulich von zwei Seiten wahrnehmbar und im Stadtraum noch präsenter. Aber auch hier gilt es, sinnvolle und machbare Lösungen für den ruhenden Verkehr zu entwickeln. Anlass für das Innenstadtkonzept war übrigens die Barriere freie Gestaltung der Stadtmitte mit weiteren Entwicklungsoptionen für den Einzelhandel. Dem Konzept liegen sieben Bauabschnitte zugrunde, die jeweils mit Kosten unterlegt sind.

Wie ist der Stand des ISEK, wie geht es weiter?

Der ISEK-Prozess ist bereits zu 60 Prozent fortgeschritten und wir befinden uns nach der Phase der Analyse – d. h. nach Ermittlung der Stärken und Schwächen Chancen und Risiken – nun auf der Suche nach Entwicklungszielen und räumlichen Schwerpunkten. Eine nächste Etappe der Bearbeitung wird sein, Maßnahmen und konkrete Projekte sowie mögliche Zeit- und Umsetzungshorizonte zu benennen.

Die Analyse haben wir umfänglich und intensiv und mit unterschiedlichsten Gruppierungen, Vereinen, Experten, über eine permanente Onlinebeteiligung, eine öffentliche Ausstellung im CC I, Stadtspaziergänge und Bürgerwerkstätten gemeinsam erarbeitet. Wir haben Arbeitswerkstätten mit der Ratspolitik, mit den Ortsräten der Ortschaften und mit Schülerinnen und Schülern der städtischen Schulen der Stadt veranstaltet. Wir haben uns zu Fragen der Bevölkerungsentwicklung, zur Wohnraum- Gewerbe, Einzelhandels- und Sportentwicklung mit Gutachtern getroffen, die uns notwendige Prognose, Daten als Fundament für nachfolgendes Tun ermittelt haben. Ich erwähne die umfängliche Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger deswegen, weil sich damit zwangsläufig die Frage der Erwartungen an den Prozess anknüpft.

Erwartungen und Begehrlichkeiten…

Ja, es ist ohne Zweifel, dass in solchen Diskussionsrunden, Gesprächen, Werkstätten und Befragungen Begehrlichkeiten, und Wünsche geweckt werden und sollen! Es werden vielerlei Erwartungen, Hoffnungen und Ansprüche zur zeitnahen Umsetzung von Projekten erhoben. Der Straßenausbau, der Umbau, die Sanierung der Schule, ein neues Schwimmbad, mehr Ärzte, Spielflächen, Sportplätze, uvm…

Wie Sie sich sicher denken können, wird und kann aber nicht alles gleichzeitig umgesetzt werden. Selbst wenn Einiges sogar langfristig nur Idee bleibt oder nicht realisiert werden kann – aus welchen Gründen auch immer – ist das ISEK jedoch wichtig und richtig!

Begründen Sie das bitte genauer.

Das ISEK sammelt Ideen, definiert Ziele und setzt einen Handlungsrahmen, damit die politischen Gremien in der Abwägung der verschiedenartigen Maßnahmen systematische Entscheidungen treffen können in welchem Jahr, in welchem Zeitraum was und mit welchem Geld/mit welchen Mitteln finanziert und umgesetzt werden kann. Gerade vor dem Hintergrund der immer knapper werdenden Haushalte in den Kommunen, sind deswegen gesamtstädtische und aufeinander abgestimmte Konzepte erforderlich. Die Umsetzung der Maßnahmen in einem ISEK erfolgt also nicht immer 1: 1 und kann nur peu a peu umgesetzt werden.

Da Stadtentwicklung nicht nur ein langfristiger, sondern auch ein dynamischer Prozess ist, ist auch eine gewisse Offenheit zur Fortschreibung und Anpassung an neue Rahmenbedingungen, etwa aufgrund der sich verändernden demografischen Entwicklung notwendig. Wichtigster Punkt ist hierbei jedoch, dass das Resultat nachhaltig politisch gestützt und umgesetzt wird und dass es künftige Kommunalwahlen überdauert und fortbesteht. Die Bearbeitung ist mit einer intensiven Bürgerbeteiligung erfolgt und nun ist die Verwaltung und Politik gefordert – damit Beteiligung kein Lippenbekenntnis bleibt.

