Mit ‘Bürgermeisterwahl’ getaggte Beiträge

Screenshot Zinnes SeiteVon Kristian Stemmler

Joachim Zinnecker gibt Gas. Der Fraktionschef der Grünen im Buchholzer Stadtrat, der als Kandidat der Grünen, der SPD und der Buchholzer Liste ins Rennen um das Amt des Bürgermeisers geht (die Wahl ist am 25. Mai), startet jetzt auch online durch. Auf der professionell gemachten Homepage www.joachim-zinnecker.de und auf facebook präsentiert er Daten über seine Person und stellt umfassend seine Ziele für die Stadt dar. Damit liegt Zinnecker im Wahlkampf klar vorn.

Der zentrale Slogan von Joachim Zinneckers Wahlkampf ist „Zinne bewegt Buchholz“. Das verweist zum einen auf das wichtige Thema Verkehr, zum anderen auf die Notwendigkeit und Absicht, Buchholz zu verändern und aktiv nach vorn zu bringen. Auf der Homepage erfährt der Leser, dass der Kandidat am 1. Juli 1955 in Osterode/Harz geboren wurde, Abi 1975 in Northeim machte, seit 1982 mit seiner Frau Sabine verheiratet ist und drei erwachsene Kinder im Alter von 26, 29 und 31 Jahren hat.

Neben seinem „Hobby Politik“ bleibe noch Zeit zum Tanzen mit seiner Frau. Im Urlaub fahre er gern Kanu oder gehe mit Freunden auf Radreisen. Als Smut werde er gern auf Reisen der Segelkameradschaft Buchholz mitgenommen. Fit halte er sich im Sommer auf dem Rennrad und im Winter auf Skiern. Sein persönliches Motto, so bekennt Zinnecker: „Ich mag Menschen!“

Natürlich gibt es auch reichlich Infos über seinen beruflichen und politischen Werdegang. Zum Beispiel, dass Zinnecker seit 1992 im Rat der Stadt, also ein erfahrener Kommunalpolitiker ist, dass er von 2001 bis 2006 stellvertretender Bürgermeister ist und dann wieder seit 2012. Auch über seinen beruflichen Lebenslauf erfährt man Wissenswertes. Von seinem Studium des Bauingenieurswesens, der Siedlungswasserwirtschaft und des Städtebaus an der Uni Hannover, von seiner Tätigkeit bei der Hamburger Stadtentwässerung und von seinem aktuellen Posten als Geschäftsführer von servtec, einer Tochter von Hamburg Wasser, die zum Beispiel Glasfasernetze ausbaut.

Natürlich stellt Joachim Zinnecker auf der Homepage auch sein „Regierungsprogramm“ vor. Und das liest sich vielversprechend. Hier eine Übersicht, Näheres finden Sie auf der Homepage:

  • Erhalt der lebendigen und grünen Stärken der Stadt Buchholz
  • Interessen der Generationen in Einklang bringen.
  • Förderung der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Rat über Parteigrenzen hinweg
  • Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern in Buchholz
  • Ausweisung von Wohn- und Gewerbeflächen, die zum Charakter der Stadt passen
  • Entlastung der Innenstadt mit ganzheitlichem Ansatz bei der Verkehrsinfrastruktur
  • Schaffung von Rahmenbedingungen für bezahlbaren Wohnraum für Jung und Alt
  • Förderung von Kunst, Kultur, Sport und Städtepartnerschaften zur Verbesserung der Lebensqualität
  • Stärkung der Identifikation der Buchholzer mit ihrer liebenswerten Stadt
  • Finanzpolitik und wirtschaftliche Vernunft bei den Investitionsvorhaben
  • Leistungsorientierung in der Verwaltung und den städtischen Unternehmen
  • Willkommenskultur für Alt- und Neubürger aus allen Kulturen

Von Kristian Stemmler

Offenbar hat die SPD immer noch nicht verdaut, dass sie keine Volkspartei mehr ist – im Bund jedenfalls nicht und in Buchholz auch nicht. Eingedenk alter Zeiten macht man sich aber nach wie vor gern größer als man ist. Diesen Eindruck muss der politisch interessierte Beobachter bekommen, wenn er die aktuelle Pressemitteilung der Buchholzer Sozialdemokraten zur Bürgermeisterwahl liest.

