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Posts Tagged ‘Bündnis für Flüchtlinge Buchholz’

DSC_0707[1]Von Kristian Stemmler

Überraschend sachlich und friedlich ist am Donnerstag abend die Informations-veranstaltung zur geplanten Unterkunft für Asylbewerber An Boerns Soll im Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) verlaufen. Wie berichtet, sollen auf einem kreiseigenen Grundstück neben der Förderschule Boerns Soll eine Containeranlage für rund 120 Asylbewerber errichtet werden. Die Vorplanungen sollen in den nächsten Wochen beginnen, mit Fertigstellung und Bezug ist im Spätsommer zu rechnen.

Dass die Info-Veranstaltung im AEG, zu der Landkreis und Stadt eingeladen hatten, so weitgehend reibungslos verlief, lag zum einen sicher an der ruhigen Art des Vortrags der Verantwortlichen und der unaufgeregten Moderation der Diskussion. Vor allem aber lag es aber wohl daran, dass sich die Kritiker der Unterkunft in der mit rund 300 Menschen voll besetzten Aula klar in der Minderheit befanden – etwa ein Drittel zu zwei Drittel – und auch argumentativ schnell in der Defensive waren.

So kam eine aggressive Hetzstimmung, wie es sie bei solchen Abenden schon gegeben hat, gar nicht erst zustande. Bei Betrachtung der Wortmeldungen und des Beifalls zu bestimmten Äußerungen ließ sich relativ gut abschätzen, wie die Gegner und Befürworter verteilt waren. Die Gegner kommen offenbar vor allem aus der eher kleinbürgerlichen Siedlung rund um die Marienstraße südlich des Schulgeländes. Die Befürworter eher aus der Märchensiedlung, deren Bewohner in der Mehrheit vermutlich grün-alternativ geprägt oder zumindest toleranter sind.

Störungen von Seiten der Buchholzer Neonazis, die über den Twitter-Account ihrer Aktionsgruppe Nordheide zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen hatten, gab es keine. Allerdings war die Polizei auch vorbereitet und wollte polizeibekannte Kader gar nicht erst in die Aula lassen. Der Chef der Polizeiinspektion Harburg, Uwe Lehne, war selbst vor Ort, auch zivile Beamten des Staatsschutzes. Mit der Präsenz Uniformierter hielt man sich aber zurück.

Auch die örtliche Antifa war anwesend und zeigte Flagge. Offenbar gelang es der AG Nordheide aber dennoch, jemanden in den Saal zu schmuggeln, denn schon während der Veranstaltung wurden fleißig Infos über den Verlauf getwittert. Diese Mitteilungen waren natürlich höchst tendenziös und verfälschend. So wurden Einzelstatements zur Meinung der Gesamtheit hochstilisiert. „Die Bevölkerung hat Angst vor den großen Männergruppen!!“, hieß es da etwa.

Tatsächlich gab es die üblichen Einwände gegen die Unterkunft, wie sie die Verantwortlichen des Landkreises bereits auf etlichen ähnlichen Veranstaltungen gehört haben. Ganz vorn dabei sind immer die angeblich sinkenden Grundstückspreise. So meldete sich gleich zu Anfang ein Anwohner der Marienstraße, der um den Wert seiner Immobilie fürchtet und behauptete, „da wo das Geld ist“, würden keine Flüchtlingsunterkünfte errichtet, nur in Wohngebieten der Mittelschicht.

Ein anderer Bürger bekannte er gehöre nicht „zum rechten Pack“, sei aber gegen die Unterkunft. Das Ganze sei undemokratisch beschlossen worden, viele Asylbewerber seien doch nur „Wirtschaftsflüchtlinge“. Er habe vor fünf, sechs Jahren gebaut und würde jetzt am liebsten wegziehen. Aber man wisse ja gar nicht mehr wohin, weil die Flüchtlinge quasi überall seien.

Dass die Anwohner nicht rechtzeitig informiert worden seien, kam mehrfach. Kritisiert wurde auch, dass die Unterkunft direkt neben einem Schulzentrum erbaut wird. Und natürlich durfte auch die besorgte Mutter nicht fehlen, deren Tochter das AEG besucht, und die danach fragt, ob man denn wenigstens dafür sorgen könne, dass nicht nur junge Männer in der Unterkunft einziehen.