Die Umsetzung haben wir also alle gemeinsam in der Hand!

Es wird immer wieder, z. B. vom Wochenblatt der Vorwurf erhoben, das ISEK wäre zu teuer. Was sagen Sie dazu?

Die Aussage ist natürlich vereinfacht und verkürzt! Selbstverständlich kostet die Bearbeitung eines breit angelegten Konzeptes zur zukünftigen Entwicklung einer Stadt Geld. Man kann die Bearbeitung als Kommune entweder fremd vergeben oder diese mit eigener Kompetenz erarbeiten. Für mich stellt sich jedoch viel eher die Frage, ob sich eine Stadt in einer Größenordnung wie Buchholz ein Stadtentwicklungskonzept leisten möchte oder ob man aus Spargründen weiterhin ohne eine aufeinander abgestimmtes Konzeption planen möchte?

Wozu brauchen wir ein ISEK, was haben wir davon?

Unabhängig davon sind kommunal aufeinander abgestimmte Stadtentwicklungsstrategien und Wohnraumversorgungskonzepte die unabdingbare Grundlage und Voraussetzung für Förderentscheidungen von Landes- Bundes sowie von europäischen Fördermitteln. Wir werden deswegen mit dem fertigen ISEK-Papier selbstverständlich die Referate der niedersächsischen Ministerien aufsuchen, um Fördermittel zu akquirieren.

Im Bereich der Städtebauförderung plant der Bund z. B. aktuell eine deutliche Aufstockung der Finanzhilfen, nämlich die Erhöhung der Bundesmittel um 600 Millionen Euro. Damit wird das Programmvolumen von 700 Millionen Euro jährlich verstetigt. Zudem soll das Programm „soziale Stadt“ mit 150 Millionen pro Jahr finanziell besser ausgestattet werden.

Außerdem soll die Wohnraumförderung deutlich verbessert werden, so dass die Frage nach bezahlbarem Wohnraum für kleine und mittlere Haushalte im Mittelpunkt der Förderung steht. Auch wird es künftig Förderbeiträge geben, die an die gestiegenen Baukosten angepasst sind.

Geplant ist zudem Zusatzdarlehen für die Installation von Aufzügen, für Mehraufwendungen bei besonderen Maßnahmen für Menschen mit Behinderung und für die Schaffung kleiner Wohnungen bereit zu stellen und Ersatzbaumaßnahmen in Verbindung mit dem Abriss unwirtschaftliche Bausubstanz soll künftig gefördert werden.

Auch haben Baumaßnahmen zur Energieeinsparung weiterhin hohe Priorität. Es werden u.a. Mittel aus dem Europäischen Fonds bereitgestellt, wie zum Beispiel die CO 2 Reduzierung im Wohnungsbestand sozial benachteiligter Quartiere, die dazu beitragen sollen, dass Modernisierungskosten nicht zu steigenden Mietkosten führen. Ein weiterer Fokus der zukünftigen Förderungen liegt zudem in der Deckung des Bedarfs an Wohnungen für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung, pflegebedürftige Menschen nach dem Grundsatz „ambulant vor stationär“- aber auch gemeinschaftliche und generationsübergreifende Wohnprojekte sowie die Wohnberatung.

Verwaltungsseitig haben wir bereits eine interne Datenbank mit den anerkannten Förderprogrammen angelegt, so dass wir permanent und fachübergreifend auf dem Laufenden sind und zielsicher prüfen können welche Programme wann angewendet werden können.

In die Zukunft gerechnet spart ein Stadtentwicklungskonzept also eher Geld!