Die Buchholzer SPD schickt Joachim Zinnecker ins Rennen um das Amt des Buchholzer Bürgermeisters“, heißt der erste Satz. Habe ich da etwas nicht mitbekommen? Soweit ich mich erinnern kann, gab es schon vor einigen Wochen eine Mitgliederversammlung der Grünen im Deutschen Hof, auf dem die Partei ihren langjährigen Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat für die Wahl am 25. Mai nominiert hat.

Vermutlich kommt es die Sozialdemokraten schwer an, dass sie keinen eigenen Kandidaten aufbieten können, nachdem der Noch-Ortsvereinsvorsitzende Remo Rauber aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hat. Darüber kann auch nicht die große Mehrheit von 38 zu 3 hinwegtäuschen, die am Sonnabend bei der Mitgliederversammlung der SPD im Hotel „Zur Eiche“ für die Unterstützung Zinneckers im Wahlkampf votierte.

Von dieser Empfindlichkeit der Sozis abgesehen, kann man die Pressemitteilung, wenn man Anhänger des rot-grünen Lagers ist, sicher so stehen lassen. Deshalb hier die folgenden drei Absätze im Wortlaut:

Zinnecker konnte durch seine berufliche und kommunalpolitische Vita seine Eignung für dieses Amt unterstreichen. Durch seine fast zwanzigjährige Ratsmitgliedschaft sind ihm die Probleme und Chancen der Stadt sehr bewusst. Seine Geschäftsführertätigkeit in privaten und öffentlichen Unternehmen qualifiziert ihn einerseits als Vorgesetzten der Stadtverwaltung, andererseits öffnet sie seinen Blick für die wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Auf die Fragen der SPD-Mitglieder zur Verkehrspolitik machte er klar, dass er gegen die derzeitige gigantomanische Ostring-Planung sei, aber sich eine kostengünstige Bypass-Lösung entlang der Bahn durchaus vorstellen könne. Altbürgermeister Norbert Stein freute sich, dass die Buchholzer SPD die Größe und Weitsicht gezeigt habe, nicht nur nach Parteibuch zu entscheiden, sondern in erster Linie nach Eignung und Befähigung.

Joachim Zinnecker ist der Mann, der in der Lage ist, alle Kräfte der Mitte und diesseits von Schwarz-Gelb zu bündeln und unsere Stadt voran zu bringen“, ist Stein überzeugt und gibt sich kämpferisch: „Unser Ziel ist, im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit für Zinnecker zu erreichen und den Buchholzer Bürgern eine kostspielige Stichwahl zu ersparen.“

Porträt RöhseWenn er am 25. Mai zum Bürgermeister von Buchholz gewählt werden würde, will der frisch gekürte Kandidat der Buchholzer CDU, der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, das „häufig spürbare Misstrauen“ zwischen Politik und Verwaltung abbauen. Das sagte Röhse im Interview mit dem buchholzblog. Die Verwaltung sehe er gut aufgestellt. Im Wahlkampf werde die Stadtentwicklung ein großes Thema sein, aber auch der Verkehr. Er glaube aber nicht, dass es diesmal zu einem „Ostring-Wahlkampf“ kommen werde. Röhse ist seit knapp 20 Jahren verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 8 und 14 Jahren. In seiner Freizeit hält er sich fit durch Laufen, er kocht gern. Seit 2004 ist Röhse Mitglied der CDU. Hier das Interview:

Kristian Stemmler: Herr Röhse, waren Sie überrascht, dass Sie so viele Gegenkandidaten aus der CDU hatten?

Jan-Hendrik Röhse: Alle Kandidaten wussten voneinander, und mir war von Anfang an klar, dass es parteiintern starke Konkurrenz geben würde. Das muss man als Kandidat aushalten.