Die Verantwortlichen von Landkreis und Stadt setzten den Vorurteilen sachliche Information entgegen. Auf dem Podium hatten der Buchholzer Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU), Reiner Kaminski, Dezernatsleiter Soziales des Landkreises, Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises, Thorsten Völker, Koordinator für die Flüchtlingsunterbringung, und Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt und Vertreter des „Bündnis für Flüchtlinge Buchholz“, Platz genommen.

Kaminski wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass andere Länder wesentlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssten als Deutschland. So würde der Libanon von Flüchtlingen aus dem benachbaren Syrien überschwemmt. Eine Bevölkerung von nur vier Millionen Euro sieht sich dort mehr als einer Million Flüchtlinge gegenüber. In Deutschland, so der Dezernent, seien 2014 rund 200.000 Asylbewerber aufgenommen worden, in diesem Jahr wird mit 300.000 bis 400.000 gerechnet. Kaminski verwies auf die aktuellen Tragödien im Mittelmeer, die deutlich machten, dass diese Menschen oft Leib und Leben riskierten, um Not und Verfolgung zu entkommen.

Es sei eine gesellschaftliche Verpflichtung, diesen Menschen Schutz zukommen zu lassen, so der Redner weiter. Das „Recht auf Asyl“ im Grundgesetz und entsprechende Passagen in der Genfer Konvention seien die rechtlichen Grundlagen. Er habe dafür Verständnis, dass Anwohner von geplanten Unterkünften sich fragten, was auf sie zukommt, „weil es da viele Ängste gibt“. In Buchholz habe man bisher gute Erfahrung gemacht, vor allem auch bei der Zusammenarbeit mit dem Bündnis.

Thorsten Völker gab einen Einblick in die aktuellen Zahlen und Fakten zum Thema. Derzeit seien 1649 Personen im Landkreis aufgenommen. Im Jahr 2014 wurden 784 Asylbewerber aufgenommen, in diesem Jahr waren es bis Mitte April bereits 446. Rund 1500 Asylbewerber, so die Schätzung, würden dem Landkreis in diesem Jahr noch zugewiesen, so dass der Landkreis in summa in diesem Jahr dann rund 2000 Flüchtlinge aufgenommen hätte. Das wären immer noch weniger als 1992, so Völker, zur Zeit der Balkankrise. Der Landkreis stelle aktuell 1671 Plätze in 58 Unterkünften bereit.

Die Flüchtlinge würden nach der Einwohnerzahl auf die Landkreises verteilt, seit August 2014 sei die Zuweisungspraxis „sehr stringent“. Aktuell würden 35 bis 40 Asylbewerber pro Woche zugewiesen, Absprachen seien nicht möglich. So würden Namen, Geschlecht, Nationalität und Religionszugehörigkeit erst drei bis sieben Tage vor Ankunft der Flüchtlinge mitgeteilt. Für 795 Flüchtlinge seien Unterkünfte in Planung oder in Bau, für 705 müssten in diesem Jahr noch Unterkünfte gefunden werden.

Angesicht der steigenden Zahlen von Zuweisungen habe man sich gezwungen gesehen, von Unterkünften für 30 bis 40 Asylbewerbern wegzukommen und Unterkünfte für bis 120 Personen anzustreben. Die Anwohner geplanter Unterkünfte würden so früh wie möglich informiert. Freudewald wies die Kritik zurück, in reicheren Kommunen würden keine Flüchtlinge untergebracht. So gäbe es in Jesteburg allein zehn Standorte.

Bürgermeister Röhse ging auf die Frage ein, warum die Unterkunft neben einem Schulzentrum errichtet werde. Das sei in keiner Weise ein Problem, betonte er. Er habe selbst eine 15 Jahre alte Tochter am AEG, sein neun Jahre alter Sohn werde die Schule demnächst besuchen. Was die Flüchtlinge angeht, mache er sich überhaupt keine Sorgen, so der Bürgermeister: „Dann habe ich schon eher Angst, dass ihnen auf dem Weg zur Schule was passiert…“