Wo sehen Sie die Widerstände gegen das ISEK? Stören Sie hier nicht auch die Kreise von Investoren und andern Geschäftsleuten?

Zunächst einmal sehe ich sehr viele Menschen, die sich aktiv am ISEK beteiligen und die Interesse haben die Lebensqualität in Buchholz zu erhalten und zu steigern. Wir haben bis jetzt mehr als 1500 Eingaben bei den Expertengesprächen, Stadtspaziergängen, Onlineabfragen, Bürgerwerkstätten und Werkstätten mit Ortsräten und Stadtrat erhalten. Anfang Juli fand die 2. Bürgerwerkstatt in der Empore statt und ich war begeistert von dem großen Interesse und dem Engagement der Buchholzer Bürgerinnen und Bürger mitzuarbeiten um kreative Ideen einzubringen. Der 3. Stadtspaziergang ist mit großer Resonanz angenommen worden.

Widerstände von Investoren und Geschäftsleuten sehe ich zunächst nicht. Im Rahmen des Gutachtens zur Innenentwicklung, welches nach der Sommerpause starten wird, werden wir uns vor allen Dingen mit den Entwicklungspotenzialen in der Innenstadt beschäftigen. Das Projekt Innenentwicklung startet parallel zum ISEK und geht bereits einen Schritt weiter, weil wir auf der konkreten Maßnahmen-Ebene arbeiten werden. Es ist geplant, die Entwicklungspotenziale der Innenstadt zu untersuchen und Vorschläge zur Nachverdichtung zu entwickeln. Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir uns bei der Metropolregion Hamburg als eine von 36 Bewerberkommunen qualifizieren konnten und Buchholz als Leitprojekt ausgewählt wurde. Finanziell werden wir zu 80 Prozent aus dem Förderfond Hamburg/Niedersachsen unterstützt, die restlichen Mittel werden über drei Jahre durch die Kommune getragen.

Sie sehen also nicht, dass es Widersprüche zwischen den Interessen von Stadtentwickeln und Wirtschaft gibt?

Stadtentwicklung und Wirtschaft sind untrennbar miteinander verbunden und ich möchte diese Synergien zukünftig über dieses Projekt noch stärker beleben um die Stadt positiv weiterzuentwickeln. Es geht mir keinesfalls darum, mich in andere Wirkungskreise einzumischen, sondern vielmehr um die Bündelung von Kapazitäten und Ressourcen und um die Abstimmung von Interessen und Wünschen um das bestmögliche Ergebnis für die Stadt Buchholz zu erreichen.

Als Stadtplanerin und Architektin denke und arbeite ich interdisziplinär, ganzheitlich und in übergeordneten Zusammenhängen. Und gesellschaftliche Entwicklungen haben seit jeher Auswirkungen auf das Zusammenleben in einem Dorf oder einer Stadt und somit auch auf die gebauten und die sozialen Räume und auf die Menschen die in ihnen leben. Sei es durch das digitale Zeitalter oder durch die Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung, durch Erneuerungen im Mobilitätsverhalten, den großen Themen des Klimaschutzes, durch die unabsehbaren Zuströme von Immigranten unterschiedlicher Länder, die Altersarmut oder Veränderungen im Gesundheitswesen uvm. Stadtentwicklung ist also mehr als Planen und Bauen und wir haben gemeinsam künftig genügend Aufgaben und stehen vor große Herausforderung!

Außerdem bin der Meinung, dass sich eine moderne Stadtgesellschaft dadurch auszeichnet, sich den Anforderungen und den künftigen Aufgaben gemeinsam zu stellen und diesen durch interdisziplinäres Denken und Handeln entgegenzutreten. Hier sind Verwaltung, Wirtschaft, Politik und Bürgerschaft gleichermaßen gefordert. Wir sitzen schließlich alle in einem Boot!