Der Abstand zu Frau Gedaschko im zweiten Wahlgang war ja dann recht deutlich, aber immerhin hat etwa ein Drittel sie nicht gewählt. Reicht Ihnen das Votum als Rückendeckung?

Die CDU steht geschlossen hinter mir. Natürlich ist man als Kandidat oder auch als Unterstützer eines Kandidaten enttäuscht, wenn es mit der eigenen Wahl nicht klappt. Wir sind aber alle erwachsen genug, um zu wissen, das eine Wahl nur mit vereinten Kräften zu gewinnen ist.

Glauben Sie, dass die FDP Ihre Kandidatur mitträgt?

Ich werde das Gespräch mit der FDP suchen und um deren Unterstützung werben.

Sie sind ja seit fünf Jahren als Erster Stadtrat in der Verwaltungsspitze der Stadt. Wo sehen Sie die Probleme in Buchholz insgesamt, aber auch in der Verwaltung?

Ich sehe die Verwaltung gut aufgestellt für die Aufgaben, die vor uns liegen. Wirkliche Probleme sehe ich da nicht – alles andere bespreche ich zunächst intern. Im Hinblick auf das Verhältnis Verwaltung/Politik missfällt mir das zumindest aus meiner Sicht häufig spürbare Misstrauen der Politik gegenüber der Verwaltung. Es wäre mir ein wichtiges Anliegen, dieses von mir so empfundene Misstrauen abzubauen.

Was sind Ihre Pläne, Ideen, Perspektiven für Buchholz, wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Im Wahlkampf wird sicherlich das Thema Verkehr eine Rolle spielen, wenngleich ich nicht davon ausgehe, das wir einen Ostring-Wahlkampf erleben werden. Ein wichtiger Schwerpunkt wird unter der Überschrift Stadtentwicklung liegen. Hier gilt es, die Weichen für die Zukunft zu stellen. In welche Richtung ich die Weichen stellen möchte, wird in Kürze meinem Wahlprogramm zu entnehmen sein, auf das ich an dieser Stelle verweisen möchte.

Wie ist Ihre Haltung zum Buchholzer Thema No. 1, dem Ostring? Als Kandidat der CDU sind Sie vermutlich für die Ostring.

Im Kommunalwahlkampf 2006 habe ich für den Ostring geworben. Ich halte meine damalige Auffassung auch heute für richtig. Allerdings muss man die Entwicklung in dieser Frage seit 2006 mit in die Überlegungen einbeziehen.

Glauben Sie denn noch daran, dass das Verwaltungsgericht Lüneburg dem Landkreis in dieser Sache recht gibt?

Ich will nicht darüber spekulieren, wie das Berufungszulassungsverfahren vor dem OVG ausgehen könnte. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder wird es am Ende eines gerichtlichen Verfahrens einen Planfeststellungsbeschluss geben, oder nicht. Im ersten Fall wird der Ostring gebaut – über die Dimensionierung wird dann noch zu reden sein. Im letzteren Falle muss ebenfalls eine Lösung der Verkehrsproblematik kommen, die ich in einer alternativen Ostumgehung sehe. In keinem Falle kann die Situation bleiben, wie sie ist.

Ihr wichtigster Kontrahent, Joachim Zinnecker von den Grünen, hat einen anderen, offeneren Führungsstil als Bürgermeister versprochen. Wie würden Sie die Verwaltung führen?

Wie ich die Verwaltung führen werde, bespreche ich zuerst mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, denen mein Führungsstil ja bereits bekannt ist.

Wo sehen Sie Ihre Stärken und Schwächen in Hinsicht auf das Bürgermeisteramt? Sind Sie jemand, der sich in eine Materie detailliert hineinarbeitet oder eher Generalist, jemand der eher zuhört oder eher Ansagen macht?