Erfrischend und erfreulich waren an diesem Abend die Statements von Bürgern, die nicht nur den verbreiteten Ängsten entgegen traten, sondern das Positive hervorhoben. So stand eine Mutter aus der Märchensiedlung auf und rief unter Beifall, sie freue sich richtig auf die Ankunft der Flüchtlinge. „In der Siedlung sind alle mehr so unter sich, wir kommen aus einer ähnlichen Wohlstandsschicht. Unsere Kinder kennen gar nichts anderes“, sagte sie, „da ist es toll, dass sie die Flüchtlinge kennen lernen können.“

Eine andere Mutter aus der Märchensiedlung meinte angesichts der von Zuhörern geäußerten Befürchtungen: „Es handelt sich um Menschen, nicht um Ungeheuer.“ Dass einigen zu den Flüchtlingen nur einfalle, dass der Marktwert ihrer Immobilie sinken könne, mache sie sprachlos. Eine junge Frau vom „Bündnis für Flüchtlinge“ erklärte, sie habe kein Verständnis dafür, dass einige Angst davor hätten, dass nur junge Männer in der Unterkunft wohnen könnten: „Hier in der Aula sind bestimmt auch mindestens 50 Prozent Männer – und ich habe auch keine Angst.“

Unterstützung für den Landkreis und die Stadt kam auch von den anwesenden Schulleitern. Aufgabe einer Schule sei es auch, „Begegnung zuzulassen und Verantwortung zu übernehmen“, erklärte der Leiter des AEG, Hans-Ludwig Hennig, „und genau das werden wir auch tun.“ Holger Blenck von der Schulleitung der IGS Buchholz lobte, die Verantwortlichen für die Unterbringung würden sehr professionell arbeiten. Man werde abwarten, wer komme, und dann überlegen, wo man helfen könne.

Der Pressesprecher der Stadt, Heinrich Helms, der die Diskussion moderierte, stellte kurz das Bündnis für Flüchtlinge vor. 2013 gegründet habe man inzwischen rund 140 Mitstreiter. In mehreren Gruppen würde Sprachunterricht für Flüchtlinge angeboten. Alle sechs bis acht Wochen organisiere man einen Tag der Begegnung. Als nächstes wolle das Bündnis an der Bremer Straße in einem Container eine Fahrradwerkstatt einrichten, um dort Fahrräder für die Flüchtlinge gemeinsam mit den Betroffenen instand zu setzen (Näheres zum Bündnis unter http://www.buendnis-buchholz.de).

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Buchholz (ein/kst) – Die Tragödie im Mittelmeer zeigt aufs Neue, welche dramatischen Dimensionen die Flüchtlingsproblematik angenommen hat. Angesichts der vom Westen verursachten Krise und Kriege im Mittleren Osten, Afrika und anderswo kommen weiterhin tausende Flüchtlinge nach Deutschland. Davon ist auch der Landkreis Harburg betroffen. Buchholz will jetzt weitere 120 Asylbewerber aufnehmen und zwar am Boerns Soll.

Nach Gesprächen mit der Stadt und den Schulleitern der benachbarten Schulen habe der Landkreis entschieden, auf dem kreiseigenen Gelände An Boerns Soll eine neue Unterkunft für 120 Flüchtlinge in Modulbauweise zu errichten, meldet die Verwaltung. Die Vorplanungen für den Bau der neuen Anlage sollen in den nächsten Wochen beginnen, mit einer Fertigstellung und dem Bezug sei voraussichtlich im Spätsommer zu rechnen.

„Als größte Stadt im Landkreis Harburg nehmen wir unsere Verantwortung wahr, weitere Flüchtlinge in unserer Mitte aufzunehmen“, sagte Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU). „Dabei sind wir auch weiterhin auf die ehrenamtliche Unterstützung und Erfahrung von Bürgerinnen und Bürgern angewiesen, die sich im Buchholzer Bündnis für Flüchtlinge engagieren können.“ In der Stadt Buchholz sind bereits rund 250 Asylbewerber an neun Standorten untergebracht.

Die Anwohner und Nachbarn des ausgewählten Geländes wurden bereits mit einem gemeinsamen Brief des Landkreises und der Stadt Buchholz über das Vorhaben informiert und zu einer Bürgerinformationsveranstaltung eingeladen, die am Donnerstag, 19.30 Uhr, in der Aula des Albert Einstein Gymnasiums stattfindet. Dazu wurden auch alle Eltern von Schülerinnen und Schülern, die die benachbarten Schulen besuchen, mit ähnlichen Schreiben der Schulleiter eingeladen.