Zum Wohnungsbau: In Buchholz werden vor allem Blocks mit teurem Miet- und Eigentumswohnungen gebaut. Die Ratsmehrheit hat sich auf die Fahnen geschrieben für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Wie sehen Sie diese Vorhaben?

Das vorliegende Wohnungsmarktkonzept zum ISEK bestätigt uns tatsächlich einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Buchholz, bzw. wir benötigen zukünftig Wohnraum in allen Segmenten – vom Miet- zum Eigentumsmarkt, von der kleinen Ein-Zimmer-Wohnung bis zum freistehenden Einfamilienhaus- für alle Zielgruppen – von Familien, Haushaltsgründern, Singles, Senioren, Geringverdienern bis hin zu Menschen mit Behinderungen.

Auch in den Expertengesprächen zum ISEK und bei dem 1. Stadtspaziergang „zwischen den Häusern“ wurde die Problematik der bezahlbaren Wohnungen deutlich. Wir sind verwaltungsseitig zurzeit auf der Suche nach Lösungen, um dem Thema adäquat entgegenzutreten. Damit preiswertes Wohnen gelingen kann, hat Hamburg z. B. bei der Erstellung der „Wohnungsbauoffensive“ (6.#000 Wohnungen pro Jahr) die sog. Drittel eingeführt: Dass bedeutet, dass mindestens ein Drittel geförderte Wohnungen bei Wohnanlagen und Vorhaben ab ca. 20 Wohneinheiten festgeschrieben sind. Die Aufteilung der anderen zwei Drittel ist frei zu gestalten, d. h. je nach Projekt können ein Drittel freifinanzierter Mietwohnungsbau und ein Drittel Eigentum ermöglicht werden – aber es können aber auch andere Mischverhältnisse gefordert oder zugelassen werden, z. B. Auch, wenn erforderlich, ein größerer Anteil an geförderten Wohnungen. Dieses in 2011 von dem Hamburger Senat und der Wohnungswirtschaft unterzeichnete Bündnis ist meines Erachtens ein vorbildliches Vorgehen um einer Segregation und Verdrängung entgegen zu treten. In ähnlicher – jedoch abgemilderter Weise – könnten wir auch agieren.

DSC_7918

Will eine „US-Heuschrecke“ hier schnelles Geld machen? Der Eingang des City Centers vom Marktplatz aus.

Von Kristian Stemmler

Wie lange hält sich das City Center noch? Mit Heymann und Lidl sind schon vor Monaten zwei Ankermieter gegangen, sechs von rund 30 Läden stehen leer – und es bröckelt weiter in der seit 25 Jahren bestehenden Einkaufspassage. Nach Informationen von buchholz express denken weitere Mieter über einen Auszug nach. So dürfte der beliebte Teeladen von Waltraud Baumgarten neben Rossmann, der neben zahlreichen Teesorten auch schöne Becher und Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge anbietet, demnächst das City Center verlassen. Die Geschäftsinhaberin ist auf der Suche nach einem neuen Standort.

Seit im Oktober 2012 vis-a-vis die Buchholz Galerie mit großem Tamtam eröffnet wurde und seit Heymann und Lidl gegangen sind (Lidl offenbar nur, weil der Lastenaufzug nicht in Stand gesetzt wurde), gehen die Kundenzahlen im City Center kontinuierlich zurück. Im Untergeschoss ist längst Totentanz. Dort machten nach Heymann und Lidl auch Streets Shoes und der Weinladen „Vom Fass“ dicht.

In der Harburger Rundschau des Hamburger Abendblattes erklärte Andrea Schulz, die „Vom Fass“ zusammen mit ihrem Mann Jörg betrieben hatte, vor kurzem, nach dem Auszug von Lidl, sei es mit der Laufkundschaft im Untergeschoss praktisch vorbei gewesen. Schulz richtete schwere Vorwürfe an Centermanager Franz Jebavy, der in keinster Weise geholfen hätte.