Beides ist notwendig. Man muss zuhören können und auch Richtungsentscheidungen treffen, die noch nicht in allen Details vorgeprüft sein müssen. Wenn es dann aber um die konkrete Ausgestaltung der einzelnen Entscheidungen geht, ist es zwingend notwendig, sich detailliert in die Materie einzuarbeiten, weil man sonst Gefahr läuft, Versprechungen zu machen, die nicht eingehalten werden können. Es bringt nichts, vor einer erwartungsvollen Versammlung zu sagen „Das machen wir…“, um dann später kleinlaut zugeben zu müssen, dass es nun doch nichts wird, weil man ein kleines Detail nicht bedacht hat. Beruflich geprägt hat mich ein sehr erfahrener Anwalt, der mir immer wieder gesagt hat, wie wichtig es ist, das man seinen eigenen Standpunkt stets kritisch überprüfen und – wenn es sein muss – auch korrigieren sollte.

Mancher sieht Sie als jemanden, der sich als Jurist oft zu sehr an Paragraphen orientiert und nicht politisch genug denkt? Was sagen Sie zu der Kritik?

Auch hier gilt, dass alles, was ich politisch durchsetzen möchte, auch tatsächlich umsetzbar sein muss. Natürlich muss man zielorientiert und möglichst pragmatisch an die Aufgaben herangehen und nicht alles von Anfang an in Frage stellen. Ich werde mich also keinesfalls hinter irgendwelchen Gesetzbüchern verstecken. Als Verwaltung müssen wir allerdings nach Recht und Gesetz arbeiten. Da hat es die Politik einfacher, denn sie kann Anträge stellen und muss sich nicht darum kümmern, ob und wie die Ideen verwirklicht werden können. Die Verwaltung muss die Entscheidungen umsetzen. Und sie muss dann vielleicht in dem einen oder anderen Falle sagen : „Gute Idee, aber geht nicht.“ Die Kunst ist, so kreativ zu sein, das man gute Ideen pragmatisch umsetzt und gleichzeitig alles richtig ist.

Sie haben in den USA gelebt. Hat Sie das geprägt?

Ja. Nicht nur durch mein Studium des internationalen Rechts an der George Washington University in Washington, D. C., sondern auch durch meine familiäre Situation – meine Frau ist „Ausländerin“, meine Kinder haben doppelte Staatsbürgerschaften, meine Schwiegermutter lebt in Mexiko und die Familie meines Schwagers stammt aus Indien – würde ich mich als weltoffen und tolerant bezeichnen. In diesem Sinne erziehe ich auch meine Kinder.

Haben Sie schon Ideen für Ihren Wahlkampf?

Klar habe ich schon Ideen für den Wahlkampf…

Herr Röhse, danke für das Gespräch!

Porträt RöhseVon Kristian Stemmler

Das erste Etappenziel hat er erreicht: Jan-Hendrik Röhse (49) ist am späten Freitagabend von der Mitglieder-versammlung der CDU Buchholz zum Kandidaten der Partei bei der Bürgermeisterwahl am 25. Mai gewählt worden. Der Erste Stadtrat erreichte im zweiten Wahlgang etwa zwei Drittel der Stimmen und setzte sich damit gegen die Verwaltungsbeamtin Karin Gedaschko aus Holm-Seppensen durch. Damit kommt es zu dem vom buchholzblog bereits vor Wochen prognostizierten Duell zwischen Röhse und Joachim Zinnecker, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat.

Einen zweiten Wahlgang gab es auch im Februar 2009, als Röhse in sein heutiges Amt gewählt wurde. Damals erreichte er mit den 22 Stimmen der konservativen Mehrheit im Rat knapp das notwendige Quorum von 20 Stimmen. Seine Wahl war umstritten, weil es im ersten Wahlgang im Dezember zu einem Rechtsfehler gekommen war, der erst später bemerkt wurde. Einen zweiten Wahlgang sieht die niedersächsische Kommunalverfassung eigentlich nicht vor.

Als Erster Stadtrat ist der Jurist der zweite Mann hinter Bürgermeister Wilfried Geiger, der im Mai nicht noch mal antritt. In seiner fachlichen Zuständigkeit ist Röhse Sozial- und Schuldezernent, leitet das Dezernat II, zu dem auch die Bereiche Verkehr und Ordnung gehören. In dieser Funktion hat er sich nicht nur Freunde gemacht, was in diesen Fachbereichen, deren Arbeit viele Bürger betrifft, aber auch nicht immer zu vermeiden ist.