Auf der öffentlichen Veranstaltung wird Röhse gemeinsam mit dem Bereichsleiter Soziales des Landkreises, Reiner Kaminski, über die aktuelle Flüchtlingssituation im Landkreis, den Stand der Planungen und das Betreuungskonzept informieren und sich den Fragen des Publikums stellen. Mit dabei sind auch Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt Buchholz und im Buchholzer Bündnis für Flüchtlinge aktiv, und Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises Harburg, sowie die Schulleiter der benachbarten Schulen.

Die Polizei bereitet sich offenbar auch auf die Veranstaltung vor, um mögliche Störungen schon im Vorfeld zu ersticken. Jedenfalls meldet die Nazi-Gruppierung Aktionsgruppe (AG) Nordheide auf ihrem Twitter-Account, die ersten „Nationalisten“ hätten wegen der Veranstaltung am Donnerstag im AEG „Besuch von der Staatsmacht“ bekommen.

Es ist also davon auszugehen, dass die Polizei im Zuge so genannter Gefährderansprachen die Buchholzer Nazis vorwarnt und ihnen deutlich macht, dass sie sie im Blick hat. Die AG Nordheide hetzt seit Monaten auf ihrem vermutlich vom Führungskader Denny Reitzenstein betriebenen Twitter-Account und auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge.

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Willkommen auf Deutsch PlakatBuchholz (be) – Der buchholz express hat über diese engagierte Dokumentation bereits ausführlich berichtet. Der Film „Willkommen auf Deutsch“ der Hamburger Filmemacher Carsten Rau und Hauke Wendler, der in diesen Tagen in deutschen Kinos anläuft, soll am kommenden Sonntag, 29. März, um 11.30 Uhr im Movieplexx gezeigt werden. Zu der Matinee lädt das „Bündnis für Flüchtlinge Buchholz“ ein, das sich um die Asylbewerber der Stadt kümmert.

Im Anschluss an die Vorführung des Films wollen Mitglieder des Bündnisses – Ute Schui, Wilfried Bolte und Heinrich Helms –, dazu der Pressesprecher des Landkreises Harburg, Johannes Freudewald, sowie die stellvertretenden Bürgermeister von Buchholz, Sigrid Spieker (CDU) und Frank Piwecki (SPD), mit dem Publikum über den Film und die Situation der Flüchtlinge in Buchholz diskutieren. Karten kosten 7,50 Euro.

„Wir freuen uns sehr, dass Carsten Reck den Film in sein Programm aufgenommen hat“, sagt Ute Schui vom Bündnis für Flüchtlinge, „und uns sein Kino für eine Diskussion zur Verfügung stellt.“ Im April läuft der Film auch im Abendprogramm des Movieplexx. Eine ausführliche Besprechung des Streifens ist unter folgendem Link zu finden: https://buchholzblog.wordpress.com/2015/01/27/willkommen-auf-deutsch-der-landkreis-harburg-und-die-fluchtlinge-ein-film-deckt-auf-und-macht-mut/

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139Von Kristian Stemmler

Vor dem Rathaus von Buchholz wehten die Flaggen auf halbmast. Ein Zeichen des Respekts am Tage des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag ist. Er wurde auf den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 gelegt. 2005 wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erklärt.

Am Abend gedachten rund 80 Menschen, vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, darunter die örtliche Antifa, bei einer Mahnwache auf dem Marktplatz vor dem Emporeteich der NS-Opfer. Am Ende der Veranstaltung wurden Kerzen entzündet. Ein Teil der jungen Leute nahm danach an der offiziellen Veranstaltung des Tages in der Empore teil, die in diesem Jahr die Ausrichtung der Gedenkveranstaltung übernommen hatte. Insgesamt kamen rund 200 Zuhörer. Dem Veranstaltungsort angemessen näherte man sich dem Thema mit künstlerischen Mitteln, hatte eine Multimedia-Lesung der a.gon Theaterproduktion aus München ausgesucht.