Das ist auch von anderen Ladeninhabern zu hören. „Der Jebavy ist doch völlig hilf- und ahnunglos“, heißt es etwa. Besonders seit die insolvente Secur-Gruppe, zu der das City Center gehört, im Sommer an den US-Investmentkonzern Cerberus Capital Management, eine der berüchtigten „Heuschrecken“, verhökert wurde, regiert das Chaos. Zuerst wurde groß getönt, es werde sich schon bald was tun, der Investor habe Pläne für das Einkaufszentrum.

Heute ist davon nicht mehr die Rede. Jebavy erklärte vor kurzem in der Harburger Rundschau allen Ernstes, es könne noch eineinhalb (!) Jahre dauern, bis die Läden im Untergeschoss wieder vermietet werden. Man arbeite „mit Hochdruck“ daran, neue Ankermieter zu finden, aber das dauere nun mal seine Zeit. Jebavy hat selbst offenbar kaum Handlungsmöglichkeiten, die Suche nach Mietern hat laut Harburger Rundschau die Acrest Property Group aus Berlin für Cerberus übernommen.

Der buchholz express (buchholzblog) hat bereits vor Monaten darauf hingewiesen, dass das City Center stark gefährdet ist und im Sommer die Frage in den Raum gestellt, was eine „Immobilien-Heuschrecke“ mit Einkaufszentren will. Angesichts des Kompetenzwirrwarr und der aktuellen Hinhaltetaktik entsteht schnell der Eindruck, der Investor wolle das Center gar nicht weiterbetreiben,sondern mit der Immobilie etwas anderes machen (soweit das überhaupt geht).

Auch der Buchholz Galerie scheint es nicht so gut zu gehen, wie immer wieder behauptet wird. Die Öffnungszeiten wurden bereits verkürzt, zu bestimmten Zeiten herrscht gähnende Leere in der Mall. Die Überlegung von Bürgermeister Wilfried Geiger, der Bau der Galerie würde die Innenstadt beleben und damit auch allen anderen Einzelhändern zugute kommen, scheint nicht wirklich aufzugehen. Von den versprochenen blühenden Landschaften kann nicht die Rede sein.

Das City Center zumindest wird immer mehr zur Wüste. Wegen der vielen leeren Ladenflächen wirkt die Passage noch trostloser als ohnehin schon. Der verblichene Charme der 80er, das blassgelb der Wände, die albernen Palmen und die billig wirkenden Metallpaneele tun ihr übriges. Hier müssten allein baulich Millionen investiert werden. Bezeichnend übrigens, dass das Center auf seiner Homepage unter „Aktuelles“ seinen Kunden „frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014“ wünscht…

Von Kristian Stemmler

Gibt es doch noch eine Rettung für das City Center? Wie in Buchholz gemunkelt wird, könnte in das unter der neu eröffneten Buchholz Galerie leidende Einkaufszentrum ein Sportartikler einziehen, auch von einem Elektrofachmarkt ist zu hören. Wenn sich diese Gerüchte bewahrheiten würde, wäre das wohl die Rettung des City Center, denn diese beiden Geschäften wären wohl sichere Frequenzbringer.

Auch sonst ist das Management ganz offensichtlich bemüht, das Center zumindest schon mal optisch aufzumöbeln. Die leerstehende Fläche von Heymann wurde mit Türen verschlossen, die mit Bildern von shoppenden Menschen beklebt sind, so dass der Leerstand schon mal nicht mehr so auffällt. Ein Stockwerk höher hat man in die leerstehende Fläche des ausgezogenen Bäckers schon mal ein paar Stühle gestellt, so dass auch dieser Leerstand optisch nicht mehr so ins Gewicht fällt.

Auch sonst gibt man sich Mühe, Leben ins Center zu bringen. Am kommenden Sonnabend, 24. November, sind alle Buchholzer zu Astrid Blohms Kunsthandwerkermarkt im Untergeschoss des Einkaufzentrums eingeladen. Derartige Veranstaltungen haben sicher mehr Charme und Zweck als irgendwelche kleinen Ausstellungen mit Plastikdinosauriern oder ähnliches.