So wird der Hockeyfan von den Anwohnern des Kunstrasenplatzes an der Wiesenschule, die gegen den Vereinsbetrieb auf dem Platz geklagt haben, scharf kritisiert. Dort dürfte er eher wenig Stimmen bekommen. Das Wochenblatt ging Röhse zuletzt wegen vermeintlicher Versäumnisse im Umgang mit dem Obdachlosen Rolf Pöker an, behandelt ihn insgesamt bisher aber eher pfleglich. Den Eltern der Mühlenschule in Holm-Seppensen musste Röhse die Verzögerungen beim Neubau der Sporthalle erklären, die allerdings thematisch in das Dezernat von Stadtbaurätin Doris Grondke fallen.

Bevor er vor fünf Jahren in die Verwaltung wechselte, arbeitete Jan-Hendrik Röhse als Anwalt und Notar in der Kanzlei Stöver, die vom CDU-Ratsmitglied Jan Stöver, auch Vorsitzender von Haus & Grund Buchholz, geführt wird. Ob aus dieser Zeit eine Nähe zu Grundstückseigentümern und Investoren übrig geblieben ist, sei dahin gestellt.

In den kommenden Wochen wird es darauf ankommen, wem es besser gelingt, sich in der Bevölkerung bekannt zu machen: Röhse oder Zinnecker? Man darf auf den Wahlkampf gespannt sein. Intellektuell sind die beiden Duellanten auf Augenhöhe, Röhse kennt sich sicher in der Verwaltung besser aus, dafür kann man bei Zinnecker mehr politischen Instinkt erkennen. Beiden ist aber zuzutrauen, dass sie an ihren jeweiligen Defiziten arbeiten.

Bekleidungstechnisch liegt Röhse, der immer picobello in Schale ist, vorn: Wenn er die Wahl im Mai gewinnt, dürfte er der bestangezogene Bürgermeister in der Geschichte von Buchholz sein…

Porträt RemoVon Kristian Stemmler

Paukenschlag im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Buchholz: Der Kandidat der SPD, Remo Rauber, auch Ortsvereinsvorsitzender seiner Partei, verzichtet auf seine Kandidatur. In einer Presseerklärung nannte Rauber für seinen überraschenden Schritt gesundheitliche Gründe. „Auf ärztliches Anraten habe ich mich dazu entschlossen, auf meine Gesundheit Rücksicht zu nehmen und bin deshalb zu dem Ergebnis gelangt, rechtzeitig diesen Schritt zu vollziehen“, heißt es in der Erklärung. Auch alle seine politischen Ämter, Rauber ist neben seiner Tätigkeit im Vorstand des Ortsvereins noch im Kreistag, wolle er niederlegen. Aufsichtsratschef der Wirtschaftsbetriebe möchte Rauber bleiben.

Nach dieser überraschenden Wendung werden die Karten in Sachen Bürgermeisterwahl neu gemischt. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt erklärte Raubers Stellvertreterin im Ortsverein, Silva Seeler, der SPD-Vorstand werde sich so bald wie möglich treffen, eventuell schon an diesem Wochenende. „Wir müssen nun sehen, ob sich ein neuer Kandidat findet oder ob wir den Kandidaten einer anderen Partei empfehlen oder unterstützen werden“, sagte Seeler.

Wenn sich in der SPD kein anderer Kandidat findet, wird die Partei voraussichtlich den von den Grünen nominierten Kandidaten Joachim Zinnecker unterstützen. Damit stände das rot-grüne Lager plus Buchholzer Liste (und meiner Wenigkeit) geschlossen hinter Zinnecker, der als aussichtsreichster Herausforderer des konservativen Kandidaten gilt. Sowohl bei den Grünen als auch in Teilen der SPD hatte es zuletzt einigen Unmut gegeben, weil mit Raubers Aufstellung das rot-grüne Lager gespalten worden sei.