Unter der Überschrift „Als bliebe ich am Leben“ lasen die Schauspieler Stefan Zimmermann und Jenny-Joy Kreindl (Tochter von Werner Kreindl) aus dem Briefwechsel von Helmuth James Graf von Moltke und seiner Frau Freya. Der Cellist Eugen Bazijan begleitete Filmszenen, unter anderem mit Bildern aus dem Leben der Protagonisten. Durch die Reduzierung auf das Wesentliche rührte dieser intime Dialog zwischen zwei Liebenden im Schatten des Todes unmittelbar an.

Der Jurist Helmuth James Graf von Moltke leistete Widerstand gegen das NS-Regime, gründete den „Kreisauer Kreis“ und wurde dafür am 23. Januar 1945 in Plötzensee erhängt. Im Gefängnis Berlin Tegel wartete er im Herbst 1944 auf seinen Prozess vor dem Volksgerichtshof und auf die sicher scheinende Hinrichtung, wechselt täglich Briefe mit seiner Frau, die vom Gefängnispfarrer Harald Poelchau unter Lebensgefahr herausgeschleust wurden. Wie durch ein Wunder blieben die Briefe erhalten und wurden 2011, ein Jahr nach dem Tod der Ehefrau veröffentlicht.

Vor der Lesung hielt Bürgermeister Wilfried Geiger eine Ansprache, in der er die barbarischen Verbrechen des NS-Regimes verurteilte. In diesem Jahr ging er bemerkenswerterweise auch auf aktuelle Ereignisse ein, über die bisher nur der buchholzblog berichtet hat – und zwar auf den Auftritt Buchholzer Neonazis in der Silvesternacht auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus. Und Geiger erwähnte auch die Razzia im Sommer gegen Neonazis, die verdächtigt wurden, eine Terrorismusorganisation nach Muster der NS-Organisation „Werwolf“ anzustreben. Einer der Verdächtigten, der Nazikader Denny Reitzenstein, lebt in Buchholz, seine Wohnung wurde durchsucht.

„Natürlich müssen wir solche Aktivitäten ernst nehmen, auch wenn es nur wenige sind“, sagte Geiger. Der Staatsschutz der Polizei habe die Neonazis im Auge, besonders wichtig sei aber auch, dass sich in Buchholz ein „Bündnis für Flüchtlinge“ gegründet habe mit fast 100 Buchholzern. Sie kümmerten sich ehrenamtlich um die ankommenden Asylbewerber, sorgten dafür, dass sich eine „Willkommenskultur“ etabliere. Damit, so der Bürgermeister, stellten sie sich der Verantwortung, die uns die Geschichte auferlege.

Ob das alles nur Lippenbekenntnisse sind, wird sich herausstellen. Gestern hat der Autor in seiner Funktion als parteiloser Ratsherr die Errichtung einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Marktplatz von Buchholz beantragt. Sowohl die Verwaltung als auch die im Rat vertretenen Parteien können jetzt zeigen, wie ernst sie es mit der Bewältigung der braunen Vergangenheit meinen.

Die Gedenkstätte soll vor allem an die Tausenden von KZ-Häftlingen erinnern, die auf der Strecke der Heidebahn in Güterwaggons unter grauenvollen Bedingungen von einem KZ zum anderen transportiert wurden. Die Züge fuhren auch durch Buchholz, hielten hier auch teilweise. Manche Wagen hatten kein Dach, von den Brücken konnten alle sehen, was da passierte. Die Gedenkstätte soll im Zentrum von Buchholz, direkt neben dem Gedenkstein für die in den beiden Weltkriegen gestorbenen deutschen Soldaten errichtet werden, also in derselben Grünanlage, in der ausreichend Platz ist.

Hier der Antrag im Wortlaut:

Der Rat der Stadt möge beschließen:

Die Verwaltung der Stadt Buchholz erarbeitet, mit eigenen Mitteln und/oder externer Hilfe, ein Konzept für eine Gedenkstätte, die an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert, insbesondere an die KZ-Häftlinge, die auf der Strecke der heutigen Heidebahn auch durch Buchholz transportiert wurden, teilweise in offenen Wagen, die für jeden einsehbar waren. Die Gedenkstätte wird direkt neben dem Gedenkstein für die in den Weltkriegen gestorbenen deutschen Soldaten und in ähnlicher Größe auf dem Mittelpunkt des Marktplatzes der Stadt eingerichtet.“

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