Mein Abgesang auf das City Center im blog könnte sich also doch noch als verfrüht erweisen. Dann täte es mir leide und ich wünsche allen Einzelhändler des City Centers viel Erfolg!

Von Kristian Stemmler

Das dürfte das endgültige Aus für das City Center sein. Wie der buchholzblog von gut unterrichteter Seite erfuhr, wird Lidl spätestens im April das Einkaufszentrum im Herzen von Buchholz verlassen. Damit verliert das Center nach Heymann den zweiten Ankermieter und dürfte nicht mehr zu halten sein. Mein Nachruf aus Anlass der Eröffnung der Buchholz Galerie war also keineswegs verfrüht.

Spätestens jetzt muss auch die Stadt sich überlegen, wie es an diesem Ort weitergehen soll. Wie berichtet, antwortete die Verwaltung kürzlich auf eine entsprechende Anfrage von mir im Stadtrat noch, sie sei optimistisch, dass das Center überleben könne, und mache sich derzeit daher keine Gedanken über eine andere Nutzung. Auch Bürgermeister Wilfried Geiger hatte kürzlich geäußert, es werde wohl eine kurze Durststrecke für das City Center geben, insgesamt werde das Einkaufszentrum aber von der Galerie profitieren.

Von Kristian Stemmler

Das Wettrüsten hat begonnen! In der Buchholzer Innenstadt versuchen die etablierten Einzelhändler, sich mit Abwehrangeboten gegen die große neue Konkurrenz, die Buchholz Galerie, zu behaupten. Im City Center etwa wirbt das Schuhgeschäft mit Outletverkauf, in der Breiten Straße locken die Klammottenläden mit Rabatten („20 Prozent auf alles!“) und die Geschäfte der Neuen Straße halten mit einer Couponaktion dagegen, die im Nordheide Wochenblatt präsentiert wurde – pikanterweise in der Beilage, mit der die Galerie bejubelt wird.

Das zeigt, dass die Buchholzer Einzelhändler offenbar den Ernst der Lage begriffen haben. Ihnen scheint klar zu sein, dass die Galerie eine Sogwirkung entfalten kann, die ihre eigenen Umsätze auf breiter Front einbrechen lassen könnte. Nun laufen die Leute derzeit natürlich noch alle in die Shopping Mall, weil sie brandneu ist. Wie sich die Galerie aufs Gefüge des Buchholzer Einzelhandels tatsächlich auswirkt, wird sich erst feststellen lassen, wenn die „Flitterwochen“ vorbei sind.

Dennoch finde ich es mindestens ambivalent, wenn sich die örtliche CDU das Verdienst, die Buchholz Galerie in die Stadt geholt zu haben, ans eigene Revers heftet, weil die Entscheidung für das Shopping Center zufällig in die Zeit der CDU-geführten Mehrheit fiel. Ob das eine Entscheidung zum Wohl der Gemeinde war, muss sich nämlich erst noch herausstellen, Leute! Im Moment kann ich nur erkennen, dass die Politik den großen Ketten die Tür geöffnet hat und dass vermutlich nicht nur das komplette City Center über die Klinge springen wird, sondern auch noch etliche andere Einzelhändler.

Natürlich macht der heimische Einzelhandel derzeit noch gute Miene zum bösen Spiel, denn bekanntlich ist nichts geschäftsschädigender, als ins Gerede zu kommen. Da die Galerie nun mal da ist, hofft man offenbar, dass, wie es Politik und Verwaltung versprochen haben, das Einkaufszentrum mehr Kunden nach Buchholz zieht und diese auch noch in anderen Geschäften einkaufen. Sicher lässt sich kaum bezweifeln, dass die Galerie zusätzliche Kunden in die Stadt locken wird bzw. dass Buchholzer in der Galerie Einkäufe tätigen werden, für die sie sonst in Hamburg gefahren wären. Nur ist die Frage völlig offen, wie viele Kunden das sein werden – und vor allem steht in den Sternen, ob die dann wirklich etwa in die Neue Straße gehen.