Spannung verspricht die Kandidatenkür im konservativen Lager, die am kommenden Freitag bei der Mitgliederversammlung der Buchholzer CDU abgeschlossen wird. Eine Findungskommission hatte den Ersten Stadtrat, Jan-Hendrik Röhse, erwählt, an das Votum sind die Mitglieder aber nicht gebunden. Röhse hat inzwischen ernstzunehmende Konkurrenten, vor allem Karin Gedaschko, Frau des früheren Landrats und Hamburger Senators Axel Gedaschko.

Karin Gedaschko hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Verwaltung. Die Juristin ist Dezernatsleiterin bei der Polizeiinspektion Lüneburg im Rang einer Oberregierungsrätin. 15 Jahre lang war sie CDU-Fraktionschefin im Ortsrat Holm-Seppensen, sie ist Mitglied des Kirchenvorstands der Martin-Luther-Gemeinde in Holm-Seppensen, lebt seit mehr als 25 Jahren in dem Buchholzer Ortsteil. Dem Nordheide Wochenblatt sagte Gedaschko, sie wolle „jahrelange Verkrustungen“ im Stadtrat aufbrechen, stehe für einen Neuanfang.

Weitere Herausforderer von Röhse sind CDU-Ratsherr Ralf Becker aus Steinbeck, der als Prokurist im Vertrieb der Ostfriesischen Teegesellschaft (OTG) arbeitet, und CDU-Ratsfrau Sigrid Spieker, die in einer Dienstleistungsfirma der Krankenhaus Buchholz und Winsen gem. GmbH Chefin von 79 Angestellten ist. Nach Ansicht des buchholzblogs tut sich die CDU den größten Gefallen, wenn sie Röhse nominiert, da er der aussichtsreichste (und profilierteste) Gegenkandidat von Zinnecker sein dürfte.

Soviel Gedränge auf der „Startbahn“ wie diesmal dürfte es im Vorfeld einer Bürgermeisterwahl in Buchholz wohl noch nicht gegeben haben. Denn neben den Kandidaten der Parteien wollen auch noch vier Einzelkandidaten antreten. Sicher ist die Kandidatur des Maklers Ronald Bohn, der extra aus der FDP ausgetreten ist, um seine Unabhängigkeit zu beweisen. Von Betriebsrat Uwe Schulze, dem Gleisbauer Christian Thal und dem bunten Vogel Erich Romann fehlen noch die 190 Unterschriften, die für eine Kandidatur benötigt werden. Schulze und Bohn ist bei der Wahl am 25. Mai durchaus ein Achtungserfolg zuzutrauen.

DSC_0044Die Zahl der Interessenten für das Amt des Bürgermeisters von Buchholz wächst weiter. Am heutigen Mittwoch hat der Betriebsrat und Blogger Uwe Schulze (gegengift.eu) die Unterlagen für eine Kandidatur im Rathaus abgeholt. Er muss jetzt 190 Unterschriften zusammen-bekommen. Auch auf der konservativen Seite hat sich ein weiterer Bewerber erklärt. CDU-Ratsherr Ralf Becker will auf der Mitgliederversammlung der CDU am 17. Januar gegen den Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse antreten, den die Findungskommission der Partei benannt hatte. Das berichtet das Nordheide Wochenblatt.

Der buchholzblog hat Uwe Schulze nach den Beweggründen für seine Kandidatur und seinen politischen Vorstellungen befragt. Hier das Interview:

Kristian Stemmler: Uwe, es gibt schon reichlich Bewerber für das Amt des Bürgermeisters von Buchholz, darunter drei Einzelbewerber. Was hat Dich bewogen, da auch noch den Hut in den Ring zu werfen?

Uwe Schulze: Ich lebe seit 47 Jahren in dieser Stadt und habe den Wandel von Buchholz miterlebt. In dieser Zeit habe ich einige Bürgermeister und eine Bürgermeisterin im Amt gesehen, die sich von Amtszeit zu Amtszeit nur einen Schlagabtausch geliefert haben. Dieser Schlagabtausch beinhaltete meist nur Negatives für Buchholz.

Ob es nun der Abriss des alten Rathauses war oder die Mitteilung, dass die Passage zukünftig das Stadtzentrum darstellen sollte. Eine Fußgängerzone für Buchholz die an der falschen Stelle errichtet wurde und der gnadenlose Abriss von alten und historischen Bauten in Buchholz. Auch der völlig unnötige Treppenabgang an der Canteleu-Brücke ist ein wahrer Erguss von Verschwendung der Steuergelder. Die Verkehrsplanung und die Umsetzung treibt den Buchholzern heute Tränen in die Augen. Wir müssen aus der mittlerweile verkorksten Innenstadt das Beste machen. Buchholz wurde vermarktet nach Strich und Faden, wobei das Gewicht bei der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt falsch verteilt wurde. Das sind nur einige Gründe warum ich den Hut in den Ring werfe. Es ist Zeit Buchholz etwas zurückzugeben. Buchholz muss seinen Charme und seinen Glanz wieder bekommen.

Du meinst es also ernst, das ist keine Kabarettnummer?

Ja, es ist mir sehr ernst mit der Kandidatur. Kristian, mit so etwas macht man keinen Spaß. Auch wenn ich dafür bekannt bin, wilde Aktionen durchzuführen um auf Themen aufmerksam zu machen, schließlich habe ich schon mal meine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten eingereicht. Aber es bleibt dabei, ich meine das sehr ernst mit dieser Kandidatur. Hier geht es um meine Heimatstadt.

Wie grenzt Du Dich von den anderen Bewerbern ab?

Das ist recht einfach, ich bin sehr bürgernah und scheue keine Diskussionen. Betrachte ich einmal die klassische Aufgabe eines Bürgermeisters, dann kommt mir diese aus meinem derzeitigen Beruf sehr vertraut vor. Ich bin nun etliche Jahre schon von zwei Gremien Vorsitzender und dazu immer ein Freund vom offenen Gespräch. Ich habe nicht vor, das für die Zukunft abzuschalten. Mir ist bekannt das viele Anliegen der Bürger auch meine Anliegen sind.

Worum geht es Dir politisch? Was sind Deine Ziele für Buchholz?

Die Bürgerinnen und Bürger müssen wieder ein Gefühl der Beachtung erhalten, sie müssen einbezogen werden. Das geht beispielsweise mit einer Bürgerbeteiligung. Und nun meine reinen Gedanken, was keine Pläne oder Versprechen sind:

  • Es wäre total schön, wenn Buchholz ein Zuhause für viele Menschen werden kann, die in der Idylle leben möchten. Egal aus welchem Grund und egal welcher Herkunft.
  • Kitaplätze schaffen, und zwar bezahlbare. Auch die Wartezeiten auf einen Kitaplatz müssen gering gehalten sein. Es kann nicht sein, dass eine Familie bereits beim ersten Gedanken an eine Familie schon einen Platz in einer Kita beantragen muss.
  • Bezahlbaren Wohnraum schaffen, und nicht nur Wohnraum schaffen, der Buchholz zu einer Stadt der unbezahlbaren Wohnungen machen lässt. Wir sind Buchholz und nicht die Hafencity.
  • Förderung von Kunst und Kultur, was auch bedeutet wieder mit Buchholzer Bands auf dem Stadtfest stark präsent zu sein.
  • Sicherung von Arbeitsplätzen, mit dem Ziel, dass nicht jeder Konsumtempel auch ein
    späterer Garant für Arbeitslosigkeit wird.
  • Erhalten von Naherholungsgebieten und von Baumbeständen im Stadtgebiet.
  • Etwas gegen den steigenden Bahnlärm unternehmen, nicht wie es bisher gehandhabt wird und einfach nichts machen. Damit ist den Bürgern in den betroffenen Gebieten nicht gedient.
  • Aber auch den Bürgerinnen und Bürgern am Kunstrasenplatz Wiesenschule muss man Lösungen anbieten. Es ist ein schlechtes Zeichen was in der letzten Zeit zu Beseitigung der Probleme gesetzt wurde.