Vor diesem Hintergrund finde ich die Stellungnahme von Wolfgang Schnitter, Chef der Buchholzer Wirtschaftsrunde, zum Thema Galerie im Wochenblatt doch ein wenig bedenklich. Dass die Nachfrage in Buchholz noch nicht gesättigt ist, wie er meint, mag ja sein. Aber den Hinweis auf mögliche Verdrängung durch die Galerie mit der lapidaren Feststellung zu kontern, in der Wirtschaft redeten doch immer alle von Wettbewerb, dann müsste sie sich diesem auch stellen – das halte ich nicht gerade für Lokalpatriotismus! Ich hatte eigentlich gedacht, dass die Wirtschaftrunde die Interessen der Buchholzer Wirtschaft vertritt.

Im Moment ist noch Gesundbeten angezeigt. Hinter Schnitters Äußerungen steckt vermutlich die Überlegung, dass wir es hier mit einer unvermeidlichen Flurbereinigung zu tun haben. Einige Einzelhändler, die nicht mithalten können, gehen den Bach runter, aber die profilierten Spezialgeschäfte finden ihre Nischen und überleben. Mag sein, dass dieses Kalkül aufgeht – möglicherweise aber entfaltet sich die Sogwirkung der Galerie auch auf negative Weise, so dass am Ende nur die Galerie selbst und ein Kranz von Läden drumherum florieren. Und der Rest der Einzelhändler siecht dahin.

Goodbye City Center!

Veröffentlicht: 2012-10-15 in Lokales, Politik
Schlagwörter:,

Von Kristian Stemmler

Auf Wiedersehen, City Center! Wenn man nicht alles täuscht, sind die Tage des antiquiert wirkenden Einkaufszentrums gezählt. Mit Heymann ist jetzt ein wichtiger Frequenzbringer ausgezogen, denn wie die lokale Presse berichtet, konnte die Buchhandlungskette sich mit dem Centermanagement einigen und den Mietvertrag vorzeitig beenden. Heymann geht, wie berichtet, in die Buchholz Galerie, die am Donnerstag eröffnet wird.

Spätestens an diesem Tag wird im City Center gähnende Leere herrschen. Schon heute war deutlich erkennbar, was der Wegfall von Heymann bedeutet, denn am Abend war es deutlich leerer als an anderen Montagabenden. Die Frau des Bürgermeisters habe ich zwar gesehen, aber das nützt jetzt auch nichts mehr… Das City Center macht schon optisch einen sterbenden Eindruck: Mit der Heymann-Fläche stehen jetzt schon vier Läden leer – das macht keinen guten Eindruck!

Gegen die geballte Power von H & M und den ganzen Marken von Ramelow haben die Klamottenläden im City Center keine Chance. Dasselbe gilt wohl für Rossmann, wenn der riesige dm-Markt in der Galerie aufgemacht hat. Zudem ist das Center einfach baulich und gestalterisch in einem miesen Zustand. Das Blassgelb der Wände, die albernen Palmen, die Spiegel und Metallapplikationen, das sieht alles nur altbacken und billig aus.

Natürlich ist es für die funktionierenden kleinen Läden im City Center bedauerlich. Aber selbst wenn sie ihre Stammkundschaft haben, werden sie die neue Konkurrenz sicher zu spüren bekommen, denn es wird eine Menge Laufkundschaft wegfallen. Und zudem ist ein Dominoeffekt zu befürchten. Das heißt: Wenn erst Flächen leerstehen und weniger Leute shoppen gehen, leidet die Atmosphäre und die Stimmung, und es kommen immer weniger. In einem anderen Zusammenhang nennt man das den Brocken-Window-Effekt.