Das aber sind wie schon erwähnt nur alles meine Gedanken. Realistisch ist es, dass ich derzeit weder einen Plan veröffentlichen kann, noch werde ich an dieser Stelle Wahlversprechen von mir geben. Man muss sich erst mal einen Überblick über die gesamte Situation verschaffen, das ist für einen außenstehenden vorerst eine große Hürde. Wenn andere Kandidaten das von sich aus schon können, dann freut es mich sehr dass sie Träume haben und uns diese mitteilen.

Wo siehst Du die größten Probleme für die Stadt? Ist es der Verkehr, die Wohnungssituation oder etwas anderes?

Bezahlbarer Wohnraum ist etwas, was immer knapper wird in Buchholz und seinen Ortsteilen, hier muss sich stark etwas verbessern. Klar muss auch am Verkehrsfluss gearbeitet werden, nur ist das nicht mit noch mehr Projekten die zu nichts führen, zu schaffen. Da muss man gerade im Zeitalter der Technik auch Technik anwenden. Aber nicht nur Technik sondern auch der Verstand muss dabei sehr hart arbeiten.

Der Wirtschaftsstandort Buchholz muss klar weiter eine Priorität haben, nur muss hier mit viel Feingefühl und Verstand das richtige Maß gefunden werden. In der Vergangenheit hat man hier die höchste Priorität gesetzt und den Bürger dabei vergessen. Buchholz ist Lärmstandort, dass muss sich ändern. Wenn man es genau nimmt kennt man eh noch längst nicht alle Probleme die es gibt. Um Probleme aber zu lokalisieren, muss man eben auch Gespräche führen.

Wo würdest Du Dich politisch verorten, halblinks, halbrechts, in der Mitte?

Wer mich kennt, weiß das ich ein Mensch bin der ein stark ausgeprägtes Sozialempfinden hat. Was ich ganz klar sagen kann: Ich bin weder halbrechts noch dreiviertel oder ganz rechts. Als Arbeitsrechtler auf Arbeitnehmerseite ist man da eher links gerichtet.
Wie willst Du Deine Kandidatur bewerben? Hast Du schon Maßnahmen geplant?

Meine erste Maßnahme ist eine Website, auf der ich mich vorstelle und wo auch einige Ansichten von mir für alle dargestellt werden. Diese kann jeder unter http://uwe.schulze.gegengift.eu erreichen. Im zweiten Schritt mache ich etwas, was vielen anderen Bewerbern sicherlich nicht ganz einfach erscheint, ich spreche direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern. Mir ist wichtig, was es direkt auch unter den Bürgern für Sorgen gibt, wo der Schuh drückt. Das erfahre ich nicht, wenn ich mich nur auf neue Medien stütze.

Wahlplakate werde ich nicht machen, es sei denn, es spendiert mir jemand welche. Mit einen Plakat und schlauen Sprüchen drauf wird aber den Bürgern und der Stadt nicht geholfen. Man muss schon mal „echte“ Gespräche führen und sich auch mal ins örtliche Umfeld begeben.

Danke für das Gespräch!

Die sechsköpfige Findungskommission der Buchholzer CDU, die einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 25 Mai 2014 suchte, hat sich für den Ersten Stadtrat Jan-Hendrik Röhse (49) entschieden. Das berichtet das Nordheide Wochenblatt in seiner Sonnabend-Ausgabe. Damit wird ein Duell zwischen Röhse und dem Grünen-Fraktionschef im Stadtrat, Joachim Zinnecker, um die Nachfolge von Wilfried Geiger, das der buchholzblog bereits vor einigen Tagen prophezeite, immer wahrscheinlicher.

Die endgültige Entscheidung über Röhses Kandidatur trifft allerdings erst die Mitgliederversammlung der Buchholzer CDU am 17. Januar. Die Empfehlung der Findungskommission ist formal nicht bindend. Aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Mitglieder dem Votum folgen werden. (kst)